Freitag 15. Dezember 1905
155. Jahrgang
iHu. 295
«rsteS Blatt.
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kids Gießen
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Pie Heutige Dummer umfaßt 16 Keilen.
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eine Nede, in der er Loubet fein Mandat der beste Dienst, den daß er selbst einen folger bezeichnete.
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H., Berlin W.8.
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Blicke auf FalliereS.
Newyork, 14. Dez. Nach einer Meldung des .Nerv- Hark Herald* drang die Mannschaft des .Panther^ in 5teinboff5 Hotel, erbrach die Koffer und versuchte, das ganze Hotel zu durchsuchen. Der Kommandeur deS .Panther^ versäumte c5 auch, in Parahgba und Parana den dortigen Spitzen der Behörden Gegenbesuche zu machen. (?)
jährlich Mk. 2.20; durch A jlbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pi; durch । dicPost Pik.2.— viertel-
fährl. auöschl. Beslellg. Annahme von Anzeige» !ür die TageSuu'nmer bis vormittags 10 Uhr, Zeilenvrerü: iokal lLPf^ auswärts 20 Plg.
Derantwortlich tüt den polit. und QÜflein. Teil: P. Witt ko; hüt „Stabt und Land* und .®cnd)t-1aale; Ernst peb; für deir Anzeigenteil: HanS Beck.
sein Bedauern aussprach, daß Prästdent nicht erneuern wolle. Er fügte hinzu, der Prästdent noch leisten könnte, wäre, würdigen und ihm ähnlichen Nach- Bei diesen Worten richteten sich aller
eingetreten. Am Anfang betonte der freis. Abg. Günther, daß auch die Freisinnigen die Demonstrationen verurteilen.
Die Mitglieder der konservativen und der nationalliberalen Fraktion gaben folgende Erklärung ab:
Wenn auch auSeinandergehend in ihren Anschauungen über die Aenderung deS bestehenden Wahlrechts und über die Art und Weise der Regelung desselben, so sind doch die Mitglieder der fonfervativen und nationalliberalen Fraktion einig in dem Bestreben, ein Wahlrecht zu schassen, das den Interessen der Bevölkerung und deS Landes entspricht. Eie erklären, daß Ctrastendemonstrationen, wie überhaupt Anwendung von Gewalt, mir die Gefahr mit sich bringt, die Wahlrechlsre orm zu erschweren und ihr Hindernisse zu bereiten. Sie bezweifeln auch nicht, daß die Regierung allen Versuchen zur Storung des öffentlichen Friedens mit Entschiedenheit entgegentreten und mit allen gesetzlichen Mitteln für Aufrechterhaltung der Ordnung und für die friedliche Arbeit eintreten wird. Bei dieser prinzipiellen Stellung und mit Rücksicht auf die eingehende Behandlung, welche die WahlrechtSsrage beim Etat deS Ministeriums deS Innern nm Dienstag erfuhr, lehnen die Mitglieder beider Parteien eine wettere Beteiligung der Betöre chunq derAiiaeleqenheit ob.
*2hid?aitb.
Paris, 14. Dez. Gestern abend fand ein Bankett der republ. Vereinigung statt. Der Abg. Barthou hielt
Dcis französisch- Hclbbuch üver Marokko
pitrd" am 14. d. M. in der Pariser Kammer verteilt. ES ent- s!lt brrt Auszuge des offiziösen „W. T B." zufolge, 368 Sckrift- ■ fctf* die vom 3. März 1901 bis zum 4. Dezember 1905 reichen.
fit beben hier nur die bemerdmstverteren heraus.
Unter dem 26. Juni 1905 schreibt Rpu "tzürdige den Wunsch des Rcick>skanzlers V
■örbiige den Wunsch des Reick^kmzlers Bülow, jede Reib- 1M zu beseitigen, imb fügt dann hinzu: „Wir hätten ni nickl zu einer Zusammenkunft begeben können, die die M : r mit sich brächte, darauf hinauszulaufen, daß die Würde itt Frankre-ch gestellt werde." Ein Schreiben Rouviers ki! üihourd vom 19. Juli erinnert daran, daß Fürst Bülow die icherung gegeben habe, die Abkommen Frankreichs mit Eng- Intb und Spanien seien aus dem Spiele gelassen. Das Gelb- ti5 gibt d-nn die Erklärung Rmwiers in der Kvinmersitzung Mm 10. Juli wieder, in der er die mit dem Fürsten Radolin kjtq. ich der Annah-w der Konferenz ausgetauschten Sckwift- fürf- unb die Erklärungen der beiden Regierungen mitteilt. Im 1L Augtist stellte Rvuvier dem Fürsten Radolin das Pro^ > ffirrm b?r Konferenz zu. Das Stelbbuch enthält dann mehrere icf mente über Schritte deS Grafen Dattenbach hinsichtlich der
Ausienelcnd.
Tie Bewegung der Revolution hat sich jetzt nach beit russischen Westgrenzen gezogen und damit nach ben beut* scheu Ostgrenzen, wodurch, wie das Beispiel in Ober- schlesien zeigt, wieder leicht Störungen in .Handel und Verkehr hervorgerufen werden können. Ta dies nun aber doch nicht so weitergehen kann, so wird sich die Börse aus! ihrer Abhängigkeit von Rußland auf die eine oder andere Weise Herausreitzen müssen. Allerdings, auf welche Weise, das vermögen wir nicht anzugeben. Wie wenig auch noch auf die Finanzkraft Rußlands gebaut werden darf, entgegengesetzten Behauptungen zum Trotz, geht daraus hervor, daß die russische Regierung mit der Absicht umgehen foHV für die Erneuerung ihrer Schatzwechsel auf 2—5 Jahre die Verpfändung des Branntweinmonopols anzubieten. Wir möchten aber darauf aufmerksam mack)en, daß dies vorläufig noch ein Gerücht ist, dessen Bestätigung hoffentlich ausbleibt. Dazu komtnen noch eine Menge Gerückte von Fallissements. In Warschau liegt die Ge- sckäftslust ganz und gar darnieder. Wenn auch diese Nn- glücksbotschaften noch nicht sehr stark wieder auf die Russen- werte gedrückt haben, so haben russische Staatsan leihen von 1905 doch wieder Vs Prozent verloren und stehen 87,50, Russische konsolidierte von 1880 gingen 0,90 Proz. zurück, die 1902er Anleihe 0,70 Proz., die Goldanleihe von 1894 1,30 Proz.
Tas Bankhaus Alwang in Petersburg ist mit 125 000 Rubel Passiven insolvent. Neue Zusammenbrüche kleinerer Firmen, welche große in Mitleidenschaft ziehen, werden befürchtet. Tie Moskauer Handelswelt klagt über kritischen Geldmangel. Ter Arbeiterdeputiertenrat hat sich mit dem Bauernverband vereinigt und fordert in einem bevorstehenden Manifest im Hinblick auf oen Staatsbankerott das Zurückziehen aller Depots, sowie die Einstellung der Steuerzahlung, und teilt dem Ausland mit, daß alle Anleihen der jetzigen Regierung nach dem, 23. November für ungiltig erklärt werden.
AuS Petersburg wird über London (!) gemeldet, daß dev bekannte reaktionäre Politiker Graf Jgnatiew verhaftet worden sei auf Veranlassung des Grafen Witte. Es heißt, daß diercaktionärePartei eine Verschwörung ins Leben gerufen habe, um den Zaren zu ent* thronen und eine Diktatur unter Leitung eines reaktionär gesinnten Großfürsten zu errichten.
Ter Ministerrat beendete nach offiziöser Drahtung am 13. d. M. die Beratungen über das Gesetz betr. die Arbeitervereine. Diese Vereine können fortan nur noch nach einem gesetzlichen Verfahren, also nicht wie bisher auf administrativem Wege durch den Minister, die Gouverneure, Polizei usw. aufgelöst oder geschlossen werden. Tas ^setz hat zunächst provisorischen Charakter und wird nächste Woche zur Veröffentlichung, zugleich mit dem allgemeinen Gesetz über das Vereinsrecht, gelangen.
Der Reichsrat hat bei Durchsicht des Budgets der Bergdepartements einen Fehlbetrag von 2Vs Millionen Rubel entdeckt, für welchen der Bergingenieur Ehwosch-, tschinski, der frühere Direktor der Mineralquellen im Kau- kasus verantwortlich gemacht wird. Chwoschtschinski ist jetzt Mitglied des Minister ton seils. Ter Reichsrat hat den Finanzmmister Sckipow mtr der llnters.rchung beauftragt.
Ter Hcrausg^b.'r der „Birschewja Wjedomosti", Proper, kündigt in seinem Blatte an, daß dieses in ein großes politisches Organ unter dem Namen „F r eie s B o l t" und unter der Redaktion des Professors Milju-
ifhet Sonntags.
! tü i (Btenen er A nötiget irrC-n im Wechsel mit i Hessischen Landwirt Gießener Familien- 'lliltir viermal in der L oche beigelegt.
starionsdruck u. Ver- j 6ier Brüh l'schen
o--rs."Buch-u.Stem- Ittferei. R. Lange. |ia?non, ErvedUio« urb Druckerei:
l<pul st ratze 7.
ü daktion 113 knlogu.Erped.e^Söl lirelie für Depeschen: litgciflcr Gietzen.
GieKener Ameiger
General-Anzeiger "
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’reislagen.
Westens» ' Rester : 3.4.5,6,7,86 n Preisen.
jen. ffton für die öafmarbeiten in Tanger und hinsichtlich brr Inl 'Ticücrbanbfamen, ferner zahlreickx Schriftstücke über die An- jt'trnhcit des Vumnau el Miliani. Telcassö berichtet, daß xikl Radolin ihn über die tags zuvor erngetrosfene marvkka< »iiie Botschaft und bnt wahrick-einlicken Zweck befragt habe Jrfr'ifö erwiderte, er fiatr die Mitglied'r der Botschaft noch nickt {iklum, und eS sei deslstlb schwer, Auskunft zu geben. Fürst
b>' in mackte sodann auf die Zeitungsartikel aufmerksam, in Itmn von einem Protektorat Frankreichs ü bcrMa- tof !io die Rede war. Telcasss erwiderte, wemi man unter hm Worte „Protektorat" verstehe, daß Frankreich, ber~&err ‘km f'grrien und T"nis, in Marokko eine ganz besondere Situa- *' ' >cü-■? und beiv-'frrrn wolle, so sckreine ihm diese offenkundig u liegen. Fürst Radolin habe darmif geantwortet: „Jeder- ist sich über diese Situation klar." Unter den. 27. Mär?, macht Tolcassö dem Botschafter Bibourd Mitteilung von Unterredung, die er mit txrm Botschafter Radolin gehabt und in der er diesem versichert habe, daß Frankreich ihreii' abziele, in Marokko den Status auo aufreayt zu er- r. alwr ibn zu verbessern. Am 21. April 1904 meldet Bot- Bihourd, da st Kaiser Wilhelm bestrebt sei, eine «e!f irr c r e und kühnere Marokkopolitik zu treiben. *?■!.- fe gibt am 6. Oktober den Mächten den Al'schlust des ffr , ösisch-spanischen Ab kommens bekannt. Bihourd tt-r?’ ?rt dem Staatssekr-stär Frei Herrn v. Richtbosen, daß dieses 81,' .men in keiner Weise die deutschen Interessen b.rt' b .5 franwfifrfx Abkommen zugesftmdenen Garantim ab- Ifiub c r e. Infolge der Erklärung d s b?utfd)cn Reichskanzlers, •n ‘ ' ic nichts von dem ftauiös.-englisck>en und dem französ.- i*t n f: en Abkommen, betonte Bihourd dem Fürsten Bülow gegen- Mt^ie Aufrichtigkeit und Offenheit der Ha l tu n g Frankreichs. Tie folgenden Mtenstücke behandeln die Land" um uX‘5 deutschen Kaisers in Tanger, dessen dem 2': ■; üb> rsandten Erklärungen bezüglich eines frei dem Wett- Bttr'.oe aller Nationen geöffneten MaroI7o§ und den beutfdx-n L i auf Einberr-fung einer internationalen Kvnferenz. Br- ffr.ia berickftet am 28. April über die kriegerischeHaltung 2'i schlands unh die Notmendigkeit, mit ihm zu verhandeln. Sb k. Juni teilte Ministerpräsident Rouvicr den ftanzösckckeu Difviftem eine Note der deutschen Regiening mit, die den Man s i solckcn Raufer en-, unterstützt. Am 11. Juni berichtet Ron^ u einem Schreiben an den Botschafter Bibourd über eine tiwr-ebung mit dem Botschafter Fürsten Nadolm über die Htnüfan. Angelegenheiten. Fürst Radolin habe erklärt, daß T 'Ücnb dem Sultan versprochen habe, seme Un- <n^.i ng igTeit aufrecht zu erhalten und die Ncwrmcii Illi Drin Wege einer stvuferenz zu regeln:, wenn nickst, werde es fr >’tn Status quo bleiben müssen. Fürst Radolin habe hinzu- r ■ I. es stehe bei ihm zu enEiden, ob man wegen i!w Form frage Gefahr laufen solle, die Beziehungen izri sich e n Frankreich und T e u t s ck l a n d nickt zu v e r» 5'i rrn. Darauf habe er Rouvier erwidert, er habe stets ®er. bist er dem Gkb.inTfn einer Konferenz nicht zuneige,. Tie «^.''"orochene Erwägung habe seine Anftanung nickt geändert. ’ oem Falle würde eine vorgängige Vereinbarung notig fein, rop könne aber befürchten, daß eine Kwnferenz, bte nih zum Ziele führe, eine schlechtere Lage als frh schaffe. Fürst Radolin wiederholte, wenn bic fi-onferen0 Tiit i’yattfärtbc, so müsse Frankreich wissen, daß Deutschland hinter sieben würde. Eine Note Nadolius an Rouvier vom
VI3 uni besagt, ehe man über das Programm der K-onferenz k'te. müsse Frankreich die Einladmig zur Kvnferenz formlick ain-jmmen haben. Er setzt hierauf die Ansickiten -Deutschlands $>ie Reformen auseinander. Eine Noie Nouviers an Nai^- Brom 21. Juni hält dessen frühere Ansichten über bie Kon- Ifcr, aufteckt, weist b:c Konferenz jedoch nickst entichrcden z-umck, i«'cn nmnsckst nur das Programm zu wißen.
Qer Botschafter in Berlin Vihrmrd schreibt am 23. ^uni Mo.ivier, Fürst Bülow habe im knappen und en er g i s ck>en , tti:cn gesagt, daß die vorige Note fur Teupchland eme Ueber- Eimg und Gnttäufcl)u n g fei und daß er xfr
Mtiiingen nicht a c c ept i er en könne. Dihonrd fügt fru^u. Ä :babc Bülow sehr h'flieh gefundest, aber er legt den Nach- hti auf die Notwendigkeit, diese s c h r s ch l i mm e a ch e O sich hmziehen zu lassen und sich nicht auf dem Wc^e am «bte des Abgrundes auf'ubalten. Bülow betonte misgwblg «Wunsch nach Wiederherstellung guter Be- Alnngen mit Frankreich. Die KMiftren; wurde zu
Ziele führen. Biho'lrd schrieb: ^,Tie Dringlichkeit, mit Ud.'r^ Reicks! nzler Bülow die baldige Lösung cniempfahl, «*e lebhaft Eindruck. Sie ist da^l angetan, c rn stlich eil n- Ke-N zu erwecken und die Eiitscheidung Ew. Exzellenz zu bett' flien Digegen versickerte er mir, wenn mir die Konferenz Ufr'n en, Wirde die deutsche Diplomatie bei den sVäterenDer- 1 tavirngm eine Haltung einnehmen, mit t^r Nnr Grund hrden zuftieden zu sein - .Der Botschafter Bibourd sckneib^ 13*T dem 25. Juni an Rouvier, daß der Reick'sfanzler noch- i IK.- irnklärt habe, die Konferenz beabsichtige nickt , der deut- | Mn Diplomatie eine ©enugtuung bet ©igcnlieoe ; ut- rrebafien, noch die Würde einer großen Nation zu sckmalem, | Octm einfach und allein aus der ^age herauszukommen. ' N'rn b'b? bimugefügt, man müsse eine Organisation in Ma- i rf: ckurch die Mithilfe der Mächte anstreben. Wenn der Deriuck i nÜMcke, werde Frankreich die Rolle, die es wünsche, ubci> I atm können. Bülow habe feierlich erklärt, daß
weder der Kaiser noch er selbst dazu ihre Zustimmung geben werden, daß auch nur diegering st e Erniedrigung Fran kreichS auf der Konferenz zugedackt werde, aber er tl'ibe sich entschieden geweigert, bereits jetzt Einzelheiten des Programms fesstrusetzen. Unter dem 26. Juli 1905 schreibt Rouvier an Bihourd, er würdige den Wunsch deS Reichskanzlers Erasen Bülow, rede Reibung ^u beseitigen, und er fügt bann hinzu, wir hätten unS nickst zu einer Zusammenkunft begeben können, die die Gefahr mit sich brächte, daraus hinaus-- uiioiifcn, daß die Würde Frankrcick?s in Frage gestellt werde. Ein Schreiben Rouviers an Bihourd vom 9. Juli erinnert daran, daß Fürs! Radolin die Bersicheriing gegeben habe, die Mkommen Frankreichs mit England und Spanien seien aus dem L-piel gelassen. .
Das Gelbbuch gibt bann die Erklärung Rouviers m der Kammersitzung vom 10. Juli wieder, in der er die mit dem Fürsten Radolin bezüglich der Annahme der Kvnftrenz au£- getauschten Schriftstücke und die Erklärungen der beiden Regierungen mittrilte. Am L August stellte Rouvier dem F-ürsten Rado (in bad Programm ber Konferenz zu. Am 30. August beantwortete Rouvier in einem Schreiben an Radolin die Bemerkungen Teulschlands über das von der ftanzösisehen Regierung voo- aesckstagene Programm der Konferenz. In diesem Schreiben drück! Rouvier die Arrsicht aus, daß die Polizei und die Neberwachung des WasienscknnuggelS an der ftanzös. marokkanischen Grenze eine ausschließlich zwischen Frmikreich und Marokko zu erledigende Angelegenheit bleiben mußte. Die Einigung sei dem Vorbehalt der besonderen bezügNe^m Rechte Frankreichs untergeordnet. Am 1. Sevtember erhält Bilwurd von Roilvi-nt den Auftrag, Bülow gegenüber den guten Willen Frankreichs hervorzuheben. Rouvier konstatiert indessen die S chw i e r i g ke i t e n , die von Teutsckstand behauptete einfadje Sorge für die Walinmg seiner Interessen mit den Sondervorteilen in Einllang zu bringen, welche Tattenbach zu erhalten suche. Ein Bericht Bihourds an Rouvier vom 4. September kündigt au, daß Rosen nach Pans gesandt werde, um ein sckm lleres Einverständnis herbeizuführen.
Das Yielbbuch enthält hierauf die vorläufigen und entgilt i g f n Vereinbarungen zwischen Frankreich und DeuNchland, und schließlich die letzten Dokumente betreffen die Ännahme des Programms, Ortes und Zeitpitnktes der Konferenz durch Marokko sowie die Angelegenheiten der Gefangennahme zweier brit. Offiziere und die Regelung der Frage über die Mole in Tanger.
Zweierlei fällt besonders auf. Erstens die von deutscher Seite wiederholt abo,eg.b.-ne Erklärung: daß Deutschland dem Sultan von Marokko versprochen habe, seine, des Sultans, Unabhängigkeit zu wal r-'n, und daß Deutschland, falls die Marok7okonfercnz nickt zustande komme, hinter Marokko stehen tvürbc. Zweitens die Depesche des französischen Botschafters in Berlin vom 28. April d. I-, worin die Rede ist von der kriegerischen Haltung Deutschlands. Nach Privatmeldungcn heißt es in dieser Depesche, was der obige offiziöse Auszug merkwürdigerweise verschweigt: Es fehle in der Umgebung des Souveräns nicht an kriegslustigen Ratgebern: sic hätten, bei den Niederlagen Rußlands in der Mandschurei, leichtes Spiel, die gegenwärtige Stunde als günstig für einen Feldzug gegen Frankreich zu schildern.
Es erscheint doch sehr wünschenswert, daß ein deutsches Weißbuch über Marokko dem Reichstag zugeht. Term es bedarf vor allem der Aufklärung, ob sich das deutsche Reich tatsächlich derirt für die Unabhängigkeit, des Maghzen engagiert haben sol., daß die Antastung dieser Unabhängigkeit den Krieg auf des Messers Schneide brachte. Ebenso wird die Behauptung »cm den „kriegslustigen Ratgebern" nicht unwidersprochcn bleiben können. Im ganzen gewinnt man den Eindruck, daß hier eine an sich ziemlich einfache Sache durch sehr viel „Staatskunst" hüben wie drüben kompliziert geworden ist.
Tas Pariser Blatt „Temps" sagt: Nach Durchsicht des Gelbbuches und der zahlreich darin enthaltenen Dokumente geht hervor, daß Frankreich fortwährend allen Mächten gegenüber eine sehr loyale Haltung eingenommen habe und Deutschland gegenüber ganz besonders korrekt vorgegangen sei. Tas Scliriftstücc vom 27. März 1904, worin TelcassS dem französischen Botschafter in Berlin den Inhalt seiner Unterredung mit Radolin bekannt gibt, betvcise, daß die Behauptung Deutschlands, über die Unterhandlungen Frankreichs mit England nicht benachrichtigt worden zu sein, unrichtig ist.
Ire Wahlrechlskämpfe vor d.m jachsijcheu
Dresden, 14. Dez. In der Zweiten Kammer kam heute die sozialdemokratische Interpellation betr. die Straßendemonstrationen gegen das bestehende Wahlrecht in Dresden und Chemnitz zur Verhandlung. Nach Bcaründung der Interpellation durch den Abg. Goldstein (Soz.) erklärte Staatsminister von Metzsch, die Negierung bedauere das polizeiliche Einschreiten, aber die Polizeibehörde hätte aus keinen Fall das HinauStragen von WahlrechtSkundgebungen auf die Straße dulden dürfen und die Regierung hat die zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergriffenen Polizei» maßnahmen durchaus gutgeheißen; sie wird alle Mittel zur Anwendung bringen, um einer Wiederholung derartiger Gesetzwidrigkeiten zu begegnen. (Bravo. Lachen. Unruhe auf den Tribünen.) In Bezug auf die Frage der Wahlrechts, änderung steht die Regierung noch auf dem schon wieder- holt gekennzeichneten Standpunkt, daß hier eine Aenderung notwendig erscheint. Sie wird auch noch einmal die Initiative ergreifen, sobald sie einen geeigneten Weg gefunden zu haben glaubt. Der Minister schließt: Die Regierung und die sonst an der Gesetzgebung beteiligten Faktoren können sich nie und nimmer die Aenderung eines zu Recht bestehenden Gesetzes durch Androhung von Gewaltmaßregcln abringen lassen.
Es wurde hierauf in die Beratung der Interpellation
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