Ausgabe 
21.1.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 18

Zweites Matt.

155. Jahrgang

Samstag 21. Jamrar 1905

Grjchetnr a-N- mit Ausnahme btt Sonntags,

DieUsenet LamilienblSNer" werden dem e91nüetflet viermal wdd)entiid) beigelegt. Der ^helstlche tftBöwUF «tchemi aumatUch etnmoL

Gießener Anzeiger

RotatttmSdruck and Vertag der Brühl'fchea UnwerluLtSdruckeret. 9L Lange, Gretz«.

Redaktion, Lxpedttwn cl Druckerei Schulftt-K. XeL 91t. 6L Xeitcgu- Ädc. t An-erg« GretzeH,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.

Li Sera legfkofoflie.

Aus Anlaß des seltscnnen Vorgehens des Konsistoriums der Provinz Brandenburg, das den tiberalcn Prediger D. Fischer von der St. Markus-Gemeinde wegen eines liberalen Vortrages gemaßregelt fycrfte, war zu Mittwoch abend eine Protest Versammlung in Berlin einbe­rufen, die von mehr als 2000 Personen besucht war. Unter den Anwesenden bemerkte man auch den Oberbürgermeister Kirschner, den Stadtverordneten Dr. Langerhans und eine größere Zahl Stadtverordnete. Reichs tags ab g. Schrader, der den Vorsitz übernommen hatl-e, wies kurz auf die Bedeutung der Versammlung hin und erteilte das Wort dem Professor D. Pfleiderer. Dieser führte, vielfach: von Beifallskundgebungen unterbrochen, im wesentlichen folgendes aus:

Wir hatten in jüngster Zeit vielfach gehofft, daß der Ernst der Zeit, die Not des Protestantismus unsere Kreise zusammen- scbweißen werde unter Beiseitesetzung der kleineren Differenzen. Daß diese Hoffnung aber irrig war, lehrt die gegen den Pfarrer D. Fischer erhobene Anklage, die ja nicht so ganz unerwartet kam. Mir hat D. Fischers Vortrag, der zur Anklage führte, sehr gut gefallen, denn ick fand darin Glanbensüberzeugung, gehaart mit aründlicber wissenschaftlicher Dur^bildung. Es ist verdienstlich, daß D. Fischer nicht bloß an die praktischen Arbeiten unserer Zeit gedacht, sondern daß er auch die Wahrheitsseite der Religion beleuchtet hat. Dabei bewies er den vollen Mut der Wahrhastig­keit, indem er mit Recht betonte, daß wir manches von den reli­giösen Ueberli"ferrmgen fallen lassen müssen, wenn wir den Kern retten wollen. Solche Männer aber brauchen wir in der evan- aelifchen Kirche. (Bravo.) Um so größer war mein Erstaunen über das Schreiben des Konsistoriums an D. Fischer. lRebner »erliest das Schreibend Daß hier einem fast sechzigiabrigen, notorisch tüchtigen Geistlichen mit wissenschaftlicher Durchbilduna von der vorgeievten Behörde ,.Unreife" vorgeworfen wird, ist stark. Die Behörde hätte den Mann schützen sollen gegen das Nebelwollen einzelner Gemeindemitglieder und hätte den Unver­stand zur Vernunft bringen sollen. (Lebhafter Beifall.) Aber der Vorgang mit D. Fischer ist zum Anlaß genommen, um, der mo­dernen theologischen Wissenschaft e-twas om Zeuge zu sticken. Ob dieser Zweck erreicht werden wird, erscheint indes fraglich. Es ist ein frischer Zug in die Tbeologievrofessoren gekommen, und sie werden sich den Mund nicht so leicht wieder schließen lassen, bravo.) Es gilt für uns, den alten Geist, die alte Wahrheit in neuen Formen darzubieten. Was Delitzsch über Babel und Bibel sagt, bat zwar in weiten Kreisen große Austegung bervor- »erufen, doch blieben dabei die Theoloaievrofessoren vollständig kühl, weil sie von der Wahrheit jener Mitteilungen längst über­zeugt waren. Daß sie sich nicht in den damals entbrannten Streit mischten, geschah einmal, um kein Aergernis zu erregen, und tarnt sagten sie sich auch, daß es besser sei, wenn weite Volks­schichten die geschichtliche Wahrheit von anderer als von. theo­logischer Seite erfahren würden. Die Zeit des Schweigens ist für uns Professoren aber jevt vorüber, die Zeit des Redens ist ge­kommen. (Anhaltendes Bravo.) Eigentlich müßten wir das in Berlin errichtete Schlei ermacher-Denkm al wieder niederreißen, weil ja jener Mann die a^chen religiösen Anschauungen ver­suchten hat wie jetzt D. Fischer.

Der Vortragende kritisiert hierauf in scharfer Weise einen Vortrag, den der orthodore Pfarrer Lasson in einer Versammlung in der neuen Philharmonie gehalten und zu heftigen Ausfällen gegen D. Fischer sowie gegen die kirchlich-liberale Richtung benutzt hat.

Zum Schluß ging Redner auf den angefochtenen Vor­trag des D. Fischer selbst ein und erläuterte dessen Haupt­sätze Was dort gesagt ist, führte er aus ist eigentlich längst Eigentum und Ueberzeugung denkender Christen. Fischers Ansichten sind sehr modern^ aber durchaus nicht unchristlich, 'sondern modernes evangelisches Christentum. Bedenken könnte man höchstens gegen seinen praktischen Vorschlag haben, schwierige, theoretische Religionsfragen im gewöhnlichen Gottesdienste von der Kanzel herab vorzu­tragen. Im öffentlichen Gottesdienst soll die Erbauung, nicht der Verstand vorherrschen. Der Vortragende schloß mit dem Hinweise, daß sich unser Vaterland gratulieren könne, wenn es möglichst viele Prediger vom Schlage l). Fischers hätte. (Anhaltender Beifall.)

Zur Annahme gelangte folgende Resolution:

,,Wir erffären, daß durch die maßlose Agitation der Positiven und die Entscheidung des königlichen Konsistoriums dem Pfarrer D Fischer schweres, völlig unverdientes Unrecht angetan ist. Wir fordern für die ebenso fromme wie freie Auffassung des Christen­tums, wie sie D. Fischer in seinem Vortrage vertreten hat, volles Recht in der evangelischen Kirche. Wir verlartgen vom Kirchen- regiment. daß es die kirchlich liberalen Glieder der Gemeinde in gleicher Weise schütze und fördere wie die orthodoxe. Wir fordern, daß den evangelischen Geistlichen in ihrem Amt volle Freiheit auf dem Grunde des Evangeliums gegeben werde. Wir bitten D. Fischer, im Verträum aus die allgemeine hohe Anerkennung, die er in den großen Kreisen freigesinnter evangelischer Christen findet, festzuhalten an seinem Amte, das er zum Segen seiner Gemeinde verwaltet hat, und in dem er hoffentlich noch lange stehen wird."

Das rsburfler Kreignis.

Kaum irgendwo finden die a m t li ch en ru s s i s ch e n Meldungen Glauben, da^; «einZufall oder ein Un­fall" schuld sei an der Kanonade auf das Winterpalais. Alle Umstände weisen auf einen sorgsam vorbereiteten An­schlag hin. Unsere Milif'rs schütteln den Kopf über die krampfhafte und unwahr-cheinliche Erklärung von demaus Versehen" stecken gebliebenen Geschoß. DieNr.. A. Ztg." cikzeptiert zwar höflichermaßen die russische DeutungUn­fall", bemerkt aber diplomatisch:Einer glücklichen« Fügung ist es zu danken, daß die Folgen nicht weit ernster ge­wesen sind." Als nahezu gewiß muß man annehmen, daß hohe Militärs mitbeteiligt sind. Anders würde der An­schlag nicht ausführbar gewesen sein. DieNationalztg." nwähnt die Möglichkeit, daß den Reaktionären, den Ver­teidigern des Msolutismus, der Gedanke gekommen sei, den Zaren durch eine ganz unerhörte Demonstration ein* zuschüchtern, um ihn dadurch von weiteren Zugeständnissen nn die freiheitliche Bewegung zurückzuhalten? Auch diese Vermutung hat manches für sich aber dieEinschüch­terung" hätte doch leicht den Träger des Absolutismus töten und dadurch erst recht die Revolution in Rußland sntsesseln können.

Uebcr den Vorfall in Petersburg meldet Reuters Korre­spondent:

Gleichzeitig mit den Salutschüssen der Geschütze, die den Schluß bet Zeremonie des Segnens der Newa durch den Zaren ankündigten,

krachte ein Schuß, und eine Kugel schlug duckch die Fenster des Winterpalastes. Niemand wurde durch sie verletzt: sie Maß einen Zoll im Durchmesser und bohrte glatte, je z-wei Zoll große Löcher durch die oberen Doppelfenster des Nikolai-Saales, wo eine Gruppe von Offizieren die Zeremonie beobachtete, ©ie zerschmetterte dann die elektrische Lamve auf der anderen Seite des Saales und fiel zu Boden. Ein Offizier hob das Geschoß auf. Bald daraus kehrte der Zar in feierlichem Zuge in den Palast zurück. Der Monarch war von dem Vorfall benachricytigt worden, und ein Offizier zeigte ihm beim Vorübevschreiten die Löcher in den Fensterscheiben. Der .Herrscher schien vollkommen unbewegt und streifte die .Spuren des Geschosses kaum mit' seinem Blick. Großfürst Wladimir stellte sofort Nachforschungen an und vernahm die Augenzeugen. Die Kugel kam, wie die Löcher beweisen, aus der Richtung der Börse. Nach einer Version soll das Signalgeschütz zufällig mit Schrapnells geladen gewesen sein, doch wurde dies von der Peter Paul-Festung abgefeuert, die in der entgegengesetzten Richtung liegt. Bedeutsam ist, daß: nach der Richtung der Löcher zu schließen, die Kugel dicht über dem Pavillon, in dem der Kaiser mit seinem Gefolge stand, vorbeigegangen sein muß und daß sie ungefähr in der Höhe einschlug, in der die Fenster liegen, von denen aus die Kaiserin, die Großfürstinnen und die Damen des Hofes und diplomatischen Korps die Zeremonie beobachteten. In demselben Auaenblick, als die Kugel in den Palast drang, tötete ein zweiter Schuß einen Polizisten. General Hitrowo leitete sofort die Untersuchung ein. Die Batterien, die heute dm Salut abgaben, gehören der reitenden 'Artillerie au. Tie Mannschaften wurden sofort in st r e n g st e n Arrest genommen. In der Stadt herrscht große Aufregung über den Vorfall. Daß ein Anschlag auf den Zaren geplant war, ist in Petersburg bereits feststehende Ueberzeugung ge­worden, so ungeheuerlich die Vorstellung auch ist, daß gegen den obersten Kriegsherrn aus den Reihen seiner eigenen, in der Residenz stationierten Truppen heraus sich eine Mörderhand erhoben haben soll. In die Petersburger Garnison pflegen doch nur als un­bedingt zuverlässig geltende Elemente ausgenommen zu werden, und wenn bei der Verwechselung der Geschützladung kein unglück­seliger Zufall obgewaltet hat, so kann man kaum glauben, daß der Schuldige nur unter den das Geschütz bedienenden Artilleristen gesuch-t werden müßte.

Das Fe st der Wasserweihe wird am 6. Junuar alten Stils in der ganzen morgenländischcn Kirche begangen zum Andenken an die Taufe Jesu Christi im Jordan. Es liegt dabei die Vorstellung zu gründe, daß durch diese Taufe nicht Jesns Christus, sondern das Wasser geweiht wurde. In solchem., an diesem Tage geweihten Wasser wur­den früher Heiden und Inden getauft, und in Erinnerung daran wird daZ Fest in Petersburg auch jetzt noch unter Entfaltung großer Pracht in Anwesenheit der ganzen Gar­nison und unter Assistenz zahlreicher Geistlichkeit begangen. Tas geweihte Wasser wird zu gottesdienstlichen Zwecken, zur Einweihung von Wohnungen usw. benutzt. In Peters­burg wird das Fest an der Nenm begangen, in deren Eis eine kreisförmige Oeffnung geschlagen wird; in diese taucht der Metropolit, der höchste geistlich«? Würdenträger der Resi­denz, das Kreuz, wodurch die Weihe als vollzogen gilt. Ter Zar wird mit dem ins Wasser getauchten Kreuz be­sonders gesegnet.

Aus Stadt und Kanö.

G i e ß e n , 21. Januar 1905.

* Von der Post wird uns folgendes geschrieben: Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgang ein Annahmebuch mit sich, in das er einzutragen bat: 1. die von ihm angenommenen Telegrannne, Einschreibsendungen, Sendungen mit Wertangabe, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendlingen, sowie Zeitungsbestellungen, 2. die zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellling von Zeitungen imb zur Beschaffung von Wertzeichen ihm über* gebeneil Beträge. Gleiche Annahmebücher führen die m Land­orten bestehenden Posthüsstellen. Der Einlieferer oder Auf- traggeber ist berechtigt, sich das Annahmebuch vorzeigen zu lassen, um sich von der Richtigkeit de- " mtragungen zu über*

Streik in Anhand.

Die Arbeiter haben in Petersburg auf allen Werken und Fabriken der Stadt die Arbeit niedergelegt; morgen werden alle Unterftfyriften für die Petition an den Kaiser gesammelt. Tie Versammlungen dauern fort. Ter Priester G a pon halt Ansprachen an die Arbeiter. Man ist überall entschlossen, Sonntag auf den Platz vor dem kaiserlichen Palais zu marschieren, selbst bei jedem nur denkbaren Widerstande, sogar wenn Truppen die Wassen gebrauchen sollten. Man hat sich entschlossen, keine Waffen mitzunchmen und sich der Gewalt nicht zu widersetzen. Die Arbeiter wünschen, daß der Kaiser selbst ihre Petition höre, sie tocigem sich, sie Beamten zu übergeben. Der Priester Gapon hat ver- sprock"en, vor «den Arbeitern in der Soutane mit dem Kreuz zu marschieren. Die Arbeiter erklären: wir sind bereit auf dem Platz vor dem Palais zu sterben. Wir verlangen ausdrücklich, daß der Kaiser erfebeint und 'uns anhört.

Gestern Freitag früh nach 8 Uhr drang eine aus Ar- heitern verschiedener Fabriken bestehende Menge in die Druckerei der Akademie der Wissenschaften ein, um die dortigen Sckiriftsetzer und andere Arbeiter zum Anschlüsse an den allgemeinen Ausstand zu zwingen. Da auf der Straße eine tausendköpsige Arbeiterschaft des Verlaufes der Dinge harrte, ordnete die Polizei, um Ausschreitungen boriubeugen, die Ein­stellung der Arbeit in der Druckerei an. Eine Arbeitermenge zog von der Druckerei der Akademie der Wissenschaften nach ver­schiedenen Fabriken in dem Stadtteile Wassili-Ostrow und veran­laßte, daß do-rt die Arbeiten emgestellt wurden. Die Polizei enthielt sich der Einmischung. (Das berührt bei den russischen Zuständen recht neu und merkwürdig. D. Red.)

Tie T a b a k f a b r i k S ch a p s h a l erbat eine Kompagnie Soldaten z u m Schutze, als 500 Arbeiter vor der Fabrik erschienen und die Einstellung der Arbeit forderten. Tie Fabrik wurde geschlossen, die Arbeiter gber vereinigten sich mit der Menge, welche in das Etablissement eiudrang und die Arbeits- Einstellung erzwang. Tie Truppen machten von ihren Waffen Feinen Gebrauch und kehrten in ihre Kasernen zurück, als sich die Menge entfernte.

Eine ams 200 Arbeitern bestehende Abordnung begab sich heute nachmittag in alle Werkstätten, Fabriken und Druckereien und forderte die dort brschästigten Arbeiter auf, die Arbeit n i e b e i" 3 u i e g c u , widrig?ufalls sie Gewalunaßregeln anwenden würden. Alle kleineren indußrieften Betriebe in Petersburg be­finden siel) bereits im Ausstande. Tie Truckereien werden ge­schlossen MendS wird eine Arbeiter-Versammlung stattfinden, in der man sich über die zu stellenden Bedingungen schlüssig machen will. ____

zeugen: auch kann er die Eintragung selbst be­wirken. Dem Publikum wirb empfohlen, von dieser Be­rechtigung Gebrauch zu machen.

** In der Gemäldeausstellung am Brand ist ein Gemälde von N. Scholz-München,Alm im Winter"^ neu hinzugekommen, welches nur acht Tage, einschließlich zweier Sonntage, ausgestellt bleibt. Die Kollektion von R. Kaiser-München, ist nur noch morgen, Sonntag, aus­gestellt.

Bürgerverein Gießen. Die Mtgliederzahl hak sich in erfreulicher Weise vermehrt, ein Beweis, daß man in der Begründung de§ Vereins einem langjährigen Wunsche der für das Wohl und Wehe der Stabt sieh inter-ssierenben Mit­bewohner entgegen gekommen ist. Es ist nun aber auch Recht und Pflicht, baß alle Mitglieder am Dienstag, den 24. Januar, abends, in Steins Saalbau erscheinen, um die Statuten definitiv festzulegen und einen Vorstand zu wählen, der der Würbe und dem Ansehen des Vereins entspricht. Eine Liste zum Einzeichnen ist am Dienstag in der Versammlung aufgelegt, damit vor Eintritt in die Tages­ordnung noch Jedermann die Mitgliedschaft erwerben und sein Stirnmreeht betätigen kann. Der Beitrag für ein Jahr mit einer Mark kann gleichzeitig erlegt werben. Da aus allen Stadtteilen Vertreter in den Vorstand entsandt werden, so dürften jede Frage und alle Jntereffen gleichmäßig und unparteiisch behandelt werden.

* Das Promenadenkon zert findet morgen, Sonntag, um V212 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. OuvertüreFrau Luna", von Lincke. 2. Valse bleue van Margis. 3. Potpourri aus der Operette Der Vogelhänbler", von Zeller. 4. A.-M. Nr. 206 von Trenklec.

fc. Darmstadt, 20. Jan. Die beiden russischen Hofopernsängerinnen Emilie und Gabriele Christ-> mann, die am Darmstädter Hoftheater ein zweimaliges Gast­spiel absolvierten, fangen heute bei einer Soiree im Lichev Schloß vor dem Großherzog und seiner Braut.

R -B. Darmstadt, 20. Jan. Der erste Ausschuß bet Zweiten Kammer hat heute mittag seine Etats- beratungen endgiltiq zum Abschluß gebracht. Die schrift­lichen Berichte der Aiisschußreferenten über den zweiten Teil betz Haushaltsetats wurden definitiv genehmigt und werben schon in ben nächsten Tagen beni Finanzausschuß der Ersten Kammer gebrueft vorliegen. Von ben schon früher erwähnten beanstandeten Forderungen wurde die Posttion von 16 800 Mk. zur Erwerbung eines Bauplatzes für die Errichtung von Gendarmerie-Wohnungen in Offenbach endgiltig abgelehnt, die gleichfalls beanstandet gewesene Forderung für bas Am tsgerichtsg ebäu be in Bübingen, als erste Rate für bie Errichtiing eines DienstwohngebaubeS für den bienstauffichtführenben Richter: a. 5000 Mk. für Grunberwerb imb b. 18 000 Mk. für ben Rohbau, wurde bewilligt; die Gesamtkosten des Baues sind auf 28 300 Mk. berechnet. Die Finanzausschüsse beider Kammern dürften am Donnerstag der nächsten Woche zu ihrer gemeinschaftlichen Beratung über den Etat zusammentreten. Wie wir weiter hören, beabsichtigt Präsident Haas, die Zweite Kammer in der zweiten Woche des Februar zur Etatsberatung zusammenzubernfen, die dann, da wesentliche Schwierigkeiten bezüglich des Etats zwischen Regierung und Kammer nicht vorhanden sind, noch im Laufe des Februar zu Ende geführt werben dürfte. Geschähe das wirklich, so bliebe bis Ostern, das diesmal erst auf den 23. April fällt, immerhin eine schöne Zeit für die Erledigung: anderer legislativer Aufgaben zur Verfügung.

fc. F-ranksurt a. M., 20. Jan. Auch auf bet Strecke Fran kfurt Gießen verkehren infolge bes Berg-' arbeiterau§ftanbc§ täglich zwei Güterzüge weniger.

Nnlverfltäts-Aachrichir'N.

hc. B erl i n , 20. Jan. Zu w i ss e n s cha f H i ch ciiU n t e r* nehinungenhat die preußische Akademie derWinen- schäften durch die phvsikaliscki-mathematische Klasse be w i ll i g t: dem Oberbergrat und Mitglied der Großh. Oberen Bergbehörde, Privatdozenteu für Mineralogie und Gesteinslehre an der tech­nischen Hochschule in Darmstadt, Pros. Dr. Karl Chelius zur Fortsetzung seiner g e a l o g i s ch-p e t r o ar a p h i s che n Bearbeitung des Odenivaldes 10 0 0 Mark; dem PHvsivlogen, a. o. Professor Dr. Otto Cohn beim in Heidel­berg zur FortftiHrung seiner Arbeiten über Glpkolpse in den Muskeln 1000 Mark; dem a. o. Professor der Anatomie an ber Universität Erlangen, Dr. med. et phil. Arnold Spuler zur ^ortfehimg seiner Bearbeitung der Schmetterlinge Europas 1000 Mark: dem Zoologen a. o. Professor Dr. Robert Lanterborn in Heidelberg zur Fortsetzung seiner Erforschung der Tier- und Pflanzenwelt des Rheins und seiner Zuflüsse 1000 Mark; dem o Professor der Pspchiatrie und Direktor der Zrrenkliuik an der Universität Gießen Dr. med. et phil. Robert Sommer zur Fortsetzung seiner Studien ü b c r A usdr u ck s b e w eg - ungen 500 Mark; dem Landeögeolvgen, Privaldozenten ftir Bodenkunde und Lehrer für Mineralogie an der Technischen Hock)- schule zu Darmstadt. Dr. Gustav Klemm zur Fortsetzung seiner geologischen Untersuchungen im Tessintal: Herrn Heinrich Friese in Jena zur Herausgabe einer Monographie ber Melivonen 1200 m?nrf und dem Pharmakologen, a. o. Professor Dr. Rudolf M a g ii n s in Heidelberg zur Fortführung seiner Versuche an glntter Muskulatur, speziell am überlebenden Darm 300 Mark. Die Akademie hat ben Professor an der Universität Rom Jgnazw G u i d i zum k o r r e s p o n b i e r c u b c n Mitglied der philo­sophisch-historischen Klasse gewählt.

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