Stap. 36
Landesuniversität
daß
vor
weit des
die Re-
orm-Gymnasiums gediehen seien.
Glanzende Verteidigung Dr. Schädels.
nur künstlich hervorgerufen. Er hoffe, das; nach diesen Ermahnungen nun wieder mehr Beruhigung Eintreten und die „Preßkosaken" in beiden Lagern mundtot gemacht werden.
Mg. Ulrich meint, die Religionsgesellschaften sollten alle ihre Angelegenheiten für sich ab machen; aber dazu sei nötig, daß alle Anforderungen für dieselben im Etat einfach gestrichen würden. Es müsse die Trennung der Kirche von: Staat hcrbeigeführt werden und seine Freunde würden diesem Verlangen dadurch Ausdruck geben, daß sie gegen die Forderung stimmten. Das Kapitel wird daraus mit allen gegen die Stimmen der sechs Sozialdemokraten genehmigt.
ivirb in Verbindung nut den Anträgen der Abg. Köhler und Gen., Hirschel und Tr. Gutfleisch, betr. das landwirtschaftliche Sn ft i tut beraten.
Abg. Köhler dankt der Negierung für ihr Entgegenkommen bezüglich seines Antrags iubetresf des Landwirtschaftlichen Instituts, imb meint, der Anbau des italienischen Hafers würde bedeutende Ersparnisse mit sich bringen.
Abg. Tr. Schmitt wünscht Verbesserung der Sitzgelegenheit für die Studenten und bezeichnet eine Vernt e y r u u g der Lehrkräfte für die j n risti s ch e Fakultät als driugcnd erforderlich.
Ministerialrat Weber bespricht zunächst den Antrag Köhler und legt dar, daß die jetzige Vereinbarung mit' der landwirtschaftlichen Bersuchsstetle in Gießen selber getrosten wurde. Tie Sitzgelegenheit sei ungenügend, man werde im nächsten Etat eine entsprechende Abänderung schaffen müssen. Tic Vermehrung der Dozenten für die juristische Fakultät sei von dieser selbst schon angeregt, aber wieder zurückgezogen worden. Er werde jetzt infolge der Anregung des Abg. Dr. Schmitt die Frage mit der juristischen Fakultät, naher in Erörterung ziehen nnd hoffe, im nächsten Etat auf eine Vermehrung der juristischen Lehrkräfte Bedacht nehmen zu können.
Abg. Hirschel bedauert, daß in der Universitätsbibliothek die meisten Bücher nidjt eingebunden seien.
Abg. Brauer dankt ebenfalls für das Entgegen- komnten der Regierung bezüglich des landwirtschaftlichen Instituts und wünscht, daß die Gießener Wetterstation, die sich vorzüglich bewährt habe, eine Untersttitzung vom Staate erhalte. Die Erhaltung derselben sei im Interesse der Landwirtschaft dringend wünschenswert.
Ministerialrat Weber bemerkt, die Negierung bcab- ichtige nicht, die Wetterstation eingehen zu lassen, sie sei vielmehr zu einer Unterstützung derselben bereit.
Nach kurzer weiteren Debatte wird das Kapitel genehmigt, ebenso Kap. 37, Technische Hochschule, Einnahme 47b 933 Mark, Ausgabe 663 713 Mark?
Ungerechte Angriffe auf Geheimrat Tr. Schädel.
Bei stai?. 38, Gymnasien, pieaigymuasicn, Lberreal- und Realschulen, pädagogische Seminarien usw. Einnahme 1313 413 Mark, Ausgabe 2207031 Mark, entspinnt sich eine teilweise sehr erregte Debatte.
Abg. Tr. David bemerkt, er könne nicht unterlassen, hier eine Sache zur Sprache zu bringen, die in Gießen die Spatzen vom Dache pfiffen. Ec habe seine Jnfornta- tUrnen darüber nicht Lehrerkreisen, sondern von anderer, sicherer Quelle. Es handle sich um den Direktor des Gießener Gymnasiums, Herrn Dr. Schädel. Man sage ihm nach, er sei ein Mann, dem man einmal die Fähig- feitcit ab spricht, ein objektives Urteil über Lehrer und Schüler abzugeben. Es würden besondere Tinge über Vorgänge zwt,chen den Lehrern und dem Direktor erzählt. Letzterer solle Jähzorusansälle bekommen und Injurien eien die Folge. Jetzt sei zwischen dem Lehrerkollegium und dem Direktor das Vertrauen geschwunden. In den oberen Klassen des Gymnasiums habe eine Tisziplmlosig- eit platzgcgrisfen, woran ebenfalls den Direktor die Schuld treffe. Ta die Dinge so die Ocfsentlichkcit beunruhigten, ei es notwendig, baß seitens der Negierung eine amtliche Untersuchung ein geleitet und so eine Klarstellung her- beigesührt werde; es liege im Interesse aller, auch der Eltern und Schüler, daß hier bald eine Aenderung eintrete. Weiter fragt Redner, ob die Regierung bereits über
die Durchführung der Streichung des Staatszuschusses für i)ie Vorschulen und über die Ausdehnung der Studieuberech-
tigung Erhebungen angestellt habe, und wie Schritte zu einem Versuch mit der Einführung
Ös® Wäsche ruinieren
fiel) leine HausFau, weil, das AuSbessern derselben feine an* genchme Arbeit ist und die Neuanschaffungen kostspielig find'. Des- bald nehmen Sie keine unbekannten Waschpulver, von denen Nie* Nlaiid luciB, was sie enthalten, sondern Gioth's gemahlene ton- lene mit Salmiak und Terpentin, für deren llnschüdlichkeit der ö'Qbvitant Giolh, Hanau a. M., garantiert. Per Paket 15 Pfg.
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Keßijchcr ^anötag.
E.-B. Darm sta dt, 14. Februar.
Am Ministertische: Finanzminister Dr. Gnauth, die Ministerialräte Dr. Eisen Hut, Best, Weber und Geh. Oberschulrat Nodnagel.
Präsident Haas eröffnete die Sitzung um 10^ Uhr und teilt vor Eintritt in die Tagesordnung folgende
Allerhöchste Botschaft
mit, die von allen Mitgliedern des Hauses, auch den Sozialdemokraten, stehend angehört wird:
ERNST LUDWIG, von Gottes Gnaden Großherzog von Hcffen und bei Rhein.
Unseren Gruß zuvor.
Liebe und (betreue Stände des Großkierzogturns!
Nachdem Wir Uns am 2. Februar ds. Js. mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Eleonore Ernestine Alane zu Solms-Hoheu- solms--Lich, Tochter Seiner Durchlaucht des verewigten Fürsten Hermann und hochdessen verewigten durchlauchtigsten Geiiiahlin Agnes, geb. Gräsin zu Stolberg-Wernigerode, vermahlt haben, setzen Wir hiervon Unsere Lieben und Getreuen Stände des Grost- herzogtums in der Ueberzeugung in Kenntnis, daß dieselben an diesem für Uiis und Uiiser Großherzogliches Haus so beglückenden Ereignis herzlichen Anteil nehmen.
Womit Wir Unseren Lieben imb Getreuen Stände des Groß- Herzogtums mit landesÜirstlicher Huld und Gnade gewogen bleiben.
Romrod, 13. Februar 1905.
(gez.) Ernst Ludwig.
(gegengez.) Rothe.
Dec Prästdent teilt mit, daß nunmehr morgen eine Adresse an den Groß Herzog beschlossen und abgcsandt werden solle.
Tas Haus setzt darauf die
Eiatsbcratung
bei Kap. 31, Gendarmerie, fort; in Einnahme sind hier 840 All., in Ausgabe 539 706 Mk. angesetzt.
Abg. Hirschel richtet an die Regiertlng die Bitte, auf die Einführung einer leichteren Uniform in den Sommermonaten Bedacht zu nehmen.
Ministerialrat Best bemerkt, man habe mit der Frage, ob die Einführung der Litewka sich als praktisch erweise, noch keine genügenden Erfahrungen gemacht. Sie sei zunächst nur probeweise in Württemberg eingeführt, er hoffe aber, daß sie vielleicht auch schon bet uns in diesem Soinmer erprobt werden würde.
Abg. Ulrich beklagt, daß man immer noch an der nnlliart|chen Organisation der Gendarmerie festhalte; er bleibe bet seinem schon früher geäußerten Standpunkt darüber. Weiter beklagt Redner, daß die Gendarmen wenig von ihrer Sonntagsruhe hätten, da sie häufig zum Appell antreten und Umform tragen müßten.
irtijxcricilrat J3e|t sagt zu, die vom Vorredner angeregte Frage naher zu prüfen. Tie Regierung werde bereits zem, iede Erleichterung zu gewähren, die sich mit dem ^tensttntereste vertrage.
Abg. Wolf empfiehlt, die leichtere Uniform, z. B. Regernnan^l, wie sie bei der Post eingeführt seien.
Abg. Lahr empfiehlt, anstelle des Helmes für die r n^cn kinzuführen, und die blanken Knöpfe
abzuzchafsen. ri
Kapitel wird darauf bewilligt.
Ausgabe 90 700 Mk. spricht nur’ ? Wunsch aus, daß der Fiskus nicht
der Schutzleute, sondern auch zu
^'^dergeldern 10 Prozent Zuschuß leisten möge.
b st sagt zu, den Wunsch in nähere Erwägung zu ziehen. 1
tsntx ^S-^-er ersstch^ die Regierung, zu veranlassen, di? ©enbaracÄ '^schluß an
Wg. $ena®lnmitt ™ ben Msführungen
Abg. Hirsch e l bemerkt/ man habe in den Zeitungen gelesen, datz m Offenbach eine Menge polnischer Juden: mir gefälschten Hausrerscheinen verhaftet worden. Diese Juden wurden von den Hinterleuten in Frankfurt und Mainz dirigiert; er empfehle der Polizei vrinaend ein wachsames Auge auf dieselben zu S 1 9 W
itJei. Kap. 34, Arbeitshaus Dieburg erklärt Abg. Tr. Schmitt, daß diejenigen Gemeinden in benen sich Zuchthäuser oder Arbeits- und Siechcnhüuser befanden^ sehr durch cte vielen Ansorderuugcn au otrincn- unterstützungÄl zu leiden hätten. Er bitte, zu untersuchen, in welc^r Weich frier rlbhtlfe zeichasfen werden kann
Bei Kap. LS, Kirchen - und Retigiousaemein- schäften, Ausgabe 483 221 Mark kommt Avg Wolf nochmals auf die Kundgebungen der Abgg. Dr Smmitt und Tr. Buff über den Zwiespalt unter beit Konfessionen! zurück und betont, die Bevölkerung wolle von ivlcheu religiösen Hetzereien nichts wissen; dieselben würden auch
vara aviS. In: allgemeinen jinb die Bauernvereine für einen höheren Schutz der lcurdwirtschafklichen Produktion ein getreten. (to)c richtig!) Glücklicherwccke ist ja bas Verhältnis zwischen Großgrundbesitz und Bauer noch ein freuubschaftlickxes. Wer so weit gebt die Freundschaft doch nickt, baß die Bauern eine Forderung erheben, lediglich um den Großgrundbesitzern zu helfen. (Sehr richtig!)
So selbstlos ist der deutsche L^aner nickt. Tie Gkgitcr der Ge- /reidczölle unterschätzen die ungeheure Schwierigkeit, mit der me LDndtvirtschaft des Ostens infolge der Leutenot zu rechnen hat. (Sehr richtig!) Auch der Bauer braucht fremde Kräfte, und wenn Sie nach dem Osten kommen, trerbeit Sie hören, wie der 5)auer darüber klagt, daß es ikstn gar nicht mehr möglich ist, einen Diecht über eine Magd zn beroimncit, weil die Leute nach der ^otadt ziehen und ein nach ihrer Ansicht angenehmeres Leben filhren. vSehr wahr!) Tie AuSführmigen des Vorredners sind etwas sehr überraschend gewesen: er sagt, der Mg. Tr. Beumer habe die Lage der Industrie ganz ausgezeichnet bargestellt, aber aus das, was mein Kommissar gesagt hat, der doch die ganzen Verhand- lungen geführt hat, daraus gibt er nichts. Wenn einer_ meiner Kommissare, der so grüirdlich in der Sache^besvandert ist, itaay weist, oaß die Industrie von dem neuen Taris grobe Vorteile hat, so darf man das nicht als ein Kolloquium betoichten, sondern als eine objektive Feststellung von Tatsachen.
Abg. Vogt- Hall (wirlsch. Vg.) bekämpft den Standpunkt der Linken. v .
Abg. Mi11ermeier (wirtsch. Vg.) behandelt l>aupt,ächlscl> rie Gerstenzollfrage und bestreitet gegenüber Heim, daß bie baye- rffchen Lmrdwirtsch-aftsrat die kleinbäuerlichen Interessen hinter denen des Großgrundbesitzes zuruckständen.
Mg. Gothein (frs. Vg.), mit Lärm von rechts und aus der Müte empfangen, hält seine Mitteilung über die Stellung des Fürsten Bismarck zur Frage der Höhe der Getreidezölle im Jahre 1887 aufrecht.
Staatssekretär Posadowsky bemerkt hierzu, die ganze Sackn' beruhe auf einem Mißverständnis. Fürst Bismarck habe nicht Heravsetzung des Getreibezvlles von 6 Mk. auf 1 Mk., sondern um 1 Mk. für zulässig erklärt. (Heiterkeit.)
Tamil schließt die Generaldebatte und die Verträge gehen an eine Kommission von 28 Mitgliedern.
Samstag 1 Uhr: Toleranzantrag. Schluß 61/2 Uhr.
Geh. Oberfcyulrat 9t 0 b 11 a g c l entgegnet, zwei Jahren ein Beleidigungsprozeß zwischen den .Herren Tirektor Dr. Schädler und Tr. med. Klein stattgesnnden habe, in welchem letzterer zu einer hohen Geldstrafe verurteilt wurde. Damit schien zuerst die Sache abgetan, da tarn aber plötzlich eine Druckschrift heraus, unterzeichnet „Dr. med. Klein", worin gegen den Direktor schwere Vor- würse erhoben wurden. Der wahre Urheber der niederträchtigen Anschuldigungen sei leider nicht ermittelt worden, doch sei festgestellt, daß der angegebene Autorname eine Mystifikation war. Auf Veranlassung der oberen Schulbehörde fand eine Untersuchung und Vernehmung des Direktors, wie' der Lehrer statt, in welcher sich die Be- chuldigungen als feige, niederträchtige Denun- Stationen heransstellten und der anonyme Urheber nur den Zweck verfolgen konnte, den Direktor zn verleumden. Auch alles, lvas Tr. David über die Dienftführuug desselben sagte, sei unzutreffend. Bezüglich der Anfrage Davids, wie es mit der Errichtung eines Neformgymnasiums tehe, bemerkt , der Redner> auf eine Umfrage an die Eltern der Schüler hätten sich nur sehr weuige mit dem Versuch der Einrichtung eines solchen Resormgymnasiums einver- tanden erklärt; die Sache sei also sehlgeschlagen.
Abg.^ v. B r e n t a n 0 spricht sein t i e f st e s B e 0 a u e r n aus, daß man so ungeheuerliche Dinge und Beleidigung hier gegen einen pflichttreuen Beamten chleudere, der sich nicht verteidigen könne. Wohin soll das führen? Es muß dadurch die Schaffensfreude zer- töri werden, wenn jeder elende Denunziant es in der Hand hat, einen Abgeordneten falsch zu belehren und dieser dann einfach hier im Hause öffentlich so unverant- wortnngsvolle Vorwürfe erhebe. Es sei in erster Linie Sache eines Abgeordneten, wenn ihm derartiges berichtet werde, sich auch näher über die Richtigkeit zu informieren, man hätte ja auch vielleicht „hinter den Kulissen" bei der Behörde sich Auskunft verschaffen können. Dr. David sei z w e r f e l l 0 s ganz s a l s b e r i ch t e t worden, und es schädige das Ansehen des ganzen Hauses, weurs hier so uubeg:ruudete Vorwurfe erhooen würden. Redner kennt den Angegriffenen von seiner Tätigreit in Offenbach; datz er kein objektives Urteil habe, müsse er enuchicden bestreiten. Er fei dort ein sehr tüchtiger Lehrer stets ein durchaus objektiver Beurteiler seiner
Schüler gewesen. Worum cr diese Eigenschaft plötzlich in Gießen verloren haben solle, könne er nicht begreisem (Bravo.)
1 Abg. Schlenger wendet sich gegen die Gleichberechtigung der höheren Schnleii.
Abg. Dr. Hei den reich tadelt scharf das Vorgehen Dr. Davids und stimmt den Ausführungen v. Brentanos vollständig bei.
Abg. Pennrich befürwortet die Umwandlung der Ober» realschule in Bingen.
Abg. Dr. Giltfleisch beklagt das uiangelnde Entgegen- [ommen der Negierung den Kammerwünschen gegenüber. Die Ausschüsse beider Kammern hätten sich für eine Berücksich- tigung der Petition der Oberlehrer erklärt, aber die Negierung habe es für angeniessen erachtet, mit feinem Wort darauf einzugehen. Ein solches Verhältnis sei eine tief bedauerliche Sache und könne gewiß nicht die ArbeitSfreildigkeit der Abgeordneten erhöhen.
Lllinisterialrat Dr. Eisen Hut entgegnet, der Vorredner möge überzeugt sein, daß für die ablehnende Haltung der Negierung bezüglich der Wünsche der Oberlehrer gewichtige Gründe vorgelegen hätten; eine Mißachtung der Beschlüsse des Hauses sei natürlich nicht beabsichtigt gewesen. Nedner koinmt dann noch auf die Ausführungen Dr. Davids zurück und bcmertt, er sei lange nicht so ergriffen gewesen, wie über diese dnrch nichts erwiesenen Angriffe auf einen absolut makellos dastehenden Beamten. In einer so schwerwiegenden Sache hätte doch allch ein sozialdemokratischer Abgeordneter so viel Rücksicht üben und die Negierung von feinem beabsichtigten Vorgehen unterrichten können; er, Nedner, sei ganz nnvorbereitet darauf gewesen. Daß aber ein Abgeordneter sich nicht scheute, öffentlich so schwerwiegende Anklagen zn erheben, ohne auch nur den Versuch dazu zu machen, sie zu beweisen, sei ein Zeichen der Zeit, ein Beweis für den Rückgang unserer öffentlichen Verhältnisse. Die Mitglieder der Regierung erhielten jetzt zahlreiche anonyme Anzeigen über unbequeme Beamten mit der Drohung, daß, menn die Regierung nicht mit Maßregelungen gegen den Betreffenden vorginge, man sich einfach hinter Herrn Dr. David stecken werde. (Hört, hört!) Die Regierung werde es sich angelegen sein lassen, unschuldig angegriffene Beamte stets mit aller Kraft zu schützen. (Lebhafter Beifall. Abg. Dr. David, der den Redner wiederholt unterbrach, wurde vom Vorsitzenden zur Sache gerufen). Abg. Dr. David erklärt, er müße seine Behailptiingen, die aus sicherer Quelle stammten, bis zur llutersuchung aufrecht erhallen. Wären die Aeußerungen des Vorredners außerhalb des Hauses erfolgt, so würde er anders gegen ihn vorgehen.
Ministerialrat Dr. Eis en hui erklärt nochmals, dciß der. Beamte für ihn als völlig unbescholten und makellos gelte, nnd er ihn mit aller Krast schützen werde, wie jeden unschuldig angegriffenen Beamten. Dr. Schädel habe ] 899 seinen Posten in Gießen unter den schwierigsten Umständen angetreten und er freue sich, daß derselbe so gut und korrekt seine Aufgabe erfüllt habe.
Die Debatte wird hier der vorgerückten Zeit wegen ab» gebrochen. Fortsetziing morgen früh 9 Uhr.________________
parlamentarisches.
Berlin, 14. Febr. (Budgetkommissivn des Wgeordnetcn-i Hauses.) Bei der Beratung des Kultusetats wurde zur Sprache! gebrack)t, daß sich der Kurator der Universität Bo nm an einem Aufruf zu Sammlungen anläßlich des Berg-- arbeitet ft reiM beteiligte. Minister Studt erflärte, die Erwägungen feien noch nickt abgeschlossen, inwieweit dem Kurator disziplinarische Vorhaltungen zu machen seien wegen seiner Beteiligung an dem Aufruf.
— In der Budgetkommission des Reichstages erwiderte Staatssekretär v. T i r p i tz auf eine Anfrage des 2lbg. Erzberger, ob die Errichtung einer Bank im Kiautschou- gebiet in Aussicht genommen sei, in Kiautsckwu sei die deutschostasiatische Bank ansässig. Erzberger danke cr für die Anregung Der Errichtimg einer zweiten Instanz.bei den Gerichten in ftiau*; tschvu, da diese lnnbedingt nötig sei. Gröber (Ztr.) sraat, wie sich die Gerichte in Kiautsckiou unter Zuziehung von Laieiv bewährt haben. Er hofft, daß man bald das gute Beispiel von Kiaut schon in Teutschland nach ahme. Staats- fefretär v. Tirpitz erwidert, die Marineverwaltung in Kiau- tschou habe Laicnelemente zu den Gerichten hinzugezogen, weil es sich dort meistens um Handelssachen und gewissermaßen um das Gewohnheitsrecht handelte. Darauf werden die Kapitel 1 bis 12 genehmigt. Bei der folgeriden Beratung der einmaligen Ausgaben entspiimt sich eine längere Düskussion über die Befestigung von Ki a nts ch0 u, wobei sich mehrere Redner gegen die Agitation des Flottenvereins wenden, dessen Verfahren sie für bedenklich und für die Marineentwickelung schädlich erklären. Staatssekretär v. T i r p i tz erwidert: Er könne keinerlei Einfluß aufdenFlotten verein ausüben. Tas Kapitel 1 wird sodann bewilligt. Bei der Beratung der Einnahmen spricht v. Tirpitz die Hoffnung aus, daß sich die Einnahmen aus diesem Schutzgebiet vermehren werden. Er bespricht ferner die Frage eines Freihafens für den Transithandel imb die Errichtung eines Transitlagers in Tsingtau.
05 01 b a, 14 3-ebr. Tie neue D 0 m ä n e nv 0 rla g e ist heute int gothaqchen Landtag einstimmig en bloe unverändert angenommen worden. __________________
Kandel und ZZerKeyri KolüswittlHast. ~
Zur russisch en Wirtschafslage. Die Handelskammer in Minden beurteilt Rußlands Wirtschcütslage sehr ungünstig und lagt iii ihrem neuestenJabresbericht: »Die wirlschaülichenZikfmnnlen- brnche imD innerpolilijchen Unruhen im russischen Reiche mußten den Gcschastsverbuidilngen dorthin größte Vorsicht anserlegen. Diese Sachlage ist ziirzeit noch vorhandeli mib scheint bei dem Fehlen Mlicher oriedensailssichten nnd der immer schär'er werdenden Zu- splizung der uinerriissijchen Verhältnisse sich noch densticher imb bedrohlicher auszuprägen.
.,. Zur Lage des M i n e n a k t i e n m a r k t e s. Aus ver- snnebeneii Berichten, die über Lonbori kommen, geht hervor, daß die Lage für die Spekulation in Ästnenwerten sich noch weniger günstig zu gestalten scheint, als wie seither, zumal auch angenommen ivirb, daß der Aii'schwnng der Erzeugung^ langsamer vor sich geht, als seither. Auch aii Besorgnissen polstiicher Art iür die Zuknnst der (Polbinbustrie soll es nicht fehlen, namentlich in Rhodesien sei die Lage nicht gestlnb. Litis allen diesen Gründen föimcn wir, wie schort oik, unseren Lesern mir zur äußersten Vorsicht aus dem Gebiete der Allncnspekillatlon raten.


