Ausgabe 
20.4.1905 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 94 Drittes Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 20. April 190«

Erscheint Tigttch mli RluSnahm« des Sonntags.

Die »Siebener KcnntUenblStter- werden dem w5ln^etger viermal wöchentlich bctgelegt Der ^helklche CanOoirt* erfcherm monatlich einmal

Gietzener Anzeiger

Rotottontorud and Verlag der Brü hl Ich« llntoerfuätßö ruderet R. Lange, Gletzen.

Redaktion. Expedition a. Druckerei: Schulstr.

Tel Nr. 6L Letegr^Ädr. * Vn-eig« G letzen.

General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

aus Hessen und den

Kleine Mitte

ein flotter Geschäftsgang. Das Paar Ferkel kostete 3555 Mk., Springer pro Stück 4060 Mk.. Einlegschweine 6080 Mk. Der Krämermarkt war stark besucht.

His«'Ni'a!irs-Z'i1unsi

Der Bauunternehmer der Bahnstrecke Rödelheim- Rehstock-Griesheim-Höchst ist kontraktlich verpflichtet worden, bie Verbindungsbahn innerhalb zweier Moiiate fertigzustelleri. Da sich dem Unternehmen technische Schwierigkeiten entgegenstellen, so bezweifelt er selber die Möglichkeit. Um jedoch seiner Aufgabe gerecht an werden, hat er dieser Tage sein Arbeiterpersonal be­deutend vermehrt.- Es ist demnach doch vielleicht nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser während der d i e s j ä h r i g e n ö erb ft* mgnnöver bie Baderbahn Homburg-Wiesbaden, bereits benutzen kann.

Im Kreishaushaltsetat von Marienberg erscheinen zum ersten Male 78 730 Mk. zum Ankauf von Grund und Boden für die NebenbahnHerborn-Marienbera-Weste r bnr g.

KcriÄtsjaa?.

München, 19. April. Der vom Landgericht wegen Unter­schlagung zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilte Arzt Tr. Braun­stein hat gegen dieses Urteil Revision einlegen lassen.

Kirche und Schute.

-s-Der Tod eines bekannten Missionars. Am LI. März starb in Speyer der auch unter uns wohlbekannte Missionar Heinrich Bohner, ein alter Afrikaner. Er ließ sich vor 12 Jahren von der Basler Mission als Industrie-Missionar nach Westafrika senden und hat dort zuerst auf der Goldküste ge­wirkt. Als seine Missionsgesellschaft in Kamerun ein zweites afrikanisches Arbeitsfeld besetzte, wurde Bohner, der mit Vorliebe als Reiseprediger tätig war, im Jahre 1890 zur Leitung dieses neuen Werkes berufen. Er hat dieses Amt noch bis 1898 versehen, wo er nach Deutschland zurückkehrte, um die letzten Jahre semes Lebens zur Belebung des Missionssinnes in der Heimat zu benn^en.

arbeitet mehr als ein Fünftes der ganzen Bevölkerung.. Ein an­derer Komplet schließt die Amtsbezirke Ettenheim (mit fast 13 Prozent), Labr, Emrnend'ngen und Offenburg ein. Zurückge- gangen, jedoch in unerheblichem Maße, ist die Arbeiterzahl nur in den Bezirken Konstanz, Rastatt und Eberbach. Seit 1889 _ ist seltsamerweise die Zahl der jugendlichen Arbeiter und Arbeite­rinnen bis heute die gleiche geblieben. Während die badischen Betriebe nur 3,7 Proz. der im Reich insgesamt vorhandenen Tabak-Industrie darstellten, belief sich die Zabl der badischen Tabakarbeiter auf 18,7 Proz. der im Reiche beschäftigten. Die badischen Großbetriebe repräsentieren 26.6 Proz., die in diesen Betrieben beschäftigten Personen 25,7 Proz. der Reichszahlen. Ein Turchschnittsbetrieb beschäft'gt im Reich 7,9 Personen, in Baden 40. Von der Gesamtzahl der Betriebe manm im Reich 3.8 Proz., in Baden 27,2 Proz. Großbetriebe. Und ebenso wie die Tabakindustrie nimmt auch der Tabakbau Badens einen her­vorragenden Platz im Reiche ein* im Jahre 1901 kamen von dem Gesamt-Tab^k-»rn^ew«'*^c' s-a /tz 6 allein auf Boden.

Die Zigarrenindustrie in Baden.

S. W. K. Karlsruhe,. 19. April.

Die badische Zigarren-Jndustrie, die ihre eigentliche Begründ­ung in Mannheim fand, ist ebenso wie die Lahrer fi W tabak-Jndustrie schon von hohem Mer Welchen kolossalen Aufschwung sie in den letzten sieden Jahrzehnten genommen hat, zeigen uns folgende Zahlen: Im Jahre 1834 gab eg nt Sahen erst 24 Zigarrenfabriken mit 510 Arbeitern, 1842: 28 Fabriken mit 614 Arbeitern: 1861 aber Uten sich diese Zahlen bereits versechsfacht 1874 zählte man 232 Fabriken mit 11749 Ar- bAe^ und 1903: 740 Fabriken mit 34 626 Arbeitern 1904 war die Zahl her Betriebe rnerkwürdigerwepe wieder um 11, die der Arbeiter um 900 zurückgegangen. Die Industrie verteilte sich in dem letzten Äre auf 36 (1889 erst noch 22) Amtsbezirke, iinfet denen Bruchsal und Wiesloch die Sauptzahlen ,teilten: erstms Zhlte nämlich 127 Betriebe nnd 5957 Arbeiter, letzteres 5058 Arbeiter. Die Industrie drängt ^ bier m einem Kom^ex tzusammen mit teilweise überaus hohem Prozentsatz der Be­völkerung, in Wiesloch z. B. betrug die Zahl der Zigarren-

Aus Stadt und Laad.

Gießen, 20. April 1905.

K. Männer-Turnverein Gießen. Der schon für das Ende des Winterhalbjahres vorgesehene, infolge der Un­gunst der Witterung aber verschobene Turngang mit Familie findet nunmehr nächsten Freitag, den 21. d§. Mts., statt,- Als Sammelplatz und Abmarschpunkt ist der Ludwigsplatz bestimmt, von wo aus der Turngang um 2*/4 Uhr pünktlich begonnen wird.

Offenbach, 19. April. Die Aufhebung des Oktrois aus Schweine, Schweinefleisch u. s. w., die von der sozialdemokratischen Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung beschlossen worden war, ist vorn Großherzogl, Ministerium nicht genehmigt worden. Die Möglichkeit dieser Ablehnung war schon in der letzten Stadtverordneten- sitzung angedeutet worden. Der städtische Voranschlag muß nun entsprechend der neuen Sachlage abgeändert werden. (O.Z.)

Karidk! unb Merkelir. YZo^swirrschast.

Petersburg, 19. April. Die an der hiesigen und an aus­ländischen Börsen verbreiteten Gerüchte über eine neue innere Anleihe entbehren jeder Begr ündung.

Markte.

(th.) Gießen, 19. April. Der dieswöchige Vieh markt hatte einen Vorrat von 850 Stück Großvieh, ca. 120 Kälbern und 850 Schweinen. Der Vormarkt, bei dem stark in ostfriesischer Milchware gehandelt wurde, begann diesmal schon am Donnerstag voriger Woche, wo die ersten Transporte schwarz-bunter Milch­kühe hier anlangten. Die wegen des verstärkten Milchbedarfs zu den Feiertagen fehnlichst erwarteten Tiere gingen zu recht hohen Preisen ab. Am Markttage selbst war der.Handel in Milch­vieh, welcher diesmal in schöner Ware wie seit lange nicht am Markt war, überaus flott, so daß die Preise für gute und mittlere Ware erheblich anzogen. Wieder waren es in der Hauptsache die Einkäufer für die Badeorte, welche, da der Austrieb nicht sehr groß war, ein Steigen der Preise für Kühe herbeiführten. Auch auf den Handel in Fettvieh und Kälbern übten die kommenden den Feiertage einen den Preis steigernden Einfluß aus. Bei dem kleinen Auftrieb in Kälbern, der für Frankfurt, Wiesbaden usw. den Bedarf nicht deckte, schnellten die Preise rapid in die Höhe. Rur düs Geschäft in Jung- und Zuchtvieh ließ zu wünschen übrig, und dies hat seinen Grund wohl in dem kalten Wetter. Der Handel in Schweinen war besser als man erwartet hatte. Der vorliegende Bedarf brachte fertig, daß die Preise für Ferkel sowohl wie Läufer, welche beim letzten Markt etwas anzogen, noch etwas in die Höhe gingen. Besonders wurden die Tiere aus der Provinz Hannover gut bezahlt und flott gekauft. Be­zahlt wurde pro Stück: für Kühe, frischmelkend und tragend, 1. HuaL 475525 Mk. (einzelne Tiere noch höher); 2. Qual 400450 Mk.: 3. Qual. 280340 Mk. Verkauft wurde der Zentner Schlachtgewicht: Fette Rinder 1. Qual. 7073 Mk.; 2. Qual 6769 Mk., fette Kühe 1. Qual. 6366 Mk.: 2. Qual. 6162 Mk.; Kälber 1. Qual. 7580 Mk.; 2. Qual. 6872 Mark: 3 Qual 6065 Mk. Bezahlt wurde pro Paar Ferkel, 68 Wochen alt, 4046 Mk.* 1012 Wochen alt, 5060 Mk.. 1416 Wochen alte Tiere. 7080 Mk., leichte Springer, bis 5 Monate alte, 100110 Mk., ältere 120140 Mk. Gangvieh war nicht am Markt. Geräumt wurden alle Gattungen Vieh. Nächste Markttage: 2. und 3. Mai; am zweiten Markttage auch Krämermarkt.

)( Fr iedb erg, 19. Llprü. Der heutige Schweinemarkt war stark befahren, und es herrschte bei ziemlich hohen Preisen

M KmklM-Wkr nnh als Hkilsaktor.

(Ein Trostwort für Rheumatiker, Gichtiker, Zuckerkranke und Nieren» leidende.)

Unser Körper ist eine Giftfabrik. Fortwährend bilden sich Rück-« stände und Abfälle des Stoffwechsels, welche, wenn sie nicht prompt vom Blute weggefpült werden, in vergiftender Weife eine lähmende Wirkung auf den Organismus ausüben. Dadurch werden die Lebensprozesie der einzelnen Zellen und Organe verlangsamt. Je langsamer aber diese Prozesse verlaufen, um so mehr nähert sich der Organismus einem absterbenden Körper, der allen Schädlich- feilc» schutzlos preisgeqeben ist. In dem (wie in einem schmutzigen Graben) mit Abfallstoffenverschlammten" Blute finden embring* ende Krankheitserreger (Bakterien) einen guten Boden, vermehren sich ms Riesenhafte und werden noch dazu vom Blute bei feinem Kreislauf überallhin verbreitet; der Mensch verfällt in Krankheit^ Siechtum und Tod.

Aber auch ohne das Eindringen von Bakterien führt die Durch, seuchung des Blutes und die Verlangfamung des Stoffwechsels zu! Krankheiten, nämlich zu den sogenannten Stoffwechselkrankheiten Tas minderwertige Blut vermag die aus den Speisefi aufgenommenen Nährstoffe nicht mehr genügend zu verarbeitens der geringe Hämoglobingehalt der roten Blutkörperchen besitzt zu wenig Sauerstoff, um eine vollständige Oxidierung (Verbrennung)! jener Stoffe (z. B. Harnsäure, Zucker) durchzuführen. Bleibt aber öarnfäure im Säftestrom und setzt sich gar in den Gelenken an,' io entsteht Rheumatismus und Gicht; sammelt sich durch ungenftg-. ende Verarbeitung der Kohlehydrate Zucker im Blute, so haben wir Zuckerkrankheit. Auch Nierenentzündungen und dergleichen entstehen leicht; denn da die Nieren gleichsam den Filter für die Abfälle des Stoffwechsels bilden, werden sie durch die enorm ge­steigerte Menge derselben förmlich verschlammt, und mechanisch gereizt.

In allen diesen Fällen ist also das minderwertige schmutzte" Blut der Krankheitsträger. Wenn aber eine solches schlechte Dlutveränderung d'e Ursache von Krankheiten bildet^ so ist es ganz selbstverständlich, daß nur eine Verbesserung des Blutes diese Krankheiten beseitigen kann. Diejenige Methode hat allein sicheren Erfolg, welche eine Einwirkung auf das Blut erzielt, auf stsne Zusammensetzimg, seine Qualität und Quantität, und welche di^fe Einwirkmrg längere Zeit konsequent durchführt. Das Blut bildet, wie medizinische Wissenschaft und ärztliche Praxis festgestellt haben, den einzig maßgebenden Faktor bei allen Heil-« versuchen jener Krankheiten. Und zwar hat die neueste Forschung auch endlich solch ein Verbesserungsmittel des Blutes her gestellt in demBioson". Durch seinen Gebalt an wirklich resorbier- barem organischem Eisen wird der Hämoglobingehalt und daher; der Sauerstoff der roten Blutkörperchen bedeutend vermehrt, waS eine vollständige Oxydation der schädigenden Stoffe,, wie Harn-: säure und Zucker zur Folge hat. Die oben geschilderte ver­giftend, lähmende unb erschlaffende Wirkung der Abfallstoffe! auf das Nervensystem wird auf gehoben - durch das Lezithin, im Bioson, welches als eigentliche Kraftsubstanz der Nerven diesen vom Blute angeführt wird. Neberhauvt wird das Blut allgemein gekräftigt und verbesiert durch des Biosons 70 Prozentigen Ge­halt an Nähreiweiß. Nun gleicht der vorher mit Abfällen ver- imreinigte Blutkreislauf nicht mehr entern schlannnigen Graben, sondern einem munter fließenden, alle Rückstände wegsvülendew Bache. Dos Blut, jetzt neugebildet durch Bioson, nimmt nun ein*1 kräftige Durchspülung des Organismus, ein inneres Reinig« ungsbad desselben vor. Die durch eine Mosonkur fortgesetzt« Erneuerung des Blattes führt bald zu einer Erneuerung der au§ Bfitt sich aufbauenden Zellen, Gewebe, Organe. Immer mehr verschwinden jene krankhaften Stosse, welche die Ursache bilden! von Rheumatismus, Gicht, Zuckerkrankheit oder Nierenleiden^ Immer woblcr und glücklicher füMt sich der Mensch einzig unbl allein durch die Kraft der vollständigen Blutneubildung deK Biosons!

Dasselbe ist fertig zum Gebrauch in den Apotheken, Dro-, g?r;en usw. das Vs Kilo 3 Mk. erhältlich, und lese man die hoch-- interest'awen Berichte der Professormr, Aerzte, medizinischen Zeft-s ung" sowie die Broschüre von Dr. Rob. SchultzeDie Blut- erneuerungs-Kur". bT/<

Arbeilcröcwegunq.

Köln, 19. April. Der Streik der Maler und Anstreicher, sowie der Schneidergehilfen scheint mit einem Siege der Ausständigen zu enden. Bei den Anstreichern haben 102 Unter­nehmer den 520 Gehilfen die Forderungen bewilligt. 390 Ge­hilfen sind ab gereist, nur 160 befinden sich noch im Ausstande. Bei den streikenden Schneiderar bewilligten 70 Geschäfte und Meister mit ca. 500 Gehilfen die Forderungen. 200 sind abgercift, im Ausstand befinden sich noch ca. 250 Gehilfen. Die Brauerei- Aussperrung droht einen großen Umfang anzunchmen. Wäh­rend einerseits die christlichen Organisationen erklärten, sich dem Boykott nicht anzuschließen, fordert das Duisburger Gewerk­schaftskartell die Fünfer-Komrn;ssion auf, alsbald eine Beschluß­fassung herbcizufi'.hren, ob nicht die Aussperrung der organi­sierten Arbeiter, die Kündigung resy. die sofortige ArbeitZnreder- legung aller von der Aussperrung noch nicht betroffenen Vrauerei- atbeiter herbeizuführen sei. Die Verhandlungen mit dem Doykott- verband der rheinisch-westfälischen Brauereien beginnen sofort. Es sollen keinerlei Konzessionerr gemacht werden.

Hamburg, 19. April. Hier sind jetzt ca. 10 000 Arbeiter in einer Lohnbewegung begriffen. Es handelt sich um die Trans­portarbeiter verschiedener Art, wie Schauerleute, Kutscher usw., Tischler und Holzarbeiter, Bäckergesellen, Gießereiarbeiter, Landschaf ts gärt ne r und Mar­morarbeiter. Im Streik befinden sich bisher nur die Land- ichaftsgärtner. In den anderen Llrbeitszweigen dauern die Unter­handlungen fort Das Bestreben zur Vermeidung von Streiks scheint ziemlich allseitig zu sein.

IVIVncAn bei Schnupstn und Erkältung behandelt lllillü li «lot'ei man erfolgreich nur mit dem nicht lo,cw SSen Myrrholinglycerin. bV

Nachbarstaaten. Die Renovierung der altehrwürdigen, im gothischen Stile erbauten Walpurgiskirche in Als* fe ld wird in diesem Jahre mit dem Neubau des DachwerkZ ihren Anfang nehmen. Der Voranschlag beläuft sich ein­schließlich des Steingesims und der Maurerarbeiten auf 15 000 Mk.

Recht einfach in der Verwendung ist

Rnorrs kafermeht, jede Oaketbülle trägt dis eingehend gehaltene Gebrauchsanweisung. Durch seins einfache Verwendungsweise hat sich Knorrs Hafermehl, überhaupt alle Knorrschen Fabrikate, in allen Schichten der Bevölkerung schnell und dauernd eingebürgert. Die Safermehlspeisen werden in kürzester ^eit unter entsprechendem Zusatz von Milch oder von Wasser fertiggestellt. Lin sehr angenehmer Vorteil ist diesUnsofern, weil man zu jeder Zeit rasch eine frische, appetitanregende Speise bereiten kann. Knorrs tzafermehl ist für jeden Haushalt ein Universalnährmitlel und mutz deshalb stets vorrätig gehalten werdens

Vvlillsche Tagesschau.

Tas Präsidium des Bundes der Kaufleute ximmt in einer an ben Reichskanzler gerichteten Eingabe gegen die behördliche Nnte rstützung der Konsumvereine Stellung. Unter Bezugnahme auf die Ausführungen des Staats­sekretärs des Jmwrn in der Reichstagssitzung vom 28. Februar ds. Js. schließt die Eingabe:

Der Herr Staats.ekretär hat den Grundgedanken der unbe­dingten Neutralität betont und hat cmsgeführt, daß nur in un­mittelbarem Zusammenhänge mit staatlichen Betrieben und unter besonderen Umständen ein Zurückweichen von solchem objektiven Verhalten der Regierung Platz greifen werde. Wir glauben dem­gegenüber hochgeneigter Erwägung ergebend anheim geben zu sollen, ob nicht im Hinblick auf unsere obenstehenden Darleg­ungen bezüglich der Konisumvereinssrage b:e Beteiligung der.öffent­lichen Funktionäre an derartigen Unternehmungen bereits in dem Grade verschärft fei, daß die Regienrng ihre passive Stellung­nahme in gewissem Sinne aufgeben sollte. Nachdem eine längere Reihe von Jahren hindilrÄ seitens der Regierungsstellen _eine Politik geübt worden ist, welche auf Förderung der Konsum­vereinsbewegung hinauskam, dürfte tne Proklamierung einer nun­mehr objektiven Behandlung der Angelegenheit von gewissen Beamteukreifeu auch heute noch falsch gedeutet werden. Uns will es erforderlich erscheinen, daß es regierungsseitig erkannt und unzweideutig anerkannt werde, daß der heutige tatsächlich^ Befund ein ungünstiger genannt werden muß und daß volUwirtschaftlich nachteilige Wirkungen von ihm ausgehen können. Zu unserer Freude und Genugtuung hat der bayerische Verkehrsminister Herr von Frauendorfer dieser Auffassung in einem besonderen, soeben veröffentlichten Erlosi" ^^i'chf^lls Ausdruck aeoeben.

W» . ._ II IHIII -----*^*""

Ausland.

Amsterdam, 19. April. Der niederländisch-deutsche Aus­schuß zur Aufhebung der Schwierigkeiten der gleichzeitigen An­wendung der niederländischen und d eutsch en U n f all- versicherungsgesetze wird am 26. April in Haag tagen. Die deutsche Negierung ernannte zu Delegierten Geh. Ober­regierungsrat Würmeling und Professor Laß vom Reichsversicher­ungsamt unb die niederländische Regierung den Direktor der Reicbsversicherungsbank Malcalester, Loup, und den Referendar im Ministerium des Auswärtigeri, Rochussen.

Bern, 19. April Dar Bundesrat bezeichnete als r schwei­zerische Delegierte für die am 8. Mai in Bem beginnende inter­nationale Arbeiterschutzkonferenz 10 Herren. Den Delegierten werden schweizerische Fabrikinspektoren als Sachver­ständige beigegeben.

Konstantinopel, 19. April. Nachrichten aus fernen /auten immer bedrohlicher. Wie verlautet, sollen die dortigen türkischen Truppen abgeschnitten und der Kommandant Mar- schallNizaPascha von den Rebellen gefangen genommen worden sein.

Am 15. April sanden in dem Wilajet U e s k u e b zwei Kämpfe mit Banden statt. Der erste _im Gebiet von Droma. nordwestlich von Bigla, im Bezirk Katschana, bei welchem 17 Kvmitatschis und ein Gendarm getötet wurden, der andere bei Ratavica, im Bezirk Kratova, bei welchem 6 Komitatschrs ge­tötet wurden, während zwei flüchteten.

Die aus Saloniki stammende Meldung über das Ereignis m Zagorizani ist unzutreffend. Die durch die Konsuln der Ententemächte, den italienischen Militäradjoint Oberstleuwant Al- bera und die italienischen Gendarmerieoffiziere Manera und Eastoldi geführte Untersuchung bewies, daß in Zagorizani kein Kampf zwischen einer griechischen und bulgarischen Bande oder mit bulgarischen Ortseiuwohnem stattfand, daß kein Dyuamit- Munitions-Depot in die Luft geflogen ist, sondern daß die gne- chische Bande Zagorizani überfiel, wie schon gemeldet, 60 Per­sonen, damnter 7 Frauen und Kinder tötete, zum Teil ent­setzlich verstümmelte, 7 Personen, darunter 3 Frauen und Kinder verwundete, ferner Plünd erungen verübte und die nach dem Aufstande vom Jahre 1903 errichteten Nottmter- fünfte an zündete und teilweise mit Dynamit zerstörte. Diese Greueltaten dauerten drei Stunden, weitere Gewalttaten wurden von einem herbeigeeilten Gendarmeriedetachement ver­hindert. Die Konsuln der Ententemächte unternehmen nach ihrer Rückkehr die entsprechenden Schritte beim Mali.

Washington, 19. April. Das Staatsdepartement ist davon ht Kenntnis gesetzt worden, daß gestern in Shanghai Ver­handlungen wegen eines neuen deutsch-chinesischen V e r t r a a e g einaeleitet worden sind.