Ausgabe 
2.9.1905 Drittes Blatt
 
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Rotationsdruck und Verlag der vrühl'sch« UnwersitätSdruckerei. ÖL Lang«, Dietz«

Rr. 206 Drittes Blatt. 155. Jahrgang Samstag 2. September 1905

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Ehesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal 0 V

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Zum Sedantage

Aing uns nachstehendes Gedicht aus Wiesbaden zu: Rings wird die Nacht schon eingeläutet Und langsam weicht der Sonne Licht, Weit über Berg und Tal gebreitet Liegt Dämmerschein in ferner Sicht. Da steigt der Mond in weißem Glanze, Blickt bleich hernieder auf den Rhein, Sich spiegelnd in der Wellen Tanze, Hell leuchtend wie der goldne Wein. Auch selbst der Wälder stolzes Prangen, Der Reben Grün, der Wiesenstor, Sie alle sind zur Ruh gegangen, Des Mondes Licht, es rastet nur. Auch auf dem Strome wird es stille.

Nicht Schiff, nicht Nachen trägt er mehr, Nur bei des Mondes Silberfülle Die Nixen tanzen hin und her.

Seht dort an jenes Hanges Rande Im lichten Glanz die Heldin steh'n, Es schaut ihr Blick nach fernem Lande, Wo stolz jetzt unsre Fahnen weh'n. Es rollt ihr Haar von Stirn und Wangen Und schwertumgürtet steht sie da, Sie kennt nicht Furcht, sie kennt nicht Bangen. Ihr Name heißt Germania. Sie glänzt und strahlt im Mondenscheine, Zum Rheinstrom selber leuchtet sie, O daß ihr Bild uns ewig eine, All' Deutschland all in Harmonie.

Aus Berg und Tal liegt stumm die Nacht Und lautlos schweiget die Runde, Da künden die Glocken, gebet acht: Die mitternächtliche Stunde.

Die lichten Wolken ziehen daher, Und freundlich blinken die Sterne, Dort über dem Standbild der deutschen Wehr, Da kommt er, der Kaiser, von ferne.

Er reitet sein Schlachtroß, dort steht er in Sicht Bei der Sterne schimmerndem Funkeln, Seine Augen so klar, so mild sein Gesicht, Es leuchtet aus nächtlichem Dunkel.

Aus Gruft und Tod kam heut er her, Befreit von der irdischen Bande, Ter Stolz der Nation und unserer Wehr, Zu segnen die deutschen Lande. Es ziehen die Wolken wohl über den Rhein, Sie decken das Roß und den Reiter, Sie tragen zur Gruft den Kaiser hinein, Zu ruhen in Frieden nun weiter.

Du deutsches Volk, wenn einst das Horn zum Kampse ruft, Sei fähig mit dem Herzblut aufzufärben, Was einst dein Heldenkatser siegreich schul, All Zeit bereit zu kämpfen und zu siegen.

Frhr. v. K essel-Zeulsch.

Volttische Tagesschau.

Wie Roosevelt telegraphiert und wie das Wolff'sche Bureau überseht.

Auf das Glückwunsch-Telegramm des deutschen Kaisers en den Präsidenten der Vereinigten Staaten hat Herr Roosevelt geantwortet:

His Majesty William n., Emperor of Germany, Berlin.

I thank you most heartily for your congratulations, and. I wish to take this opportunity to express my profound appreciation of the way in wnich you have cooperated at every stage in the effort to bring about peace in the Orient. It bas been a very great pleasure to work witb you toward this end.

Theodore Roosevelt.

Das Telegraphenbureau übersetzte:

Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser Wilhelm II. Berlin.

Ich danke Euerer Majestät herzlichst für Ihre Glück­wünsche, und möchte diese Gelegenheit ergreifen, um meine tief­gefühlte Würdigung der Art und Weise auszudrücken, in der Euere Majestät in jedem Stadium bet der Bemühung, Frieden im Osten zustande zu bringen, mitgewirkt haben. Es ist eine sehr große Freude gewesen, mit Euerer Majestät zu (I) diesem Ziele zu arbeiten/ Theodore Roosevelt.

Daß die BezeichnungKaiser von Deutschland", die Roosevelt Wilhelm II. giebt, in die Bezeichnungdeutscher Kaiser* * übersetzt wird, mag hingehen, obwohl es immerhin interesiant ist, daß Roosevelt eine Bezeichnung wählt, gegen die sich der alte Kaiser Wilhelm I. energisch gewehrt hat und um die lange Auseinandersetzungen in Versailles stattgefunden haben. Anders als um die Korrektur desEmperor o Germany steht es mit der Uebersetzung desyou, mit dem Roosevelt in seiner Depesche den deutschen Kaiser zwei­mal anredet, inEure Majestät". Damit wird dem Tele­gramm gerade das Charakteristischste seiner Ausdnicksweise benommen. Roosevelt redet dreimal den deutschen Kaiser schlicht mit an. DaS ist der bürger­

liche amerikanische Stil, die bürgerliche amerikanische Gepflogen­heit. Das Hofdeutsch des offiziösen Telegraphenbureaus raubt dem originellen Charakter der Roosevelt'schen Aus­drucksmeise vollkommen das eigenartige Gepräge. Warum das? Will man damit etwa dem Präsidenten der Vereinigten Staaten unter der Blume zu verstehen geben, wie er hätte telegraphieren sollen oder in Zukunft telegraphieren soll? Welchen Sinn haben diese erzieherischen Versuche? Wäre e§ ein Verbrechen am Deutschen Reiche oder am deutschen Kaiser gewesen, wenn das Roosevelt'sche Telegramm offiziös so übersetzt worden wäre, wie e§ lautet? Richt blos in Amerika wird man über dieKorrektur« des Telegramms erstaunt sein.

Südafrika.

Zunächst liegt wieder eine Nachricht über neue Opfer in Sudwestafrika vor. Der Feldintendanturrat Dr. Ernst Mül­ler, geb. zu Langeneß, ist im Krankenhause Eppendorf bet Hamburg, der Gefreite Fritz Conradi, geb. zu Grost-Aulu- wöhnen, in der Krankensammelstelle Gaibes an Herzschwäche nach Herzkcampf gestorben.

Nach weiterer Mitteilung^ aus Deutseh-Südwestafrika erreichte am 25. August der erste Bauzug der Otawibahn Omaruru.

Der Kommandant desBussard" meldet endlich unter dem 30. August über Kilwa: Im Bezirk § indi ist der A u f st a n d V>e grenzt durch Mbenikum, das Plateau von Muera, die Lukuledimündung und die Küste. Tie Aufrührer sind in größeren Trupps über das Gebiet zerstreut. Oberleutnant zur See Altvater, ein Deckoffizier und zwölf Mann nebst drei chwarzen Soldaten machten einen Vorstoß von Mtschinga ab. Kapitänleutnant Nvbis, zwei Deckoffiziere und fünfzehn Mann nebst zwei schwarzen Soldaten schützen Mroweka und Umgebung. Ein Marinestabsarzt, ein Deckoffizier und zwölf Mann machten von hier einen Vorstoß. Die Polizeitrnppen gehen die Tele­graphenleitung entlang. Detachements der Schutztruppen ope­rieren nördlich vor dem Lutambasee. Die Araber unterstützen die Truppen und stellen Hilfstruvpen. Ein Detachement von Ilwa und Kiwinje unterstützt das Vorgehen der Schutztruppe. Ter Gesundheitszustand der Truppen ist vorzüglich. Die Depesche ging mit dem am 29. August abends von Lindi abgehenden Segelboote ab.

* Das idyllische Leben des Zaren in Peterhof schildert ein englischer Korrespondent, der ausgezeichnete Informationen zu haben behauptet, in den rosigsten Farben: Der Zar führt jetzt in Peterhof ein sehr ruhiges und einfaches Leben, und er befindet sicki stets in der besten Stimmung. In seinem ganzen Benehmen und in seiner Unterhaltung deutet nichts darauf hin, daß er sich belästigt fiihlte. Wenn ihn nicht die Regierungsgcschäfte in Anspruch nehmen, sieht man ihn oft in einem Automobil, das er selbst lenkt. Uebrigens spielt er sehr viel Tennis; seine Vorliebe für dieses Spiel zeigte sich erst neulich wieder. Der Hofzahnarzt untersuchte die Zähne der Kaiserin, und während der kurzen Zeit, die diese Untersuchung dauerte,, fragte der Zar dreimal an, ob seine Gemahlin noch nicht fertig wäre und mit ihm weiterspielen konnte. Der Zar macht mit seiner Familie auch gern kleine Ausflüge nach dem nahe gelegenen Schloß Ropscha. Gewöhnlich nimmt er seinen Sohn und die kleinen Großfürstinnen zu sich in das Automobil, während die Zarin ihn zu Pferde be­gleitet. Hier im Schloßpark spielt der Kaiser, von einer zahlreichen Leibgarde bewacht, gern mit seinen Kindern. Die kleinen Großfürstinnen laufen oft barfttß über den Rasen und belustigen sich mit ihrem Vater in allen mög­lichen Spielen, während die Zarin das in einem Korbe mitgebrachte Frühstück auspackt, dem alle tüchtig zusprechen."

* Eine ganze Familie in der T o l l wu t - ftation. Ein schweres Mißgeschick hat die Familie des Majors v. Arnim vom Husarenregiment Nr. 18 in Großenhain betroffen. Einer der wertvollen .Hunde des Majors, der plötzlich von der Tollwut befallen wurde, hatte das dreijährige Töchterchen und den Diener des Majors durch Bisse schwer verletzt. Außerdem hat das Tier noch andere Personen aus dem v. Arn^nfchen Haushalte ge­bissen. Die gesamte Familie begab sich daher sofort mit allen Verletzten nach Berlin, um sich in der Tollwutschutz- station einer Schutzimpfung zu unterziehen. Der tolle Hund wurde erschossen, desgleichen ein zweiter wertvoller Hund, den er ebenfalls gebissen hatte. Das Unglückstier hat auch noch mehrere Pferde des Majors verletzt, die in tierärzt­liche Beobachtung genommen werden mußten.

* Ein Mann mit 100 Ehefrauen. Amerika hat eine neue Sensation, die von Tag zu Tag mehr die Riesenspalten der Blätter füllt unb die in der Tat sich immer überraschender ge­staltet. Seit der Mitte der vorigen Woche wird ein junger Deutscher namens Dr. Georg Witzhoff allenthalben gesucht der den berüchtigten Bingener Blaubart Johann Hoch noch weit übertrifft; hat er doch nicht nur 37 Frauen gehabt, sondern, wie es erst hieß, 50, und wie sich jetzt schon herausgestellt hat, über 100 die Liste ist aber noch nicht abgeschlossen! Aller dings hat er nicht die betrogenen Frauen getötet, sondern nur betäubt und beraubt und dann verlassen, nachdem die Ehe ein oder zwei Tage und manchmal noch fürsere Zeit gedauert hatte. Es wird sogar behauptet, daß er einmal in einer Woche sieben Frauen geheiratet und jede nach wenigen Stunden verlassen habe. Witzhoff trat als Doktor oder als Chemiker und Zahnarzt auf. Er suchte seine Opfer nicht nur in einer Stadt oder einem Staate, sondern im ganzen Osten und in den mittleren Staaten: die Gewinne, die er bei den einzelnen einheimste, belaufen sich in einzelnen Fällen bis auf 30 000 Mark. Jeden Tag erhält die Polizei Briefe von neuen Opfern, und dabei halten sich noch viele Frauen zurück, da sie eine begreiflickie Scheu davor haben, in diesen Skandalprozeß hinein verwickelt zu werden. Nur fünf­zehn haben bis jetzt diese Rücksicht beiseite gesetzt und gesetzliche Schritte eingeleitet, denErzpolvgamisten" wegenHeirat", Be­raubung und böswilligen Verlassens der Justiz zu überliefern. Die überraschendste Enthüllung in diesem seltsamen Fall kam am Montag, als sich herausstellte, daß der von der Polizei allenf halben Gesuchte der Leiter einer ArtHeiratssimdikats" ist, das das Heiraten und Ausrauben von Frauen als ein regelrechtes Geschäft betreibt. Die Bande, die dazu gehörte, bestand aus 27 Männern, und es wird versichert, daß wenigstens 500 Frauen ihre Opfer geworden sind: die meisten von ihnen leben noch. Witzhoff hatte aus seiner unheilvollen Tätigkeit eine Spezialität gemacht, die er mit höchster Geschicklichkeit ausübte. Er besuchte mit Vorliebe Balle, auf denen er sicher war, reiche Frauen zu finden. Er arbeitete auch mitSchadchen", den jüdischen Heirats­vermittlern, von denen einzelne regelrechte Geschäfte mit ihm gemacht haben sollen, indem sie ihm Frauen $uführten und dafür einen Anteil an der Beute erhielten; Witzhoffs Opfer stammten daher zum großen Teil aus jüdisch-deutschen Kreisen. Er war wegen seines vorteilhaften Aeußem, seiner Ueberredungsgabe und seiner Külwheit derStar" der Bande; ckber er wurde von einem Mitglied derselben infolge emes Streites den Be­hörden verraten. Er war nicht Zahnarzt, und er war bereits vor mehreren Jahren mit der Vereinigung der Zahnärzte m Philadelphia wegen der unberechtigten Führung dieses Titels tn Konflikt geraten; aber er war praktisch als Zahntechniker tätig, in einem Hause, das einer seiner Frauen gehörte. Die Zeitungen veröffentlichen jetzt auch Briese von Witzhoff an seine Opfer: sie sehen alle einander sehr ähnlich, find ,ehr zärtlich, aber auch sehr kurz, und ihr Inhalt handelt nunter wieder von der Notwendigkeit, neue Mittel aufzubringen. Alle frrauen, die ihre Erfahrungen mit Witzhoff berichten, erzählen immer dieselbe Ge­schichte Interessant ist dabei dte Beobachtung, daß die Frauen weniger durch Witzhoffs schöne Erscheinung er ist ent großer stattl'ickier Mann mit feinen Zügen und einem sich leicht kräuseln­den dunklen Schnurrbart als durch feine gewinnenden Ma­nieren angezogen wurden. Mle rühmen sie ferne sich stet- gleich bleibende Höflichkeit. Dis letzt ist es der Polizei, obwohl sie die größten Anstrengungen macht, noch nicht gelungen,cheme Spur

aufzufinden- er braucht so viele Verkleidungen und legte )id) so Diele verschiedene Namen bei, daß es sehr schwer ift, sie zu

verfolgen.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter Th e a t er. Zwei künstlerische Kräftt von ausgesprochener Individualität verlassen das Frankfurter Schauspielhaus Fräulein Helene P o l l n e r und Herr Mathieu Pfeil. Fräulein Pollner hat sich in Frankfurt zu einer aus­gezeichneten Vertreterin klassischer Mädchengestalten entwickelt. Ihr Gretchen, ihre Julia, ihr Klärchen, ebenso aber auch die jugend­lichen Figuren der wodernen dramatischen Literatur waren lebendige, warmblütige Schöpfungen, Gestalten, deren warme Impulse sich mischten mit kluger Kiinst und stark persönlicher Note. Die reich- begable Darstellerin verläßt die Bühne und folgt einem geliebten Manne, einem Diplomaten, nach Tientsin. Ein Künstler, den wir schwerenHerzens scheiden sehen, istMathieuPfeil. Der Künstler hat nur wenige Jahre dem Frankiurter Ensemble angehört, aber die kurze Zeil genügte, um ihn einen allerersten Platz einnehmen zu lasten. Er geht nach Stuttgart, hier aber wird seine hochintelligente, Willensstärke und psychologisch-fesselnde Kunst in dauernder Er-- tnncrung bleiben. Pfeil ist einer der vielseitigsten Darsteller der deutschen Bühne, ein ebenso packender Stauffacher und Octavio Piccolomini wie französischer Lebemailn, feinkomischer Charakter­darsteller und Repräsentant würdiger Väterrollen. Als Herzog Karl in denKarlsschülern" verabschiedete er sich von dem Frank­furter Publikum, das ihm die herzlichsten Beweise seiner Sympathie zum Ausdruck brachte. In der Oper gastierte Frl. Geiger von München erfolgreich als Azucena und Amneris. Der Gast bringt außer stattlicher Erscheinung und intelligenter Auffassung ungewöhnlich schöne Stimmittel und bemerkenswerte künstlerische Schulung mit, die trotz der beschränkten Höhe ein Engagement als vorteilhaft erscheinen lassen.

Ktnchtslaal.

fc. Frankfurt a. M., 31. Aug. Die Frau des Tag* löhners H. Falken Hahn in Heddernheim hatte ein T e le - p h o u g e s p r ä ch hierher angemcldet. Als sie kaum eine Mi­nute gesprochen h^tte, fragte der hiesige Telephonbeamte: Sprechen Sie noch?Saubande, mit Eurer ewigen Rennerei!" erwiderte die Heddemheimerin. Das hiesige Schöffengericht ver­urteilte sie heute wegen Beleidigung zu 20 Mark Geld­er af^e.

ITct n a u , 30. Aug. Das Schöffengericht verurteilte die Fran des Oekonomcn Stiebing wegen Milchfälschung zu 100 Mk. Geldstrafe. Die Frau hatte der Milch, die sic einer Armen- Unterstützungsempfängerin lieferte, 37 Prozent Wasser zugesetzt. Der Amtsanwalt hatte vier Wockien Gefängnis beantragt Der mitangeklagte Ehemann wurde freigesprochen, da er Nachweisen konnte, daß er mit der Milchwirtschaft nichts zu tun hat.

Wiesbaden, 30. Aug. Vor dem Schöffengericht hatte sich heute der Arzt Dr. Eugen Rüb von Sonnenberg toegen Beleidigung des dortigen Bürgermeisters Schmidt zu verantworten. In Sonnenberg herrscht zwischen dem feit drei bis vier Jahren dort amtierenden Bürgermeister einer- und einem großen Teil der Gemeindevertrcter sowie Ortseingesessenen andererseits ein gespanntes Verhältnis, das in den Sitzungen der Gemeindevertretung einen besonders starken Ausdruck in dem Verhältnis des Bürgermeisters zu dem als Schöffen gewählten Dr. Rüb fand. Rüb war auf Veranlassung des Bürgermeisters durck) den Landrat feit zwei Jahren von seinem Gemeindeamte suspendiert. Die Beleidigungen, die Veranlassung zu der vor­liegenden Anllage gaben, werden in einer Eingabe gefunden, die Dr. Rüb am 26. August v. I. an den Landrat des Landkreises Wiesbaden richtete. Er sagte darin: Der Bürgermeister, der nachweislich vorher geäußert hatte, er bringe es noch so weit, daß Tr. Rüb sein Bündel schnüre und von Sonnenberg fort- ziehe setze das schmähliche Treiben fort, um ihn (Dr. 9t.) aus Sonnenberg hinauszuchikanieren. Des Bürgermeisters Han­deln zeuge von einer Niedertracht der Gesinnung, die er als ge­mein bezeichnen müsse. Er machte dem Bürgermeister auch zum Vorwurf, daß dieser Rechnungen von Rübs Patienten sich ver­schafft, sie am Biertisch vorgezeigt, und kritisiert habe. Die Ein­gabe spricht dann noch davon, daß der Bürgermeister einzelne Personen gegen deren Willen auf die Ortsarmenliste setzte, nur damit er (Dr. Rüb) von ihnen kein Honorar fordern könne. Von dem Bürgermeister, der als Nebenkläger auftrat, wurde be­hauptet, Dr. Rüb leide an Verfolgungswahnsinn; nicht dieser werde von ihm, sondern er (der Bürgermeister) von Dr. Mb verfolgt. Dr. Rüb ist tatsächlich auf feinen Geisteszustand unter- fuefjt worden. Der Kreisarzt bekundete darüber, daß für die Annahme einer Geistesstörung nicht der geringste Anlaß vorliege; wenn Dr. Rüb sich verfolgt glaube, so habe er Veranlassung dazu, da ja der Bürgermeister gedroht habe, er werde es noch dahin bringen, daß er fein Bündel schnüre. Das Gericht er­kannte auf hundert Mark Geldstrafe, indem es zu Gunsten des Angeklagten annahm, daß er die Eingabe in Wahrung berechtigter Interessen und in der Notwehr geschrieben, jedoch in der Form gefehlt habe. (Nach 'derF. Z.")

Zwei Jahre Zuchthaus für den Diebstahl einer Zigarre. Ein so hartes Urteil fällte, wie man aus Kopen­hagen schreibt, dieser Tage der höchste dänische Gerichtshof. Die näheren Umstände allerdings lassen das hohe Strafmaß verständlich erscheinen. Ein sowohl in Dänemark wie in Schweden und in Deutschland vielfach vorbestrafter, den Gerichten aller Welt bekannter routinierter Einbrecher stattete vor Monaten dem Verwalter einer Badeanstalt einen nächtlichen Besuch ab. Er stöberte unbemerkt die ganze Wohnung durch, fand an NehmenS- wertem aber lediglich eine Zigarre. Aergerlich entschloß der Einbrecher sich die ganze Beute auf der Stelle zu verprassen. Er zündete die Zigarre an und legte sich dabei in der fremben Wohnung für ein Viertelstündcken auf einen Divan. Die mäßige Zigarre sie wurde vor Gericht auf 6 Oerc taxiert verursachte dein Gaste aber einen kleinen Hustenanfall, der ihn verriet. Die Hausbewohner erwachten und nahmen mit Erfolg die Ver­folgung auf.

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Kinder, sowie blutarme, sich mattfühleude und nervöse überarbeitete, leicht erregbare Erwachsene jeden Alters gebrauchen als Kräftigungs-Mittel mit grossem Erfolg D*L HOMMKI/s Haematogen. -

I>er Appetit erwacht, die geistigen und kör» perlichen Kräfte werden rasch gehoben, das Ge­samt-Nervensystem gestärkt.

Man verlange jedoch ausdrücklich das echteDr. Hom- mels Haematogen und lasse sich keine der vielen Nach­ahmungen aufredeu. cw/,