Ausgabe 
23.8.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 197

155. Jahrgang

Erstes Blatt.

Mittwoch 23. August 1905

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck ». Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u.Slein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Spedition und Druckerei:

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger &

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich75Ps.,viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps^ auswärts 20 Psg.

Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wittko' für Stadt und Land" und Gerichtssaal": August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Z)ie tkutifle Kummer umfaßt 8 Seiten.

Bekanntmachung.

Betr.: Errichtung eines kontinuierlichen Trockenofens, Kessel-, Maschinen- und Pressenhauses durch A. Gabriel jr. zu Gießen.

August Gabriel jr., Lahnkalk- und Marmor-In­dustrie, in Heuchelheim beabsichtigt auf den Grundstücken Flur IV Nr. 437, 438, 439 der Gemarkung Heuchelheim einen kontinuierlichen Trockenofen, sowie ein Kessel-, Ma­schinen- und Pressenhaus zur Anfertigung von Ziegelsteinen zu errichten. Es wird dies unter dem Anfügen zur öffent­lichen Kenntnis gebracht, daß etwaige Einwendungen gegen die geplante Anlage binnen 14 Tagen bei uns anzubringen sind. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem gewerbepolizeilichen Genehmigungsverfahren nicht mehr an­gebracht werden. Die einschlägigen Beschreibungen, Zeich- nungen und Pläne liegen bei uns zur Einsicht während der Geschäftsstunden auS. 4380

Gießen, den 22. August 1905.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Kranzbühler.

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Aie Ilriedensuntet Handlungen.

Portsmouth (New Hampshire), 21. Aug. (Ne»,ter.) Beide Parteien haben Protokolle vorbereitet, die in der morgigen Konferenz vorgelegt werden sollen. Folgendes ist eine Uebersicht über die in diesen Protokollen enthaltenen Behauptungen betreffend die von den Russen abgelehnten Artikel. Bezüglich deS 5. Artikels behaupten die Japa ner, daß ihr Anspruch auf den Besitz von Sachalin sowohl auf Grund der nationalen Rechte, als auch deshalb völlig ge­rechtfertigt sei, »veil die Insel von einer japanischer» Streit­macht schon besetzt sei. Die Russe»» behaupten im Gegen­teil, vor 1850 hätten . die Japaner keinen Anspruch auf Sachalin gemacht; sie hätten nie die Insel kolonisieren können, und schließlich sei die russische Souveränität durch die Ver­träge von 1875 definitiv anerkannt worden. In dem 9. Artikel verlangen die Japaner die Rückerstattung der Krieg 8- k ost en. Dr» Japan auf Grund der russischen Angriffe und seiner Selbsterhaltung wegen gezwungen worden sei, die Waffen zu ergreifen, und die Japaner überall siegreich ge­wesen seien, so sei Japan berechtigt, eine Entschädigung zu verlangen. Rußland bestreitet, daß die Lage Japans eine solche sei, daß es auf dieser Bedingung bestehen müsse. Ruß­land erkennt nicht an, daß e§ überwunden sei, und behauptet, Japan habe auf eine Entschädigung keinen Anspruch, weil die japanischen Truppen kein russisches Gebiet besetzt hätten. Ein solches Verlangen sei beispiellos. Rußland habe nie­manden eine Entschädigung der Kriegskosten gezahlt, auch nicht, als Napoleon Moskau besetzt hatte. Betreffend den 10. Artikel erklären die Russen, daß das Verlangen nach Uebergabe der internierten Kriegsschiffe den völker­rechtlichen Prinzipien widerspreche. Die Japaner behaupten das Gegenteil und erklären, eine Einschränkung der russischen Seekriegsmacht in» fernen Osten sei un­bedingt unentbehrlich im Interesse der Erhaltung deS dauernde»» Friedens. Rußland lehnt diesen Artikel gänzlich ab, fügt aber hinzu, es sei bereit zu der Erklärung, daß es keines­wegs Japans Seemacht im fernen Osten zu bedrohen be­absichtige.

N e w h a v e n, 22. Aug. Das einheitliche Betonen der russischen Delegierten, Rußland könne keine weite­ren Konzessionen machen, stimmt das Milieu pessi­mistisch. Witte äußerte, so wird derFr. Ztg." geschrieben, heute seine Furcht, Roosevelts Intervention tverde vergeb­lich sein.

Portsmouth (New-Hampshire), 22. Aug.. Dte auf heute nachmittag anberaumte Sitzung der Friedens­konferenz ist auf morgen früh 9 Uhr 30 Min. ver­schoben worden. Als Grund wird angegeben, daß die Protokolle durch die Sekretäre noch nicht fertig- ae stellt sind. t .

Portsmoth, 22. Aug. (Reuter.) Es herßt, daß der Grund der Verschiebung der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz der sei, daß Witte noch endgiltige In­struktionen von Petersburg erwarte. Es sind starke An­zeichen dafür vorhanden, daß die Japaner morgen nrit- teilen werden, daß sie bereit sind, die Artikel 10und 11 fallen zu lassen, aber man glaubt nicht,daß sie von ihrer Stellungnahme bezüglich der Artikel 5 und, 9 abgehen werden.

AuS Rußland.

Petersburg, 22. Aug. Die Polizei verhaftete gestern den Staatsrat und Beamten im Auswärtigen Amte Ewald, welcher angeklagt wird, nn revolutio­nären Umtrieben beteiligt gewesen zu sei»». AuS dem gleichen Grunde wurde gestern Professor Milakow und seine Frau verhaftet.

Petersburg, 22. Aug. Unter den Kosaken macht sich infolge ihrer Heranziehung zum Polizeidienst eine steigende Mißstimmung geltend. Die Neu­mobilisierung von sechs Regimenter»» war nur möglich, nach­dem man den Leuten die Versicherung gegeben hatte, daß sie zu dem in ihren Augen entwürdigenden Polizeidienst nicht herangezogen würden.

Zum Krieg zwischen Japan und Rußland

wird derFrks. Ztg." aus Berlin gemeldet:

Mandschurische Kaufleute weilen zurzeit in größerer Zahl in Berlin, um Charbin und andere Miettelpunkt des russischen Heerlagers für die Win ter- ze it mit Waren zu versehe»». Die Wahrscheinlichkeit des bevorstehenden Friedensschlusses ziehen sie bei ihren Geschäften nicht in Rechnung, da es selbst im günstigsten Falle noch Monate lang dauern dürfte, bis der größte Teil des russischen Militärs die Mandschure» verlasse»» haben wird. Die Einkäufer, nicht ungebildete Leute, die russisch und französisch sprechen, besuchen in Begleitung hiesiger Agenten die größten Firmen der verschiedenste»» Branchen. Sie kaufen hauptsächlich Woll- und Trikotwaren, Tuchstoffe, Wäsche, aber auch Handschuhe, Posamenteriewaren, feinere Liköre und Konserven. Selbst für billige Galanteriewaren, Ein- und Dreimarkartikel, scheinen sie in Charbin 53e»> wend»ing zn haben.

Die Trennung Schwedens und Norwegens.

Christiania, 22. Aug. Das Stört hing hielt heute üormittag eine geheime Sitzung ab, um die Vor­lage der Regierung betreffend Einleitung der Verhandlungen mit Schweden zu beraten. Die Regierungsvorlage wurde mit 104 gegen 11 Stimmen angenommen. Die Regierung wird hierdurch ermächtigt, Schweden das Ergebnis der Volks­abstimmung mitzuteilen.

Stockholm, 22. Aug. Infolge bc5 den Anforde­rungen des schwedischen Reichstages entgegenkommenden Be­schlußes des Storthings hinsichtlich der Auflösung der Union werden voraussichtlich die Verhandlungen, welche in» schwedischen Programm als Vorbedingung für die Auf­lösung der Union aufgestellt sind, jetzt unverzüglich stattfinden.

Erlaß für Polen.

Eine geheime Verfügung hat nach demDziennik Poznanski", wie wir in derF. Z." lesen, der Re­gierungspräsident von Posen an alle Landräte seines Bezirks erlaßen: sie lautet:

Bei Gelegenheit des ersten Generalkongreßes der polnischen marianischen Kongregationen, welcher Ende September v. Js. in Senil)erfl stattgewnden hat, ergab sich, daß man diese nicht lediglich für rein religiöse und kirchliche oder humanen Zwecken dienende Gesellschaften halten kann, sondern vielmehr für solche, deren die Polen in außergewöhnlichem Maße zu nationalen Zwecken sich bedienen. Unter dem religiösen Mantel solle»» sie dazu dienen, das ganze polnische Volk in allen drei Kaiserreichen unter einer Fahne, und zwar der heiligen Maria, der gekrönten Königin unb Patronin Polens, zu vereinigen und zur Wiedergeburt des ehemaligen polnische»» Reichs vorzubereilen. Unter anderem wurde der nachstehende wichtige Beschluß gefaßt:Ter polnische marianische Kongreß stellt die lobenswerte Tätigkeit der marianischen Kongregationen in den höheren Gesellschaftskreisen fest und hält es für unbedingt not­wendig, die Kongregationen zwecks Förderung der katholischen Sache in den Lehrer- und Schulerkreisen zu gründen, zu erhalten u»»d zu entwickeln." Ich halte es für notwendig, den polnischen marianischen Kongregationen und ihrer weiteren Entwickelung fortan mehr Beachtung zu schenken, nnd ersuche Ew. Wohlgeboren, demgemäß zu handeln und mir binnen zwei Monaten die Zahl der im dortigen Kreise vorhandenen Kongregationen zu melden und über ihre bisherige Tätigkeit zu berichten.

Der Inhalt dieses Erlaßes würde, wenn er den Tat­sachen entspräche, nicht Befremdendes haben; im Gegenteil, derartige Informationen müßten, um Machinationen recgt» zeitig entgegentreten zu können, nach Möglichkeit stattfinden.

Deutsches Reich.

Berkin, 22. Aug. (W. B.) Der nach Deutschostafrika bestinrmte KreuzerSeeadler" geht heute von Pap nach Singapore ab. Der KreuzerThetis", der gleichfalls nach Deutschostafrika bestimmt ist, traf heute in Tsingtau ein. Der KreuzerBussard" geht heute nach Minkinoani ab und fährt noch heute nach 'Kilwa-Kiwindje weiter.

Berlrn, 22. Aug. (W. B.) Ein Telegramm aus Lin d i vom 22. August meldet: Der KreuzerBussard" hat in Lindi den Oberleutnant zur See Wern ecke mit einem Detache­ment von 12 Mann mit einem Maschinengewehr zurück­gelassen. Der Kreuzer ist heute nach Mikindani ge­gangen und hat dort ein Detachement, bestehend aus einem Maschinisten und acht Mann nebst einem Maschinengewehr zurückgelassen. Heute abend geht der KreuzerBussard" nach Kilwa-Kiwindje. Im Bezirke Lindi und Miki- dani sind bisher keinerlei Unruhen ausgebrochen.

Kiel, 22. Aug. Das Hosmarschallamt des Prinzen He i n r i ch von Preußen teilt denKieler N. Nachr." mit, daß die Meldung von einer beabsichtigten Reise des Prinzen nach Amerika unbegründet ist.

Wilhekmshöhe, 22. Aug. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute Morgen eine»» gemeinsamen Ausritt. Später hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts.

Posen, 22. Aug. Der frühere Oberpräsident von Posen, Frhr. v. Wilamowitz-MölLendorf, stürzte gestern nachmittag auf seiner Herrschaft Kobelnik im Kreise Strelno bei einem Spazierritt vom Pftzrde und verletzte sich ziemlich erheblich, doch ist Lebensgefahr nicht vorhanden. Sem Besinden hat sich heute etwas gebessert.

Ausland.

London, 22. Ang. DerMorning Post* wird aus S ch a n g l, a i von gestern gemeldet, daß England und Deutschland dem chinesischen auswärtigen Amte den Entwurf eines Abkommens über die Eisenbahn Tientsin Ehin» k i a n g überreicht haben. Das auswärtige Amt wollte die Kon­zession rückgängig machen, da der Adel Schantungs selbst die Bahn bauen wollte. Tie Gesandten Deutschlands unb Englands ver­weigerten die Amiahme dieses Vorschlages.

Dem .Globe" wird and Newyork gemeldet, daß dik chinesische Regierung dem amerikanischen Ge­sandten erklärt hat, jede Verantwortung für den Boykott ablehnen zu »mißen, da sie sich nicht verpflichtet fühle, ameri­kanische Handelsinteressen zu schützen.

Sevilla, 22. Aug. Ter Erzbischof leitete eine Sammlung zu giinsten der notleibe üben länblichen Bevölkerung in bie Wege.

San Sebastian, 22. Aug. Der König unterzeichnete einen Erlaß, burch bei» ein biologischesLaboratorium in Mogabore ober an einem anderen Punkte der Westküste Marokkos geschaffen wird. Der Erlaß erfolgte im Einvernehmen' mit dem Sultan.

T a n g e r, 22. Aug. (Havas.) V i e r F r a n z o s e n wurden gestern abend von einer marokkanischen Bande angefallen unb beraubt.

Konstantinopel, 22. Aug. Der deutsche Botschafter Frhr. Marschall o. Sieber ft ein ist heute von seinem Urlaub zurück«' gekehrt.

Ocsterreich-Nngarn.

Wien, 22. Aug Der ,N. Freien Pr/ zufolge wird die österreichische Regierung, wenn nicht in letzter Stunde eine Besserung in der ungarischen Krise ein tritt, keine definitiven' Handelsverträge schließen, sondern sämtliche Verträge nur provisorisch auf ein Jahr verlängern.

Ischl, 22. Aug. (Wiener Kvrr.-Bur.) Um 1 Uhr nach-- mittags sand in der kaiserlichen Villa unter dem Vorsitz deS Kaisers eine Konferenz statt, an der die drei gemein­samen Minister unb die b eiderseitigen Minister Präsidenten teilnahmen. Die Konferenz bauerte bis halb 5 Uhr, sie beschäftigte sich mit der durch die ungarische OK'rise geschaffenen Situation, speziell mit der Frage der Fortftihrung der Handelsvertragsverhandlungen. Für die Even tualität, daß bis zum Wiederzusam- m e n t r i 11 des ungarischen Reichstages keine Lösung der ungarischen Krise eingetreten ist, wurden die erforder­lichen Beschlüsse gefaßt. Gegenüber Nachrichten verschrei bener Organe des In- und Auslandes muß konstatiert tveröen, daß eine Aendemng in der Auffassung der maßgebenden Kreise hinsichtlich der militärischen Frage seit dem Beginn der ungarischen Krise nicht eingetreten ist.

Kaschan, 22. Aug. Als kürzlich e»n Leutnant namens Vorsitz ein Mannschaftszimmer betrat, gebot ein Reservist» anstatt in deutscher in mag Parischer Sprache Achtung. Der Offizier rügte dies und befahl den Reservisten zum Reg»ments- appell. Ein hiesiges Blatt erzählte diesen Vorgang. Vorsitz erschien darauf mit einigen Kameraden in der Redaktion des Blattes unb ohrfeigte den Redakteur. Es entstand eine Rauferei, an der auch das herbeieilende Personal teilnahm. Die Offiziere zogen blank, und der Redakteur gab einen Re-, volverschuß auf Dorsitz ab. Die Kügel prallte aber von dem! Riemen des Säbels zurück. Der Redakteur, sowie Leuttrant Borsitz toitrben leicht verwundet: ein Setzer aber wurde durch eineit Säbelhieb schwer verwundet.

Zur Fleischverteuerrrrig.

Kattowitz, 22. Aug. Nachdem der Reichskanzler sich außer stände erklärt hat, den Wünschen wegen Erhöhung be3. russischen Schweinekontingents zu entsprechen, haben die oberschlesischen Bürgermeister eine weitere Petition an den Reichskanzler gerichtet, in der sie eine nähere Begründung der Beschwerden geben und bitten, sie dem gesamten Staatsministerium zur Besprechung zu unterbreiten. Mit Bezug auf die Ablehnung aus den beiden Gründen der Seuchengefahr und der Schädigung der deutschen Landwirtschaft wird angeführt, daß ein Fall sibirischer Pest a»ntlich nicht festgestellt ist und daß an derUebergangs- stelle Sosnowiee eine strenge Kontrolle erfolgt. Der zweite Grund ist nicht stichhaltig, weil ausreichendes Schweine- material nicht vorhanden ist. Der Versuch der Viehzentrale sei mißlungen; denn in den vier Wochen seien nur 1937 Schweine geliefert worden, die nur ein Gewicht von 210 bis 220 Pfund hatten und bis zu einem Viertel tuberkulös, wässerig und minderwertig waren. Die erste Eingabe sei schon am 5. Juni an den Minister abgegangen und bis heute sei für die Interessen der Konsume»»ten noch fast nichts ge­schehen. Die Unzufriedenheit sei auf das äußerste gestiegen, der Fleischgenuß in der Arbeiterschaft um 30 bis 33 Prozent gesunken. Eine Grubenverwaltung bezöge bereits die Fleisch­abfälle aus Konservenfabriken. Dabei wachse die politische Gefahr, der Minister deS Innern habe daher die Petitionen befürwortet, aber ohne Erfolg. I»» der Petition wird noch­mals um eine Audienz gebeten.

Wiesbaden, 22. Aug. Von freisinnig-nativ* nalliberaler Seite ist für die nächste Stadtverord- netensitzung ein Antrag eingebracht worden, den Ma­gistrat zu ersuchen, bei der Staatsregierung dahin vorstellig zu werden, daß durch Oeffnung der Grenzen für die Fleischeinfuhr der vorhandenen Fleisch not gesteuert werde.

Frankfurt a. M., 22. August. Der Mangel an Fleisch und dessen hoher Preis beschäftigten heute die Frankfurter St a d t v ä t e r, die nach vierwöchiger Ruhepause wieder zusammentraten. Der sozialdemokratische Stadtver­ordnete Hüttmann halte folgenden Antrag eingebracht: 1. Der Magistrat und die Stadtverordneten möchten die Regierung ersuchen, die Grenzsperre für alles Fleisch und Futtermittel aus^uhebcn. 2. Der Magistrat möge der Frage der konrmunalen Fleischversorgung nähertreten und prüfen, ob sich nicht eine städtische Seefischversor gnng einrichtei» ließe." Stadtv. Dr. Quarck beantragte dazu weiter die Errichtung einer kon»m»lnalen Fleischbank, deren Preise niedrig gehalte»» würden. Dadurch sollen die Metzger gezwungen werden, ebenfalls die Preise herab- zusetzcn. An der umfangreichen Debatte beteiligten sich die Stadtv. Marx, Nikolaus; letzterer, ein Bockenheimcr Metzger, teilte mit, daß bisher 30 Metzger hier ihren Betrieb ein­stellten. Die Schweinemetzaer hätten beschlossen, durch unv- fangreiche Qualitätsvertätej- Mr Bevölkerung -ntqegenM-