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«r. 194 Drittes Blatt. 153. Jahrgang Samstag 19. August 1905
Gkfthetnt mtt Ausnahme des Sonntags. *xa. ▲ ▲ . . . - Rotationsdruck und Verlag der vrü hl'scher,
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„Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der M M m t'l M - H - Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. I,
^sfischt Landwirt- erscheint monatlich einmal. ▼VHJVUVVV Tel. Nr. bl. Telegr^Mr. i Anzeiger Dieb«.
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Politische Tagesschau.
Keine Monarchenbegegnung.
Unter dieser Spitzmorkc sagt die „Augsburger Abendztg.", daß Kaiser Wilhelm mit seinem Oheim König Eduard von England seit tätiger Zeit auf sehr gespanntem Fuß lebe und fügt hinzu:
Wenn ein Londoner Blatt jüngst die verschiedenen Anzeichen dieser Spannung aufgezählt hat, so hat es dabei überseben, daß König Eduard sckon bei der .Hochzeit des deutschen Kronprinzen den Kaiser stark verstimmt hatte. Bei seiner nahen Verwandtschaft hätte er sich durch seinen Thronerben, wenn dieser aber verhindert war, wenigstens durch seinen ältesten Bruder, den Herzog von Connaught, vertreten lassen müssen. Unter dem fadenscheinigen Vorwande, daß dieser infolge des Besuches des Königs von Spanien in London unabkömmlich sei, wurde dann ein jüngerer Prinz nach Berlin geschickt. Die Antwort hierauf war dann, daß der Kaiser zur V erm ä hl u n g der Tochter des Herzogs von Connaught, obwohl diese eine Enkelin des verstorbenen Prinzen Friedrich Karl von Preußen ist (und obwohl gerade den .Herzog von Connaught besondere Freundschaftsbande mit dem Kaiser verbinden), überhaupt keinen Vertreter entsandte. Man mag derartige höfische Vorgänge noch so gering bewerten, als Symptome verdienen sie jedenfalls alle Beachtung, da sie zugleich die politischen Beziehungen beleuchten. Wer deren Besserung von einer persönlichen Aussprache der beiden Monarchen erlvartet hatte, wird sich nunmehr um so stärker enttäuscht fühlen müssen.
Man hat natürlich keine Handhabe nachzuprüfen, wie weit diese Mitteilungen auf Wahrheit beruhen und wie weit auf Klatsch.
Jahresbericht des Kießener Hierfchuhvereins für das Jahr 1904/05.
Der Ausschuß yidlt im Hotel Kaiserhof am 28. Juni, 18. Oktober, 9. Dezember und 16. Mai Sitzungen ab. 45 Prozent der Mitglieder toarcit durchschnittlich anwesend. 1903/4 nahmen 51,25 Proz. an den Sitzungen teil. Somit waren die Sitzungen 1904/5 um 6,25 Proz. schwächer besucht als die des Jahres 1903/4. Sollte diese Tatsache ein Zeichen schwindenden Interesses in unseren Reihen sein? Wohl kaum. Vielmehr dürste sie die erhöhten Anforderungen unserer Tage an die Kraft und Zeit des einzelnen verkörpern.
Am Anfang des Jahres 1904/5 betrug die Mitglied erzähl unseres Vereins 496. Im Laufe des Jahres traten aus, zogen weg oder schieden durch den Tod 29 Mitglieder aus. Der Verein hatte also am Ende des Jahres nur noch 467 Mitglieder. Hoch war die Einbuße. Was mag die 17 abgemeldeten Mitglieder zum Austritt veranlaßt haben? Der Jahresbeitrag von 1 Mark? Sonderbar. Kostet doch die ihnen unentgeltlich zugestellte Allgemeine Tierschutz- Zeitschrift 2 Mark pro Jahr. Und diese ist lesenswert; bemt sie unterhält, belehrt und leitet zum Beobachten an. Bemühen wir uns, Ersatz zu finden. Ersatz, der erkennt, daß unser Ziel: liebevolle Behandlung des Tieres — vor allem hochherzige Gesinnung des Menschen gegen den Menschen zur Voraussetzung hat.
Der Ausschuß verlor ein langjähriges Mitglied durch "den Tod, den Herrn Metzgermeister Pirr. Der Vorsitzende Rektor Hahn gedachte seiner Tätigkeit mit warmen Worten der Anerkennung. Dem Toten zur.Ehre erhoben sich die Anwesenden von den Sitzen.
Die eingelaufenen Zeitschriften, Jahresberichte und Flugblätter wurden dem Preßausschuß zugestellt. Durch ihn gelangten wichtige Artikel und wertvolle Aufsätze zur Kenntnis des Ausschusses.
Herr Fritzel erstattete den Bericht über die eingerichteten Tierschutzkalender für das Jahr 1905. Als die besten bezeichnete' er den Kalender des Berliner Tierschutzvereins und den Kalender vom Verbände der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches. Daher bezogen wir von ersterem 1900, von letzterem 1733, insgesamt 3633 Stück. Von jenem erhielt das Gymnasium 150, das Realgymnasium und die Realschule 400, die Höhere und Erweiterte Mädchenschule 650 die Knaben- und Mädchenschule 700. Die Verbandskalender gelangten an die Mitglieder sowie die Mittel- und Unterklassen der Volksschule zur Verteilung.
Wie alljährlich, so kamen auch diesmal Prämien an Gendarmen und Schutzleute für Anzeigen über Tierquälereien zur Verteilung. Die Verteilung überließen ^vir gern dem Ermessen ihrer Vorgesetzten, baten diese aber, sämtliche Anzeigen zu prämiieren und uns die Verteilungspläne vorzulegen. Die Gendarmerie erhielt 50, die Schutzmannschaft 100 Mark. t
Zum erstenmale erhielten Kutscher und Pferdeknechte Gaben für gute Behandlung der ihnen anvertrauten Tiere. Der Ausschuß konnte 2 Prämien von je 10 und 20 Prämien von je 5 Mark bewilligen, da ihm Herr Brauereibesitzer Kine „Lanze für das Iferdeflersch".
Dr. med. Artnr Luerssen - Königsberg veröffentlicht in den „Blättern für Volksgesundheitspflege" einen beredten Artikel, der das Pferdefleisch gegen alle unbegründeten Verdächtigungen in Schutz nimmt und jeder einsichtigen und vor-- urteilsfreien Hausfrau einen Versuch mit dem übel verleumdeten Nahrungsmittel empfiehlt. Bei der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Frage werden Ergebnis und Einzelheiten dieses Plaidoyers auch weitere Kreise interessieren:
Dr. Luerssen sieht im Pferdefleisch ein gesundes — menschenfeindliche Schmarotzer kommen darin nicht vor —, vollwertiges, schmackhaftes und außerdem äußerst billiges Fleisch, das nur empfohlen werden kann. Insbesondere i|t die Bekömmlichkeit wissenschaftlich nie angezweifelt worden. Der Geschmack ist ähnlich dem des Rindfleisches, aber derber und süßer. Diese Süßigkeit tritt jedoch keineswegs auffallend hervor, wie oft behauptet wird. Oesters fabeln Leute von widerlich süßem Geschmack des Roßfleisches, während sie dieses Fleisch unbewußt mit großem Genuß verzehren. Es ist — nebenbei gesagt — überhaupt eine Torheit, zu verlangen, daß das Pferdefleisch genau wie Rindfleisch schmecke», soll; der eigenartige Geschmack des Pferdefleisches kann doch nur eine angenehme Abwechselung unserer Küche sein! Auch das Fett
Georg Bichler 10, Herr Rentner Daniel Heil 5 und Herr X. 15 Mark hierfür üb erwiesen hatten.
Was den Vogelschutz betrifft, so arbeiteten wir auch im vergangenen Winter in der bewährten Weise. Geivissen- haft versah der Vereinsdiener bei Frost und Schnee unsere Futterbretter und Futterhäuscben reichlich mit Futter. Verfüttert wurden 4 Zentner 45 Pfund Vogelfutter im Betrage von 84,60 Mark. Nicht minder warmherzig nahmen sich viele Bürger Gießens der darbenden Vogelwelt an, was hier dankend hervorgehoben sei.
Als Ersatz für die mangelnden natürlichen Nistplätze bezogen wir, aus der Fabrik von Berlepscher Nistkasten zu Büren i. W., Inhaber H. Scheid, 60 Stück Nisthöhlen A, 20 Stück Nisthöhlen E und 60 Stück Nisthöhlen F, sowie von R. Kutzer hier 20 Nistkasten für Meisen und 20 für Rotschwänzchen, im ganzen 180 Nistkasten für 109,60 Mark. Teils hängen sie in den Anlagen unserer Stadt, teils in den Gärten hiesiger Privatleute, denen sie auf Wunsch kostenlos überlassen wurden. Gleichzeitig überreichte man ihnen die Schrift von Berlepsch über das Aufhängen von Nisthöhlen.
Am 16. Mai legte Herr Wolff die Rechnung vor. Die Einnahmen betrugen 2649,99 Mark, die Ausgaben 2645,03 Mark. Der Verein hatte am 30. April 1905 ein Vermögen 3123,57 Mark. Die Rechnung wurde von den Herren Fritzel und Knauß geprüft und richtig befunden.
Mit Freude und Dank fei der Gabe von 200 Mark seitens der Sparkasse Gießen gedacht.
Zum Schluß danken wir noch den Vereinen, die uns ihre Jahresberichte. Zuschriften und Flugblätter sandten.
Gießen, im Juli 1905.
Georg Straub.
* Das Angstschreien von Fröschen. Daß manche Vertreter der Frösche und Krötenfamilien über eine recht kräftige Lunge und ein entsprechendes Lärmorgan verfügen, davon kann sich jeder alltäglich oder besser allabend- li<E> an dem nächsten Teich überzeugen. Was aber Hermann Löns in der Monatsschrift „Der Zoologische Garten" über gelegentliches Schreien von Kröten und Fröschen zu berichten weiß, sind jedenfalls seltene und darum um so merkwürdigere Erscheinungen. Schon als Junge hatte Löns einmal an einem Sommerabend im Garten einen eigentümlichen, durchdringenden Schrei vernommen, den er nicht zu deuten wußte. Er fand an der Stelle, woher das Geräusch gekommen zu sein schien, in einem Salatbeet, einen grünen Grasfrosch, der platt auf dem Boden lag und die Beine in ganz sonderbarer Stellung in die Höhe hielt. Trotzdem glaubte Löns noch nicht daran, daß der Frosch einen solchen Schrei sollte ausgestoßen haben. Der Laut wiederholte sich noch einigemale später, aber immer in der Dunkelheit, wenn seine Entstehung nicht • festzustellen war. Später wurde aber Löns an diese jugendliche Beobachtung lebhaft erinnert. Er hatte ein besonders ansehnliches Exemplar der gelben Knoblauchkröte gefangen und sie in eine Pappschachtel gesetzt, um sie später einem Museum zu übergeben. Aus Versehen stieß er nachts die Schachtel um und war nicht wenig überrascht, als die Kröte dabei denselben schrillen Schrei ausstieß, der ihm früher ein Rätsel gewesen war. Das Geräusch war so heftig gewesen, daß mehrere im Nebenzimmer schlafende Leute davon geweckt wurden. Löns führte noch zwei weitere Fälle an, bei denen die fraglichen Frösche einmal von einer Spitzmaus, das andere Mal von einer jungen Katze überfallen worden waren und ihrer Todesangst auf gleiche Weise Luft gemacht hatten. In zoologischen Werken findet sich bisher kaum eine Andeutung dieses seltsamen Phänomens.
* Eine Schumann-Anekdote. In der illustrierten Zeitschrift „Welt und Haus" (Leipzig) lesen wir folgendes Geschichtchen: Klara Schumann, die Gattin des berühmten Komponisten, veranstaltete einmal abends eine kleine Gesellschaft. Schumann, der tagsüber stark gearbeitet hatte, saß in einer Ecke, ohne sich wesentlich an der Unterhaltung zu beteiligen. Auf einmal erhob et sich, ging zu feiner Gattin und fragte leise: „Ist es denn noch nicht bald Zeit, daß wir nach Hause gehen? Ich bin so schrecklich prüde!" — „Aber, Lieber, hier sind wir doch zu Hause!" — „Ach so," meinte Schumann erleichtert, und steuerte sofort in fein Schlafzimmer hinein.
hat einen angenehm süßen Geschmack. Tatsächlich wird denn auch das Pferdefleisch bei uns sehr viel gegessen, was n. a. aus der Angabe erhellt, daß 1903 in Preußen 77 282 Pferde geschlachtet wurden. Fast jeder hilft an dem Konsum dieser Menge mit, wenn auch meist nur unbewußt, denn die große Aehnlichkeit mit dem Rindfleisch und die große Billigkeit verlocken zum — meist erfolgreichen — Betrug. Restaurants und Hotels sind bekanntermaßen die Hauptkunden der Roß- schlächter, und bei gelegentlichen Konkursen sieht man, bis zu welchem Grade bezw. Schuldkonto. Auch die herumziehenden Würstchenverkäufer verbrauchen oft viel Pferdefleisch, mit anderem gemischt. Das Volk nimmt dies gutmütig hin und bespottet seine Furcht gewiffermaßen selbst mit Redensarten, wie „Hottehüh gefällig? Vom Schimmel oder vom Schecken?" u. a. m.
Es wird auch nur ein Teil des Pferdefleisches betrügerischerweife an den Mann gebracht, ein größerer Teil wird von wohlhabenden und armen Familien mit Bewußtsein — aus Not, aber auch aus Liebhaberei — gegessen; allerdings wird dies dann der Bekanntschaft und Verwandtschaft als etwas Beschämendes sehr oft verheimlicht. — Was die Bereitung in der Küche betrifft, fo wird das Pferdefleisch als Koch- und Suppenfleisch wenig verwendet, sondern hauptsächlich zum Dämpfen oder Braten — natürlich nachdem es
ÄllSM sus drn StaMsamtsreMeru der Stadt Gießen.
Aufgebote.
10. August. Jakob Kun;, Metzger dahier, mit Christine Theis in Rüddingshausen. 12. Albert Friedrich Heinrich Merlau, Ge-> schäfts sichrer dahier, mit Margarete Kempf Hierselbst. Philipp Offenbacher, Schlosser dahier, mit Anna Maria Weißmantel iit Darmstadt. 14. Heinrich Hedoerich, Fuhrknecht dahier, mit Anna Katharine Panz, geb. Schomber Hierselbst. August Habicht, Bau« schlosser dahier, mit Anna Erna Heyer Hierselbst. Johann Weiers- Häuser, Weißbinder dahier, mit Marie Menche Hierselbst. Konrad Friedrich Wilhelm Taubert, Glaser dahier, mit Elisabeth Roos in Grünberg. 17. Fritz Wolff, Dr. phil. in Zehlendorf, mit Minna Pfeffer dahier. 18. Friedrich Strieder, Schlosser in Vörde, mit Johannette Gaß dahier.
Eheschließungen.
12. August. Friedrich Traber, Gerichtsasseffor dahier, mit Emilie Schneider in Lauterbach. Louis Jrle, Installateur dahier, mit Luise Bertha Hartmann Hierselbst. Adam Hohmeier, Schneider dahier, mit Karoline Busch Hierselbst. Gotthilf Höß, Zementarbeiter dahier, mit Katharine Löffert Hierselbst. 15. Ludwig Peters, Rechtsanwalt dahier, mit Karoline Henriette Marie Luise Schmücker- Hierselbst. 17. Adolf Louis Trümpert, Gerichtsasseffor in Butzbach, mit Auguste Margarete Ida Hedwig Köhler dahier. Johannes Weitzel, Bahnarbeiter dahier, mit Anna Margarete Schmitt Hierselbst. Heinrich Karl Otter, Schaffner dahier, mit Elisabeth Horst Hierselbst.
Geborene.
8. August. Dem Taglöhner Friedrich Schneider IV. eine Tochter. Dem Kesielheizer Johannes Funk eine Tochter, Anna Martha. Dem Dienstknecht Heinrich Nau eine Tochter, Hermine. Dem Schneider Heinrich Hahn II. ein Sohn. 10. Dem Backer Ludwig Reuß eine Tochter, Luise Lina Margarete. 11. Dem Hilfsbahnwärter Friedrich Muller ein Sohn, Friedrich. 12. Dem Weichensteller Heinrich Kraft eine Tochter, Auguste. 13. Dem Großh. Polizeiamtmann Heinrich Herberg ein Sohn. 14. Dem Schlaffer Emil Werther eine Tochter, Elisabeth Luise. Dem Taglöhner Christoph Heidelbach ein Sohn, Jakob.
Gestorbene.
12. August. Rudolf Spieß, 43 Jahre alt, Apotheker dahier. Luise Post, geb. Nöhrina, 24 Jahre alt, Ehefrau des Sergeanten Wilhelm Jakob Post dahier. 13. Friedrich Keßler, 62 Jahre alt, Turnwart dahier. 14. Margarete Johanna Frieling, 1 Jahr alt, Tochter der Fuhrmanns Karl Frieling dahier. 15. Irmgard Post, 8 Tage alt, Tochter des Sergeanten Wilhelm Jakob Post dahier. 17. Karl Menz, 5 Monate alt,' Sohn des Maurers Adam Menz dahier. Adolf Friedrich Schott, 3 Monate alt, Sohn des Geschästs- reiicuden Heinrich Schott dahier. __
Spiesptan
des Großhcrzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim.
Direktion Hermann Steingoetter.
Montag den 21. August: „Die Großstadtluft-. Schwank non, Blumenthal und Kadelburg. Mittwoch den 23. August: Benefiz- Vorstellung für Fräulein Else Jüngling vom Hoftheater in Darmstadt. Unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Mamsell Nitouche." ! Operette von M. HervS. Donnerstag den 24. August: „Pension Schöller." Posse von W. Jacoby und Karl Laufs. Dazu Ballet- einlage von Fräulein Emma D a t h e und Fräulein Sucre Dertz vom Erfurter Stadttheater. Samstag den 26. August: Gastspiel von Frau Elfriede Burghammer aus Frankfurt a. M.: r$)er Hütten bescher." Schauspiel von Georges Ohnet.
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gut geklopft worden ist. Bei dieser Verwendung ist es sehr beliebt, etwas von dem angenehm duftenden und schmeckenden Fetf mitzuzubereiten uud anzurichten. Beefsteak (eigentlich Horsesteak!), Fleischkloß, Filet ä, la Nelson, Sauerbraten, Roulade u. a. werden ebenso wie die beim Rind zubereitet. In Gulasch, Topsgemüse, Hackebraten, Sauerklops und anderen zusainmengesetzlcn Fleischgerichten und auch in Fleffchsalaten vertritt Pferdefleisch einfach die Stelle des Rindfleisches. Das Fohlenfleisch wird wie Kalbfleisch verwendet und zubereitet^ Gehirn und Zunge werden ebenfalls wie die des Rindes zubereitet. Die Zunge ist ausgezeichnet durch ihre Zartheit und ihren süßen, angenehmen Geschmack, sie fällt durch ihr gelbes Fett sehr auf, weshalb dieses in Speisehäuseru sorgfältig ausgepreßt wird. „Es ist eben nur ein Vorurteil^, schließt Dr. L. „welches das Pferdefleisch in Verruf gebracht hat, eines jener unwürdigen Vorurteile, an denen wir überall im Leben so hartnäckig fesihalten, die für unser schwächliches Dahinleben so bezeichnend sind. Denn, ist es nicht unwürdig,^ ein anerkannt gutes Nahrungsmittel als schlecht zu betrachten, obwohl man dasselbe gar nicht geprüft, ja, obwohl man sogar annehmen muß, es schon öfter mtt Genuß verzehrt zu haben?! Ist es nicht unwürdig, wenn eine arme Hausfrau die Ihrigen betrügen muß, um ihnen ab und zu ein Fleischgericht oörsetzen zu können?! 4315


