Nr. SS Drittes Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag 18. April 1905
Erscheint Üt-llch tnti Ausnahme des Sonntags.
Die ^Gietzener tfaniflienblätttr* werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der e^e|6l4)e CanöwUF erlchevu monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
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let Ötr. 6L Teiegr^Sldr.» Anzeiger Dietzen»
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.
Kirche und schule.
— Die Angelegenheit des Berliner liberalen Pastors V. Fischer ist in ein neues Stadium getreten. Nachdem Fischer neuerdings verschiedentlich erklärt hat, er werde in der bisherigen Weise weiter lehren und predigen, verlangen die Positiven eine neue Erklärung des preuß. Evangelischen Oberkirchenrats, in der ihm daS ein für allemal unter Androhung des Disziplinarverfahrens verboten wird. In einer großen von 15 Parochialvereinen der Synoden Berlin I und Cölln einberufenen öffentlichen Versammlung gelangte mit allen gegen zwei Stimmen eine Erklärung zur Annahme, in der zunächst die angeblich wenig klare Form des Bescheides ides Evangelischen Oberkirchenrates bedauert wird. Es heißt dann weiter:
Die Versammlung der Positiven von Berlin I und Berlin-Cölln richtet um der Kirche der Reformation und um ^bes Gewissens der Gläubigen willen an den Evangelischen Oberkirchenrat die dringendste und ergebenste Bitte, seinem Erlaß vom 16. August vor. Js. eine unzweideutige Erklärung folgen lassen zu wollen, dahingehend, daß er gewillt sei, nicht zu dulden, daß Diener der Kirche die evange- tischen Grundwahrheiten, mit denen unsere Kirche.steht und fällt, in der Weise antasten, wie es Herr Pfarrer Fischer in seinem Vor- trage vom 15. Oktober 1904 aetan hat.
Airs Stadt «ad Land.
Gießen, 18. April 1905.
** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben 6en Kreisbauinspektor des Kreises Oppenheim Kessel zum Kreisbauinspektor des Kreises Bensheim ernannt. — Der Vorstand der Bergwerksdirektion des Braunkohlenbergwerks Ludwigshoffnung, Bergrat Hentschel zu Bad-Nauheim, wurde auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 17. April d. I. ab aus dem hessischen Staatsdienste entlassen.
**TasMeldebureaudesPoli.zeiamts. Wegen Arbeitsüberhäufung find die Amtsstunden auf dem Melde- bnreau des Großh. Polizeiamts bis auf weiteres für das Publikum nur noch an Wochentagen von 8 bis 1 !Uhr, sowie Samstags von 3 bis' 6 Uhr.
** Jubiläum. Man schreibt uns: Die Landwirtschaft treibende Bevölkerung Oberhessens wird es interessieren, daß am 15. April l. I. 25 Jahre verflossen waren, seit der kulturtechnische Referent bei dem Gr. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Landeskulturrat Dr. Klaas in den hessischen Staatsdienst eintrat. Und es wird in den weitesten Kreisen dankbar anerkannt werden, welche Verdienste sich Dr. Klaas während dieses Zeitraums auf allen Gebieten des landwirtschaftlichen Meliorationswesens, in der Provinz Oberhessen besonders aus dem Gebiete der Feldbereiniguntz, durch seine unermüdliche, aus umfangreichster und gründlichster Sachkunde beruhende Tätigkeit erworben hat.
— Von dem neuen preuß. Mini st er des Innern Dr. v. Beth mann -Hollweg teilten wir in unserer Nr. 70 mit, daß er von dem bekannten Frankfurter Bankhause Beth- mann stamme. Jetzt ersehen wir aus einer von einem Freunde unseres Blattes uns gütigst übermittelten Nummer der.Fürsten- walder Ztg.*, daß des Ministers Urahne ein Gießener war. Der Doppelname Bethmann-Hollweg ist die Verbindung des väterlichen und mütterlichen" Familiennamens und beim Verfolgen der Familie Hollweg in die fernsten Generationen stößt man auf einen Johannes Hollweg, Bürger und Schuhmachermeister in Gießen, der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebte. Sein Sohn Johann Hermann, wie sein Enkel Johannes Valentin gehörten dem geistlichen Stande an und bekleideten Pfarren in hessischen und nassauischen Landen. Der Sohn Valentins, Georg Philipp Hartmuth, studierte die Rechte und ward in Frankfurt a. M. im Jahre 1686 Prokurator am Schöffen- gericht. Sein Sohn, Johann Abraham, wandte sich dem Kaufmannsstande zu. Aus seiner Ehe mit Anna Elisabeth Bengerath wurde Bethmann-Hollwegs Urgroßvater, Johann Jakob Hollweg, am 7. Januar 1748 geboren. Er heiratete im Jahre 1780 Susanne Elisabeth aus Frankfurts erstem und berühmtem Bankierhause Bethmann. Gleichzeitig trat er unter Annahme des Bethmann'schen Namens in die Handlung ein, deren geistiges Haupt er wu^de und blieb. Von seinen vier Kindern war das jüngste der nachmalige preuß. Kultusminister Moritz August.
** Gegen die Katzenplage. Der preußische Land- wirtschastsminister bat an den Vorsitzenden des Tierschutzvereins Hessen-Nassau ein Schreiben gerichtet, das sich mit der Vernichtung der auf Vogelraub ausgehenden Katzen beschäftigt. Unter Zugrundelegung des Bürgerlichen Gesetzbuches wird darauf hingewiesen, daß die verwilderte Hauskatze als herrenlos zu betrachten ist und von jedermann getötet werden darf. Jede in fremdem Gelände Herumschweisende Katze dürfe kurzweg getötet werden.
** Münzensund in Vauernbeim. Die Münzen, Seren Gesamtzahl rund 400 beträgt, befanden sich in drei leider vom Finder zerschlagenen Töpfen, die in einer Wand des abgebrochenen Hauses dicht über d^m Fundament «n- gemauert waren; der eine Topf enthielt nur eine Münze, die übrigen lagen in Rollen (das Papier war vergangen > in den zwei anderen Topfen. Die Müi 'en find durchweg Silbermünzen mit Ausnahme von drei goldenen: die neiMind meist gut erhalten, doch befinden sich viele, namentlich neine, darunter, die teils durch den langen Umlauf, teils durch Bodeneinflüsse stark mitgenommen und sogar un- bestimmba- sind. T<m Ka.'alogwer des Gesamtbildes beträgt 700 bis 800 Mark. In --restant ist. der Fund vor allem deshalb, weil er ein trf n s B-id der >'tt a'b in der er ein gemauert worden ist. Keine Mvnze g^nt rher das Jahr 1690 hinaus, die meisten gehören m die Z"it aach dem 30iährigen Kriege, einige noch in die Knegszett selbst Besonders zahlreich sind brand-nburg che Münzen 'Großer Kurfürst', Brabanter, fm jcv. ul modische und französische lLndwig XIV. als K no' i mt en;« daneben kommen ob: । Taler un Gr' en aus ’ ' o 'n deutschen Staaten, Reichs, 'dien und siftsili ' m >usern vor: auf- sallenderweise befindet sich nur eine Friedberger Münze
KunK und Wi^enlchaft.
— Buff-Gießen. Die „Dresd. Nachr." vom 5. April Bringen einen interessanten Bericht über unfern Landsmann Hans! Buff-Gießen, den wir nachstehend unfern Lefern mitteilen: Kammerfänger Gießen befindet sich im Verein mit Frau Hofopern-, sängerin N. Brodmann und Herrn Kammervirtuos O. Brückner^ die beide auch in Dresden durch öfteres Konzertieren vorteilhaft bekannt sind, augenblicklich auf einer Tournee durch den Balkan, die ihm und seinen Genossen bis jetzt ganz außevi ordentliche Ehrungen emgebracht hat. Namentlich in Konstantinopel wurde Herr Gießen überaus herzlich gefeiert. Die beides Konzerte, die er in der Märchenstadt am Goldenen Horn gab^ durften sich der lebhaftesten Teilnahme der deutschen und levan- tinifchen Gesellschaft erfreuen: auch der deutsche . Botschafter mit Gemahlin erschien beide Male unter den Zuhörern. Der Sultan, vor dem Kammersänger Gießen im vorigen Jahre (je* sungen hatte, verlieh den Künstlern die Komture vom Osmanis* Orden bez. Schefakat. Die Konzerte wurden mit. Begeisterung ausgenommen, namentlich von der deutschen Kolonie, die selbst^ verständlich am stärlsten in der distinguierten Zuhörerfchast ver- treten war. Für den 2. April waren die konzertierenden Herr, schäften zum Hofkonzert nach Bukarest befohlen, von wo s« sich nach Sofia begeben, um daselbst ebenfalls zu konzertieren.
Zur Berliner Scbillerfeier wird geschrieben: Von der Veranstaltung eines Festzuges zur Schillerseier ist Abstand genommen worden, weil stch iür die Verbindung mit dem in Aussicht genommenen Festakt Schwierigkeiten ergeben haben. Der Huldigungsakt vor dem Denkmal soll aus Kranzniederlegung, Weiherede (des Reichskanzlers^ Musik, Gesangs- vorträgen durch 1500 Schulkinder und 500 Sänger, sowie zur Ab- singung eines LiedeS durch die ganze Festversammlung „bestehen. An diesem Huldigungsakte sollen die Vereine und Verbände, die ihre Mitwirkung bei dem Festzuge angemeldet hatten, in größerem Nnckange beteiligt werden. Am 8. Mai finden in fünf Sälen Feiern statt.
Spielplarc der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Mittwoch den 19. Avril geschlossen. Donnerstag den P). April*); Reu einstudiert: „Othello? Freitag den 21. April geschlossen^ Samstag den 22. April: „Die Zauberstote/ Sonntag den 23. April, nachmittags bald 4 Uhr: „Alessandro Stradella? Abends 7 Uhr: „Carmen." Montag den 24. April, nachm. halb 4 UhrZ „Die Fledermaus/ Abends 7 Uhr: „Tannhäuser/
Schauspielhaus.
Mittwoch den 19. April*): „Außer Dienst/ Vorher „Zehntausend Fuß do ch/ Donnerstag den 20. April, abends halb 8 Uhr: „Faust*, 2. Teil. Freitag den 21. April geschloßen. Samstaa den 22. April: „Faust*, 2. Teil (2. Abend). Sonntag den 23. April, nachmittags halb 4 Uhr: „Medea/ Abends 7 Uhr: „Der Hüttenbesitzer/ Montag den 24. Aprils nachmittags halb 4 Uhr: „Alt-Heidelberg/ Abends 7 Uhr: „Diq große Leidenschaft/ Vorher: „Das Fest des St. Matern.*
* ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abeuds um 7 Uhr.
gif*n6aßn-3ctfung.
lieber d i e neue Personentarifreform auf den deutschen Eisenbahnen geht dem „Berl. Tgbl/ folgende „zuverlässige" Mitteilung zu. Man ist bis jetzt in den beteiligten Verwaltungen nach langem Hin- und Herberaten zu folgenden Fundamentaisätzen übereingekommen: 1. Tie einfache Fahrt kostet die Hälfte der bisherigen Rückfahrkarten. 2. Für S ch n e l l z ü a e wird ein Zuschlag von mindestens 50 Pfennig erhoben. Ter Kilometersatz steht noch nickt ganz fest, wahrscheinlich wird er bis 3 4 Pfennig betragen. Die Einführung des neuen Tarifs soll im Frühjahr 1906 erfolgen. Hiernach ist folgende Skala ins Ange gefaßt:
I. IT. IH. IV.
ein Kilometer kostet 6 Pfg. 4,5 Pfg. 3 Pfg. 2 Pfg. Personenzug , „ 6«':, 5"',, 36T,S — Schnell,üg,
lieber Beibehaltung oder Wegfall der v-Zugplatzgebuhr ist noch nichts bekannt. Ebenfowenig erfahrt rnan von der Ausdehnung des 25 Kilogrammfreigepäcks auf die süddeutschen Bahnev- Eine Verbilligung wird demnach nicht eintreten.
Pttßcifirß
R. B. Darmstadt, 17 April. Die am Samstag früh er*, folgte Arbeitsniederlegung in der „Darmstädter Möbel- sabr'" rnd K'.m'silon" ist heitt Nachmittag bereits wieder durch aegense'tige Verständigung zwischen den Firmeninhabern und dem Personal aufgehoben worden. Mit Ausnahme der "avezierer nehmen mor^m früh di? Schreiner, Bildhauer, Drehes Beiz'w. Polierer und Mcckchincnarbeiter die Arbeit wieder auf. Den 6)rnnd Z'i dcr Arbeitsniederlegung bildeten, was ausdrücklich bemerkt zu werden v^rdimt, keineswegs Lohndifferenzen, so' ^rn lediglich Meinungsverschiedenheiten über die seit kurzem "'''"derte Fabrikordnung. Das Personal erhob Einspruch dagegen, daß in § 9 als Wochenschluß für die Lohn- abrechnung der Donnerstag abend festgesetzt wurde, während die Lohncnisz'h'nng erst jun Fre'tgg abend erfolgen sollte. Ferner tnrtr im § 10 die früher in Geltung gewesene Bestimmung weg- uciüiicit wurden, wonach bei Akkordüo rnahmm der vereinbartö D a g e l o b nickst oaronsterl wird. Tie Firma erklärte, daö s'e f'llck!vei '/i/i ieder lull'n Forderung auch 'in Zu- kunft Reckunng r werde, d^' sich aber einen Zwang in b ci..c Hinsicht eines Pr' z dcnzfalleS nicht auferlegen
las n n "l(c. C'ne i l iliche Bestimmung bestehe auch in keiner Gittern Fabrik ihrer Brauche Zum Beweis dafür, daß die
(Hans Eitel Diebe) darunter. Augenscheinlich ist der Schatz infolge des von Ludwig XIV. gegen die Pfalz unternommenen Raubkrieges, dessen Wirkungen auch in der Wetterau schwer empfunden wurden, verborgen worden. Wer der Besitzer desselben war, der ibn in seiner Verborgenheit ließ, vielleicht durch Flucht oder Tod gezwungen, ist um so unmöglicher festzusteklen, weil das betr. Haus noch im vorigen Jahrhundert wiederholt in andere Hände übergegangen ist. (O. A.)
b. Krofdorf, 17. Avril. Die Geradelegung der Straße Krofdorf-Gießen, welche schon jahrzehntelang ein Gegenstand lebhafter Erörterung gewesen ist, ist in diesen Tagen glücklich zu Ende geführt worden. Die Dampfwalze hat am Samstag ihre Arbeit beendet, und die neue Straße kann nunmehr benutzt werden. Die neue Straße geht von dem Viadukt der Haltestelle Krofdorf-Gleiberg in gerader Richtung durch das Feld und mündet bei Gießen in die Schützenstraße. Im nächsten Herbst wird die neue Straße auch mit einer zweckentsprechenden Obstbaumpflanzung versehen werden.
p. W e tz l a r, 16. April. Die Leiche des Unternehmers Johann Georg Neuhof von Bechlingen, dessen Verschwinden wir vor mehreren Tagen berichteten, ist heute vormittag bei dem nassauischen Orte Sinn aus einem Nebenarm der Dill g e I ä n o e t worden. Was den Bedauernswerten in den Tod getrieben hat, ist bis zur Stunde noch nicht festgestellt, zumal er in geordneten Verhältnissen lebte.
[J Marburg, 17. April. Die regierungsseitige Genehmigung zur Einführung des 8 Uhr-Ladenschlusses für die Papier- und Bekleidunasbranche ist nunmehr eingetroffen. — Außer den fahrplanmäßigen und den Bedarfszügen waren am gestrigen Sonntag auf der kürzlich eröffneten Kreisbahn Marburg-Süd-Ebsdorf noch drei Extrazüge nach der der Ruine Frauenberg nächstgelegenen Station Ronhausen eingelegt. Sie waren sämtlich von Ausflüglern geradezu überfüllt.
g. Büdingen, 17. April. Heute fand hier die Beerdigung des am Freitag gestorbenen Fürstl. Rentamtmanns, Domänenrat Kölsch statt. Kölsch, der über 20 Jahre im fürstl. Dienst stand, hatte als aktiver Offizier den Feldzug 1870—71 mitgemacht.
s. Darmstadt, 17. April. Heute traf hier I. D. die Fürstin zu Isenburg und Büdingen nebst den Prinzessintöchtern Marie und Mathilde zum Besuch am Großh. Hose ein.
fc. Vom Od enwald, 17. April. Da? Amtsgericht Fürth giebt bekannt, daß die Motoromnibus-Gefell- schast Lindenfels—Bensheim als Gesellschaft m. b. H. mit einem Stammkapital von 32 100 Mk. ins Handelsregister eingetragen worden ist.
Frankfurt, 17. April. Aus dem Jahresbericht, den das Agitationskomitee der sozialdemokr. Partei für den gestern hier abgehaltenen hessisch-nassauischen Parteitag verfaßt hat, sei folgendes erwähnt: Der Wahlkreis Hochst-Usingen-Homburg wies am 1. Juli 1904 1179, am 1. Januar 1905 1226 in sozialdemokratischen Vereinen Organisierte auf, und es wurden bei der Reichstagswahl im Jahre 1903 14 239 sozialdemokratische Stimmen dort abgegeben, während sich die Zahlen stellten für Wiesbaden- Biebrich auf 969, 927, 10 865, für Montabaur-St. Goarshausen auf 42, 73, 1028, für Diez-Limburg auf 20/ 59, 198ö, für Dillenburg-Herborn auf —, 21, 1312, für Wetzlar- Altenkirchen auf —, 30, 3106. In Hessen und Nassau sind zurzeit 121 Sozialdemokraten Gemeindeverlreter. Sehr ungünstig sind die Kassen v er hak cni sse.
C o b l e n z, 17. April. Auf dem hiesigen Hauptbahnhof spielte sich am Freitag abend eine <5$ene ab, die an das Wort erinnert: „Den ich küssen werd, den greift." Als der 9 Uhr-Zujg von Köln einlief, trat eine gut gekleidete, ältere Dame auf einen aus dem Zuge steigenden Herrn zu und umarmte und k ü ß t e i h n. In demselben Augenblick faßte ein Schutzmann den so zärtlich empfangenen Herrn am Arme und erklärte ihn für verhaftet. Die Dame aber zeigte mit dem Finger auf ihn und rief: „Er ift es!" Tie Frau, eine in Coblenz wohnende Witwe, hat den Mann der Polizei überliefert, nachdem sie seit einiger Zeit ein Verhältnis mit ihm unterhalten hatte. Sie h-atte erfahren, daß der Bräutigam, der dieser Tage die Ehe mit ihr eingehen wollte, noch mehrere Bräute besaß. Sie lud ihn nun ein, wegen einer wichtigen Rücksprache nach Eoblenz zu kommen. Er folgte und tovrbe auf die beschriebene Art festgenommen. Tie Eoblenzer Polizei hat einen guten Fang gemacht, denn der Mann ist ein seit langer Zeit gesuchter Heiratsschwindler schlimmer Art. Bis jetzt sind sieben Frauen ermittelt, die er betrogen hat. Die Behörde nimmt an, daß fein richtiger Name Weidenbrücker ist. Seine Frau soll in einer Irrenanstalt und feine Kinder in einer Erziehungsanstalt in Homburg unteraebracht fein. (Kl. Pr.)
vermischte»
• Österliches Unwetter. Während wir in Ober- heffen nach herrlichen, sonnigen und sommerlichen Lenztagen von unbehaglich rauher Witterung heimgesucht wurden, wird aus Prag gemeldet, daß über ganz Südböhmen gestern heftige Schneefälle niedergegangen sind. In Ungarn sind infolge anhaltender Regengüsse zahlreiche Flüsse aus den Ufern getreten. Viele Gegenden sind gefährdet. In dem Werke der ober-ungarischen Betriebsgesellschaft in Alvaia steht das Wasser einen Meter hoch, sodaß die Förderung unterbrochen werden mußte. Die Industriebahn von Alvasa wurde überschwemmt, ebenso die Bahnlinie von Maro^-Lugos.
• 3OOOO geschiedene Frauen. Im Staate Illinois ist, wie aus Rewyork berichtet wird, soeben ein Gesetz durchgegangen, nach dem geschiedene Per'onnr erst ein Jahr nach ihrer Scheidung wieder beraten dürfen. Bei der Beratung dieses Gesetzes wurde festgestellt, daß es allein in Chicago 30 000 geschiedene Frauen gibt.
* Die älteste Frau in Europa ist wahrscheinlich die 115 Jahre alte Maria Candida Pinto da Purisicacao Magalha s, die in Oporto in Portugal lebt. Sie wurde im Jahre 1790 in Oporto geboren und lebt jetzt in einem Heim
für alte Frauen. Ihre Erinnerungen reichen bis auf die Schlacht bei Trafalgar zurück. Damals war sie 15 Jahre alt. Sie hat den größeren Teil ihres Lebens in dienender Stellung im Hause zugebracht und erinnert sich nicht, jemals schwer krank gewesen zu sein. Sie glaubt, daß ihr hohes Alter dem Leben aus dem Lande, der einfachen, aber kräftigen Ernährung, dem reinen Traubensaft, der schweren Arbeit und der Zufriedenheit und Heiterkeit in allen Lebenslagen zuzuschreiben ist.
e Aus Newy ork wird uns geschrieben: Gegenüber Gerüchten von dem Millionengehalt des Petroleumkönigs Nockeseller wurde an Wallstreet, der Newporter Börse, bestimmt erklärt, daß sich sein ©chatt als Präsident der Standard Oil Co. nur auf 20 000 Doll, belaufe und ferner, daß kein Angestellter der Standard Oil Eo. als solcher über 5000 Doll, jährlich verdiene. Da indes alle die in der Standard Oil Company eine leitende Stelle einnehmen, in kurzer Zeit Millionäre wurden, so ist anzunehmen, daß ihnen Gelegenheit geboten wurde, sich an gewinnreichen Spekulationen zu beteiligen. Neben seinem Gehalt soll John D. Rockeseller jährlich etwa 40 000 000 Doll, art Dividenden beziehen.


