Ausgabe 
25.9.1905 Zweites Blatt
 
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Bingen, 22. Sept. Man wird siel' wohl noch des großen pLe chnikerkrawa.lls entsinnen, welcher in der Nacht vom 17. ans den 18. Juni die Stadt Bingen in Unruhe versetzte. Deute standen 22 angellagte Studierende desTechni - k n m s vvr dem Schöffengericht. Die Anklage erstreckte sich über Auflauf, Widerstand, Beleidigung, .HauSfriedensbruch, Auf­reizung, zusaminengenommen scharfer Vergehen gegen den groben Uufugsparagraphen. Nach Vernehmung von etwa 20 Zeugen begauneu um 3V» Uhr die Plaidovers. D>er Vertreter der Staats- auwaltschost stellte iu längeren Ausführungen Strafanträge von bvei Wochen Gefängnis auf 8 Tage, an Geldstrafen von 150 Mk. bis 20 Mk. herabgehend. Wegen einiger Delikte beantragte der AmtSanwalt Freisprechung. Das Urteil gelangt erst in 8 Tageil zur VeEndigung.

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* Gin Militärmord. In Königsberg i. Pr. roitrbt auf den Unteroffizier Krauskop f vom ersten Pionier­bataillon von dem Posten des Bataillons, dessen Anruf er nicht Folge gab, Feuer abgegeben. Krauskopf wurde schwer verwundet und ist heute früh gestorben.

* Mannheim, 24. September. Heute mittag sand unter großer Beteiligung und im Beisein der Spitzen sämtlicher Behörden die feierliche Enthüllung der Gedenktafel für den Erfinder des deutschen Fahrrades Frei Herrn von Drais, an dessen Geburtshaus, der Hochschule für Musik, statt.

* Kleine Tageschronik. Auf der Chaussee zwischen Katharein und Troppau (Schlcs.) wurde die 10 jährige Arbeiter- tochtcr Anna Beutel von dem Automobil des Fürsten Lichnowski) aus Gräz überfahren und getötet.

Landesztg." und spätere Generalsekretär der National-Sozialen, hat die politische Redaktion des nationalliberalen ,Leipz. Tagebl." übernommen.

Solingen, 23. Sept. Heute vormittag fand in der Städtischen Markthalle der Verkauf von Eisenbahnwaggons frischer Seefische statt, welche von der Stadt zur Be­kämpfung der Fleischnot in Geestemünde angekauft wurden und die sie nun zum Selbstkostenpreise verkaufte. Der Andrang der kaufenden Hausfrauen war ungemein groß; einige Frauen wurden durch das Gedränge ohnmächtig. Der gesamte Fleischvorrat war rasch verkauft. Die Stadt wird den Verkauf jede Woche regelmäßig wiederholen.

Krefeld, 23. Sept. Die Firma Kramer u. Baum, Verlag derKref. Ztg/, beging heute ihr bOjährigeS Gcschäftsjubiläum. Aus diesem Anlaß wurden den Arbeitern Sparkaffenbücher mit einer Einlage überreicht. Gleichzeitig beging der Redakteur Hauser, der Senior des Nedallionsstabes, sein bOjähriges Jubiläum.

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Christiania, 24. Sept. Gegenwärtig macht sich eine immer stärker werdende Agitation für eine Republik bemerkbar, deren Anhänger eifrig bemüht sind, eine Partei zu organisieren. Ein Erfolg dieser Bewegung ist jedoch aus­geschlossen, da die überwiegende Mehrheit des Volkes für eine konstitutionelle Monarchie eintritt. Ein Kandidat aus dem Hause Bernadotte findet keine Fürsprecher mehr, weshalb jetzt alle Augen auf den Prinzen Karl von Dänemark gerichtet sind, welcher mit Begeisterung begrüßt werden würde.

London, 24. Sept. DaS Bureau Reuter meldet aus Peking, 24. Sept.: In dem Augenblicke, wo die Re­form k o m Mission Peking mit der Bahn verließ, epplo - d icrtc eine Bombe in deut für sie reservierten Wagen. ©(1)0 11 wurde schwer, sieben andere Mitglieder der Kommission weniger schwer verwundet; Wntingang wurde leicht verletzt. Der Urheber des Anschlages, der sich im Wagen befand, wurde in <31tiefe gerissen.

Lyon, 24. Sept. Vor der Wohnung des rger- m cifter8 wurde gestern eine Blechbüchse mit brennender Zündschnur gefunden. Allem Anscheine nach handelt es sich um eine Bombe. Die Büchse wurde nach dem Artillerie- Depot gebracht, um geöffnet zu werden.

Madrid, 23. Sept. Der Aussichtsrat der Bank von Spanien beschloß, die Bildung lokaler Gesellschaften zur Kreditabgabe art die Landwirte zu unterstützen.

Wien, 24. Sept. Graf Cziraky wurde vom Kaiser in Audienz empfangen.

Budapest, 24. Sept. Die gesamte Presse erklärt, daß jede Aussicht auf eine friedliche Beilegung der Diffe­renzen geschwunden und daß die Verhandlungen mit Cziraky nutzlos sind. In Kreisen der Opposition wird an­genommen, daß nach der Ergebnislosigkeit der Verhandlungen mit Cziraky ein neuer Versuch gemacht werden wird, ein Geschäftsministerium Khuen-Hedervary zu bilden.

Cicnfuegos (Cuba), 23. Sept. Anläßlich der Wahlen kam es zu Zusammenstößen, wobei 6 Personen getötet und 25 verwundet wurden. Unter den Getöteten befinden sich das Mitglied des Repräsentantenhauses Villuen- das, der Führer der Liberalen, und der Polizeichef Jllance.

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Gießen, 25. September.

** Ordensauszeichnung. S. K. H. der Groß. Herzog haben verliehen: Das Ritterkreuz 1. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen dem Major im Generalstabe der Großh. (25.) Division Grafen von Walder, fee; die Rettungsmedaille dem Dragoner Altheim im 2. Großh. Dragoner-Regiment Nr. 24.

*'Besitzwechsel. Schlossermeister Heinrich Noll ver­kaufte sein Besitztum, Hammstraße 1, an Schlossermeister Euler für 23 500 Mark.

** Ein fahrlässiger Radfahrer hat, wie uns be­richtet wird, einen älteren hiesigen Einwohner umgerannt und in Lebensgefahr gebracht. Zwei hiesige Herren gingen am gestrigen Sonntag zusammen zu Fuß von der Ruine Münzenberg nach der dortigen Bahnstation, um mit dem Zuge um 7 Uhr 51 Mm. wieder nach Gießen zu fahren. Plötzlich wurde der ältere von beiden Herren auf dem ziem- lich steil abwärts gehenden Wege durch einen Radfahrer um- geworfen, so daß er einige Meter weit entfernt wie leblos liegen blieb. Der Radfahrer, der ohne Signal zu geben, unbemerkt hinter den beiden Gießener Herren herangekommen war, war gleichfalls gestürzt und hatte eine Kopf­verletzung davon getragen. Während der Begleiter des Ge­stürzten sich sofort um diesen bemühte, hatte er noch Gelegen­heit, die Nummer des Rades festzustellen, welches sein Besitzer, der anscheinend angetrunken war, fortdrückte. Der Verletzte hat schweren Schaden davon getragen und ist bettlägerig. Hoffentlich findet der Unfug des Radfahrers seine Sühne.

** AbschiedSfeier. Am SamStag abend fand im Lenz'schen Felsenfester zu Ehren des am 1. Oktober nach Bebra als Leiter der dortigen Großh. Eisenbahn-Betriebs- Werkstätte versetzten Königl. Eisenbahn-Betriebswerkmeisters Nud. Larbig eine Abschiedsfeier statt. Sie wurde von seinen Untergebenen, den Beamten und Arbeitern der Großh. Betriebswerkstätte veranstaltet, und bewies, welch großer Be­liebtheit der scheidende Beamte sich erfreut. In einer An­sprache des Eisenbahnbau-Inspektors Schmidt und des Bureaubeamten Schlitt wurde hervorgehoben, wie der Scheidende es verstand, sich die Liebe und Achtung seiner Untergebenen zu erwerben.

** Das Vortragsprogramm der Volksaka dem ii Rüsselsheim für Montag, Dienstag, Mittwoch dieser Woche ist: 1. Geschichte der Erde unter Berücksichtigung der Geo­logie unserer Gegend (Dr. Drevermann vom ©enefenbergianum in Frankfurt a. M.). 2. Napoleon I. (Dr. Klein-Gießen). 3. Methode der Volksbildung (Schluß) (Lehrer Volk). 4. Die technischen Hilfsmittel der Volksbildung [I] (Dr. Schilling- Groß-Gerau). Die Nachmittage bringen Führungen: 1) nach Frank'urt a. M. in das städtische Museum (Führer Professor Dr. Mannheimer); 2) durch das römische Museum in Mainz von Direktor Schumacher. Ein Abend ist Beethoven ge- widmet (Lehrer v. d. Au Gustavsburg), ein anderer einem Lichtbildervortrag zur Geschichte und Psychologie des deutschen Bilderbuches von Dr. Schitling-Groß-Gerau.

Bad - Nauheim^ 25. Sept. Folgende Unter­haltungen werden in dieser Woche stattsinden: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kur- kapelle. Abends Gastspiel des CaberetSzum SUirnpcttaften* mit humoristischem Programm. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Donnerstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kur- kapeste. Abends musikalische Soiree von Solisten der Kur­kapelle unter Mitwirkung von Fräulein Ochsenius-Marburg. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Knrkapeste. Abends Strauß-Konzert. Samstag vor­mittag am Kurbrunnen Konzert der Kurkapelle. Nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kapelle des 1. Großh. Hess. Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artilleriekorps) aus Darmstadt. Abends Zauber-V.orstellung des HofkünstlerS Meunier-Sölar aus Frankfurt a. M.

fo. Hanau, 24. Sept. Redakteur Zielowsky von derVolksstimme" in Frankfurt a. M. der am 19. d. MtS. hier vor dem Gerichte den Verfasser eines in derVolks- stimme" erschienenen Artikels zu nennen sich weigerte, unter ZeugniSzwang gestellt und verhaftet wurde, ist gestern nachmittag wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

* Kleine Mitteilungen ans Hessen und bttt N a ch barstaate n. Infolge ehelicher Zerwürfnisse stürzte sich der 60 jährige Wagnerineister Becker aus Bubenhei in kurz vor der Station U hlerb 0 ru vor einen daherkommenden Eisenbahnzug unb ließ sich überfahren. B. wurde gräßlich zerstückelt. Die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M. verhaftete drei Buchmacher unb Wettvermittler unb beschlagnahmte 5000 Mark. Ter Haupt­vermittler ist nach Holland, dem Dorado aller Buchmacher geflüchtet. Tex Turnverein Friedberg beging am 24. ds. Mts. sein 60 jähriges Stiftungsfest durch Schau- und Wetturnen im Hofe der Turnhalle. Abends fand die Hauptfeier im Hotel Trapp statt. Ter Gau Hessen, dem der Verein als eines der älteste» Glieder angehört, hatte seine Vertreter gesandt.

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^eten Otto Zielowski beliebt wurde. Der Parteitag erblickt in Ziefer Maßregel, die PreiSgebmig des RedaltionsgeheimnisseS er­zwingen zu wollen, die Zumutung einer unwürdigen Handlung, die durch keine gesetzliche Bestimmung gestützt fein dürste. Der Parteitag ersucht daher unsere ReichstagS-Fraktion, im deutschen Parlament erneut eine schleunige, zeitgemäße Reform der Justiz­gesetze, deS Strafrechtes unb bc3 Preßgcsetzeü zu fordern."

Der Antrag gelangte einstimmig zur Annahme.

Die Hinrichtung von Kasprzak.

Vom Partcivorstaud lag folgender Antrag vor:

Ter P a r t eiv 0 rstand b e g r ü ß t mit freudiger Genug­tuung daS größte welthistorische Ereignis der Gegenwart, die russisch e Rev 0 luti 0 11, als die Macht, die endlich den mit Korruption und Verbrechen beladenen Absolutismus stürzen wird unb damit nicht nur den unter seiner Knute schmachtenden Völkern die Bahnen freiheitlicher, kultureller Entwicklung öffnet, sondern auch die für ihre Befreiung kämpfenden VolkSmassen aller Länder, von einem ihrer bösartigsten Feinde erlöst. Mit Stolz gedenkt er dabei der Tatsache, daß wie mannigfaltig auch die geschichtlichen, die sozialen Kräfte sind, die zu diesem Ziele zusammeuwirken es doch heute daS junge Judustrieproletariat Rußlands ist, daS unter sozialdemokratischer Führung die wichtigste treibende Kraft deS gewaltigen Ringens mit dem Absolutismus bildet und immer wieder und wieder die heldenhaften Massen stellt, die ihren Hunger und ihre Leiber den Schergen und Henkern des Despotismus kämpfend entgegenstelleu. Ter Parteitag entbietet allen Kämpfern sÜr politische Freiheit in Rußland die Versicherung seiner tiefsten Sympathie und Bewunderung, ganz besonders aber jenen Männern und Frauen, ohne Unterschied der Rationalität und Rasse, die, auf dem Boden der sozialdemokratischen Austastung stehend, mit und in dem Proletariat wirken und kämpfen; ihnen, bereit zähe und opferwillige und gesahrenreiche Arbeit seit langen Jahren oie Er­weckung des Proletariats vorbereitet und seine Schulung und Organisation bis heute treu gesördert hat, wodurch das Proletariat befähigt wurde, die revolutionäre Aufgabe der Stunde 111 der Ueberzeugung zu erfüllen, daß der Kampf zur Riederzwingimg des Absolutismus eine notwendige Etappe im Kampfe gegen den Kapitalismus ist. Der Parteitag fühlt sich aber auch verpflichtet, seiner tiefsten Empörung Ausdruck zu geben über die barbarischen Untaten, durch welche die Schergen des Despotismus ihr fluch­würdiges Regiment aufrecht zu halten suchen, namentlich über die grausame Hinschlachtung nicht bloß von Männern der Revolution, sondern sogar von zahllosen unschuldigen Personen, besonders Frauen und Kindern. Ter russische Despotismus hat sich durch dieses barbarische Wüten vor der ganzen Kulturwelt gerichiet und cr rechtfertigt damit jedes gegen ihn angewandte Mittel, daS zu seiner Vernichtung führt."

Abg. Bebel: Kasprzak sei 1886 der sozialdemokratischen Partei Deutschlands bcigctrctcn und einige Jahre später in Posen wegen Geheimbündelci zu 9 Monaten Gefängnis ver­urteilt gewesen. ES gelang aber Kasprzak, aus dem Gefängnis 3" entweichen. Schließlich sei K. wieder nach Warschau zu­rückgekehrt unb habe, als die Warschauer Polizei eine von ihm gegründete Geheimdruckerci entdeckt und ihn verhaften wollte, drei höhere Polizeibeamte erschossen und den vierten tätlich verletzt. (Lebhaftes Bravo.) Obwohl hier zweifellos nur ein Totschlag, begangen in der Notwehr, vorlag, sei Kasprzak zum Tode verurteilt worden. Der Protest deS Parteivorstandes an das Auswärtige Amt kam zu spät, K. wurde bereits am Tage nach seiner Verurteilung hingerichtet. (Lebhafte Pfuirufe.) Der Parteivorstand könne sich mit der Antwort deS Auswärtigen Amtes nicht begnügen, er habe aber Abstand genommen, die Angelegenheit Kasprzak in die Erklärung aufzunetzmen. Der Parteivorstand werde bei Kennern russischer Verhältnisse Erkundigungen cinziiziehen und alsdann das Erforderliche im Reichstage Vorbringen. Er müsse die Bemerkungen der bürgerlichen Presse zurückweisen, daß der Parteivorstand Kasprzak schlecht behandelt hätte. Kasprzak sei allerdings beschuldigt gewesen, Polizeispion zu sein. Eine ein­gehende Untersuchung habe jedoch keinerlei Anhalt dafür gegeben. Jedenfalls sei Kasprzak als Held gestorben; er er­suche die Delegierten, sich zu Ehren des Hingerichteten Genossen von den Sitzen zu erheben.

Dies geschah. Der Antrag des Parteivorstandes gelangte darauf einstimmig zur Annahe.

Nächster Parteitag.

Nach kurzer Eröterung wurde mit überwiegender Mehr­heit Mannheim gewählt.

Wahlen.

ES wurden danach in den Parteivorstand gewählt: die Abgg. Singer und Bebel zu Vorsitzenden, Äbg. Gerisch zum Kassierer, die Abgg. Auer, Molkenbuhr und Pf a nn- kuch und Arbeitersekretär Ebert-Bremen zu Schriftführern.

Die Tagesordnung des Parteitages war danach erledigt.

Der Vorsitzende, Abg. Singer, dankte zunächst den Jenaer Genossen für den gastfreundlichen Empfang und der Carl Zeiß-Stiftung für Ueberlaffung des Saales. Die Gegner hofften, so fuhr Singer fort, es werde uns hier ein zweites Jena bereitet werden. Diese Hoffnung ist gründlich zerstört worden, dagegen haben mir unseren Gegnern ein Sedan bereitet. Die Verhandlungen'des ParteitageS^haben von neuem bewiesen, daß Partei und Gewerkschaften daS ge­meinschaftliche Ziel, die Zertrümmerung der heutigen Gesellschaftsordnung, verfolgen. Die Parole von Partei und Gewerkschaften ist: Getrennt marschieren, aber vereint schlagen. Der Redner erinnerte daran, daß die deutsche Sozialdemokratie vor 30 Jahren den Einigungskongreß in Gotha abgehalten habe. An dieser Einigkeit der deutschen Sozialdemokratie sei nicht mehr zu rütteln. Diese Einigkeit habe eS bewirkt, daß die Sozialdemokratie die größte Partei in Deutschland geworden sei. Die Einigkeit werde die Partei zum Siege führen. In diesem Geiste ersuche cr, mit ihm in den Ruf einzustimmen: Die internationale, die deutsche Sozial­demokratie, die Proletarier aller Kulturländer, leben hoch! Die Delegierten stimmten dreimal in dieses Hoch ein und verließen unter dem Gesänge der Marseillaise den Saal.

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Berlin, 24. September. DaS Kaiscrpaar gedenkt nach den bisherigen Bestimmungen etwa 10 Tage in Nominten zu verweilen.

Minister v. Witte ist heute abend um 6 Uhr ein« ' getroffen.

DieNationalztg." meldet aus Baden-Baden, Reichs­kanzler Fürst v. Bülow werde die Reise nach Berlin morgen unternehmen und sich dort nur kurze Zeit auf« halten, um wegen verschiedener dringender Angelegenheiten, wozu in erster- Linie , die NeichSfinauzref 0 rm gehören dürfte, eine Entscheidung zu treffen. Vermutlich wird der Reichskanzler bann auch Witte empfangen, der feine Rückreise nach Petersburg in Berlin und Nominten unter­bricht.

Der frühere Pfarrer Martin Wenck, der ehe­malige Redakteur der in Marburg erscheinendenHess.

Hauptversammlung des Hessischen Lehrerturnvereins.

Gießen!, 24. Sept.

Der hessische Lehrer Turnverein hielt gestern hier seine zweite Hauptversammlung ab. Der vor etwa vier Jahren gegründete Verein hat bereits in den Lehrer kreisen Hessens allenthalben festen Boden gefaßt und seit den letzten Mei Jahren hat sich feine Mitgliederzahl fast verdoppelt. Tie gestrige Versammlimg fand in der Turnhalle des Gießener Turnvereins statt und war außerordentlich stark besucht. Vertreten waren sämtliche Bezirks­vereine und weit über 300 Gälte wohnten bei. Ferner waren er­schienen - Provinzialdirektor Geheimrat Tr. Bre i dert, Ne­gierungsrat Dr. W a gner, Kreisarzt Mcdizinalrat Dr. Haber- t'or 11, Kreisschulinspektor Kl e in s chmi d t r Kreisschulinspektor Scherer - Büdingen; Stadtv. Ia 11 u , der Turngau Hessen durch Stadlv. H e l m vertreten: auch die hiesigen Lehranstalten hatten sämtlich ihre Vertreter geschickt. Tie Anwesenheit der Herren hat wieder gezeigt, daß man in Hessen nicht nur die Schule im all­gemeinen, sondern auch ganz besonders einem so wichtigen Erziehungs zweige, wie es der Turnunterricht ist, seitens der Be­hörden das lebhafteste Interesse entgegenbringt und bereitwillig die Bestrebungen unterstützt, die auf dessen Förderung gerichtet sind.

Ter erste Vorsitzende deS Vereins, Landesturninspektor ch m u ck - DaLmstadt, dankte in seiner Begrüßungsansprache den Vertretern her staatlichen, städtischen Behörden und der Schulen für ihr Erscheinen und hob dann den Zweck der Lehrererturnvereine hervor, der darin bestehe, den Turnunterricht zu fördern und dem Lehrer eine gewisse Turnfertigkeit zu erhalten. Tie Vorführung von Turnklassen sei ein Hauptmittel zur Hebung dieses Unter- richtsgegknstandes. Diesmal seien cs die L a n ds chu l kl a s s e n, die der Versammlung zeigen sollten, daß 'auch auf deut Lande ein erfolgreicher Turnunterricht sehr wohl möglich sei.

Geheimrat Dr. Breidert begrüßte namenS der K'reis- behördr die Dersaminlung des Vereins mit herzlichen Worten. Namens^ der Stadt sprach Stadtv. Jann, welcher ausführte, daß die Stadt Gießen von jeher der Turnerei in Schulen und Ver­einen eine Heimstätte bereifet habe. Es sprachen dann noch Rektor H a hn als Vertreter deö Lehrerkollegiums und V. Müller als VvrsMuder des Gießener Lehrervereins.

Hiernach begann das Schauturnen der Volksschul­klassen', in welchem eine systematische Uebersicht über den der­zeitigen Stand des Sclmlturnens in Hessen gegeben wurde. Gleich int voraus sei es gesagt, daß dabei selbst die weitgehendsten Er­wartungen übertroffen wurden: Lehrer und Schüler haben Her­vorragendes geleistet. Lehrer Roth- Lang-Göns führte mit dein 3. und 4. Schuljahr Freiübungen, Wehrheim - Gießen mit dem 5. Schuljahr Stabübungen, Inn g-Leihgestern mit der Oberklasse Gerätübungeu am Barren und Klettergerüste vor, während Wolf- BerSrod seine einklassige Schule mit Gesang, Reigen und Hebungen am Langstab vorführte. Besonders er­wähnt sei auch die Oberklasse des LehrerS Schneider- Heuchel­heim. die Aufmarsch, Reigen und Sfalnibungen nach den Klängen der Musik aussührte. Tas srisch^fröhliche Wesen der rotwangigen oberhessischen Jugend siel allgemein aus. für ihre Leistungen ernteten sie lebhaften Beifall. Daran schlossen sich das Stab­turnen einer Lehrerriege unter Leitung des Lehrers B a ch- Großen Linden und die Geräteübungen her Vereinsriege Grünberg. Ten Schluß bildete eine freiwillige Lehrerriege, mit der Landes- turninspektor S.ch muck Frei- und Ordnungsübungen entwickelte. Sämtliche Leistungen der Schulklassen ließen nicht nur eine voll­ständige einheitliche und gleichmäßige Durchbildung aller Schüler erkennen, sondern auch einen Eifer und eine Freude an turnerischer Tätigkeit, die nur das Resultat eines gediegenen Unterrichts und der lebhaften Begeisterung der Lehrer für die Turnkunst sein können

(Schluß folgt.)

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