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23.3.1905 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 23. März 1905

Erstes Blatt.

Dr? Dummer umfaßt 8 Reifen

Die Benutzung der Hunde zum

Ziehen ist unter der

und außer der Zeit

155. Jahrgang

Aer Kaiser in Wremen.

Bremen, 22. März.

Anläßlich des heutigen Besuches des Kaisers zur Ent­hüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals prangt die Stadt in reichem Schmuck. Das Denkmal, ein vom Bild­hauer Tuaillon ausgeführtes Bronze-Neiterstandbild, findet in geschmackvollen gärtnerischen Anlagen einen wirksamen Hinter­grund.

Der Kaiser traf mit Gefolge um 2 Uhr 50 Min. auf dem hiesigen Bahnhofe ein und fuhr unter Glockengeläute und Hochrufen der Menge zum Festplatz. Bürgermeister Pauli hielt die Festrede. Nachdem auf das Zeichen des Kaisers die Hülle vom Kaiser Friedrich-Denkmal gefallen war, stimmten die Anwesenden das LiedLobe den Herrn" an. Der Kaiser besichtigte eingehend das Denkmal, nahm dann den Vorbei­marsch der Ehrenkompagnie ab uud fuhr dann zum Dom. Der Kaiser sprach seine Anerkennung über dessen Vollendung und prächtige Ausgestaltung aus. Er ließ sich den Stifter des Denkmals, Franz Schütte, und den Schöpfer des Denk­mals, Bildhauer Tuaillon, vorstellen. Schütte erhielt vom Kaiser einen Kupferstich mit eigenhändiger Unterschrift, Tuaillon erhielt den Roten Adlerorden vierter Klasse.

Vom Denkmal begab sich der Kaiser zum Rathause, mo Festtafel stattfand. Bürgermeister Pauli hielt auch hier eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:

Ms ich vor 15 Jahren zuerst die Ehre hatte, hier neben Eurer Majestät zu sichen, sprachen Eure Maiestat «ne Frage . «ms über die hier über uns hängenden Orlogschrfse, und iicb eingehend, ob sich auch an jener stelle, bte

des Gebrauchs festgelegt werden.

Tie Verwendung von Hirtenhunden zur Begleitung der Herde, von Fleischerhunden zum Treiben von Vieh und von Jagdhunden bei der Jagd kann unter der Bedingung gestattet werden, daß die Hunde außer der Zeit des Ge­brauchs (außerhalb des Jagdreviers) festgelegt oder mit einem sicheren Maulkorbe versehen an der Leine geführt werden.

Hunde, welche diesen Anordnungen zuwider frei umher­laufend betroffen werden, können auf polizeiliche Anord­nung getötet werden.

Gießen, den 22. März 1905.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Herberg.

Bedingung gestattet, daß dieselben fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkorbe versehen und außer der Zeit

Verngspret», monatuch7b Pf., otertd* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellff. Annahme von Anzeige» ti die %c 2Jori!'*ni« 5 domittags 'Urte fennret6: cn'swärtS 153. c»aiurooi'rl1 ststk. den polit und ,öi u Teil P. Wtttto: für Stadt und 2anb* und GerichlSs aal August Goetz. für den An-! zeiaenteil: Hans Beck.

-??r. 70

«tiettet ««glich außer Sonntag«.

Lern Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kesflschen Landwirt die Gietzener Familien* Hättet viermal in der Woche beigelegt.

-totatronsdruck tu Ver­lag der Brü h l'scheu Unwerf.-Vuch-u. Stein- druckeret. R Lange. Redaktion, Qrrvemtton und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Adresse für Devefchen: Anzeiger Wietzen.

KernlprkchanIcklußNr 51

in dieser großen Stadt stehen, und vor ilynen die Jugend, die hin-nnwachsen soll in neue Reich und seine Aufgaben. WaS werden ihre Aufgaben sein? Stetig auszubauen, -streit, Daß, Zwietracht und Neid zu meiden, sich zu erfreuen an dem deutsches Vaterlands, wie es ist, nicht nach unmöglichem zu itreben, und» sich der festen Ueberz""Mmg hinzugeben, daß unser Derrgottz sich n jemals so große Mühe mit unserem deutschen Mlterlande. und seinem Volke gegeben hätte, wenn er uns nicht noch EwoßeA Vorbehalten hätte. Wir sind das Salz der Erde, aber wir müssen dessen auch würdig sein; darum muß unsere Jugend lerne« zu entsagen und sich zu versagen, was nicht gut tut für sre, fernzuhalten, was eingeschlevvt ist von fremden Volkern, mw| Sitten, Zucht, Ordnung. Ehrfurcht, Religiosität zu bewahrew Dann möge über das deutsche Volk einst geschrieben werden, was an den Helmen meines ersten Garderegimentes steht:Semper talis" ..stets derselbe", dann werden wir von allen Seiten mit Achtung, teilweise auch mit Liebe, als sichere, zuverlässige Leute betrachtet werden und können stehen, die Hand am Lchwerb- knöpf, den Schild vor uns auf die Erde gestellt, und sagenr Damen, komme, was wolle! Ich bin fest überzeugt, daß meine Worte hier in Bremen auf einen guten Boden fallen werden. Von Herzen wünsche ich, daß der goldene Friede, der bisher mit Gottes Dilfe erhalten worden ist, uns weiter erhalten bleiben wird und das; Bremen unter dem Frieden grünen, blühen und ge­deihen möge, das ist mein innigster Wimsch. Es lebe Bremen? Durrah! Durrah! Hurrah!

Tie Mfahrt des kaiserlichen Sonderzuges erfolgte um 6 Uhr 55 Min. Prinz Heinrich begleitete den Kaiser nach Euxhaven und nach Ham bürg. ,

Nlültischt Tagesschau.

Kaiser Wilhelms Besuch in Marokko.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt:

Gegenüber ausländischen Zeitungsstimmen, welche cnrS dem deutschen Kaiserbesuch in Tanger politische Schlüffe ziehen, ist zu­nächst hervorzuheben, daß für den Kaiser kein Grund vorlag, b« seiner Mitlelmeeriahrt einen Besuch in Tanger zu unterlaßen. Der Standpunkt der deutschen Politik hinsichtlich Marokkos kein Gebietserwerb, aber Wahrung der offenen Tur, das heißt der wirtschaftlichen Gleichberechtigung alier Nationen ist seit Jabr und Tag so klar zum Aus­druck gebracht worden, daß der Versuch, die Kaiserreise als Aus­gangspunkt einer neuen politischen Richtung darzustellen, auS-> sichtslos ist.

DerTemps" wies darauf hin, daß der deutsche Reichskanzlei am 8. April 1904, also vier Tage nach dem Abschlüsse des sran- zösisch'-englischen Marokko-Abkommens, im Reichstage sagte, Deutsch­land habe keinen Grund, zn befürchten, daß seine wirtschaftlichen Interessen in Marokko von irgend einer Macht eine Zikrucksetzung oder eine Schädigung erfahren könnten. Dasselbe französische Blatt sagt ferner, daß im Frühjahr 1904 Minister Deleassö gegenüber dem deutschen Botschafter in Paris die Grundzüge des Marokko^ Abkontmens folgendermaßen dargelegt habe: Integrität Marokkos und der Souveränität des Sultans, Wiederherstellung der Ordnung unter friedlicher Leitung Frankreichs. Wenn wir die letztere An­nahme desTemps" als richtig annehmem bleibt noch fragllch, wie die französische Politik die beiden Begriffe Souveräni tat des Sultans­und Leitung Frankreichs praktisch auszugleichen gedenkt. Wenn daher seit dem Frühjahre 1904 bis heute von französischer 0eite nichts geschehen ist, um nichtsranzösische Interessen über diesen schein­baren Widerspruch aufzuklären, müffen wir allerdings feststellen, daß für die Erwartung des Grafen Bülow, Deutschlands wirtschaftliche Interessen in Marokko würden von keiner Macht eine Zurücksetzung zu besorgen haben, bisher noch keine Gewähr vorliegt. In Tunis hat die Leitung Frankreichs zu einer fast vollständigen Verdrängung der iiichtfranzösifchen Interessen geführt. Wir hoffen aber aus ver­schiedenen Gründen, daß nichts Derartiges in Marokko zu ge­wärtigen ist, und wir sehen deshalb zurzeit keinen Anlaß, die Möglichkeit einer Störung der korrekten deutsch-fran­zösischen Beziehungen überhaupt mit in Betracht zu ziehen. , v .

Diese scharfe Polemik des offiziellen Blattes, die schein­bar dem ebenfalls offiziösen PariserTemps" gilt, richtet sich tatsächlich gegen den Minister des Auswärtigen Del- cassä. Die Pointe ist, daß Deutschland eine Gewähr dafür haben will, daß seine wirtschaftlichen Interessen in Ma­rokko durch Frankreich nicht beeinträchtigt werden. Es geht aus der unverkennbar aus der Feder des Grafen- l 0 w herrührenden Notiz derN. A. Z." hervor, daß dre französische Regierung zwar schöne Worte, aber keine bün­digen, absolut sicheren Erklärungen in dieser Hinncht bietet. Sehr markant ist auch der Schluß, der mrs dem Diplomatischen übersetzt heißt: dieStörung" würde ein­treten mit der Beeinträchtigung der deutschen Interessen in Marokko. Eine kräftig akzentuierte Warnung!

Tas englische RegierungsorganDarly Graphrc^ hebt in einem Artikel über Kaiser Wilhelms Reiss hervor, die Annahme, daß der Herrscher irgend toelc^ unfreundlichen Absichten gegen Frankreich im Sinne habe, sei durchaus unrichtig, tote fein Besuch aus der französischen Botschaft in Berlin und seine geplante Reise nach Gibraltar und Neapel beweise, da England und Italien jede Unternehmung gegen Frankreich übel auffassen würden. Deutschland habe das anglo-französische Ueberein- kommen von Anfang an offen akzeptiert und es sei kein Grund zu einem Verdacht vorhanden, daß es von dem selbst eingeschlagenen Kurse abweichen wolle.

Ter LondonerDaily Ehronicle" veröffentlicht eine Unterredung mit einem Mitgliede der Londoner deutschen Botschaft, tote man vermutet mit dem ersten Botschafts­sekretär Grafen Bernstorff, der gesagt haben soll, es wäre letzt die günstigste Zeit, eine vollständige Versöhn­ung zwischen Deutschland tlnd Frankreich her­beizuführen, nachdem der Krieg die ganze internationale Lage geändert habe. Ter deutsche Kaiser wünsche die engsten freundschaftlich st en Beziehungen zur Regierung der französischen Republik zu unterhalten.

Wie aus Tanger berichtet wird, beschloß die marokkm nische Regierung, CO 000 Turos für den Empfang des deut­schen Kaisers auszuwerfen.

Tas spanische Staatsministeriuut teilt mit, daß Kaiser Wilhelm am 3. April in Bort Mah 0 n eintreffen toeib^

GietzenerAnzeiger

u Genera!-Anzeiger 4SsZ

AM- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Eure Majestät mir bezeichneten, das Admiralschiff des Admirals B r 0 m m y noch befinde, das Sie in jngendlchen Jahren dort gesehen, wo es allerdings damals wie heute noch fernen Platz hat. Es ist das Admiraffckiff der ersten d e u t s ck> e n F l o^t te, die dem Hammer des Auktionators verfallen ist. An der erteile der in trauriger Zeit dahingeqebenen Schiffe weht heute stolz die deutsche Flagge -an den Masten einer mächtigen Kriegsflotte, dem Feinde zum Trutz, dem Reiche zum Schutz. Wir Bremer empfinden voll Dank die segensreichen Folgen.. welche daraus unserer seefahrenden Stadt erwachsen sind. Wir danken aber des Ferneren für die alle Zeit wertvollen Zeichen des Wohl­wollens, die Eure Majestät dieser Stadt fort und fort haben zu teil werden lassen. Vor allem aber bauten wir, und in diesem Danke werden alle, die hier sind, sich mit uns vereinen, daß Eure Majestät dem Vaterlande den Frieden, nächst der Eyre das kostbarste Gut, erhalten haben und dadurch "zum Mehrer des Reiches geworden sind, zum Mehrer nicht an Land und Leuten, deren wir nicht bedürfen, aber an der Wohlfahrt und der Freude des Volkes. ,

Tas Festmahl verlies in angeregtester Weise. Der Kaiser unterhielt sich mit den ihm zunächst Sitzenden in lebhaftester Weise und erwiderte die Ansprache des Bürgermeisters Pauli mit einer längeren Rede, die mit einem Hurra auf die Hansastadt jchloß.

Die Rede des Kaisers.

Tie Rede, welche der Kaiser bei dem Festessen im Rat­hause gehalten hat, hatte folgenden Wortlaut:

Mein verehrtester Herr Bürgermeister! Wollen Sie mir ge­statten, daß ich tiefbewegten Heikens zunächst eine Sohnes- pflicht erfülle, indem ich meinen von Herzen kommenden Dank Ihnen ansspreche, daß Sie mir den Wunsch Ihrer Landsleute leute übermittelt haben. Teilnehmer zu fein an dem heutigen festlichen Tage und beizuwohnen der Enthüllung dieses einzig­artigen herrlichen Standbildes, das die Freie Handelsstadt Bremen meinem seligen Vater gesetzt hat. Ich kann wohl sagen, daß es mich auf das tiefste bewegt hat, wie ich heute die Menschenmassen mit meinen Augen überflog, daran zu denken, daß der frühere preußische Kronprinz, nachmalige erste Kronprinz des deutschen Reiches und schließlich zweite Hohenzollemkaiser. so in einer freien deutschen Stadt gefeiert werden konnte, gleichsam als ob er hier zu Hause wäre, ein Beweis dafür, wie seine Gestalt, ebenso wie die seines erlauchten großen Vaters Gemeingut unseres gesamten deutschen Voltes geworden ist. Ich danke von Herzen, daß die Stadt Bremen meinen Vater und sein Andenken in dieser herrlichen Weise geehrt hat. Sie haben ein Kunstwerk geschaffen, wie wenige in den deutschen Landen stehen, uni) ich bin fest überzeugt, daß noch in späten Generationen die ganze machtvolle Persönlichkeit, dann schon vom Glanz der Sage um­woben, durch dieses Standbild dem Herzen des Volkes näher ge­bracht werden wird, und daß die von Vater auf Sohn sich folgen­den Generationen der Bremenser niemals des zweiten Kaisers ver­gessen werden, dessen erhabene Siegfriedsgestalt die deutschen Heere zu Siegen führte, denen wir die Einheit verdanken. Und so stehen nun mein Großvater und mein Vater in herrlichen Stand­bildern in dieser treuen deutschen Stadt und bilden Marksteine für die Geschichte unseres Vaterlandes sowohl wie für die Stadt Bremen. Wahrlich, der geschichtliche Rückblick, den Sie die,Güte batten, uns eben zu geben, zeigt uns in großartiger Weise die Fügung Gottes und die Gnade, die die Vorsehung mit unserem Volke und Lande gehabt hat. Der Zeitabschnitt, den die beiden hohen Herren verkörpern, die hier in Erz gegoffen auf ihren Plätzen stehen, ist mm geschichtlich festgelegt, und es ist an der nachfolgenden Zeit und deren Generationen, fortzubauen auf der Grundlage, die die hohen Herren gelegt haben. Sie haben die Güte gehabt, die Gehanken zu erwähnen, welche Sie beweg­ten bei früherer Gelegenheit in diesem selben Raume; sie ent­sprechen in jeder Beziehung vollkommen dem, was ich auch da­mals gedacht habe. Ich habe, als ich als Jüngling vor dem Modell des Brommy-Schiffes gestanden habe, mit Ingrimm die Schmach empfunden, die unserer Flotte und unserer damaligen Flagge angetan worden ist, und vielleicht, da doch mal von meiner Mutter Seite ein Stück Seeblut in meine Adern geflossen ist, ist das der Weg gewesen, der für mich eine Richtschnur geben sollte für die Art und Weise, wie ich die Aufgaben aufzufassen hätte, die nunmehr dem deutschen Reiche bevorstanden. Ich habe mir damals den Fahneneid geschworen, als ich zur Regierung kam, nach der gewaltigen Zeit meines Großvaters, daß, was an mir liegt, die Bajonette und Kanonen zu ruhen hätten, daß aber Bajonett und Kanonen scharf und tüchtig erhalten werden müßten, damit Neid und Scheelsucht von außen und an dem Aus­bau unseres Gartens und unseres schönen Hauses im Innern nicht stören. Ich habe mir gelobt, auf Grund meiner Erfahrungen aus der Geschichte, niemals nach einer öden Weltherrschaft zu streben, denn was ist aus den sogenannten Weltreichen geworden? Alexander der Große, Napoleon der Erste und alle die großen Kriegshelden im Blute haben sie geschwommen und unter­jochte Völker zurückgelaffen, die beim ersten Augenblicke wieder aufgestanden sind und die Reiche zum Zerfall gebracht haben. Das Weltreich, das ich mir geträumt habe, soll darin bestehen, daß vor allem das neu erschaffene deutsche Reich von allen Seiten das absoluteste Vertrauen als eines ruhigen, ehrlichen, friedlichen Nachbarn genießen soll, und daß, wenn man dereinst vielleicht von einem deutschen Weltreich ober einer Hohen zollern- weltherrschaft in der Geschichte reden sollte, sie nicht auf Erober­ungen begründet sein soll durch das Schwert, sondern durch gegen­seitiges Vertrauen der nach gleichen Zielen strebenden Nationen kurz ausgedrückt, wie ein großer Dichter sagt,nach außen hin begrenzt, im Innern unbegrenzt." Sie haben hingewiesen auf bie Schiffe, bie hier erinnerungsreich von ber Decke des schönen alten Saales herabhängen. Die Zeit, in ber ich groß geworden bin war trotz des großen Krieges für unseren seefahrenden Teil der Nation keine große und glorreiche: auch hier habe ich bte Konsequenzen gezogen beffen, toa§ meine Vorfahren getan haben Im Innern war militärisch so viel geschehen, wie not- tomtng roar, jetzt mutzte die Scerüstimg brmfommm. Ich danke ©ott daß ich in diesem Rathaiye fernen Notschrei mehr ous- zustoßen habe, wie einst in Hamburg: Die Flotte schwimmt, und sie wird gebaut, das Material an Menschen ist vorhanden, der Eifer und der Geist ist derselbe wie der, der die Offiziere der preußischen Armee bei Hohenfriedberg und Kouiggratz und bei Sedan erfüllt hat, und Mit icbem Kriegsschiff, das den Stapel verläßt ist eine Gewälw mehr für den Frieden auf ber Erde ge- atfren 'um fo viel weniger werben unsere Gegner mit uns an- tuiunSm flirten und um so wertvoller werben wir als Bundes- aenoffm Als ich E heutigen Tage Bremens Bürgerschaft über- sloaen babe sah ich bie Alten unb bie Jungen nebencinanber Sehen bie Alten mit ihren Medaillen unb Kreuzen, Mitkämpfer unb Mittäter unter den beiden großen Herren, deren Stnnbbllder

KckanntmachMg.

Betr.: Maßnahmen gegen die Tolltout.

Ta bei dem jetzt getöteten Hunde eines hiesigen Ein- toohners Verbackt aus Tolltout vorlag, ordnen toir hiermit auf Grund des § 20 der Reicksinstruktion zum Viehseuchen­gesetz für die gefährdeten Or!-e unseres Kreises, das ist für die Gemeinden Gießen, Heuchelheim, Klein-Linden unb Wieseck einschließlich der dazu gehörenden Gemarkungen, an, daß alle Hunde festgelegt oder mit einem sicheren Maulkorb versehen an der Leine geführt werden. Tolltoutverdächtige Tiere sind von dem Besitzer oder demjenigen, unter dessen Ailfsicht sie stehen, sofort zu töten oder bis zu polizei­lichem Einschreiten in einem sicheren Behältnisse el:izu- sperren. Auch dürfen die H»unde ohne polizeiliche Er­laubnis nicht in eine andere Gemarkung verbracht werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit Geldstrafe von 10150 Mark oder mit Haft nicht unter einer Woche bestraft.

Tie Benutzung der Hunde zum Ziehen ist unter der Bedingung gestattet, daß dieselben fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkorb versehen und außer der Zeit des Ge­brauchs festgelegt werden.

Tie Verwendung von Hirlenhunden zur Begleitung der Herde, von Fleischerhunden zum Treiben von Vieh und von Jagdhunden bei der Jagd kann unter der Bedingung gestattet werden, daß die Hunde außer der Zeit des Ge­brauchs (außerhalb des Jagdreviers) festgelegt oder mit einem sicheren Maulkorbe versehen an der Leine geführt werden.

Hunde, welche diesen Anordnungen zuwider frei umher- lausend betroffen werden, können auf polizeiliche Anordnung getötet werden.

Gießen, den 23. März 1905.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Hechler.

Kckannlmachung.

Betr.: Maßnahmen gegen dre Tollwut, hier: Hundesperre in Gießen.

Am 21. d. M. wurde aus der Stadt Gießen ein Hund in die hiesige Veterinär an ;ralt eingeliefert, welcher dort- selbst getötet wurde, weil bei ihm Tollwutverdach-t vorlag.

Auf Grund des § 20 der Reichsinstruktion zum Vieh­seuchengesetz wird deshalb für den Bezirk der Stadt Gießen und der dazu gehörigen Gemarkung angeordnet, daß alle Hunde festgelegt oder mit einem sicheren Maulkorb versehen an der Leine geführt werden. Tollwutverdächttge Tiere sind von dem Besitzer oder demjenigen, unter dessen Auf­sicht sie stehen, sofort zu töten oder bis zu polizeilichem Einschreiten in einem sicheren Behältnisse einzusperren. Di.' 5Mnde dürfen ohne polizeiliche Erlaubnis nicht in eine andere Gemarkung verbracht werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit Geldstrafe von 10 bis 150 Mk. oder mit Haft nicht unter einer Woche bestraft.