Rußland in Sturm und prang.
Vom Ackerbaumknisterinm.
Petersburg, 19. Mai. Ein kaiserlicher Erlaß ordnet vie Umwandlung des Ackerbauministeriums in eine Oberverwalt- ung sür Landorganisation und Ackerbau an, ferner die Errichtung ^^dentvaNonritees für Agrar-Angelegenheiten, welches aus den MrniMrn des Loses, des Innern, der Finanzen und der uSi-ld™1 Neichskontroleur und aus dern Oberdirigenten neuen Oberverwaltung bestehen soll. Die am eingesetzte besondere Konferenz unter dem Vorsitze von tn Komitee engste Fühlung zu unter-
-Ä RerchZrat wurden berufen der bisherige 2? Jermolow Oberhosm Lister Fürst D o l- goruki und der Gouverneur von Tula, Geheimrat Schlippe.
tcAäfI Spellhof hat das Gesuch des Verteidigers w?' "Eue 2 engen zu verhören, soweit berück- irchttgt, daß die ganze Angelegenheit von Neuem an den Pro- k«eur verw«se« M-rd« Di« D er handln» r des Pro- zesses ist deshalb wieder au fge sch oben worden. Sollten die weiteren Zeugen Entlastend «uSsagm, so wird möglicher- Werse bte w ^ache niedergeschlagen.
Aus dem Reiche.
P - t - r s b u r 9 , 19. Mai Ein furchtbares L y n ch g - r i ch t fcirrbe tn drei Dörfern des Gouvernements Wolhvnien von russi- sch en Bauern, deutschen Kolonisten und kleinen Edelleuten über Pferdediebe abgehalten. Gegen 80 Personen wurden dabei verletzt und halb tot geschlagen. Die Verbrecher wurden regelrecht gefoltert und, wenn sie gestanden, mit Stöcken, Eisenstäben und Dreschflegeln barbarisch mißhandelt.
Petersburg, 19. Mai Das Oberlriegsgericht verurteilte gestern den Handelsmann Abraham S t i l l m a n n, der seinerzeit rin Attentat auf den Oberpolizeimeister von Odessa, Obers, Gplovlnit ausgeMtt batte. Aum Tode durch den Strang.
Infolgedessen wurde von den internationalen Truppen ein umfassender Sicherheitsdienst um Kanea eingeführt. Auch das Kammergebäude wird bewacht. Die Kaufleute KaneaZ richteten Petitionen an das Konsularkorps, in denen auf die angeblich von der Regierung ausgehende Bandenorganisation hingewiesen und um Schutz gebeten wird. Dre Mohammedaner in' den Küstenstädten sind beunruhigt. Bisher sind aus Kanea 150 Personen ausgewandert. Auch in Kvndia und Rcthhmo herrscht Beunruhigung. Die Haltung der kretischen, unter italienischen Offiziere stehenden Gendarmerie ist ernstlich, zweideutig geworden. Bisher find 45 Gendarmen desertiert. Die Konsuln der Schutzmächte beantragten Verstärkung der Küstenpnnkte und aller Zollämter, lvwie der wichtigsten Punkte im Innern.
Petersburg, 19. Mai. Gegen die polizeiliche Dri efschnüfselei sichert sich, wie gemeldet wird, der neue amerikanische Botschafter in Petersburg, v. Lengerle- P?eyer, dadurch, daß er die amtlichen Postsachen und Depeschen durch Kuriere nach Berlin bringen läßt, worauf sie von der Berliner amerikanischen Botschaft weiter befördert werden. Durch diese Vorsichtsmaßregel soll verhindert werden, daß die politische Polizei Einsicht in die Korrespondenz nimmt, was angeblich bereitS vorgekommen ist.
Atlanta, 19. Mai. Der Sekretär des Departements für Handel und Industrie, M c t c a l f, erklärte in einer Ansprache an den Verband amerikanischer Fabrikanten die langsame Entwickelung des Exporthandels mit den ameri- ikanischen Fabrikanten sei zurückzuführen auf die geringen Bemühungen seitens der Fabrikanten und auf die Tatsache, daß die Konkurrenz ihre Waren besser den Bedingungen der Märkte anvasse, die sie verlornen wolle.
Der friert. Noschdjestwenski.
Aus Petersburg wird gemeldet: Die Ernennung Birilews zum Befehlshaber des russischen Geschwaders in Ostasien wird nunmehr im Marine amt sowie im Generalstab der Marine bestätigt. Birilew werde das Kommando übernehmen, sobald Noschdjestwenski mit Enem Geschwader in Wladiwostok eingetrvffen sei Birilew rd unverzüglich nach Wladiwostok fahren. Dort wird er mtt ^^bfehlshaber der Mandschureiarmee, Linewitsch,
Der Zar hat, so wird weiter berichtet, noch in der Nacht von der Erklärung Roschdjestwenskis, zurückzutreten, Kermtnis erhalten. Die Nachricht habe ihn überaus erregt, sodaß er eine schlaflose Nacht hatte. Am nächsten Morgen habe er aber bereits die Ernennung Birilews vollzogen In der Bürgerschaft wird der Rücktritt Roschdjestwenskis als eine große öffentliche Kalamität bezeichnet.
Zn Tokio
Ist man der Ansicht, baß die Nachrichten über das Befinden Roschdjestwenskis nur den Zweck verfolgen, die Wachsamkeit Togos irrezuführen, damit die baltische Flotte ungehindert Wladiwostok erreiche.
Transportschiffe für Rußland.
Saigon, 19. Mai. 4 3 Ko h len s ch i f fe liegen unter irrenger Ueberwachung seitens des französischen Kanonenbootes „Crenade" gegenüber Nhabe vor Anker Etwa 20 andere Kohlenschiffe sind auf der Höhe von Kap Saint Jacques verankert und werden von dem Kreuzer „Darras" überwacht. Ein einziges Kohlenschiff, „Kiew", liegt in dem Handelshafen von Saigon.
In Wladiwostok.
Der amerikanische Konsularagenk Greener in Wladiwostok telegraphierte nach Washington, daß alle fremden Konsularagenten ausgefordert worden find, die Fest- ung zu verlassen, und daß ihnen die Erlaubnis erteilt wurde, sich in den Städten der Küstenprovinzen nieder- een. Greener begibt sich nach Chabarowsk. Hier wird f hmgewiesen, daß in Port Arthur vor der Belagerung eine ähnliche Maßregel ergriffen wurde.
Aus der Mandschurei.
Petersburg, 19. Mai. General Linewisch telegraphiert unter dem 18. Mai: In der Front der Armee besetzte am 16. Mai eine kleine feindliche Abteilung den Engpaß von Pandilin. — Der Versuch der Japaner, das Dorf Schahotse zu besetzen, hatte keinen Erfolg; sie wurden durch unser Feuer zuräckgetrieben und zogen sich in südlicher Richtung zurück. Ain selben Tage näherte sich japanische Kavallerie unseren Abteilungen durch das Dorf Seonukhu, 6 Werst südlich von dem Dorfe Tsaout. Nachdem unsere Truppen Verstärkungen erhalten hatten und eine Abteilung freiwilliger Jäger in die Flanke der japanischen Arrieregarde geschickt hatten, zwangen sie den Feind, sich zurückzuziehen.
Der Kaiser von Korea.
Der russische Geschäftsträger in Peking brachte zur Kenntnis der chinesischen Regierung, daß eingegangenen Nachrichten zufolge die Japaner die Absicht hatten, den Kaiser von Korea trotz des Vertrages von Shimonoseki, der die Unabhängigkeit Koreas garantiert, nach Japan zu bringen. Die russische Regierung erhob aus diesem Anlaste bei allen Mächten Beschwerde.
Gefangenenaustausch.
Die „Times" meldet aus Petersburg: Die Negierungen von Japan und Rußland haben ein Abkommen getroffen, um ihre gegenseitigen Kriegsgefangenen aus- zutausch en.
In Kiew ist am 18. d. M. her Generalstreik proklamiert worden. Abends drangen streikende Arbeiter in die Eisen- bahn-W erstatten her Station Kiew 2 ein und zwangen die Kollegen zur Nicderlegnng der Arbeit. Gleichzeitig streiken die Backer, sodaß die Stadt momentan ohne Brot ist. Eine Anzahl der Streikenden ist bereits verhaftet worden.
. Lemberg, 19. Mar Nach Meldungen aus Odessa hat m Kresona eine Judenhetze stattgefunden. Die Kaufläden der Juden wurden geplündert und mehrere Juden getötet. Da auch deutsche Kolonisten bedroht sind, beschlossen diese airszuw andern.
Aus Stadt Md Fand.
Gießen, 20. Mai 1905.
" Aus dem Militär.Wochenblatt. Befördert zu Oberstleutnants die Majore: Bachelin, VatS.-Komman- deur im Jnf.-Leib-Regt. Großherzogin (3. Großh. Hess.) Nr. 117, v. Storch beim Stabe des 1. Großh. Hess. Trag.- Negts. (Garde-Drag.) Nr. 23; zu überzähligen Hauptleuten: die Oberlts.: v. Langen im 1. Großh. Hess. JnfflLeihg.)- Regiment Nr. 115, Morgenroth im 4. Großh. Hess. Jnf.-Reg. (Prinz Karl) Nr. 118; zu Leutnants die Fähnriche: Frhr. v. Getto im 1. Großh. Hess. Jns.(Leibgarde)-Reqt. Nr. 115, Ebel im Jnf.-Negt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Rr. 116. — Ernannt zum Batteriechef: Freiherr v. Rechen berg, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Feldart.-Negt. Nr. 61, unter Beförderung zum Hauptmann und unter Versetzung in das Bad. Feldart.-Negt. Nr. 50. — Kommandiert zur Dienstleistung auf ein Jahr: v. Collas, Lt. im 1. Großh. Jnf.(Leibgarde)-Negt. Nr. 115, zum Hus.-Negt. v. Ziethen (Brandenburg) Nr. 3. — Im Sanitätskorps: Dr. Weber, Oberstabs- und Negimentsarzt des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Leib-Drag.-Negts.) Nr. 24, unter Beförderung zum Gen.-Oberarzt zum Divisionsarzt der 12. Div. ernannt; Dr. Ohlsen, Oberstabs- und Negts -Arzt des Ulanen-Negts. Prinz August von Württemberg (Posen) Nr. 10, zum 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Leib-Drag.-Regt.) Nr. 24 versetzt; Dr. Dönges, Assistenzarzt d. Nest (Friedberg) als Assistenzarzt beim 2. Großh. Hess. Feldart.-Negt. Nr. 61 angestellt. Dr. Roth (Mainz), Oberarzt derLandw. 2. Aufg., der Abschied bewilligt.
** Personalien. Ernannt wurde der provisorische Gesanglehrer an der Viktoriaschule zu Darmstadt, Hoskonzert- meister i. P. Wenzel Petr, unter Verleihung der Rechte eines definitiv angestellten Volksschullehrers, zum Gesanglehrer an dieser Schule.
m. Friedberg, 19. Mai. Zu einer am 5. Mai gebrachten Notiz werden wir ersucht, Folgendes mitzuteilen: Der angeblich hier an Alkoholvergiftung gestorbene Taubstumme hat die deutsche und österreichische Lackfabrik nüchtern und gesund am SamStag, den 29. April verlaßen und starb am Montag, den 1. Mai in seiner Wohnung. In der Zwischenzeit hat er die Fabrik nicht betreten. Zur Lackbereitung dienenden Spiritus konnte er sich der Ueberwachung wegen nicht verschaffen; auch ist dieser ungenießbar. Der Taubstumme war während der Arbeitszeit durchaus nüchtern.
R- B. Darmstadt, 20. Mai. Das Großherzogliche Paar gedenkt heute, SamStag nachmittag, mit Gefolge wieder hierher zurückzukehren, -r- Der Gcsetzgeb- ungsauSschuß der zweiten Kammer war gestern und heute zur^Beratung zusammen. In der gestrigen Sitzung wurde zunächst in Anwesenheit der Regierungsvertreter der Entwurf des Gesetzes über den Handel mit Giften erledigt. Dieser Handel ist bekanntlich von einer besonderen Erlaubnis abhängig, ohne weiteres ist er nur den Apothekern gestattet. Im Artikel 1 der Regierungsvorlage wurde nun bestimmt, daß die Genehmigung zu versagen ist, wenn 1) ein Bedürfnis zur Zulassung des beabsichtigten Handels nicht nachgewiesen wird oder 2) wenn Tatsachen vorliegen, welche die U nzuve rlässi gkeit des Nachsuchenden in Bezug aus den beabsichtigten Gewerbebetrieb dartun. Gegen die erste dieser beiden Bestimmungen wurde im Ausschuß starker Widerspruch erhoben, da hierdurch besonders den Drogenge- schästen und Materialwarenhandlungen großer Schaden Zugefügt werden könnte und ein Nachweis wirklicher Bedürftigkeit überhaupt schwer zu führen sein würde. Die Großh. Negierung erklärte sich schließlich mit der Streichung des Absatzes 1 einverstanden. Die übrigen drei Artikel der Vorlage fanden die Billigung des Ausschusses und wurden unverändert angenommen. In der heutigen Ausschußsitzung begann die Beratung des Gesetzentwurfs über die Ausübung der Jagd in Hessen. Der Ausschuß beschränkte sich heute auf die erste Beratung der ersten 10 Artikel der Vorlage und vertagte dann die weitere Verhandlung aus Mittwoch den 24. Mai. Der Ausschuß gedenkt die schwierige Gesetzesnmterie in Gemeinschaft mit der Negierung noch in diesem Monat fertigzustellen, sodaß sich die zweite Kammer, deren Zusammentritt erst nach dem Pfingstfest erfolgen dürfte, alsbald der Erledigung dieser Vorlage widmen kann. Da darin auch zahlreiche andere Bestinimungen über Jagdberechtigung rc. enthalten sind, nimmt man an, daß sie in der ersten Kamnier auf erheblichen Widerspruch stoßen wird.
Darmstadt, 19. Mat. Aus Groß-Gerau kommt dre Künde, daß der dortige Krersamtmann Dr. K. vom Amte suspendiert worden ist. Ueber die Ursache gehen die umlaufenden Gerüchte auseinander, nur scheint soviel festzustehen, daß es sich nicht um Verfehlungen im Amte, sondern um solche privater Natur handelt. (N. H. Blb.) —> Die „Kreuzztg." teilt mit, daß der in letzter Zeit vielgenannte Herr v. Goldschmidt-Rothschild zum Großh. Hessischen Kammerjunker ernannt worden ist.
Darmstadt, 20. Mai. Das Groß Herzogs paar, das einige Tage in Mainz residierte, begibt sich heute, einer Einladung des Kaiserpaares folgend, nach Wiesbaden und nimmt dort an der Frühstückstafel teil. Später erfolgt die Rückkehr nach> Darmstadt.
Mainz, 19. Mai. Für die hiesiarn Konfektionsgeschäfte aA»eiten auf dem Lande eine Menge Schneider, die ifyrc fertige Ware in großen Packen zur Stadt bringen. Durch den hier ausgebrochenen Schneiderstreik haben die Schneider an den Toren Streikposten stehen, die scharf auf die Landschneider aufpassen. Natürlich fällt es keinem Oktroibeamten sonst ein, die Packträger anzuhalten. Diese günstige Gelegenheit wollte nun gestern ein Oktroipascher benutzen, um oktroipflichtige Gegenstände in die Stadt zu schmuggeln. Den Schneidern kam aber der Pack des Mannes verdächtig vor. umsomehr, als er bei ihrer Annäherung davonzulaufen suchte, wodurch auch der Oktroibeamte aufmerksam wurde. Der Pack wurde untersucht, und die oktroipflichtigen Gegenständ?, deren Vorhandensein vorher in Abrede gepellt war, wurden gefunden. Die Warm wurden konfisziert, die Strafe tut dreißigsachyr Betrag pes Ollrois folgt nach.
r. Wetzla ch 18. Mai. Das Besitztum des Bahnarbeiters Philipp Buht zu Greifenthal, ein Wohnhaus und eine Scheune, wlwde heute vormittag eingeäschert. Die Art der Entstehung des Brandes kann noch nicht angegeben werden. Da ziemlich starker Wind herrschte, hätte die Gefahr groß worden können. Die Orts-Löschmannschaften aber leisteten schnelle Hilfe.
Wiesbadnn, 20. Mai. Heute morgen 83/4 Uhr bekleben sich der Kaiser, die Kaiserin und die Königin Margherita mit kleinem Gefolge mittels Automobilen nach Homburg v. b. H.
m ** &I £iit e Mitteilungen aus Hesse n und den lc a ch I) a rsta at en. Der Gesangverein „Eintracht" in K le i n- Lln den feiert am 9. und 10. Juli sein 40 jähriges Stiftnngssest. Erne Unzahl Vereine aus der Umgegend bnbeit bereits ihr Erscheinen zugesagt. —■ In Mainz stürzte au? einem Hause der Kaiserstraße beun k'senstervntzen daS Dienstntadchen Praut vom vierten Stock herab und mar sofort tot. — M ü nzenberg feiert Sonntag und ^-iontag den 21. und 22. Mai die übliche Kirehweihe.
Krrichtslaal.
(n.) Gießen, 19. Mai. Die Strafkammer verurteilte hetite den 17 jnyrigen Schiihmacherlehrling Georg D. von Hom- Ohm wegen Meineids zu ein Jahr Gefängnis und „erklärte ihn für dauernd unfähig, als Zeuge oder Sachverständiger vernommen zu werden. D. ist am 2. April 1888 hier geboren und befindet sich zu Homberg in der Lebre. Sein JJcelfter war seither mit seinem Betragen und seinen Leistungen zufrieden. Sein Lehrer schildert ihn als mittelmäßig bis gering ^begabt, ist aber der Ansicht daß er die zur Erkenntnis der Strafbarkeit seiner Handlung erforderliche Einsicht besessen bat, als er die Tat beging. Die Verhandlung ergab, daß zwischen vier Uhrmacherlehrlingen und einer Reihe anderer junger Leute, darunter der Angeklagte, ein gespanntes Verhältnis be- stand, das mehrfach zu Schlägereien und Schimpfereien führte, cm Mai v. I. wollte nun der Uhrmacher Kersten den Angeklagten zur Rede stellen. Er erhielt eine steche Antwort, worauf ihn die Uhrmacherlehrlinge überfielen und ihn gehörig durchbläuten. Die Sache kam nun vor das Schöffengericht und D. wurde als Zeuge vernommen. Hier stellte er die Sache so hin, als wäre er ohne jeglichen Grund überfallen und mißhandelt worden. Er bestritt die ungehörige Aeußerung dem Uhrmacher Kersten gegenüber und bestritt ferner, trotz mehrfachen Vorhalts und des Hinweises auf _ die Bedeutung des Eides, daß er geschimpft habe. Ter Vorsitzende des Schöffengerichts sowohl, als auch der Amtsanwalt und der Verteidiger, waren der Ueber- zeugung, daß er mit der Wahrheit zurückhalte, weshalb er vielfach und eindringlich vor einer falschen Aussage verwarnt wurde. Das Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß D. mindestens in dreifacher Beziehung unter seinem Eide die Unwahrheit gesagt habe, hielt-aber trotzdem die-Mindest strafe für angezieigt, mit Rücksicht darauf, daß er zur Zeit der Begehung der Tat kaum eidesmündig war. Wegen der Höbe der Strafe wurde Haftbefehl er- lassem Da der Angellagte noch nicht 18 Jahre alt war, mußte die Verhandlung vor der Straflammer stattfinden, eine Verhandlung vor dem Schwurgericht ist in diesem Falle ausgeschlossen. —- Der Bauunternehmer Friedrich Ludwig Ph. von Cassel hat die Wasserleitungsarbeiten der Gemeinde Eichelhain ausgeführt, ohne im Besitze des hierzu erforderlichen Gewerbescheins zu sein. Das Steucrkommissariat Lauterbach ließ ihm einen Strafbescheid in Höbe von 562,14 Mr. zu gehen, gegen welchen er gerichtliche Entscheidung antrug. Das Schöffengericht Herbstein verurteilte ihn zu der in dem Strafbescheid angegebenen Strafe, wogegen er Berufung erhob. Die Straffammer schloß sich den Aussübrungen des Schöffengerichts an und wies die Berufung kostenpflichtig zurück. — Die Dienstmagd Anna V. von Langendorf hat gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen Berufung erhoben. S'e hatte ihren früheren Dienstherrn, Hotelbesitzer H., wegen Beleidigung verklagt, was er mit einer Gegenflage erwiderte. Das Schöffengericht kam zur Freisprechung des Dienstherrn. und verurteilte die Dienstmagd M 10 Mark Geldstrafe. Da sie trotz ordnungsmäßiger Ladung zum heutigen Termin nicht erschien, mußte ihre Berufung verworfen werden.
N ew h ork, 19. Mai. Der Fr auenmör der H o ch'wurds zum Tode verurteilt.
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Kunst und Wissenschaft.
B erlin, 20-Mai. Der deutsche Künstlerbund hak von seinen sechs Ateliers in der Villa Romana bei Florenz, bte er als Stipendien zu vergeben hat, heute drei an Maler, die in der diesjährigen Ausstellung üertreten sind, verteilt. Es sind dies Thomas Theodor Heine, der das Stipendium für zwei Jahre, der Wiener Gustav Klimt, der es für ein Jahr, und der Berliner Ulrich Hübner, der es für ein Vierteljahrs bekam.
Aniversttäts-Dachrichtrn.
Bonn, 18. Mai. Die Stadt Bonn hat zur Erinnerung an die gestern erfolgte Immatrikulation des 3000. Studierenden ein Stipendium von jährlich 500 Mark für einen bedürftt- gen, würdigen Studierenden der Universität gestiftet.
Arbeiterbewegung.
RB. Darmstadt, 18. Mai. Die Aufhebung deß T a p e z i e r e r st r e i k § steht bevor. Es ist dem hiesigen Gewerbegericht als Einigungsamt unter Leitung des Bürgermeisters Dr. G l ä s s i n g in einer stattgehabten gemeinsamen Sitzung mit den Vertretern der beiden Parteien gelungen, eine V e rständ ig un g herbeizuführen. Beide Parteien kamen dahin überein, daß auf Grundlage der näher festgesetzten Bedingungen am nächsten Montag allgemein die Arbeit wieder auigeuommen werden soll.
Landwirtschaft.
Wien, 19. Mai. Sa atenstand um^ Mitte Mai: Durch die warme Witterung zu Anfang des Monats. Mai ist dsr Rückstand in der Entwicklung der Saaten zumeist wettgemacht wordeü. Die gefürchtete Eismänner Periode ist ohne nennenswerten Schaden vorübergegairgen. Dre Wintersaaten versprechen eine befriedigende Ernte. Die Sommersaaten zeigen gedeihliches Wachstum. Die Rapssaaten haben schlecht überwintert; eine geringe Ernte ist zu erwarten. Der Stand des MaiS ist günstig. Die Zuckerrüben haben in vielen Distrikten durch Kälte und Ungeziefer gelitten.. Der Aufgang der Saat war zum größten Teil befriedigend.
Sport.
Fußball in Gießen. Morgen, Sonntag, den 21. d. M., mittags fiindet ein Wettspiel zwischen dem Ballsptelklub von 1904, Gießen, und dem Gießener Fußballflub von 190Q statt. Beginn 4 Uhr, auf dem Trieb.
VerinNchte».
* Ma ri enwerder , 19. Mai. Die „Neuen Ostpr. Mitt."! melden: In der Wärterbude 98 bei S,chultz entstand Feuer,-; während der Wärter auf Streckendienst war. Zwei Kindes verbrannten. Die Frau und ein Kind wurden schwer verletzte,
* Flensburg, 19. Mai Von dem gestern abend 8 Uhr 56 Min. von hier nach 'Sonderburg abgegangenen Zuge Nr. 909 wurde kurz vor Holebüll, wo die Apenrader Chaussee den Eisenbahndamm schneidet, ein Einspännerfuhrwerks dessen Lenker die Gewalt über daS scheugenwrdrne Pferd verloren hatte, vom Zuge erfaßt. Der Fabrikant Möller auS Fleuss bürg erlitt am Kopf tödliche Verletzungen. Das Pferd kam infolge Reißens der Stränge unversehrt davon, der Wagen wurde 5en trümmert. Möller wurde von dem Zuge nach Gravenstein mit« genommen, wo der Arzt seinen Tod fcftfteUte.
* München, 19. Mai. Heute morgen tütete die Frau eines Stationsdieners ihre drei Knaben von 1, 2 und 5 Jahren, indem sie ihnen den Hals durch schnitt


