Ausgabe 
23.10.1905 Zweites Blatt
 
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ium loiouigtn ^uurüTiFerö? uchiigt jüngere Stdi^triuei ludji. tarnen, welche die T» nlerie- und epieiroatenbranc men, werden bevorzugt. Schnitt. Meld, mit Angabe k challsanspr. u. bisher. Lan-l, Ö479 an bei 1 &iey. Sli13. 'ti .

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^Mfstöchii! öerijdjau auj dem Lai^/n: gef. ctelle mnLtacwt wird vergütet. Mi leiioatüiiig <rtseadorj irbach (Cberljej/eii). Iir tziR rotr MWit itnige Llunden des Bornii Pnyen gej.

WÄD giwnM=' 7j Lucht. Mavryeu iui7 5 Haus nach Bad°!)taui> bL Teniettztuichärlchen!

Bucühalteiia 'elche iich auch als «chereck H"ei, geiuaji.

edjtilil Meld. u. 5478 an ' Gießener Anzeiger erb.

Montag 23. Oktober 1905

155. Jahrgang

Erstes Blatt

Nr. 249

Gießener Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Univcrsilätsdruckerei. 9L Lange, Dieben.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.

Tel. Nr. 51. Tetegr.-Adr.: Anzeiger (Siehrn.

Ericheint titglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSlehener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monaUich einmal.

General-Anzeiger, AmK- und Anzeigebiatt für den Kreis Gießen.

P. w.

Herr Lippert die Vorstellung beitens.

Ein Antragist von den Sozialdemokraten an- aekündiat morden, in welchem die Regierung ersucht werden soll, dem neuen Landtag alsbald nach seinem Zu­sammentritt abermals eine Dahlr ech tsv0rl age zu­gehen zu lassen, in welcher weder Art. 67, noch Art. 75 der Verfassungsurkunde eine Abänderung erfahren. Die Ab­änderung des Art. 67 "hatte bekanntlich der Initiativantrag der ersten Kammer behufs Erweiterung ihrer Budgetrechte verlangt Art. 75 bestimmt, daß im Falle des Nichtzustande­kommen eines Gesetzes das se.be dem nächsten Landtag wieder vorgetegt und dann eine gemeinschaftliche Ab- stimmung von den Mitgliedern beider Kam-

Wie verlautet, wurde die in Wien geplante Aufführung der Oper Salome von Richard Strauß mit dem Text von £ s f a r W ilde im Hoiopernbaus aus moralischen und reli- c,losen Gründen, wie es in der Motivirung heißt, verboten.

Ernst v. Wollogen ist, nach den Leipziger Neuesten Nacw ichien, mit seiner Gattin nach Darmstadt ubergesiedelt. Bon liier aus wird das Lünstlerpaar nach roü* vor seine Kuust- reisen unternehmen.

Kestischer Landtag.

Zweite Kammer.

Darmstadt, 21. Oktober.

Am Ministettische: Staatsminister Dr. Rothe, Justiz­minister Ewald, Geh. Staatsrat Krug, Geh. Rat Mil­brand und mehrere Ministerialräte.

Präsident HaaS eröffnet die Sitzung um lV/4 Uhr.

Der Ausschußberichterstatter v. Brentano berichtet über den einzigen Dissen? mit der ersten Kammer über die Regie- rungSoorlage betreffs der Landwirtschaftskamm er und beantragt Zustimmung zu dem Beschluß der Ersten Kammer bezüglich des Art. 60, welcher Antrag ohne Debatte an­genommen wird.

Ohne Debatte genehmigt die Kammer die summarische Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Großh. LandeS- kreditkcche in der Finanzperiode 1897/1900.

Die Kammer tritt daraus in die Beratung der Rück- Sicherung der Ersten Kammer über die

Regierungsvorlage betr. die Landstande ein. Der Ausschuß beantragtden Initiativantrag der Ersten Kammer abzulehnen und damit den Versuch einer Verständigung alS gescheitert zu

und nicht in Wien, wo eben nur noch Girardi solche blöd­sinnigen Kapriolen menschenmöglich, deS AnschauenS einen ganzen Abend über wert macht? Wenn unS Herr Reimer nur uicht von irgend einem großen Theater nächstes Jahr weggefischt wird! Das wäre höchst bedauerlich. Ansprechend, schmuck und gewandt war auch Herr Lüttj ohann, der sich, der Rot gehorchend, zu einem Gesangsliebhaber her- geben mußte. Für solche siegessicheren Schwerenöter aber, und gar für singende, ist dieser junge Herr durchaus noch nicht der rechte Mann. Vom liederreichen Mund Apolls ward ihm kein Pfifferling zu teil. Ter liebestaumelige Major des Herrn W tttm ann hätte wohl mehr von einem grotesk komischen Bramarbas besitzen können. Herr W. hat inKater Lampe' gezeigt, daß er ein tüchtiger Charakteristiker nüchterner Verslandsmenschen ist. Possenhaftes liegt ihm nicht. In kleineren Partien unterstützten namentlich Frau Millar und

mern vorgenommen werden soll, wobei die stimmen- Mehrheit entscheidet. Die zweite Kummer hat bc- tanntlid) 50, die erste Kammer ca. 35 Mitglieder.

erachten".

Abg. Reinhart verliest zunächst eine Erklärung namens feiner Parteifreunde, daß sie den Initiativantrag der 21 Mit­glieder der Ersten Kammer in betreff der Abänderung der Art. 67, 69 und 100 der Verfassungsurkunde einstimmig ablehnen.Wir sind auf Grund der Verfassung gewählt und halten uns nicht für berechtigt, unsere seit 55 Jahren durch die Verfassung begründeten und verbrieften Rechte preiszu» geben". Rach dieser Erklärung weist der Redner für seine Person noch darauf hin, daß eS für den heutigen, so wichtigen Tag von Bedeutung sei, die Stellung der Staats- reqierüng zu der Frage kennen zu lernen, die Staatsrnmis er Rothe in der Ersten Kammer am 21. Juni dargelegt habe.

Der Redner verliest die Ausführungen des Staats- Ministers und wendet sich dann gegen die Behauptung in ber ersten Kammer, das Volk habe daS direkte Wahlrecht nicht verlangt. DaS Volk wolle das direkte Wahl­recht, darüber komme man nicht hinaus. Auch bte zweite Kammer habe baß birefte Wahlrecht ver­langt und war der Regierung dankbar dafür, daß sie bte Vorlage einbrachte, unb er hoffe auch, baß bte zweite Kam wer den Kampf um baS birekte Wahlrecht weiter führen wirb und das erreicht, was das Volk er­wartet. Der Redner wendet sich dann in polemischen Be­merkungen gegen seinenParteifreund in der ersten Kammer", welcher in der Wahlrechtsdebatte der ersten Kammer den Satz ausgesprochen habe, daß die wichtigsten Anregungen auf dem Gebiet der sozialpolitischen und volkswirtschaftlichen Gesetzgebung der Initiative der ersten Kammer entsprungen seien. Redner erklärt, er halte sich demgegenüber für ver­pflichtet, zur Wahrung der Interessen der zweiten Kammer gegen diese Behauptung zu protestieren. Redner gibt em Verzeichnis derjenigen Gesetzentwürfe, die der Initiative der zweiten Kammer entstammen, so inbetreff der Wohnungs­frage, der Landwittschaftskammer, der progressiven Emkom- mcniteuer, der Feldbereinigung rc. Er glaube nicht, daß bte erwähnte Aeußerung geeignet war, eine Ermebrigung des Niveaus der zweiten Kammer darzustellen, wogegen er Ein­spruch erheben müsse. Im übrigen bittet Redner um Zu­stimmung zum Ausschußantrag.

Abg. Tr. David: Wir stehen zum zweiten Male an derBahrede s direkten Wahlrechts. Das alte, verlotterte, indirekte Wahlrecht wird auch fernerhin Air Anwendung kommen. Wer trägt die Verantwortung für diesen Ausfall der Wahlrechtsreform? Man sagt. Der Schuldige entschuldigt sich, hier gilt das Sprichwort.Qm s'ercuse, s'accuse! DerParteifreund des Herrn Remhartt, Mr. v. Hehl, hat vorgestern in der ersten Kammer erkwrt, die Schuld cm dem Nichtzustandekommen der Wahlrechts- Vorlage trage die zweite Kammer, sie hätte ja nur den Beschlüssen der ersten Kammer zuzustimmen brauchen. Letz­tere habe aber nicht nur mit dem Initiativantrag der 21, sondern auch durch die Verwerfung der Wahlkreiseinteil­ung der Vorlage große Schwierigkeiten bereitet, unb Damit belirirtt, baf- selbst wenn die zweite Kamnrer dem Initiativ- ntraq zugestimmt hätte, die Vorlage an der Wahlkreis-

die deutsche Landwirtschaft sein würde."

Nach allem dem, was wir an dieser Stelle über die Fleischteuerung g-'sagt haben bleibt uns dazu kaum noch etwas zu sagen übrig. Wir wollen gern glauben, daß der Zwischen­handel den größten Nir Heu von den hohen Fleisch preisen hat. Aber daß die in so reichem Maße diesmal geernteten Kartoffeln nicht der darbenden Bevölkerung zu mäßigen Preisen vorgesetzt werden, sondern als Lebensmittel in ganz stattlich hohem Preise stehen, dafür aber, wie wir vermuteten, und wie es hier auch mit anerkennenswerter Offenheit aus­gesprochen wird, den Schweinen als Futter vorgx- worfen werden, das ist denn doch ein sehr schlimmer Streich. Im nächsten Jahre wird man dann natürlich wieder von den besonders hohen Futtermittelpreisen dieses Winters uns etwas Vorreden und behaupten, man habe sich nicht anders helfen können, als durch Verfütterung guter und teurer Kartoffeln. Eine Oeffnung der Grenzen? Bewahre! Deutschland produziert ganz genügende Fleischmengen, so viel, daß der gesamte deutsche Mittelstand heute seinen Fleischkonsum gegenüber dem Vorjahre um die Hälfte ein­schränken muff! Die Haushaltungsbücher UA^erer Haus­frauen weisen uns klipp und klar nach, um wie viel niedriger im vorigen Herbst unb Sßin-ier die gesamten Nahrungsmittel preise waren. Ganz abgesehen vom Fleisch, besten abnorme Preishöhe^ von nie­mandem geleugnet wird. Ein Pfund bester Aepfel kostete im vorigen Oktober 7 Pfg., in diesem Jahre zahlt man für minderwertige, roh völlig ungenießbar, nur zum Kochen verwendbare Aepfel 20 Pfg. Und wie die Obstpretse, so die von Eiern, Milch, Butter usw. usw. Wenn dementsprechend auch das durchschnittliche Einkommen des Städters wüchset Aber von einer Gehalts- und Lohnerhöhung ist nirgends die Rede. Wahrlich, die Regierungen der Bundesstaaten müßten völlig blind sein, ließen sie sich von den in der obigen Resolution angeführten Argumenten ins Bockshorn jagen.

Der hetflsche LandwirtsLaftsrat über die Ilcischteuerunq.

Ter Hessische Landwirtschaftsrat hat in seiner am 21 Oktober abgehaltenen h^amtsitzung nachfolgende Res o» tution in der Frage der Fleischteuerung einstimmig angenommen: .

Ter gegenwärtige hohe Stand de r Fleischpreise, der sich besonders in den größeren Städten fühlbar macht, kann nicht als die Folge einer allgemeinen Fleischnot betrachtet werden. Tie Land- wirtschaft bedauert diese Preissteigerung umsomehr, da dieselbe m erster Linie zu agitatorischen Zwecken zum Schaden der Konsumenten und der Laud- wirtscl-aft selbst ausgenutzt und tatsächlich die Produ­zenten zum gering st en Teil den Vorteil aus dieser Fleischteuerung ziehen. Vielmehr haben den größteuNutzen aus der Steigerung der Preise sowohl der Zwischenhandel wie die Metzger. Insbeson­dere ist nach gewiesen, daß die deutsche Landwirtschaft auch in den letzten Jahren eine fortschreitende Entwick­lung gezeigt und so die Gewähr geboten hat für die Er­zen gung der zur Ernährung des Volkes nötigen Fleiscp- mengen. Ter Auftrieb der Schlachtviehmärkte und die Schlachtungen einzelner Städte weisen mit großer Deut­lichkeit nach, daß ein Mangel an Fleisch nicht vorhanden ist Ter Rückgang des Auftriebes der Schweine auf die Schlachtviehmärkte unb der Rückgang der Schlachtungen an Schweinen in einzelnen Städten ist allein als die Ursache "iner Fu tter kn a ppheit und Steigerung der Futtermittelpreise anzu- sehen. Tiefer Rückgang ist nur als eine vorüber­gehende Erscheinung zu betrachten, indem durch die tn diesem Jahre bessere Ka r 10 s fe l er n t e den Land­wirten die Möglichkeit geboten wird, die Mästung von Schweinen in ausgedehnterem Maße rentabel zu ge­stalten. Die Oeffnung der Grenzen zwecks Ein­fuhr von lebendem Vieh kann, da das Ausland gleich­falls hohe Preise für Schlachtvieh und auch einen Mangel an diesem aufzuweisen hat, keinen Erfolg haben auf die Herabsetzung der Fleisch preise.

Ter Landwirtschaftsrat richtet daher an Großh. Re­gierung d i e dringende Bitte, bei der Reichs­regierung dahin wirken zu wollen, daß eine Aufhebung der zurzeit vorhandenen Sperrmastregeln gegen die Einschleppung von Seuchen nickt ein tritt, da dies von unberechenbarem Schaden für

einteilung gescheitert wäre. Die Opposition gegen die Wahl- 1 kreiseiiiteilung sei eine künstliche, man könne sich denken, 1 wie die große rheinhcssische Petition dagegm zustande tarn; sie stamme natürlich aus der Wormser Ecke. Statt der neuen, gemeinsam von allen Parteien aufgestellten Wahl­kreiseinteilung bleibe jetzt die alte, noch viel schlechtere Wahllreiseinteilung bestehen. Frhr. v. Heyl habe mit feiner Agitation gegen das direkte Wahlrecht gezeigt, daß er nicht nur einer der größten Industriellen, sondern auch einer der größten Demagogen sei. Man werde aber die Vorlage immer wieder einbringen und schließlich mich mit Hilfe des Art. 75 der Verfassungsurkunde (der bestimmt, daß bei wieder vorgelegten Gesetzentwürfen eine gemeinsame Abstimmung der Mitglieder beider Kam­mern herbeigefübrt werden tonn, wobei die Mehrheit ent­scheidet! die erste Kammer fo an die Wand drücken, daß sie quietscht. (Heiterkeit.) Bei den 50 Stimmen der zweiten und den 35 Stimmen der ersten Kammer werde eine schöne Mehr­heit für die Vorlage übrig bleiben. Tie Gesetzgeber vor 85 Jahren hätten gewiß nicht gewollt, daß die erste Kammer einen solchen Einfluß auf die Verfassung haben sollte, wie sie ihn jetzt für sich beansprucht. Die zweite Kammer werde der ersten in der Wahlrechtsfrage keinesfalls nad^ geben und sich auch nichts abhandeln lassen oder in irgend einem Punkt zurückweichen. (Zustimmung.) Bezüglich des dreijährigen ÄusenttMs des Mählers im Lande habe sich ja Frhr. v. Hehl auf die Seite der Sozialdemokraten ge­stellt, aber au5 ganz anderen Motiven, wie er selbst be­tonte. Redner polemisiert nun Wetter gegen die Haltung der ersten Kammer, an deren Mangel an p 0 l1 - tischerReife die Vorlage gescheitert sei. Dadurch sei man auch auf den Gedanken gekommen, die e r si e K a m- mer überhaupt zu beseitigen, und er habe sich gefreut, daß auch das Zentrum, wie aus einem Artikel des Mainzer Parteiorgans hervor gehe, eine sympathische Haltung zu dem sozialdemokratischen Antrag einnehme. Redner verliest einen Artikel desMainzer Journals", der sich in scharfen Ausdrücken gegen die erste Kammer wendet und dieselbe als einen Hemmschuh der p0li11schen Entwicklung Hessens bezeichnet. (Bei den Sozialdemo­kraten lauter Beifall.) Ter Antrag der Sozialdemokraten auf Abschaffung der ersten Kammer sei eigentlich ein natio­nalliberaler Antrag von früher, den die Sozialdemokraten nur wieder ausgenommen hätten, und er hoffe, daß diese Partei jetzt ihren alten Antrag nicht verleugnen oder nieder stimm en werde. (Heiterkeit.) Die erste Kammer habe allerdings durch Einbeziehung der neuen Plutokratie wieder eine gewisse Blutauffrischung und neues Leben erhalten, aber er glaube doch mit Schiller ausrufen zu können: Fort mit Dir, Deine Uhr ist ab gelaufen! Jedenfalls hoffe er, daß die Sozialdemokratie bei ihrem Verfassungskampf in Hessen nicht allein marschieren, sondern viele Freunde und Bundesgenossen finden werde. (Zustimmung bei den Sozialdem.; ein Abgeordneter klatscht mit den Händen, was vom Bizepräs. Dr. Schmitt gerügt wird.)

Abg. Hirsche! erklärt namens seiner Po litt scheu Freunde, daß sie dem Initiativantrag keine Zustimmung geben würden. Im übrigen sei seine Partei auch fest ent­schlossen, nun und nimmermehr einer Wahlrechtsvorlage zuzustimmen, in welcher das Uebergewicht der städtischen Mandate gegen die ländlichen noch verstärkt wird.

Abg. v. Brentano wendet sich als Ausschußbericht­erstatter gegen die in der ersten Kammer erhobenen Vor­würfe unb erklärt dann namens der Zentrumssraktion, daß sie gegen den Initiativantrag stimmen werde. Weiter ver­teidigt Redner in lebhafter Weise den Ausschuß gegen den Vorwurf, daß die Wahlkreiseinteilung eine einseitige sei und das Zentrum begünstige.

Tie Debatte wird darauf abgebrochen.

Abg. Müller-Darmstadt verteidigt sich noch gegen einige Vorwürfe derNeuen Hess. Volksblätter", daß er beim Verkauf eines Hauses an den Staat persönliche Inter­essen verfolgt habe. Auch Ministerialrat Becker stellt dies entschieden in Abrede. Schlup der Sitzung iy4 Uhr.

gesteigerte Schwärmerei einer Theaterprinzessin erklärlich macht. Vor einem Jahrzehnt etwa wurde dieMamzelle Nitouche* allabendlich im netten kleinen Theater an der Wien mit Girardi in dieser Rolle gegeben. Hat etwa Herr Reimer diesen genialen Komiker gesehen? Er gestaltete feinen Celestin 'dem Girardis zum Verwechseln ähnlich. Konrad Dreher stellt einen dummdreisten, derben Naturburschen bar, Girardi einen ganz dem Momente lebenden tollen Lebenslüstling aus einem operettiven Wölkenkuckucksheim. Und qanz fo gab sich Herr Reimer in der geistlich-weltlichen Toppel- fituation deS januSköpfigen Celestm-Floridor. Wir kamen geilem aus der Bewunderung der außerordentlichen Vielseitigkeit diese? überaus talentvollen Künstlers gar nicht heraus. Wie gewandt und liebenswürdig beredt war fein Graziano des ersten Abends, wie närrisch fein Weinhändler Range am vorigen Sonntag, von welcher hervorragenden Eindringlich- feit die Charakteristik seines Bauembürgermeisters imKater Campe*. Und nun dieser urkomische Klosterlehrer und Operettenkomponist! Gleich fein erster Austritt war einfach köstlich von verschrobenster Possierlichkeit und denna ' glaub­lichste»' Menschlichkeit; so aber blieb er, trotz all ' Infinnb der undenkbaren Vaudeville-Cituationen, den ga Abend über, der verrückteste und dennoch lebensechteste k -nsch- Ifto *r wir denn gestern wirklich in Gießen im Theater

Kleines Keuilleton. >

Gießener Stadttheater. Am Sonntag wurde - die burleske französische GesangsposseMamzelle Ri - 1 touefje* unter großer Heiterkeit deS überaus zahlreichen ' Publikums gegeben. Als Vertreterin diese? gallischen musika­lischen Backfischchens, dieser früh geübten Meisterin weiblicher 1 V e r stellimgsknnst, weiblicher List und Lust und Lüsternheit, roar Frl. Jüngling vom Darmstädter Hoftheater berufen roorben. Frl. I. ist eine Meisterin der DarstellungSkunst, eine Meisterin des leichten, lockeren Gesanges, eine Meisterin her Drolerie, der unverzüglichen Verkleidungskunst und des unfehlbaren LuftfprungS. Ihre Denise ist ein ehr- unb tugenbfameS PensionSmädel unb ihre Ritouche eine auSge- lajfene Nachtwandlerin, keck- Komödiantin und rassige Reiterin auf hurtigem Husarenrosse. Temperament unb Grazie sind bei ihr innig vereint und ihre von neckischen Kobolden hilf­reich unterstützte Bühnenroutine, ihr beherztes, durch roeib- ljchen Chic gefällig gestutztes Draufgängertum machen sie zu iner Perle unter den Soubretten. Herr Reimer, der Regisseur dieses wie auch des Kater Lampe-AbendS, gab den furios verzwirbelten Celesiin in dem impertinent langwallen- ben Semmelblondhaar ber musikalischen Genies und Heiligen, SaS un*8 alles, nur nicht die bis zur majoistollen E - timbtl