Ausgabe 
21.3.1905 Erstes Blatt
 
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deS K'reiSamtmanneS Dr. Wörner mit (5ntfd)ieben6cit entgegen, worauf dieser entgegnet, daß er in einzelnen Punkten falsch verstanden worden zu sein scheine und nur habe sagen wollen, daß die Gemeinden insoweit in Betracht kämen, als durch ihr Gebiet die Leitung gelegt werden müsse.

Pfarrer Wagner- Niederflorstadt befürchtete, daß dre vor- herigcn Darlegungen des Krcisamtmanns Dr. Wörner geeignet sein könnten, Mißtrauen in die Versammlung wegen des Unter­nehmens säen zu können, und ermahnte die Versammlung, des Zweckes der Verhandlung eingedenk zu sein, nämlich, daß man dock von weither herbcigecilt sei, um über die Errichtung einer großen elektrischen Zentrale zu verhandeln. Er schloß seine mit anhaltendem allseitigen Beifalle aufgenommenen Ausführ­ungen mit dem Rufe:Vorwärts!"

Die Ingenieure Siegel, Stamm und F e ft beteiligten sich ebenfalls recht eingehend an der Diskussion, insofern tech­nische Fragen in den Vordergrund gerückt wurden.

Medizinalrat Dr. Schäfer-Reichelsheim stellte den Antrag, eine Kommission zu wählen, welcher es Vorbehalten sein solle, sofort die erforderlichen Schritte zu tun, um das Unternehmen möglichst bald der Verwirklichung entgegen zu bringen.

Nach lebhafter Diskussion wurde der Antrag angenommen, Hnc Kommission zu wählen, bestehend ans den Bürger­meistern aller beteiligten Gemeinden unter dem Vorsitze des Apothekers Hempel- Reichelsheim. Ein weiterer Antrag ging dahin, der Kommission einen technischen Leiter beizugeben. Medi­zinalrat Dr. S ch ä f e r - Reichelsheim schlug dafür Geheimrat Kitt- ler-Darmstadt vor. Die Versammlung beschließt, daß es dem Ermessen der aus dem Vorsitzenden und den Bürgermeistern der beteiligten Ortschaften bestehenden Kommission anheimgestellt bleiben möge, den hinzuzuziehenden technischen Leiter selbst zu wählen und daß die Ingenieure Stamm und Fest zugezogen wer­den können, jedoch nicht sollen.

Bürgermeister Alles-dciederflorstadt beteiligte sich eben­falls wiederholt an der Diskussion, und auch Gemeinderats-Mit- alied D o s ch - Wölfershein und Bürgermeister Stoll- Heuchel­heim, griffen in die Verhandlungen ein. Postsekretär Z i n s e r empfahl Äer Kommission, darauf hinwirken zu wollen, daß in allen Ortschaften geeignete Leute auserwählt würden, welche von Haus zu Haus gehen und den Leuten Aufklärung verschaffen sollten, eine Maßnahme, deren Durchführung in Reichelsheim selbst so glänzende Resultate gezeitigt habe, daß die Anzahl der Lampen um einige Hundert gesteigert worden sei.

Nachdem der Vorsitzende nochmals eindringlich die Bitte an die ungemein stark besuchte Versammlung gerichtet hatte, das nun­mehr begonnene Werk^ seiner Vollendung entgegenzubringen, schloß er die dreistündige Sitzung.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 21. März 1905.

* Der Großherzog und die Großherzogin werben, nach derDarmst. Ztg.", sich am 21. d. M. nach Rothenburg a. d. F. zur Teilnahme an den Tausieiertichkeiten bei Ihren Hoheiten dem Prinzen und der Prinzessin Chlodwig von Hesien-Philippsthal-Barchfeld begeben und gedenken am Mittwoch nach Darmstadt zurückzukehren.

** Aus dem Militärwochenblatt. Veränderungen tm aktiven Heere: Ring, Lt. im 4. Großh. Hess. Ins.- Regt. (Prinz Karl) Nr. 118, zum Oberlt. befördert. Riehl, Oberlt. und Erzieher am Kadettenhause in Plön, in das 5. Großh. Hesi. Jnf.-Regt. Nr. 168 versetzt. Im Beurlaubtenstande befördert: H a v e st a d t, Vizewachtmeister (IV Berlin), zum Lt. der Res. des 2. Großh. Hess. Drag.- Regts. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24, Koch, Oberlt. der Res. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 (I Darmstadt), Keil, Oberlt. d. Res. des 4. Großh. Hess. Jnf.-Negts. (Prinz Karl) Nr. 118 (Worms), zu Hauptleuten, Fleck, Lt. der Landw.-Jnf. 2. Auf­gebots (I Darmstadt), zum Oberleutnant. Der Abschied bewilligt: Frhr. v. Oer, Lt. der Landw.-Feldart. 1. Aufg. (Erbach) behufs Nachsuchung der Auswanderungserlaubnis. Im Sanitätskorps: Prof. Dr. Walther, Oberarzt der Res. (Gießen- zum Stabsarzt befördert.

Fernsprechverkehr. Wie uns mitgeteilt wird, ist zwischen Gießen und einer großen Anzahl Luxemburgischer Anstalten der Sprechverkehr eröffnet worden. Die Gesprächs­gebühr beträgt nach sämtlichen Orten 1.50 Mk.

** Konsumverein Gießen und Umgegend. In der morgen, Mittwoch abend, lt. Inserat stattfindenden Ver­sammlung wird Prof. Dr. Staudinger aus Darmstadt einen Vortrag halten.

* Tagesordnung für die Sitzung der Städte derordneten-Veriammlung Donnerstag, den 23. März 1905, nachmittags 4 Uhr pünktlich. 1. Baugesuch des PH. Lüdeking für den Seltersweg; hier: Dispens. 2. Baugesuch des I. H. 5bring für den Landgraf Philipp-Platz; hier: Dis- Lpens. 3. Gesuch des M. Levi dahier um Erlaubnis zur An­bringung eines Ausstellungslastens am Hause Sektersweg 35. 4. Baugesuch des W. Möser für seine Mühle an der Lahn. 5. Tauschvertrag mit L. Hellmold. 6. Kaufvertrag mit Witwe Döpfer. 7. Baugesuch des A. Deibel für den Neuenweg; hier: Geländeaustausch. 8. Tauschvertrag mit Fr. Nowack Eheleuten. 9. Neubau der Höheren und Erweiterten Mädchenschule; hier: Vergrößerung der Turnhalle. 10. Heizungs- und Lüftungsprojekt für den Neubau der Höheren Mädchenschule. 11. Ueberwölbung des Klingelbachs. 12. Entwässerung des Kühn'schen Grundstücks, Seltersweg 36. 13. Erbauung eines Stadttheaters. 14. Liefer­ung elektrischer Energie für das anatomische und zoologische In­stitut der Landesuniveriität. 15. Uebernahme der Unterhaltung des Heim'schen Erbbegräbnisses. 16. Wahl der Kommission für Regulierung der Gewerbesteuer. 17. Gesuch des Georg Hart­mann dahier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause An den Bahnhöfen Nr. 80. 18. Desgleichen des Friedrich Kahle basier für den Wetzlarerweg. 19. Desgleichen des Ludwig Wagner dahier für die Schanzenstraße Nr. 18. 20. Desgleichen des Karl Valentin dahier für die Schützenstraße.

Zur Schnakenvertilgung teilt uns ein Leser mit, daß er gestern auf einem Spaziergang auf einem kleinen Teich bei dem Eisenbahndamm in der Nähe von Dutenhofen beobachtet habe, wie Millionen von noch nicht völlig ent­wickelten Schnaken die Oberfläche des Wassers bedeckten. Bei diesem warmen Wetter scheint allerdings ein Hinweis darauf angebracht zu sein, daß es für dieSchnakenkommission" höchste Zeit ist, ihr Vertilgungswerk auf den Wassertümpeln usw. zu Ende zu führen. Auch Private sollten sich daran erinnern, daß sie sich um die Allgemeinheit verdient machen, wenn sie auf ihrem Gebiet für die Ausrottung des Unge­ziefers zeitig Sorge tragen.

** Frühlings Anfang ist heute. Tie schönste Zeit Les Jahres nimmt damit wieder ihren Anfang. Nach dem

Kalender wenigstens. Aber auch in Wirklichkeit beginnt es bereits draußen frühlingsmäßig auszusehen. In den Gärten blühen Erocus, Tulpen, Schneeglöckchen, Leber­blumen usw. usw. Immer länger werden die Tage, immer höher steigt die Sonne. Vögel lassen ihre fröhlichen Lieder ertönen und Feld, Wald und Wiese schmücken ihre Büsche mit jungem Grün. Und wenn auch der tückische Winter noch hin und wieder seine kleinen Bosheiten ausüben wird, sein Bemühen ist vergebens. Der alles belebende Sonnen­strahl läßt keine trüben Gedanken mehr aufkommen. Ter Frühling wird seine Herrschaft zu behaupten wissen, sein Erscheinen fei dankbar begrüßt. Mit dem heutigen Tage kommen wir in die sogenannte Ucbcrgangszeit, die manchen gar leicht verführt, die Wintergarderobe in den Schrank zu hängen und vorzeitig im Sommcrhabit zu promenieren, ein Leichtsinn, vor dem gewarnt sei. Die Uebergangszeit verlangt wegen des öfteren schnellen Temperaturwechsels sorgfältige Beachtung der Kleidung; im allgemeinen hat sie mehr Krankheiten als der Winter. Sie ist die Zeit der Katarrhe und des Schnupfens. Eine alte Regel sagt, im Frühjahr lege man die Winrerkleider spät ab und im Herbst spät an. Freilich hüte man sich auch vor vielem Schwitzen. Man setze sich beim Schwitzen nicht der kalten Zugluft aus. Man vermeide mehr das in den Schweiß kommen als das zu plötzliche Abkühlen. Vom Winrer her ist die Haut durch die luftabschließende Kleidung jetzt mehr ver­weichlicht, als im Sommer bei leichter Kleidung. Be­sonders sind weg:n des noch nicht dura-wärmten Erobodens die Füße warm^zu halten.

§ Fried berg, 20. März. Kreisarzt Medizinalrat Dr. Mathias ist aus Gesundheitsrücksichten in den Ruhe­stand getreten. Er erlitt vor Kurzem einen leichten Schlaganfall. Die Bevölkerung sieht den tüchtigen Beamten, der erst zirka fünf Jahre die Stelle eines Kreisarztes hier innehat, mit Bedauern scheiden. Sein Amt wird z. Zt. von Kreisassistenzarzt Dr. Bötticher-Gießen vertreten. Gutem Vernehmen nach ist Kreisarzt Dr. Nebel aus Lauterbach zum Nachfolger des Medizinalrats Dr. Mathias ausersehen. Dr. Nebel war bis etwa 1900 in Darmstadt als Kreis­assistenzarzt tätig, worauf er als Kreisarzt nach Lauter­bach kam.

fc. Offenbach, 20. März. Die Frau des Gießer- meisters Arnold, die seit mitte Februar mit ihrem drei­jährigen Kinde von hier verschwunden war, wurde mit dem Kinde aus dem hiesigen Hafen als Leiche geländet. Die Mutter hatte das Kind auf der Brust festgebunden. In der Nähe der Station Sprendlingen, auf der neuen Bahnlinie Ober-RodenSprendlingen, ereignete sich gestern em schwerer Unglücksfalt. Ein Matcrialzug hielt unweit Sprendlingen, an dessen letztem Wagen der Arbeiter Fries beschäftigt war. Eine kurze Strecke davon stand ein einzelner Wagen, der sich plötzlich in Bewegung setzte und auf den hinteren Wagen des Zuges auflief. Fries stand mitten im Geleise und kam zwischen die Puffer des herankommenden Wagens und des letzten Wagens des Zuges, er war sofort tot. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe und zehn unmündige Kinder.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Inhaber derHansa" in Mainz, allgemeines Handelsinstilut Alischul u. Co., August B r ü n n e r , ist geflüchtet. Brünner hat die von seinen Agenten in Mainz und in seiner Wormser Filiale gestellten Kautionen und Jnkassogelder unterschlagen. Eine große Anzahl Geschäftsleute und Private sind um bedeutende Betrage geschädigt. Ein Steckbrief ist hinter dem Flüchtigen erlassen.

vermochte».

Köln, 18. März. Einen raffinierten Streich eines Dienstmädchens hat die Kriminalpolizei jetzt auf­gedeckt. Mitte vorigen Monats war in einem Hause auf dem Hohenzollernring eines Abends ein Dienstmädchen im Hausflur liegend und geknebelt aufgefunden worden. Das Dienstmädchen gab damals an, zwei Männer hätten es überfallen. Wie die Kriminalpolizei jetzt festgestellt hat, waren die Angaben des Mädchens erdichtet und die Knebelung von ihm selbst ausgesührt worden. Als Motiv für dies ab­sonderliche Benehmen gibt das Mädchen an, es habe ihm bei seiner Herrschaft nicht mehr gefallen und um einen Grund zum sofortigen Austritt zu haben, habe es die Geschichte mit der Knebelung in Szene gesetzt.

* Dresden, 20. März. Der sächsische Hof soll der Gräfin Montignoso angeboten haben, ihr Kind noch eine Zeit lang behalten zu dürfen. Auch die Apanage soll erhöht werden. Ferner werde man der Gräsin erlauben, daß'sie zuweilen ihre anderen Kinder sehen dürfe. Gräsin Montignoso, heißt es weiter, erkläre jedoch nun plötzlich diese Bedingungen für unannehmbar und erhebe nun übertriebene Forderungen. Die Gräfin hat auch die ihr mittels einer Sammlung angebotene Unterstützung ab gelehnt.

Arbeiterbewegung.

Duisburg, 18. März. Die hiesigen S ch n e i d e r g e s e l l e u traten wegen abgeschlagener Lohnerhöhungen in den A u s sta n d.

Leipzig, 20. März. Heute legten 900 Schneider die Arbeit meber, nachdem Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern vor dem (Seroerbegeridjt resultatlos verlaufen waren.

Lanbwirrjchaft.

Wien,, 20. März. Gestern fand eine Versammlung von Interessenten aus landwirtschaftlichen Kreisen aus Deutsch­land, Oesterreich-Ungarn und Spanien statt, um sich über die projektierte Gründung eines internationalen landwirtschaftlichen Institutes zu informieren. Die Besprechung wurde durch den Vortrag des in Wien gerade anwesen­den Anregers dieser Idee David Lubin aus Kalifornien eingeleitet. Auch ein Vertreter des vorbereitenden Komckecs in Rom mar er­schienen. In der Versammlung wurde die Initiative des Königs von Italien als für die Landwirtschaft segensreich anerkannt und der Grundsatz aufgestellt, daß die rein nationalen Interessen nicht in den Kreis der internationalen Verhandlungen einbezogen werden sollen, sodaß die Aufgabe des Institutes lediglich aus die Behandlung der gemeinschaftlichen Interessen aller Landwirte zu richten wäre. In die zu bildende Körperschaft sollen Vertreter der wichtigsten landwirtschaftlichen Organisationen der einzelnen Staaten gewählt werden.

Kirchliche Tüladittcfifen. Evangelische Gemeinde.

In der Stadtkirchc.

Mittwoch, 22. März, abends b Uhr, 3. Passionsandacht.

Pfarrassistent S eb u l z.

Markte.

Gießen, 21. März. Marktbericht. Aut heutigem Wocbenmarrk kosteten: Butter pr. Pid. 0.951.05 Alk.. Hühnereier 1 St. 67 Vfq. 2 Stck. 0000 Pfg., Gäuseeier 0000 Pfg., Enteneier 70 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr. Liter 21Pig., Linienvr. Liter32 Pfg., Tanbenpr.Poar0,8Ö- 0,90Mk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse vr.Pfd.55 65 Pfg., Ochsensteisch pr. Pfund 7080 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pinnd 6268 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6072 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7074 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,006,50 DU., Zwiebeln pr. Ztr 8,0010,00 9)1 f., Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk., in Körben 0000 Psg. Nüsse 100 St. 00-00 Pfg. Zwischen per Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.100.15. Marktzeit 82 llbr.

Kriginai-Araylmetdungen.

R. B. Darmstadt, 21. März. (Eigener Drahtbericht.) Tie evangelische Landessynode nahm heute ein­stimmig den Antrag Brand und Gen. bett, den Tole­ranzantrag des Zentrums im Reichstag an, nachdem Oberronfistorialpräsident D. Buchner ihn freudig begrüßt hatte. Später entspann sich noch eine längere Debatte über den im Herbst stattgehabten allgemeinen deutschen Syno­daltag in Worms. Die 1. Kammer der Stände wird am 28. März zu einer zweitägigen Sitzung zusammen­treten. II. KK. Hsh. der Großherzog und die Großherzogin wohnten gestern abend dem Konzert des Mufikvereins im Saakbau bei. Die Summe von 17 500 Mark konnte aus den Ueberschüssen des kürzlich stattge­habten Wohltätigkeitskonzertes zu gunsten des Alice- hofpitals diesem zugeführt werden. 15000 Mk. werden die Unkosten der neuen Operationssäle des Alicehofpitals decken; der Rest wird zum Teil für unentgeltliche Ver­pflegung mittelloser Kranken und zur Verbesserung der Einrichtungen des Hospitals verwendet werden.

Berlin, 21. März. Die nationalliberale Fraktion deS Abgeordnetenhauses steht der Novelle betr. die ^Bergarbeiter* v er hältniss e nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, sondern wird für Kommissionsberatung stimmen. Als Kandidaten für den durch den Tod Hammersteins frei gewordenen Posten des Ministers des Innern nennt man in parlamentarischen Kreisen die Oberpräsidenten von Windheim in Kassel, von Moltke in Königsberg und Wenzel-Hannover.. Wie demBerl. Tagebl." von angeblich unbedingt zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, fand gestern im Neichsgesundheitsamt eine außerordentliche Sitzung des Reichsgesundheitsrat es statt, zu der sämtliche Bundesstaaten Kommissare entsandt hatten, um einer Demonstration der Siegelschen Entdeckungen über die vermutlichen Erreger der Pocken, der Syphilis und ver­wandter Krankheiten beizuwohnen. Wie gesprächsweise verlautet, sollen mehrere Forscher von dem Gesundheitsamt mit der Nach­prüfung der Siegelschen Befunde beauftragt sein.

Paris, 21. März. Der bekannte Schriftsteller JuleS Verne liegt, wie aus Amiens gemeldet wird, im Sterben.

Madrid, 21. März. In ganz Südspanien herrscht furchtbare Dürre, die Saaten sind verloren. Viele Landarbeiter sind verhungert. Aus zahllosen Ort­schaften wird gemeldet, daß die Hungernden Gewaltakte begehen.

Petersburg, 20. März. Es verlautet, die Verhand« lungen über die öprozentige innere Anleihe im Be­trage von 2 00 Milli onen Rubel sind im Gange, jedoch noch nicht abgeschlosien. Der Ausgabekurs ist noch nicht fest- gestellt. Von der Anleihe übernehmen 150 Millionen die Russische Bank für auswärtigen Handel, die Petersburger Diskontobank, die Wolga-Millionen entfallen auf die ReichS- sparkasse. Zur Betrauung Ku ropatki ns mit dem Kom­mando der 1. mandschurischen Armee werden folgende Einzelheiten bekannt: Kuropattin befand sich bereits auf dem Heimwege nach Europa, als er plötzlich umkehrtel Nach einer Unterredung mit General Linjewitsch sandte er ein in rührenden Worten abgefaßteS Telegramm am ben Zaren, in dem er sagte, eS sei ihm unmöglich, den Kriegsschauplatz zu verlasien, der ihm heilig sei. Er sei bereit, als einfacher Soldat dort zu verbleiben und bitte den Zaren, ihn mit dem frei geworbenen Kommanbo bet ersten Armee zu betrauen. Er hofft, baburch Gelegenheit zu bekommen, seinen Ruf als Heerführer mieber herzustellen. Linjewitsch sanbte ebenfalls ein Telegramm an ben Zaren, in bem er bic Bitte KuropatkinS unterstützte, worauf eine zustimmenbe Antwort bes Zaren erfolgte. Kuropat- kins Vorgehen hat in militärischen wie in privaten Kreisen bie größte Syinpathie für ihn heroorgerufen. General Griep enberg ist zum Mltgliebe bes Alexanber-KomiteeS für Verwunbete ernannt unb bamit kalt gestellt worben. Sein plötzlicher Entschluß, bie Llrmee im kritischen Moment zu verlaßen, wirb hier immer noch stark verurteilt. Hier ist bas Gerücht verbreitet, baß bie in Mukben in ben Laza­retten zurückgebliebenen Verwun b eien sowie bie Aerzte und baS Pflegepersonal von ben Chinesen ermorbet worben seien. Die Meldung stammt von flüchtigen Sanitätssoldaten.

Telephonischer Kursbericht

3*/jo/o Keichsanleihe . . 102.10 31/o <lo. . . . 90.65 3V,% Koneols .... 101.85 3°/o do 90.60 3*/2°/o Hessen .... 100.65 3*/?% Oberhesecn . . . 99.00 4% Oesterr. Goldrente . . 102.25 4*6% Oesterr. bilberrento 101.30 4% Ungar. Goldrente . . 100.25 4°/ Italien. Rente . . . 105.40 4/?% Portugieser . . . 67.80 ;0 / Portugiesen 68.40 1 % C. Türken ..... Türken lose ..... 136.40 4° o Grioch. Monopol.*Anl. 52.30 4l/i % äussere Argentiner 45.20

3°/o Mexikaner . . . 359d

4,/s'J/o Chinesen . . . 95.35 Electric. Schuckert . . . 140 00 Nordd. Lloyd . . . - 117.40

Kreditaktien . . « - 214 00

Diskonto-Komniendit. . 192 60

Darmstädter Bank . . 143.40

Dresdener Bank .... 15825 Beniner Handelsges . . 163 60 Oesterr. Staatsbahn . . . 141 30 Lombarden * . . 17 25 Gotthardbahn .... 191.30 Laurahütte .... 264.00 Bochum 246.20

H arpener . . . . . 21100

Staatschatzscheine . . .*-

Tendenz: fest.

Knorrs Hafermehl, jede j)akethülle trägt die eingehend gehaltene Gebrauchsanweisung. Durch seine einfache Oerwendungsweise hat sich Knorrs Hafermehl, überhaupt alle Knorrschen Fabrikate, in allen Gedichten der Bevölkerung schnell und dauernd eingebürgert. Oie ^afermehlspeisen werden in kürzester Aeit unter entsprechendem Zusatz von 241ilcb oder von Wasser fertiggestellt. Lin sehr angenehmer vorteil ist dies insofern, weil man zu jeder Zeit rasch eine frische, appetitanregende Lpeise bereiten kann. Knorrs Hafermehl ist für jeden Haushalt em Üniversalnährmittel und muß deshalb stets vorrätig gehalten werden.