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3.7.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 153

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Lietzen

Die Japaner

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Ier Krieg, Dom Kriegsfchanplahe.

gzfAnni GzNch mt! vuSnohm, be» Sonntag».

Mt, «ItfttMt -a«ttitnbIStr-r" werben dem gUngetger vtermat »Schentllch betgelsgt. Der Zoniwkl* moaalUch einmal.

und beabsichtige, sich persönlich nm die Ruhe und Ord nung im Innern des Landes zu Vernühen.

Montag 3. Juli 1908

Dotattons^omck imb Verlag bet DrühNchsr UnwersträtSdruckrrei. ÖL Sange. Guch«.

Redaktton, Expedition ». Druckerei r bchulftrI, Del. Nr. 6L Letegr^Ldr.» An-etger Lirtzen.

Petersburg, 2. Juli. Ein Telegramm des Generals Linewitsch meldet: Am Morgen des29. Juni drängten die Japaner energisch gegen Beide vor. Unsere Vorposten zogen sich zurück. Nachdem Verstärkungen unsererseits eingetroffen waren, ging der Gegner noch im Laufe desselben Morgens zurück. Die Japaner rückten von Nantschantschensi bis Lokutschian und von

Julantsi bis Wanhegou vor. Petersburg, 1. Juli.

meldet aus der Mandschurei, daß sich gegenwärtig kaum

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zu feiern beabsichtigt, muß darauf vorbereitet sein, daß auch eine richtige Julihihe den Tag krönt. Aber der BegrüßungS^ sonntag-Vormittag enttäuschte nicht. In großen Scharen! kamen die auswärtigen Gäste. Wenn auch die sengende Sonnenglut den eifrigen Radlern die Arbeit nicht ganz leicht werden ließ, so konnte doch bisher nur eine Stimme darüber herrschen, daß unsere Stadt Gießen im schönsten Festschmuck wieder alles ausgeboten hatte, um einer stattlichen Anzahl Fremder einen hübschen Aufenthalt, anheimelnde und gemüt­liche Eindrücke zu bieten. Daß gute Beispiel wirkte viel mit: der Gießener selbst war es in erster Linie, der. sich detz Tages freute und der allgemeinen Festesfreude die Wege bahnte.

So hatten denn auch in einem guten Sinne die Redner. Recht, die am Samstag abend bei dem Festbankett in der Turnhalle die Gießener priesen, die es, allen anderen voran, verständen, Feste zu feiern6. Dies Wort hat einen bitteren Beigeschmack, der aber diesmal nicht zum Bewußtsein ge­kommen war, denn cS galt dem gutem, munteren Geilt, nicht der abgestumpften, nie zu befriedigenden Genußsucht...

Also am Samstag abend war der Begrüßungs­kommers. Die geräumige Turnhalle war voll besetzt. An der Tafel der Ehrengäste, die man unmittelbar unter öie musikalischen Eindrücke der wackeren Hanauer Ulanen gesetzt hatte, befanden sich u. a. Provinzialdirektor Geheimrrat Dr. Breidert, Kommerzienrat Hepligenstaedt, ibeig. Curschmann, die Stadtverordneten Huhn und K.'rch; auch aktive Radler: ber Vorsitzende desfestgcbenden Ver- 1 eins sein übles Wortl) Fabrikant Löttgen, sowie der 1. Vorsitzende des Gaues IX des deutschen Nadfohrerbundes, Herr Stift an? Frankfurt. Herr Huhn, der langsährige frühere Vorsitzende des Vereins, führte den Vorsitz und hielt die Eröffnung?- und Begrüßungsansprache. Dann erhielte» wieder die Musiker des Thür. Ulanenregiments Nr. 6 a3 Hanau das Wort, die hauptsächlich da? Verdienst haben, iasi der Abend von Vergnügen und Frohsinn belebt wurde. Die offiziellen Festreden waren zwar auch notwendig, und es (Mg aus ihnen hervor, daß die zahlreich anwesenden Vereine gs'cn der Einladung des Gießener RadfahrervereinS gefolgt roare^ und für die Kameradschaftlichkeit der Vereine untereinander beredtes Zeugnis ablegten. Doch zuvor sprach Provinzial- ' irektor Geheimrat Dr. Breidert, der gleichfalls der Ein­ladung deS Vereins gefolgt war, freundliche und beglück» wünschende Worte, womit er an die Zeiten erinnerte, da daS Rad eine ähnliche Stelle wie heute das Automobil einnahm, nämlich als eine Teufelsmafchme verpönt und von den strengen Gesetzgebern deS Staates und der Verwaltung mit wenig rücksichtsvollen Maßregeln verfolgt wurde. Doch daS wurde gar bald anders; man erkannte, als die Verbesserungen des Verkehrsmittels auch dessen grimmigste Feinde und die Gewalt- und Machthaber zur Benützung deS Na'oeL ver­führten, daß es doch etwas ganz schöne« sei, so frisch^und forsch, allen mißtrauischen Gesichtern der GesetzeSwächter, GenSdarmen und Schutzleute zum Trotz durch die schöne Natur, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land zu fahren. Und weil jetzt die Machthaber selbst für die Ausübung des neuen Sports die nötigen Erleichterungen und Bequemlichkeiten brauchten, hob man die unnachsichtigen und dräuenden GesetzeS- paragraphen auf. . . Als Geheimrat Dr. Breidert mitteilte, daß er selbst die Einführung loyaler Bestimmungen für den Nadfahrerverkehr, die Freigabe auch der Fußwege, durchgesetzt habe, wurde seiner Rede der lebhafteste Beifall gezollt.

Dann sprach der jetzige Vorsitzende deS RadfahrervereinS von 1885. In einer kurzen Chronik bekundete er, daß der Verein seit der 20 Jahre fernes Bestehens 10 Vorsitzende gehabt habe, darunter, wie erwähnt, Hr. Stadtverordneter Huhn. Im GründungSjahr war auch Hr. Kirch in den Vor­stand gewählt worden. Beigeordn, Curschmann sprach als Vertreter ber Stadt. Er, wie auch Rechtsanwalt Kauf­mann, der für die Gießener Turnerschaft die Glückwünsche aussprach, führte aus, daß der Radfahrersport in jeder Weise förderlich wirke. Rach einer kurzen Ansprache des Vorsitzenden des Gaues IX sprachen die Vertreter von noch ca. 6 , bis 8 Vereinen. Da im allgemeinen immer wieder nur dasselbe zu sagen war, daß man gerne an der Feier teilgenommen habe, zogen es einige Vereine vor, sich nicht zum Wort zu melden, desto fröhlicher aber an dem gemütlichen Teil deS Abends, wozu ein Coupletsänger beitrug, sich zu beteiligen., Erwähnt sei noch, daß der Schützenverein einen Vannernagel/ ber Verein Frohsinn einen Becher überreichen ließ. _ Sehr er­baut waren die Anwesenden von einer poetischen und patriotischen Ansprache des Herrn Werkführers Schufst so­wie einer vor den Folgen beS übermäßigen Atkoholgenusses warnenden Rede des Vertreters deS Gießener Fußballklubs ...

Der Sonntag vormittag wickelte sich programmgemäß ab. Früh morgens riß ein Weckruf die Leute aus dem Schlummer, dem man um so lieber Folge leistete, als bie große Hitze nachher doch niemand mehr zum Schlaf kommen ließ. Von 8 Uhr an wurden die fremden Vereine und sonstigen Fest­gäste an der Bahn feierlich empfangen und durch die festlich geschmückten Straßen in die Stadt geleitet, wo ihnen um 11 Uhr ein Frühkonzert im Neuen Saalbau geboten wurde. Um 1 Uhr war darnach ein großes Festessen im Neuen Saalbau, woran sich auch die zahlreichen Mitglieder der Ausschüsse lebhaft beteiligten.

Das Hauptinteresse des Gießener Publikums lenkte sich nachmittags auf den Preiskorso durch die Stadt, der mit einer prächtigen Auffahrt aus OZwaldSgarten endete, von wo die Fahrt nach dem Sportplatz a. d. H. nngetreten wurde Der lange Zug der verschieden gekleideten Nadfahrvereine mit ihren Fahnen und festlich geschmückten Nädern bot wirklich, zumal bei der geordneten Auffahrt, einen sehr schönen An°> , blick. Au eh Vertreterinnen deS weiblichen Geschlechtes Hutten : an dem Festzug teügenommen. 2 Abteilungen in Wagen

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ernstere Vorgänge erwarten lassen. Mongolen behaupten, daß hie Japaner nicht vor Mitte August zum allgemeinen Angriff übergehen werden; jedenfalls scheint es, als wenn eine weite Umgehung des rechten russischen Flügels durch Rogi an topographischen Schwierigkeiten gescheitert ist und'daß er nunmehr seine Armee auf Tschantafu konzentriert. In Korea gewinnen die Japaner täglich mehr an Terrain.

Eine neue japanische Anleihe.

London, 2. Juli. Der japanische FinanzagentTaka- lashi, der sich zur Zeit in England befindet, erklärte einem Vertreter des Reuterschen Bureaus, es sei unmöglich, bad Ergebni s oder die Dauer der im Gange besiudlicheil Friedensnnterhandlungen voraus.uschen. Japan mbe mit seiner zukünftigen finanziellen Lage zu rechnen. Es habe jetzt 50 Millionen Dollars in New Aork und 800000 Pfund Sterling in London, die noch von der etztcn Anleihe übrig seien, außerdem habe es die letzten Natenzahlungen der Anleihe zu erwarten, die noch nicht ällig feien/ aber, selbst wenn der Friede zustande- omme, werde Japan noch mehr Geld gebrauchen zur Tilgung der inneren Anleihen, zur Zurück- Beförderung der Truppen und für die allgemeine in oixftrieile Entwickelung Japan schlage daher vor, alsbald eine neue Anleihe im Auslande zu machen, die 30 Millionen Pfund betragen und in London, Ncw- l)ork und auf dem europäischen Festlande emittiert werden olle. Die Anleihe solle durch die Einnahmen aus dem Tabakmonopol garantiert werden.

Die FriedeM!-5»onferenz.

Washington, 2. Juli. Präsident Roosevelt ist zu der Mitteilung ermächtigt worden, daß die russische und Die japanische Regierung ihn von der Ernennung von Be­vollmächtigten in Kenntnis setzten, die möglichst bald nach dem 1. August zusammentreten sollen.Die beiderseitigen Bevollmächtigten erhielten uneingeschränkte Vollmacht, über den Frieden zu verhandeln und ihn abzu­schließen unter der Voraussetzung der Natifikation durch die beiderseitigen Negierungen.

Petersburg, 1. Juli. Die Pet. Tel. Ag. erfahrt aus glaubwürdiger Quelle, daß zum Bevollmächtigten der russischen Negierung für die Unterhandlungen mit dem japanischen Bevollmächtigten in Washington der russische Botschafter in Nom, Murawiew ernannt werden soll und ber russische Botschafter in Washington, Baron Rosen, an den Verhandlungen teilnimmt.

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Zweites Matt. 133. Jahrgang A

Eichener Anzeiger

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Die Anarchie in Rußland.

Odessa.

ES wird nicht so bald möglich sein, den ung-eheuren Schaden wieder gut zu machen, der bei den Unruhen rn Odessa verursacht wurde. Die Meldung von deren Be­endigung (vgl. die heutigePolit. Wochenschau") wird durch die heutigen Telegramme (vgl. unseren heutigen Depeschen- teW fraß widerrufen. Tie russischen Versichernngs- j Gesellschaften werden wahrscheinlich denen, die um ihr ; Hab und Gut gekommen nnb, keinen Pfennig auszahlen. } ES sind auch viele Ausländer zu Schaden gekom- . men. Die betreffenden Staaten werden für ihre Untertanen . Entschädigungsansprüche erh-ben. _ ,

30 verbrannte und halbvfrbrannte Leichen, die Opfer ter Feuersbrunst von Mittwoch Nacht, liegen noch im Hafen : in den Hafenschuppon. Die letzten Nächte verliefen ohne Ruhestörung. Einzelne Signalschüsse zwischm den Biwak- vlätzen in den verschiedenen Stadtteilen unterbrachen die : Stille. Die Flucht der Bürger aus Odessa dauert fort. Man muß jetzt Fahrkarten 10 Tage im voraus bestellen.

Der Matrose desPotemkin", der am 27. Juni von . Xncnt Offizier erschossen wurde, hieß Stefan Omol- tschuk ober Omoltschenko; er war bekannt als rühriger ; sozialdemokratischer Agitator unter den Ma­trosen der Schwarzen Meerflotte. Gewöhnlich war er ihr Wortführer bei Beschwerden. Omoltschuk stand schon im November 1904 an der Spitze der Matrosen während der Unruhen in Sewastopol, wurde aber damals vom Kriegs­gericht freigesprochen.

Der Truppenkommandant von Odessa hat den Euiwoh- itetn untersagt, Gruppen von mehr als 20 Personen auf Plätzen und öffentlichen Straßen zu bilden. Alle größeren Ansammlungen werden gewaltsam auseinandergesprengt. Die Truppen haben Befehl, eventuell ohne weiteres von ihren Waffen Gebrauch zu machen. Die Hotel- und Haus­besitzer sind angewiesen, alle verdächtigen Leute, die sie beherbergen, ber Polizei anzugeben, widrigenfalls eine strenge Strafe gegen sie eingeleitet wird. .Die Eigentümer, tn deren Wohnungen Bomben ober sonstige Explosivstoffe angefertigt werden, sollen in entfernte Provinzen verbannt werden. Ist ihre Beteiligung an der Herstellung von Ex­plosivstoffen bewiesen, so sollen sie vor ein Kriegsgericht gestellt werden.

In den letzten Tagen verurteilte bc/3 Odessaer Kriegs­gericht über 100 Personen, welche sich den An­ordnungen des Militärs nicht fügten, und bei Plünderungen und Brandstiftungen betroffen wurden, Tode. 50 Verurteilte wurden sofort erschossen. Auch viele So Iba tetr wurden zum Tode verurteilt.

Diese Ereignisse "haben auf den internationalen und, wie /chon angedeutet wurde, für oen deutschen Getreide- Han d e l ein erhebliches Interesse. Nach den Bestimmungen des deutsch-nieoerländischen Getreibekontrakts wird jeder Vertrag auf Getreide Verladung, salls die Verladung durch Ausfuhrverbot, Blokade oder Feindseligkeiten verhindert ist, aufgehoben. Aehnlich Tauten die Bestimmungen in dem eng­lischen Kontrakt. Es sind zweifellos noch manche Juli- Kontrakte in Odessa zu erfüllen, während gegenwärtig, falls sich die in den Zeitungen geschilderte Lage der Verhältnisse in Odessa bestätigt, zunächst wohl kaum auf Llbladung zu rechnen ist. Haben die Ablader kein Interesse, die Beschieß­ung des Hafens als Grund dafür auszunutzen, sich ihren Verbindlichkeiten *u entziehen, so wird doch mindestens eine Verzögerung in der Ausführung mancher Kontrakte ent­stehen. Eitte weitere Unannehmlichkeit bedroht den Getreide­handel in dem Falle, falls c ne bereits gemachte Mladnng ,nt Schwarzen Meere durch die Beschießung der meuternden Schisse oder durch die anderweitige russische Flotte in Ver­lust gerät. Da in den Versicherungs kontrakten, die gegen» prärtrg für Fladungen vom Schwarzen Meer laufen, Kriegs­gefahr nicht vorgesehen ist, so würde für solchen FaLl die Ware durch Vers cherung nicht gedeckt sein und ein Anspruch auf Schadenersatz sich nur an die russische Regierung sichten können. In Berlin ssnd Odessaer Telegramme ein­getroffen, laut welchen das dortige Getreidegeschäft voll­kommen auf gehört hat.

Weitere Greueln.

In Brzezieny (Polen) haben die Truppen einen ozialistischen Straßenumzug angehalten. Die Sozzialisten "rügen eine rote Fahne und leisteten den Truppen Wider- |tanb. Die Truppen machten Gebrauch von der Waffe. 30 Arbeiter touroen getötet und ebenso viele verwundet.

Nach anderen Meldungen aus Brzeziny arrangierten 4000 jüdische Arbeiter eine Manifestation mit roten Fahnen. Kosaken gaben ohne Warrnmg mehrere Salven. 12 Demonstranten wurden getötet, 13 verwundet.

Das Kriegsgericht in Lodz verurteilte drei Arbeiter wegen Beteiligung an dem jüngsten.Aufstande zum Tode. IN den Sprtälern von Lodz sind inzwischen 69 verwundete Opfer der letzten Unruhen ihren Ver* letzungen erlegen.

Durch Agenten ber Geheimpolizei wurde bei dem pensionierten Beamten Andruschkewitsch und dem Studenten Ander im Dorfe Wyra, Bezirk Zarskoje Sfelo, eine Bombenfabri k mit acht geladenen und zweiundzwanzig nicht gelaßenen Bomben und etwa 100 Blechkisten mit flüssiger Sprengmasse und Sprengkapseln und weiterem Ma­terial zur Bombenfabrikation gefunden.

Ein offiziöses Dementi.

Berlin, 1. Juli. Die kaiserlich russische Botschaft ist ermächtigt, die Nachricht, datiert aus Petersburg, 19. Juni, über eine angebliche Ver sammlung v on r ussischen Offizieren in dem Lager von KraSiroje Sselo in entschiedenster Weise zu w i d e r l e a e n. Eine derartige Ver­sammlung fand Überhaupt gar nicht statt, und die ganze Nachricht beruhe auf Erfindung. sWir bemerken dazu, daß jene Nachricht von den offiziösen Telegraphenbureatts in.Petersburg und Berlin verbreitet wurde!! D. Red.)

Der Zar.

Angesichts der immer bedrohlicher werdenden Lage im INnern hat die Kriegs Partei in ber Umgebung bes Zaren jeben Einfluß verloren. Der Zar soll einer Sm Persönlichkeit gegenüber erklärt haben, baß er um £n VroKL mit L^av an Fx.ie b e n schließen werbe

Die Wsrokko-Krage.

P a v i s, 2. Juli

Der deutsche Botschafter Fürst Radolin begab sich gestern nach dem Ministerium des Auswärtigen, um mit bent Minister­präsidenten Ron Vier zu konferieren. Nouvier , übergab dem Botschafter ein Schriftstück, bas mehr eine Notizenaufstellnng als eine diplomatische Note ist und die Punkte zusammenfaßt, zu denen man im Verlaufe der bisherigen Unterredungen gelangte. Mcnr nimmt an, aast Wiese Besprechung den vorbereitenden W-schNiN ber Unlerhanblunsten beendigte und daß ut der ersten Unterredung, die der Ministerpräsident in der begonnenen Woche mit dem Botschafter hat, die Verständigung über bas Prm- zip ber Konfcrem uirb bie Bebingungen, unter denen Frankreich ihr zustimmt, offizielle Gestalt annehmen wird.

DerFigaro" meint, in den biplomatischen Unterredungen und in ber Presse Beiher Läuber kam oft zum Ausdruck, baß Paris und Berlin in jeglicher Weise eine fr eundschaft- liche Lösung wünschen. Deutschland hat mit der Konferenz ein sehr großes Zugeständnis ver­langt. Frankreich hat Uug daran getan, zu zeigen, daß es die Konferenz nicht zurückweist, falls Deutschland dies­bezüglich einen unveränderlichen Standpunkt emnähme. Es wird vieNeicht in beiden Ländern Unzufriedene geben, aber bas waren nur diejenigen, welche kein Verständnis für ehrliche Trans­aktionen haben. ... ,

Der Berliner Spezialkorresvondent desMatm" will ermäch­tigt sein, folgende ihm schriftlich zugeganaene Erklärung des Reichskanzlers Fürsten Bülvw zu veröftentichen:

Ich will niemand, wer immer es sei, Auskünfte oder An­deutungen betreffend den gegenwärtigen Stand ber Berhanb- lungen liefern, über welche ausschließlich bie Vertreter ber beiden Negierungen unterrichtet sein dürsten. Immerhin kann ich Ihnen sagen, und ich ermächtige Sie, dies zu wiederholen, daß man in Frankreich einen Irrtum fregmge, wenn man annähme, daß wir irgendwelche Hintergedanken hegen, derentwegen sich Jlw Land beunruhigen konnte. Die deulsche Diplomatie ist loyal und aufrichtig unb hat kein anderes Ziel, als durch gerechte Mtlel zu emer friedlichen Lösung der gegenwärtigen Streitfrage, die schon zu lange ge- dauert hat, zu gelangen. Ich beharre Bei ber Disicht, daß die Bereiniwma in einer Konferenz der s i che r st e W e g Ware, um aus einer Lage herauszukommen, bie in mehr als einem Betracht gespannt und gefahrvoll war, sowie um alle berechtigten Interessen zu Versöhnern"

DiSZeier dcs LvsäSriflcn A-ft-kens des OieSencr KaSfahrew rni-s 1885.

Gießen, 3. Juli.

Ter erste Hauptfesttag am gestrigen Sonntag war von dem besten Wetter begleitet; wer in den Julitagen ein Fest

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