bete Schaustücke vorzuführen. Und wem es vom Schicksal nicht vergönnt war, den Einzug des Kronprinzenpaares in Berlin zu sehen, der hat es doch unbedingt nötig, schleunigst zum Theater Fernando zu laufen, wo er nicht zu stehen und stundenlang zu warten braucht, um das ersehnte Schauspiel mit größter Genauigkeit studieren zu können. Daneben bringt der Kinematogravh auch andere Ereignisse und, wer weiß! — vielleicht das Schauspiel eines Großfeuers mit allen Rettungs- und Löschunternehmungen, was am Ehrentag der Feuerwehrleute von besonderem Interesse sein würde. Heute abend 8 Uhr wird der Kinematograph eröffnet.
•• Landwirtschaftliche Landes- und Jubiläumsausstellung in Mainz. Die Anmeldungen zur Maschinen- und Geräte abteil ung der landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläumsausstellung in Mainz gewinnen einen solchen Umfang, daß Schwierigkeiten ihrer Unterbringung auf den vorgesehenen Plätzen zu befürchten sind. Auffallender Weise sind dabei die einheimischen, namentlich die Mainzer Geschäfte bis jetzt sowohl in dieser Abteilung, wie in der Abteilung der landwirtschaftlichen Hilfsstoffe verhältnismäßig noch wenig vertreten. Eine große Beschickung wird sicher auch die Weinausstellung erfahren, indem für Weine in großer Anzahl Klaffen und Preise vorgesehen sind. — Für das landwirtschaftliche Rennen, das in Verbindung mit der Landes- und Jubiläumsausstellung abgchalten werden soll, ist nunmehr das Programm bekannt gegeben worden. Danach wird ein Trabreiten, sowie ein Trabfahren mit selbstgezüchteten oder durch den Pferdezuchtverein eingcführten Pferden, ferner ein Galoppreiten und ein Trabfahren offen für Pferde, schließlich eine Zugprüfung im Schritt gleichfalls nur mit selbstgezüchteten oder durch den Pferdezuchtvcrein ein» geführten Pferden abgehalten. An dem Trabfahren, das für alle Pferde offen ist, können sich beliebige Fahrer beteiligen, an den übrigen Rennen jedoch nur Mitglieder der landw. Vereine oder des Pferdezuchtvereins. Es sind zunächst für jedes Rennen drei Preise von 100, 75 und 50 Mk. ausgesetzt. Als Distanzen sind für die beiden Trabfahren zirka 2000 Meter, für das Trabreiten 1400 Meter, für das Galoppreiten 1000 Meter und für die Zugprüfung 400 Meter vorgesehen. Die Anmeldungen haben bis zum 1. September beim ^Hessischen Landwirtschastsrat zu erfolgen.
-s- Großeu-Linden, 14. Juli. Heute nachmittag -gegen 4 Uhr verunglückte ein Automobil auf der Straße nach Frankfurt. Es wollte einem vorbeifahrenden Wagen ausweichen, kam aber zu nahe an den Straßendamm und überstürzte sich. Die Insassen wurden herausgeschleudert und ein Herr leicht verletzt. Erst nach längerem Aufenthalt, währenddem der Schaden beseitigt wurde, konnte man weiterfahren.
§ Bad-Nauheim, 14. Juli. Bis zum 13. Juli 1905 find 15 788 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 6150 anwesend waren. 187 875 Bäder wurden bis zum 13. Juli abgegeben.
B. B. Darmstadt, 14. Juli. Der Umbau desHof- kheaterS ist soweit fortgeschritten, daß mit dem äußeren Abputz und im Inneren mit der Einrichtung der Sitzplätze begonnen werden konnte. Die Wiedereröffnung des Hauses soll am 17. September erfolgen. Zur Eröffnungsvorstellung ist Wagners „Lohengrin" in Aussicht genommen.
d. Mainz, 15. Juli. Im Sitzungssaal der zweiten Zivilkammer hatten sich gestern nachmittag das gesamte Richter-, Anwalts- und Notariatskollegium eingefunden, um dem scheidenden Landgerichtspräsidenten Lippold, der zum Präsidenten des Oberlandesgerichts ernannt wurde, einen herzlichen Abschied zu bereiten. Herr Lippold erschien an der Seite des neuernannten Lond- yerichtspräsidenten Dr. Hangen und des Landgerichts- dtrektors Ob en au er. Namens des RichterkoklegiumS hielt Lcmdgerichtsdirektor Dr. B ockenHeimer eine eindrucksvolle Abschiedsrede an den scheidenden PräsiL>enten. Justiz- rat Dr. Struve erinnert sich noch lebhaft des Austritts des Präsidenten Lippold aus der Anwaltschaft und des Eintritts in das Richterturn. Es sei die erste Staffel zur höchsten Richterstufe gewesen. Der Redner schilderte gleichfalls die tiefe Kenntnis und das umfassende Wissen des Scheidenden. Präsident Lippold dankte bewegt.
Frankfurt, 14. Juli. Der Gasarbeiter Philipp Schröder fand gestern abend gegen 7 Uhr, als er nach seiner Wohnung, Predigerstr. 9, zuruckkehrte, im Flur einen Betrunkenen, der das Haus verunreinigt hatte. Schr- setzte den Fremden vor die Tür. Der Betrunkene entfernte sich unter Drohungen, kam bald zurück, ging die Treppe hinauf und gab auf Schröder, der im Vorplatz seiner Wohnung stand, aus einem Revolver einen Schuß ab. Die Kugel ging über dem linken Auge in den Kopf. Schröder fiel bewußtlos zu Boden. Der Schuß alarmierte die Hausbewohner, und sie verfolgten den Attentäter, der sich in den am anderen Ende der Straße befindlichen Arns- buraerhof flüchtete. Ehe er festgenommen werden konnte, schoß er noch zweimal auf seine Verfolger, ohne aber jemand zu treffen. Schröder wurde ins Bürgerhospital gebracht; die Verletzung war tödlich, er starb nach einer Stunde. Er hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder in dürftigen Verhältnissen. Der Attentäter ist der 29jährige „Schweizer" Johann Friedrich Hellerich aus Oßweil in Württemberg; seine Familie wohnt in Niederhöchstadt: er war nach Frankfurt gekommen, um Stellung zu suchen. Bei seiner Vernehmung gab er heute morgen an, daß er in Notwehr gehandelt habe. Schröder 'fyabe ihm zuerst einen Stoß vor die Brust versetzt. Seitdem er einmal in Bornheim überfallen worden sei, trage er stets einen Revolver bei sich. (F. Ztg.)
[| Marbur g, 14. Juli. In der heutigen Stadt- 4>erordnetensitzung wurde im Anschluß an die Besprechung über die notwendig gewordene Verlegung der studentischen Spielplätze ein Plan zum Vortrag gebracht, dessen Ausführung Marburgs herrliche Lage noch anziehender macht. Neben den vielen Promenadenwegen und Anlagen auf den Bergen soll auch den zahlreichen alten Leuten Rechnung getragen werden durch Sch affung eines großen Parks im L ahnt al. Als passendes Terrain ist die sogen. Weide, eine große Insel im Süden der Stadt zwischen dem Kämpfiasen und der Eisenbahn, welche von der Lahn und deren Seitenarm durchschnitten wird, in Aussicht genommen. Da innerhalb dieses Parks auch die Universitätsspielplätze Platzen finoen sollen, be'chloß man, in Verhandlungen mit der Universität einzutretra.
8. Herborn, 14. Juli. Die hiesigen Bahnhofsverhältnisse sind bekanntlich schon seit Jahren sehr beengt. Der zunehmende Verkehr der Bahn Marburg-Herborn, sowie |ber in Aussicht stehende Verkehr der Westerwaldauerbahn er
fordern eine gänzliche Umgestaltung der Bahnhofsanlagen. Neben der Verlegung des Stationsgebäudes gilt e§, für den vermehrten Gleisanschluß Terrain zu schaffen, und deshalb müffen die steilen Felswände des angrenzenden Hombergs hinweggesprengt werden. Viele Hände sind mit dieser Riesenarbeit beschäftigt. Das Gestein wird nach Station Abendstern (Strecke Wetzlar-Lollar) gefahren, wo eS zur Anlage der dort zu schaffenden Güteroerladestelle verwandt wird.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Hüttengefäß spielte das 3 jährige Töchterchen des Landwirts und Webers Kohler fünfer dem Hause an dem dort stehenden Webstuhle. Dieser kam ins Wanken, stürmte um und fiel dem Kind so schwer aiü Kopf und Brust daß es aus der Stelle getötet wurde. — In der Nähe von Niedernhausen wurde eine 64 jährige Frau namens Maurer aus Niederseelbach beim Ueberschreiten des Geleises von einem Güter- zuge erfaßt und tobt gefahren. - Tie Stadtverordneten bewilligten tn Rüdes heim 100 000 Mk. zur Durchführung der Kanalisation und vorläufig 130 000 Mk. zur Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerkes.
Vermisch Le».
* Gewitter gingen im südlichen Schwarzwald und nordwestlichen Teile der Schweiz sowie in Mitteldeutschland nieder. Bei Stetten mrweit Lörrach und Basel wurden zwei Frauen und ein Mann, die in einer Hütte Schutz vor dem Unwetter suchten, vom Blitz erschlagen. Außerdem wurden noch vier weitere Personen in dieser Hütte mehr oder weniger schwer verletzt. — In Ehringsdorf bei Weimar wurden ein Mann und zwei Pferde durch den Blitz erschlagen. In Schwer- ftebt schlug der Blitz in die Kirche und Scheunen. — Schwere Unwetter gingen über die Stadt Ober-Glogau in Schlesien und deren Umgebung nieder. Das Getreide liegt wie gewalzt auf der Erde. Auch aus vielen anderen Teilen Schlesiens wird über große Schäden gemeldet, die das Unwetter angerichtet hat.
* Kleine Tageschronik. In Berlin machte aus unbegründeter Eifersucht die 28 Jahre alte Frau des Buchdruckers Heim einen Mord- und Selbstmordversuch. Weil ihr Mann, der nachtS arbeitet, eine Stunde später als sonst nach Hause gekommen war, stürzte sie sich mit dem Kinde in die Spree, wurde aber samt Kind lebend aus dem Wasser gezogen. — In Paris feuerte am Freitag die 22 jährige Schriftstellerin Baronin d'E n tre v i l l e auf dem Vendome-Platze auf den eben im Automobil heimkehrenden ehemaligen Depn- tierten Baron Ladoucette vier Revolverschüsse ab. Baron Ladoneette wurde durch eine Kugel am Arme erheblich verletzt. Das Motiv der Tat ist angeblich Eifersucht. — Eine erschütternd" Familientragödie Ipt sich in Friedrichshagcn bei Berlin abgespielt. Die Frau des Rohrlegers Hoaeck ermordete in einem Anfall von Schwermut ihren fünfjährigen Sohn Ludwig intb erbangte f i ch dann, nachdem sie sich die Pnlsad'rn geöffnet hatte.
Kunst und Wtsieuschafl
lhc.) Ornithologische Anzeichen für das Nahen einer wärmeren Epoche? Wilh. Schuster führt in den „Mitteilungen über die Bogelwelt" deutliche ornithologische Anzeichen dafür an, daß wir einer wärmeren Evoche, also einer neuen Tertiärzeit, entgegengehen. Erstens sei c5 das immer mehr — und zwar binsichtlich der Arten — wie Jndivi- duenzahl — um sich greifende, zur Gewohnheit werdende Ueber- wintern derjenigen Vögel, die eigentlich Zugvögel find; sehr bezeichnend sei hierbei zugleich die Tatsache, daß die Winterguartiere eben dieser zu Standvögeln werdenden Sänger und Lufträuber mit den Jahren immer weitere in höhere Breiten vorgeschoben werden. Dann kämen nordische Vögel, wie beispielsweise die Seidenschwänze, jetzt lange nicht mehr so zahlreich zu uns wie in früheren Jahrzehnten, Sommerau.artiere wie Brutgebiete südlicher Vögel fänden sich jetzt in Deutschland, von denen früher nichts zu sehen war. Dabei rücken die südlichen und selbst die heimischen Vögel nicht allein in horizontaler Linie gegen Norden vor, sondern auch in vertikaler gegen die Berghöhen. Beispielsweise kannte Naumann den Girlitz noch nicht aus der Beobachtung in der freien Natur. Heute kommt er überall in Mitteldeutschland vor, vereinzelt bis nach Holland und Island hin. Vom Steppenhuhn und seinen Wanderungen in den letzten Jahrzehnten wissen wir noch alle. Die ornithologischen Beobachtungen befänden sich in Uebereinstimmung mit der neuen Reibisch -Simrvthschen Theorie der Cwdpenoulation. Mögen weitere Feststellungen in dieser Richtung auS der Vogelwelt folgen.
— In Kopenhagen ist der Komponist Jörgen M a l l i n g 70 Jahre alt geftorb-m.
ZLniverstläls-Vachrichten.
— Vvn der Akademie Frankfurt a. M. Soeben wird das Dorlesungsverreichu's für das nächste Wintersemester ausgegeben. In der Mteilung für Volkswirtschaftslehre findet sich u.fti . eine Vorlesung des Bankdirektors Thorwart'« über Börsenwefin und Börsengesetzgebung. Zum ersten Male wird Privatdozent Dr. Franz genannt, der über beschichte, der fianrösischen Kolonisation lesen wird. Eine Vorlesung ethnographischen Inhalts wird voraussichtlich Hofiat Hagen halten.
Göttingen , 14. Juli. Da der Verwaltungsausschuß der Universität dem Ausschluß der katholischen Verbindung „Winfriedia" ans dem Studentenausschuß die Genehmigung versagte, hat sich letzterer aufgelöst.
— Der o. Professor an der Universität Berlin Dr. Paul Drude (bisher in Gießen) ist zum o. Professor der Physik an der dortigen Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärzt- liche Vilduuasw-'sen ernannt wsrden.
e^anbnHrffiöfifL
x Vom Raiffeisen-Verband wird uns geschrieben: Im Zusammenhänge mit dem Mißerfolge der Getreide- verwertungsgenossenschast in Straßburg und infolge der nicht unbedeutenden Abschreibungen, die die Generalversammlung ber Landwirtschaftlichen Central-Darlehenskasse für Deutschland kürzlich beschlossen hat, lausen in der Tagespreise beunruhigende Gerüchte um, ja eine Korrespondenz hat sogar vom Zusammenbruche der Landwirtschaftlichen Central-TarlehenSkafte gesprochen. Demgegenüber sei festgestellt, daß die in Neuwied befindliche Landwirtschaftliche Central Darlehenskasse für Deutschland nicht nur nicht zufammengebrochen fit, sondern ihr volles Aktienkapital von 8'/, Millionen Mark und nach erfolgten Abschreibungen und Telkrederestellimgen in der Gesamthöhe von 921 000 Mark noch einen Reservefonds von 25 000 Mark besitzt. Tiefe Gesellschaft hat zwar zur Sanierung von Schäden, welche in der Hauptsache nicht sie selbst, sondern ihr Attackierte Institute und organisatorische Aufwendungen betreffen, Maßr-egeln ergriffen nnb Opfer gebracht; auf keinen Fall aber ist dadurch die geschäftlich ^Sicherheit der Landwirtfchaft- lichen Central-Darlehenskafie für Deutschland berührt worden. Mit den Vorkommnissen bei der Getreideverwertungsgenossenschaft in Straßburg ste Heu die erfolgten Abschreibungen in keinem Zusammenhänge, wohl aber hat sich die Central-Darlehenskasse auf Grund der vorliegenden Verhältnisie bereit erklärt, der Getreideverwertnngsgenofienschaft auf eine Reihe von Jahren hinaus jährlich Zuschüße zu leisten, damit die Deckung des Verlustes bet Getretbeverwertungsgensssenschaft die Mitglieder nicht erb rückt.
Der Rheinisch Westfälische Effektenmarkt!
Mülheim a. b. Ruhr, 15. Juli 1905.
De« Kvhlerrkurenmarkt zeigte heute nur ganz geringe Aenderungen. Da- Geschäft war sehr ruhig. Größeres Interesse zeigte , sich für Deutschiand bei Hasllmgh., welche zu 5000 Mk mehrfach umgiwgen und zu diesem Preise auch gesucht blieben. Sonst waren von kleinen Werten iroch Tremonia, Trappe, Altendorf, Siebenplaneten und Schürbank unb Chorlottenbnrg gesucht. Bon schweren Werten Konstantin der Große zu letzten Preisen umgesetzt- dagegen Friedrich der Große, Dorstfeld, Unser Fritz und König Ludwig niedriger cmgebotew. — Das Geschäft am
Kalikuxen markte war wieder ziemlich lebhaft. Besonder-! waren kleine Werte wie Hansa Silberberg, Adolfsglück, Emilien- hall, Hattorf, Roessing-Barnten, Ronnenberg Aktien und Albrechts» hall lebhaft int Verkehr zu zum Teil gebesserten Preisen. Von mittleren Werten waren Alexand-ershall, Hvhenzollern, Großherzog von Sachsen und Jvhannashall etwas niedriger, dagegen blieben Justus I. und Desdemona gefragt. Von schweren Werten wurden Wilhelmshall, Hedwigsburg und Carlsfund zu zum Teil gebesserten Preisen umgesetzt. — Am Erzkuxenmarkte besteht nur Nachfrage für Wildberg zu gebesserten Preisen. Der übrige Markt liegt ruhig.
Kovdee urb Merkel r. Moläsrvirkschafl
Eguitable Lebensversicherungs-Gesellschaft N e w y o r k. Wir haben schon vor kurzeR mitgeteilt, daß der Gründer der Depew Jmprovement Co. bezw. einer Stadt in der Nähe von Buffalo mit dem Eauitable-Gelde in überreichem Maße ausgeftattet wurde und noch dazu auf illegalem Wege (wenigstens hätte der Company diese Summen statutengemäß nicht geliehen werden dürfen). Der Eguitable ist insgesamt mit einer Viertel- Million eines Darlehens beteiligt. Herr Depew, der augenblicklich in Paris weilt, hat erklärt, die Jmprovement Co. habe mit seinem Namen überhaupt nichts zu tun und das Darlehen sei ohne seine Einflußnahme hergegeben worden. Das Darlehen sei auf Giwnd einer offiziellen Schätzung des beliehenen Objektes einstimmig von dem Verwaltungsrat und dem Exekutivkomitee der Eguitable
bewilligt worden. Im übrigen scheint es sich nicht allein um die eine Viertel-Million zu handeln, sondern um Schädigungen von weit größerem Umfang, die durch Machenschaften der Herren Depew und Konsorten verursacht worden, soll es sich doch sogar, wie jüngst g emeldet wurde, um 20 Mill. Doll, handeln. Jedenfalls ist es höchste Zeit, daß der ganzen erbärmlichen Wirtschaft einmal klar und glatt von rechtswegen ein Ende gemacht wird, denn wo soll denn Treu und Glaube« sein, wenn es nicht einmal hei den Versicherungsgesellschaften zu finden ist. Danach scheinen schließlich des Lawson Uebertreibungen keine solchen mehr zu sein. Es soll die Eguitable Hyde-Alexanders Syndikat, Union Pacific und Goludsi)ares zu allerlei Machinationen besetzt haben. Erschöpfende Aufklärung muß nun sobald wie möglich gegeben werden.
NeueJapaner. Die vierte große Ausländsanleihe Japans ist, wie der Telegraph gemeldet hat, in allen drei Ländern, in der sie begeben wurde, England, Deutschland imb Amerika, mit an
geblich großem Eifer aufgenommen worden, was wohl der großen Regsamkeit der Emissionsbanken zugescbriebcn werden kann. Diese mühen sich natürlich nickst umsonst, denn die haute finonce verdient jedenfalls einen schönen Posten. Die Ansparmung des japanischen Anleihe-Budgets ist ziemlich stark. Die Banken hatten dabei, wie gesagt, anständige Gewinne erzielt: im Durchfckmitt verdienen sie 4 Prozent oder anf zweimal 600 Mill. Mk. 48 Mill.
Zweite
6°/,
12 6% 90V,7o
Verzinsung Emissionskurs
Erste
Kapital (je Mill. Lstr.) . 10
Vierte 30 47,7.
9O7o
Mark. Diese Ziffern sind weit stattlicher als solche von Vs bis 2 bis 3 Prozent, wie sie in Deutschland üblich sind. Der Voll- ftändigkcit wegen und in Ergänzung unserer früheren Tabellen fei hinzugefügt, daß sich die bisherigen Ausländsanleihen Japans' wie folgt vergleichen:
Dritte 30
47,7.
907.
. 93V 70 Erz-Kuxe.
Fernie. Angebot 3450, Nachfrage 3400. Ausbeuten und Zu-
baßen 1903: 225 • 1904: 300.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter bi'irr Rubrik stellenden Artikel übernimmt die Redattino b"rn Vublikum gegenüber keinerlei Verantworttrng.)
Gießen, 15. Juli 1905.
Wir haben mit Interesse bas Eingesandt bes Musikfrennbes gelesen unb möchten nicht verfehlen, benselben hiermit nochmals besonders zur Teilnahme an unserer Generalversammlung einzulaben, wie insbesonbere Alle, bie mit ber seitherigen Orbniing ber Dinge unznfrieben waren. Die Generalversammlung ist ia bazn ba nnb eS beruht auch bie jetzige Crbnung auf ben Beschlüssen ber vorjährigen Generalversammlung. Wir werben einen guten Besuch ber biesmaligen Versammlung, bie Montag, ben 17. bs. Mts. Abenbs pünktlich 8% Uhr ftattfinben soll, freubig begrüßen unb für jebe Anregung bantbar sein.
Gießener Konzertverein.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
PorauSsichtlichc Witterung in Hessen für Sonntag, ben 16. Juli 1905: Zunebmenbe Bewölkung unb später Gewitter, schwül Näheres t-nrch die Gießener Wetterkarte.
Tcmperatnr der Lahn und der Luft
ant 15. Juli 1905.
Nach Reanmur gemessen mittags zwischen 12 unb 1 Uhr. Wasser 17'/,°, Lust 16° R.
M n I le riebe Babe- unb Schwimmanstalt.
($)ri(iinaM>ratihnfföunaen.
Essen (Ruhr), 15. Juli. Die Stadtverordneten beschäftigten sich in mehrstündiger Verhandlung mit ben bekannten Anträgen des Oberbürgermeisters Zweigert zu Gunsten ber Bauarbeiter. Nach scharfer Debatte werden die Anträge mit 27 gegen 23 Stimmen einer sozialen Kommission überwiesen.
Essen (Ruhr), 14. Juki. (Amtlich.) Heute nachmittag 6 Uhr entgleiste eine Lokomotive, ein Packwagen und 17 andere Wagen des 100 lelabene Axen starken Zuges Nr. 8867 auf ber Güterzugstrccke Ueckenborf-Wattenscheib-Wanne, bei Posten 9. Schaffner Linbecken aud SpelSborf würbe getötet, ber Lokomotivführer unb ber Heizer würben leicht verletzt. Die Strecke ist etwa zwei Tage gesperrt. Der Güterverkehr wird durch Umleitung über bie Nachbarlinien ausrecht erhalten.
Bochum, 15. Juli. Die hiesige Polizei verhaftete ein polnisches Dienstmäbchen, bas ihr Kinb im Kornfeld erwürgte. Die Mörberin ist geständig.
Paris, 14. Juli. Deroulebe hat ber Patrioten» Liga mitgeteilt, baß er es ablehne, nach Frankreich zurückzukehren.
Madrid, 14. Juli. Der Mnnsterrat hat das Ent* lassungSgesuch des Finanzmintsters Urzaiz angenommen. Der frühere Ministerpräsident Villaverde ist schwer erkrankt. Als Nachfolger des Finanzministers wird Navarro Neverte genannt.
Wien, 15. Juli. Hier wurden acht lotlwutver- dächtige Kinder unb ein Erwachsener in das Pasteur- institut gebracht, die in dem mährischen Dorfe Bubschowitz von einem Hunde gebiffen worben waren.
Petersburg, 15. Juli. Hier wird gerüchtweise gemeldet, daß die Matrosen der Schwarzen Meerfiotte daS Linienschiff „Katharania II." am Donnerstag versenkten. Auch wird berichtet, daß es iu Warschau zu bluttgen Zusammenstößen zwischen dem littauischen Garde- reQi ment unbKosaken gekommen ist. Darnach habedaSlittanische Regiment durch eine Deputatian von acht Offizieren erklärt, daß es anf die Aufständischkn nicht mehr feuern werde, worauf diese Offiziere zum Tode verurteilt wurden. Das Regiment roejgette sich, die Strafe zu vollziehen, die Kosaken hatten die Offiziere getötet, seien aber sofort von dem Regiment uiedergemacht worden.


