Ausgabe 
28.8.1905 Zweites Blatt
 
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Montag 28. August 1905

Zweites Blatt

155 Jahrgang

Nr. 201

General-Anzeiger, Amk- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Tttegr.-Mr.: Anzeiger Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieEichener ZamilienblStter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^tzesstsch« Landwirt' erscheint monatlich einmal.

wird. Da werden der Kaiser wird die Taufrede des Schiffes halten die seitherigen innerpolitischen Vorkomm- nisie hinter diesem neuen Begebnis etwas zurücktreten; man wird sich nicht mehr überden deutschen Katholikentag zu unterhalten brauchen, der in der abgelaufenen Woche statt- gefunden hat. Viel Bemerkenswertes hat diese große Zentrums­parade nicht gehabt. Man spielte Versteck mit seinen wahren Gedanken; der Abgeordnete Gröber spann in der Erwähnung der Kaiserrede von Gnesen die Fäden so, als sei nun der Monarch auf eine bestimmte Politik hin verpflichtet. Aehnlich war das Verfahren bei der akademischen Frage. Man be­grüßt es als freudige Tatsache und tut, als sei es selbst­verständlich, daß die Lehrer unserer Hochschulen immer mehr aufkatholischer Weltanschauung" ihre Forschungen aufbauen. Daß dagegen Protest erhoben werden könnte, damit hat man scheinbar gar nicht gerechnet. Das soll aber nicht hindern, daß bei Zeiten den Herren auf die Finger geguckt wird, da­mit die Bäume nicht in den Himmel wachsen . . .

Die nächste Zukunft wird politisch viel Wichtiges bringen. Vor allem im Orient. Da werden die großen Fragen der Machtverteilung nun endlich beantwortet werden, nachdem der Krieg bereits ungezählte Opfer verschlungen hat. Voraus­gesetzt, daß die Friedensbemühungen zwischen Ruß- land und Japan wirklich so ernsthaft betrieben werden, wie nach den Meldungen aus Portsmouth zu schließen ist. Der kritische Zeitpunkt der Entscheidung ist jedenfalls nahe. Bis Samstag, 26. August, war die Friedenskonferenz vertagt worden, damit die Delegierten bei ihren ^Regierungen Rück- frage halten konnten, bezüglich deS letzten Mittels zu einem gedeihlichen Ende, nämlich deS Kompromißvorschlages des Präsidenten Roosevelt, welcher bekanntlich die Zahlung der von den Japanern geforderten Kriegsentschädigung in eine für die Nordhälfte Sachalins von Rußland zu zahlende Kauf­summe umwandeln möchte. Wenn auch di« Vorstellungen des amerikanischen Botschafters am russischen Hofe, v. Lengerke- Meyer, nichts genützt haben und heute gemeldet wird, daß der Zar den Vermittlungsvorschlag endgiltig abgelehnt habe, so ist bei dem großen Interesse, das der Präsident der Ver­einigten Staaten am Zustandekommen des Friedens hat, doch zu hoffen, daß die Konferenz nicht erfolglos auseinander­gehen wird. ES könnten ja andere Vorschläge gemacht oder der jetzt vorliegende Vorschlag könnte geändert werden, -z.

Gießen, 28. August.

* Die wackere Tat eines Musketiers deS In­fanterie-Regiments Nr. 116. Wir entnehmen einem Wiesbadener Blatte: Am 4. Juli d. I. versuchte der Unter- Offizier Mielke der 4. Kompagnie des Regiments, das augen­blicklich in Wiesbaden im Quartier liegt, beim Bade» zusammen mit dem Musketier Tresser die Lahn bei Gießen zu durchschwimmen. (Der bekannte Vorfall, den wir meldeten. D. Red.) Als daS Paar das jenseitige Ufer fast erreicht hatte, verließen den Musketier Treffer die Kräfte; er klam­merte sich an den Unteroffizier, der, als ausgezeichneter Schwimmer bekannt, den Treffer sofort in Sicherheit zu bringen versuchte. Hierbei aber wurde der Unteroffizier aus unaufgeklärter Ursache plötzlich von einem Krampf befallen, der ihm anscheinend die Möglichkeit jeder weiteren Tätigkeit benahm. So sanken beide unter. Der in der Schwimm­anstalt noch mit Ausziehen beschäftigte Musketier Miesch der 4. Kompagnie trat zufällig ans Ufer, als noch gerade eine Hand des Untersinkenden aus dem Wasser hervorragte, überblickte sofort das Kritische der Situation und stürzte sich ohne Besinnen, obwohl er selbst noch in der Ausbildung zum Schwimmen begriffen war, ins Wasser, um feinen in höchster Gefahr schwebenden Kameraden zu retten. Mit Aufbietung

VoUtische Wochenschau.

Gießen, 28. August.

ordnete dem Bunde sehr nahe und man hätte, so führte er aus, annehmen sollen, daß diese Herren sich das MatmnI zur Steuerreform genau angesehen hätten. Es wäre richtig gewesen, wenn das ganze Material an die Bundeslettung! gesandt worden wäre, dann würde es von der Volksabteck- ung eingehend bearbeitet worden sein, und die ^6geord­neten wären in die Lage versetzt worden, mit Geschick und Erfolg gegen den Negierungsentwurf zu kämpfen. ES fei jetzt nur noch die erste Kammer zu bitten, den Entwurf abzulehnen und zur nochmaligen Prüfling an die jtoeite Kammer zurückzuverweisen. Daß der Landwirt die Steuer beim Grundbesitz vom gemeinen Wert zahlen soll, sei un­gerecht, der Ertragswert sei zu besteuern. Auch mit dein- Gewerbebetrieb des Landwirtes sei es nichts. Jeder Handelsmann und Gewerbetreibende könne sein Kapital drei- und viermal im Jahre umsetzen, mindestens M isÄoz. verdienen, das könne der Landwirt nicht, da sprachen die Witterungsverhältnisse und alles mögliche mit. Eine weitere Gefahr liege darin, daß die Dienstboten als Ge­werbegehilfen angesehen werden könnten und dann unter die Gewerbeordnung fielen. Daß kein Schuldenabzug statt­finden solle, sei ungerecht und unbegreiflich. Der Landwirt werde viel stärker bei der neuen Besteuerung heranaezogen als jeder andere Geschäftszweig, welcher mit verhältnis­mäßig weniger Betriebskapital viel mehr erziele als der Landwirt. Ohne schwere Arbeit und intensiven Fleiß fei überhaupt keine Grundrente zu erzielen. Die Redensart, daß bei stärkerer Heranziehung des Kapitals die Inhaber aus Hessen auswandern würden, sei Unsinn, die Kapitalisten würden auch anderswo zur Steuer herangezogen. Die großen Einkommen und Industrien besonders heranzuziehen, hätte das Ziel der Steuerreform sein müssen. Der Referent schlug die Annahme einer Resolution vor, wonach die erste Kammer ersucht wird, den Gesetzentwurf vorläufig abzvB lehnen und ihn zur weiteren eingehenden Beratung an die zweite Kammer zurückzuverweisen. Von Landtagscchg. Möllinger wurde folgende Resolution beantragt:

Der Entwurf eines Gemcindeumlagengeseßes,- wie er nach der Beratung und Annalnue in der zweiten Kammer der LmidMnde nunmehr der ersten Kummer vorliegt, wird von den am 27 Aug. zu Mainz versammelten Mitgliedern des Bundes der Landvmcke nicht gebilligt. Insbesondere liegt ein Bedürfnis zu cmer grundsätzlichen Reform der Grundsteuer auf dem flachen Lande nicht vor: eine Verbesserung gegenüber dem jetzigen Zustande wird auch von der Einführung der Besteuerung nach 'Vrutto- vermögenswerten keinesfalls erwartet, und es kann daher bet völligen Umwälzung der Steuerverhältnisse nur mit Unruhe und Besorgnis entgegengesehen werden." ,

Es wird nun in der Resolution in den Hauptpunüe» der Standpunkt deS Bundes zur Grundsteuer eingehend dar­gelegt. Die Besteuerung der Grundstücke und der Gebäude nach dem Reinertrag, wie sie jetzt besteht, verdiene den Vorzug gegenüber der Besteuerung nach dem gemeinen Wert, die der Gesetzentwurf zur Einführung bringen will. Die ländlichen Oekonomiegebäude seien bisher steuerfrei, und daS beanspruche man auch für die Zukunft, wenigstens dürsten sie nur mit den halben Sätzen zur Gebäudesteuer herangezogen werden. Für den landwirtschaftlich benutzten Boden eigne sich un­bedingt am besten die Ertragsbesteuerung nach dem Kataster. Um die hochverschuldeten Landwirte nicht übermäßig zu be­lasten, sollten die über die Hälfte des Grundstückswertes hinausgehenden Schulden für abzugsfähig erklärt werden und ein entsprechender Zinsanteil vom Reinertrag abgerechnet werden dürfen.

Landtagsabg. Wolf-Stadecken legte eingehend seinen Standpunkt dar, warum er für den Gesetzentwurf ge­stimmt habe. Einen Schuldenabzug hält er nicht für ge­rechtfertigt. Der Redner sprach sich gegen beide Resolu­tionen aus, da damit ein großer Teil der Landtagsabap-- ordneten, die zum Bunde der Landwirte gehörten und die für das Gesetz gestimmt hätten, desavouiert würden. Das Gesetz sei ja nur auf sechs Jahre berechnet, in der Zwischen­zeit könne man Material sammeln und nach Ablauf beß. Steuergesehes ein besseres schaffen.

Landtagsabg. Schönberger legte eingehend seinen Standpunkt zum Gesetze dar, der ihn bei der Abstimmung zur Ablehnung gebracht habe. Sein Prinzip sei, daß nach der Leistungsfähigkeit besteuert werde, dann falle jede Klage hinweg. Dem Redner wurde allgemeines SSratio gespendet. Landtagsabg. Hirsches sprach im Sinne des . Herrn Wolf und empfahl Ablehnung jeder Resolution. Herr Kurz-Osthofen will eine richtige Steuerreform haben. Schließlich wurde die Resolution Möllingermit21 . gegen 10 Stimmen angenommen, worauf die®er* ; fammlung geschlossen wurde.

Die Fleischteuerung ist auch in dieser Woche aus allen innerpolitischen Betrachtungen der deuffchen Presse am meisten hervorgetreten. In zahlreichen Städten wur­den nicht nur Volksversammlungen oder Versammlungen der Fleischer und anderer Jnteressentengruppen veranstaltet, sondern auch innerhalb der städtischen Verwaltungen Be­schlüsse zur Hebung der Fleischnot gefaßt. Von den Bundes­regierungen hat zunächst Bayern das Wort ergriffen, freilich um Ansichten über die Fleischteuerung zu äußern, Die sich von den offiziösen Kundgebungen im Norden nicht oder nur sehr wenig unterscheiden. Auch die bayerische Re­gierung operiert mit dem Ergebnis der Viehzählung vom L Dez. 1904, die in Bayern eine Zunahme des Schweine­bestandes ergeben habe. Auch wenn man die Zunahme der Bevölkerung von 1900 bis 1904 in Betracht ziehe, würde der Schweinevorrat im deutschen Reich? dennoch voran­geschritten sein. Im übrigen glaubt auch die bayerische Regierung den gegenwärtigen Mangel än Schweinefleisch damit erklären und rechtfertigen zu können, daß die zum Schlachten gelangenden Mastschweine geringer an Zahl und Gewicht seien und andererseits die Zahl der Konsumenten, u. a. infolge der größer gewordenen Ansprüche, gestiegen sei. Für die Preissteigerung sei auch der Zwischenhandel verantwortlich zu machen. Also die alte Geschichte. Von Derartigen Untersuchungen wird fein Mensch satt. Für Konsumenten, die große Masse der Bevölkerung, ist die Ursache der Teuerung viel weniger wichtig, als die Tatsache, daß sie ihr Fleisch teurer bezahlen muß als sonst. «Sie machte die Regierungen dafür verantwortlich, weil diese es in der Hand haben, die Grenzen der Ein­fuhr von Schweinen etwas zu öffnen und weil sie mindestens keinen sttchhaltigen Grund dafür angeben können, daß sie heute nicht die Einfuhr desjenigen Quantums gestatten können, das sie nach dem 1. März k. I. vertragsmäßig einlassen müssen. Wenn nach dem 1. März Maßregeln getroffen werden können, die Seuchengefahr femmhalten, so vermögen die Konsumenten nicht einzusehen, baß dies je tzt nicht möglich fein sollte.

In den letzten Tagen ging nun die Mitteilung durch Die Presse, daß das preußische Landwirtschastsministe- rtum neue Erhebungen über die Lage des Fleischergewerbes angeordnet habe. Man knüpfte daran die Hoffnung, daß Die preußische Regierung endlich doch beabsichtige, ödfyritte zur Milderung der Vieh- und Fleischteuerung zu tun. Es stellt sich nun aber heraus, daß die Erhebung sich nur auf bte Stadt Frankfurt beschränkt, von wo berichtet wttd, daß dort in der letzten Zeit 33 Metzgerläden infolge schlechten Geschäftsganges hätten geschlossen werden müssen. In anderen Städten liegt aber, wie Zeitungsnach­richten zu entnehmen ist, die Sache ähnlich In der neuesten Nummer derAllaem. Fleischerztg." vom 26. d. M. lesen wir einen Aufruf des Vereins der Fleischermeister in Berlin an alle Fleischer im Reich, anfangs September in Berlin zu einer Beratung zusammenzutreten. Durch eine Massenkundgebung von Tausenden Meistem soll, so heißt es darin, an zuständiger Stelle zum Ansbruck gebracht werden, daß unweigerlich der Ruin unzähliger Fleischereibetriebe in kurzer Zeit eintreten muß, wenn nicht rascheste Hilfe ge­schaffen wird. Man scheint also in diesen Kreisen cmzu- neBmen, daß man durchaus nicht mit einerrasch vorüber­gehenden Erscheinung" zu rechnen habe, wie Herr Pod- oielski ttöstlich versicherte.

Ziemliche Sorgen bereiten dem deutschen Volke außer bet Fleischnot auch die Zustände in den afrikanischen Kolonien. Zu allem Elend in Südwestafrika ist nun noch der Ausbruch einer Empörung in Deutsch-Ostafrika hinzuge­kommen. Daß die deutsche Verwaltung einen Teil der Schuld trägt, ist anzunehmen. Wir haben aber noch nicht genügende Erfahrungen im Kolonialwesen gemacht, rote z. B. England. Auch die angekündigte Reform des Kolonialamtes würde in diesem Punkte uns nicht voran bringen, und der ,neue Mann" des Kolonialministeriums würde viel Sorgen und Arbeit vorfinden. Doch über diese Personalwechsel steht bis jetzt noch nichts fest, denn daß Kolonialdirektor Stäbe telegraphisch aus seinem Urlaub zurückberufen worden ist, ist doch wohl als ein Zeichen dafür anzusehen, daß man einst­weilen seiner Dienste noch nicht enttaten will. lieber den eigentlichen Anlaß zu dem Aufstand in den Matumbibergen ist bis jetzt auch noch nichts Sicheres zu sagen. Eine nach Ostafrika über Triest entsandte Verstärkung durch Marine­infanterie wird am 15. September auf der Kampfstätte ein- treffen. Hoffentlich wird bis dahin die Lage sich nicht weiter zu ungunsten der deutschen Position verschoben haben.

Mit gemischten Gefühlen sieht Deutschland in den nächsten Tagen auf die fremben Gäste, die an der OIl­se e deutsche Lande besuchen. Dott wird England in dieser Woche ein Bild seiner imponierenden Seemacht entfalten. Mit einem Schlachtschiffgeschwader und einer kleinen Torpedo- flotille werden insgesamt 32 der besten englischen Kriegs­schiffe in den deutschen Häfen der Ostsee landen. Wenn auch die seitherige Stimmung zwischen Deutschland und England, besonders infolge englischer Hetzereien in der Marokkofrage, 'picht die beste war und nicht davon die Rede sein kann, daß dieser englische Flottenbesuch einem freundschaftlichen An­trieb seitens unserer Vettern über dem Kanal zuzuschreiben ist, so haben wir doch auch keinerlei Grund, uns dagegen ablehnend und unfreundlich zu verhalten. Wir wollen dieses Ereignis nicht zum Anlaß nehmen, unsere Beziehungen zu England zu verschlechtern, sondern eher umgekehrt, zmnal Sie englische Flotte dabei friedliche und harmlose Absichten betont. Es ist also zu erwarten, daß das Ergebnis dieses Besuches zur Zufriedenheit beider Reiche ausfallen wird.

Auf der Werft desVulkan" wird gleichzeitig nut dem Eintreffen der englischen Kriegsschiffe der Stapellauf der ^Kaiserin Auguste Viktoria" stattfinden, des größten Handelsschiffes der Welt, wobei das Kaiserpaar anwesend fern

Der englische Flottenvesnch.

DerStandard" sagt zu der Flottenfahtt in die Ostsee, deutsche Hitzköpfe hätten vergeblich versucht, für die englische Flotte einen kühlen Empfang vorzubereiten. Die englischen Schiffe kämen als Friedensboten. Die Vor­führung des kontrollierendenFaktorS der modernen Weltpolitik vor Dänemark, Schweden und Deutschland habe natürlich einen Zweck, aber dieser sei freundlich. Die Küstenbevölkerung werde die englischen Mattosen liebgewinnen. Die See sei der Tummelplatz aller Nationen, auf dem man ohne Verletzung der Gefühle zusammenkommen könne.

Die Trennung Schwedens und Norwegens.

Stockholm, 26. August. Zu Delegierten für die Verhandlungen zwischen Schweden und Norwegen wurden ernannt: von Schweden: Ministerpräsident Lundeberg, der Minister des Aeußeren Graf Wachtmeister, Kultusminister Hammarskjoeld und Staatsrat Staaf; von Norwegen: Ministerpräsident Michelsen, der Minister des Aeußeren Loevland, der Präsident des Storthings Berner und der frühere Staatsrat Vogt. Die erste Sitzung findet am 31. August in Karlstad statt.

Türkische Greuel.

Konstantinopel, 26. Aug. In der Nacht zum letzten Samstag wurden in Konopniea, südwestlich Polanka, im Vilajet UeSküb, von einer Abteilung deS Nizamregi- rnents Nr. 20, acht Christen und zwar ein Mann, drei Frauen und vier Kinder erschossen und sechs Christen verwundet. Nach türkischer Angabe ist dies während eines Kampfes mit Komitatschis geschehen. Die Einwohner ver­sichern jedoch, daß diese Behauptung unwahr ist. Die Bot­schafter der Entente-Mächte haben deswegen Schritte bei der Pforte unternommen. Der Botschafter Oesterreich-Ungarns hat der Pfotte ein von allen Botschaftern unterzeichnetes Memorandum überreicht, in dem die Namen ber ernannten vier Finanzdelegierten für Macedonien mitgeteilt werden und die Pfotte zugleich ersucht wird, den General­inspektor dementsprechend zu informieren.

Landesveisammlung des Aundes der Landwirte in Wainz.

(Original-Attikcl des Gießener Anzeigers.) d. Mainz, 27. August.

Eine Landesversammlung des Bundes ber Landwirte für bas Großherzogtum Hessen fand heute nachmittag hier in Mainz im KasinoHof zum Gutenberg" bei mäßigem Besuche statt. Der stellverlretenbe Vorsitzenbe bes Bunbcs, Gutsbesitzer Lucke, schiebt den schwachen Besuch ber Ver­sammlung ber nicht genügenben Bekanntmachung berfelben unb ben überall jetzt stattfinbenben Kirchweihen zu. Nach- bem ber Vorsitzenbe bie Anwesenben unb bte erschienenen Landtagsabgeorbneten (aus Starkenburg waren brei, aus Oberhessen unb Rheinhessen je ein Lanbtagsabg.) begrüßt hatte, wurde ein dreifaches Hoch auf Großherzog und Kaiser ausgebracht. , .

Herr Lucke kam dann auf das neue Gemeinde- fteuergefefc zu sprechen Eine alte Forderung des Bundes sei die Verstaatlichung der Volksschule. Es sei eine große Ungerechtigkeit, den Gemeinden die großen Schurlasten aufzubürden. Im Landtage ständen 21 Abge-

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