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21.6.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 14S Zweites Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 21. Juni 1 SOS

VrschetM mit Vusnahm» de» Sonntag-. T a a. a aa AA Rotationsdruck und 8 erlog der 8 nützlich«

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^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ® B HT|| IK B M R jg IL'iL, U NM ÖL, H Redaktion, ExpedUion u. Druckerei- SchulVr.K.

«helßlchßCaibeUT erscheintmonaUich einmal. " WjS V V V y ~ " Del. Nr. dl. relegr^Udr.» Lnzeig« ®u6* *t

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehrn.

Kchischer Landtag.

Zweite Kammer.

' __ ___ R. B. Darmstadt, 20. Juni.

Wirt Ministertisch: StaatSminister Rothe, Finanzminister Dk. G n a u t h, Geheimrat Braun, Ministerialräte Dr. B e ck e r. B e st.

Nach Eröffnung der Sitzung um l'0V4 Uhr beschließt das Haus auf Antrag des Abg. Pennrich, dis für heute vom Präsidenten auf die Tagesordnung gestellte Beratung über den Antrag Ulrich, Mr. die Veröffentlichung amtlicher Be­kanntmachungen, wieder abzusetzen und zunächst mit allen Kräften die Weiterberatung des Gemeindeumlagen-Gesetz- entwurfS zu fördern.

Ruhegehälter.

Zur Beratung gelangen zunächst dir in der vorigen Sitzung rurückgestellten Vorstellungen des hessischen Landeslehrervereins, der pensionierten Beamten, der vor 1897 in Ruhestand getretenen Beamten Oberhessens und der Staatsbeamten.

Abg. Reinhart befürwortet die Annahme des schon mit­geteilten Ausschußantrages, ebenso die Abgg. Dr. Gutfleisch und Ulrich. Der Antrag wird mit allen gegen 6 Stimmen an­genommen, ein inzwischen eingereichter Antrag der Aus- schußminderheit wird abgelehnt.

Ein Antrag des Abg. Kühler auf ständige Einrichtung eine-

Wetterdienstes bei dem landwirtschaftlichen Institut der Landes- Universität

wird dem Ausschußantrag entsprechend ohne Debatte für er­ledigt erklärt; die Vorstellung des Gendarmerie-Wachtmeist-ws i. P. Seum aus Wörrstadt erklärt die Kammer dem Aus- schußantrag entsprechend für begründet und beschließt, die Ne­gierung zu ersuchen, dem Petenten eine lOproz. Zulage zuteil werden zu lassen. Die Vorstellung des Großh. Beigeordneten Wilh. H a h n II. AU Offenheim betr. seine Beschwerde gegen den Großh. Büraermnster Huber daselbst wird vom Hause für erledigt erklärt.

Eine längere Debatte ruft die Regierungsvorlage, betr. die Bewilligung von

StaatShilferr zu AuSstellrmgszweckerr hervor. '

Aba. Molt Han bemängelt die für die landwirt­schaftliche LandeSauSstellimg zu bewilligende Summe von 16 000 Mark. Bei der vorgeschlagenen Bewilligung von 60 000 Mark für die Landesausstellung für Kunst und Kunstgewerbe zu Darm­stadt im Jahre 1907 hoffe er, daß bei der Verwendung der Staatsmittel eine weise Sparsamkeit herrschen und man nicht ausschließlich mir eine Kunstrichtung als die maßgebende be­trachten möchte.

Geheimrat Braun beantwortet verschiedene Detailfragen des Vorredners. Der Termin für die Kunst usw. Ausstellung in Darmstadt sei zuerst auf daS Jahr 1906 in Aussicht genommen gewesen, da aber sich die Zwischenzeit alS zu kurz erwieS, fei nunmehr endgiltig daS Jahr 1907 festgesetzt worden. Die Hauptsache bildete natürlich die finanzielle Sicherstellung des Projekts und diese werde jetzt erreicht, nachdem Se. Kgl. Hoheit der Großherzog 50 000 Mark und die Stadt Darmstadt 20 000 Mark dafür bereit "gestellt habe. Der letzteren würden ja natürlich noch verschiedene weitere Leistungen zugemutet wer­den, wie die Herrichtung des vom Großherzig zu überlassenden Ausstellungsterrains usw. Man werde selbstverständlich weise Sparsamkeit üben und jede einseitige Bevorzugung einer einzelnen Kunstrichtung zu verhüten bedacht sein. t

Abg. Reinhart fragt an, ob man nicht den Gedanken (n Erwägung ziehen wolle, die für 1907 in Aussicht genommene Kunstausstellung in Darmstadt auch mit mittelalterlichen Kunst­werken zu beschicken. Dieselben bildeten bekanntlich ein vor- zügliches Mittel zur künstlerischen Weiterbildung und eS werde auch zugleich hochinteressant sein, die heutigen modernen Kunst- bestrebungen mit den Kunstanschauungen des Mittelalters in näheren Vergleich zu bringen. ,

Geheimrat Braun weist auf die Schwierigkeiten hm, die bei der Hinzuziehung von Werken der mittelalterlichen Dinst entstehen würden; es komme dabei natürlich auf den umfang und die Auswahl an. Die Anregung sei aber eine sehr dankbare und werde in weitere Erwägung gezogen werden. ....

Abg. v. Brentano spricht das Verlangen aus, daß die für die Mainzer landwirtschaftliche Ausstellung zu bewilligenden Mittel bedingungslos gegeben werden. (Die Vorlage beantragte eine Bewilligungbis zu 16 000 Mark", also event. Rückgabe des nicht gebrauchten Betrages.)

Gebeimrat Braun führt dagegen auS, daß die bedingungs­lose Hergabe der 16 000 Mark unter Umständen ein Geschenk an die landwirtschaftlichen Vereine bedeuten würde.

Abg. Hirschel unterstützt in seinem Schlußwort als Aus- schußberichterswtter die Anregung des Abg. Reinhart und em­pfiehlt die Bewilligung einer Summebis zu 16 000 Marr für die landwirtschaftliche Ausstellung zu Mainz und ferner den Betrag von 60 000 Mark für die Landesausstellung, für Kunst und Kunstgewerbe zu Darmstadt im Jahre 1907. Die Kammer gibt hierzu einstimmig ihre Zustimmung. v .

Die Regi-rungsvorlage, bett, die Ausübung der Jagd wird auf Vorschlag des Regierungsvertteters vorläufig von der Tagesordnung abgesetzt. ,

Der Beschwerde des Heinrich Kratz IX. zu Ober-Ohmen, b-tt. Hundesteuer und Meldepflicht, sowie der Vorstellung des Hein­rich Strauch II. zu Breungeshain, Geländeaustausch m der Gemarkung Breungeshain betr., beschließt das Haus, dem Aus- schußanttag entsprechend keine Folge zu geben.

Nach kurzer Pause nimmt dann das Haus die General­debatte über L

die Gemeindesteuerreform

^^^Abg^H irschel bemerkt einleitend, . er stehe mit seinen Freunde auf dem Standpunkt, daß f-r die.^meindesteuer d^s Ninziv von Zuschlägen zur Staatssteuer das Richtigste wäre und die Schönbergerschen Vorschläge volle Beachtung verdienten. Aber bef den mannigfachen Schwierigkeiten und- dem- Wider­spruch von anderer Seite wolle er letzt darauf nicht n«her nn- gehen. Als finen Vorzug der Vorlage betrachte er, daß die Ge­werbesteuer an dem Orte bezahlt werden soll, an welchem daS (S'pfuX wirk!«» betrieben wird. In (Wien gebe es Lwarren- fobriten usw. mit toclverMetntben in Orten der Umgegend, dm Gewerbesteuer müßte aber in Gießen bezahlt werd.n, es s.i 3«,* m Zukunft stilliegeilde Bergwerke zur Be­steuerung berangezogen werden können., Redner geht b f pie Einzelheiten der Vorlage näher em, und stellt besonders d^s Verlangt daß auch die Rechtsanwälte zur Gewerbesteuer herangezogen werden, ebenso die m Heff^l-- ^ndm auswartigei Rentner. Der Redner spricht zum Schluß die au$,

daß die Landwirtschaft durch die Erledigungder Gemeindesteuer­reform nicht noch mehr belastet werden.stloge.

Ministerialrat Dr. Becker spricht seme ^jr^giu^g bar* über aus, daß auch Aba. Hirsck)el und seine Freunde sich auf den Boden der Regierungsvorlage stellten. Die Zuerkennung, di derselbe dem Abg. Schönberger für ferne Vorschläge gezollt,

sei wohl nur eine Höftichkeitssonn. (Oho!) Denn Herr Hirschel habe gerade alles, was Herr Schönberger an der Vorlage getadelt, als ihre Vorzüge bezeichnet. Die Besteuerung des landwirt­schaftlichen Betriebskapitals sei durchaus nichts neues, es war auch schon früher in der Grundsteuer mit herangezogen. Herr Hirschel verlange ja auch nicht eine Bevorzugung der Landwirt­schaft vor der Industrie, sondern eine paritätische Stellungnahme der Regierung zu binden. Redner erörtert dann noch eingehend die Bestimmungen des vom Vorredner bemängelten Art. 33 der Vorlage und widerlegt die dagegen vorgcbrachteu Bedenken. Weiter wendet sich der Regierungsvertteter noch ausführlich gegen die Ausführungen der 2lbgg. Ulrich und Schönberger. Er schließt damit, daß die beiden Mgeordneten in der Debatte nichts vor­gebracht hätten, was die Stellung der Regierung zur Vorlage irgendwie beeinflussen könnte. Die letztere bilde eine sehr wesent­liche Verbesserung der hessischen Gemeindebesteuerung und er hoffe, daß ihre Annahme mit großer Majorität erfolgen werde.

Finanzminister Dr. Gnauth entgegnet auf eine Anftage des Abg. Hirschel, er erblicke nach Erledigung der Gemeindesteuer- reform seine nächste und Nichtigste Aufgabe darin, zu prüfen, inwieweit für die Aufbringung der Kreisumlagen ein anderer Maßstab gefunden werden kann, durch 'welchen die nembeu von diesen Lasten mehr befreit werden. Er fei von der Ueberzeng- ung durchdrungen^ daß dies eine dringend^ Notwendigkeit sei, umsomehr, als oft schwer eine bestimmte Grenze zwischen den Aufgaben des Staates >.nd der der Kreise zu ziehen sei. Wenn diese Entlastung der Gemeinden gelinge, so werde gewiß auch das Ministerium des Inneren darüber froh sein. (Bravo!) Die Sitzung wird darauf um ]/?2 Ubr abgebrochen.

Nächste Sitzung morgen früh 9 Uhr.

Aus Zladt und Lauö.

Gießen, 21. Juni 1905.

** Personalien. Se. Kgl. Hob. der Großherzog haben dem Vorarbeiter Scherer zu Traisa und dem Ar­beiter Knecht zu Arheilaen, in Diensten der Firma E. Merck zu Darmstadt, daS Allaemeirce Ehrenzeichen mit der Inschrift »Für treue Arbeit^ verliehen. Der Gerichtsakzessist Hans Freiherr Schenk zu Schweinsberg wurde zum Negier- ungSasieffor ernannt.

**Zum Feuerwehrfest. Die Erbauung einer ge­räumigen Festhalle, für ca. 2000 Personen Raum bietend, mit Musik- und Sängerbühne, hat schon begonnen. Zinuner- meister Schubecker hier hat eine für Festlichkeiten not­wendige und nur für diese Zwecke bestimmte Festhalle erbaut, welche abgetragen, zusammengelegt und auch nach auswärts versandt werden kann. Zu dem bevorstehenden Feuerwehrfeste wird diese Halle, wie man uns schreibt, zum erstenmale ihrer Bestimmung übergeben werden. ES ist mit Freuden zu be­grüßen, daß Herr Schubecker dem Festausschuß mit sehr an­nehmbaren Bedingungen an die Hand gegangen ist und ein musterhaftes Festzelt herstellt, das jeden Anforderungen nach gemachten Erfahnmgen entsprechen dürfte. Ringsum werden Schutzvorhänge angebracht, Tische und Bänke erhalten Leinen­bezug und die grünen jungen Bäume des OSwaldsgarten werden der Festhalle ein schönes, anmutiges Bild und den Festgästen ein anziehendes Heim bieten.

** Der Kaufmännische Verein und die Handels­kammerwahlen. Nach einem früher gefaßten Beschlüße des Kaufmännischen Vereins, für die Folge Stellung zu den Handelskammerwahlen zu nehmen, hatte der Vorstand für gestern abend die selbständigen Mitglieder zu einer Besprech­ung in das VereinShauS eingeladen. Leider war die Be­teiligung schwach, so daß für den Verein bindende Beschlüsse nicht gefaßt werden konnten. In der Aussprache wurde an­geführt, daß ein Zusammengehen des Kaufmännischen mit dem Detaillisten - Verein wünschenswert erscheine und die vom Vorstände deS Detaillisten-VereinS vorgesehene Wahl des Herrn August Noll anstelle deS verstorbenen Herrn Balser allgemeine Unterstützung verdiene. Seitens der Getreidefirmen wurde unter Hinweis auf die Bedeutung der Branche die Berechtigung geltend gemacht, für ihren verstorbenen Ver­treter, Herrn Katz, einen Ersatz zu bekommen, und dafür Herr Max Friedberger vorgeschlagen. Der weitere Ver­lauf der Versammlung zeigte, daß es schwierig sei, im Kauf­männischen Verein die Kandidatenfrage zu lösen; man meinte es den einzelnen Branchen überlassen zu sollen, und eine Re­solution, daß es' nicht im Interesse des Kauf­männischen Vereins liegt, sich mit der Handels­kammerwahl zu befassen, sand saft einstimmige An­nahme der Anwesenden.

* Die Allgemeine hessische Beamten-Sterbe- kasse hielt am vorigen Sonntag in Darmstadt unter dem Vorsitz des Geh. Oberbaurats Jmroth ihre 2. Mitglieder­versammlung ab. Die Versammlung, welche gut besucht war, folgte, wie man und schreibt, mit Jnteresie den Verhandlungen und gab durch die sachliche und einmütige Becirteilung aller angeregten Fragen, sowie durch ihr Einverständnis mit allen Vorschlägen de8 Vorstandes ihrem Vertrauen zu der um­sichtigen Leitung der Verwaltung beredten Ausdruck. Aus den Verhandlungen sei besonders folgendes hervorgehoben: Der der Versammlung erstattete Jahresbericht, die vorgelegte Jahresrechnung, die Bilanz und die Mortabilitätsberechnung fanden einstimmige Billigung. Die Vorlagen gaben ein voll­ständiges und klares Bild über die Verwaltung der Kasse während des Geschäftsjahres 1904. Die in die Lebensfähig­keit der Kaffe gesetzten Erwartungen fanden sich vollauf be­stätigt. Der Vorstand teilte der Versammlung auch eine Uebersicht über die Beteiligung der einzelnen Beanftengruppen an der Allgem. hessischen Beamten-Sterbekasse mit, woraus u. a. hervorgeht, daß alle Beamtengrnppen des Großherzog- tums bei der Kaffe vertreten sind. Die Versammlung sprach dem seitherigen Vorstand ihren Dank für ihre eifrige und uneigennützige Tätigkeit aus und wählte ihn durch Akkla- mation wieder.

* Der Hessische Landw irtschastsrat schreib! lins: Die Stadtverordneten von Darmstadt hohen zu

Gunsten der landwirtschaftlichen Landes- und JubiläumS- auSstellung zu Mainz 300 Mk. zur Beschaffung eines Ehrenpreises der Stadt Darmstadt bewilligt. Des weiteren stiftete zu Gunsten des Ausstellungsunternehmens der Verband der Heff. landw. Genossenschaften den Betrag von 600 Mk.; ferner bekundeten die Hofbierbrauerei Schöfferhof-Mainz, die Aktien-Gesellschaft für Malzfabrikation und Hopfenhandel norm. Schröder-Sandfort zu Nierstein a. Rh., sowie die Rheinische Bierbralierei Mainz ihr Jntereffe für die Aus­stellung durch Stiftung von Ehrenpreisen.

** Zum Raubmord bei Rüdesheint, den wir gestern bereits kurz gemeldet haben, wird aus Rüdesheim berichtet: In der ' Zeit, die zwischen dem Abend des 17. Juni bis zum Morgen des 19. Juni liegt also die Zeit über Sonntag ist in der Nähe des Hermannschen Steinbruches an der Hockmauer bei Rüdesheim, unweit des Fußpfades zum Niederwald-Denkmal, die Leiche eines jungen Mannes gefunden rooiben, der mit einem Beil erschlagen worden ist. Der Täter wird wohl, da nach den vorhandenen Anzeichen ein Kampf stattgefunden zu haben scheint, nicht ohne Blutspritzer davon gekommen jein. An dem Tatort ist, nach derK. Pr." ein alter, weicher runder Filzhut, völlig mit Blut befleckt, gefunden worden. Vielleicht wurde er von dem Täter zurückgelassen. Der Tote wurde wahrscheinlich in einer der Verkaufsbuden, die sich nicht weit von dem Steinbruch befinden, ermordet und hatte vermutlich in der Bude mit einem oder zwei Kameraden übernachtet. Für Raub spricht der Umstand, daß sich in den Kleidern des Ermordeten nicht das Geringste vorfand und daß die Taschen aus den Kleidern gezogen waren. Die tätlichen Verletzungen befanden sich am Kops und waren furchtbar, die Schä'deldecke war zerschlagen und das Gehirn bloßbelegt. Am Nheinufer ist in der Nacht ein Mann in Arbeftskleidern gesehen worden, der beschäftigt war, sich zu waschen. Als er sah, daß man ihn beobachtete, entfloh er. Der Tote ist 18 bis 20 Jahre alt, bartlos mit dunkelblondem Haupthaar.

Z Münster bei Lich, 19. Juni. Gestern hielt das Eisenbahnkomitee für die projektierte Strecke Lich-Grünberg eine Versammlung ab. Mit großem Be­dauern wurde die Mitteilung des Vorsitzenden entgegen­genommen, daß die Firma Lenz u. Eo.-Berlin den Bau der Bahn abgelehnt habe. Da die Bahn Butzbach-Lich nur geringen Personenverkehr hat, also schlecht rentiert, so habe die Firma Lenz ihre anfäng­liche Bereitwilligkeit zurückgezogen. Auch zwei andere Firmen haben den Bau abgelehnt. Die beteiligten Ge­meinden hattm schon im Vorfrühjahr den Beginn der Ar­beiten erwartet; um so größer ist jetzt die Enttäuschung. Doch hofft man, daß die hessische Regierung sür das Pro­jekt eintteten wird.

+ Hattenrod, 19. Juni. Der Bezirkskrieger* verband Lich hielt gestern bei Gastwirt Dörr eine außer- ordentliche Bezirksversammlung ab. Der seitherige Vor­sitzende, Forstwart Blei-Nieder-Bessingen, hat den Vorsitz bereits auf dem Hassiatag zu Laubach niedergelegt. An seiner Stelle wurde Lehrer Jakob Alt aus Lich zum Vor­sitzenden gewählt. Zum Stellvertreter wählte man Kamerad Roth-Bettenhausen. Es wurde beschlossen, an der Denk­malseinweihung des Fürsten Ludwig zu Lich am 2. Juli teilzunehmen.

Frankfurt, 20. Duni. An einem Neubau in bei Wittelsbacher Allee bracht eine schwere Balkon-Stein- platte am ersten Stock, als drei Arbeiter daraus standen, plötzlich in der Mitte durch und zwei der Arbeiter stürzten mit der Steinmaffe in die Tiefe. Der dritte sprang vorher ab. Der Maurer Hartmann aus Baben­hausen trug bei dem Sturz einen komplizierten Bruch des linken Unterschenkels, sowie eine bedeutende Verletzung am Hinterkopf und linken Oberarm davon. Dem Maurer Georg Perschbacher aus Schaafheim wurden am rechten Fuß die Zehen abgeschlagen, und er erlitt sonst noch ver­schiedene Kopfwunden und innerliche Verletzungen. Der dritte, der abgesprungen war, kam mit einer Brustquetschung davon. Die Nettungswache aus der Durgsttaße legte die Notverbünde an und brachte die zwei Schwerverletzten nach dem Heiliggeisthospital. In der vergangenen Nacht wurde ein Student aus Darmstadt in der Linneftraße von sechs bis acht Personen üb erfüllen und derart miß­handelt, daß* er bewußtlos liegen blieb. Der Student wurde durch die Rettungswache in das HospitalZum heiligen Geist" gebracht. (K. P.)

"Im Omnibus. .Begleitet Ihr junges Frauchen Sir immer im Omnibus nach beni Geschäft ?n Junger ©bemann: Ja, wir machen aut diese Weise allmählich unsere Hochzeitsreise/

* Zur P e r o s s e n t l i ch u n g der im schönsten Kal^leistil ge­schriebenen Danksagung des Kron prinzen paareS bemerkt dieJugend" nach dem Musterderselben":Der Beamte, welcher obige Danksagung versaßt haben, können nicht Deutsch, und sollten derselbe diese schöne Sprache baldigst und richtigst lernen, u n b wären letzteres allem Leser desReichs­anzeigers" a n a e n e b ir ft.

* KleineTageschronik. Gelegentlich einer Vergnügungß- rhemtour des Bonner Korps W e st p b a l i a " stürzte der Sohn eines Kölner Justizrats unweit der Station Roendors über Bord des Dampsers unb ertrank. Die Leiche ist noch nicht ge­landet. Lallt amtlicher Meldung entgleiste in Bent den dltrch 9(uffabreit auf einen Prellbock die Maschine und ein Wagen eines rangierenden Zliges. Ter Führer wurde getötet; die Maschine ist erheblich beschädigt. Ter Betrieb erlitt keine Störungen. In Wien e r s ch o ß die Witwe eines Zeitungs-AdmimstratorS, Jl'ftina Kautichkn aus Gram über den Tod ihres Mannes ihre zwei Jahre alte Tochter und sich selbst.