Ausgabe 
14.11.1905 Drittes Blatt
 
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Dienstag 14. November 1905

155. Jabraang

Drittes Blatt.

Nr. 268

®ieft euer Anzeiger

Erscheint tRglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 51. Lelegr.-Adr.: Anzeiger Greben.

Rotationsdruck unb Verlag der Brühl'fcbe« UnwerstlälSdruckerei. R. Lange, Dreßen.

DieGlefoener ^amiHenblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beiqelegt Der ^hefstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Anschaulichkeit f-i.'bcrt Tr. $). Kiffer-Zürich diese- Fest. Wie hielt int Gegensatz zu bicent von Leben und Freude durchglühten ?t sr bl die sti le C ns'mkeit. in die Albert Johannsens Ro- m n ..Auf Jben^hos" versetzt. Der zweite RomanKonzert und Brill" von H. A. Revel spielt in jener Welt des Scheins, die für den ernsten und großen Künstler so oft eine Welt der Sorgen und Entbehrungen ist.

Alfred Friedmann, ein bekannter SchriMeller, der J-Hre lang in F-ranksurt gelebt hat. ist unlängst 60 Jahre clt geworden Im Jahre 1873 führte ihn Kinkel in die Lite- r-tnr ein. Friedmann sckmf dann unaufhörlich: Romane, No­vellen. Gedielte usw. Zahlreiche Essays legten Zeugnis ab von Friedm nus umfassendem Wissen. Der Roman Zwiespalt ist ein si'-ch r's'wSgeschenk des 60jährigen an seine Freunde. Der Ver' 's r b h-ndelt darin die Frage, ob eine völlige lieberem» 'm m in Ansielten, Neigungen und Lebensgewohnheiten zum iner Eh: erforderlich oder selbst nur wünschenswert sei und eb di: Frau ein Recht auf die Vergangenheit des Mannes h'be. ob eine rückwärts gewendete Eifer' "Be­

acht ing beanspruchen dürfe

Per Hess. ^Landtag

unb seine unerfüllten Aufgaben.

Von einem Teilnehmer der Wormser Versamm- tun g vom letzten Sonntag wird uns heute geschrieben:

6in Verdikt über die Politik in Worms' Wer hätte geglaubt, daß die Versammlung der Vereinigten Liberalen in Worms am Sonntag, in der (tote wir berichteten) der Führer der hessischen Freisinnigen, Landtagsabg. Tr. Entfleisch- Gießen, über dos Thema:Der Landtag ' seine unerfüllten Aufgaben" sprach, sich zu einer so wuchtigen, imposanten Kundgebung gestalten würde! Und doch ist dem io. Tr. Gutfleisch's Rede war in -ihrem Aufbau fest und sicher und in der Begründung be­zwingend. Und die mehr als 800 aus Stadt und Land erschienenen Zuhörer zollten dem Redner geradezu jubelnden Beifall. Es änderte auch nichts an dem Eindruck, daß Ar­beiter zu Beginn der Versammlung Störungsver­suche unternahmen und ihre wiederholten Hochs auf fterrn v. Hehl verklangen wirkungslos. TieWormser Ztg." hatte gemeint, den Versammlungsveranstaltern eine beab­sichtigte Temonstration nachsagen zu dürfen. Mit Recht wies der freisinnige Führer diese Unterstellung zurück; er 'wollte lediglich zur Aufklärung bei tragen und den Wormsern -nur das sagen, worauf sie ein Reckst haben, es zu Chören. Taß die Zuhörer mir ihren teilweise stürmischen .Beifallskundgebungen zu der Rede diese eine gewaltige Kund­gebung werden ließen, beweist, wie notwendig die Worte waren, die Tr. Gutfleisch in Worms sprach.

Mehr als zwei Stunden fesselte der Redner die Auf- 'merksamkeit der Versammlung für das große und wichtige Gebiet der Gemeindesteuerreform. Klar war der Sinn der Satze, auf Ueberzeugung brgrünbet und von dieser kommend und darum aucki tn ihrer Wirkung überzeugend.

Ter Redner warnte vor dem Hehlschen Vorschlag der ^räzipualabgaben, die das Bewußtsein der Soli­darität in den Gemeinden schmälern, abgesehen von der «Schwierigkeit ihrer Abgrenzung. Er rückte den Hehlschen Vorschlag, die Einkommen unter 1200 Mk. und Vermögen bis 3000 Mk. freizulassen, t*i das richtige Licht, indem er die Verhältnisse in armen Gemeinden des Vogelsbergs 'vortrug, wo die Steuerzahler fast samt unb sonders diesen Klassen zugehören. Wie sollen denn da die Gemeindebedürf­nisse gedeckt werden? Ter Grundsatz der Leistungs­fähigkeit in Verbinduna mit dem von Leistung und ^Gegenleistung kann nicht im Gemeindehaushalt ent­behrt werden, wie das Mtquel sehr richtig dargelegt hat.

Tr. Gutfleisch ging auch auf die einzelnen Steuerarten näher ein. Herr v. Hehl hat zwar gemeint, daß, wenn man 'die Grund st euer nach dem gemeinen Wert erhebe, man bann dem Besitzer alle Lust nehme, an der Steigerung seines Besitzes zu arbeiten; denn er arbeite ja doch nurfür den Steuerkommissar". Mit solchen Argumenten, die man eigent­lich sonst bisher höchstens in Volksversammlungen, aber nicht in einer ersten Kan mer gehört hätte, könnte man schließlich auch jede Lohnsteigerung der Arbeiter als nur für den Steuerkommissar" bekämpfen. Freilich, wenn der E r t r als Maßstab für die Grundsteuer genommen würde, dann haben Leute, die sich große Parks int Werte von .Hunderttausenden anlegen, fast nichts an Steuer zu zahlen. Gleicherweise die Bauplatzbesitzer. In Mainz werden für ein Grundstücksobjekt 76 Mk. Steuer entrichtet, das auf 1 200 000 Mk. Wert taxiert ist. Demgegenüber vertrete er den Standpunkt, daß der Bürger, der viel hat, auch entsprechend viel bezahle an Steuer, damit die Minder- besitzenden entlastet würden. (Bravo!) Ter landwirtschaft­lich benutzte Grund^"sitz wird aber tatsächlich bei einer Grundwertsteuer entlüft.

Indem der Redner die ganze große Schwierigkeit der oon der zweiten Kammer geleisteten Arbeit den Zuhörern darllcate, antworteten ihm diese mit lebhaftesten Bravos, als Abg. Etotfleisch daran erinnerte, daß man sich nicht ein­fach hinstellen dürfe und sagen, das ist alles unsinnige Arbeit, wie das Herr v. Hevl getan habe, man dürfe nicht die anderen gesetzgebenden Faktoren sich abplagen lassen und deren Arbeit dann als verkehrt bezeichnen, sondern man habe auch die Pflicht, zu sagen, wie denn die Sache gemacht werden soll. Ich habe alle Achtung or Hehl als Industriellem, habe auch schon seine Fabrikeinr.chtzungen be­wundert, aber es gibt aucy noch andere Leute in Hessen, die gleichfalls das wirtschaftliche Leben, seine Zusammen­hänge usw. zu kennen glauben und denen gegenüber man sich nicht in solcher Art für unfehlbar erachten soll, wie das Herr v. .Hehl getan hat.

Tr. Gutfleisch erörterte auch die Frage der Wähl­te form. Wenn man sich in Worms so sehr gegen diese Reform sträube, möchte et Vorschlägen, daß man für Worms eine Ausnahme macht und es auch weiter nach Belieben indirekt wählen läßt. (Stürmische Heiterkeit.) Tie Schuld, daß die mit dem bisherigen Wahlgesetz verbundenen Mißhelligkeiten auch weiterhin bestehen, trägt nur Herr v. Hehl. (Lebhaftes Bravo.j

Schließlich rechnete der Redner noch ab mit den Ver­unglimpfungen der zweiten Kammer und ihrer Mitglieder durch die .Wormser Ztg." Die berechtigte Ent­

rüstung über solche unwürdigen Angriffe weckte den stärksten Widerhall in der Versammlung. Es ging ein reinigender Zug durch den Saal. Im alten Grie­chenland, so fuhr Tr. G. fort, gab es ein Gesetz, wonach ein Manu, wenn er z u mächtig geworden war. verbrannt wurde. Man möchte wünschen, daß ein solches Gesetz heute für Worms bestehe.

Ter Beifallssturm, den diese Parallele auslöste, wollte keine Grenzen nehmen. Er wiederholte sich, als der frei­sinnige Führer mit dem Appell schloß, wenn Eigensinn die Gesetzgebungsmaschinerie zum Stillstand zwingt, dann müssen dhe zusammenstehen, um das Hindernis zu be­seitigen!

Tiefe musterhaft verlaufene Bersammluna, deren Wirkung in spontanen Kundgebungen hervortrat, darf wohl als ein großes Ereignis in unserem engeren Baterlande an» gesprochen werden.

tzin Acrwallvngsb amter als iter der vesstfchen Schulakteilang?

AuS akademischen Lehrerkreisen wird uns geschrieben: In unserem Lande wirkt als Leiter der Schulabteilung bekanntlich seit Jahren zum großen Segen des Schulwesens ein vortrefflicher Fachmann, dem die ge­samte Lehrerschaft und über sie hinaus daS ganze Land zu großem Dank verpflichtet ist. Daher ist der Wunsch auch allgemein, es möge dem Chef der Schulabteilung noch lange Jahre vergönnt sein, die Geschäfte seines schweren Amtes zu führen. Ta seine Gesundheit leider nicht die festeste ist, so zerbrechen sich Konjekturalpoliiiker seit Wochen die Köpfe über seinen Nachfolger, und mit besonderer Geflisientlichkeit wird das Gerücht verbreitet, daß ein Beamter der Lokalver­waltung dazu ausersehen sei, fernerhin das hessische Schul­wesen zu leiten.

Mit Recht wurde vor einigen Tagen in einem Darm­städter Blatt darauf aufmerksam gemacht, wie bitter es die hessische Lehrerschaft empsinden müßte, wenn man an ihre Spitze einen Beamten stellen wollte, der nicht einmal Fach­mann wäre, der die Sorgen und Wünsche, die Hoffnungen und Bedürfniffe deS Standes und des Amtes nicht kennt, beim besten Willen auch niemals kennen lernt und der deshalb auch niemals so segensreich wirken kann, wie ein tüchtiger Fachmann, dem eine weise Regierung die genügende Anzahl von au8 den verschiedensten Zweigen des Berufs he^vorgegangenen Fachleuten zur Seite stellt. In der Tat, e§ wäre die verkehrte Welt, wenn man in unserer Zeit, wo man sich mit Recht überall mehr unb mehr zur fach­männischen Leitung des Schulwesens bekehrt, gerade in Hessen von der aufs beste bewährten Leitung durch einen Fachmann auf die früher herkömmliche durch einen Laien zurückgreifen wollte. In vereinzelten Köpfen mag freilich noch immer die Vorstellung spuken, daß der Jurist allerwege der geborene Leiter der aus den minder vornehmen Fakultäten hervor- gegangenen Beamten sei, und die umlaufenden Gerüchte mögen dieser etwas veralteten Lieblingsidee einzelner ent­sprungen fein. Undenkbar aber erscheint es uns, daß maß­gebende Kreise, in denen man schon vor Jahren die Not­wendigkeit fachmännischer Leitung des Schulwesens eingesehen hat, diesen Gerüchten irgendwie nahestünden. Denn was früher einmal vernünftig gewesen sein mag, als noch die Lehrer, nicht selten Kandidaten der Theologie, nur zeitweilig unter dem Dach des Gymnasiums Unterstand suchten, bis eine fette Pfründe sie ,gu höheren Zwecken abrief', das ist jetzt unmöglich, wo sich die Lehrer zu einem großen geschloffenen Stand verdichtet haben, mit eigenen Lebens- interessen und eignen Idealen. Dazu kommt, daß sich die Schwierigkeiten der Leitung des Schulwesens seit den sieb­ziger Jahren außerordentlich vermehrt haben, einmal durch das äußere Wachstum der Schulen, vielmehr aber noch durch die Veränderung der Bildungsideale der Nation, die sich noch immer weiter umzugestalten im Begriff sind Wir fürchten, eine Laie, zur Leitung des Schulwesens berufen, wird all den drängenden Ansprüchen seiner Stellung ziem­lich ratlos gegenüber stehen, und sicherlich wird die Negier­ung in der Lage sein, die Schulabteilung, wenn ihr ver­dienter Leiter einmal au9 seinem Amte scheidet, durch er­probte Schulmänner zu ergänzen. Der unleugbaren Heber» laftung der obersten Schulbehörde kann nur durch Ver­mehrung ihrer fachmännischen Arbeitskräfte abgeholfen werden, nicht durch Zufügung eines leitenden Verivaltungsbeamten.

Das englische Geschwader in Newyork.

R. Berlin, 13. Nov.

Auf den Besuch des englischen Geschwaders in Newyork, der gegenwärtig stattfindet, waren von allen Gegnern Deutschlands große Hoffnungen gesetzt worden. Die ameri­kanische Presse, soweit sie in englischer Sprache schreibt,

roirb in bet umfaffenbften Weise von England aus deein- lußt. Dieser Einfluß wird nicht nur durch die großen eng­lischen Nachrichtenbureaus geübt, die natürlich vorzugsweise englische Meinungen sowie Meldungen verbreiten, die eng­lischen Interessen dienen, aut politischem und auf wirtschaft­lichem Gebiete, sondern es sollen sogar englische Staatsmänner sich angelegen sein lassen, durch eigene Beiträe - den Bestrebungen eine weil- Stütze zu geben. So ist c ns von einer Seite mitgete i worden, die wir für wohin ichtet halten dürfen, mit dem Hinzu- ügen, daß ebenso! irifer Blätter ausgesprochen englanb- rcunblidien Chore sich dieser interessanten Mitarbeiter- chaft erfreuen. :e Verbindungen ähnlicher Art er- ttecken sich auf 1 . Mailand und Petersburg. Mitunter

treffen sogar lange Tepesthen auf den mit Die fern Ver­trauen beehrten Zeitungsredaktionen ein, ohne daß für die Neuigkeit irgendwelche Spesen zu entrichten wären. So erflärt es sich allerdings, daß ein Teil der ausländischen Presse zur gleichen Zett wie die Londoner Presse auffällig genau von Vorgängen in der Diplomatie unterrichtet ist. Gewährsmänner solcher Art wissen schon mancherlei zu er­zählen besonders von angeblichen Fehlschlägen der deutschen Politik. Tas ist es nämlich, worauf eS an- kommt: Deutschland muß allenthalben als hab - gierig und ränkesüchtig hingestellt werden. Das ist der Zweck der ebensoselbstlosen" tote kostspieligen Mit­wirkung. Wir möchten bei dieser außerordentlichen Rührig- Feit der britischen Interessenvertretung nur immer wieder darauf Hinweisen, daß die Zurückhaltung, wie sie von den an der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten be­teiligten Stellen beobachtet wird, nicht mehr am Platze ist. Fürst Bülow empfängt gelegentlich Beauftragte der ausländischen Presse. Wirksamer scheint es, daß in geeigneten Blättern des Auslandes dauernd den englischen Darstellungen entgegengearbeitet wird. Dazu bieten sich Mittel und Wege genug.

Es war also auch für oen englischen Flottenbesuch in den Ver. Staaten sehr geschickt trorgearbeitet worden. Ein großes Verbrüderungsfest sollte in Szene gehen. Seit Wochen lad man in amerikanischen Zeitungen Erörterungen darüber, ob nicht ein herzliches Einvernehmen zwischen Eügland unb den Ver. Staaten sehr nützlicy wäre? Tie beiden mächtigen Flotten könnten ihren Willen der Welt diktieren, D e u t s ch- l an b zurOhnmachtverurteilen usw. Diese schönen Bünbnispläne nun haben bie Iren, die in der Politik der Ver. Staaten eine große Rolle spielen, gründlichst ge­stört, wobei diesmal ersreulicherweise auch die Deutsch- Amerikaner zur Hilfe kamen. Tie Iren, die unversöhn­lichen Gegner Englands, erhoben nachdrücklichste Einsprache gegen Begeisterungskundgebungen beim Empfang des eng­lischen Geschwaders in Newyork. Doch das hätte allein noch nicht genügt. Aber das en.jlifdje Geschwader selbst hat sich den Empfang verdorben. Tie Engländer gedachten wohl von vornherein Sympathien zu gewinnen, indem sie den Prinzen Battenberg mit der Re­präsentation betrauten. Im republikanischen Tollarlande imponieren Prinzen ungehener. Aber Prinz Battenberg hat das große Wort gelassen ausgesprochen, daß die in New­york "verankerten K riegsschiffe Newyork in Atome bombardieren könnten! Nicht genug mit mit diesem freundlichen Bild, äußerte er noch: Amerika habe, bei der exponierten Lage Newyorks, besondere Ursache, den Frieden zu wahren. Ob nun Prinz Battenberg mehr gesagt hat, als er sagen wollte, oder ob er durch diese Perspektive den Anschluß an England zu empfehlen gedachte, genug, die Amerikaner sind in ihrem Stolz empfindlich verletzt. Prinz Battenberg hat bewundernswert gerade die Stelle getroffen, wo siesterb­lich" sind. Tiefer fatale Zwischenfall wird sobald nicht ver­gessen werden. .............

Jtirrtif unb 5diu(e.

Nach einer Meldung derN. Bad. Landesztg." faßte der Vorstand d-s Badischen ^ehrervereins in einer Sitzung tu Offenburg einstimmig den Beschluß, daß Mitglieder kons. Lehrervereine nicht zugleich nutn Mitglieder des Badischen Lehrer­vereins sein können, da die Bestrebungen der simultanen und fenf. Lehrervereine sich in mehrfacher Hinsicht widersprechen, und da ferner die Interessen deS Badischen Lehrerver­eins durch den kathol. Verband zu schädigen ge­sucht werden ht d'r Vorstand d^ Badischen Lehrervereins auf Gr.'nd des £ £2 der Vereinsstatuten einstinnnig den Au s schlu fr b-r Mitglieder hrS katholischen Lehrervereins aus dem Badischen' Lehrerverein beschlossen.

Arbeiterbewegung.

Bochum, 13. Nov. Tie Meldung, die Bergarbeiter- führer hatten über einen neuen Streik beraten und den Beginn bereits festgesetzt, wird von einer hervorragenden Stelle als erfunben bezeichnet. Die Kassen der Verbände verfügten nicht über die zur Durchführung eines neuen Ausstandes erforderlichen M i11el. Abgesehen davon würde sich auch ein gro>r Teil der Bergarbeiter, die burefr dm ungünstigen AuSgang des Jmuer^r-i's kopfscheu geworden sind, an einem neuen Aus­stande nicht beteiligen.

Breslau, 13. Nov. Die Belegschaft deSderBergwerkS- Gesellschaft Gieschen Erben gehorchen Kronprinzen-

Kleims Ifeuilleton.

Aus Frankfurt wird uns gcfchricben: Die Erstauf­führung von GlucksIphigenie auf Tauris" war für die hiesige Bühne ein großes künstlerisches Ereignis. Es ist eine sehr anerl i.nenswerte Leistung. daß die Intendanz der vor- jälwig.m Aufführung der ..Aulis-Jphigenie" die, nebenbei gesagt, nach wenigen Aufführungm trotz großen Beifalls wieder vom Repertoire versckw nd bie weniger bekannte Tanris- Jphigenie folgen ließ. Für d's Werk selbst gilt im vollsten Maße lvas alle Werke Glucks auszeichnet die vornehme edle Durchsüb'" ng. Tie Rich. Strauß'sehe Bearbeitung paßt sich Überall dem Ra Innen des Ganzen an, tritt aber nur am Schluß des Werkes besonders hervor. Tie hiesige Aufführung war mit großer Umsicht von Dr. Rottenberg vorbereitet, namentlich führten CrrfjeHcr und Chor ihre fcbtvicrige Aufgabe glänzend durch. Bon den Solisten muß in erster Linie Herr Breiten­feld als Orestes genannt werden der besonders gut disponiert, schien: auch Herr Gentner als Pylades leistete Gutes. Wenn beide Künstler an d"" dramatisch belebten Stellen mit ihren [

schönen Mitteln noch etw's mehr Maß halten wollten, so werden sie den Gluck'scheu Intentionen noeb nrfjr gerockst wer>:n. Weniger am Platz war Herr Leydström als Thoas und auch Fran G r e e f - A n d r i e s s e n in der Titelrolle, w^r trotz schöner Einzel­heiten enttäuschend. Tie Stimme der Längerin besitzt nicht mehr genügende Biegsamkeit, um den Fernsten des Glucksen Ge- s-nges gerecht zu werden. Das Publikum nahm das Werk mit großem Beifall auf.

In der gegenwärtigen Zeit der "leisch- teuerung wird ein Artikel des Dr. med. Lewinski über Ileischil- oder Pflanzennahrnng" intereff.eren, der sich im 4. Heft der illustrierten Famil.euzeitschrift , ( ur Guten Stunde" (Teutsck?es Ber'.agshaus Bong u. Co., Berlin W 57 Preis des Heftes 40 Pf ' voryndet. D e Frage, inwieweit und bis zu welchem (frr.be Fleisch zu entbehren ist bei dertägsicktcn Nahrung, wird hier eingehend.Ventil''.', und d.e Gefahren, die eine l ä n g e r w ä hr e n de Ent: e h u n g d e r § lc i 1 ch- f oft für die Gesund hei t mit sich b r i n g t -. bervor- g"hoben. Ein weniger ernstes.Thema b.^ndelt der Artikel über Das Winzerfest in Vevey". Mit gluhenoen Farben und vackeuder