Ausgabe 
20.4.1905 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 2V. April 1908

Erstes Blatt.

Die Heutige Mmmer umfaßt 12 Seiten.

Dichtungen vieler unserer Neuesten einen Drang nicht nach Einsamkeit, sondern nach Gottversenkung, und er ist

Sebnsuchtsruf unserer mich nach Frieden." dumpfen Grollen im

aus und

den nur echt

und So

155. Jahrgang

dem Vorsang des im Vorjahre verstorbenen Denkers Dichters Wilh. Jordan zu dessenAndachten":

Der scharte Blick der Forschung der Natur Bekennt sich blind für eine Gottesspur.

Doch ob auch sie von Kräften nur und Stoffen Zu reden weiß, ein Sehnen und ein Hoffen In unsrer Brust wird ewig mehr verlangen Und gibt sich nie au ihren Svruch gefangen. Wer bat nun Recht? Die strenge Richterin L)der in uns die Gottesrichterin?

Erschlossen denn schon Wage und Retorte In Psyches Heiligtum die letzte Pforte? Auch dort noch, wo vor hoffnunglofer Schranke Sich schwindlig fühlt und umkehrt der Gedanke, Ruft laut der Wunsch des Herzens: Weiter 1 Weiter! Und zimmert sich im Traum die Himmelsleiter."

Per italie iftfic K s nßa!)tmflm{L

In Nom und Mailand wird der Eisenbahn­verkehr auf den adriatuchen Linien beinahe wieder regel­mäßig; er bewert sich auf den Mittelmeerlinien, auf welchen man im Laufe des Tages einige Zugverbindungen wieder- herstetlen zu können hofft. In Mailand ließ man einen Sonderzug für die Ingenieure und die deutschen Touristen abgehen. Auch mehrere Eilzuge fuhren von Turin nach Nom. Nach Mailand, Alessandria und Modena wurden verschiedene Güterzüge abgelassen, ebenso auf der Simplonbahn. In Venedig, in der Vrovinz und in Bo

Volksvulkan? Aus dem Pessimismus moderner Denker? Aus den Liedern des Weltschmerzes von den Harfen vieler unserer Dichter? Aus unbefriedigtem Genußleben? Smgt doch voll stiller Beglückung Hans Bethge, ein junger Berliner Lyriker, (geb. 1876) in seinen inbrünstigenStillen Inseln": ,^Ich möchte sterben schön und ohne Fehle Und noch im Tode reich an Sehnsucht fern Und möchte fühlen, wie die freie Seele Mit Klingen zieht zu ihrem Himmel ein."

Und Karl Busse (geb. 1872) ruft, harrend der Er­lösung, Gottes Hilfe an:

?lch, meine Augen sind trübe von Staub und Streit, Mein Fuß ist schwach, ich irr im Guten und Bosen, Ich schreie nach dir, wie das Kmd nach der Mutter schreit Allmächtiger, neige dich nieder, mich zu erlösen!"

In der Zeit des teilweise recht platten, vielfach an den Nationalismus des 18. Jahrhunders erinnernden Aufklär­ungsgeistes, während der 50er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, waren solche Dichterstimmen überaus selten. Heute begegnen wir ihnen in zahlreichen neuesten Gedicht­bänden. Leben wir nicht wer wagt es zu leugnen in einer Zeit der ch r i st l i ch e n N e n a i s s a n e e ?

Jst'S modernen Wer hört

Reiche vom Erlöferkleide O nur einen Zipfel mir!" nicht der laute oder leise Zeit?Ach, wie sehn' ich es nicht heraus aus dem

logna ist der Verkehr fast vollständig; auch der Güterverkehr Venedigs ist in Ordnung. Die Besserung im Verkehre von Florenz auf den Mittelmeerlinien hält an. In Ankona und Beri nimmt der Verkehr zu. In Foggia können alle Züge verkehren, in Palermo ebenfalls. In Caltani- setta verkehren fall alle Züge; außer dem Mindestdienst wird ein Ergänzungsdienft unterhalten. Der Betrieb auf den Linien nach Frankreich über Ventimiglia ist vollständig« normal. Ter Luxuszug Paris-Rom mit zahlreichen Passagieren blieb gellem in Pisa liegen. Die Hotels hort sind so überfüllt, daß viele es vorzogen, sich in den Eisenbahnwagen einzuquartieren. Nur in Neapel und anderen Städten Suditaliens hält die Gährung an. Auch das Neapeler Straßenbau-Personal erklärte sich bereit, auf den ersten Wink hin in den Streik mit einzutreten.

Tie römischen Blätter stellen fest, daß der Ausstand vollständig mißglückt ist, und heben hervor, daß dies die Folge der entschlossenen Haltung der Negierung, der Be­sonnenheit der Kammer und der allgemeinen Mißbilligung des Ausstandes durch die Bevölkerung sei. Die Eisenbahn­gesellschaften haben auf allen Bahnhöfen einen Anschlag an­bringen lassen, in denen die Ausständigen aufgefordert werden, ihren Dienst wieder aufzunehmen und in denen ihnen für den Fall der Weigerung die in der Dienstordnung vorge­sehenen Strafen angedroht werden. Die Eisenbahngesell­schaften stellten den Industriellen die zum Betriebe ihrer Fabriken notwendigen Kohlen zur Verfügung. Eine öffent­liche Sammlung für die Austeilung von Belohnungen an das seinen Timst versehende Eisenbahnpersonal hatte vollen Erfolg.

9-n W Nacl'mittagssi^ung her italienischen Kammer b-eant- wor e gestern bei Ministerpräsident Anfragen wegen des Bor- s all es in Foggia, wobei er erklärte, der Gebrauch der Waffe seitens d'»s Militärs sei durchaus unvermeidlich gewesen, da es herausgefordert worden sei und sich im Zustande gesetzlicher Ver- teidiaung befunden habe. Der Gebrauch der Waffe fei. nicht anbesohlen, sondern durch'Patrouillen erfolgt, die mit Knüppeln und Schüssen angegriffen wurden. Tabes sei ein Soldat töd­lich verwundet, drei Manifestanten seien getötet und 12 verwundet wurden. Es sei im Einvernehmen mit den richterlichen und den Militärbehörden eine Untersuchung an- o^ordn"t worden. Hierauf wurde die Beratung der Vorlage betr. Verstaatlichung der Eisenbahnen wieder ausgenommen. Art. 17 gelangt mit großer Mehrheit z-ur Annahme. Darin heißt es, alle Angestellten der Eisenbahnen Staats­beamte sind und daß in dem Falle einer Einstellung der Arbeit und der Störung des regelmäßigen Dienstes angenommen wird, daß sie ihre Entlassung eingereicht haben. Bei Art. 19 der Vorlaae betr. Gehaltserhöhungen für ältere Beamte erklärt der Min'ßerpräsident auf eine Anfrage: Die Regierung werde bei der Anwendung dieses Artikels mit der größten Billigkeit Vor­gehen. Sie werde namentlich die verdientesten alten Beamten berücksichtigen, welche auch, wie er hoffe, durch ihre Autorität bei ihren Kameraden dem jetzigen beklagenswerten Zustand ein Ende machen werden. (Beifall.) Hierauf werden sämtliche Artikel!« der Vorlage angenommen, darunter auch Artikel 24,, welcher festsetzt, daß die Bestimmungen des Artikels 17 sich auch, auf die Berriebe von Privatunternehmungen unterstehend^ Bahnen erstrecken. Schließlich wird das ganze Gesetz mit 289' gegen 45 Stimmen angenommen

Von volkswirtschaftlicher Seite wird der Verlust burt^ den Bahnstreik auf bisher 2 5 bis 30 Millionen ver­anschlagt. Eine Anzahl Kaufleute und Industrieller ver­öffentlichen eine Sympathieadresse an Fortis, dem sie ihr volles Vertrauen aussprechen.

Tie bayerische Südbahn verweigert die Annahme von Frachten und Eilgütern in Wagenladungen nach und über die adriatische Bahn wegen des Streiks.

nicht nur das Spiel überreizter Gemüter.

gibt es ein Lied voller Sehnsucht von Ibsen: Ach, wie sehn' ich mich nach Frieden, Jesus, o ich rief nach dir, Doch du faßtest nicht die Hand, Glittest immer von der Seite Wie ein Wort, das ich nicht fand;

Dieses Reaktionsgefühl stärkt sich in den gegenwärtig stark andauernden Veränderungen der gesellschaftlichen Psyche mehr und mehr und tritt in immer bestimmtere, allem Reli­giösen und Sittlichen günstige Richtungen. Wir finden in

Nr. 94

©fielet lügNch außer EonnlagL.

Gießener Anzeiger toAben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamiiien- Hättet viermal in der Woche beigelegt.

AlotationSdruck u. Ver­lag der Brüh l'schen Univers.-Buch-u. Stein» druckerei. 8L Lange.

XteMftton, (?TP*httum unb Druckerei:

Gchatsteatze 7.

Ildresse für Depeschen:

-lnzetger Gießen. Fkrnivrkchonichluß'ltr 61

sehnsuchtsvolle Frage, wenn nicht gar Forderung des Plus ultra* erheben und zitiert im Anschluß an diesen Satz

Quell 5 entsprungen, der in der dürren, selbstischen Welt ein neues Leben der Liebe hat ergrünen lassen.

Tie Weisheit der alten Welt endete mit der stolzen Mestre:Der wahre Weise steht über Not und Weh; wenn die Wogen sein Haus erzittern machen, suhlt er sich erst recht in seiner Größe, und auch untergebend spricht er ru dem Sturm, der ihn begräbt: ich bin doch großer als bn!" Eine stolze Weisheit aber hat sie srch im Leben

bewährt? Wenn die Not ans Menschenherz brandet, was ist seine Antwort? Bei wie vielen Verzweiflung und Ver­bitterung, Mutlosigkeit und Verzagtheit selbst ein Na­poleon erlag auf dem Felseneril von Helena oder stumpfe Resignation?'Aber Christi Kreuz hat die Men scheu, Leidens­überwindung gelehrt, hat ihnen die Gewißheit ins Herz geschrieben:Sein Tun ist lauter Segen, sein Gang ist lauter Licht", und ihnen den Jubelruf auf die Lippen ge­legt:Wir rühmen uns auch der Trübsale".

Unb endlich: es ist mit Recht gesagt worden: jeder Glaube, iede Lebensauffassung, jebn W"ltcurichauimg hat nur so viel Wert, als sie sich im Tode bewährt. Was in der Sterbeflunve ntG)t Probe halt, was uns da nicht Halt, Kraft, Trost gibt, ist, so glänzend und groß es sei, dennoch minder­wertig, vergänglich; aber was den Tod bezwingt, das ist echt, groß, göttlich. Der Stachel des Todes ist die Sünde, der Stachel der Sünde ist das Gericht. Man mag diese Wahrheit leuanen, wegleugnen läßt sie sich nicht, sie steht in unserem Gewissen.

Trösten Sie" fjat ein Arzt gejagteinen Saal voll Sterbender mit Spmvhonien von Beethoven oder Gesängen von Goetbe! Sie versagen gegenüber der Ma­jestät 'des Todes!" Aber wer will sie zählen, die vielen, denen das Kreuz auf Golgatha die Kraft zum Sterben ge­geben, die es erfahren haben: der Glaube an Christus hat dem Tode die Mackit genommen.

Es geht ein Suchen, Sehnen, Tasten nach etwas Höherem, Bleibendem durch unsere Tage. Gegenüber einer rem mecha­nischen Lebens- und Weltanschauung hat man längst Langeweile, gelegentlich sogar Ekel zu empfinden begonnen. Der vortreffliche Leipziger Geschichtsprofessor Lamprecht er­innert in dem ersten, im wesentlichen den Künsten der jüngsten deutschen Vergangenheit gewidmeten Erganzungsbande seiner großen und großartigenDeutschen Geschichte" daran, daß selbst Angehörige dieser Anschauung, die tiefer fühlen, die

Triumphe.

Geht durch die Ruinen von Rom, man zeigt euch die Reste blutgetränkter Menen, die Trümmer stol^r Triumph­bogen, die Grundmauern düsterer Kerker aber nie wird bet Cicerone stille stehen und sagen: Hrer stand ent ft ein Krankenhaus, ober hier em Siechcnhaus; die alte Welt kannte das nicht, sie wareme Welt ahne Liebe . Und wenn wir heute unsere Stadt ®te g en oben vom Ende her Lickerstraste bis zu den lebten .Hausern der Franksnrter- straße durchwanderns - aus welchem Geiste heraus ent- standen das Provinzial-Siechenhuus, die Herberge zur Heimat, die Kliniken usw.? Wer,bat die Menschen gelehrt, den Mitmenschen zu dienen, sich ihnen in selb ^verzehrender widmen? Unter dem Kreuz auf Golgatha ist der

monatlich 75 IM«» oterttU jährlich gjlt 8.20; durch Atchole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel» jährl. ausschl. Bestellg. 71 «mahnte von flnjel't« rr tue Tr rsnm-mrer -'s Domüit iqÄ Jchx, Zc 'envrerS: pkorlLPf, abwärts -'*4 3*3.

Berantwortt'ch sink den Dottt und C t. Teck P. Wittlo: für .Stadt und Land" und -^nchtssaal": August Goetz, für den An» zetgenteil: Hans Beck

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Karfreitag.

Vor etwa 1900 Jahren wurde in einer kleinen, welt­vergessenen Residenz ein schlichter Mann aus dem Volke, ein Handwerker aus Naz-areth, wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt und in der Frühe des Karfreitags am Kreuze, dem Galgen der alten Welt, schmachvoll hinge­richtet und heute nach fast zwei Jahrtausenden ist der Name dieses Gekreuzigten der bekannteste und ge­feiertste auf dem Weltenrund wer zählt sie, die vor Jesu von Naz-areth ehrfurchtsvoll, glaubensvoll das Haupt entblößen? Heute ist das Kreuz, dieser einstige Schand­pfahl, das glorreichste Ehrenzeichen der Menschheit, ziert die jugendliche Konfirmandin, schmückt die narbenvolle Brust des Kriegers, krönt die Diademe der Fürsten, ragt himmelan auf Kirchen und Kapellen, weiht, in Erz gegossen oder in Stein gehauen, die Ruhestätten unserer Entschlafenen und es geht beim Läuten der Karfreitagsglocken eine ge­heimnisvolle Bewegung durch die Welt; wie von unsicht­barer Hand gezogen, strömen Hunderte den Gotteshäusern, den Abendmahlstischen zu, und beim Klange desO Haupt voll Blut und Wunden" wird manches Herz weich und warm. Wer erklärt uns das alles?

Es bleibt unerklärt, wenn dieser Kreuzestod nichts anderes wäre, als der Knotenpunkt jenes tragischen Kon­fliktes, in welchem der Vertreter einer neuen, freieren, inner­licheren Religion den Vorkämpfern der starren, knechtenden Gesetzlichkeit unterließt. Es bleibt unerklärt, wenn dieser Mann am Kreuze nicht mehr bedeutet, als den großen Märtvrer, den todesmutigen Hclden, d-?r s?ine Uebeneugung besiegelt mit seinem letzten Blutstropfen. Aber daß die schnelllebige Welt diesen Mann von Golgatha nicht ver­gessen konnte noch kann, daß die zweisilsüchtige Menschheit immer wieder zu ihm zurückkehren muß, es hat seinen aus­reichenden Grund in dem tiefen Geheimnis dieses Kreuzes­todes: es ist der große, überweltliche Gedanke von der Versöhnung für menschliche Sünden.

Freilich, wer nur die Fragen des praktisch-sinnlichen Lebens kennt, die Fragen nach Genuß unb Gewinn, Gesund­heit und langem Leben wer nur auf die Fragen des grübelnden Verstandes nach der Lösung der Welträtsel Ant­wort sucht, dem hat das Kreuz Christi wenig zu sagen; wer aber die Bedürfnisse des Gewissens, die dunklen Rätsel des Herzens kennt, wer Antwort sucht auf die Fragen: Was gibt innere Ruhe mitten in der Unruhe des Lebens, Gleichgewicht der Seele in Ebbe und Flut der Welt, innerste Harmonie zwischen Wissen und Tun, Sollen und Können? dem enthüllt sich der Tod Jesu als wundervolle, gött­liche Weisheit.

Wir ahnen schon übermenschliches, überirdisches Wirken, wenn wir unter den gestirnten Nachthimmel treten unb die unendlichen Welten ihre stillen Bahnen ziehen sehen; wir bewundern dieses unerforschliche Wirken, wenn wir hinauswandern in den knospenden Frühling, der aus der erstarrten Erde sich losringt; wir staunen darüber, wenn wir die Blatter der Weltgeschichte aufschlagen und bemerken, wie sich aus verwirrten Fäden kunstvolles Gewebe wirkt aber größte Erhabenheit zeigt uns doch die Tat von Golgatha, die in der Hinschlachtung des Besten die Sünde der Welt zu ihrer furchtbarsten Konsequenz ausreisen, läßt und in ihrer grausigen Nacktheit ans Tageslicht zwingt! Welch eine grausige Weisheit, die in dem Opfertode des Weisesten ihre sittliche Weltordnung, das harte Nach­einander von Schuld und Strafe, den Glanz ihrer Helligkeit vors Gewissen stellt! Welch eine Weisheit, die in der Hin­gabe des Edelsten in dem Kreuze Christi das weithin sicht­bare Denkmal der Allerbarmung mit der InschriftEs ist vollbracht" aufrichtet und die Welt glauben macht an eine ewige Liebe! ,

Und wie das Kreuz Christi die höchste sittliche Idee ist, so beweist es sich auch als die größte Kraft: O unsere stolze, titanenhafte Zeit! Mit ihrer Wissenschaft enträtselt sie die Geheimnisse ungeahnter Welten, verwitterten Ur­gesteins, zerbrochener Tonziegel; mit ihrem Handel über­brückt sie die Meere; mit ihren Erfindungen spannt sie die Naturmächte vor ihren Siegeswagen. Welch eine kühne, kraftvolle Weltbeherrschung! Und doch vor drei Groß- machten muß sie ihre stolzen Massen strecken: vor der Sünde, der Selbstsucht des menschlichen Herzens, vor der Trübsal des Lebens und vor der Macht des j.obeä Kern- Kunst, keine Wissenschaft, teine Industrie, letne Technik be­stech diese drei dunklen Despoten, Mer wo deren Kräfte versagen, feiert die Kraft des Kreuzgedankens ihre größten

Marokko.

In der französischen Deputiertenkammei kam es am Mittwoch bet der Budgetdebatte zu einer Dis­kussion über die Marokko-Angelegenheit. Mehrere Natio­nalisten kritisierten die Maroklopolitik der Regierung. I a n r ö s hielt eine längere Rede, in welcher er bte Taktik des Ministers Deleassö in der Marokkoaffäre als falsch bezeichnete. Der Minister hätte die Initiative ergreifen und eine Aufforderung nicht ab warten sollen. Der Verlust des Elsaß verkümmere nicht Frankreichs Größe. Die Regierung müsse mit Deutschland unterhandeln, wie sie mit England unterhandelt hat. Das sei keine Politik der D«emütigung, sondern eine Politik des Friedens.

In seiner Erwiderung führte Delcassö aus, er habe- dem deutschen Botschafter erklärt und auch durch den fran­zösischen Botschafter in Berlin erklären lassen, daß, wenn noch ein Mißverständnis in der Marokkofrage be­stehe, er bereit wäre, es zu zerstören.

T e s ch a n e l erinnert an die Reise des deutschen Kaisers und rät, sich mit Deutschland zu verständigen; Frankreich müsse in guten .Beziehungen zu Deutschland und England stehen unb nicht die eme Macht der anderen opfern. Redner betont die geschickte Politik Englands, die darin bestand, Frankreich die Verantwortlichkeit für das Ein­dringen in Marokko zu überlassen, und schließt mit der Bitte, daß die. Regierung klug und fest handle.

Ministerpräsident Ro u v i e r erinnert daran, daß das Parlament die auswärtige Pol'tik Frankreichs gutgeheißen habe, unb fährt fort: Man wirft uns vor, Deutschland über das französisch-englische Abkommen nicht unter­richtet zu haben, aber bann hätten wir sämtliche Mächte benachrichtigen müssen. (Wäre das gar so schlimm gewesen? Uebrigens hätte es sich nicht um alle Mächte, sondern nur um bte Großmächte gehandelt. D. Red.) Wir haben mit Deutschland eine Aussprache begonnen unb es handelt sich heute darum, zu wissen, ob die Kammer einen Wechsel der Personen beabsichtigt