Ausgabe 
19.8.1905 Zweites Blatt
 
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wurde bereits am 6» März 1861 gerichtlich geschieden. Die Prinzessin Luise, die wieder ihren Mädchennamen annahm, wählte ihren Wohnsitz später in Wiesbaden und ist dort am 10. Mai 1901 gestorben. Der Landgraf residierte zumeist auf feinem Schloß Augustenau in Herleshausen bei Eisenach. Da er keine Nachkommen hinterläßt, so gehen nach seinem Tode Barchfcld und der damit verbundene Landgrafentitel auf den älteren Sohn seines verstorbenen Bruders, den Prinzen Chlodwig von Hessen-Philippsthal-Barchfeld über.

** Besitzwechsel. Das Anwesen des Spengler- meistcrs Chr. Rosenberg, Seltersweg 3, ging für Mark 33 000 in den Besitz des K. Lüdeking über.

1. Effolderbach, 18. Aug. Auch unser Ort wird /etzt seine Wasserleitung erhalten. Für die Summe von 20 000 Mk. hat man nun den Anschluß an die Wasser­versorgungs-Genossenschaft Niddertal, die bekanntlich schon ans sechs Ortschaften besteht, erreicht. Dafür werden täglich 40 Kubikmeter Wasser abgegeben. Der 93ait der Leitung wird demnächst begonnen.

v. Bad-Nauheim, 18. Aug. Bis zum 17. Aug. 1905 find 22 331 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 5259 anwesend waren. 288 161 Bäder wurden bis zum 17. Aug. abgegeben. Am 17. Aug. 1904 wurden 20 463 Kurgäste gezählt, mithin sind es dieses Jahr 1868 Personen mehr.

Offenbach, 18. Aug. Durch das Plötz litye Ber­sch Win den ihres drei Jahre alten Kindes wurden dieser Tage die Eheleute U. in Lieber in höchste Bestürzung versetzt. Die Leute hatten mit ihrem Kinde einen Besuch an die Bahn begleitet und vertieften sich am Zuge so sehr in eine Unterhaltung, daß sie ihr Kleines ganz vergaßen und erst nach der Abfahrt des Zuges sich seiner wieder erinnerten. Zu ihrem Schrecken gewahrten sie jetzt aber, daß das Kind spurlos verschwunden war. Schon befürchtete man ein schreckliches Unglück. Allein auch hierfür fand man keinerlei Anhaltspunkte. Nun spielte rasch das Bahn­telephon, und in dem abgefahrenen Zuge wurde Wagen für Wagen nach dem Kinde durchsucht. Endlich nach einer bangen halben Stunde fand man den kleinen Abenteurer auf einer Plattform stehen und glücklich jauchzend durch die brausende Abendluft dahinfahren. Die hiervon benach- richtigten Eltern holten später ihren kleinen Ausreißer, der in eigener Person seinen luftigen Standort erklommen hatte, vier Stationen weit in Büdesheim ab. (Off. Ztg.)

Frankfurt, 18. Aug. In der gestrigen Jahresver­sammlung des Wirtevereins für Frankfurt und Um­gegend kam es zu einer lebhaften Fl e i s ch n o t d e b a t t e. Man war allgemein der Ansicht, daß bei den heutigen Fleischpreisen die Wirte mL dem Essen auf sch lagen müßten, wenn sie sich nicht selbst schädigen wollten. Hr. Printz führte aus, daß nur die Beseitigung der Grenz­sperre dem unerträglichen Zustand ein Ende machen könne. Von dem gestern nachmittag um 3 Uhr nach Soden abgelassenen Personenzug wurde an dem Bahnübergang auf der Chaussee .Höchst-Soden ein zwcispänniges beladenes Fuhrwerk über fahren und zertrümmert. Der Fuhrmann, der die Gefahr noch rechtzeitig bemerkte, konnte sich durch Abspringen retten. Das eine Pferd wurde von der Maschine erfaßt und getötet. Den Schrankenwärter trifft die Schuld an dem Unfall, da die Barrieren beim Herannahen des Zuges offen standen.

.Braunfels, 18. Aug. Der hiesige Verschönerungs- verein wird am morgigen Sonntag mittags um 12 Uhr die Einweihung des neu erbauten AussichtsturmsKaiser Wilhelm-Warte" vornehmen. Daran anschließend wird nachmittags von 3 Uhr ab ein großes Sommerfest mit Bazar in der Linden-Allee des herrschaftlichen Gartens stattfinden. Die Marburger Jägerkapelle wird dabei konzertieren.

* Kleine Mitteilungen aus Dessen und den N a ch b a r st a a t e n. Ter 12 Jahre alte Realschüler Roienberg in Rheindürkheim rourbe von dem Gymnasiasten Robert Schäfer aus dem Rhein gerettet. In Klein-Linden begeht der Kriegerverein am Sonntag eine Gravelotteieier durch eine Kirchen­parade. Am Nachmittag findet eme gesellige Familienzusammen­kunst auf derBurg" statt.

Kunst uni) Wissenschaft.

Ueber Ausgrabungen am Feldberge im Tau­nus lesen wir in derKöln. Ztg.": Die Freilegung des höchst­gelegeneu aller Lim es kastelte (700 Meter über dein Meere) durch den Streckenkommissar Prof. Jacobi ist so weit vorge­schritten, daß wir im stände sind, uns ein deutliches Bild von der Befestigungsanlage zu machen. Das Kastell liegt in der Senke, die durch den Abhang des großen und kleinen Feldbergs gebildet wird, unmittelbar an der Weilquelle, 120 Meter hinter dem Pfahlgraben. Es bildet ein Rechteck von 300 römischen Fuß Seitenlange und einer Breite von 250 Fuß (gleich 93:78 Meter). Die Ecken weisen eine Abrundung auf. Die Wallmauer hat eine Dicke von 1,55 Meter und ist noch vortrefflich erhalten. Ein 1,50 Meter breiter und tiefer Spitzgraben umgibt sie, der nur an der Vorderseite vor dem Tore unterbrochen ist. Der sich hinter der Wallmauer herziehende Wehrgang hat eine Höhe von 2,30 Meter und ist flach abgeböscht. Auf eine ältere Anlage laßt der Brandschutt schließen, aus dem er besteht. Die Haupllore liegen nicht in der Mitte, sondern in der vorderen Hälfte der Seiten. Alle vier Tore sind von viereckigen Steintürmen ein­gefaßt. Stcinfundamente in den Lagerecken bildeten vielleicht Unterlagen für die Geschütze, vielleicht auch nur eine Verstärk­ung der Wallmauer. An Turmfundameute darf man bei der geringen Dicke des Mauerwerks wohl nicht denken. Nahe dem Eingang der Vorderseite wurde ein größeres Gebäude bloßgelegt, das wie bei anderen Kastellen als Vorratshaus für Fourage und ähnliches anzusehen ist. Die Mitte des Lagerinnern nimmt das sogenannte Prätorium ein. Es zeigt, wie bei den meisten andern Taunuskastellen das mit einer Apsis versehene Sacellum, das Lagerl-eiligtum, davor einen von einem bedeckten Umgang umgebenen Hof, an den sich ein zweiter anschließt, der seinen Mschluß durch die große Halle findet. Diese ganze Anlage mit Ausnahme des Fahnenheiligtums und eines kleine«: Anbaues, der wohl zur Aufbewahrung der Ersparnisse der Soldaten und der Kriegskasse diente, besteht aus Holzfachwerkbau. Die mit Steinen umstellten, metertiefen Pfostenlöcher ließen den ganzen Plan des Gebäudes aufs trefflichste erkennen. Außerhalb des Lagers erregte der zwischen diesem und dem Limes gelegene Ban, den das Volk die Heidenkirche nennt, wie jeher das Interesse der Forscher. Schon in den fünfziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts wurde sie zum Teil bloßgelegt, und die neueren Grab­ungen beweisen, daß wir hier die bei sehr vielen Kastellen vor­handene Bautengruppe vor uns faben, die von dem einen als Bad, von andern als Villa oder Wohnung des Lagerbefehls­habers bezeichnet wird. Diese Villa, mit einem gewissen Luxus ausgestattet (Fensterscheiben und Wandmalerei verraten das), hat drei heizbare uni) vier nicht mit Heizung versehene Räume. Hier wurden viele Ziegel gefunden, die den stempel des numerus Catthar (ensium) trugen, einer Reiterabteilung, die im nahen Kastell Heftrich lag. Ein Jnschriststein, der in dieser Villa ver­mauert war, stammt aus der Regierung des Severus Alexander, der mit seiner Mutter 235 in Mainz ermordet wurde. Es muß also noch nach diesem Jahre im Kastell gebaut worden fein.

Gleiches ist bezeugt von den benachbarten! Taunuskaftellen. Seinen Untergang wird es um 370 gefunden haben, als die alemannischen und fränkischen Scharen das rechte Rheinufer überfluteten. An Münzen sind bis jetzt etwa 180 gefunden, die meisten stammen von Septimius Severus und Severus Mexander. Sie reichen etwa bis zum Jahre 250. Von den zahlreichen Ernzelfunden (et ein Fund aus der Südecke des Lagers erwähnt, der 22 Werk­zeuge eines Schreiners oder Zimmermanns umfaßt, ferner mehrere Statuetten von Lagergottheiten, über 70 Stempel auf Sigillata- gefäßen, Wasserleitungsrohre aus Eichenholz, Ledeffchuhe u. a. Interessenten seien hierfür auf den Bericht des Strecken-Kvm- missars in den Veröffentlichungen der Reichs-Limeskommission verwiesen.

Fannlien-Nachrichten.

Gestorben: Herr Isaak Bieter in Kirchgöns.

Geboren: Dem Herrn Jakob Rumps in Butzbach ein Sohn,

Zlniversitäls-Bachrichlen.

Marburg 18. Aug. Der a. o. Professor für innere Medizin Dr. C. Brauer wurde zum o. Professor und zum Direktor der medizinischen Klinik ernannt.

Sport.

Gieß en, 19. Aug. Morgen Sonntag findet ein Fußball» Wettspiel zwischen dem Siegener FußballklubJahn" und dem Gießener Ballspielklub aus dem Trieb statt. Beginn 4 Uhr.

Schiffsnachrichtcii.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 18. Aug. «Per transatlantischen Telegraph). Der Doppelschrauben-PostdampserKöln", Kapitän A. Koenemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angefommen.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Märkte.

Gießen, 19. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wocbenmarkl kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Tif., Hühnereier 1 St. 78 Pfg. 2 Stck. 00-00 Psg., Gänseeier 1500 Pfg., Enteneier 67 Pfg., Käse pr. Stck. 68 Pf., Käsemalte 2 Stck. 56 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar 0,800,90 Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse pr. Pfd. 5565 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,008,00 TU., Zwiebeln pr. Ztr. 8,0010,00 TU., Milch per Liter 20 Psg., Aepsel per Zentner 0 bis 0 TU., in Körben 00 Pig., Kirschen pr. Psd. 0000 Psg., Zwetschen per Zentner 0.00 TU. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 TU. Weißkraut 0.100.15 Mk. Marktzeil 71 Uhr.

ke. Frankfurt a. M., 18. Aug. Heu- und Stroh- ina r k t. Man notierte: Heu TU. 3.30 bis Mk. 3.60, Stroh Mk. 2.30 bis Mk. 2 40. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest.

aber nur in Itcrschen, wo aushcingen.

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