Freitag 17. November 1905
!lr. 271
Drittes Blatt.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
155. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Universitätsdruckerei. R. Lange, Greben.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße«.
scheint töglich mit Ausnahme des Sonntags.
die „Siebener Familienblätter" werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Reifliche Landwirt erscheint monatlich einmal.
Dolitilche Tagesschau.
Von einem Kaisertelegramm, so? noch zu manchem Kommentar Anlaß geben dürste, be- lihtet man aus Straßburg:
Der deutsche Kaiser sandte an den elsäßischen ^Lan desausschußpräsidenten v. Jaunez ein Telegramm in französischer Sprache. Es lautet:
,,Je viens de recevoir la triste nonveile dc la mort de madame (e I unez et je m’empresse de vous exprhner ma Sympathie sincSre. Que dien vous accorde ses consolations.
Guillaume.“
Zu deutsch:
,Jch erhalte soeben die Trauerkunde von dem fMbleben Ihrer lattSn, und ick beeile mich, Ihnen mein ausrichtiges Beileid aus- pivrechen. Möge der Herr Sie trösten.
Wilhelm."
Jaunez ist Präsident des Landesausschusies eines Deutschen Bundesstaates und deutscher ReichstagS- ibgeordneter. Man kann einstweilen nicht annehmen, daß der dculsche Kaiser an den Präsidenten einer deutschen Lindesvertretung und an einen deutschen Peichstags- abgeordneten ein französisches Telegramm gerichtet haben Jolltt. Zumal ist da§ unwahrscheinlich, wo es sich um einen Staatsbürger handelt, der eine zum Teil noch französisch gnunte Bevölkerung eines deutschen Landes im Landes- ausschuß und Reichstag vertritt.
Ter neue preußische Justizminister.
Der Breslaiier Oberlandesgerichtspräsident Dr. Bese le r ist zum Nachfolger des Justizministers Dr. Schönstedt ernannt worden.
So wird vielfach behauptet. Das offiziöse Tel.-Bureau spricht allerdings vorerst nur von einem solchen Gerüchte.
Oberlandesgerichtspräsident Dr. Beseler ist, wie all- Mtin versichert wird, ein Mann von nie erlahmendem 8Weiser und immer gleichmäßig bleibender Ruhe und Vornehmheit. Dr. Beseler ist ein Sohn des als Rechtslehrer und liberaler Politiker bekannten Prof. Beseler, der Mitglied der deutichen Nationalversammlung war, Mitglied der Deputation, bi Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone anbot, später liberales Mitglied des Abgeordnetenhauses und des Neichs- ia;S für einen Bezirk seiner schteswigschen Heimat, zuletzt bis zu feinem Tode auch Mitglied des Herrenhauses. Der Sohn Diirl*e 1867 Gerichtsassessor, kam als Gerichtsassessor 1870 nach Hannover und von dort 1874 als Stadtrichter nach Sedin. Hier rückte er 1878 zum Stadtgerichtsrat auf. Bei ter Justizreorganisation 1879 wurde er Landgerichtsrat beim Landgericht I. Drei Jahre blieb er in dieser Stellung; 1882 lam er als Landgerichtsdirektor nach Saarbrücken und von hort 1886 nach Düsseldorf. 1888 wurde er LandgcrichtS- präfi'bent in Oppeln. 1892 kam er als Amtsgerichtspräsident nach Berlin und hat sich in dieser außerordentlich schwierigen Liebling nach jeder Richtung hin bewährt; was sein Organisationstalent dort schuf, wurde von Richtern und Unteirbcnnitcn freudig als mustergiltig anerkannt. Etwa fünf Jjdbcc blieb Dr. Beseler auf dem Berliner Posten; 1897 ging er als Oberlandesgerichtspräsident nach Kiel und von hort später in gleicher Eigenschaft nach BreSlau. Politisch -1 Präsident Dr. Beseler nicht hervorgetreten; man rechnet Ün gu den Gemäßigt-Konservativen.
Onkel uttb Neffe.
Das Reutersche Bureau ist ermächtigt, die Vlättermeldung, i<cPrivatsekretär deS Königs von England, Lord Knollys, habe M das preuß. Oberhofmarschallamt die Anzeige gelangen lassen, ikc König und die Königin von England würden sch nn den Festlichkeiten anläßlich der silbernen Hoch- Zkit deS deutschen Kaiserpaares persönlich betei- Qig en, für unbegründet zu erklären.
Dieses grobe Dementi durch das hochoffiziöse Londoner LI.-Bureau muß als ein Anzeichen dafür gelten, daß die mmungen zwischen den Höfen in unverminderter Schärfe bestehen. Kürzlich war daS Gegenteil behauptet sjrben. DaS hatte wohl dazu den Anstoß gegeben, den Hsuch, den König Eduard seit langem in Berlin schuldet, ul den deutschen Festlichkeiten in Verbindung zu bringen. San hätte ebenso gut auf deutscher wie auf englischer Seite jjne Meldung richtigstellen können, denn es lag keinerlei An- IKitigung des Besuchs von London aus vor. Man ist hier jjiboch höflich genug gewesen, nicht zu widersprechen, um gern Anschein zu vermeiden, als ob politische MeinungS- wr'chiedenheiten irgendwie das Maß von Gastlichkeit beein» ffisssn konnten. Von dem gröblichen, beabsichtigt unfreund-
Dementi deS Reuterschen Bureau läßt sich sagen: /föit’S zu dem übrigen IH
Iahresfest
L>eS Oberhesfischen Vereins für innere Mission. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) n.
Gießert, 15. Nov.
Von gestern ist noch der Bericht über die Mitglieder- ^ri a m m t u n g am Nachmittag nachzutragen. Sie war Haupt- Ulrich der Beratung über „die Für sorge für die konfirmierte Jugend auf dem Lande" gewidmet. Der erste Anibterstatter, Pfarrer Braß aus Darmstadt, der Vereins- rf’ii'taicfjc des Landesvereins, legte an der Hand gedruckter Thesen ii’e Fürsorge als eine mit der Taufe und Konfirmation der jingem Christen von der christlichen Gemeind; übernommene un- Mr-isbare Pflicht dar, und bestimmte als deren Ziel, sie auf ip möglichst beste und sicherste Weise zu bewußt christlichen Cb öfteren zu erziehen. Diese Fürsorge dürfe nicht länger die SiHiberei Einzelner bleiben, sondern müsse im vollsten Umfang
' den Kirchen gemeinden und ihren Organen ausgenommen Herb en. Die Zeit dazu sei günstig, da auch dre Staats- und Enuindebehörden anfangen, den dringenden Ernst dieser Auf- O5; zu begreifen. Eine feste Vereinsform sei den freien Ver-
• Ein haarsträubender Vorfall, dem ein blühendes junge? Menschenleben zum Opfer fiel, hat sich auf dem Keuvon College in Obio zugetragen. Der Student Pierson, der die Aufnahme indem eine der auf allen amerikanischen Hochschulen bestehenden geheimen,
einigungen vorzu,ziehen, da sie mehr Stetigkeit der Arbeit gewähre und die Mitglieder zur Mitarbeit erziehe. Wenn damit auch nur einem kleineren Kreise gedient werden könne, so werde dadurch ein Kern charaktcrm>ller Menschen gebildet, von denen der gute Einfluß auf weitere Kreise audgefc. Diese Form der Jünglings- und Jungfrauenvereine sei auch auf dem Lande trotz aller entgegenstehenden Schwierigkeiten möglich und zu erstreben. Dem gegenüber hielt der Mitberichterstatter, Pfarrer Dörr aus Ossenheim, diese Schwierigkeiten für erheblicher, na mentlich auch die, ein passendes Lokal zu > >bcn, und befürwortet, es in kleineren ländlichen Gemeinden do ber mit einer freieren
Weise der Sammlung der Jugend zu chen, da der Pfarrer
nicht, wie etwa ein Vereinsgeistlicher, auf verzichten lonnc, allen zu bienen. Neben Schaffung ei' Gemeindesaals wünscht er auch Spielplätze für die Jugend. r Diskussion trat Professor Dr. Wurster aus Friedberg für die Vereinsform ein, wäkwend andere den von Dörr erhobenen Bedenken beipflichteten, und fiir Anknüpfung an die natürlich gegebenen Formen, an die Konfirmation einerseits, an das Bedürfnis der Jugend nach Freude andererseits sprachen. Da die Frage, trohd.u'. sie schon seit Jahrzehnten auf der Tagesordnung der inneren Mission steht, immer noch nicht völlig geklärt erscheint, ihre Lösung aber immer dringender wird, wird aus Antrag von Prof. Wurster eine Kommission gebildet, die die Frage studieren und demnächst weitere Vorschläge machen soll. Als Mitglieder werden gewählt: Prof. Wurster, die Pfarrer Dörr, Belitsch, Koch, Frenndlieb, Schwabe und Schlosser.
Der heutigen Jahresversammlung im Konsirmandcnsaal der Joh-nneskirche ging eine Morgenandacht voraus, in der Ober- vfarrcr E. A. Müller ans Lauterbach II. Cor. 5, 14 auslegte. Dann erstattete der Schriftführer, Pfarrer D. Schlosser, den Jahresbericht. Wir entnehmen daraus, daß der Verein beschlossen hat, die Förderung christlicher Erkenntnis und der Kenntnis der christlichen Liebesarbeit durch Vorträge sich angelegen sein zu lassen. Die Einrichtung^ eines christlichen Hospizes in Bad-Nauheim ist ins Auge gefaxt. In die Herberge zur Heimat in Gießen ist als Nachfolger des allzu früh verstorbenen trefflichen langjährigen Hausvaters Kahle Hausvater Loh ein- getreten. Der Besuch im Jahre 1904 ist wieder etwas gestiegen: von 14 472 auf 14 781 Nächte. Dagegen ist erfreulicherweise der Prozentsatz der auf Kosten der Naturalverpflegungsstation Untergebrachten zugunsten der Selbstzahler gesunken. Mancherlei christliche Liebeswerke sind durch die Organisation und aus der Kasse des Vereins gefördert worden. Bei einer Einnahme an Mitgliederbeiträgen von 991 Mark sind an Beiträgen für dergleichen 580 Mark ausgeaeben worden. (Zentralausschnß für innere Mission 50 Mk.; Vorständeverbmd der cv. Jungfrauenvereine 10 Mk.: Nauhes Haus 10 Mk.: .Hauptverein für Auswanderer 10 Mk.: Konferenz der Sittlichsiitsvereine 20 Mk.: Unterstützungsverein der Berufsarbeiterinnen 10 Mk.: deutscher Herbergsverband 5 Mk.: Soziale Geschäftsstelle 50 Mk.: Preß- ausschuß 50 Mk.: Deutscher Verein für Gisth'msreform 5 Mk.: Verband der Oberh. Erziehungsvercine 10 Mk.: Herberge zu Friedberg 150 Mk.: Herberge zu Gießen 200 Mk.) Die Organisation des Pr e ßau s s chu s se s Ipt sich bewährt und sichert die Verbreitung der im Interesse des kirchlichen, religiösen und sozialen Lebens ertoünf n Nachrichten und Mitteilungen.
Bei der Neuwahl s : Vorstandes wurden die bisherigen Mitglieder: Bros. D. St >m, Oberstaatsanwalt Theobald. Pfr. D. Schlosser, E. Kauffmann, G. Windecker, Prof. D. Trews, $3fr. Euler, Oberkonsistorialrcit Waas. Superintendent D. Petersen, Stiftsdechant Klingelhöfsev-Lich, Pfr. Webw-Lang-Göns, Oberamtsrichter Wahl-Schlitz. Fabrikant Nömheld-Friedrichshüttc, Dekan Strack-Leihgestern, Freiherr von Leonhardi-Groß-K'arben, durch Zuruf wieder, unb Prof. Dr. Wurster-Friedberg neu binzugewählt.
Nachdem dann noch Pfr. Widmann aus' Darmstadt im Namen des Zentralausschusses für innere Mission in Berlin und des Landesausschusses begrüßt hatte, erstattet Pfarrer M ühl- li äußer, theologischer Lehrer am Missionshaus zu Basel, sein Referat über „die Erneuerung der christlichen Sitte in der Gegen war t". Nachdem er aus der Geschichte am Beispiel des Urchristentums, des Pietismus und der Brüdergemeinde nachgewiesen, daß das Christentum auch siltebildend wirke, legt er die Bedeutung solcher Sitte dar, wie sie für die Bildung der Persönlichkeit den gemeinsamen Unterbau liefere, dem Volk in schweren Krisen einen starken Halt gebe. Durch die gegenwärtig im Gang befindliche Auflösung einer festen Sitte werde das Volksleben mit dem Zerfall in einzelne Atome bedroht. Aber weder könne sie künstlich erhflten werden, wie man das vergeblich mit den Volkstrachten versuche, noch könne neue Sitte von außen gemacht werden, am wenigsten durch Gesetze, die vielmehr vielfach in die Sitte zerstörend eingreifen, sondern nur vom innersten Kem starker Persönlichkeiten aus und durch Bildung neuen Gemeingeistes. 9llles, was das Gemüt an Volk und Heimat binde: Ortsgeschichte und Ortsbrai'.ch, muß treu gepflegt werden. Mer das Beste muß aus der Tiefe des christlichen Gemütes kommen. Die Diskussion ergab eine weitgehende Zustimmung zu den fein empfundenen Ausmhrungen. Doch wurde auch darauf hingewiesen, daß der Zwang der Sitte, z. B. beim Abendmahl und der Konfirmation, auch die Unwahrheit fördern und dadurch die christlidw Ctzarakterentwickluna bindern könne, und ebenso, daß. wo bte Sitte ihre innerliche Macht verloren habe, man auf Bildung neuer Sitte wirken müsse. Prof. Trews betonte namentlich, daß die Auflösung der Macht der Sitte schon mit dem 30 jährigen Stieg einfetze. Heutzutage fehlen dafür die Grundbedingungen: die einheitliche Grundstimmung int Volke, und eine gewisse Ruhe der Lebensverhältnisse. In Zeiten, in Seiten der Mensch als Masse auftritt, wie im Mittelalter, bildet sich leichter Sitte, als in Zeiten, da die einzelne Individualität nach G'ltung singe. Tas ist an sich gewiß ketn Schaden. Auch daß sich heute der Staat in alles mischt, fördert die Sitte nicht. Andererseits ist die Bildung neuer Sitte überall im Gang. Es gilt nur, mit einem feinen Gefühl für das Volksleben darauf zu achten und sie zu fördern. Unser Zustand tit die Folge unserer Kulturstufe, nicht religiösen Rückgangs. 0-rund znm Verzagen ist nicht. Wurde auch von anderer Seite bteie Beurteilung der Erscheinungen in Vergangenheit und Gegenwart zum Teil bestritten und darauf hingewiesen, einmal, wie auch in unserer individualistischen Zeit doch so viel Neigung, „Masic' zu bilden vorhanden sei, die sich nur, statt durch bte Sitte, burch die Schlagworte ber Zeitung und der Führer letten lasse, unb wie andererseits auch selbst solche Zeiten, tote bte nach dem 30 jährigen Krieg nicht nur sittezerstörenb. sondern auch aufbau end gewirkt haben Georg II. von Hessen!), so sand doch dieser tapfere Ton seinen Widerhall und klang auch in dem Schlußwort des Referenten aus. Daß eine mite »Sitte" ein unentbehrliches Element ein-s gesunden Volkslebens sei, das sorgfältigste Pflege von allen Seiten verdiene, mit dieser Ueberzeugung schieden wvhl alle Teilnehmer aus den anregenden Verhandlungen.
mit griechischen Anfangsbuchstaben bezeichneten Verbindungen nachgesucht hatte, wurde vor ber Rezeption den üblichen, sonst ein wenig an die r3auberflöte* erinnernden „Proben* unterworfen. Außerdem wurde er, um festzustellen, was seine „Nerven^ auSzuhalten vermöchten, an den Schienen deS nächsten BahngleiseS festgebunden. Unglück- lichenveise kam alsbald ein Spezialzug, der nicht im Fahrplan vorgesehen war, und — zermalmte den un» glücklichen Jüngling. Run ist natürlich eine Untersuchung emgeleitet wordeu, die bereits ergeben hat, daß diese seltsame Art, die „Nerven zu erproben", seit Jahren an diesem College gang und gebe war unb schon viele andere Studenten von dieser ^ragödie betroffen hat, wenn auch noch nie mit einem ähnlichen Erfolge. Das Schlimmste bei dieser Skandal- affäre ist aber, daß der Präsident deS College, anstatt dem nichtsnutzigen Unfug mit aller Energie entgegenzutreten, die Schuldfrage zu vertuschen sucht und vor der KoronerSjury aussagte, der Student sei nur einem unglücklichen Zufall zum Opfer gefallen.
* Kleine Tageschronik. In dem luxemburgtschev Dorf R o l l i n g e r g r u n d sind die schwarzen Pocken autz. gebrochen. Zwei Personen sind bereits gestorben, zwei Mäd. chen schwer erkrankt. — In Ueckendors bei Gelsenkirchen erschlug ein Bergmann einen Hausierer mit einem Beil in einem Streit, der wegen Bezahlung eines Schuhr,einens enlstanden wap
<H,richtsiaal.
Franksurt, 16. Nov. Aussehen erregt eine Gerichtsver* Handlung, bei ber es sich um Schadenersatzansprüche desHelden-f lenors Emil Borgmann gegen den Aussichtsrat der Thealer-AktiengeseNschast in der Höhe von 150 000 Mk. handelte, Intendant Jeuien hatte Borgmann für kontraktbrüchig erklärt und. beim Bühnenverein auf eine Konventionalstrafe von 18 000 Mk. verklagt. Borgmann machte dagegen geltend, der Intendant habe, ilrni einen Kontrakt zur Unterschrift vorgelegt, welcher den münb- l ich en Vereinbarungen über die künstlerische Beschäftigung nicht; entsprach und außerdem sei er in Frankfurt absichtlich kaltgestellb ivorden: die Folge war eine hochgradige Erregung des Künstlers. Bei einer, von der Intendanz angeordneten Untersuchung verfiel Borgmann in Weinkrämpfe und gebärdete sich so, daß der Arzt ihn für geistig unzurechnungsfähig erklärte. Borgmann absolvierte trotzdem ein e rsolgreiches Gastspiel bei den Münchener Fesisoielen und die Folge, ivar die Klage des Intendanten aus K o n t r a k t b r u ch u n d Zahlung von 1 8 0 0 0 M k. Ter Sänger behauptete dagegen, die Erlaubnis des Intendanten^ für r Auftreten in München gehabt zu haben. Die Klage Jen-, sens ivurde abgewiesen und nun klagt Borgmann auf eins Entsch ädigung von 150 0 0 0 Mk. wegen künstlerischer und! materieller Schädigung. Tas Urteil in dieser Sache soll am> 20. Nov. verkündet werden. In der Verhandlung wurde an dem. Verhalten des Intendanten Jensen scharfe Kritik geübt; unten anderem wurde ihm vorgcworfen. die Laufbahn Borgmanns voll-j ständig ruiniert zu haben. Tatsächlich ist der Künstler durch ba$ Vorgehen ber Frankfurter Intendanz in die größte Not geraten;) die Erlangung eines Engagements war ihm bisher unmöglich.
Köln, 16 Nov. Vor dem Schwurgericht hatten sich der Pferdeknecht Hürtgen aus Mülheim (Rhein) und dessen Frau zu, verantworten. TieSlngeflagten hatten das dreijährige Kindi der Frau Körtaen aus erster Ehe zu Tode gemartert. In. den letzten 14 Tagen vor dem Tode hatte der Mann die Kleine mit einem lederneil Leibriemen, an dem sich ein eiserner Verschluß beraub, geschlagen, sie an den Haaren im Zimmer herumgezerrt und täglich in eine mit kaltem Wasser gefüllte Bütte lange Zeit! getaucht. Außerdem erhielt das Kind tagelang keine Nahrung« Als das Kind infolge ber unmenschlichen Mißhandlungen und Ent-, fräfhmg sich nicht mehr aufrecht halten konnte, wurde es mit einem Strick an die Wand gehängt, so daß es mit den Fußen gerade noch die Erde berühren konnte. Am 24. Juni wurde das Kinb mit einem Riemen an die Türklinke gehängt, der Mund wurde gewaltsam geöffnet und Kautabak in den Schlund gedrückt. Da»> rauf legte Röttgen die Kleine auf einen Strohsack und drückte iHv so lange auf den Leib, bis Blut aus dem Munde drang. Bald! wurde daS arme Geschöpf von seinen Leiden durch den Tod erlöfL Bei den Mißhandlungen hat die Blutter Hilfe geleistet. Das Urteil! lautete gegen den Angeklagten Körtgen auf Todesstrafe, gegen die Frau auf ein Jahr Gefängnis.
Kiel, 16. Nov. Das Kriegsgericht verurteilte deuj Torpeboheizer Ehmke, welcher der Räbclsführer einer Schlägerei, mit einjährig-freiioilligen Vorgesetzten toar, zu 6Vz Jahrerp Zuchthaus unb Ausstoßung aus dem Heere.
Handel und Verkehr. Volkswirtschafl.
Märkte.
[*1 Tlarburg, 16. Nov. Auf dem heutigen Schweine», markt entwickelte sich bei hohen Preisen ein recht lebhafter Handel. Saugferkel, 6 Wochen alt, kosteten 40—45 Mk., 3 Monate alte: Läufer 50—60 Mk., '/,jährige Schweine 80-90 Mk. und Mastschweine 168 -180 Mk. ver Paar je nach Größe und Qualität.^ Zugefahren waren 730 Stück, die auch aiisverkauft wurden.
Arbeiterbewegung.
Dortmund, 16. Nov. In einem Aufruf an die Dergf l e u t c des Nuhrreviers warnt die Siebener-Kommission sämt-j sich? Bergarbeiter dringend, die auf den Zechen angeschlagene Arbeitsordnung zu unterschreiben, falls ilynen diese 6in* Unterschrift von den Zechenverwaltungen vorgelegt werden sollte. Die neue Arbeitsordnung widerspräche den gesetzlichen Bestimmungen in einzelnen Punkten unb berücksichtige andererseits die Abänderungsanträge der Verbände nicht. Die Siebener- Kommission werde in ihrer nächsten Konferenz dazu Stellung nehmen.
Kattowitz, 16. Nov. Aüf der Myslowitz-Grube fehlten von der heutigen Tagbelegschafl 695 Mann gegen 720 am Tage vorher. Neu in den Ausstand getreten ist die Neuprzemsa-Grube ber Kattowitzer A. G. in Brzezinka, wo von 160 Mann nur 6 einfuhren. Auf ber Gieschegrübe fehlten von 2435 nur 840 Mann. Aus einigen Schächten dieser Grube ist die Belegschaft voll ein* gefahren.
Der Tanzslnndenball war wundervoll, • aber mm bin ich so heiser daß ich nicht sprechen kann, unb der Husten läßt mich nicht schlafen. — Aber ich begreife gar nicht, warum du dich damit plagst! Kauf dir eine, Schachtel Fay's Sodener Mineral-Pastillen, die nutzen mehr pfrä als Tees und Bonbons und du sollst sehen: morgen bist MW du wieder ganz in Ordnung. Aber wenn du wieder zum Ball oder ins Gefchäst gehst, nimm immer ein paar So- deuer mit auf den Weg und lutsche sie langsam: dann wirft du dick kaum erkälten und jede Indisposition sofort bekämpfen.—Für 85Pfg. perSchachtel überall erhältlich. hvu/e


