Ausgabe 
24.7.1905 Erstes Blatt
 
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155, Jahrgang

Erstes Blatt.

Neöer das Attentat auf den türkischen Sultan

Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

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Dolitrsche Tagesschau.

Mehrheit zu erlangen.

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Gthulstrotze 1.

Kbrefie Mr Deoescheru «uzetger Aießea.

Aernspr?chan>chluß 9?r 61.

blättern. Wir verschonen unsere Leser mit derartigen beklagens­werten Niedrigkeiten.

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In der sozialdemokratischen Partei macht sich die Nähe des Jenaer Parteitages bereits bemerklich, nicht zum wenigsten in der schärseren Tonart, die in der gesamten sozialdemokratischen Preße, auch bei uns in Hessen, bei allen möglichen und unmöglichcu Gelegenheiten angeschlagen wird und die sich recht komisch gegenüber der Behauptung aus­nimmt, mit der vor wenigen Wochen derVorwärts" auf­trat, daß nämlich die Sozialdemokraten allmählich ihre Gegner zu besieren Sitten erzogen hätten. Das Verhalten der Partei bei den bayerischen Wahlen zeugte ebensowenig von I politischer Sittlichkeit wie die Tonart, in der sich neuerdings Kautsky und derVorwärts" in ihren erregten Auseinandcr- seHungen gesielen, oder die Form, in der der sonst doch als sovornehm" geltende Herr v. Vollmar sich in militärischen Dingen erging. In der bürgerlichen Presse der letzten Tage wimmelte es von Stilblüten aus bayerischen Sozialisten-

UsUtische Wochenschau.

Gießen, 24. Juli 1905.

Kaiser Wilhelm befand sich in der vergangenen

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04813

In England entrüsteten sich manche Leute darüber, daß ein deutsches Syndikat große Kochlenfelder in Wales ankaufte, und das gab dann wieder Anlaß zu mancherlei Hetzen und Verdächtrgnngen. Die Aufklärung, die die Sache inzwischen gefunden hat, wonach nämlich hinter dem Syndikat auch Angehörige anderer Nationen | und vor allem Engländer selber stecken, hat wesentlich zur raschen Beruhigung beigetraiien, ebenso die Versicherung vom Ministertische aus, daß durch diesen Erwerb der briti­schen Marine keinerlei Nachteil oder Gefahr drohe. Es fielen auch manche recht hämische Bemerkungen über die verkauften Felder, sodaß es beinahe so aussah, als ser Eng­iland froh. Geringwertiges zu bedeutendem Preise losgc- schlagen zu haben. Möglich aber ist's auch, das; das Parla­ment durch solche Worte den eigenen Äerger verbergen und die Volksstimmung beruhigen wollte. Die Regier­ung hat übrigens in den letzten Tagen ganz unvermutet und infolge zufälliger Umstände eine Niederlage er-

Montag A4. Juli 1905

monatlich 76 Vi, trtetttfc

jährlich Mk. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen

/aWk T'W monatlich 65 Pf.; durch

A N diePostMk.8.viertel-

A Kti W jährl. auLschl. Bestellg.

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Generur-Anzeiger mmä

Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen MW

Nv. 171

etieelet

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger erden im Wechsel mit dem veisischen Landwirt die Siebener gamllien- Mitte? viermal in bet

Woche beigelegt. Rotationsdruck tu Der- lag der Brühl'schen üntvers.-Buch-u. Stein- brudetei. 8t Sangs.

verhaftet.

Zum Bombenattentat schreibt dieNordd. Mlg.

Mit lebhafter Befriedigung wurde in Deutschland die Kunde ausgenommen, bafe es der Vorsehung gefallen hat, das für dM Frieden Europas werwolle Leben des -L-ultans in ernster Gefahr zu beschirmen, oder durch seine imponierende Haltung gegenüber der revolutionären Tat vor aller Welt bewiesen hat, datz er terroristischen Einflüsterungen nickt zugäugsich^pr^^^^^^^

cerern . Unter den fachfischen Antisemiten

: LLNger.^

endlich Frieden mach^ , wnHmio synromin" kstbrt I ^abren bestanden Reibungen zwrschan dem Blatte und

und den Krieg fortsetzen

antwortete die russ. I ' <icf.~ ^-v-Sot» hip fipf.

Note betr. Die v^^ensver^u ... ffs r-^^pi.n?i«dsick nur für verschnitten Dem ALg. 3 immer mann werden die hef- Regierung, ^^.^5,^midluug s 1 - ! tiasteu Vorwüwe gemacht. Er habe Differenzen persönlicher

^zwischen den gartet bnr^ friedlich^ Ausgleich'aus ber

1 zahl ber IN Tsingtau - . und die Armee Welt zu schaffen suche, vor bas Parteiforum gezogen unb

wünscht Frieden, da ber K g hv>, g lhäusliLe Zwistigkeiten zu einer SLanbalaffäre aufgebausM^

I demoralisiert sei. 4

liegen heute folgende ausführlicheren Meldungen vor:

Der Sultan hatte eben das Gebet in der Moschee beende^ die aufmarschiert en Truppen waren abgezogen mtb der Summ «n Begriff, nach dem Palais zurückzukchren, als plötzlich eme erd- bebenartige Erderschüttcrung mit großem Getöse erfolgte. Durch den Luftdruck wurden alle Fenster m dn Moschee und in den Nebengebäuden zertrümmert. Dw Mosck^e tmrrbe innen und außen beschädigt. Der östreichisch^ungarische Bot­schafter Freiherr v. C ali e e, Legationsrat Otto, der dent s ch e und der italienische Botschafter, sowie em amerikanischer Legationssekretär wohnten der Selamlikfcrer ber Es herrschte große Aufregung und allgemeine Verwirrung. Erst eiMge Mi­nuten nach der Erplosion wurde festgestellt, datz sie auf dem gegenüber der Mosckne befindlichen Platze erfolgt war, m eurer Entfernung von etwa 200 Schritt von der Stelle an der sich der Sultan befand. Nach Konstatierung des Tatbestandes durch die Polizei und, nackdem die Toten und Verwundeten. fortgetragen waren, begab sich der Sultan in Begleitung fernes ©dW Burhan Eddin, umgeben von seinem Gefolge nach dem Palais zurück. Der Botschafter Calice begrüßte den Sultan beim Passieren des diplomatischen Korps. Der Sultan gab durch Zeichen zu verstehen, daß sowohl et, <3X3 ferne Umgebung unverletzt geblieben seien. Während der Explosion und der darauf folgenden allgemeinen Verwirrung bewahrte der Sultan völlige Geistesgegenwart und zeigte eine ausgezeichnete Haltung I Auf der Explosionsstelle war der Bvden aufgennchlt und mit Trümmern von zerbrochenen Wagen und Pferdekadavern bedectt. Ein gußeisernes Stück der geschleuderten Bombe und der Grift, der wahrscheinlich zum Werfen der Bombe hatte dienen wllnr, wurden gesunden. Offenbar ist die Explosw-n- vorzeitig erfolgt.

Durch die Explosion wurde außer emer östreichischen jungen Dame, die leicht verwundet wurde, kem fremder Untertan verwundet oder getötet. Die Za hl der T o tensoll 22 betragen, darunter 1 Offizier und 3 Soldaten. Vervnmdet sind 30 Personen. Bon dem Gefolge W Sultans wurde nur der Erzieher des Prinzen eehm, Baha-Bay, ge töte t. Ettva 70 Wagen- und Reitpferde wurden getötet oder verletzt. 25 für die Selamlik-Feier gemietete Wagen fehlen. Es A eme strenge Untersuchung eingelertet, die der Kriegsmmlster fuhrt

Zahlreiche Personen wurden verhaftet, doch komtte infolge zufälliger Umstände eine Niederlage er- der Urheber nicht festgestellt werden Wahrschein- litten Bei der fatalen irischen Frage kam es dazu, indem l ich wurde er bei der ExsKoswn getötet. (äerMfte,0.(9 äT"onT«ti«ÄrÄÄr Antrag derr^moder Jung,

setzung des irischen Budgets mit einer winzi^n Mehrheit '^robc ordnet an. daß die bei der Explosion Getöteten

angenommen wurde. Der Ministerp ^ident Balfoirr toa^ begraben und die Verwundeten, die in das Jildishospitah

über den Ausfall dieser Mstimmung, die feine ^^01= fiebTn^t wurden, nicht entlassen werden, bevor ihre Jdentttat genossen zu verhindern gesucht batten, derart bestürzt, daß und die UMersuckmng beendet ist.

er sich außerstande sab, eine Erklärung abzugeben. Die "Freiher v. Calice, der nack der Explosion ^vorn -L-ultan m

»VS m AW-

englische Blatter wollen auch -nähren haben, das! Bal- Sanver-nen nsw Glück,

four die Entscheidung von einem Plebiszit der^unionistiscyen i .pbepefd-fn zu. Das Ansehen des Sultans bei der Be-

Partei abhängig machen werde. Nur wenn ihm durch eine tz^^rung hat außerordentlich gewonnen Der Zu-- solche genügende Unterstützung .gesichert wäre, wurde er tritt .um Selarnlik dürfte in Zukunft den Fremden gäMich den abgelehnten Budgetposten nochmals Vorbringen und verboten werden. Es wird befürchtet, daß Me türttsche Gehmm- nach dessen Annahme im Amte verbleiben. Sämtliche Re- polizei, deren Wirken jetzt s^wn das offcnkftche Leben m hohem kr7st?kch'-?sZ,l7tEr't1ä Ä privat-

^LsPrL°7°b ein°LL° schwach.- Äw S .b«- M HeTbefÄX

roetataWritat.«!;jWfi«M: 5 WC k-^Pa^irrEclair" aus Konstautinopcl berichtet SMWM--'SWLWSYW

In Rußland wird allem^Mschein nach das ^oZ Su^an beschlossen und der Dater durch dcvs LoS immer größer. IM Vordergründe stehen die Erörterungen ^stim m t worden sein.

über denVerfassungsentlvurf" Bulygins, der sich ^mer über Wien aus Konstantinopel gemeldet wird, hat

mehr als ein reines Zerrbild erweist und der zurzeit m Polizei in der Nähe der Hauptstadt bei einem 'Armenier Moskau auf dem Kongreß b^Semstwo-und^ eineHaussuchung vorgenommen und bei dieser Gelegenheit treter arg zerpflückt und verdammt wird. Die Autorität der Zeuge Dynamitbomben gefunden. Der Armenier wurden , Behörden geht dabei, weil diese die zunehmendeBewegung I ' . . u >

fürchten, immer mehr in die Brüche. Was man m Ruß­land noch vor Jahresfrist für unmöglich gehalten hat, ge­schieht jetzt: der besagte Moskauer Kongreß tagt trotz be­hördlichen Verbots und Einspruchs, und die Teilnehmer beweisen in ihrem Auftreten so viel Mut und Starke, daß man die Hoffnung auf eine friedliche Revolution ber besonneneren Reformfreunbe hegen darf.

Herr v. Witte hat seinen Herrn unb Kaiser inmitten ber Nöte unb Drangsale auf Befchl verlassen und ist als Friedensapostel nach Paris preist, um sich von dort aus nach Amerika zu begeben und mit den Vertretern Japans

Woche hoch oben in den nördlichsten schwedsichen Gewäsiern, I im bottnischen Meerbusen, dem äußersten Teile der Ostsee. Am Samstag aber hat er die Buchten von Nyland und Hernoesand verlaßen und ist an Bord ber Hohenzollern nach Wisby, der bedeutendsten Hafenstadt auf der schwedischen Insel Gotland, in See gegangen. Gotland ist den großen Hafen der russischen Flotte benachbart, und die Meldung von einer Ostseefahrt deS Zaren wird jetzt von verschiedenen Seiten bestätigt. Dadurch gewinnt das Gerücht von einer bevorstehenden Zweikaiserbegegnung neue Nahrung. Es wird sogar schon gemeldet, daß des Zaren Gefolge auf See aus 200 Personen bestehen wird und daß zwei Jachten des Marinedepartements die Zarenjacht ^Polarstern" als Begleitschiffe eskortteren werden. Die Zarenreise sei auf vier Tage berechnet. Die PeterSb. offiziöse Telegr.-Agentur will freilich von einer solchen Reise noch nichts wißen, trotzdem aber behauptet sich daS Gerücht von dem Zusammentreffen der beiden Kaiser sowohl in Paris wie in Berlin. Möglich ist eS ja, daß ber Zar die Absicht hat ober gehabt hat, mit Kaiser Wilhelm zusammenzutreffen, aber über die Ausführung dieser Absicht läßt sich wohl bei ber gegenwärtigen Unsicher-1 heit aller Verhältnisse in Rußland vorher nichts Bestimmtes^ sagen. Es verlautete übrigens vor einiger Zeit, daß Kaffer Wilhelm in direktem brieflichem Verkehr mit dem Zaren zu einem baldigen Friedensschluß geraten habe.

Heute kommt die offiziöse Meldung aus Petersburg, daß der Zar am Sonntag nach Finland abgereist ist. .Von Fin- land nach Gotland ist die Entfernung nur gering.

Der deutsche Kronprinz macht zurzeit mit seiner jungen Frau auch eine Ostseefahrt und ist bei dieser Gelegenheit mit dem dänischen KönigShause in Beziehungen getreten, dem in k^zem der Kaiser selber ebenfalls einen Besuch abstatten will.

Am meisten besprochen wurde in der vergangenen Woche das Urteil im Bückeburger Mein eidSpr ozeß. Die Art und Weise der Zeugenvernehmungen und Zeugenbehand- lung wurde aus Anlaß des Falles Meyer-Ruhstrat unter bte , kritische Lupe genommen. Gleichzeitig kam daS Spielunwesen ber Beamtenschaft in Oldenburg wieder zu breiter Erörterung. Von einzelnen Seiten wurde zwar der Versuch unternommen, jene diskreditierte Beamtenschaft mit dem Hinweis darauf weißzubrennen, daß auch anderweitig viel haiardiert werde. Derartige verlegene Beschönigungsversuche sind aber natürlich nur dazu angetan, das Vertrauen breiter Bürgerkreffe gegen ganze Gesellschafisgruppen ohne genügenden Grund zu ver­mindern. Verfehlungen Einzelner in einzelnen Orten geben selbstverständlich niemandem ein Recht zu verallgemeinernden Anschuldigungen. Die Annahme, daß nach diesem Prozeß Herr Ruhstrat, der großh. oldenburgische Justiz- und Kultusminister, zurücktreten werde, hat sich nicht erfüllt. Ob aber nach alledem sein Ansehen im oldenburgffchen Lande nicht stark erschüttert ist, erscheint doch kaum mehr zwenelhaft. Man fragt sich, ob im Anschluß an die früheren Ruh,trat- prozeße nicht eigentlich schon längst von den maßgebendsten Stellen aus etwas hätte geschehen müßen, um diesen Skandal aus ber Welt zu schaffen. Es. ist nur neues Wasser auf die Mühle berer, die es auf die Vernichtung aller Staats­autorität abgesehen haben, wenn Manner m derattiger Stellung von Rechts wegen monate- und jahrelang so durch den Mund ber Leute gezogen werben wie m diesem Falle unb wenn vorläufig noch kein End- davon abzufth-n .st, ob es damit bald anders wird. Gegenüber der Meldimg, M Redakteure Schweynert und Biermann in -.lden- bürg hätten ihren Verteidiger mit der Wiederaufnahme ihrer Ruhstrat-Prozesse beauftragt, erklärt übriges Rechts- Anwalt Sprenger, ihm fei -'s Verteiler n.chts da- "°"Di-^bay^'rischen LandtagSwahlen sind beendet. Der bumor in der Tragikomödie ist, daß dabei die Sozial. kem°k?aten eigentlich am schlechtesten abgeschnitten haben da sie trotz der nominellen Zentrumshitse nur em n ein-iaen Sitz mehr ergattern konnten. Diesen Reinsall geben sie aber bei Leibe nicht zu, schimpfen vielmehr m dem bekannten Mebrinalchen Sauherdenton auf jeden, der diese schlichte Wahr- £** ".SVK g,*^g|S5srsr,s.-i«.............

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Lpih>ren Versuch machen, in den Stadtverwaltungen zu ver- jffiE&NSS. S. «Ä=' H geblieben'°und°°man^7echmt Möglichkeit, daß er

^oes km unt etwa bei der Vorlage übe- die Verstaatlichung tages kommt, etm dann die Regierung nut

^in-m n°uen Appell an das Land wendet, um so ein- andere

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