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Freitag 15. Dezember 1Ö05
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Zweites Blutt
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Redaktion. Expedition n.Druckerei: Sdnifftt.1.
XcL Nr. 6L L«tegr.-Adr. r Anzeiger «Sieben,
155. Jahrgang
bdodnt »glich mit Ausnahme deS Sonntag«.
V- Sletzener ZamMenblötte^ werden dem .Irriger viermal wöchenUich beigelegt. Der ^eiSich« £ae6»U^ erfchetnl monaUich einmal.
*1 ts nicht reklamiert haben.
I Z riedberg, den 1. Dezember 1905.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu UnroerNlälSdruckerei. OL Lange, Gieß«.
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Kus dem Ilcichsiag.
R. Berlin, 11 Tez.
GB war vorauszufehen, daß die bewegliche Klage des • Qicf’i Posadowsky über die materialistische ::?l'Dc:n 3 a u ff a f f u n g und Genußsucht der be- 11 Ifc 11 b e n Klassen nicht ohne Wider spruch aus
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näheren AuSsührungSbestimmungen sollen in einem Reichsgesetz festgestellt werden; falls daß Gesetz nicht zustande kommt, oll der BundeSrat ste erlassen und dem Reichstage vorlegen. Geheimrat Seitz hält die Aufgabe, die der Antrag Erzberger 'telle, für sehr schwierig; die Regelung der Frage sei zugesagl und werd« recht bald erfolgen. Unterstaatssekretär Freie hebt ebenfalls die Schwierigkeiten, die in dem Antrag Erzberger liegen, hervor und bittet, die Vorlage nicht zu verzögern. Ledebour (Soz.) kommt auf seine Resolution zurück, die Korrespondenz mit Morenga vorzulegen. — LegationSrat Helfferich bittet, von der Resolution Ledebour abzusehen, und stellt die Proklamution TrothaS an die Hottentotten richtig; Trotha habe sich durchaus in den Grenzen deS Rechts und der Menschlichkeit gehalten. Oberst De im- ling geht auf die Verhandlungen mit Morenga ein und zeigt, wie er sich stets als Feind verhalten habe. Müller- Fulda (Ztr.) wünscht strengere Kontrolle in den Kolonien und stimmt dem Bahnbau zu, wie schwer ihm auch der Entschluß falle. — Müll er-Sagan (frs. Vp.) beantragt einen Gesetzentwurf, der bestimmt, daß der in den deutschen Schutzgebieten von der Reichsverwaltung zu gewährende Polizeischutz sich auf einen möglichst engen Bezirk beschränke. Erzberger zieht seinen Antrag zurück und ersetzt ihn durch eine Resolution, dahingehend, daß sämtliches Gelände für den Bahnbau und die Nebengebäude von den Eigentümern dem FiSkuS deS Schutzgebietes unentgeltlich zur Verfügung gestellt werde. Schließlich wird die Vorlage mit 22 gegen 4 sozialdemokratische Stimmen angenommen. Die Resolution Erzberger wird einstimmig, der Antrag Müller- Sagan mit 15 Stimmen angenommen.
Somit ist also die mit der Kriegslage in Südwestafrika begründete Eisenbahn von Lüderitzbucht nach Ku bub mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokratie bewilligt worden und sie wird zweifellos auch im Plenum bewilligt werden. _________________
O; richtsiaal.
0 Marburg, 14. Tez. Das Schöffengericht verurteilte einen Studenten, der. im Wiederholungsfälle eine Straßenlaterne zertrümmert hatte, zu 100 MarV Geldstrafe.
Beß.ällAädE .hl°.'nW°u^
Aüs StLöt anv KmrS.
Gießen, den 15. Dezember.
- Reichsfinanzreform. Die hiesige Handels- kämm er beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung eingehend
mit den neuen Reichssteuervorlagen. Bei der Beratung wurden lebhafte Bedenken gegen die neuen Steuerprojekte, insbesondere gegen die Tabak- und Brau- steuer. geäußert. Die Handelskammer beichloß, eine ausführliche Denkschrift zu den neuen Steuervorlagen an den Reichstag zu richten und darin ihre Bedenken gegen die drohenden Belastungen zum Ausdruck zu bringen.
— Die Gießener Kammermusikvereinigung, bestehend aus den Herren Franz Bauer (Violine), Musikdirektor Kra u ß e (Viola). Ernst Krauße (Cello), Julius Lahn (Klavier), hat am Mittwoch abend in Weilburg im Kasino einen ganz besonderen Erfolg gehabt, diirch Vortrag zweier Klavier-Quartette von Mozart und Beethoven, Solostücken für Cello und Klavier und eines Strcich-TrioS von Beethoven.
"Ausstellung von Handarbeiten. Wie alljährlich sindet auch in diesem Jahre in der HandarbeitS- i, nd Kunstschule v. Frl..Landm ann eine Ausstellung der Schülerarbciten statt. (Siehe Inserat). Die Ausstellung bietet eine Fülle schöner Handarbeiten auS allen Techniken und einige größere geschnitzte Möbelstücke sind besonders bemerkenswert.
Friedberg, 13. Dez. Hellte vormittag entstand in der Metzgergasse durch Fallen eines StrohsackeS an einen Ofen ein unbedeutender Zimmerbrand, der sofort gelöscht wlirde. Ein in dem betr. Zimmer ohne Aufsicht liegendes kleines Kind wäre beinahe erstickt, cS wurde bewußtlos aus dem Rauch getragen, kam aber unter der sachgemäßen Behandlung eines Mitgliedes der Sanitälsmann- schaft der Freiwilligen Feuerwehr bald wieder zu sich.
(Ob. An-.)
sd. Darmstadt, 15. Dez. (Eigener Drahtbericht.) Gestern fand im Jagdgebiet M itte lforst bei Althetm eine Hofjagd auf Fasanen statt. — Für den kommen» den Winter sind an H offe stli ch keit en vorgesehen für den 4. Januar ein Hofball im alten Palais und für den 18. Januar ein großes Kostümfest im Residcnzichloß. Für letzteres sind Kostüme auS dem 14. und 15. Jahrhundert vorgeschrieben und die Vorbereitungen sind bereits im vollen Gang. — Gestern abend fand eine von über 500 Studierenden besuchte Versamm lun g nicht inkorporierter Studenten statt, die teilweise recht stürmisch verlief. E- wurde die Bildung einer Wildenschaft beschlossen, mit dem Zweck, den Gemeinsinn unter den Studierenden pi fördern, die Rechte der Richtinkorporierten zu wahren und für die körperliche und geistige Fortbildung einzutreten bei voller Wahrrmg der persönlichen Freiheit. In dem vor- läusigen Statut wird jedwede Stellungnahme in politischen und konfessionellen Fragen ausgeschlossen. Die ReichsauS- länder sollen als völlig Gleichberechtigte ausgenommen werden, jedoch nicht in den Vorstand gewählt werden können. Zur weiteren Förderung der Angelegenheit wurde ein vorbereitender Ausschuß von 7 Personen mit Stud. Rühl als Vorsitzenden gewählt.
Lampertheim, 13. Dez. Eine Pro testvers amm- l u n g des kath. Männer- und Arbeitervereins fand im Kaiserhof statt, weil die Konfessionsschule in Hütten- feld beseitigt und durch eine Simultanschnle ersetzt werden sollte. Die Versammlung sprach sich entschieden für den Fortbestand der Konfessionsschule auS.
Ober-Ingelheim, 13. Dez. In der Spar und Darlehenskasse wurde ein Fehlbetrag von 2000 bis 3000 Mk. entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Mainz hat Untersuchung eingeleitct und den provisorischen Kassierer Jos. Huber wegen Verdachtes, beim Verkauf der Sparkarten Unterschleife begangen zu haben, verhaftet. (D. Ztg.)
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Hande? und Aerkelrr. Volkswirtschaft.
Ludwigshafener Walzmühle. Der durch bett Brand verursachte Gefamtschaden nrirb auf etwa 4 Mill. Marl zu fcfaiirn fein. 2 Mill, auf Gebäude und Einrichtungen imd 2 Mill. Mark auf Vorräte. Von ben Versicherungsanstalten entfällt die größte Quote auf die Magdeburger Versicl?erungA- gesellschafi. Tann sind noch inSaesamt 11 deutsche Versichev» ungsaesellsrxflen und 2 schweircrische beteiligt. Tic Aktien der Ludwigshafener Wal'wüblc sind gestern wieder noLiert worden und es stellte sich der Kurs auf 175 Prozent, d. i. 13 Prozent unter seinem letzten Stand. In einer Sitzung des AufsichtsratS wurde der sofortige Wiederaufbau der Mühle beschlossen und tnxir auf derselben Stelle, wo sie bisher stand. Eine teilweise Verlegung dcs Dctri.bcs nach Mannheim ist zwar, in Aussicht genommen, er ttrirb sieb aber nicht so leicht durchfuhren lassen, bi die bayrische BrandversicherungSkasse nur unter dieser Bedingung die Versicl>erunsSsumme auszahlt, daß auf der alten Stelle wieder gebaut wird, lieber die Art des Verkehrs. mit der Kundschaft werden noch Entschließungen zu fassen sein.
K ohlenpreiserhohung. Tie dauernd günsttge wh schäftigung bet Industrie, speziell der Eisenindustrie hat, eine lebhafte Nachfrage am oberschlefischen Kohlenmarkt im Gefolge. Einzig das milde Wetter macht es erklärlich, daß, sich gegent- wärtig die Hauptnachfrage nicht nach Hausbrand-, sondern Jn- dustrie kehle richtet. Dieser Umstand wird in fürs er, Zeit eine weitere Preiserhöhung für Jndustriekohle mit sich bringen.
Essen a. d. R., 14. Tci. In der gestrigen Vorstands'itzuna des Bergbaulichen Vereins ist Bergrat Kleine-Dortmund -um Dorsifenden und Direktor, Ving'l von der Gclsenkirchener Bergwerks-Mtien-Gesellsck-ast zum er en Stellvertreter gewählt :vofb-n. Kvmmerzicnr : Fi-nk-Essen behielt auf eigenen Wunsch^ die Stellung als -weiter Stellvertreter.
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Inadensarbeit", welches die ^ozialdemo f^tüe für sich in Anspruch nimmt, als ,,Schaum c-nreli" zu kennzeichnen. Der „Vorwärts", die „Münchener § r.* sfciin Volksztg.", Kautsfts schriftliche Ergüsse n,w- l- -*ci dem Reichskanzler eine Fülle von Material, um dar- z En, daß die deutsch? ^Sr a ldem o kr atre be s reb-t sei, überall im Ausland Mißtrauen c: ece n Deutschland zu erregen und bte Regier niüiiiw Berlin in den Verdacht zu br:ngen, als ü ikliämüänflr p^länen. Fürst K^low n°hm
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Berlin, 14. Dez. Der Kaiser begibt sich am Samstag nach Braunschweig.
__ Der ReickStagsabg. Krolik, der bekanntlich kürzlich auS der ZentrumSftaktion ausgcschieden ist, wird sein Reich s- tagS-Dlandat niederlegen.
— In der heutigen Sitzung des BundeSratS wurde beschlossen, den Ausschußbericht über den Vertrag mit der Schweiz vom 16. August 1905 über die Errichtung deutscher Zollabfertigungsstellen auf den linksrheinischen Bahn- Höfen tn Basel die Zustimmung zu erteilen. Die Vorlage betreffend die Ergänzung der Prüfungsvorschriften für Tierärzte wurde angenommen, ebenso der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. . .
__ Der „ReichSanz.* veröffentlicht eme Verfügung des Reichskanzlers vom 8. Juli 1905, betr. die Verträge mit Eingeborenen über unbewegliche Sachen im Schutzgebiet der Marschallinseln, wonach solches Recht lediglich dem FiSkuS zusteht.
Weimar, 11. Dez. In der heutigen Sitzung des Landtages wurde der Staatsvertrag mit Preußen über die Lotteriegemeinschaft debatteloS angenommen.
Ko bürg, 14. Dez. Die Gemahlin des Großfürsten Cyrill ist auS dem koburgischenFamilienverband nn9ge treten. ______
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IüogrttS, Uagn u kMpjohltt. Wh r einige eiunbtn lic. sucht. Nähere« jwW t>r Ronnslrage 30, i nchliges u. zuverla^
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Bekanntmachung.
< 5(1 r.: Feldbereinigung in der Gemarkung Inheiden.
In der Zeit von Montag, dem 18. 61» Mittwoch, Ibra 20. Dezember l. I. einschließlich liegen auf dem 48biikz'im>ner der Großh. Bürgermeisterei Inheiden zur O&jidit der Beteiligten offen:
1. die Entscheidungen deS Schiedsgerichts vom 23. Oft.
1905 über die Einwendungen gegen die Arbeiten des H. Abschnitts,
2. diejenigen BonilierungSkarten, in den durch schiedsgerichtliche Entscheidung eine Aenderung in der Boni- tienmg eingetreten ist.
I Die Offenlegung ersetzt die Zustellung der Entscheidung »i b t Reklamanten und an diejenigen von der Entscheidung 'Msss'-rnen Beteiligten, die gegen die Arbeiten deS II. Ab-
Ter Großherz gliche Fet bereinig rngskommissär: S p a m e r, Kreisamtmann.
Dektanutmachrmg.
i Bei den Posthilfstellen in Langd und Rodheim an kr Horloff sind Telearaphenanstalten mit öffentlicher Sprech- jvche ond Unfallmeldeftelle eröffnet worden.
Darmstadt, den 12. Dezember 1905.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Kabelt.
«lgro risch er Seite bleiben würde. Die Entfrem - i i n n g, die bn Lauft der Jahre zwischen dem Grafen ‘to’afcDlbfih) und den Ostelbiern, aus deren Kreisen er t^anirt, ein getreten ist, bringt es mit sich, daß die Groß- c< krndÄesitzer sich besonders getroffen filhten, 'Slnat?'st'krctär Veranlassung nimmt, den bürgert Parteien l : c; legtaic Gewissen zu chärscn. Ter erste Vizepräsident deS ‘■Rtic iitaqS, Abg. Graf Stolberg (Tonf.) belehrte heute > '«r. '•nafen Posadowskv btmlber, daß der preußische Frnanz- ' miiiilyr eine weit bessere Rede gehakten habe, daß in dem ' Ikcräertum ein gut Stück Idealismus stecke, und daß man rnlllkiirechtdcnGroßgrundbesitz.'meinenluxuriösenLebens- * Nüie ptt folou 9<u 11 ertcl nachsage. Wenn ein Agrarier in Berlin dem Ver- Bffltnaybl, fljnOjen nachgehe, daS Theater besuche und vielleicht mal (IC)(.niMgneT trinke, so heißt es gleich, er lebe in Saus und 9? tviie. Man vergesse aber, daß der Landedelmann draußen cnii |e:iner Scholle anspruchsloser lebe, wie nur irgend ein Uscher Bürger. Tas war ein Wort nach dem Herzen lstcn lirmservativen; sie donnerten ihre Beifallsrufe nur so imbtn Saal und blickten trutziglich zum Grafen Pojadowslo eneor. ES bleibt also dabei: die ostelbischen Grandseigneurs ßiitzii kummervoll beim Dünnbier unter ihren genickten («i lichdächern, um den Idealismus hochzulmlten, für den tinibm MMiern der Städte te n Platz mehr ist.
Zweiter Redner des Tages war der Abg. Bebel. Er Ixttt? raum angefangen, da rat sich die Tür zur Bundesrats- t -ry^ri1 auf, und herein trat feierlichen Schrittes Fürst iÄloir ES lag also offenbar tn seiner Absicht, nochmals rin Waffen gang mit dem Sozialistcnführer zu tun. Dieser ' 'W sich aber eine Rede zurcckftgelegt, die weniger an 's Adresse des Reichskanzlers sich richtete, als allgemein ;xfani)d) zugespitzte Betrachtungen enthielt, bei denen das Mtorische Geschick Bebels zur sprühenden Entfaltung Tarn, te die Zuversicht des GrMen Posadowsky, daß eine sitt- . Wiedergeburt des Bürgertums ben Sozialismus über- l*ben werde, hat Bebel lediglich spötttsches Achselzucken iwig. So könne nur ein Ideologe urteilen, der sich über > dk, Wolfsnatur der Kapitalisten Nasse" täusche. Der Klasse - ^besitzlosen ist natürlich die entgegengesetzte Natur eigem • Slfragt sich nur, wo man Bebel selbst einreihen soll. Er 1 flmle heute mit edlem Freimut ein, daß er zu ben Be- f 'Haben gehöre. Man wußte es, auch ehe der Führer der - te tarier den letzten bedeutenden Erb an fall erlitt, twxbem er bekanntlich nur einen verhältnismäßig kl e r n eu Siel betrag ben Besitzlosen überwies. Bebel halt f "4. a^o offenbar für den einzigen Kapitalisten mit erner Itei-reSnatur. Sehr spät erst bedachte Abg. Bebel ben stKanzler. Die Marokkofrage kam wreber aufs Bebel stellte fest, daß er mit seiner ersten Rerchs- tWrcde bem Vaterlande einen besseren Drenst erwiesen . l, als Fürst Bülow mit ber seinioen. Stürmische öeiter- JÜt Doch Bebel glaubte sich insofern im Recht, als er t K Urteil ber ftanzösischen Regierungspresse ms Feld ^-i »h-/ Ntzje. Die letztere hatte bekanntlich die Rede Bebels zur ■ 9 .^^01^ gelobt, die des Fürsten BlNow getadelt. RPStaBT' ' tfX'Äö errat auch nur mit einem Wort sein er Retch s t a gv- o hnt^' I begangen zu haben, bestreitet Bebel. In demselben
LaM 9 j^och wiederholte er die Erklärrmg, bre Zetten
' ^vorüber, in denen das Volk wte eine „Ham- ZdI|Ili ' rMh erde" in den Krieg geführt^ werd«! könne
■Tflill' !-’ -^Mer Beziehung sei die internationale ^o-mldemoktatie | SHIriif den letzten Mann einer Meinung. >vre erstrebe V d r el.ementaren Menschenrechte und werde sie erkämpfen,
r:.ü Wt bürgerlichen GesellsckM ober —. gegeni fte.
। ! I zLrst Viilow hielt seine Csrhnberung im Tone riihrgen n, ii fIhiiji’ I' e > -s. Es war ihm ein Leichtes, da-.^ «Monopol der
sich besonbers ben „Vorwärts" vor, und beffen ber „Fric- bensarbeitt' dienende Mblizistische tictfhingen charakterisierte er in wohlabgewogener Steigerung als ,.U n wahr he i t", „U n s i n n", ,^L ü g e", „blödsinnige Lüge". Dem Verfahren Bebels, Parallelen zu ziehen, folgte der Reichskanzler insofern, als er die deutschen Sozialdemokraten mit den ftanzösischen Jakobinern in Vergleich stellte. Beide hätten u. a. gemein, daß sie sich untereinander „sehr freund- schaftlich" behandelten. 2lber er warnte die deutschen Jakobiner, den französischen ben Bastillensturm naclizumachen. Ta könnte ihnen sehr übel bekommen. Ueberzeugt bürfte Fürst Bülow Herrn Bebel schwerlich haben, und deshalb war seine Rebe vom Stanbpimkt bcs Grafen Posadowsky „überflüssig. Aber sie war wohl in der Wirkung mehr auf das Ausland berechnet, und dort wird sie ben beabsichtigten Zweck vielleicht eher erreichen, als bte erste Rede des Kanzlers, die so stark „mißverstanden" wurde.
Der „Enthüllungsmann" des Zentrums, Abg. Erz- b er g er, entfaltete in später Stunde seine Kolonialmappe und brachte allerlei für die Regierung Verdrießliches zum Vortrag, worauf Staatssekretär Frhr. v. Richthofen entgegnete. Aber mindestens fünf spaltenlange Leitartikel herunterzusprechen, die er in ber „Köln. Volksztg." nicht mehr veröftentlichcn konnte, das war zu viel von dem unerntiibtirih'n Zentrumsmann, selbst wenn alles, was er sagt, in Wirlltcbkeit so ft st steht, „wie — ein Wort der heiligen 6d)ri|t" Derart kennzeichnete näm lich heute in bescheidener Selbst ein schätzun g dieses jüngste Mitglied des Reichstags den Wert seiner .Enthüllungen"...
Aie Kolonien vor der ZLudgetKommisston.
Berlin, 14. Dezember.
Die Budgetkommission befl Reichstages setzte die Beratung des zweiten NachtragS-Etata zum Etat der Schutzgebiete fort Es liegt ein Antrag ßrzberger vor. nach dem alle Land- und Bergwerksrechte von den Kolonial- gesellschatten verwirkt seien und an den FiSkuS die betreffenden Schutzgebiete ohne jede Gegenleistung zurückfallen sollen, soweit sie nicht bis zum 81. März 1919 auSgeübt sind. Die


