Ausgabe 
22.2.1905 Zweites Blatt
 
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Kessischer Landtag.

N B. Darmstadt, 21. ?Ve!rr.

Am Ministertisch: Juüi>rninister Tr. T1 i 11 m a r, Fincmz- tnntiflvr Dr. Guauth, Ministerialrat Tr. Best u. a.

Vizepräsident Tr. Schmitt eröffnet bie Sitzung um lOyi Uhr. £«5 Haus setzt die

Etatsberatung

bei der 9. Hauptabteilung. Ministerium der Justiz, fort.

9ldg. Wolf beklagt, das; so viele junge, nicht bodenständige Assessoren als Rick'ter auf dem Lande Verwendung fänden. Er mache denselben keine Vorwurfe, aber das Ansehm der Justiz werde durch so junge Richter nicht erhöbt. Auch die hauftg vor­kommende Vernehmung von Kindern burd). Gendarmen kann Redner nicht giitbeißen, es empfehle sich hierzu vielmehr der Bürgermeister und der Lehrer. .

M'g. Molthan richtet an die Regierung die Anfrage, wie weit die schon früher gewünschte Errichtiing von Gerichtsranen Aussicht auf Verwirllichnna habe und wie es mit dem Neubau des Mainzer Iustizgebäudes stehe. .

Al'g. Müller- Tarmstadt rügt verfckiebme Miustande im Zustellungswesen, besonders die Unsitte, die Zustellungen offen, anstatt im acfoffenen Umschlag erfolgen zu lassen.

Abg. Tt Irenav wünscht, daß die Regierrmg der Beaufsich- chgung und Fürsorge für die Trunksüchtigen größere Aufmerksam­keit zuwenden möge, ebenso der Zwangserziehung Jugendlicher. Auch gegen den Mißstand des immer lästiger und gefahrvoller werdenden Automobilverkehrs sollten strengere Maßregeln ge­troffen werden. c

Justizminister Tr. Tittmar bemerkt zunächst dem ?lbg. Wolf gegenüber, die Regierung habe gerade in Rheinhessen im neuen Etat neue Richter stellen geschaffen, die auch erfreulick"erweise die Zustimmung des Ausschusses fanden. Tie Gendarmen dürften zu Vernehmungen usw. nur ausnahmsweise durch die Staatsan­waltschaft herangezogen werden. Daß die Vorbereitungen für die Errichtung des neuen Mainzer Justizgebäudes nicht schneller gingen, sei zu bedauern: er gebe aber zu bedenken, daß man erst dann mit dem Ban beginnen könne, wenn die sorgfältigste Prüfung aller dabei in Betracht kommenden Verhältnisse zum Abschluß gelangt sei. Besonderer Erwägung bedurfte die Frage der Errich­tung großer Kellereien für die Weinbaudomänen. Richt nur die Zustände im Justizgebäude, sondern noch mehr die wirklichen Mißstände im Provinzialarresthaus drängten ebenfalls auf die Errichtung eines Neubaues. Er werde in wenig Monaten Gelegen­heit haben, dem .Hause die fertigen Pläne vorzulegen und die erste Baurate anzufordern, was nicht im Anschluß an ben. Etat, sondern sn einer besonderen Vorige geschehen werde. Bezüglich der Ge- rich'tskasse bemerkte er, dal; ein außerordentlicher Neberschuß von Assessoren und Gerichtsschreibern vorhanden sei, und da macke sich eine menschlich ja erftärticbe Bewegung geltend, möglichst viele neue Stellen einznrichten. Tse Regierung könne aber nicht verantworten, behufs Errichtung von Gerichtskassen eine große Anzahl neuer Beomtenstellen zu fdxrffen, die dem Lande viel Geld kosten würden. Es empfehle sick überhaupt,.daß die Befürworter der Gerichtskassen ihre diesbezüglichen Wünsche in einem Antrag zusammenzufassen: es sei ihm immer noch unklar, welche Deauem- lickkeiten und Vorteile für das Publikum man sich von den Gerichts­kassen verspreche. Aus der Beschwerde des Abg. Müller über die Zustellungen ersehe er, daß die darüber erlassenen Bestimmungen noch nicht genau befolgt wurden; er werde Veranlassung nehmen, auf genaueste Beobachtung der Zustellungsbedingungen zu dringen. Hinsichtlich der vom Abg. Tr. Frenap angeregten Frage des besseren Schutzes für die Gehilfen der Rechtsanwälte und Notare besonders in betreff der Sonntagsruhe hoffe er, daß von Reichs- Wegen vorgegangen werde; die Regierung werde einen solchen Schritt im Bundesrat gern unterstützen. In Sachen der Trunk- sücbtigen werde das Richtige fein, daß man von Rechswegen den Kreis der DntragsbereLtigten zur Entmündigung von Trinkern erweitere. Bezüglich des Automobilverkehrs glaube er, daß die Zahl der Unglücksfälle im Rückgang begriffen sei. Tas Publikum gewöhne sich mehr und mehr an den Automobils erkehr, ebenso wie an die Radfahrer. Es stehe auch eine anderweitige Regelung von Reickswegen bevor. Sollte diese nid# zur Ausführung kommen, jo würde das Ministerium des Innern aus eine Abänderung der letzigen Bestimmungen Bedacht nehmen.

Ministerialrat Tr. Best gibt e ne längere juristisckv-theoretische Tarlegung über das Zwangserziehungswesen.

Abg. R e h bemerkt, das; die vorgeschlagcne Abänderung des Stempelsteuergesetzes erhebliche Verbesserungen gegen den bisherign Zustand enthalte, vor allem durch Beseitigung vieler Unklarheiten. Ganz ausreichend seien die Verbesserungen aber nicht, er hoffe, daß im Ausschuß noch weitere Verbesserungen getroffen werden würden. Weiter erörtert Redner die Erbschastsregelung durch die Amtsgerichte.

, Abg. Tr. Gutsleisch bespricht als Ausschußreferent kurz die Anregungen der verschiedenen Vorredner. Er habe in der Generaldebatte das Wort nicht ergriffen, um die Etatsdebatten beim einjährigen Etat nicht noch zu verlängern. Tas neue Stempelsteuergesetz werde viel Einhei tlick-keiten und Verbesserungen bringen, wenn es auch nicht alle Mißstände beseitige. Tas Ver­langen auf Einführung der Gerichtskassen teile er nicht, er schließe sich mehr der Ausfafsung des Justizministers darüber an.

Kapitel 88, Ministerium, Ausgabe 57 320 Mk. wird daraus genehmigt. Ohne Tebatte werden dann von Kap. 89, Gerichte, die Titel 17 der Einnahmen genehmigt.

Zwei neue Oberlandesgerichtsrate.

Bei Titel 1 der Ausgabe, Oberlandesgericht, bean­tragt der Ausschuß, von beit persönlichen Ausgaben des Titels 1 bei Ziffer 3, Oberlandesgerick.<tsrat 11 600 Mk. für zwei weitere Oberlandesgerichtsräte zu streichen, im übrigen die persönlichen Ausgaben mit. 135 890 Mk. zu bewilligen.

.Justizminister Tr. Dittmar legt hierauf in eingehender Weise die Forderung der Regierung für die beiden neuen Oberlandesgerichtsräte dar. Es sei natürlich keine Vertrauens­frage, ob diese Forderung bewilligt werde ober nicht, aber die Regierung halte die Einstellung zweier weiterer Räte zur Be­schleunigung der Geschäfte am Oberlandesgericht für dringend erforderlich. Wenn der Ausschuß cm Stelle der beiden Räte die! gerufenen Polizeikommissar zum Kuckuck und entläßt den liebenswürdigen Herrn Einbrecher, der eine Einladung zum Frühstück bedauernd ablehnt, mit einem warmen Händedruck und dem erfreulichen Bewußtsein, seine Menschen- und Welt­kenntnis aus so seltsame als schließlich angenehme Weise bereichert zu haben.

Herr Andreas war von gewinnender Liebenswürdigkeit und frischer Laune als Dieb, der freilich eine durch leicht kokette Selbstironie verfeinerte Ausarbeitung wohl vertragen kann. Herr de Giorgi dagegen trug leider wieder ein wenig mehr als nötig auf. Er hatte ja, ebenso wie Herr Andreas, den eigenartigen Stil der Satire ganz richtig erfaßt und war in der Maske als alternder Frauen- und Kunstfreund und echter Franzose ganz prächtig. Aber er zeigte doch mehr Komik als Humor, mehr Außenkunst als rechtes Miterleben. Immerhin schätzen wir in den beiden Herren zwei unserer besten Künstler, die die aufrichtigste Sympathie und das warme Interesse aller Theaterfreunde verdienen. Sehr nett ist auch die kleine Partie des Kammerdieners, der auch seine Moral hat: er will sich, sobald er genug vom Raube seines Herrn abgekriegt hat, in einem gemütlichen Städtchen an­kaufen und dort Stadtrat werden! Herr Eckhardt hätte (ci wohl noch mehr von vornehmen Lakaienallüren zeigen Mtonen, war aber im ganzen nicht übel.

Tie bitterböse Satire schlug bei uns krallig ein, zumal ^icht nur Mirbeau fein Sujet so elegant und sicher handhabt wie der Dieb sein Brecheisen, sondern auch die Regie alles Nötige dazu getan hatte an Einheitlichkeit des Tones wie an

Einrichtung eines ganzen dritten Senats verlange, so habe er nickt den Mut, zu sagen, baß ein solcher wirklich notwenbig fei. Jetzt halten die beiben Senate wöchentlich brei Sitzungen ab, würben noch zwei weitere Räte eingestellt, so wären sie in der Lage, wöchentlich.acht anstatt sechs Sitzungen abzuhalten, wodurch doch nach mensthlMr Berechnung eine wesentlich raschere Arbeit gewährleistet würde. Tie Schaffung eines dritten Senats sei auch nicht der Grund gewesen, im Ausschuß die beiden Räte zu streichen. Verschiedene Mitglieder desselben hätten ja überbauet die Ver­mehrung der Richter für unnötig gebalten. Das Bestreben der Regierung geh? bar':tt. die Zahl der Hllssrichter zu vermindern und mehr angestellte Richter zu besitzen. Der neue Antrag v. Brentano auf Bildung eines dritten Senats sei ihm in dieser Verbindung unverständlich, ein solcher sei auch zurzeit nicht nötig. Natürlich sei dabei nicht ausgeschlossen, 'baß dies später einmal der Fall sein könnte. Man wolle mit den beiden neuen Räten zunächst die nötigen Erfahrungen sammeln, man müsse auch die hoben Kosten in Betracht ziehen, die ein neuer Senat verursachen würbe. Tie jetzt so viel besagte Hinauszögerung der Termine glaube die Regierung mit den angeforderten bescheidenen Mitteln beseitigen zu können, gelingt das nicht, so könne später immer noch die Errichtung des neuen Senats erfolgen; die Schuld an der Hinaus­schiebung der Termine sei auch vielfach auf die Anwälte zu schieben, wie bie' Statistik beweise. Vielleicht werde auch bie zum Teil mit durck die ungünstige allgemeine Gesck>äftslage veranlaßte Stei- gcnnig der Prozesse wieder zurückgehm. 2'er Finanzminister führt zum Beweis seiner Darlegungen ein umfangreiches statistisches Material an und ersucht zum Schluß um Annahme der Negier­ungsforderung.

Abg. Tr. G u t f l e i s ck führt aus. bie früheren Anschauungen im Ausschuß über bie Unzweckmäßigkeit des Negierungsvorschlags seien durck die heutigen Darlegungen des Justizministers noch verstärkt worben. Redner geht dann auf die im Aussckmß geführten umfangreichen Verhandlungen über diese Materie näher ein und bemerkt, daß er über die Begründung der Negierungsforderung im Ausschuß nicht angenehm überrascht war. Nach dieser Begrün- bung hätte ja das Ob erlaub es genickt überhauvt nickt an Arveits- überhäufung zu leiden; auch die angeführte Statistik habe eigent­lich nur den Zweck gehabt, barzutun, daß die Vermehrung der Nickterstellen gar nicht nötig sei. Ter Minister hätte vor allem die Mitglieder d"s Oberlandesgerickts selber einmal über die Not­wendigkeit der Forderung befragen sollen, man habe das aber nicht getan, weil man dort wohl keine Befürwortung gefunden £5tte. Wenn gesagt werbe, die Mitsckmld an der Verzögerung der Termine liege au den Anwälten, so betone er, baß bieselben nach Möglichkett bestrebt fe;en, bie verschiedenen Terminvertagungen zu vermeiden, auch habe der Vorstand der Anwaltskammer eine Auf­forderung in diesem Sinne an die Mitglieder erlassen, die sicherlich eine gute Wirkung ausüben werbe. Redner bedauert schließlich, baß im Ausschuß keine Ein'gung mit der Regierung erfolgt sei. Es liege aber im Interesse der allgemeinen Rechtssicherheit, daß beim Öberlandesgericht bezüglich der Stellenbesetzung kein solches Provisorium geschaffen werbe, wie es der Necsierungsvorschlag zur ^-vge haben würde. Vom Ministertische sei ja selbst mit dem statistischen Material der Nachweis geführt worden, daß eine Be­rechtigung zur Forderung der beiden Stellen nicht bestehe; er bitte deshalb, dem Ausschußantrag entsprechend die Negierungsforder­ung abzulehnen.

Abg. Tr. Buff erklärt, daß er trotz der umfangreichen Dar­legungen des Vorredners sick aus den Standpunkt der Regierung stelle. Es sei sehr zweckmäßig, bie beiden neuen Röte zu be­willigen, da sie eine wesentliche Forderung der Arbeiten des Oberlandesgerickts herbeizuführen geeignet seien. Redner weist in (angern Ausführungen die Berechtigung der Negierungsforderung nach und meint, b:r Vorredner sollte doch schon aus dem ein­fachen Grunde für die beiden neuen Räte stimmen, um die auch von ihm anerkannten Mißstande beseitigen zu helfen. Tie For­derung abzulehnen, hieße die Mißstände in Permanenz erllären.

Ta noch mehrere Redner zum Worte gemeldet sind, wird die Tebatte um IV2 Uhr abgebrochen.

Nächste Sitzung m-r^m krüb 9 Ubr.

Ans ^trtiit und £iv»ö.

Gießen, den 22. Februar 1905.

** Personalien. S. K H. der Großherzog haben den Kaplan Joseph Roos zu Darmstadt zum Oberlehrer an dem Seminar für Nolksschullehrermnen zu Darmstadt ernannt.

R. B. Darmstadt, 21. Febr. lieber die allgemeine wirtschaftliche Lage im Jahre 1904 urteilt der soeben von der Handelskammer zu Darmstadt herausge- aebene Jahresbericht, daß das abgelaufene Jahr eine Fortsetzung der wirtschaftlichen Besserung für Deutschlands Handel und Industrie gegenüber den Depressionsiahren. 19001902 gebracht habe. Die Zahl der Arbeitsuchenden war geringer, als 1903. Neben einer guten Ernte, welche die Kaufkraft des Inlandes stärkte, waren erhöhte Ein- und Aussuhrziffern, sowie gesteigerte Eisenbahneinnahmen und somit eine weitere Vermehrung der heimischen Arbeit und des inneren Verkehrs zu verzeichnen. Besonders charakteristtsch sei das gewaltige Fortschreiten der wirt­schaftlichen Konzentrationsbewegung, deren Wirkung auf unser ganzes Wirtschaftsleben erst in den nächsten Jahren klarer zu erkennen sein werde. So hätten sich in der In­dustrie besonders elektrische, chemische und vor allem Berg- werksbetriebe zu mächtigen Interessengemeinschaften zu­sammengeschlossen, ebenso große Banken, von denen ein­zelne Gruppen mit gewaltigen Kapitalien bereits den über­wiegenden Teil des deutschen Geldverkehrs beherrschten. Zahlreiche Industriezweige hatten erhöhte Produktion und vermehrten Absatz, doch ohne neirnenswerte Gewinnsteiger­ung. Noch stärker als früher wurden nahezu sämtUchei Rohprodukte und Halbfabrikate durch zahlreichere Kartelle tiwwww- bbePBgsjacMaBBg»aMKisnM»i dekorativem Aufputz. DerTotentanz" dagegen wurde ziem­lich lau ausgenommen. P. W.

Richard Strauß, der Komponist b?s am kommenden Sonntag im Gießener Kouzertverein zur Aufführung gelangenden Tonwerkes, wurde 1864 als Sohn des ersten Waldhomisten an der kgl. Oper in München geboren und musikalisch in ausgesprochen klassischer Richtung erzogen. Daher stehen auch seine ersten Kom­positionen, das Strrtchauartett op. 2, eine Symphonie in T-moll, eine Ouvertüre in A-moll, eine Suite für 13 Blasinstrumente, ferner eine Violin-, eine Cello- und eine Klaviersonate, das Violin­konzert, bas Waldlwmkonzert, das Klavierquartett op. 13 und vor allem die F-moll-Symphonie vollkommen auf dem Boden der Klassiker, bezw. von bereu Nachfolgern, den Romantikern, b. h. Schumann und Brahms, also auf dem Boden der absoluten Musik. 1885 durck Bülow nach Meiningen gebracht, war Strauß eine Zeit lang Leiter der dortigen Kapelle und lernte Alexander Ritter kennen, der ihn in bas neueste Wesen der Werke von Berlioz und Liszt einführte unb zur Programmmusik bekehrte. Kenn- zeickmend für den Anschauungswechsel ist die 1886 nach einer italienischen Reise entstandeneSymphonische Phantasie" unter dem Titel:Aus Italien". Nack der Rückkehr von Italien über­nahm Strauß die Stellung als dritter Kapellmeister an der Mün­chener Oper neben Levi unb Fischer. 188994 war er Hofkapell- meifter in Weimar. 189499 in München, von wo er in gleicher Eigenschaft nach Berlin an die Kgl. Oper übersiedelte. Seine Programmmusik hat er verkörpert in Ton Juan, Tod unb Ver­klärung, Also sprach Zarathustra, Don Quixote, zuletzt imHelden­leben" und in derSinfonia Tumestica".

Ter weimariscke Landtag bewilligte Mk. 300000 zum Neubau des großherzoglichen Hoftheaters, sodaß jetzl durch Bewilligung detz Großherzogs die erforderliche Slmune ge­deckt ist.

und Syndikate kontrolliert, woraus strys em weitere? Langens der Preise ergab. Da dränge sich unwillkürlich die Frage auf, wie sich diese Verhältnisse erst nach dem Inkrafttretens der stark schutzzöNncrischen ^Handelsverträge entwickeln wer­den? Wird nicht der Mehrzahl der in Kartellen und Syndr- katen geeinigten Nohstosfproduzenten durch die für ihre Erzeuanisse erhöhten Zollsätze Gelegenheit geboten werden, ihre Verkaufspreise noch weiter, als bisher, zu steigern? Wie wird sich dann das Verhältnis zwischen den Ein­kaufs- und Verkaufspreisen unserer deutschen Jndustrienl gestalten? Die stark erhöhten landwirtschaftlichen Schutz­zölle werden zweifellos die Lebensmittelpreise in Deutsch­land steigern und die Aufnahmefähigkeit von Industrie- Produkten im Inland in zahlreichen Fällen vermindere Auch werden die stark erhöhten Schutzzölle der meisten Staaten den Export unserer Jndustrieprodukte mindestens erschweren, in einzelnen Fällen geradezu vernichten. Zum Schluß heißt es in der Uebersicht: Es zeigt sich also die Zukunft unserer Industrie, sowie unseres Han­dels in einem recht unerfreulichen Lichte, und es ist auch nur ein schwacher Trost darin zp erblicken, daß nunmehr wenigstens für eine Reihe von Jahren, stabile Handelsbeziehungen mit den meisten Kulturstaaten in Aus­sicht stehen und daß die Meistbegünstigungsverträge bei­behalten werden sollen. Bezüglich der Lage im Handels- kammcrbezirk wird bemerkt, daß eine Anzahl kaufmännischer Geschäfte durch die Kunstausstellung im Sommer beeinflußt wurde und sich namentlich die sich immer kräftiger ent­wickelnde Möbelindustrie und kunstgewerbliche Erzeugnisse aller Art imDarmstadter Stil" ütr besten Lichte zeigen konnten. Alles in allem: ein für das Darmstädter Er­werbsleben sehr erfreuliches Resultat! Die meisten Be­triebe können auf einen lebhafteren Geschäftsgang bei jedoch leider oft recht gedrückten Preisen zurückblicken.

Kanarienversteigerung. Der VereinKanaria Gießen" hält morgen nachmittag um 3 Uhr im Restaurant Felsing. Marktstraße, eine Versteigerung seiner noch nicht ver­kauften Nachzucht 1904 ab, und den Liebhabern unseres gelben Stubengenossen ist Gelegenheit geboten, auf billige Art in den Besitz eines guten Sängers zu gelangen. Reflektanten können die Vögel schon am Vormittag im ge­nannten Lokal sehen.

Kaninchenzu ch t. Alis Veranlassung einiger hiellger Züchter fand sieh kürzlich eine größere Anzahl Herren im Restaurant Felsing ein zur Gründung eines Kaninchenzucht­vereins, der denn auch zustande kam und den Namen Kaninchenzüchter-Klub, Gießen 19 05" erhielt.

Frankfurt a. M., 20. Febr. Gestern fand im Stadt­wald ein Duell statt zwischen einem 19jährigen Kaufmann unb einem 21jährigen früheren Studenten. Letzterer wurde schwer verletzt. Beide sind Söhne sehr achtbarer Eltern von hier.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Uebereinstimmung mit dem Kreis­tage hat die Handelskamnwr in Wetzlar abermals die Be­dürfnisfrage für Errichtung eines Kaufmannsgerichtes für den Kreis Wetzlar verneint. In der Samstags-Vorstellung des Opernhauses in Frankfurt wurde eine Besucherin vom Gevatter Storch überrascht. Ein schwerer Unfall trug sich am Sonntag abend in Ettingshausen zu. Der etwa 52 Jahre alte Landwirt Heinrich Sommer fiel in der Scheune so unglücklich vom Gerüst in die Tenne, daß er bewußtlos weggetragen werden mußte. Der sofort geholte Arzt konstatierte außer inneren Verletzungen den Bruch des Oberschenkels und dreier Rippen. Ein Riesenschwein schlachtete ein Landwirt inHaingründau. Das Schwein wog über 6 Zentner. Der Kops hatte allein ein Gewicht von 60 Pfund. Einen tragischen Abschluß sand eine harmlose Spielerei einiger Jungen in Heddernheim. Der 13 Jahre alte Wilhelm Diehl spielte mit einigen Altersgenossen, als der 15 jährige Gelbgießerlehrling Muller hinzutrat und sich an dem fröhlichen Treiben beteiligte. Diehl zog ein Kästchen, in dem sich Ruß befand, aus der Tasche und stäubte es über Müller aus. Dieser, geblendet, schlug mit einem blau emaillierten Kochtöpfchen, das er in der Hand hielt, blindlings um sich und traf dabei Diehl auf den Kopf. Der Junge ging abends, ohne daß man bei ihm eine ernstere Verletzung bemerkte, nach Hause; morgens starb ec an den Folgen des Schlags. Der Täter wurde verhaftet, aber sofort wieder auf freien Fuß gesetzt. Der Wurst- und Fleischwarenfabrik K. Zahn in Gladenbach wurde auf dem deutschen Schinkenwettbewerb Berlin 1905 die silberne Medaille mit Ebren-Diplom zugesprochen.

Sport.

Vorige Woch-e erzählte ein Pariser Blatt, Kaiser Wil^ Helm, ber zum Besuche des diesjährigen Gordon- Bennett- Ren ne ns eingclaben worben sei, habe bescklossen, sich burch seinen Bruber, den Prinzen Heinrich, vertreten zu lassen. Daraufhin erscheint imMatin" ein langatmiger Protest des Vorsitzenden der franz, elsaß-lothr. Vereine, des durch seinen Chauvinismus unb seine reaktionäre Gesinnung bekannten Herrn Sansboeus. Man barf daran erinnern, daß Der nämliche Herr bereits im Jahre 1900 unnötigerweise dagegen zu protestieren versuchte, daß der deutsche Kaiser die Weltausstellung besuchte. In seinem eigenen Verein sand er damals jedoch einen so lebhaften Widerstand, daß es zu einer förmlichen Prügelei kam und der geplante öffentliche Protest unterbleiben mußte.

Paris, 20. Febr. Tie G 0 rd on Bennett-Kommis­sion besckloß, daß das Gordon Bennett-Rennen in diesem Jahre in Frankreich gelaufen wirb, jedoch nach dem bisherigen Regle­ment unb in einem mindestens 14 tägigen Abstand von dem be­sonderen internationalen Rennen, das der ftanzvsisthe Automobil- Klub veranstalten wird. Vertteten waren Deutschland durch beit Grafen Sierstorpff und Levin-Stolping, Frankreich durch Baron Zuhlen, durch den Marguis Dion, Cnyff und Vogüö, Oesterreich durck> Karl Fasbender unb den Fürsten Solms-Braunfels, Belgien durch ben Baron Crawhez, Siebekerke und Bourlet, Eng­land durchs Orde, die Schweiz durch den Baron Sulzer, Italien durch den Marquis Ferrero-Ventimiglia, bie Vertretung von Ame­rika hatte Graf Sierstorpff übernommen. Tie beutscken T-elegierten find sehr befriebigt von dem Resultat der Kvmmissionsberatung. Tas T-atum für das Gordon Bennett-Rennen ist noch nicht fest- gesetzt. _

Hardcl und Aerkeßr. 'SoH^wirtfthifl.

Eisenwerke Lollar Akt. - Ges. Der OZewinn aus der Fabrikation beträgt für 1904 458898 Mk. (i. V. 446 496). Der Ge­winn aus dem Verkauf des Zenientkontillgents 500000 Mk.; zu­sammen 958 898 Mk. Zu Abschreibungen werden 174 281 Mk. gegen 144504Mk. verwendet. Tie Dividende wird mit 8% wis i. V^voraefcblaaen werden.

lrMllO. u 1911 aj t c iu Evangelische Gemeinde.

Donnerstag, den 23. Februar, abends 8 Uhr, im Markus- faal, Kirchslraße 9, Bckelstunde. 1. Roi iutber. Kap. 14.

Pfarrer Schwabe.