Ausgabe 
22.4.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1fr. 95

Zweites Blatt

155. Jahrgang

Samstag Ä2. April 1905

Gietzener Anzeiger

Urfchrmi «-ttch mit Ausnahme des ©onntagS.

Stotahonßbrucf unb Verlag der Brühlfch« UnioerfttätSbruderel R. Lange. ®le&au

Die ..Siebener FamllienblStter- werben dem Anzeiger viermal wöchentlich beiqelegt Der ^helstich« Laaöwttl- erscheuu monatlich einmal

Redaktion. Expedition u-Druckerei Schulstr.V, Del Rc. 6L Lelegr.-Aür. i Anzeiger Gietz«.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Volltische Toqesschluu

Die Marokkofrage.

Hilft nicht vom prtecf. Der französische Minister des Aus- wärtigen, der in der Deputiertenkammer seinen Verdiensten das reichliche Lob gespendet hat, das nicht klingt Del- easss kann immer noch nicht das richtige, in Deutschland Vertrauen erweckende Wort finden. Lakonisch schreibt die Nordd. Allg. Ztg.": Die Auseinanderseftung zwischen Herrn Delcasss und den Gruppen der französischen Kummer, die >as Verhalten des Ministers in der marokkanischen An­gelegenheit mißbilligen, habe stattgesundcn, ohne daß eine wesentliche Annäherung zwischen den von beiden Seiten vertretenen Auffassungen zu bemerken wäre. Aus dieser offiziösen Glosse ist zu entnehmen, daß auch zwischen der amtlichen deutschen und der amtlichen französischen Auf­fassung bisher keine wesentliche Annäherung stattgefunden hat. DerLok.-Anz.", der wiederum aus dem Auswärtigen Amt informiert zu sein scheint, hält die Rede Delcasses nicht dazu geeignet, der ganzen Angelegenheit eine andere Wendung zu geben". Verhandlungen auf einer breiteren Grundlage als zwischen Frankreich und Deutschland allein könnten nur erwünscht sein.

Die letzte Verhandlung in der franz. Deputiertenkammer wird auch in Frankreich allerseits sehr ernst besprochen. (Slentenceau sagt in derAurore", der Zwischenfall sei zwar mit der Erhaltung Delcas'ös erledigt worden, aber dieser verdanke den glücklichen Llusgang nur dem Dazwischentreten Rouviers, der den Ertrinkenden an den Haaren herausge- zogen, ihm aber einige bei solcher Operation unvermeid­liche .Hiebe versetzt habe. Wenn Rouvier die Regierungs­gewalt behalten wolle, so ittiqfe er sich nach einem Nach­folger für den Mini st er des Auswärtigen um­sehen. Selbst' der monarchistisch-klerikaleGaulois" gibt Delrosso auf, der an dem Schweigen seiner Gegner und Freunde zugleich geinerkt haben müsse, daß seine Zeit zu Ende ist. In derPetite Republigue" stellt Gerault Richard fest, Delcasse schweige, weil er nichts zu sagen habe. Jaurös hingegen erkennt die Verdienste Delcasses an und findet in ihnen den Grund dafür, daß gerade er dasMißverständ­nis" ohne Verminderung des nationalen Mrsehens ausklären könnte.

Am Charfreitag fand im Elysee eine Sitzung des M i - nisterrates statt, der der Minister des Äeußern Del- cassö nicht beiwohnte!?

Neuer deutsch-chinefischer Vertrag?

Die Vermutung, daß es sich bei dem zwischen Deutschland und China angestrebten Abkommen nm vertragliche Sicherung der deutschen Handels- und Schiffahrtsinteresftn im Yangtse-Gebiet handele, wird in politischen Kreisen nicht durchweg geteilt. Man findet beispielsweise, daß gerade eine den D a n g t s e «'blauen Fluß) betreffende wirtschaftspolitische Vereinbarung den Keim zu einem Konflikt zwischen Deutschlandund England- Japan in sich tragen könnte. Durch den Bündnisvertrag mit Japan Hut sich England bekanntlich zum mindesten das kommer­zielle Uebergewicht int Yanatse-Tal gesichert. Paktiert also jetzt Deutschland mit dem Reich der Mitte, so wird ein Mißtrauen geweckt nicht gegen China, das man als den geschobenen Teil hin- stellen würde, sondern gegen Deutschland. Die Möglichkeit, daß Deutschland durch ein solches dlbkommen mit China aufs Glatteis geraten könnte, ist in der Tat um so weniger zu leugnen, als das vertragliche Versügungsrecht über das Yangtse- Gebiet dem Hofe zu Peking zweifelsohne strittig gemacht werden wird durch das verbündete England-Japan. Ueber diese deutsch­chinesischen Verhandlungen ist Aufklärung sehr erwünscht. In derNordd. Allg. Ztg." findet sie sich noch nicht.____________

Deutsches Neich.

Berlin, 21. April. Mon meldet aus Giardini vorn 21. d§.: Die Prinzen Eitel Friedrich und Oskar, sowie der Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha nahmen heute auf der Hoheuzollern" Wohnung Um 10 Uhr fand an Bord Gottesdienst statt, an dem sämtliche Fürstlichkeiten und Damen und Herren des Gefolges teilnahmen. Der Kaiser verlas die Liturgie. Militär-Obcrpfarrer Goens pre­digte über das Wort der Schrift:Es ist vollbracht!" Zur Mittagstafel bei dem Kaiserpaare war Dcilitär-Oberpfarrer Goens geladen. Das Wetter ist schön, doch besteht noch eine starke Dünung. Die Postverbindung erleidet noch immer

Verzögerung.

Der Kaiser wird zum Besuche des GroßherzogUchen Hofes am 5. Mai in Karlsruhe eintreffen und bis zum 7. Mai dort verbleiben.

_ ßu der Frage der Gewährung einer Apanage für den deutschen Kronprinzen schreibt dieKöln. Ztg.":

Mit dieser Anregung wird man kein Gl ü ck haben. In Preußen beläuft sich die beim Regierungsantritt Wilhelm Il. be- Irächtlich erhöhte Throndotanon auf 1 6 M t t l t o n e n At a r k jährlich. Davon läßt sich z u r N o t et n eF am i l t e er­halten, auch wenn der Solm verheiratet tst. Dte Steuerzahler nocb mit ein vaar weiteren Millionen zu belasten, liegt gar kein Äb vor. Im Reiche wird man erst recht nicht willens sein dem Kronprinzen eine Apanage auszuwerfen, ivahrend nicht einmal der Kaiser im Reiche eine Zw'lliste bezieht.

»lni 25 Ö Mts. beginnen hier die Verhandlungen liber ein neues handelspolitisches Abkommen mit Viilqarien, demnächst wird auch der vorbereitende Schrift, mechsel mit Portugal wegen eines neuen deut ch-portu° giesischen Handelsvertrages stattfinden; dagegen sind ein­leitende Schritte zu Vertragsverhandlungen mit den V e r. einigten Staaten bisher nicht erfolgt und m nachtter Zeit a.ub nicht zu erwarten. Der Reichstag wird sich mit Den abzuschließenden neuen Verträgen voraus,tchtlich erst tm Herbst zu befassen haben. Die bulgarilchen Vertrags­delegierten sind gestern hier eingetroffen. Von deutscher -Leite ist außer Herrn v. Körner noch der Geh. Legattonsrat Dr. stehmann als Bevollmächtigter bei den Verhandlungen be- tiinint. , , , ,

Detmold, 20. April. Der Grasregent hat die Einladung des Kaisers zu den Bermählungsfeierlichkesten )eS deutschen Kronprinzen mit dem Ausdruck seines Ve- auernS abgelehnt.

Aeutlch-Südwcllafrika.

Die neuesten Verluste.

Amtliches Telegram ans Windhuk: Auf Patrouille am 1. Apr bei Geidam gefallen: Lt. Wilhelm Bandermann, geb. 1880 in Berlin, früher Telogravben-Bat. Nr. 2: Unter- off'zier Sophus Heuer, Reit"r Wilhelm Stein, Unteroffizier Ludw. Schuemann, Gefr. Georg Wernthaler und Reiter Paul Mewius. Verwundet: Gefr. Albert Epple. Im Gefecht am 13. April 1905 bei Tsanarob gefallen: Oberveterinär Adam .Hagemeier, Unteroffizier Kraaü, Gefr. Weimar und Reiter Kaseberg. Verwundet: Gefr. Koettgen, Reiter Laos, Ruter Dietrich und Reiter Neff. Beim Ueberfüll der Farm Onde- karimba am 13. April 1905 gefallen: Reiter Krebs. Unteroffizier Bernschein, int Lazarett zu Windhuk am Typhus gestorben.

Die Bekleidung.

Generalleutnant v. Trotha meldet aus Kub, daß am 13. Avril eine Kaffernbande von 15 Mann am Achoub südlich von Nauchas durch eine Bastardpatronille aufgehoben wurd^ Der Führer der Bande war Kapitän Jack, d^r im Oktober 190J den Farmer H ermann ermordete. Neun Koffern sind gefallen. Gewehre und einiges Vieh wurden erbeutet.

Kriegerisches.

DieFrkf. Ztg." hatte ixmi Privatbriefe ein-s württembergi- schen Hererokämpfers folgendes entnommen:Wie wir mit Be­kleidung bestellt sind, spottet überhaupt jeder Beschreibung. Zerfetzt! Zerlumpt! Am schlimmsten ist es mit der Wäsche: die können Verschiedene nicht mehr waschen, sonst hat man Fetzen in den Händen." Hierzu wird von derNordd. Allg. Ztg." bemerkt, daß die nach Südwestafrika abgehenden Mannschaften bei ihrer Ausreise u. a. mit folgenden Bekleid- ilngsstücken versehen werden: Ein Kvrdnmff.'nrock, eine Kordrest­hose, eine lange Kordhose, drei Feldanzüge, ein Mantel, ein Paar Schnürschuhe, sechs Hemden, sechs Unterhosen, sechs Paar Strümpfe, zwei Handtücher, eine Leibbinde, sechs Taschentücher und vier wollene Decken. Außerdem steht bnr Truppe im Schutz­gebiet zur Ergänztmg defekt gewordener Stücke der volle etats­mäßige Jahresbedarf an Bekleidung und Ausrüstung zur Ver­fügung.

ThrothaS Dank.

Dem Kaüerlichen Kommissar und Militär-Inspekteur der frei? willigen Krankenpfleger Fürsten zu Solms-Daruth, ist nachstehen­des Schreiben des Kommmtdos der Schutztruppe für Südwestafrika zugegangen:

Windhuk, 20. März 1905.

Es ist mir ein Bedürfnis, im Namen der mir unterstellten Truppen für die zahlreichen Spenden zu danken, die als Liebesgaben aus dem Vaterlande gesandt werden. Neben der Verpflegung den Truppen vmt Zeit zu Zeit zugeführt soweit es die großen Transportschwierigkeiten zuließert von denen man sich int allgemeinen in der Hnmat wohl noch keine ganz zutreffende Vorstellung m, tcht, sind sie dem Einzelnen eine aufmunternde Frch^d'J ent Beweis, daß seiner in der Ferne gedaebt wird. Äe 'werden daher stets willkommen sein und ich hoffe, daß es immer mehr und mehr gelingen wird, trotz der sich enlcsegenstellenden Hindernisse, auch den vordersten Spitzen in reichlicherer Weise, als es bisher möglich war, diese Gaben znzusühren. Auch für die .Hilfstätigkeit, des Roten Kreuzes und der ibm an gegliederten Vereine, sowie der Ritter­orden, welche die Versorgting und Pflege der Verwundeten und Kranken wesentlich unterstützen, möchte ich hier aufrichtigst danken. Es würde mich freuen, wenn den Gcbertt im fernen Vaterlande von diesen mich und die Truppe beseelenden Ge­fühlen Kenntnis gegeben werden könnte.

gez.: v. Trotha, Generalleutnant.

Dieser Dank durste nicht verfehlen, die für unsere Truppen so erwünsckite Hilfs^ätiak^t ernm,t anzuregen.

Japan unb A ankreich.

Paris, 21. April. Ter japanische Gesandte stattete dem Minister des Auswärtigen einen Besuch ab, um seine Aufmerksamkeit auf die gemeldete Anwesenheit russischer S ch i f f e in der K a m r a n h b u ch t zu lenken. Ter Besuch des Gesandten Tr. Motono wird von offiziöser Seite dahin erläutert, daß dieser Schritt keineswegs den Charakter eines P r o t e st e s gehabt habe. Ter Gesandte habe sich nicht beklagt, daß die Rechte der Neutralität Frank­reichs verletzt worden seien, er habe bloß insehrfreund- schastlicher Weise daraus aufmerksam gemacht, daß sich das russische Geschwader in der Nähe der französischen Ge­wässer befinde, und die Ueberzeugung ausgesprochen, daß infolgedessen die französischen 'Behörden ihre Wachsamkeit verdoppeln werden. In den parlamentarischen Kreisen hat diese Angelegenheit ziemliche Beunruhigung hervorgerufen. DieHumanitä" des Deputierten Jaurös schreibt, gewisse politische Persönlichkeiten hätten die Nachricht erhalten, daß eine Schl ach t zwischen der russischen und ber japanischen Flotte unmittelbar bevorsrehe. Wenn diese Schlacht in den indochinesischen Gewässern ausgefochten werden sollte und die russischen Schiffe genötigt sein sollten, sich in fran­zösische Häfen zu flüchten, so könnte Frankreich wider Willen plötzlich in den russisch-japanischen Kon­flikt hineingezogen werden. Ein hervorragender Teputierter und ehemaliger Minister (Pressence?) hat die Absicht ausgesprochen, in der Deputiertenkammer über diese Angelegenheit eine Anfrage zu stellen. Der ehemalige Kriegsminister und frühere Generalgouverneur von Fran- zosisch-Jndochina, de Laneffan, erklärte heute intSiöcle", die Kamranhbai bilde geradezu einen inneren Hafen. Ad- mtrat Roschdjestwenski sei dort eingefahren, nicht bloß, um die Havarien seiner Flotte auszube ssern, sondern auch um sich zu verproviantieren und sich über die Vorgänge in Petersburg, in der Mandschurei und in Japan, sowie über die Fahrt des Verstürkungsgeschwaders des Admirals Nebogadow zu unterrichten. Admiral Noschd- jestwenski befinde sich in einem französischen Hasen und vollständig gegen jeden Angriff der Japaner geschützt, falls diese ihn nicht dort auf­suchen und so die Neutralität Frankreichs verletzen.

Tokio, 21. April. (Reuter. )Die Stimmung im Volke gegenüber Frankreich ist noch immer erregt. Ver­sammlungen werden abgehalten, in denen die Haltung Frank­reichs scharf verurteilt wird. Es ist eine große Kundgebung geplant. Die Zeitungen fahren fort, die Frage der Neu­tralität Frankreichs und ferne Verantwortlichkert gegenüber den möglichen Folgen zu besprechen. Ein früherer Minister erklärte in einer Unterredung: Wir üermetben sorgsam, andere in unsere Angelegenheiten hineinzuziehen; wir müssen aber unsere Rechte schützen. Wenn Frankreich Ruß- land die Kamranhbucht flibt, warum kann uns Groß­

britannien nicht gestatten, Hongkong ;u ge­brauchen?

Paris, 21. April. DemMatin" wird aus Peters­burg gemeldet, in russischen Marinekreisen habe man An­laß zu glauben, daß das Geschwader Nebogatows durch die M a l a e c a st r a ß e fahren werde, um sich mit Roschd­jestwenski zu vereinigen. Nach Meldungen aus; Petersburg hat Roschdjestwenski den Befehl er­halten, den Ankerplatz in der Kamranhbucht zu verlassen, und nicht das Eintreffen Nebogatows abzuwarten. Trotz­dem wird Roschdjestwenski seine Weiterfahrt solange ver­zögern, bis Nebogatow weit genug herangekommen ist, um in einem Kampf das Hauptgeschwader zu unterstützen. Echo de Paris" bestätigt, daß die russische Flotte die Kanrranhbai verlassen hat.

Hongkong, 21. April. (Reuter.) Auf dem vrtz» tischen C h i n a g e s ch w a d e r herrscht eine bemerkens­werte Tätigkeit. Der KreuzerHogue" hat Befehl er-- halten, sich bereit ut halten, ans Befehl innerhalb von zwei Stunden in See nx geben,_______________________________

Rußland in Itnrm unb Drang.

Des Zaren Dank.

Petersburg, 21. April. (Petersb. Telegr.-Ag.) Für seine Mübcxvaltung während der jetzt geschloffenen Konferenz für die Bedütfnisse der Landwirtschaftsindustie wurde dem Vorsitzenden, Minister v. Witte, und allen Mitgliedern der Konferenz der Dank des Kaisers eröffnet. Die unter deut früheren Minister des Innern, Goremkin, errichtete neue Konferenz, in der Maßnahmen zur Festigung deS bäuerlichen Grundbesitzes getroffen werden sollen, be­steht aus 13 Mitgliedern, darunter befinden sich aus der. Witteschen Konferenz die Gehilfen des Finanz- und deS Kultusministers Wirklicher Staatsrat Kutler und Geheimrat von Schwanebach' sowie noch drei Moskauer Edelleute.

Bombenangst.

Noworossijsk, 21. April. Das Zollamt hat sorg­fältigste Neviston der hier eintreffenden Kisten mit Zitronew und Apfelsinen angeordnet. Diese Maßnahme ist durch den Verdacht hervorgerufen worden, daß Bomben in bet Form dieser Früchte eingeführt würden. Die Kauf­mannschaft hat sich deswegen beim Senat über den Finav>"^ Minister beschwert.

Aus Polen.

In Warschau drangen vter bewaffnete Anarchisten in zwei Häuser ein, erdolchten einen und verwundeten tätlich den zweiten Hausbesorger buÄ Nache dafür, daß ste Genoffen verraten hatten, die später zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Als die Verbrecher verfolgt wurden, feuerten ste Revolverschüffe auf ihre Verfolger ab, verwundeten einen, entkamen aber. In der Spitzenfabrik von Feinkin^ terrorisierten bewaffnete Sozialisten die Beamten unteq Drohungen mit dem Revolver, während ein anderer Revo-^ lutionär stundenlang aufrührerische Reden an die versammelten' Arbeiter hielt.

Tie Verhaftung des Schriftstellers LiembrowSkr erregt große Aufregung. Er wurde unter dem Verdacht, als. Glitsbesttzer unter den polnischen Bauern seines Bezirkes» nationale Agitation betrieben zu haben, verhaftet.

In Lodz kam es während einer Theatervor* fteIlling zu großen regierungsfeindlichen Demon-/ i'irationen. Zur Aufführung gelangte das Schauspiel »Erosi und Psyche". Nach dem ersten Akt, in dem ein ver­haßter König ernt orbet wirb, ertönten laute Beifalls­rufe. Tas Publikum erhob sich von bon Sitzen unb schrie: »Nieber mit dem Zarat! Nieder mit dem Krieg! Es lebe die Freiheit! Es lebe die Konstitution!" Hierauf ver­ließ das Publikum das Theater unb veranstaltete einen Demonstrationszug durch die Straßen ber Stabt, wobei es revolutionäre Lieder sang. Der Umzug dauerte fast eine Stunde. Die Polizei wagte es nicht, gegen die Demonstranten einzuschreiten.

Neue Judenhehe.

Jüdische Bürger von M o h i l e w wenden sich cm bt& russische Presse mit der Bitte, M veröffentlichen, daß sie! eine Organisation zur Veranstaltung einer Jndenhetze ür Mohilew aufgebeckt hätten. Selbst in der dortigen Reichs-^ bankfiliale gingen hetzerische Aufrufe von Hand zu Hand.! In der Stadt sammeln jich große Schuren Ziaeuner, die besonders unverschämt auftreten. Da beim Gouverneui7 Klingenberg recht?eit''ge Hilfe nicht zu erwarten sei, wird« das schlimmste befürchtet.

Der italienische Kis.'nbaönerkreik.

Rom, 21. April. Eine Abordnung der sozialistisches Deputierten begab sich gestern abend z-um Ministerpräsi­denten Fortis, um Vorschläge für bie Beendigung des Aus­standes zu machen. Wie Die Blätter melden, äußerte sich Fortis unter Benlflmg aus seine Erklärungen in der Kam­mer zu gunsten eines obligatorischen Schiedsge­richtes und ließ die Hoffnung durchblicken, daß, werrw der Ausstand aufhöre, die Aus ständig en nicht b e* straft würden. Die sozialistischen Deputierten überbrachten^ die Erklärung dem Streikkomitee, welches die Wieder-! ausnahme der Arbeit beschloß. Die Blätter! sprechen ivre Freude über die Beendigung des Ausstandes und die Wiederherstellung der allgemeinen Ruhe aus unb loben die Haltung der Regierung.

Aus Stad! und Land.

Gießen, 22. April 1905.

e* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Be^ ber heute fortgesetzten Ziehung ber 6. Klaffe fiel ein Gewinn' von je 5000 Mk. auf Nr. 4830 6879 23045 86480, Ge-! winne von je 2000 Mk. auf Nr. 23063 30716 38143 56474. (Ohne Gewähr.) Die nächste Prämienziehung findet am Dienstag nach dem Feste finit