Ausgabe 
23.10.1905 Zweites Blatt
 
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VMische Tagesschan.

Eine Kundgebung der Tabakinduffrie.

Tie Spannung und Sorge, in der die Tabak- t n b u st r i' den neuen Steuerplänen entgegensieht, ent­lud sich in einer ersten öffentlichen Kundgebung der Ber­liner Tabakinteressenten aller Zweige, die am 20. d. Mts. in Berlin tagte. Tie Tagesordnung der Ver­sammlung war unter dem Titel angekündigt:Was bedeutet das Tabakgewerbe für die deutsche Volkswirtschaft, und welche Lasten tragt es bereits heute V Der Referent zog Vergleiche mit den Verhältnissen in den Nachbarländern, und meinte, daß die Industrie zur Ader gelassen werden solle, daß man aus dem Schweiß ihrer Arbeiter Millionen prcffen und die Industrie ruinieren wolle. Man habe sich auf neueTricks" besonnen, durch die man, wie der Scharfrichter der Industrie den Kopf abschlagen und die Henne schlachten wolle, die die goldnen Eier lege. In der Finanzjagd sei die Tabakindustrie das gejagte Wild, das zu retten man die schläfrigen Branche­genossen aufrütteln müsse. Der Vortragende bezeichnete die Berliner Versammlung als ein Aufklärungsgefecht. Es wurde beschloffen, einen Abwehrausschuß aus den Vor­ständen der verschiedenen Vereine zu bilden, der in dem Augenblick, wo eine Tabaksteuervorlage an die Oeffentlichkeit tritt, seine Maßnahmen treffen soll, insbesondere Eingaben an Regierung und Parlamente erlaffen.

Wohl nicht ganz mit Unrecht tadelt dieKöln. Ztg." oie Form, in der der Referent die Negierung angriff. Mit heftigen Ausfällen und Uebertreibungen läßt sich stets weniger erreichen, als mit sachlichen Beweisgründen.

«Heer und Alolte.

Der Generalstabschef der amerikanischen Union Chaffee sagte in einem Interview in Washington, die amerika­nische Armee sei mindestens ebenso gut rot e die russische oder die deutsche. Ja, ein Expeditionskorps, roie die Union im Jahre 1898 nach Kuba schickte, könne nieder Deutschland noch Rußland über See schicken. Ein Zufall roill es, daß gleichzeitig der letzte Armee-JahreSbericht erscheint. Darnach desertierten 6 000 Mann und roegen Vergehens ausgestoßen wurden etwa 2500 Mann. Dieser Abgang an Disziplinlosen kommt zehn amerikanischen Regimentern gleich.

Kolonialpost.

Paris, 21. Oktober. Hier trafen über St. Louis die Kolonialbeamten Gaud und Toque ein, welche vor einigen Wochen wegen Ermordung von Einge­borenen zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Sie tverden ihre Strafe in französischen Ge­fängnissen absitzen.

Der Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, landete am Samstag in Plymouth und reifte nach London weiter, wo er einige Tage zuzubringen gedenkt, bevor er Berlin besuchen will. Er erklärt die Arbeit der Chinesen in der Kolonie für erfolgreich. Als er abreifte, war bereits seit 44 Tagen auf der Insel Savai ein vulkanischer Ausbruch unaufhörlich im Gange, ohne daß Anzeichen für seine Beendigung wahrzu- nehmen gewesen wären.

Aus Stadt und AailS.

Gießen, 23. Oktober 1905.

* * Empfangen wurden von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog am 21. Oktober d. I. n. a. Oberstleutnant a.D. v. Mosch, Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen, Kreis- amtmann Schnittspahn von Büdingen, Oberlehrer Schmoll und die Regierungsasiessoren K n ö s und Stammler von Gießen.

* * Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben zum 12. Oktober d. I. dem Bürgermeister, Orts­gerichtsvorsteher und Standesbeamten Heinrich Horst zu Nieder-Bessingen das Allgemeine Ehrenzeichen mit der In­schriftFür langjährige treue Dienste" am Bande jdes Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Wieder ein 100. Geburtstag. In Schotten feiert, roie man uns von dort schreibt, am 25. ds. Mts. die verro. Frau Maria Katharina Leuning, die Mutter des Glasemieisters Leuning, ihren 100. Geburtstag. Tie alte Danie erfreut sich z. Zt. voller Gesundheit, obwohl sie vor kurzer Zeit eine hartnäckige Influenza durchzumachen halte. Möge ihr ein heiterer Lebensabend beschieden fein l

Die zweite hessische Ständekammer wird in ihrer heutigen Sitzung über die Rückäußerungen der ersten Kammer zur Wahlgesetzvorlage und in Ver­bindung hiermit über den Initiativantrag von 21 Mit­gliedern der ersten Kammer bett. Abänderung der Artikel 67, 69 und 100 der VerfassimgSurkunde beraten, ferner über die Rückäußerungen zum Gemeindeumlagengesetz und zum Gemeindeabgabengesetz. Weiter steht die Anfrage der Abgg. Schlenger und Dr. Weder, betr. den Schutz un d die Erhaltung der Vogel weit, besonders der Jnsektenvertilger in den hessischen Domanial- und Gemeinde- roalbimgen, auf der Tagesordnung.

"Die nächste Stadtverordnetensitzung findet am Donnerstag statt; zweifellos wird der Oberbürgermeister der Versammlung über das Ergebnis der infolge der Ver­dächtigung gegen städtische Beamte geführten Untersuchung Mitteilung machen. So viel man aus den Kreisen der Stadt­verordneten hört, kann von einer Bestechung im vorliegenden Falle gar keine Rede sein.

* * Exerzierplatz -Erweiterung. Die Stadt­verordneten waren gestern vormittag fast vollzählig aus dem Trieb versammelt, um an Ort und Stelle sich zu über­zeugen, ob dem Antrag der Militärverwaltung, vom Exerzier­plätze auS einen freien Ausblick in das Busecker Tal zu schaffen durch Entfernung eines schmalen Waldstreifens ent­sprochen werden kann. So viel man hörte, waren die Stadt­väter, nachdem sie persönlich sich die Situation angesehen, dafür, dem Wunsche der Militärverwaltung zu entsprechen.

* * Zur Landtagswahlbewegung. Im Wahlkreis Heppenhei m-2orsch-Viern heim, wo das Zentrum an Stelle des seitherigen Abgeordneten Schlenger den Post- meister Wiegand von hieraufstellen wollte, besteht laut ,D. Tgl. A." auf sozialdemokratischer Seite die Absicht, für

die Kandidatur des freif. Bürgermeisters Höhn von Heppen­heim einzutreten. Da diesem gegenüber der Zentrumskandidat Wiegand wenig Aussicht auf Erfolg hätte, wird neuerdings als Zentrumskandidat Pfarrer Blum von Ober-Abtsteinach (der bei der letzten ReichstagSwahl mit Frhrn. v. Heyl im Wahlkreise Worms-Heppenheim-Wimpfen in Stichwahl kam) empfohlen.

* Erledigt ist eine Lehrer st elle an der katho­lischen Schule zu Heldenbergen, Kreis Friedberg. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

t. Reiskirchen, 22. Okt. Em Beweis, roie gut heuer die Dickwurzernte in hiesiger Gegend ausfällt, ist, daß Herr Ferdinand Gundrum eine Dickwurz erntete, welche da? respektable Gewicht von 25 Pfund hat.

-ge- Ostheim, 21 Okt. Zur Zeit herrscht eine rege Nachfrage nach Aepfeln. Der Obstbehang war in diesem Jahre sehr reichlich und wenn auch ein großer Teil der Früchte durch Ungeziefer litt, so war eS doch möglich, die 9(epfet in größeren Posten zu verkaufen. Die Apfelernte an der alten Straße nach Nieder-Erlenbach und im Distrikte Bornhofen war sehr ergiebig. An feinstem Tas lobst wurde leider wenig geerntet. Das Malter Winteräpfel wird mit 27 28 Mk. bezahlt.

Ba d-Nau heim,. 21. Okt. In der abgelaufenen Woche sind 81 Kurgäste angekommen. Die Gesamtfrequenz be­trägt bis zum 19. Oktober 26 051 Personen, wovon am genannten Tage noch 340 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 19. Oktober 366 537 abgegeben. Wie demB. N. A." mitgeteilt wird, hat Kapellmeister Bruch das Er­suchen an das Staatsministerium gerichtet, ihn von seiner Stellung als Dirigent der Kurkapelle und seinem auf fünf Jahre lautenden Vertrage zu entbinden. Bis jetzt ist eine Antwort deS Ministeriums noch nicht ein- negartgen. Der Grund zu dem Gesuch mag wohl darin zu finden fein, daß durch die Fachpreffe immer wieder auf die unhaltbaren Gehaltsverhältnisse der Musiker hingewiesen wurde, ferner auch auf die unglückliche Anlage des Musik­tempels, wodurch die Leute jeden Unbilden des Wetters aus­gesetzt sind. Daß durch solche Verhältnisse einem Leiter von 50 Musikern Schwierigkeiten erwachsen, unterliegt wohl keinem Zweifel.

fc. Bingen, 22. Okt. Der Kreisrat des Kreises Bingen, Geh. Regierungsrat Spam er, feierte heute, auf seinen be­sonderen Wunsch in aller Stille, sein 5 0 hriges Dienst­jubiläum. Im nächsten Sommer sind es 25 Jahre, daß er an der Spitze unseres Kreises steht.

Alzey, 20. Okt. In der gestrigen Stadtverordneten­sitzung stand als einziger Punkt nochmals die Festsetzung des Gehalts des Bürgermeisters auf der Tages­ordnung. In einer der letzten Sitzungen wurde beschlossen, keine Erhöhung deS jetzigen Gehalts von 6000 Mk. eintreten zu lassen. Als Vertreter der Regierung war Kreisamtmann Dr. Löslein erschienen. Die Verhandlungen waren öffentlich, die Beschlußfaffung wurde jedoch in geheimer Sitzung er­ledigt. Aus der Besprechung ging hervor, daß die Stadt­verordneten an ihrem seitherigen Standpunkte festhalten, und sie sollen auch, roie man hört, demgemäß beschlossen haben.

(M. Tgbl.)

Wetzlar, 19. Okt. Herr Georg Budge au§ Nero- York, ein Schwager des Herrn Simon Mayer hier, hat dem Armenfonds der Stadt Wetzlar abermals eine Stiftung von 10000 Mk. überwiesen, deren Zinsen alljährlich zur Verteilung kommen sollen. Die Stiftung ist von Herrn Budge zum Andenken an seine verstorbene Mutter gemacht worden. Die vor Jahren bereits von ihm gemachte Stiftung in gleicher Höhe galt dem Andenken seines verstorbenen Vaters.

(Wetzl. Anz.)

Frankfurt, 22. Okt. Der Nationalsoziale Wa hl- verein beschäftigte sich mit dem Wiesbadener Beschluß der Frei­sinnigen Volkspartei über den Zusammenschluß deS Liberalismus. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen:

Ter ftranffurtcr nationalsoziale Wahlverein läßt sich durch die Wiesbadener Beschlüsse der Freisinnigen VolkSvartei in seiner bis­herigen Haltung und politischen Arbeit in keiner Weise beirren. Er wird fortfahren, soweit ihm möglich, angesichts der immer größeren Bedrohung der Volksireiheiten, sowie des wirtschastlichen iiiid kulturellen Fortschritts ein taktisches Z usammengehen aller wirklich liberal und sozial gesinnten Ele­mente z»l fördern. Gleichzeitig spricht er den angegriffenen Führer Naumann und von G e r l a ch, die der liberalen Einigung bis jetzt die größten ideellen und materiellen Opfer ge­bracht, aufs neue sein voll st es Vertrauen aus. Er erhofft, daß sie trotz alledem aut dem bisherigen Wege mit derselben Tat­kraft unbeirrt Weiterarbeiten.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 21. Oktober. In zwei überfüllten Versammlungen, erteilten die streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen derWäsche» I n d li str i e ihrer 16er Kommission, Vollmacht für Derhandliingen vor dein Einignngsamt am Montaa. Wie in den Versammlungen mitgeteilt wurde, haben sich jetzt so ziemlich alle Arbeiter in den Wäschefabriken dem Streik angeschlossen. Heute Nachmittag wurde zum ersten Male Streik-Unterstützung ausgezahlt. Oie fHrbeiter erklärten sich bereit, von einer allgemeinen Aussperrung Abstand zu nehmen und den Arbeitern soweit als möglich entgegen zu kommen.

Aniversitäts-Aachrichten.

Göttingen, 21. Oktober. Die Mitglieder des vor drei Monaten wegen Ausschlusses der konfessionellen Verbindungen auf­gelösten Studenten-Ausschusses haben die Gründung eines neuen Verbandes der Studentenschaft unter Ausschluß der katholischen Verbindungen bei der Studentenschaft beantragt. Die Statuten werden einer Versammlung der Studen­tenschaft zur Genehmigung unterbreitet werden.

Herichlsiaal.

Elberfeld, 20. Okt.LieberimZuchthauselcbcn, als noch länger mit d i e s e m W e i be z u s a m m e n." So erklärte der Schrotl)ändler Sloten von Greuel vor GeriÄ, ber nm 2. Mai sein Wohnhaus in Braud gesteckt hatte. 31 Jahre lang habe er mit feiner Frau zusammengelebt, und in dieser Zeit habe sie ihm das Leben zur Hölle gemacht. Er behauptet auch, daß man ihn mißhandelt habe. Sloten wird als fleißiger, nüchterner und strebsamer Mann geschildert. Am 2. Mai morgens ging fttoten seinem Geschäfte na6. Vorher machte er seine Frau darauf aufmerksam, daß es Zeit fei, Gemüse auszuziehen und es zu verkaufen,, als er aber mittags nach Hause kam, war die Arbeit noch nicht getan. Seine Frau sei, wie immer, gleich wieder frech gc'wvrden, als er Mrr Vorhaltungen gemacht ftnbe, gemein l'rech, und er habe sie zum Hause hinausgejagt. Tann habe er in der Nachbarschaft zwei Liter Petroleum gekauft, damit das Dolzwerk sowie seinen Vorrat an Lumpen getränkt irnb alles in Brand gefaxt. AL der Rauch durch Türen und Fenster drang,

kamen seine Angehörigen, um ihre Habe zu retten, sie fanbet aber die Haustür verschlossen. Sie schlugen die Fenster ein, aber Noten trat ihnen mit gezücktem Schustermesser entgegen, unb drohte ihnen damit. Er behauptet, man habe gleich mit Steiner nach ihm geworfen und ihn am Hinterkops so schwer verletzt daß, er seitdem an schlimmen Kopfschmerzen gelitten habe. Ta^- Gericht erkannte gegen SlTotcn auf 1 Fahr Gefängnis.

3ö0?ng sos den SbmDrmitemiiflmi der Stadt streben.

Aufgebote.

Am 14. Okt. Philipp Heinrich Findt, Schuhmacher in Lich mit Minna Fey dahier. Am 16. Okt. Wilhelm Schön, Fuhrknecht da­hier mit Marie Hansisch in Hausen. Richard Michaelis, Schrift- setzer dahier mit Helene Ortmann in Dillenburg. Heinrich Jakob Winther, Kaufmann dahier mit Wilhelmine Frick in Duchroth, Am 19. Okt. Johann Jakob Volkamer, Bierbrauer dahier mit Elisabeths Theiß Hierselbst. August LefferS, Kaufmann dahier mit Emilie Volzel hiersclbst.

Eheschließungen.

Am 14. Okt. Peter Schäfer, Schriftsetzer dahier mit Elise Lüllig in Adelsheim.

Geborene.

Am 9. Okt. Dem Wirt Christian Medenbach eine Tochter, Johanna Marie. Am 11. Okt. Dem Zimmermann Christian Staffel ein Sohn, Adolf. Dem Schneider Friedrich Aulenbacher eine Tochter, Esisabethe Luise. Am 13. Okt. Dem Taglöhner Jo­hann Heinrich Sauer ein Sohn, Georg Karl. Dem ord. Um- versitatsprofessor Dr. Erich Kaiser ein Sohn, Karl Hermann Wolf- gang. Dem Fuhrmann Johannes Wiedmann eine Tochter. Am 15. Okt. Dem Kellner Richard Klamt eine Tochter, Anna Elisabelhe. Dem Lokomotivheizer Heinrich Reuter ein Sohn, Willy. Dem Registrator Peter Gnthier ein Sohn. Am 19. Okt. Dem Taglöhner Johannes Sauer eine Tochter, Anna Elisabeth.

Gestorbene.

Am 13. Okt. August Rausch, 3 Monate alt, Sohn des Tag« löhners Otto Rausch dahier. Am 15. Okt. Heinrich Enders, 64 Jahre alt, Straßenkehrer dahier. Emmy Rühl, 1 Jahr alt, Tochter des Kaufmanns Wilhelm Rühl dahier. Am 17. Okt. Ernst Wörner, 6 Monate alt, Sohn des Taglöhners Georg Wörner da­hier. Am 18. Oft. Wilhelm Karasch, 2 Jahre alt, Sohn des Tao­löhners Wilhelm Karasch dahier.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Vor einigen Tagen hat ein Einsender, der wohl selbst Fisch­händler ist oder wenigstens diesen nahesteht, an dieser Stelle eine Lanze gebrochen für die GießenerSpezialgeschäfte in Fischwaren". Meiner Ansicht nach verdient aber keine der Firmen, die sich an demF i s ch m a r k t - K a m p f" beteiligen, den obigen Titel; höchstens kann man ein Geschäft in der Sonnenstraße »Fischhand« lnng" nennen (früher gab cs noch eine zweite am Marktplatz, die aber leider eingegaugen zu sein scheint).Fischhandlunqcn" nennt man doch wohl solche Geschäfte, die lediglich oder wenigstens haupt­sächlich den Verkauf von Fischen als Hauptgeschäft betreiben, also täglich diese Waren führen und nicht so nebenbei an ein oder zwei Tagen der Woche ein Quantum Fische kommen lassen, eigentlrch nur, um ihrenbesseren" Kunden, den Abnehmern ihrer anderen Waren, einmal diese Abwechslung zu bieten. Dies tun doch sämtliche Firmen, die sich au dem Kampf beteiligen: sie führen in der Haupt- fache Kolonialwaren und Delikateffen und perfaufen gewöhnlich nur an ein oder zwei Wochentagen Fische, die sie dann (nach eigenen Angaben) nur an bessere, d. h. zahlungsfähigere Kundschaft abfetzen, weil sie eben nur diefeinsten" Waren führen, die natür­lich auch demnach bezahlt werden müssen; dabei wollen sie doch auch noch ihren Nutzen haben und sie haben ihn auch. Solche Geschäfte sind aber doch nicht im stände, das große Publikum, b. b. also die Leute, welche für wenig Geld gute Fische haben wollen, um damit das ihnen unzugängliche Fleisch zu ersetzen und nicht die Fische noch nebenbei zur Abwechslung ober Delikatesse zu ge­nießen, mit dem genügenden Vorrat zu versehen; da eben bei dicker Ware das Risiko zu groß ist und zwar um so größer, je gMn das Quantum. Aus diesem Grunde ist ein Vorgehen der Stadt ganz am Platze, zumal das Unternehmen so vielen Leuten zu gute kommt, die ebenso ihre Abgaben und Steucrii zahlen müssen, roie jene wenigenFischhändler", die den Fischhandel ja nur als Nebcn- geschäft betreiben und dabet doch stets noch ihren Vorteil im Auge haben. Meiner Ansicht nach haben diese Firmen also gar fein Recht, sich über die städtische Einrichtung so sehr aufzuregen und zu versuchen, dieselbe zu hintertreiben, zumal sic nach ihren eigenen Angaben nach wie vor nur diefeinsten" Waren für ihrebessere" Kundschaft führen und hierbei ihr Geschäftchen machen, also die Ware zu einem dementsprechenden Preis verkaufen wollen. Wenn also wissen, daß die unbemittelten Leute nicht bei ihnen Fische kaufen oder kaufen können, weil sie eben zu teuer sind und zu wenig Vorrat haben weshalb wollen sie denn diesen die Quelle nicht gönnen, an der sie ihren Bedarf als Ersatz für Fleisch in der genügenden Menge und zu den Preisen decken können, zu denen der Verkäufer, d. i. die Stadt, die Ware selbst bezieht? wenn die betr. Geschäfte wissen, daß sie ihre eigenen Waren doch trotzdem und mit dem beabsichtigten Nutzen an ihre alte Kundschaft und vielleicht auch an neue verkaufen, weshalb kümmern sie sich denn so grundlos um eine Konkurrenz, die ihnen ja gar keine Kon­kurrenz ist? Ist solch ein Vorgehen zum Nachteil der notleiden­den Mitmenschen krasser Egoismus oder christliche Nächsten­liebe ? rb.

Meteorologische Beobachtungen

Höchste Temperatur am 21.22. Oktober + 5.4® C.

Niedrigste , am 21.22. 4- 1.3® C.

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der Station Gießen.

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Oktober 1905.

Sero. Himmel Regen Bed. Himmel

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Die zweckmäßige Heizung unserer Wohnränme ist eine Frage, deren Lösung von Jahr zu Jahr die Heiztechnik zu neuen Fortschritten führt, und groß ist der Aufschwung der letzten Jahre in HeizungS- und Beleuchtungsanlagen. Als allgemeine Anforde­rungen an einen guten Ofen sind zu stellen: Bei Verwendung jeder guten Hausbrandfohle schnelle Wärmeabgabe nach dem Anheizen, einfache Bedienung, gleichmäßige Erwärnnmg mit Luftzirkulation und Ventilation im Zimmer je nach Bedarf Tauerbrand oder zeit­weiser Brand und genaue Regulierbarfeit, so daß Wärme nur dann erzeugt und Brennmaterial verbraucht wird, wenn das Bedürfnis dafür vorhanden ist.

Interessante Hinweise hierüber finden sich in der diesjährigen Original-Vcrkaufsliste der durch ihre Patent-Gennanen-Oefen be­kannten Firma Oscar Winter, Hannover. Wir empfehlen daher bei Bedarf von Heizungtzanlagen sich diefe Listen durch eine bessere Ofenhandlung oder direkt vom Fabrikant, n kommen zu lassen, w"/,

Gesichtsausschläge 8Äfe5

Ich bescheinig hiermit, dass Oberweyers Herba-Seife meinem Gesichtsaus- scblag, an dem ich Jahre lang auf die unangenehmste Weise litt, nach einigen Wochen vollständig Heilung brachte. Grh.GcomJ.Kl. Krämer, Bed-Nauheim. Z. L1, a. Apoth., Drog. u. Pari- p. St 50 PK u. 1 Mk, Obermeycr <k Co., tlanan.

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