Ausgabe 
22.9.1905 Erstes Blatt
 
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bezüglich der Innenausstattung, abgesehen von dem übrigens noch nicht vollendeten Hochaltar, noch alles; man muß sich mit provisorischer Einrichtung (Notvcrglasung, Notkanzcl) be­helfen oder die Einrichtung der alten Kirche (Orgel, Bänke, Beichtstühle ?c.) mit beri'ibcrnehmen, da zur stilgerechten Innenausstattung alle Mittel fehlen.

** Bahnprojekt 2 ich - Grünbcrg. Das vor zwei Jahren entstandene Projekt beschäftigte dieser Tage wieder eine Versammlung der Vertreter der beteiligten Gemeinden bei Gastwirt Diehl in Ettingshausen. Der Vorsitzende des Komitees, Moll-Grünberg, wies darauf hin, das; die Gemeinden das Projekt einstimmig angenommen und das er­forderliche Obligationskapital in Höhe von ca. 490 000 Mk. bereitwillig gezeichnet haben. Die Regierung hat auch be­reits die Baugenehniigung erteilt und einen bedeutenden Staatszuschuß in Aussicht gestellt. Die Verhandlungen mit der Firma Lenz tt. Co.-Berlin haben sich in letzter Zeit da­durch verzögert, daß die Strecke Butzbach-Lich, deren Fort­setzung die obige Strecke werden soll, nicht genügend rentiert. Die Versammlung sprach jedoch die Aussicht aus, daß die Rentabilität der Gesamtsirecke gerade durch die Fortführung bis Grünbcrg erst gesichert sei, da die neue Teilstrecke eine Gegend erschließe, die reich ist an Basalt, Eisensteinen, Braunkohlen und großen Waldungen. Die Vertreter sprachen den dringenden Wunsch aus, daß die Bahn baldigst gebaut werden möge. Nach den Plänen soll sie 1402 000 Mark kosten. Sie folgt von Lich über Nieder- und Ober-Bessingen dem Wcttertal, von Münster über Ettingshausen und Queck- born dem Eschersbach, überschreitet dann einen Höhenzug und mündet westlich Grünberg in die Bahn Gießen- Fulda ein.

Der Landkalender für da§ Großherzogtum Hessen für das Jahr 1906 ist soeben im Verlag der Großherzogl. Jnvalidenanstalt Darmstadt erschienen und dürfte auch diesmal von vielen mit Freude begrüßt werden. Der äußeren Aus­stattung ist diesmal besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Das vorzügliche Bildnis I. Kgl. Hoh. des Groß Herzogs und der Groß Herzog in schmückt diesmal als erstes Bild den Kalender. Karl Schäfer erfreut uns durch ein GedichtMein Hesienland" und durch eine OdenwaldgeschichteIm Hirten­hause". Beifall wird auch die Geschichte eines kleinen Diebes Fritzchen" von Otto Stockhausen in Marburg finden. Auch Schiller und der Schillerfeier ist ein illustr. Artikel gewidmet. AuS dem übrigen Inhalt heben wir noch Verschiedenes für die Hausfrau, Scherzartikelchen, wertvolle Winke für die Land­wirte und einen gedrängten Ueberblick über Weltbegebenheiten hervor. Der Landkalender für 1906 dürfte bei dem Preise von 20 Pfg. bald Abnehmer finden.

RB. Darmstadt, 21. September. Der im vorigen Jahr in Berlin gegründete Reichsverband gegen die Sozialdemokratie hat gestern abend in einer zahlreich besuchten Versannnlung im Fürstensaal auch hier eine beson­dere Ortsgruppe geschaffen, der sich sofort über 60 Mit­glieder anschlossen. In der Versannnlung, an welcher nationalgesinnte Männer aus den verschiedenen Partei­richtungen, die Vorstände der bürgerlichen Vereine, der Kriegervereine 2C. teilnahmen, hielt nach kurzer Begrüßung durch den Vorsitzenden Dr. Zimmer der Geschäftsführer des Verbandes Dr. Borenschen aus Berlin einen längeren Vortrag, in welchem er die Zwecke und Ziele des Verbandes darlegte. Dieser solle keine neue Partei zu den vielen schon vorhandenen hinzufügen, sondern als ein Kind der politischen und nationalen Not unseres Volkes alle national gesinnten Männer zu gemeinsamem Kampf gegen die Sozialdemokratie vereinigen. Das rapide Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen bei den Wahlen gestalte sich immer mehr zu einer nationalen Gefahr. Man wolle deshalb auch besonders bei Stichwahlen alle patriotisch gesinnten Wähler zu vereinigen streben; die Neichstagswahl in Offenbach habe gezeigt, daß es nur des guten Willens und des festen Zusammen­schlusses der bürgerlichen Gesellschaft bedürfe, um die Sozial­demokratie siegreich aus dem Felde zu schlagen. Der Ver­band verfolge lediglich nationalpolitische, keine wirtschaftlichen oder religiösen Ziele. Nachdem in der Debatte Justizrat Dr. Grünewald, ReichStagsabg. Dr. Becker-Sprendlingen und Hauptmann a. D. Wal deck er die Anregungen des Vorredners unterstützt hatten, wurde einstimmig die Bildung einer Ortsgruppe Darmstadt beschlossen, die auch sofort einen provisorischen Vorstand wählte.

Lampertheim, 19. Sept. Verhängnisvoll war der Ausflug, den der allgemein geachtete Fabrikarbeiter Mich. Zehn bau er I. unternommen hatte. Er besuchte seine Ver­wandten im unweit gelegenen Waldhof, wo er von der hohen Treppe in der Dunkelheit gestern abend herabgehen wollte, aber ausglitt und her ab stürzte. Die Verletzungen waren so stark, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Er war 75 Jahre alt und 50 Jahre lang in der chemischen Fabrik Neuschloß tätig gewesen, die ihn vor 3 Jahren pen­sioniert hatte. (D. Z.)

Herborn. 20. Sept. Ein trauriger Unglücksfall, durch oen eine Familie im benachbarten Herborn seelbach ihren Ernährer verloren hat, ereignete sich demHerb. T." zufolge in der Nacht vom Montag zum Dienstag in der an der Roter Chaussee gelegenen Gerhardt'schen Ziegelei. Gestern früh um 83/4 Uhr fand man den Arbeiter Deusing, auf einem Ziegelofen liegend, tot auf. Wahrscheinlich hat der Verunglückte dort genächtigt und ist an den dem Ofen ent­strömenden Kohlengasen zu Grunde gegangen. Der Ver­storbene war ein fleißiger und solider Arbeiter. Außer der Frau betrauern 6 Kinder im Alter von 318 Jahren den Verlust des treusorgenden Vaters.

25. Kongreß des Deutschen Vereins für Armen­pflege und Wohltätigkeit.

(Original-Bericht des^Gießener Anzeigers.) Mannheim, 21. Sept.

Nach Mannheim, bed so rasch aufgeblähten, nun 160 000 mit Ludwigshafen 240 000 Seelen zählenden Handels- und Industriestadt, hatte in diesem seinem Jubiläumsjahre der Deutsche Verein für Armenpflege und Wohltätigkeit seinen 25. Kvngreß einberufen. Einen besseren Boden und einen pracht­vollere Rahmen hätte der Verein für sein Jubiläum nickst finden können. Reiche Mittel und weitblickendes sozialpolitisches Verständnis ihrer Leiter haben der Stadt Mannheim auf dem Gebiet der Armenpflege und Wohltätigkeit rasch eure ganz hervor­ragende Stellung durch vorbildliche Einrichtungen und Vcran- Laltungen aefichmck. Dazu kommen die wundervollen architek­

tonischen Schöpfungen, die die Stadt zieren. Noch nie hat der Kvngreß in einem so großartigen Lokal getagt, wie im Mann­heimerRosengarten", einer großartigen Schöpfung des Archi­tekten Bruno S chm i tz, mit seinen gewaltigen Sälen, von denen der größte, der Nibelnngensaal, 7000 Personen faßt, wahrend der kleinere Musensaal, in dem die Verhandlungen stattfinden, gegen­über sonstigen Vereinssälen schon ein Riese ist.

Nachdem die Teilnehmer des Kongresses sich gestern abend cur schönen F-ricdrichSpark §ur Aegrüßungsversammlung zusam- mengefunden hatten, wiirden die Beratiingen heute morgen um 0 llhr durch den Vorsitzenden des Vereins, Stadtrat Ludwig Wolf aus Leipzig, eröffnet. Im Namen der Großherzogin Luise von Baden, die zu ihrem lebhaften Bedauern verhindert war, ihre Absicht,- den Kongreß zu besuchen, ans^u führen, be­grüßte deren Geh. Kabinettsrat von Chelius, den Kongreß. Mit sehr verständnisvollen Worten hieß im Namen der badischen Regierung Oberregierungsrat Weingärtner den Kvngreß int badischen Lande willkommen. Dasselbe tat Oberbürgermeister Beck im Namen der Stadt Mannheim; im Namen aller badi­schen Frauenvereine Geh. Rat Sacks aus Karlsruhe. Auf Vorschlag von Pfarrer D. Schlosser wurde das Bureau des Kongresses folgendermaßen gebildet: 1. Vorsitzender Stadtrat Ludwig-Wolf, 2. Beigeordneter Abers aus Elberfeld, 3. Bürgemrcister von Hollander aus Mannheim. 1. Schrift- ßihrer Stadtrat Dr. Münster berg-Berlin, 2. Rechtsanwalt Dr. M ö ck e l - Mannheim, 3. Oberlehrer Fr öhn er-Mann­heim. Dem Dank an die Großherzogin wurde in einem Tele­gramm Ausdruck gegeben.

Der Vorsitzende gedenkt alsdann der verstorbenen Mitglieder des Vereins, vor allem des langjährigen zweiten Vorsitzenden Karl S t ä hl e aus Stuttgart.

Dr. Münsterberg gibt nun eine kurze Uebersicht über den von ihm in Druck vorgelegten Generalbericht über die ver­flossenen 25 Jahre des Vereins. Es komme ihm eine größere Bedeutung, zu, alS mir eine Geschichte des Vereins zu sein. Er gebe einen Ueberblick über die Entwicklung des Armenwesens in Deutschland. Die Anfänge des Vereins setzten ein zu der Zeit, als nach zehnjähriger Wirksamkeit der neuen wirtschafi- ltcheü Gesetzgebung des Reiches durch den Rückschlag infolge der wirtschaftlichen Krisen die Diskussion über die Richtigkeit der eingeschlagenen Bahnen, der Freizügigkeit und der Gewerbe­freiheit, und der damit zusammenhängenden staatlichen Regelung des Armenwesens auf der Grundlage des Untcrstützungswohn- sitzes alle Gemütev bewegte. Damals traten die Gründer des Vereins, Vertreter vor allem größerer städtischer Gemeinwesen, zusammen, um die schwebenden Fragen wissenschaftlich und praktisch zu prüfen, und die zerstreuten Reformbestrebungen auf dein Gebiete der Armenpflege und Wohltätigkeit zu sammeln. Damit traten diese wichtigen Dinge aus dem Stadium der Schlagworte, der Stimmungen in das Helle Licht klarer Einsichten, es bildeten sich gemeinsame Ueberzeugunaen, Grundsätze und Methoden. Da­von geben bie^ Schriften des Vereins, die immer aus sehr sorg­fältig aus erster Quelle geschöpftem Material erwachsen sind, die sich bemühen, die Forderungen der Wissenschaft mit den Be­dingungen des praktischen Lebens in Einllang zu bringen, und die Verhandlungen der Versammlungen, bei denen die ersten Sachverständigen zum Worte kamen, ein lebendiges Blld. Immer deutlicher wurde die Erkenntnis, daß die Annenjfflege von großen Gesichtspunkten getrieben werden müsse, immer mehr, zumal seit dem Erlaß der sozialpolitischen Gesetze, traten soziale Gesichts- vunkte in den Vordergrund und förderten die Einsicht, daß die Armenpflege wohl einzelne Fälle der Armut heilen könne, daß aber die Verstopfung der Quellen der Armut eine sozialpolitische Aufgabe sei. Themata, die diesem Gebiet angehören, werden in der zweiten Periode des Vereins, neben den eigentlichen technischen Fragen der Armenpflege, immer häufiger behandelt. In mancher Beziehung haben die Verhandlungen tatsächlich dazu geholfen, neuen Einsichten und Bedürfnissen die Wege in die Praxis zu bereiten. Unter anderem gilt das von der Mitwirkung der Frauen in der Armenpflege, für die der Verein sehr entschieden eingetreten ist. Auch der Förderung der tatsächlichen inneren Einheit des Vaterlandes hat der Verein gedient. Der Redner gedenkt noch der Heimgegangenen Leiter des Vereins, des ersten Vorsitzenden, des Stadtverordnetenvorstehers Dr. Straßmann in Perlin, un,b vor allen. Dingen - des den Geist und die Be­strebungen des Vereins in feiner Person geradezu vorbildlich verkörpernden Ludwig Friedrick Seyffardt aus K'refeld, der an seinem 70. Geburtstag alsdas Gewissen der uationalliberalen Partei" bezeichnet worden war, und der jeder Bestrebung, an der er beteiligt war, mit seiner Warmherzigkeit, seiner Lauter­keit, seinem begeisterten Idealismus, verbunden mit seinem klaren Verstand und seinem praktischen Sinn als Gewissen diente. Ganz besonders förderlich sei dem Verein gewesen, daß er sich jederzeit von politischen und konfessionellen Sonderbestrebungen ferne ge­halten habe. Der feste Grund aber, in dem der Verein wurzele, sei der Boden der bürgerlichen Selbstverwaltung. Der Verein sei sich aber bewußt, daß sein schönstes Ziel sein müsse, sich selbst überflüssig zu machen, indem an Stelle der Armenpflege die durch die sozialpolitischen Maßnahmen unterstützte Selbst­hilfe trete.

Sodann wurde in die Verhandlung über:

Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit eingetreten. Da der Gießener Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege gerade fetzt beschlossen hat, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, so dürfen diese Verhandlungen dort auf einen besondere Teilnahme rechnen.

Der, Hauptberichterstatter, Beigeordneter Dr. Brügger aus Köln wies vor allem die Haltlosigkeit der Meinung nach, als ob die große Säuglingssterblichkeit eine unerbittliche Naturnotwendig­keit sei, und zur Abwendung der Ucbcrvölkerung unentbehrlich, zur Herbeiführung einer Auslese der lebenskräftigeren Elemente dienlich sei. Die Kindersterblichkeit sei in Deutschland sehr groß. Von zwei Millionen neugeborenen Kindern, sterben im ersten Jahre 415 000, also 20,7 Prozent. Nur Rußland, Oestreich und Rumänien haben noch höhere Zahlen. Schuld daran sind zum Teil allgemeine sanitäre Verhältnisse, mangetfjafte Wasserversorg­ung n. v. w., vor allem aber schlechte wirtschaftliche Verhältnisse. Die Zahlen, die Referent anführt, zeigen einen geradezu er­schütternden Unterschied der Säuglingssterblichkeit zwischen den verschiedenen Ständen. Bei Müttern, die selbst dem Erwerb nach­gehen müssen, sind die Kinder schon während der Schwangerschaft gefährdet. Bei unehelichen Kindern kommt die vielfach schlechte Verpflegung nach der Geburt hinzu. Vor allem die Entziehung der Muttermilch bedrohe das Leben der Kinder. Vielfach "trete die private Liebestätigkeit ein mit ihren Versorgungsanstalten, Wöchnerinuenasplen, Hauspflegen. Leipzig sei die einzige Stadt, in der von der Stadt selbst Fürsorge getroffen werde. Neuerdings werde eine Mutterschaftsversicherung empfohlen. Sehr bewährt haben sich die seit neuerer Zeit aufgekommenen Säuglingsheime für schwächliche und kranke Kinder, sowie die schon älteren Krippen, die bei richtiger Einrichtung viel Gutes 'wirken. Ganz abzulehnen sei das System der Findelhäuser, das selbst in den romanischen Ländern im Absterben sei. Unsere Gemeinden werden sich der Errichtung von Säuglingsheimen und Säuglingshospi- tälem, auf die Dauer nicht entziehen können.

Die Hauptsache sei aber die Beschaffung von geeigneter Kindemalwung. Dazu gehöre vor allem die Förderung des Selbst­stillens der Mutter. Darin müssen die wohlhabenden Stände mit gutem Beispiel vorangehen. Aerztliche Beratungsstellen für Mütter sind einznrichten. Müttern, die dem (H:wcrb nachgehen nrüffen, sollten besondere Einrichtungen das Stillen ihrer Kinder ermöglichen. Für Kinder, die künstliche Nahrung erhalten müssen, sollen in Milchküchen gesundheitlich einwandfreie Nahrung her- gestellt, in triukfertigen Portionen zu mäßigem Preis geliefert werden. Frankreich ist darin mit gutem Beispiel vorangegangen. In Deutschland werden mehr und mehr von Vereinen und auch von Städten Milckküchen eingerichtet. Es muß aber betont wer­den, daß alle diese Maßnahmen nicht den Charakter der Armen­pflege tragen dürfen. Zur Beaufsichtigung der Haltekinder sind in höherem Maße die Aerzte heranzuziehen.

*KleineTageschronit. Der schwedischeSchoonerSam- l'oii ist in den Alandsckfen Schären gesunken. Der 16jährige Koch rettete sich auf einer Planke nach einer unbewohnten Klippe,

wo ef zwei Tage ohne Nahrung zubrachte, bis er gerettet wurde. Auf der Strecke Schweidnitz-Zobten-Breskan entgleiste der Personenzug Nr. 210 hinter Zobten infolge SchienenbruchA. Die Maschine, der Pack- und Postwagen stürzten vom Bahndamm hinab. Personen sind nicht verletzt. Tie Verkehrsstörung dauerte nur kurze Zeit. Ter Materialschaden ist noch "nicht festgestellt, dürfte aber erheblich sein. Aus der Chaussee nach Neuiammer unweit Nauen (Mark) verunglückte ein von Berlin kommendes mit 6 Personen besetztes Automobil. Zwei Insassen wurden schwer verletzt: das Automobil wurde zertrümmert. Aus Regensburg wird vom 21. Sept, gemeldet: Bei dem Zug Nr. 42 entgleisten aus unbekannter Ursache zwischen Mitter­fels und Miespoint die Lokomotive und zwei Personenwagen. Drei Reisende wurden anscheinend leicht verletzt. Der Verkehr wurde durch Umvarkieren auftecht erhalten. In Qu el t- ftcin bei Herrenberg (Württemberg) sind infolge Wurstver- giftung etwa 50 Personen teilweise schwer erkrankt; bei einigen sind Lähmungserscheinungen eingetreten. Durch leicht­sinniges Umgehen mit einem Revolver wurde in einem pom- merschen Dorfe ein Schüler von einem Kameraden erschos- fen. Bei Mailand stieß ein Automobil, in dem sich die bekannte ftanzös. Schauspielerin Madame Rejane befand, gegen einen Baum, wodurch das Automobil vollständig zer­trümmert mürbe. Tie Künstlerin würbe nur unerheblich verletzt und konnte ihre Reise mit ber Bahn fortsetzen.InNer onde (Frankreich) stürzten gestern zwei Wohnhäuser ein, wobei ein Mann und brei junge Mädchen verschüttet wurden. Zwei der Mädchen wurden tot aus den Trümmern hervorgezogen.

Karide5 und Derkel-r. Kolüswirischafr.

Die Gießener Braunsteinbergwerke vorm.Fernie in Gießen haben ihre gesamte Erzeugung von zum Hochofenprozeß verwertbaren Erzen für die Jahre 1906 und und 1907 den Firmen Metallgesetlschast in Frankfurt a. M. und Ramack u. Grünfeld in Beuthen O»S. übertragen.

90 Prozent gestiegen! Die Aktien der Deutsch-Luxem» burgischen Bergwerksgesellschaft sind seit Anfang Juli bis an- ncihernd an 100 Prozent gestiegen resp. hat sich der Kurs bis 284 erhöht. Einesteils beruht die Kurssteigerung auf einer guten Grundlage, nämlich auf der gebesserten Beurteilung der inneren Verhältnisse des Unternehmens, das durch die in den letzten Jahren vorgenommenen Neuanlagen zu einem erstklassigen Werk ausgebaut worden ist. Die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft in Bezug auf die Eisenproduktion ist stark gestiegen, die Neueinrichtungen zielen auf eine weitere Verbilligung der Selbstkosten hin. Seitdem die Herren Thyssen u. Stinnes der Gesellschaft nähergetreten sind, ist aber den Projekten, die immer wieder auftauchen, kein Ziel zu setzen. Besonders wird die Angliederung des Steinkohlenbergwerks Nordstern nur als eine Frage der allernächsten Zeit betrachtet, obwohl die Deutsch-Luxemburger Gesellschaft in ihren Zechen Dannenbaum und Friedlicher Nachbar eine ausgedehnte Beteiligung am Steinkohlenbergbau besitzt, die weit über den eigenen Kohlen- bedar' der Gesellschaft hinausgeht. Aber der Phantasie der Börse schweben immer meitere Ausdehnungen vor und es wird ange­nommen, daß die Deutsch-Luxemburger Gesellschaft bei der Er­werbung von Nordstern nicht stehen bleiben, sondern, falls auf diese Weise ihre Kohlenproduktion neuerdings stark gesteigert sein wird, an die Fusion mit weiteren Eisenwerken denke, uni ihre Eigen­schaft als Hüttenzeche nach Möglichkeit auszunützen. Dies wäre aber nur möglich, wenn das Urteil in Sachen Friedlicher Nachbar, das bekanntlich in erster Instanz zu Gunsten der Hüttenzechen aus- iele, auch in zweiter Instanz unb bann seitens des Reichsgerichts in gleichem Sinne bestätigt werden sollte. Aber daran ist schwer­lich zu denken unb die Börse wird deshalb gut daran tun, den Enthusiasmus, mit dem sie den Aktienkurs immer weiter steigert, einstweilen noch zu dämpfen.

Vom Hamburger Petroleummarkt. Der Ham­burger Petroleummarkt war zu Anfang dieser Woche sehr erregt. Nachdem galizisches und russisches Petroleum eingelangt war, setzt man die amerikanischen Provenienzen um weitere 25 Prozent in die Höhe. Im Anschluß hieran zogen sämtliche anderen Prove­nienzen auch um 25 Prozent an.

Serichtssaal.

Hamburg, 21. Sept. Ein wegen Ermordung ihres Kindes angeklagtes 14jähriges Mädchen wurde vom Landgericht f r e i g e s p r o ch e n. Ihr Versührer wurde vor einiger Zeit zu drei Jahren Ziichthaus veriirteilt.

Literatur und Kunst.

M ichael Hely". In Bezug auf den Feuilleton-Artikel ein hessischer Roman" in unserer No. 221, 2. Bl., wirb uns mit- geteilt, daß der Verfasser desMichael Hely", Dr. Karrillou, tatsächlich hier studiert und vom Jahre 1874 ab der Burschenschaft Alemannia angehört hat. Er ist nicht in Wald-Michelbach, andern in Weinheim i. B. als praktischer Arzt tätig.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Aml4.Sonntag nach Trinitatis, den 24. September» Hottesdleng.

In der Stadtkirche.

Vormittags 9/? Uhr: Pfarrassistent Schulz.

Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Euler.

Nächstkünftigen Sonntag, beu 1. Oktober, findet im Haupt» gottesdienst Beichte und heiliges Abeiidmahl für Matthäus- unb Markusgemeinde gemeinsam statt. Aiimeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

In der Johauueskirche.

Vormittags 9/, Uhr: Repetent Waas.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes« gemeinde. Vfarrassistent Sattler.

Nächstkünftigen Sonntag, beu 1. Oktober, Beichte und heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Johannesgemeinde. Anmeld- ungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Katholische Gemeinde.

Samstag, den 23. September 1905.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zuk hl. Beicht.

Sonntag, den 24. September 1905.

15. Sonntag nach Pfingsten.

Benediction der neuen Kirche.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 61/. Uhr: Die erste fieil. Meße, vor und in der­selben Austeilung der heil. Kommunion. Um 7, 7V, und 8 Uhr sind heil. Messen.

Um 9V2 Uhr: Benediction der neuen Kirche; sodann Hochamt mit Predigt und Ministration. Nach dem Hochamt Uebertragung des Allerheiligsten aus der alten in die neue Kirche. Daraus akramentalischer Segen.

Abends um 6 Uhr: Predigt; darauf Andacht mit Segen unb theophorischer Prozession in der Kirche.

Alle Gottesdienste vor der Benediction finden noch in der altert Kirche statt: nach der Benediction werden alle Gottesdienste in der neuen Kirche gehalten.

Israelitische Religionsgemeinde.

Hottesdlenkl in der Synagoge (Südantage).

Samstag den 2 3. September 1905:

Vorabend: 6.00 Uhr. Morgens 8.30 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr.

Sabbathausgang 7.10 Uhr.

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Marktplatz 11 am Kriegerdenkmal Telephon 407. 460?

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