Nr. 118 Zweites Blatt. 155. Jahrgang
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Samstag 20. Mai 1905 Notationsdruck und Verlag der VrÜhl'sch«, UnwersitätZdruckeret. R. Lange, Gieß«.
Redaktton, Expedition «.Druckerei: Schulstr.^ Del. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Dietz«.
General-A zeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Gießen, den 19. Mai 1905.
Betr.: Die Prüfung der israelitischen N ligionslehrer im Jahre 1905.
Die Großh. KreissKulkommi lioti Gießen <m die Großh. Bürgermeistereien und Schulvorstände des Kreises.
Nachstehende Bekanntmachung Großh. Ministeriums in obigem Betreff bringen wir zu Ihrer Kenntnis und empfehlen Ihnen, etwaige Interessenten rechtzeitig davon zu benachrichtigen.
Tr. Breidert.
Kickanntmachnnq.
Die diesjährige Prüfung für israelitische Neligions- lehrer soll Montag, den 19. Juni, von 8 Uhr vormittags an, im Amtslokale der unterzeichneten Behörde (Luisenplatz Nr. 2) dahier abgehalten werden.
Diejenigen, welche sich dieser Prüfung zu unterziehen beabsichtigen, haben ihre an die unterzeichnete Behörde zu richtende Meldung bis spätestens zum 3. Juni bei der betreffenden Kreisschulkommissson einzureichen.
Der Meldung ist beizufügen:
a) ein Geburtsschein,
b) ein selbstgefertigter Lebenslauf,
c) Zeugnisse über den Erwerb der allgemeinen Bildung und der Fachbildung,
d) ein amtliches Leumundszeugnis,
e) der gesetzliche Stempel im Betrage von 1 Mk. 50 Pfg.
Diejenigen, welchen die Zulassung nicht bewilligt worden ist, werden davon benachrichtigt. Die andern haben sich am Tage der Prüfung rechtzeitig im Prüfungslokal einzufinden.
Darmstadt, 3. Mai 1905.
Großherzogliches Ministerium des Innern. Abteilung für Schulangelegenheiten.
I. V.: N o d n a g e l.
de Beauc laix.
Bekanntmachung.
In dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs und Berggrundbuchs für die Gemarkung Alten-Buseck beginnt die Anmeldungsfrist am 1. Juni 1905; die Frist endigt am 31. August 1905.
Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der Anmeldungsfrist zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Großh. Ortsgerichtsvorstehers zu Alten- Buseck und aus dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden.
Gießen, den 17. Mai 1905.
Großherzogliches Amtsgericht.
VolitMr Tagesschau.
Dem Scheitern nahe?
Man schreibt uns aus Berlin vom 19. Mai: Die Bergarbeiterschutznovelle teilt in gewißem Sinne das Schicksal der Militärvorlage. Als bei der Kommissionsberatung der Letzteren das Zentrum seine „kavalleristischen Kunststücke" vorführte, wurden alle Anträge abgelehnt, sodaß die deutsche Armee vorübergehend überhaupt ohne verfassungsmäßig bewilligte Reiterei war. Die Füllung dieser Lücke machte eine neue Lesung notwendig. Bei der heutigen zweiten Beratung der Bergarbeiterschutznovelle im preußischen Abgeordnetenhaus wurde über die Arbeiterausschüsse hin und her abgestimmt, bis sie schließlich völlig beseitigt waren. Hier in der dritten Lesung das fehlende Glied so einzusetzen, daß der Bestand des Ganzen gesichert ist, wird freilich ungleich schwerer sein. Die Konservativen erklären mit auffallender Schärfe, saß sie hier über die Kommissionsbeschlüffe hinaus zu Zugeständnissen nicht geneigt sind. Was solche Erklärung bedeutet, weiß die Regierung von der Kanalvorlage her. Die kommissionsbeschlüffe sind andererseits für das Zentruln und die Linke wohl unannehmbar. Es eröffnet sich also jetzt allen Ernstes die Aussicht auf das Scheitern der Bergarbeiterschutznovelle uud auf die Notwendigkeit, vom preußischen Landtag an den Reichstag zu appellieren. Graf Bülow sieht sich gar unsanft aus der Wiesbadener Festfreude herausgerissen.
Die internationale wirtschaftliche Konferenz.
Berlin, 19. Mai.
In der heutigen Vormittagssitzung stand zunächst /ttf der Tagesordnung die Frage der Beeinflussung der Wirkung von Maßregeln der Zollpolitik durch die Frachi- oolitik. Hierzu brachte Neichstagsabgeordneter Goth ein eine Reihe von Leitsätzen vor. Diese Frage soll aus der nächsten Konferenz weiter behandelt werden.
In der Schlußsitzung der internationalen wirtschaftlichen Konferenz wurde über die Begründung eines periodischen Wirtschafts-Kongresses beraten. Der Referent Dr. Borgius bringt eine Reihe von Leitsätzen vor, von denen der Vorschlag angenommen wird, die Veranstaltung kines periodischen internationalen Wirtschaftskongreffes im Auge zu behalten. Angenommen wird ebenfalls ein Antrag Pott hoff, nach dem das Präsidium dieser Konferenz sich tu einem provisorischen Ausschuß zusammenschließt, um zunächst die wichtigeren wirtschaftlichen Vereinigungen dec verschiedenen Staaten für den Gedanken zu gewinnen, die Ärundzüge einer Organisation auszuarbeiten und insbesondere dahin zu wirken, daß auch die von anderen Seiten mgeregten ähnlichen Pläne durch Vereinigung aller Lestrebungen zu einem gemeinsamen, fruchtbaren Ergebnisse Ähren.
Aus Stadt und KanS.
Gießen, 20. Mai 1905.
** Provinzial-Ausschuß. An: Samstag, den 27. d. M., vormittags 9 Uhr beginnend, findet eine Sitzung des Provinzialausschuffes der Provinz Oberhessen mit folgender Tages-Ordnung statt: Die Verlegung der Haltestelle in Ranstadt; hier Enteignung von Gelände.
*’ Gemälde-Aus st ellung am Brand. Wie bereits gestern bemerkt wurde, ist die Ausstellung wieder geöffnet. Es sind außer den erwähnten Kollektionen noch folgende Gemälde heute in die Ausstellung eingereiht worden: „Friedrich der Große in der Schlacht bei Leuthen" von M. Weese-Berlin, „Sollst leben" von R. Epp-München, „Bunte Enten" von A. Koester-Klausen, „Interieur", „Goldener Herbst" von B. Wille-Düsseldorf, „Abend an der Themse" von F. Raupp-München und „Kinderporträt" von Helene Oncken-Gießen.
** Der Bürger verein und die Verkehrsver- hält nisse Gießens. Man wird die Beobachtung gemacht haben, daß gegenwärtig mehr denn je in den letzten Jahren die Ver kehr s v er h ältn isse unserer Stadt und ihrer Umgebung die Ausmerksamkeit weiter Kreise auf sich ziehen, und in der Tat verdienen diese auch die größte Beachtung, wenn unsere Stadt nicht dauernde Einbuße erleiden soll. Es ist nicht zu leugnen, daß die zahlreichen Bahnlinien durch die Wetterau geeignet erscheinen, den Verkehr immer mehr von Gießen ab- und unserer Nachbarstadt Friedberg zuzulenken. Darum sollte man zeitig daran denken, von unserer Stadt aus neue Verbindungen herzustellen, die Ersatz für den Ausfall bieten können. Man ist, denn auch in interessierten Kreisen dem Bahnvrojekt Gießen —Beuern ernstlich nähergetreten. Mindestens ebensoviel Beachtung scheint uns aber auch das Kleebachtalprojekt zu verdienen. Ein Blick auf die Karte läßt uns in Berücksichtigung der Bodenverhältnisse erkennen, daß der Verkehr des ganzen Meebachtals, wenn er natürlichen Bahnen folgen soll, nach Gießen zu leiten ist. Dementsprechend wünscht denn auch — wie man sich stets überzeugen kann — die Bevölkerung dieses Tals aufs lebhafteste eine Bahnverbindung mit Gießen. Sache unserer Stadt wäre es,. diesem Wunsche entgegenzukommen und auch an ihrem Teile dazu beizutragen, daß dieses Projekt seiner!Verwirk- lichung entgegengeführt würde; denn auch für unsere Geschäftswelt kann nur Vorteil daraus erwachsen. Wie verlautet, wird der hiesige Bürgerverein in einer allgemeinen Bürgerversammlung, die nächsten Donnerstag stattfinden soll, neben anderen Verkehrsverhältnissen auch dieses Projekt zur Besprechung bringen. Hoffentlich gibt eine recht zahlreiche Beteiligung der Bürgerschaft Zeugnis davon, daß man für so wichtige Lebensfragen unserer Stadt und ihrer Umgebung Interesse und Verständnis hat!
Grün berg, 18. Mai. Gestern abend waren Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Breidert und Baurat Die hm hier anwesend und nahmen die hier für die landwirtschaftliche Winterschule zur Verfügung gestellten Räume (im zweiten Stocke des Rathauses) in Augenschein. — Heute besichtigte eine Regierungskommiffion da8 für die Erbauung der Idioten st alt inbetracht kommende Gelände. Es dürfte der Erbauung der Anstalt nunmehr nichts mehr im Wege stehen.
Butzbach, 19. Mai. Als vor etwa zwei Jahren der Bau der Bahn von hier nach Lich in Angriff genommen wurde, ließen sich hier und in der Umgegend viele Oesterreicher (Kroaten und Böhmen) nieder, um nach Fertigstellung der Bahnstrecke wieder weiterzuziehen. Darunter befand sich auch als Parlier ein gewisser Oberholzer aus der Gegend von Brünns ein sehr ruhiger Mann, der auch seine Frau und vier schulpflichtige Kinder mit hierher gebracht hatte. Nach dem Tode ihres Mannes, der hier an Schwindsucht starb, suchte die in recht ärmlichen Verhältnissen lebende Person sich und ihre Kinder ehrlich durchzubrinaen. 'Anfangs fiel es ihr schwer, und die hiesige Gemeinde kam ihr ohne alle Verpflichtung hierzu mit einer periodischen namhaften Unterstützung — 200 Mk. im ganzen — zu Hilfe. Sobald sie aber einen Kundenkreis für ihr Bügelgefchäft gefunden hatte, bedurfte sie keiner fremden Beihilfe mehr und erklärte auch, sie werde die Gemeinde nicht mehr in Anspruch nehmen. Niemand dachte daran, daß die Frau, der der sehr geachtete Hausherr das beste Zeugnis ausstellte, irgendwie beunruhigt werde. Aber es kam doch anders! Am letzten Sonntag nachmittag wurde sie benachrichtigt, daß sie das deutsche Reichsgebiet zu verlassen habe, andernfalls habe sie zu gewärtigen, daß man sie an die österreichische Grenze abschieben werde. Die Ausführung ließ auch nicht lange auf sich warten. Denn in der Frühe des folgenden Tages erschienen zwei Gendarmen und der Polizeidiener, um die Frau mit ihren vier Kinderchen auf: die Straße zu setzen und sie, wie sie gingen und stmrden, zur Bahn zu schuben. Die Aufregung darüber war in der Bürgerschaft groß. Mag man auch nach vorhandenen Gesetzesbestimmungen diese Maßregel durchaus rechtfertigen können, so wurde allgemein von der Bevölkerung die Art und Weise ihrer Durchführung mißbilligt. Könnte man nicht auf weniger harte Art die arme Familie an ihren Bestimmungsort befördern, wenn man sie nicht ruhig hier lassen wollte? In nächster Zeit wird auch das Mobiliar, das sich die Frau durch ihrer Hände Fleiß angeschafft und schon bezahlt hat, versteigert, um aus beut Erlös wahrscheinlich die Kosten, die durch den Schub erwachsen sind, zu decken. In welch trauriger äußerer Verfassung imb Seelenstimmung die unglückliche Witwe in ihrem armen Heimatsort, wo sie sich nach ihrer Angabe nur schwer ernähren kann, ankommt, läßt sich leicht denken. — Die zurzeit in Bad-Nauheim zur Kur weilende Herzogin-Witwe von Anhalt besuchte gestern mit ihrer Umgebung das hiesige Museum, sowie andere Sehenswürdigkeiten unserer Stadt.
w. Bad-Nauheim,19. Mai. Samstag, den 21. d. M., nachmittags 5 Uhr, findet in der hiesigen Wtlhelmskirche ein geistliches Konzert statt, dessen Reinertrag unserer
DankeSkirche zugute kommen soll. Ausgeführt wird das Konzert von Konzert- und Oratoriensänger Philipp Ströbel! aus Marburg und Heinrich Sonntag, Orgelvirtuose auS Frankfurt a. M.
v. Bad-Nauheim, 19. Mai. Bis zum 18. Mar sind 4388 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 3527 anwesend waren. 33 119 Bäder wurden bis zum 18. Mai abgegeben.
Mainz, 19. Mai. Gestern vormittag besuchte be€ Großherzog mitGemahlin das Militärlazarett. Nach 9 Uhr wurde auch Herr Jos. Clouth empfangen. Die hohen Herrschaften äußerten sich über die Nheinfahrt sehr befrie-. digt. Um 1 Uhr nachmittags sand ein Diner im Offiziers- kasino der Alieenkaserne statt, dem der Großherzog beiwohnte. Um 31/2 Uhr machte das Großherzogspaar mit der Prinzessin Luise von Battenberg und dem Flügeladjutanten Freiherrn hon Massenbach auf der „Moguntia" des Mainzer Rudervereins eine Nheinfahrt, die zuerst stromaufwärts ging! und dann nach Biebrich führte. Dort wurde die Zementfabrik dort Dhckerhoff, besonders deren Wohlfahrtseinrichi- tungen, eingehend besichtigt und darauf ein Imbiß beim Geheimen Kommerzienrat Dhckerhoff eingenommen. Die Rückfahrt erfolgte um 7 Uhr; punkt 7.20 Uhr traf die „Mo- guntia", von Tausenden begrüßt, wieder in Mainz ein. — Um 8 Uhr gestern abend fand große Tafel im Palais zu. 31 Gedecken statt. Es wvhnten bei die sämtlichen Beigeordneten der Stadt, Bürgermeister Dr. Göttelmann, Dr. Schmidt, Baurat Kuhn, Kommerzienrat Haffner mit Damen, Vizepräsident des Landtags Justizrat Dr. Schmitt, Geheimrat Michel, Geheimrat Strecker, Eisenbahnpräsident von Rabenau, Gouverneur v. Voigt, General und Stadtkommandant Kettler, General v. Ledebur, Oberst v. Schlutterbach vom 117. Inf.-Regt., alle mit Damen, sowie das Groß- herzogliche Gefolge. Um 9 Uhr war die Tafel beendet, und dann wurden die Herren und Damen vom Großherzogj und seiner Gemahlin in Gespräche gezogen. Die hohen Herrschaften sprachen sich hierbei auch nochmals beim Bei> geordneten Kommerzienrat Haffner, der die Anordnung auf dem Festschiffe getroffen hatte, über die Rheinfahrt sehk anerkennend aus. Um 10 Uhr begaben sich die geladenen Gäste wieder nach Hause. Heute vormittag 113/4 Uhr besuchte der Großherzog mit Gemahlin die Leibniz-Molksschule. Die Beigeordneten Dr. Göttelmann' und Kuhn begrüßten das hohe Paar am Eingang des Schulhauses; darauf übernahm Herr Bauinspektor Gelius die Führung. Ebenso^ stattete das Großherzogspaar der Kunstgewerbeschule uudi der Sektkellerei von Henkell einen Besuch ab.
Mainz, 19. Mai. Seit Jahren erstreben die von berj Hessischen Ludwigsbahn übernommenen Beamten' der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft Befreiung von Ausnahmebestimmungen, denen sie hinsichtlich ihrer Beiträge zum Pensionsfonds unterliegen. Nachdem die heffische Negierung für Herabsetzung der Beiträge in Berlin gewirkt hat, ist vor einigen Tagen eine Entschließung des Eisenbahnministers v. Budde erfolgt, wonach mit Wirkung vom 1. April d. Js. ab eine Herabsetzung des Beitrages von sieben auf fünf Prozent bewilligt wird. Andere Wünsche der Beamten sind nicht in Erfüllung gegangen. Immerhin bedeutet die Verfügung deS Ministers ein anerkennenswertes Entgegenkonimen. Wäre früher, namentlich unter Herrn v. Thielen, berechtigten Wünschen in gleichem Maße Rechnung getragen worden, dann hätte manche unliebsame Erörterung im Hessischen Landtage und in der Tagespresse unterbleiben können.
Aß m a nn Sh aus en, 19. Mai. Gestern abend gegen! 6 1/2 Uhr ging hier ein schweres Gewitter mit Wolkenbruch artigem Regen nieder. Im Nu standen die Gärten und Keller meterhoch unter Wasser, der Eisenbahndamm war über hundert Meter weit überschwemmt, sodaß die zu dieser Zeit fälligen Züge fast eine Stunde Verspätung erttttenj Der v-Zug Holland-Frankfurt mußte halten, weil da§ Waffen den Lausbänken der Wagen gleichstand. In größter Lebensgefahr schwebten mehrere Damen von hier, die eine Kahn-^ partie auf dem Rhein machten. Plötzlich schlug der Nachen um und die Insassen sielen ins Wasser. Aus ihre Hilferufs wurden sie noch im letzten Augenblick gerettet.
für Kinder, Kranke,GenrasncJe. Verhüte! u.beseitigt jD^rrhoe, Brechdurchfall, Darmkabarrh. !
Msm verfange ausdrücklich die Originalmarke „Dr. IIoEMmel’s“ Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht aufreden. d’4
aber nur in Maschen, wo Ftakale aushängen.
inmitten herr/ieherScbi^ws!düngen, Badeschrift dorch die ßzdeverwaltun£.______


