litische Vereinigung leider nicht länger besteht, ein dauerhafter Frieden zwischen den Völkern Schwedens und Norwegens zukünftig bewahrt wird zur Sicherheit und rum Glück beider Nationen. 3c6 bin gewiß, daß eine gute Grundlage hierfür durch das Uehereinkommen mit Norwegen gelegt ist, das beide Nationen auf meinen Antrag angenommen haben. In dieser Stunde muß ich — nicht ohne riefe Bewegung — laut meinen warmen innerlichen Tank für alle treue Er- gebenheit aussvrechen, welche das edle Volk Schwedens mir in der für mich so schmerzlichen Zeit der Prüfung, die seit dem 7. Juni 1905 gewährt, erwiesen hat- Die Erinnerung daran will ick nickt allein in meinem Herzen bis zur letzten Stunde meines Lebens bewahren, sie soll mich auch ständig mahnen, die Kräfte, welche mir in meinem hohen Alter noch übrig geblieben sind, zum Besten des Landes und Volkes anzuwenden, das mir so treue Lieb«- bewiesen hat. Ich erkläre hiermit den außerordentlichen Reichstag für geschlossen und verbleibe Ihnen, meine werten Herren und schwedischen Manner, mit aller königlichen Gnade und Gunst stets wohlgewogcn.
Ausstiche Mcuigkei-en.
Heute (Donnerstag) sollte die Uebersiedelunq des Hofes Don Petersburg nach Zarskoje Selo stattfinden, ist jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben worden, weil sich der Zar vor wenigen Tagen beim Morgenspaziergange stark erkältet hat. Es soll sich um Influenza handeln. Der Zar hütet auf Anordnung seiner Leibärzte das Zimmer.
Die Admiralität beabsichtigt, alle neuen Kriegsschiffe, welche in Zukunft gebaut werden, mit Turbinen auSzurüsten. Versuche finden bereits statt. Die Schnelligkeit der Schiffe wird durch diese Neuerung bedeutend gesteigert.
In Petersburg vertrieben vor der Expedition zur Anfertigung der Staatspapiere die Arbeiter den Direktor der Direktion, Fürsten Galizin, sammelten sich bis zu 2000 Mann vor der Expedition und demonstrierten, worauf eine Kompagnie vom Leibgarderegiment mit Bajonett einschritt und zum Angriff überging. Acht Mann wurden getötet.
In Moskau brachten streikende Arbeiter einen Vorortzug zum Stehen, zwangen die Paffagiere zuin Aussteigen, plünderten alle aus und verschwanden ungehindert.
In Riga überfielen Unerkannte auf offener Straße den Direktor der russisch-baltischen Waggonfabrik, Kritzki, und ver- wuirdeten ihn durch mehrere Revolverschüffe lebensgefährlich.
Sachalin soll als Strafkolonie aufgehoben und russischen Untertanen zur freien Kolonisierung überwiesen werden.
Deutsch-Afrika.
Wie Kapstadter Blätter berichten, hätten die Hotten- /otten in den letzten Tagen in Deutsch-Südwestafrika 47 deutsche Soldaten ermordet und 15 Wagen erobert. Es heißt, daß Hendrik Witboi demnächst im Süden durchbrechen werde, um mit seinen Leuten zu Morenga zu stoßen. Der Letztere hat den Deutschen mitgeteilt, daß er beabsichtige, in der Defensive zu verharren.
Die „Nationalztg." bestätigt, daß die gegen den Gouverneur der Kolonie Kamerun, v. Puttkamer, laut gewordenen Beschwerden von Weißen herrühren. Aus diesem Grunde sind sie auch den Mitgliedern der parlamentarischen Studienkommission an Ort und Stelle zu Ohren gekommen. Abg. Storz (südd. Volksp.) spricht in seinen dieser Tage veröffentlichten Beobachtungen über Kamerun von „persönlichen Gegensätzen, die sich schroff zugespitzt haben". Es ist selbstverständlich, daß bei solchen Zuständen die Kolonie nicht in erwünschter Weise sich fortentwickeln kann. Die Untersuchung der gegen da§ System Pnttkarner gerichteten Beschwerden hätte schon vor Jahr und Tag bewerkstelligt werden muffen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als laffe die Kolonialverwaltung gegen den Gouverneur Kameruns, einem unserer ältesten „Afrikaner", eine gewisse Nachsicht walten. Im Jntereffe des Schutzgebietes läge das nicht, und es ist nur zu wünschen, daß die Mitteilungen der unterrichteten Reichstagsabgeordneten der Regierung Anlaß geben, ungesäumt einzuschreiten.
Deutsches Reich.
Potsdam, 18. Okt. Anläßlich des Geburtstages weiland Kaiser Friedrichs III. kamen der Kaiser und die Kaiserin, die Prinzen Oskar und Joachim und die Prinzessin Viktoria Luise zu Fuß vom Neuen Palais nach dem Mausoleum. Die Majestäten legten hier am Sarkophage einen Lorbeerkranz mit Veilchen und Marschallnielrosen und einer weißen AtlaSschleife mit den Initialen des Kaisers und der Kaiserin nieder und verblieben dann noch in stiller Andacht. Ferner wurden noch Kränze niedergelegt von verschiedenen Offizierskorps und mehreren Vereinen.
Berlin, 18. Okt. Die Au dienz des Vorstandes des deutschen Städtetagcs beim Reichskanzler wird unterbleiben, denn, wie der Allg. Fleischerztg. aus München telegraphiert wird, hat Oberbürgermeister von Borscht ihrem dortigen Vertreter erklärt, daß angesichts der mit dem Briefe des Reichskanzlers an den Oberbürgermeister Kirchner geschaffenen Lage die Bürgermeister auf einen Empfang durch den Reichskanzler verzichtet haben.
— »Jetzt schon und in einem Zuge", so versichert die „Münchener Allg. Zig." in einem Artikel über die Tabak- steuercrhöhung, soll auf dem weiten Wege bis zu den Grenzen des höchstmöglichen Ertrage? diese Erhöhung nicht stattfinden. Ein Teil der möglichen Besteuerung des Tabaks, der ein Luxus sei, müsse noch in Reserve gehalten werden. (DaS erinnert fast an die Herzensgute desjenigen, der seinem Hunde den Schwanz nur stückweise abschneiden will.) — Der „RcichSanz." veröffentlicht das Gesetz betr. Aende- rung des Paragraphen 44 der Gewerbeordnung vom 14. Okt. 1905 (betrifft Handlungsreisende).
Kiel, 18. Oktober. Eine Versammlung dcS liberalen Vereins beschloß einstimmig, eine Eingabe an den Reichskanzler zu richten, in der um Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh und Herabsetzung der Vieh - und Getreidezölle in den neuen Handelsverträgen gebeten wird.
München, 18. Okt. Die Abgeordnetenkammer begann heute die Generaldebatte über daS Budget. Von besonderem Jntereffe war die Erklärung Dr. Pichlers, betreffs der Betriebsmittelgemeinschaft, wonach das Zentrum keiner Maßnahme zustimmen wird, die Selbständigkeit der bayerischen Eisenbahnen irgendwie zu gefährden. Ferner äußerte lick Redner über die ReichSfinanzrcfor m. Das
Zentrum werde im Reichstage keiner Reform zustimmen, welche die finanziellen Verpflichtungen imb damit daS finanzielle Jntereffe der Einzelstaaten dem Reiche gegenüber vollständig ausschaltet. Der Redner trat weiter sehr lebhaft ein für Bewilligung von Diäten an ReichstagSabgeord- nete und trat zum Schlüße der Ansicht entgegen, daß das Zentrum kulturfeindlich sei. ________________________
Smt und Alotte.
— Der Pariser Korrespondent des Londoner „Daily Telegraph" behauptet kühn, die deutsche Flotte liege seit 10 Tagen in Kiel unausgesetzt unter Dampf, „ein Zeichen, daß die Krise noch nicht zu Ende" sei. In London wird dagegen von maßgebender diplomatischer Seite versichert, daß sowohl der Matin-Zwischenfall wie die Marokkokrise für die deutsche-Regierung als beendet angesehen werde.
Ausland.
London, 18. Okt. Mitglieder des Pariser Gemeinderates wohnten heute mittag der Einweihung zweier neuer Straßen in London bei. König Eduard drückte dem Präsidenten des Pariser Gemeinderates, dem Sozialisten Brousse, die Hand und stellte ihn der Königin vor. Es wurden dem König drei Adressen überreicht, darunter eine eines Armenviertels im Osten Londons, worin die Not und der Arbeitslohn dargelegt wird. Der König erwiderte, der Wohlfahrt der arbeitenden Klassen habe er stets die größte Beachtung geschenkt, die Arbeitslosigkeit betrübe ihn tief, doch hoffe er. daß sie mit dem Aufblühen von Handel und Gewerbe bald vorübergehen werde. Er werde nicht verfehlen, die 9lnregungen der Adresse seinen Ministern zu übermitteln, die, wie er fest vertraue, ilxn aufs beste beraten würden.
Paris, 18. Okt. Jaurös führt aus, daß Rouvier dem Rev a n ch e g e d an k en des Todesstoß versetzt hat. Nun solle er aus seiner Politik auch die Folgerungen ziehen und das, was seine Handlungen bestimmt hat, auch offen als seinen Grundsatz verkünden.
Madrid, 18. Okt. Der Anarchist M u r e l l o wurde unter dem Verdacht verhaftet, beteiligt an dem geplanten Attentat gegen Loubet und den König gewesen zu sein.
Bukarest, 18. Okt. Der Minister des Aeußern Lahovary erklärte, daß die rumänische Regierung sich wegen der fortdauernden rumänen-feindlichen Haltung der griechischen Regierung zum offiziellen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Griechenland gezwungen sehen dürfte.
Tokio, 18. Okt. Der Ertrag aus dem Tabakmonopol für dieses Jahr wird auf 32 Millionen Pen geschätzt. Man erwartet, daß der Voranschlag um eine Million Pen überschritten werden wird.
Newyork, 18. Okt. Der Generaldirektor der „Assoziierten Presse Stone" erklärte, daß, als alle Friedens aussichten in Portsmouth geschwunden waren, der deutsche Kaiser angerufen worden sei, der dann erfolgreich eingegriffen habe, während Großbritannien keine Hand rührte, um den Frieden zu bewerkstelligen.
Akis Stadt und Lantz.
Gießen, 19. Oktober 1905.
Advetzzbueh W06.
Die Verteilung der Aufnahmezettel ist nunmehr im Gange. Wir bitten wiederholt um recht genaue Einzeichnungen. Ferner bitten wir zu beachten:
die Zettel werden von uns abgeholt, um sie an Ort und Stelle auf richtigen Eintrag prüfen zu können. Von der Zusendung der ausgefüllten Zettel an uns wolle man deshalb absehen.
Brühlsckse Universitäts-Druckerei.
Verlag des Adreßbuches der Stadt und des Kreises Gießen.
** Bundesratsbevollmächtigte. Ter Großherzog hat, tote uns aus Darrnstad t drahtlich gemeldet wird, am 14. d. M. den seitherigen stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat Finanzminister Tr. Feodor Gnauth zum Bevollmächtigten zum Bundesrat zum Deutschen Reich ernannt und das Kommissorium zum stellvertretenden Bevollmächtigten zum Bundesrat dem Justizminister Karl Ewald erteilt.
** Bei der jetzigen Fleischteuerung dürften nachstehende Mitteilungen über die Lebensmittelpreise in der Stadt Gießen am 1^ März 1777 zu interessanten Vergleichen Anlaß geben, die in diesem Falle zu Gunsten der „guten alten Zeit" ausfallen. DaS uns von einem Fretmde deS Gieß. Anz." zur Verfügung gestellte, vom „Fleisch- Schätzer und Marck-Meister" aufgestellte Verzeichnis giebt folgende Preise an: 1 Pfund Ochsen-Fleisch 2 Albus, 6 Pfennig. 1 Pf. Küh-Fleisch 2 A. 2 Pfg., 1 Pf. Rind- Fleisch 2 A., 1 Pf. Kalb-Fleisch 1 A. 4 Pfg., 1 Pf. Schweine- Fleisch 3 A., 1 Pf. Hammel-Fleisch 3 A., 1 Pf. Kalbs- Gelüng 1 A. 4 Pfg., 1 Pf. Kalbs-Leber 1 A. 4 Pfg., 1 KalbS-Kopf 3 A., 1 Kalbs-GekröS 3 A., 1 Pf. Hecht 6 A.,
1 Pf. Persing 6 A., 1 Pf. Rot-Augen 1 A. 4 Pfg., 1 Pf.
Weis-Fisch 1 A. 4 Pf., 1 Pf. Schleyen 3 A., 1 Pf. Brasem 1 A. 4 Pfg., 1 Pf. frische Butter 5 A., 1 Alt Huhn 6 91.,
1 Pf. Span-Sau 3 A., 1 Pf. geschälte Hirse 2 A., 1 Pf.
grob geschälte Gersten 1 A. 4 Pf., 1 Pf. klein geschälte Gersten 3 91., 1 Meste Erbsen 12 91., 1 Meste Linsen 12 A., 1 Achtel Korn 3 Gulden, 1 Achtel Gerste 2 G. 10 9t, 1 Achtel Waitzen 5 G., 1 Meste weis Mehl 27 9t, 1 Meste Saltz 20 9t, 8 Eyer 2 9t, 1 Pf. Holländischen Käß 8 9t, 1 Pf. Handkäß 1 9t 4 Pfg., Schwartz Brod 24 Loth 1 Quint 4 Pfg., Weck-Brod 10 L. 3 Q. 4 Pfg., Butter Bretzeln 5 L. 1V2 Qu. 4 Pf., Taigscher 17 L. 4 Pfg., 1 Maas gut Bier 1 9t, 1 Pf. Wurst 3 91., 1 Pf. Bratwurst 5 9t, 1 Maa? Frucht-Brandenwein 12 9t, 1 Pf. Schweine-Fett 6 91., 1 Pf. Rinds- oder Hammels-Fett 1 G. 15 A., 1 Pf. innländische Saiffcn 6 9t, 1 Pf. innländische Unschlitt-Lichter 7 91. — Zur Vergleichung dieser Preise mit den heutigen sei mitgeteilt, daß 32 Hess. 9llbus — 1 Taler waren. Die alte Schreibweise ist überall beibehalten.
•• Hessisch-Thüringische Staatslotterie. In der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 27615 und 45025, Gewinne von je 2000 Mk. auf Nr. 11702 24220 26092 27537 35426 79564, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 8 896 1206 5579 8224 9056 11236 12215 13663 18649 20599 22523
23557 28556 28752 28782 30217 32245 37703 42120
43631 45170 47294 48295 50161 53001 53963 55346
62726 63114 63471 66269 80217 81246 81466 84222
88686 91275 95800 96188 96908 99657. (Ohne Gewähr.)
** Ter dieswinterliche Vortragszy klns des Kaufmännischen Vereins und des Orts- gewerbevereins wurde gestern abend mit einem sehr gut besuchten Vortrag in Steins Saalbau begonnen.
lehrer Will sprach in längerer, fließend vorgetragenen Ausführungen über Venedig. Nach einem Blick auf die interessante historische Entwicklung der Märchenstadt schilderte der Redner die Eindrücke, die er von der Stadt bei einem Besuch im vorigen Sommer empfing, indem er die hervorragendsten Bauwerke näher erläuterte. Eine große Anzahl zum Teil vorzügli'i 'r Lichtbildervorführungen ergänzten das gesprochene Wort in anschaulichster Weise. Auch des Einsturzes deS Eampanile wurde gedacht unb dabei die Ursache der Katastrophe durch die geologische Bildung' des Baugrundes, auf dem Venedig ruht, zu er Hären versucht. Tem Vortragenden wurde lebhafter Beifall gezollt.
** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Als dritte Freitagsabonnementsvorstellung geht morgen „Ka t e r L a m p e", Komödie in 4 Alten von Emil Roscnow, in Szene. Tas Werk geht in letzter Zeit über alle größeren Bühnen und erweckt überall ausgelassene Heiterkeit. ES ist nicht mit Unrecht als ein S ckens'ück zu Hauptmanns ..Biberpelz" bezeichnet worden. Trotzdem ist die Eharakterzeich- nung absolut originell und de onflikt entwickelt sich ebenfalls ohne Anlehnung, Hauptrollen sind beschäftigt die Herren Reimer. Liv ?rt, Me sc, ^'it'nrann. Steinmann, Herrscher, Staufs und die Tarnen Fischer, Millar, Jenny Sand, Schätz, Ruf usw — In Vorbereitung steht die Vaudeville-Operette „M amzelle Ritouch c", die mit Frl. Else Jüngling vom Tarrn st ä d t e r H oft Heater als Gast in Szene gehen wiro. —Sudermanns neues Werk „Stein unter Steinen" ist ebenfalls bereits zur Aufführung erworben.
** Liebesgaben für Südwestafrika. Durch die Freigebigkeit hiesiger Firmen der Tabakbranche ist der Zweigverein vom Roten Kreuz in den Stand gesetzt worden, über 20 000 Zigarren, sowie eine größere Menge Rauch- und Kaut ab al für die Truppen in Teutsch-Südwe stafrika abgehen zu lassen. Unseren braven Kriegern wird eine solche Weihnachtsspende willkommen fern.
** Ein Steuerkuriosum, das seinesgleichen wohl in ganz Hessen nicht mehr findet, ist aus der Gemeinde Eppertshausen zu berichten. Ter zirka 20 Min. davon mitten im Wald gelegene Hof „Thomashütte", ein etwa 80 Morgen umfassendes Gut, wird seit Menschengedenken politisch als zur Gemeinde Evpertshausen gehörig betrachtet und genießt alle hieraus entspringenden Rechte, ohne indes auch nur einen Pfennig Kommunalsteuer zu entrichten. Dieser merkwürdige Zustand gründet sich auf die Tatsache, daß die „Thomashütte" mit dem angrenzenden fiskalischen Walde — Eichen — als selbständige Gemarkung eingetragen ist und als solche neben der Staatssteuer nur einen Beitrag zur Kreiskasse leistet. So sind die Bewohner der „Thomashütte" Mitnutznie^'er der Kirche, der Schulen, besitzen Gemeindenutzungen,. erhalten Holz- und Streugeld, üben ihr Wahlrecht in der Gemeinde aus, beanspruchen Polizeischutz und Unterhaltung der Zufuhrwege und leisten dabei keinen Pfennig Kommunalsteuer. So merkwürdig dies erscheinen mag, so steht der Besitzer der „Thomashütte" doch im Rechte, denn er steht als selbständiger (Ycmarker direkt unter dem Staate. Aber auch die Gemeinde ist im Rechte, Werin sie jegliche Verpflichtung gegenüber Herrn Gruber ablehnt. Tie Gemernde ersuchte um Eingemeindung der „Thomashütte": dann wäre diese auch steuerpflichtig, aber der Besitzer weigert sich. Das Kreisamt Sieburg versuchte nun ein liebere in kommen, nach welchem der Besitzer der „Thomashütte" eine bestimmte Summe an die $e» meinbe ab zu führ en hätte. Kommt eine sollt, e Einigung nicht zustande, so lehnt die Gemeinde icbe Verpachtung ab.
** In Amerika verstorbene Hessen. 9lm 30. September starb inNewyork Frau 9lmra Maria Bener, 77 Jahre alt, ans 9lllendorf, Knrhessen. Fabrikbesitzer Jul. Margott, ein geborener Oberhesse, starb im 56. Jahre zu Newyork.
a. Dutenhofen, 18. Okt. Schon seit Jahren ist hier das Baugelände im Preise erheblich gestiegen. Besonders sind die in der Nähe der Lahn gelegenen Parzellen begehrt. Aber alle bisherigen Abschlüsse wurden durch den für Montag angekündigten Verkauf des Gemeindegrundstückes, des sogen. Schulgartens, weit überboten. Die nur 5,26 Hektar große Parzelle wurde zu 4050 Mk., mithin der Timbr' trnetcr zu 7,70 Mk. veräußert.
Wohnfeld, 17. Okt. Gestern abend ereignete sich hier ein schweres Unglück. Der Landwirt Heinrich 9lltensee kam beim Transport der Dreschmaschine nach einer anderen Hofraite an einer abschüssigen Stelle so unglücklich unter die Räder, daß ihm der Kopf zermalmt wurde und der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte war ein sehr fleißiger Mann und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. (Landp.)
-t- Friedberg, 18. Öktbr. Die Möbelfabrik H. Bindewald hier, die seit einiger Zeit auch eine Abteilung für 91 u t o m o 611 b a u eingerichtet hat, wird die übermorgen in Frankfurt n. M. beginnende AntomobilauSstellung mit einem sechSräderigen Last-Automobil beschicken. Dieses Fuhrwerk ist mit, der genannten Firma als Erfindung gehörigen, patentamtlich geschützten Steuerungen von Belang auSgestattet, für die auch der Landesherr, als er bei seiner jüngsten Anwesenheit hier die Fabrik besichtigte, ein lebhaftes Jntereffe erkennen ließ.
Darmstadt, 19. Okt. Kommerzienrat F. Wittich beging gestern in voller Rüstigkeit sein 5 0jährigeS Jubiläum als Inhaber und Ehef der L. C. Wittich- schen Hofbuchdruckerei. Tas Personal der Firma hat seinem Ehef als Erinnerung ein Gruppenbild mit den Photographien sämtlicher Angestellten des Hauses gewidmet, n^el- ches gestern vormittag durch eine Deputation dem Jubilar, der an diesem Tage gleichzeitig seinen Gevurtsrag feierte, mit herzlichen Glückwünschen überreicht wurde. Kommerzienrat Wittich dankte mit bewegten Worten der Deputation für die ihm ausgesprochenen Glückwünsche und das sinnige Andenken. (T. Tagbl.)
Darmstadt, 18. Okt. Wie der „Darmst. Ztg." mit* geteilt wird, ist die Enthüllung des von den Darmstädter Schulkindern errichteten Prinzeßchen-Denkmals in Gegenwart der Großherzoglichen Herrschaften auf den 2 5. Oktober, vormittags 10 Uhr, festgesetzt.
Mainz, 18. Okt. Gestern sollte der Müller Melchior Thomas in Nieder-Saulheim durch drei Gendarmen in Zivil festgenommen und nach Gießen zur Be» obachtung seines Geisteszustandes verbracht werden. Die Gendarmen trafen ihn auf dem Felde beim KartoffelanSmacheri. Der Gendarmerie-Wachtmeister erlaubst Thomas nod), die Kartoffeln auf feine Mühle zu verbringen Als die Gesellschaft dort angekommen war, legte Thomas bei Gendarmen daS Gesetzbuch vor und wollte ihnen beweise«


