Mittwoch 27. September 1905
Nr. 227
Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Eichener Anzeiger
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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Erscheint ttfllidf mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Oiehener Zamllienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessische tawtotrt“ erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Vrühlffche» Universitätsdruckerei. 9L Lange, Vieh«.
Redaktion, ExpedMon «.Druckerei: Schulstr. 7.
Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.
das „parlamentarische Nachspiel", das er gleich in seinem erstes Artikel angekündigt hatte. Das müssen wir abwarten, doch wäre, es wohl richtiger gewesen, aus eine Behauptung in der Presie zu, verzichten, wenn dieselbe in der Presse nicht sofort evident erwiesen werden konnte."
des Künstlers Schaffensgebiet bietet. Der Meister der fßferbc* schilderung führt uns diese Tiere hier in glühend farbenprächtigen wie düster farbloser Umgebung vor,- erweckt Staunen und Bewunderung für seine Leben und Kraft sprühenden, wie Mitleid für seine lastgebeugten und kranken Lieblinge.
Kopenhagen, 26. Sept. Der Grönlandforscher Mhliusi Erichsen, der seit seiner Rückkehr von der letzten Expedition mit der Ausarbeitung des Planes einer großen dänischen Schiffs- und Schlittenexpedi tivn nach der bisher unerforschten nördlichen Küste Grönlands sich beschäftigte^ fand für seinen Plan allgemeine Anerkennung und Beifall. Anerkennungsschreiben liegen u. a. vor: von den Polarforschern: Dr. Julius Payer-Wien, Prof. Dr. v. Drygalski-Berlin, Nansen^ den Professoren Nathors und Nordenskjoeld.
— „Die Schaubühne", herausgegeben von Siegfried Ja-" eobsohn, enthält in ihrer dritten Nummer vom 21. September: Die Straße des Ruhms. Bon Dr. Ludwig Bauer. — Berliner Thcaterkritiker. III. Fritz Mauthner. Von W. Fred. — Neues Kleines Theater. Bon S. I. — Stilstudie. Von Fero. — Ein Goethejubiläum im Schillerjahr. Von Georg Altmann. — Dramatischer Nachwuchs. Von Julius Bab. HI. — Abend im Villenviertel. Von Rudolf Rittner. — Die Kündigung im Probemvnat. Von Dr. Richard Treitcl. — Der Kampf um den Mann. Von Dr. 5). W. Fischer. — Rundschau. — „Die Schaubühne", Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag im Unifang von 24—32 Seiten und kostet: die Einzelnummer 20 Pf.^ viertel jährlich 2 Mark.
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Kleines Feuilleton.
— Auf Veranlassung des Kaisers wird gegenwärtig, wie man uns aus Berlin wörtlich schreibt, ein umfangreiches Werk vorbereitet, dessen Zweck es ist, einen Ueberblrck zu ge- gewähren über alle Kunstschöpfungen/ zu denen der Kaiser während der Dauer seiner Regierung bisher Anregung und Auftrag gegeben hat. Das Werk, zu dem die ersten Vorarbeiten schon längere Zett zurückliegen, wird mprnch- tiaster Ausstattung hergestellt werden, und außer den bildlichen Reproduktionen der einzelnen Denkmäler, Bauten, Gemälde nsw. auch einen erläuternden Text enthalten, sonne eine ausführl ch , von fachmännischer Seite geschriebene Darlegung des Standpunktes, den der Kaiser zu den Kunstfragen der Jetztzeit,, insbesondere den Bestrebungen und Zielen der mod ernen Richtung gegenüber einnimmt. _ „ _ . _
— Ausstellung des IrankfurterKunstvereins. Die Zweite Vilderserie der vom AmstvereiN zur Feier seines 75 fahr. N°K°ns v»mst°lt°tm Ausst-llung,ift nun eröffnet «rbnt: sie enthält Werke von Künstlern, die m den Jahren 1830 vis 1850 in Frankfurt gelebt und gewirkt haben. Em Künstler wie 9[Trtnn N r a c r dessen Bilder eine ganze Saalwand emneyinen, N doch durch °bqes«°fsene°uzstch selbst er-
vorgegangene Persönlichkeit, die die Natur, die Menschen, hre Wohirstätten, Beschäftigungen, und Steuden, besonde^Jagdfreuden, mit sonnigem liebevollem ^mut geschaut und kunst lettsch schön wiederzugeben verstand. Die..Außerordentlich Technik, die dieser Künstler dabei besaß, zeigt M besonüers auf Migen Landschaften in den fern ineinander gestimmten Tönen
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Schwurgericht.
th. Gießen, 26. Sept.
Heute verhandelte das Schwurgericht gegen die bisher, unbestrafte 21 Jahre alte Dienstmagd Marie Ortweinl aus Frischborn wegen Meineides. Die Anklage vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel, während die Verteidigung von Rechtsanwalt Arn old geführt wurde. Die Angeklagte was geständig, in einem Mimentationsprozeß, der im .Interesses ihres Kindes anhängig war, vor dem Amtsgericht Lauter^ bach wissentlich unter Eid die Unwahrheit gesagt zu haben, Tie Verhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage, billig ten der Angeklagten aber die Milderung des' § 157, Ziffer 1 und 2 des Str.-G.-B. zu (da die Angabe der Wahrheit eitens der Angeklagten dieser die Verfolgung wegen Ehe» bruchs hätte zuziehen können), sodaß der Gerichtshof auf 1 Jahr Gefängnis erkannte auf welche Strafe 4 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in 'Abrechnung zu bringens ind.
Volitischk Ulisiesschau.
Zu einer Betrachtung über die Einkommen der Monarchen \ heißt es in der „Post", nachdem historisch entwickelt worden ist, daß der preußische König zurzeit ein Jahres- ‘ einkommen von 15 719 296 Mark hat: 1
r,So erhält Kaiser Franz Joseph I. 19Vs Millionen । Mark nnd zwar zu gleichen Teilen von Oesterreich und von Ungarn. Er hat zwar davon so viel Prinzen und Prinzessinnen zu apanagieven, wie kein anderer Monarch, dürfte aber, wenn . man von Kaiser Nikolaus von Rußland absieht, der am glänzendsten gestellte aller europäischen Fürsten sein, weil keine andere Dynastie im Laufe der Zeit ein so ungeheures Privat- vermöaen gesammelt hat, als das Haus Lothringen-Toskana. Dem Kaiser von Rußland rechnet man nach, daß er aus der Staatskasse 27 Millionen entnimmt. Eine andere Angabe spricht von 35 Millionen Mark. Hierzu treten aber noch die Apanagen für eine lange Reihe von Großfürsten, die aber mit zwei Millionen Rubel für jeden Bezugsberechtigten etwas zu hoch in Ansatz gebracht sein dürsten. Während Italiens König rund 16 Millionen Lire gleich 12 800 000 Mark aus der >Äaatskasse erhält, muß fick Alfons XIII. von Spanien mit 925 000 Pesetas, gleich 7 400 000 Mark, begnügen. König Carlos I. von Portugal bezieht gar nur 2400000 Mark, „Ons Wilhelmintje" von Holland 2100000 Mark, der König von Dänemark 1203200 Kronen, und sein Sohn Georg, der Griechenkönig 1325 000 Drachmen. König Leopold von Belgien erhält 31/2 Millionen Mark, König Oskar, von Schweden den Betrag von 1321000 Kronen und hat bis zu den Ereignissen dieses Sommers von Norwegen noch 582 000 Kronen erhalten. Das Einkommen des Königs von Rumänien bilden die Erträgnisse einer aus zwölf Gutsherrschasten bestehenden, im Jahre 1884 geschaffenen Kronapanage, deren Revenuen auf 700 000 Leu (Frank) geschätzt werden. Auch der türkische Sultan ist dem europäischen Beispiel gefolgt und bescheidet sich mit einer angeblich 882 550 türkische Pfund, gleich 16 274 000 Mark bettagenden Zivilliste. Diese Angabe, wird aber von allen Kennern der Verhältnisse angezweifelt, die mit mehr als der doppelten Summe rechnen.
In der Reihe der deutschen Mittelstaaten folgen einander Bayern mit 5 403106 Mk., Sachsen mit 3 550 000 Mk., Württemberg mit 2 017 189 Mk. und 100 579 Mk. Apanagen, Baden mit 1590000 Mark und 343000 Mark Apanagen, Hessen mit 1331857 Mk., Braunschweig mit 1125000 Mark, Sachsen-Weimar mit 960000 Mk. JnSachsen- M einingen betrügt die Zivilliste 8 220 000 Mk., in S ach sen - Altenburg 600000 Mk./ in Anhalt 1050000 Mk. und in Mecklenburg-Schwerin 1'200000 Mark.
Auf die Verhältnisse in den kleineren deutschen Einzelstaaten kann hier schon deswegen nicht eingegangen werden- weil ine vielfach aus den Erträgnissen von Domänen herrührenden staatlichen Einkünfte der "Fürsten schwankend sind. Während m Preußen! jeder Bewohner des Landes im Durchschnitt nur 50 Pf. beizusteuern hat, steigt der Betrag in Württemberg aus 1 Mk., in den meisten thüringischen Fürstentümern auf 2—3 Mk. und darüber und erreicht in Schwarzburg-Sorrdershauseu mit 6,41 Mk. die höchste Summe.
Die Generalversammlung des bayer. Bauernvereins.
Zmn 37. Male traten die vom verstorbenen Grafen -Arco gegründeten bayerischen Zentrumsbauernvereine unter freiem Himmel in Tuntenhausen zusammen. Prälat Dr. d. Daller, Vorsitzender der bayerischen Zentrumsfraktion und erster Vorstand des Vereins, leitete die Versammlung. Er versicherte, die Wähler des Zentrums seien intelligent, sie ließen sich durch Wortmacherei nicht bestimmen in ihrem Vorgehen. .Das Zentrum, so erklärte er, werde Recht und. Freiheit schützen und auch den Gegnern ihre Rechte nicht nehmen.. Er meinte dann: „Uns durchdringt das Gefühl, daß wir in gewissen hohen Regionen gefürchtet sind. Das kann aber nur das Pflichtgefühl des Zentrums verstärken." Die Regierung sei bis 1899 das Zünglein an der Wage zwischen den Parteien gewesen. Dann warf er der jetzigen Regierung Mangel an psychologischen Kenntnissen über die Vorgänge in der Volksseele vor. Den Liberalen riet er, beim Zentrum in die Schute zu gehen, das mit Ernst, Ruhe und Objektivität seine 'Angelegenheiten behandle und deshalb so verhaßt sei. Alle positiven christlichen Konservativen sollten zum Zentrum kommen. Für Bebels Kampfansage in Jena sei er dankbar. Vom Bündnis mit der Sozialdemokratie wurde nicht viel geredet, sondern einfach erklärt, die „Kopflosigkeit der Liberalen" sei schuld daran „Vom Zentrum muß man sagen, wüs Grtllpat^er Radetzki zurief: „In deinem Lager ist 'Oesterreich, wir anderen alle sind wankende Gestalten!"
Von den Rednern, die außer Daller noch sprachen, bekannte sich der 'ALg. Ranner zur Handelspolittk des Zentrums in Sachen des Kolonial- und Milttaretats. Bon Marineforderungen, die der bal)erische Flügel des Zentrums bisher ablehnte, sagte er nichts. Er kündigte an, der Toleranzantrag werde trotz aller Bekämpfung immer und immer wieder kommen Des Kaisers Rede vom
Dermifdytes«
• Lissa (Posen), 26. Sept. Leutnant v. Lekow wurde in angetrunkenem Zustande vorige Nacht von Re« ervisten beschimpft; er zog seinen Säbel, um sie einzuschüchtern, aber ein betrunkener Zivilist entwand ihm die Waffe. Nachdem er sie zurückerhalten, wurde der Leutnant weiter beschimpft, er hieb mit dem Säbel blind um sich und wurde zuletzt von Polizeibeamten nach seiner Wohnung gebracht. Kurze Zeft daraus erschien der Offizier wieder auf der Straße mtt einer Jagdflinte. Es entstand ein Menschenauflauf und neuer Streit. Der Leutnant gab zwei Schüsse ab, wodurch der Haushälter Josef Rösch getroffen wurde. Man brachte den Verwundeten ins Krankenhaus, wo er verschied.
• Von einem Ochsen aufgespießt. Ein« Schreckensszene spielte sich im städtischen Schlachthause in Wien ab. Der 62jahrige Fleischergeselle Karl Rauch war damit beschäftigt, einen Ochsen zu schlagen. Ehe er sich versah, hatte ihn der Ochse zum Entsetzen aller Anwesenden mit den Hörnern erfaßt und in die Höhe geschleudert, sodaß er mit aller Wucht zu Boden stürzte. Blutüberströmt blieb Rauch liegen. Der Arzt konstatterte, daß Rauch eine Gehirn« erschütterung und mehrere schwere Verletzungen erlitten habe^ * Kleine Tageschronik. In Z e e l e n (bela. Provinz Limburg) spielte sich ein blutiges Drama zwischen Wilddieben und Waldhütern ab. Von letzteren ertappt, verschanzten sich die Wilddiebe in günstiger Stellung und feuerten auf die Verfolger ihre Gewehre ab. Zwei Wächter und ein Einwohner des Städtchens wurden getötet. Die Schuldigen, ein reicher Landwirt und seine beiden Arbeiter, sind verhaftet. — In Düren brannte die Maeco-Fabttk von Leopold Schöller zum größten Teile nieder. Der Schaden wird auf 1 Million Mark geschätzt. Er ist durch Versicherung gedeckt. — In dem belgischen Dorfe Petit R e ch a i n wurden zwei Dienstmädchen, Schwestern, durch ausströmendes Gas vergiftet. Eine verstarb, die andere schwebt in Lebensgefahr. — In Lübeck beschloß die Bürgerschaft die Erbauung eines neuen Stadttheaters für 1,4 Millionen Mark auf dem Platz des bisherigen.
von Himmel und Erde, in dem kräftigen Kolorit seiner treff» lichen Straßenschilderungen. Aeh-nliche Arbeiten finden wir hier von Philipp Rumpf und Jakob Maurer. Treffliche Landschaften der engeren Heimat finden wir von Peter Burnitz, Louis Eißen, Adolf Höfsler, erstere etwas an feine französische Kunst erinnernd. Originell in ihrer Att sind auch die Werke Otto Scholderers, der leider nicht in seiner ganzen Vielseitigkeit vertreten ist; von seinen fast unerreicht feinen Stilleben, seiner vornehmen Porträtterkunst finden sich nur einzelne Stücke; dies gilt auch von seiner Genrekunst, seinen Landschaften. Sekw viel malerische Künst tritt uns in den Werken Viktor Hüllers entgegen, der in dieser Beziehung auch sicher fördernd auf Kunstjünger eingewirkt hat. Von eigenartiger Auffassung, pikantem Kolorit und markiger Darstellung sind Karl v. P i d 0 l l s Porttäts und Genrebilder. Sehr gut ist das Porttät außerdem durch zwei Genrebilder und ein Damenbild von Julius Hamel, Bildnisse von Otto v. Richter und in älterem Stil gehaltene Porttäts von Philipp Win ter werk ti er treten. Eme reizvolle Probe von Peter Beckers eigenartiger ftunft, ein feines Interieur von Lindenschmidt? ein treffliches Bildnis des früh verstorbenen Genremalers, Ernst Schalck, „Landleute auf dem Felde", A Göbels „Bettler" Hugo Kaufmanns „Stieselwickser" sind alles keine anempfnndenen, sondern aus der Kunst im großen und ganzen hervvrgegangene Werke. Auf viele andere treffliche Bilder von Hasselhorst, Coreill, Albert Hendschel, Katt Schlösser, C. Hausmann Julius Hamels klassisch gemaltes Bild „Egmont" näher einzugehen, verbieten die Raum- verhälttnsse und schließen wir mit dem Hinweis auf die Adolf Schrcyettcke Kollektion, die einen recht ausgiebigen Ueberblick über
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Die Aussichten der Wehrsteuervorlage.
Man hätte meinen sollen, daß die in der letzten Zeit vielfach erörterte Wehrsteuervorlage, für die sich die Kriegervereinspresse starck ins Zeug legt, gerade in konservativen Kreisen 'Zknklang finden würde. Sowohl in der reikonservativen „Post" aber wie in der „Kreuzztg." werden starke Bedenken, die einer Ablehnung gleich kommen, gegen die Wehr steuer ausgesprochen. Während die Gründe, die von der „Post' angeführt werden, im wesentlichen technischer Ne itr sind und bei gutem Willen wohl überwunderl werden könnten, sind die Bedenken der „Kreuzztg." teils materieller, teils ethischer 'Art. Das führende konservative Organ in Preußen weist vor allem darauf hin, daß von der Steuer nicht sowohl die Nicht- tauglichen getroffen würden — da diese vielfach in Berufen stehen, in- denen sie im lter von 20 Jahren noch nichts verdienen — als vielmehr ihre Väter. Nun sei es aber einmal für den Vater schon mit Sorgen und unter Um- ständeii auch mit Geldopfern verknüpft, wenn er einen kränklichen Sohn besitzt, — ist denn jeder Militäruntaug-- liche kränklich? — und zweitens wäre die Wehrsteuer für ihn noch eine ganz besondere Harte, wenn er neben diesem Sohne noch andere besitzt, die der Wehrpflicht genügen. Für diese hätte er die nicht geringen Kosten des Militärdienstes zu bestreiten und dann obendrein noch für den nichttauglichen Sohn gewissermaßen Strafe zu zahlen. Diese Einwendungen, die nur zum Teil zutreffend sind, beweisen schließlich doch nur, daß man bei der Wehrsteuer manche Änsnahmesälle würde zu konstruieren haben. Ob die Steuer freilich, wenn man eine groge Zahl von an sich Steuerpflichtigen davon befreien würde, erhebllche Erträge liefern würde, ist eine anoere Frage. Das ethische Bedenken der „Kreuzztg." besteht dann, daß es ihr unbehaglich ist, die Pflicht des Heeresdienstes mit einer baren Steuerleistung in Verbindung gebracht zu sehen; deshalb ist ihr schon der Name „Wehrsteuer" odiös. Dieses Bedenken scheint uns recht sentimental, denn die Steuer wird ja nicht mit der Erfüllung der patriottschen Pflicht, sondern mit ihrer Nichterfüllung in Verbindung gebracht; uni) wenn der Name „Mehrsteuer" odiös ist, so totrb es nicht sehr schwer halten, einen Ausdruck zu finden, der an die „Wehrkraft" nicht anklingt, sagen wir beispielsweise „Untauglichkeits- fteuer". Wie dem aber auch sei, so kann man sich nach der ablehnenden Haltung der beiden Blätter nicht verhehlen, daß die 'Aussichten der Steuer nicht eben günstig sind, zumal auch der Gegenpart der Konser- vattven, die Sozialdemokraten, sich sehr scharf gegen die Steuer ausgesprochen hoben. Bei den linksliberalen Parteien dürste sie ja auch wenig Mn klang finden.
Kerichtssaal.
Berlin, 26. Sept. Das Schwurgericht des Landgettchts IT verurteilte den Ingenieur Franz v. Kobylinski aus Posen, der am 4. April den Farmbesitzer Walter Zipplitt aus Rostock im Duell tödlich verwundete, sooaß dieser starb, wegen Zweikampfs mit tödlichem Ausgange zu vier Jahren Festung, wovon fünf Monate durch die Untersuchungshaft für verbüßt erklärt wurden. Aus der Zahl der Mitangeklagten, Polizeitierarzt Götze, Kandidat der Tierarzneikunde Kogel, Polizeitierarzt Pöppel, Regierungsbaumeister Petersen, Student Längrich und Ingenieur Fttedershagen, die beschuldigt waren, als Mitglieder des Ehrenrats Kobylinski Beihilfe geleistet zu haben, wurden Kogel und Friedershagen freigesprochen, die übrigen zu je neun Monaten Festung verurteilt. — Die Strafkammer desLandgettchts verurteilte den Grafen Pückler -Klein-Tschirne wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung, begangen durch eine von Pückler am 13. Dezember in Bernau gehaltene Rede, zu 600 M k^ Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte mit Rücksicht auf die Vorstrafen des Angeklagten wegen desselben Vergehens dreh Monate Gefängnis beantragt. Pückler, der wiederholtohne> jede Entschuldigung zum Termin nicht ettchienen war, wurde durch,' einen uniformierten Gendarmerie-Oberwachtmeister aus Klein-! Tschirne vorgeführt.
tonfeffionellen^rieben sei schön, aber unerfüllbar, da die maß geb en den Personen in den Bundesstaaten sichnichtiumdieKaiserwortekümmerten.
Pfarrer Eyreiner meinte, das Zenttum wolle in Bayern den Bogen nicht Überspannen. Dem Liberalismus warf er vor, er hckbe Altes gestürzt und Neues, aber nichts Gutes geschaffen. „Uns ist es gleich, ob die Minister orthodox, liberal oder sonst was sind, ob sie Meyer oder Hüber heißen; die H a u p t s a ch e ist, daß fieforegieren, wie wir es unseren Abgeordneten aufgetragen haben. Alles andere ist uns gleich und lauter Kinderei." Man werfe dem Zentimm Fanatismus gegen den Minister v. Feilitzsch vor. „Ach rief der Redner, „wenn i' 'naufschlagen soll, dann hab' i' lieber a Fanatiker als a Schaf!" Der Herr schloß mit der Versicherung, der Protestarrtismus habe vom Zentrum nichts zu fürchten, und auch gegen die Minister solle nichts unternommen werden, wenn sie den Willen der Majorität des Volkes respektieren.
Orterer, Pichler usw. fehlten dieswall
Die „Köln. Volkszeitung" entschuldigt sich.
Sie schreibt heute, nachdem die „Nordd. Allgem. Ztg.^ gestern nochmals in sehr entschiedener und bestimmter Weise die Behauptung, daß von zwei Vertretern der Kolonialverwaltung in der Budgetkommission des Reichstages unrichtige Angaben gemacht worden seien, zurückgewiesen hat, folgendes:
„Unserseits nehmen wir keinen Anstand, auszusprechen, daß uns der Beweis für die Behauptung, die Vertreter der Kolonialabteilung hätten unttchtige Angaben gemacht, nicht erbracht zu sein scheint. Im vorliegenden Falle war uns die Mitteilimg durch eine durchaus integre und an kolonialen Dmgen materiell absolut uninteressierte Persönlichkeit zugegangen, welche durch ihre Stellung mit den behandelten Verhältnissen genau bekannt sein konnte und ihre genaue Bekanntschaft betonte. Unser Gewährsmann verweist auch jetzt auf den Austrag der Sache im Reichstage, auf
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^christliche Meldungen E I an den Gießener Anzeiger &
Mein Winterkocbkami beginnt wieder am L Cfiobtr imö können 1-2 junge tcirr, daran teilnehmen. Zeil: m i bis 1 Uhr vormittag sie..- nwnatlid) 10-12 Ä 4949 ;
Näheres fitäil ^aagmann, 'oatlftrafie 20. |
Mö HM zu pachten gesucht. Lchr. ML unter 4985 an den Gieß. Am-r. IBErmässi^ bestehender erster Hypothek bis zu 37t \ vermittelt M J. Rosenthal.
kießen, Äismarckstraße 10.
Kartoffeln werd, eingejah JV Jager, Neuenweg 38,
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