Ausgabe 
17.4.1905 Zweites Blatt
 
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In der französischen Stadt Limoges streiken seit niedreren Tagen die Porzellanarbeiter. Am Samstag abend kam es zu Kundgebungen der Ausständischen. Unter Vorantragilng einer roten Fahne und revolutionäre Lieder singend, begaben sich die Streikenden vor die Fabrik des Amerikaners Avellane, zertrümmerten die Türen, drangen in die Fabrikrämne und zerstörten sämtliche in den Magazinen aufgespeicherten Porzellansachen. Der sozialistische Abgeordnete und Bürgermeister von LimogeS versuchte vergebens, beruhigend auf die Ausständigen einzu­wirken. Der Präsekt sandte eine Schwadron Jäger gegen die Ausständigen, nachdem diese ihren Unfitfl fortgesetzt und die Läden zweier Waffenhändler zertrüm­mert hatten. Die Demonstranten befanden sich auf dem Wefle nach der Fabrik von Touze, als sie hinter sich die ihnen nacheilenden Truppen bemerkten; sie errichteten sofort Line Barrikade und schleuderten von hier aus allerlei Geschosse geflen die Soldaten. Eine abermalige Auf­forderung des Bürgermeisters zur Ruhe blieb unbeachtet. Gegen 7 Uhr abends gelang es dem Fabrikbesitzer Touze, mit seinem Schwager die Barrikade vor der Fabrik zu über­schreiten; als die Ausständigen sie erkannten, umzingelten sie dieselben und schlugen sie blutig. Eine Stunde später zogen sich die Kundgeber zurück und begaben sich vor die Arbeitsbörse, wo sie sich zerstreuten, nachdem noch ein weiterer Waffenladen, wo sie 30 Gewehre und gegen 4 0 0 Re- oolver erbeuteten, geplündert worden war. Man be­fürchtet weitere Zusammenstöße. Kurz vor Mitternacht gelang es einer Anzahl Streikender, noch ein viertes Waffengeschäft zu plündern, wo ihnen gleichfalls zahlreiche Gewehre usw. in die Hände fielen.

Ter Hausknecht der Partei" war ein Ausdruck, den jüngst der bekannte Zentrumsabg Prof. Dr. Frhr. o. Hertling in München gebraucht hat. Dadurch hat sich ein Kollege von der gleichen Fakultät, der Abg. Dr. Heim getroffen gefühlt und ist dem Freiherrn v. Hertling eine kräftige Antwort nicht schuldig geblieben. Es heißt darin:

Die Wahrheit ist ein Lausknecht, die Phrase ein Lakai.... Herr v. Hertling hat den Franzosen gesagt, wovor sie sich hüten muffen; dem möchte ich noch einiges beisügen. Vor allem müssen sich die Franzosen hüten, in einer neuen Partei das Strebertum aiükommen zu lassen. Führer, die aus den Wink gehorsam der Regierung zur Beringung stehen und als Borreiter der Karrosse der Machthaber und als sreiwillige Lakaien sich glücklich suhlen, sind nicht geeignet zu diesem Amte."

Noch deutlicher wird Dr. Heims Antwort zum Schluß, wo er schreibt:

Auch muffen sich die Franzosen vor einer anderen sranzösi-- fchen Krankheit hüten vor dem Doktrinarismus. . . . Ta muffen praktische Männer die Leitung in die Hand nehmen ilnd solche doktrinäre Sophisten nicht zu Wort kommen lassen. Sie mögen es hier mit Napoleon halten, der in der Schlacht bei den Pyramiden gesagt hat:Les savants et les demi ----- savants (andere Lesart: Les anes!) an milien! (Tie Gelehrten und die Halbgelehrten andere Lesart: Die Esel in die Mitte!").

Und mit solchen Liebenswürdigkeiten regalieren sich Parteifreunde!

Aus Stadt und Land.

Gießen, 17. April 1905.

** Zur Pflege der Leibesübungen. Man schreibt uns: Das Osterfest steht vor der Tür, und damit ist der Zeitpunkt gekommen, wo viele Schüler aus der Schule entlassen werden und in ein neues Leben eintreten. Mer während die Schule es sich angelegen sein läßt, nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Ausbildung durch geregelte Turnübungen zu pflegen, gemäß dem Grundsätze: Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen", wird der Körper nach der Schulentlassung meist vollständig vernachlässigt. Darum richten wir an alle Eltern, Lehrherren und Freunde der Jugend die herzliche Bitte: Tragen Sie Sorge dafür, daß Ihre Söhne und Töchter, Ihre Lehrlinge und Gehilfen den Turnvereinen der deutschen Turnerschast beitreten, die ihren Mitgliedern in turnerischer und gesellschaftlicher Beziehung so vieles bieten, die die jungen Leute anhcrlten zur Zucht und Ordnung, zum Ge­horsam und zur strengen Pflichterfüllung."

t Klein-Linden, 15. April. Ein gewissenloser Radfahrer überfuhr gestern abend bei Klein-Linden ein fünfjähriges Mädchen und stürmte mit dem Rad aus das Kind, welches eine schwere Kopfwunde davontrug. Ohne sich weiter um das Kind zu kümmern, fuhr der rohe Mensch schleunigst davon.

? Gr o ß en-Lin d en, 15. April. Unser fast tausend­jähriges Go ttes h aus wird, wie schon bekannt ist, im! Lause dieses Jahres von Grund aus renoviert. Die Pläne sind von Kirchenbaumeister Hofmann hergestellt. Die Kosten belaufen sich aus 28 000 Mk., wozu die Regierung 8000 Mk. bewilligt hat. Die Kirche, welche im Ansang des 10. Jahrhunderts von schottischen Mönchen erbaut wurde, ist ein Kunstdenkmal aus der ersten christlichen Zeit im Hessenland. Es ist im Basiliken- oder Kreuzstil erbaut, dem ältesten Baustil christlicher Kirchen. Gegenwärtig ist das Gotteshaus im Innern vollständig umgeändert; nur der Teil des Längsschiffs bis zwm Turingewölbe ist in Benutzung, während das Kreuzschiff und die eigentliche Sakristei leer stehen. In dem nördlichen .Kreuzteil befindet sich zur Stütze des Turmes eine Strebemauer. Die Nord­westseite, die am meisten den Witterungsverhältnissen aus­gesetzt ist, zeigt in ihrer Umfassuugsmauer bedeutende

Hier abschneiden. ---------------

Unterzeichneter bestellt bei der Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Gießen, Schulstraße 7, . . . Kupfer- gravüreFriedrich Schiller" nach dem Originalgemälde von A. Graff, K4 Mk. gegen bar.

Ort o

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Name.............. |

Straße Nr. .... "

Beruf

Bitte Ort und Namen recht deutlich zu schreiben, diesen Bestellzettel abzutrennen, in Umschlag mit 3 Psg.-Marke zu stecken und an die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers zu adressieren.

Risse. Die Kirche birgt wertvolle Mterrtümer, die zumteil von hoher kunsthistorischer Bedeutung sind. Das Haupt- portal weist in seinem doppelten Rundbogen Bildhauer­arbeiten auf, die auf die vorchristliche Zeit Hinweisen und ihr auch jedenfalls entstammen, soll doch auf derselben Anhöhe, auf der die Kirche steht, ehedem eine heidnische Opferstätte gestanden haben. Drachenähnliche Tiersiguren sind hier neben christlichen Figuren und Symbolen ein­gehauen. Eine andere Bildhauerarbeit, anscheinend so alt wie das Gotteshaus, befindet sich am südlichen Kreuzteil. Ter Stein stellt entweder einen der ersten christlichen Send­boten oder den Heiland selber dar, in der einen Hand Kreuz und Fahne, in der anderen einen Spaten. Im Innern der Kirche ist eine teilweise verdeckte Votivtafel zu sehen; sie zeigt zwei Wappen; das eine trägt einen Helm mit Wolfs­rachen, das andere einen Vogel mit dreiteiligem Kreuz. Ter marmorne Altar träat die Jahreszahl 1741 und zeigt das Wappen Großen-Lindens, gehalten von zwei Löwen. Ein ebenfalls in schwarzem Marmor kunstvoll . ausge­führte Taufstein weist die Jahreszahl 1764 und die Muf- schrift I. L. v. Fabrice auf'. Interessant ist ferner ein Grabstein an der Südseite der Kirche; er trägt die Auf­schrift:Hier ruhet in seinem Erlöser Johannes Justus Valentini Tepositor und Universitäts-Bedienter zu Gi e ß e n nebst zwei Kindern". Leider weist der anscheinend recht alte Stein keine Jahreszahl auf. Vor dem Hauptportal steht ferner ein sehr altes, mächtiges Taufbecken, verziert mit Rundbogen. Tie Umfassungsmauern, Türme und Portale stehen noch wie sie gegründet wurden, und der viereckige, mächtige Turm zeigt auch noch die ursprünglichen Fenster im Basilikenstil. In dem Schiff selbst sind die Fenster der Zweckmäßigkeit wegen geändert worden. Die Renovierung, welche in Kürze begonnen wird, soll die Kirche nach Mög­lichkeit wieder im ursprünglichen Stil herstellen. Es sollen ein Umbau des Schiffes und des Chors, sowie Reparaturen an den Umfassungsmauern vorgcnommen werden. In den Kreisen der Kunst- und Altertumsfreunde wird die stil­gerechte Wiederherstellung dieses Kleinods unter den hessi­schen Kirchen mit Freuden begrüßt. Der Umbau wird vor­aussichtlich bis Spätherbst vollendet sein. Bis dahin soll der Gottesdienst in der Turnhalle abgehalten werden.

§ Alsfeld, 16. April. Se. Königs. Hoheit der Groß­herzog hat dem Vorstandsmitglied des Hassiabezirkes Als­feld, Lehrer Rudolph, die zur Erinnerung an die Großh. Vermählung gestiftete, am Bande zu tragende Medaille verliehen.

T a r m st a d t, 15. April. Im Landtagswahl- kreise Isenburg-Land ist von sozialdemokr. Seite zur Ersatzwahl für Cramer der Rechtsanwalt Fulda- Tarmstadt aufgestellt worden. Voraussichtlich wird nach einer Meldung derDeutschen Volksmacht" für die Nationalliberalen der Neichstagsabg. Dr. Becker- Sprendlingen kandidieren. Ter Obmann des Bauern­bundes stellte dieser Kandidatur bereits die Unterstützung durch seine Wählerschaft in Aussicht.

16. Hauptversammlung des Deutschen Vereins für (Nachdr. Derb.) Schulreform.

S. u. H. Berlin, 16. April.

Im Sitzungssaale des Vereinshauscs der deutschen Ingenieure trat heute die sehr zahlreich besuchte 16. ordentliche Hauptver­sammlung des Deutschen Vereins für Schulreform zusammen. Zunächst erstattete Profeffor Dr. Lentz-Danzig, der Redakteur derZeitschrift für die Reform der höheren Schulen", den Ge­schäftsbericht. In der Debatte trat Neichstagsabg. Eickhoff dem ettoas pessimistischen Ton des Geschäftsberichts entgegen. Er erörterte weiter die Frage des Ersatzunterrichts. An 59 Gym­nasien sei ein solcher Ersatzunterricht eingerichtet und werde von den Schülern in Anspruch genommen. Ober-Reg.-Rat Mathias habe kürzlich befürwortet, die Frage der Wahlfreiheit der Fächer in den oberen Klassen der Initiative der Lehrer und Direktoren zu überlassen. Davor warne er, denn dann bliebe alles beim alten. Wenn an einem Realgymnasium ein ausge­zeichneter Mathematiker ist, warum soll er sich mit Latein plagen? Und wenn ein Schüler die neuen Sprachen gut beherrscht, warum soll er sich mit Mathematik plagen? Die Zeit kann er doch zu nützlicherem verwenden. (Zustimmung.) Natürlich 'müsse dann auch die Prüfungsordnung abgeändert werden, und in der Ferne leuchte das Ziel der Abschaffung des Abiturienten­examens, was er für das einzig Nichtige halte. Sehr gelitten habe unser neusprachlicher Unterricht, weil unsere Lehrer die Konversationssprache nicht kennen. Deshalb müsse dahin ge­strebt werden, daß schon die S ch ü l e r in den Ferien möglichst ins Ausland gehen. Zu begrüßen sei auch eine Neuerung, die dahin geht, daß ein Lehreraustausch stattfindet.

Baurat Peters unterbreitete daraus der Versammlung fol­gende Resolution:Die 16. Gen eralv ersammlung des Ver­eins für Schulreform spricht ihre lebhafte Freude und dankbare Anerkennung dafür aus, daß der Göttinger Senat in so mann­hafter und vornehmer Weise für die Selbständigkeit un­serer Hochschulen eingetreten ist." Diese Resolution wurde unter lebhaftem Beifall einstimmig angenommen.

Es folgte ein Referat des Dr. Hans Schmidtkunz-Ber­lin überDie Notwendigkeit pädagogischer Lehr- st ü h l e". Die Versammlung nahm mit allen gegen zwei Stimmen eine Resolution an, in welcher die Schaffung selbständiger päda- gogischer Lehrstühle an Wn Unitursi täten vcrlanat wird.

* Kleine Tageschronik. Der Mühlenbesitzer Fesing in Gaundersheim bei Göttingen wurde durch das Mühlen­getriebe zermalmt. Zwei reisende Müllergesellen, denen Fesing ein Almosen verweigert hatte, sind verdächtig, den Ver­unglückten in das Getriebe geworfen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet. In Daber (Pommern) wurde der 21jährige Apotheker Tra- bowski tot im Bette gefunden. Es wird Vergiftung ver­mutet. In Paris erlitt bei der Tvdesringfahrt im Automobil die Artistin Randal eine Gehirnerschütterung. DieTimes" berichtet aus Petersburg: Gerüchtweise verlautet, in K r o n st a d t sei ein Fall von Cholera festgestellt worden. . Aus Berlin ist seit mehreren Tagen der Kaufmann Emil Siegel verschwunden, der unter der Firma E. Siegel u. Co. ein Bankgeschäft betrieb. Siegel vermittelte die Beleihung von Erbschaften und hat sich zum Nachteil einer Hamburger Familie eine Unterschlagung von 12 500 Mark zu schulden kommen lassen, nach deren Entdeckung er und seine Frau verschwanden. In München wurde der 44 jährige Tagelöhner Widmann aus Jn- dersdorsf verhaftet unter dem dringenden Verdacht, einen Naub- m o r d an dem Bauern Zotz in Dachau verübt zu haben. Bei seiner Verhaftung warf Widmann ein blutbeflecktes Beil von sich. In seinem Besitz fand man blutbefleckte Kleidungsstücke. Als in Langendreer der Bergmann Hacke von zwei Hand­werksburschen, die im Graben saßen und ihr Mittagsmahl ver­zehrten, ein Stück Brot erbat und seinem Wunsche nickt ent­sprochen wurde, schlitzte er mit einem Messer^dem einen Handwerksburschen den Bausch auf. Der schwerver­letzte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, wurde nach dem Wittener Krankenhause gebracht. Der Täter ist verhaftet. Der Tourist Viktor Egger aus Köln stürzte bei einer Partie am Karersee in Südtirol ab und verletzte sich erheblich Ein aus Berlin gebürtiger Handwerksbursche namens Johann Gleimsbach wurde bei Bozen von einer Lawine ver- schüttet und sckwer verletzt.

Nniversttäts-Yachrichten.

Der kürzlich noch hintan gehaltene Konflikt an der technischen Hochschule in Charlottcnburg ift mut doch

ausgebrvchen. Rektor und Senat hat den Charlottenburger Stu- denten-Ausschuß aufgelöst, weil der Ausschuß be­schlossen hatte, in Zukunft die konfessionellen Verbind­ungen nicht mehr zu vertreten.

Dem Prof. Dr. Friedrich Keutgen in I e n a wurde die Professur für Geschickte an der John HopkinS-Universität in Baltimore anaeboten.

Kunst und Wissenschaft.

Für das dreitägige Beethovensest, das Ende April unter Leitung von Felix Weingartner in Mainz statt­findet, wurde Willy Burmester als Solist gewonnen.

DerDom vonWetzlar. DasZentralblatt der Bau­verwaltung" schreibt:Die baulichen Arbeiten am Wetzlarer Tom werden nunmehr, nachdem int Vorjahre die Reste der romanischen Westanlage gesichert und instand gesetzt und nachdem inzwischen größere Mittel durch Bewilligung einer Lotterie Beiträge , des Staates, der Provinz, des Kreises und der Gemeinden flüssig geworden, im größeren Umfange, und zwar zunächst am Chor­schluß in Angriff genommen. Da hier bie Strebepfeiler und ferft die gesamte Werksteinverklcidung zu ersetzen sind, so mußte eine besonders sorgfältige Sicherung der schweren Gewölbe und der verbleibenden Mauerteile den weitgehenden Eingriffen in den Bestand des Bauwerkes vorhcrgehen. Diese Sicherung ist in zweifacher Weise, durch ^lbstützung der Gewölbelast mittels abgebundcnen Gerüstes im Chor-Jnncrn und, durch Anbringung eines eisernen Ringankers in Höhe der Drucklinie an der Außen­seite der Umfassungsmauern erfolgt. Nach dem Wiederaufbau der Strebepfeiler wird der Ringanker entfernt, um später ebenso wie das Gerüst an anderen Teilen des Tomes ähnliche Verwendung zu finden. Einer der Strebepfeiler ist bereits bis auf das Funda- ment niedergelegt, ohne daß sich am Bauwerke Veränderungen gezeigt haben."

Wiesbaden, 16. April. Ter Kongreß für innere Medizin lehnte einstimmig den Antrag ab, nur jedes zweite Fahr zu tagen, und wählte für 1906 München als Versamm­lungsort.

Das neue Düsseldorfer Schauspielbaus ist nunmehr im Rohbau fast vollendet, und schon kann man sich ein ungefähres Bild von dem machen, was sein wird, wenn in diesem Herbst sich die Pforten des neuen Hauses öffnen, das der Nheinftadt und seiner Umgebung ein neues stolzes Theater und eine Mustcrbuhne zugleich bescheren soll. Tas nach Plänen des Baumeisters Schring errichtete^ Gebäude erinnert, von seiner vornehmen Front.aus betrachtet, stark an das Berliner Westen­theater Sehrings, mir daß hier der Stil einheitlicher ift: der Stil Ludwigs XII. ist nach außen hin streng gewahrt und auch die Jnnenräume werden nach ihrer^ Fertigstellung genau diesen Charakter tragen. Tas Dlabasterweiß wird im Saale vorherrschen, mit silbergrauen Tönen dazwischen und Goldvcrzierungen. . Am originellsten wird wohl die Fassade des Bühnenhauses wirken, das den Seitenflügel an der Kasernen strafte bildet. Dieses Bübnenhaus ist im Stile einer mittelalterlichen Nitterburg ge­halten. Es ist überdies mit seinen Nebenräumen so groß, daß es nahezu die Hälfte der gesamten Baufläche einnimmt. Der Saal des neuen Hauses, das über seinen Eingangspforten nur das WortSchauspielhaus" trägt, faßt mit seinem Parkett und den zwei Rängen etwa 1000 Sitzplätze. Die Bühne ist natürlich nach den Erfahrungen der neuesten Technik ausgefuhrt, tote überhaupt das Ganze auch 'den letzten Anforderungen entspricht, die man heute an ein neues, nrodernes Bühnenhaus stellt.

Heilbronn, 16. April. Der w ür t t e mb e r g i s ehe Journalisten- und Schrift st eller-Verein hielt hier heute seine zweite Hauptversammlung ab, bei welcher das Justiz­ministerium ditrch Ministerialrat Zindel, des Mrnisterium des des Innern durch Ministerialrat von Scheurlen und die Stadt durch Oberbürgermeister Göbel vertreten toctreit. Den Hauptgegen­stand der 23erahingen bildete der Vortrag des Vereinssyndikus Reis über die Reformbedürftigkeit des preßgesetz­lichen Berichtigungsverfahrens. Zum Vorstand wurde Redakteur Heller (Schwäbischer Merkur") und zum Stellvertreten­den Dr. Liebreich (Neues Tageblatt") wiedergewählt.

Paris, 15. April. Die Negierung hat aus Llntrag.des Staatssekretärs des Aeußeren der berühmten Sängerin Adelina P a t t i das Kreuz der Ehrenlegion verliehen.

Landwirtschaft.

Die Viehzählung im Großherzogtum Hessen am 1. Dezember 1904 hat nach der jetzt veröffentlichten Statistik ergeben, d< seit der Zählung im Jahre 1900 die Zahl der Tiere um rund 10 000 Stück abgenvmmen hat. Zugenommen haben nur die Schweine um 24 067 Stück und die Pferde um 2445 Stück; abgenommen hat dagegen der Rindviehbestand um 11 999 Stück, die Zahl der Schafe um 24 312 Stück, die Zahl der Ziegen um 781 Stück.

Kkricktsraat.

k. Mainz, 16. April. Dom pro pst Dtalzi hat gegen das Urteil der hiesigen Strafkammer Revision beim Reichs­gericht eingelegt.

Köln, 16. April. Die Strafkammer bestrafte zwei Tage­löhner, die gelegentlich eines Begräbnisses die Gebete der Geistlichkeir nach äfften und deit Kirchen-Ge­sängen gemeinen Text unterlegten, zu je sechs Monaten Gefängnis. Im Urteil wurde hervorgehoben, daß das Gericht zwar nicht befugt sei, den Leuten die Religion bei­zubringen, aber verpflichtet sei, die religiösen Gefühle Anderst denkender zu schützen.

ßisrnvayn-Zeitung.

Entgegenkommen gegen die Presse. Das bayerische Staatsministerium für Perkehrsangelegenheiten hat die Verfügung erlassen, daß Vertretern der Presse, die über vor­gekommene Unfälle sich zu informieren beabsichtigen, von den! Eisenbahnbetriebsdirektionen und den Sachreferenten in jeder Richt­ung an die Hand zu gehen und unter Umständen auch die Benütz­ung der zu Unfallstellen fahrenden Hilfszüge zu gestatten ist.

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