Ausgabe 
15.7.1905 Erstes Blatt
 
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Nr. 164

tfOttei <e*tie außer Ccmntzig*.

tem Gießener Anzeiger »erben im Wechsel mit dem veMs-en Landwirt die Steßener Kamillen» Witter viermal in bet Woche beigelegt.

-Rotationsdruck a. Ver­lag bet Brühl ichen Uinverl^Buch-u. Stein» truderti. 9t Lang«.

Rekxfhon, ®rt*bttUm und tnamt:

Ocholfteaß« f.

Abreise iür Depeichm: Anzeiger Dietzen.

^ernivrnüanichluß Ar 61

Erstes Blatt.

155. Jahrgang

Samstag 15. Juli 1905

Gietzener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bei«lhret|t monatlich 76 viertel» iShrlich Ttt. 8.20; burch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Ps.; burch die Post Mk. 2. viertel» jährt. auSschl. Bestellg. Annahme von Anzet'O ,r die r, rSf a-mt« 5 do müt iqfl 4 1 tlix.

JcfermretS:

mr-iroärtl - 4 "il'j. Ber«ntwo>tt'<H Jut den poltt. imb i2 ,ei u Teil P. Wittko: für .Stobt und 2anb* und .DcrichtSlaal*: August Goetz, mr den An­zeigenteil HanS Beck-

Kie Heutige Kummer umfaßt 14 Seiten.

Die franzöiische Ämnestie

wäre beinahe in der Kammer gescheitert. Der Abg. Lasies hatte siech in leidenschaftlichen Ausfällen dagegen er­klärt und die Kammer vertagte darauf die Vorlage. Und es ist ja auch eine zweifelhafte politische Weisheit, die Freimaurer, die zur Verteidigung der Republik gegen die Iesuitenzöglinge im Heere über diese vertrauliche Auskünfte erteilten, in eine Reihe mit den Verschwörern zu stellen, die a n dem Sturz der Republik arbeiteten. Um die gemaß­regelten Generale, Offiziere und Professoren wieder in ihren früheren Stand einzusetzen, dazu bedurfte es keiner Amnestie und keines Sondergesehes, eine einfache Regierungs­verfügung genügte. Das haben die leitenden Stellen denn auch nach dem Kammerbeschlusse eingesehen, und der Justizminister hat jetzt dem Generalprokurator telegraphiert, daß a l l e v e r b a n n t e n P e r s o n e n, die in der Amnestie­vorlage genannt sind darunter befinden sich nicht sda'e Verschwörer begnadigt würden und daß deren Rückkehr nach Fran kreich nichts im Wege stehe.

Das im Amtsblatt veröffentlichte Begnadigungsdekret betrifft nur Döroulöde, Gus rin, Buffet und Graf Lur-Saluces. Weiter wird mitgeteilt, daß der Justiz­minister bei den Gerichtsbehörden Erkundigungen wegen weiterer Begnadigungen eingezogen habe und daß Anfang nächster Woche ein zweites Dekret veröffentlicht werden soll, betreffend die Begnadigung wegen Prestvergehens, Streik- belikten usw. Was die Disziplinarstrafen wegen der Denun­ziationen in der Armee anbetrifft, so ist ein Begnadig­ungsakt mit Schwierigkeiten verknüpft, da keine Präzedenz vorliegt. Wahrscheinlich wird trotzdem eine AnzahlOfsi- ziere begnadigt werden.

So ist also vorerst eine kleine Amnestie zur Tat ge­worden. Die Männer, denen sie ursprünglich zu­gedacht war, sind also zunächst allein begnadigt worden. Ueber Gußrin braucht man nicht viel Worte zu verlieren. Er ist der berüchtigte Held des Fort Chabrol" vom August 1899 und ein Geschäftsantisemit, der wegen Betrugs mit den Gerichten zusammengestoßen tvar und durch seine Teilnahme an royalistischen Volks- oufwieglungsversuchen zur Ehre einer politischen Verurteil­ung gelangte. Buffet, Sohn eines Senators, ist der Erb- freund der Orleans und war der Leiter der royalistischen Wahlorganisation. Er wird bei der Heimkehr nicht mehr Die frühere Partei wiederfinden, wenigstens nicht so bald. «Er hat sich bei seinen Umtrieben ertappen lassen, ehe sie »Erfolg hatten, und das verzeiht eine Partei nicht leicht. Sein Freund, der Graf Lur-Saluees, ist nicht viel mehr als eine Puppe in den Händen des begabteren Buffet. Der Antisemit und Poet Paul Döroulede hat in der kleinen Gruppe der Amnestierten allein einige Bedeutung und jeden­falls hat die Verbannung ihn in den Augen seiner Lands­leute vergrößert. Sie haben in Erinnerung an seine Dichter- taten in den Jahren der tiefsten Niedergeschlagenheit immer eine gewisse Schwäche für ihn gehabt, und der Leidens­zug, den mehrjährige Sehnsucht nach dem ihm verschlossenen Vaterlande seinem Bilde hinzufügt, verwandelte die Nach­sicht in Mitleid «umd fast zärtliches Wohlwollen. Wenn Ds- roulöde, was nicht ausgeschlossen ist, die Sentimentalität des französischen Volkes richtig zu behandeln weiß, kann er noch eine politische Rolle spielen. Umsomehr, als die Republik immer noch sehr wenige Persönlichkeiten hervor­bringt und ausgeprägte Charakter köpfe im öffentlichen Leben Frankreichs fortfahren, so selten zu sein, daß jeder einzelne die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zieht und dauernd festhält.

Buffet und sein Gesinnungsgenosse und Mitver­bannter Graf Lur-Saluces haben nun eine große Dummheit begangen. Buffet richtete aus Brüssel an den Präsidenten Loubet ein Telegramm, worin er erklärt:Durch die Amnestie stellt man uns gleich mit verabscheuungs würdigen Menschen. Das kann für uns nur eine Erniedrigung sein. Eine allge­meine Begnadigung stellt uns ebenfalls auf gleiche Stufe wie gemeine Verbrecher, was sie nicht minder erniedrigt." Buffet fügt hinzu, er werde noch in der Nacht, bevor die Begnadigung. in Kraft trete, nach Frankreich zurückkehren und der Regierung auf diese Weise Gelegenheit geben, gegen ihn wegen Verletzung der Verbannung vorzugehen. Es wird den beiden Herren nun wahrscheinlich aufs neue der Prozeß gemacht werden. Buffet soll übrigens bereits in Paris eingetroffen sein. Der Herr Graf richtete vorsichtiger Weise seine ähnlich lautende Erklärung cm einen Pariser Freund, mit der Bitte, sie an den Präsidenten weiter zu geben.

Das Komitee der Patriotenliga in Paris' aber hat einstimmig beschlossen, DSroulöde zu ersuchen, nack Frankreich zuruckzukehren, um sich seinem Vaterlande und der Politik zur Verfügung zu stellen. Seine Ankunft in Paris ist auch bereits für heute (Samstag) abend angekün- digt. Die Nationalisten luden ihren Anhang zu einer De­monstration für ihn nach dem Concordiaplatz ein. Der Matin" aber meldet aus San Sebastian in Spanien: Nach­dem Deroulöde die Nachricht erhalten hatte, daß das Parla­ment die Amnestie ablehne uno sich die Regierung darauf beschränke, eine allgemeine Begnadigung eintreten zu lassen, verweigerte er die Erklärung, ob er die Amnestie annehmen wolle oder nicht.

In den Wandelgängen der Kammer hieß es übrigens, zftorcel Habert fei entschlossen, den Abg. Lasies, der schuld am Scheitern der Amnestie sei, zum Dttell zu f o r __________ ________

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juli. Kaiser Wilhelm kondolierte dem Grafregenten von Lipve-Detnwld mit folgendem Tele­gramm :

Euer Erlaucht spreche ich meine herzliche Teilnahme an­läßlich des Hinscheidens Ihrer Frau Mutter aus. Wilhelm." An Stelle des bisherigen Re.ai'riingsvräs'd.'utcn in Wies­baden, Hengstenberg, der Unterstem tssckrctär im Swatsministcrium wird, ist der bisherige Vortragende Rot im Ministerium des In­nern Dr. v. Meister (früher Landrat in Homburg) zum Re­gierungspräsidenten in Wiesbaden ernannt worden. Die diesjährige Informationsreise der Zentral­stelle für Arbeiterwohlfahrtseinrichtungen wird vom 4. bis 14. September unternommen. Die Hauptpunkte dm Reise sind Göttingen, Kassel, Frankfurt n. M., Worms, und Ludwigshafen.

Zu den gestrigen Erklärungen Lansdownes im engl. Oberhause in betreff der Marschall- und Karolinen- Jnseln ist zu bemerken, daß die deutsche Regierung bereits die R e s o r m b e d ü r f t i g k e i t der dortigen internatio­nalen Handelsverhältnisse ausgesprochen Hot. Durch den Vertrag mit der deutschen Regierung war die Jaluit- Gesellschaft durchaus berechtigt, eine Monopolstellung in irn fraglichen Gebieten einzunehmen. Da sich aber im Laufe der Zeit Unzuträglich-keiten ergeben haben, wird zu einer Revision des Vertrages geschritten werd"n. Mahrschnnlich wird die Ver­waltung an die deutsche Regierung übergehen. Gewisse Zoll­erleichterungen sind von der Reichsregierung, unabhängig von dem Abschluß eines neuen Vertrages, vom 1. Oktober d. I. ab in Aussicht gestellt. Hierdurch dürfte bereits eine Reihe von Schwie­rigkeiten beseitigt fein.

Für das Proportionalwahlrecht schwärmt bic Sozialdemokratie nur da, wo sie von diesem Wahlsystem für sich Erfolge erhoffen kann. Wo jedoch die Sozialisten in der Mehrheit sind, da wollen sie von der Verhältniswahl nichts wissen. Das zu beobachten fand sich bei den jüngsten Unterabteilungs- Wahlen des Düsseldorfer Gewerbegerichtes 6>elegen- heit, in dem die Beisitzer christlicher Richtung eine sehr bedeutende Minderheit aufweisen. Der Antrag, mm auch diesr Minderheit in den Unterabteilungen eine entsprechende Vertretung zu _ be­willigen, wurde cvbgelehnt und in den Ausschuß nurGenossen" gewählt.

Braunschweig, 14. Juli. Dem Rcichstagsabg. v. Damm, der unlängst eine Mresse betreffend die T h r o n f o l g e f r a g e in Braunschweig dem Reichskanzler zustellen ließ, machte Geheimrat Loebell die Mitteilung, daß der Reichskanzler die Mresse nicht zu beantworten beabsichtige.

Stuttgart, 14. Juli. In der heutigen Sitzung der V e r- fmssungskommission wurden zunächst die Artikel 12 bis 17 des Entwurfes unverändert angenommen. Die Mitglieder der R i t t e r s ch a f t können danach auch durch das allgemeine Wahlrecht sich in die zweite Kammer wählen lassen, doch kann niemand gleichzeitig Mitalied beider Kammern sein. Die Beschränkung, daß Vater und Soh.' nicht gleichzeitig Mitglieder der Ständeversammlung sein können, wurde aufgehoben. Die Stcmdesherren und die bisherigen erblichen Mitglieder der ersten Kammer, im Falle sie durch Krankheit oder andere Verhältnisse, über deren Vorhandensein die erste Kämmer zu entscheiden hat, verhindert sind, den Sitzungen beizuwohnen, können sich durch ihre präsumtiven erbberechtigten Nachfolger (dlgnaten) vertreten lassen. Artikel 26 behandelt das Budgetrechtbeider K am - m e rn. Der Entwurf beläßt es im allgemeinen bei dem bisherigen Recht, nur wird bestimmt, daß in der Beratung des Etats, wenn sich die erste Kammer für Dlbänderung eines von der zweiten Kammer gefaßten Beschlusses erklärt, die zweite Kammer den G genst nd ein?r no "mKigeu Beratung und Beschlußfaf'ung zu unterziehen hat. Wenn hierbei die zweite Kammer einen von demjenigen der ersten Kammer abweichenden Beschluß faßt, so gilt ihr Beschluß als Beschluß der Ständeversammlung. Nur wenn die erste Stimmet den Etat im ganzen ablehnt, erfolgt Zu­sammenzählung sämtlicher bejahenden und verneinenden Stimmen. In der Nacknnittagssikung wurde der Antrag der Ritter auf Er­weiterung des Ausgabebudgetrecbts der ersten Kamrner abgelehnt unb Artikel 26 nach dem Entwurf unter Streichung eines Satzes über die Gleichberechtigung beider Kammern bei der Aufnahme von Anleihen und Veräußerungen von Bestandteilen des Kammergutes angenommen. Die erste Lesung ist damit beendigt.

München, 14. Juli. Eine Zusammenkunft des Kai­sers mit dem Prinzregenten Luitpold ist für den Herbst geplant. Der Prinzregent wird Ende August oder Anfang Sep­tember nach Nürnberg zur Enthüllung des Kaiserdenkmals reisen und dort bei dieser Gelegenheit mit dem Kaiser Zusammentreffen.

Ausland.

Stockholm, 14. Juli. Gestern wurden die Ratifikationen des zwischen Schweden und Norwegen einerseits und der Schweiz andererseits am 17. September 1904 abgeschlossenen Uebereinkommens betreffend obligatorische Schiedsgerichte ausgewechselt. _

Karis, 14. Juli. Nach Beendegrurg der heutigen Truppen­schau bei Longchamps fand heute beim Präsidenten Loubet ein Frühstück statt, an dem die Minister und die Offiziere des eng­lischen Geschwaders teilnahmen.

Wien, 14. Juli. Das Herrenhaus nahm den Handels­vertrag mit dem Deutschen Reiche, sowie das Ermäch­tigungsgesetz betreffend die provisorische Regelung der Handels­beziehungen mit der Schweiz und Bulgarien an.

Antwerpen, 14. Juli. In der hiesigen deutschen Kolonie tritt mit größter Bestimmtheit das Gerücht auf, Kaiser Wil­helm werde gelegentlich der Anwesenheit des Linienschiffes ,Ltirl der Große" Antwerpen einen Besuch abstatten.

Meue Kewatttaten in Rußland.

Der Negierungsbote meldet offiziell, daß in der Stadt Grodno revolutionäre Unruhen ausgebrochen seien. Strei­kende Arbeiter veranstalteten eine regierungsfeindliche Demon­stration. In der Nikolajewskaja wurde auf den durchfahren­den Polizeimeister Gubski eine Bombe geworfen. Dieser, mehrere Schutzleute und drei Paffanten wurden ge­fährlich verwundet. Nach der Explosion strömten auS allen Seitengaffen Arbeiter herbei, die auf die herbeieilenden Kosaken und das Militär Revoloerschüsse abfeuerten. Da? Militär jagte die Demonstranten auseinander. Bei dem Zu­sammenstoß wurden viele Arbeiter und Soldaten verwundet.

Im Keller eines Hauses in Moskau, inmitten des be­lebtesten Stadtviertels, explodierte eine Bombe. Drei Personen, die sich zufällig in dem Keller aufhielten, wurden in Stücke gerissen. Der ganze Keller und die darin befindlichen Gegenstände sind vollständig demoliert. Man vermutet, daß sich im Keller eine geheime Bomben-

Werkstatt befand und daß ein Attentat gegen den jetzt in Moskau fich aufhaltenden General Trepow vorbereitet werden sollte. In der Stadt zirkuliert das Gerücht, daß Trepow viele Drohbriefe von der revolutionären Partei er« halten habe.

Aus Riga wird gemeldet: Ein großer Transport revo» lutionärer Schriften, der aus dem Ausland per Schiff ange­kommen war, wurde hier abgefangen und sein Führer ver­haftet. Der Zollaufseher, der den Weitertransport der Schriften gewaltsam verhindern wollte, wurde dabei von zwei jungen Leuten durch Nevolverschüsse schwer ver­wundet und starb bald darauf. Die Täter blieben un­entdeckt. 9lußer literarischen Schriften enthielten die zahl­reichen Ballen noch 150 Kgr. Proklamationen, die alle in der Schweiz gedruckt und unterzeichnet sind: ^Sozialdemo­kratische Bibliothek Nr. 32". Die Proklamationen sind in drei Sprachen abgesaßt.

In den Arsenalen von Odessa und Libau wurden Blassendiebstähle von Gewehren und Patronen entdeckt.

In Warschau trafen zahlreiche Flüchtlinge aus Minsk ein, wo die Situation sehr ernst ist. Demonstrationen und Ausschreitungen nehmen dort einen immer verderblicheren Charakter an.

Sämtliche Angestellten der Warschau-Wiener Bahn faßten einhellig den Beschluß, vom 15. ds. an die polnische Sprache als Dienstsprache zu benutzen und polnische Inschriften einzuführen. Wenn die Behörde sich der Aus­führung des Beschluffes widersetzt soll eventuell die Arbeit niedergelegt werden.

Die Nowoje Wremia veröffentlicht Einzelheiten über den Mörder Schuwalows. Er stammt aus Sibirien, war Lehrer von Beruf und als solcher in Petersburg tätig. In Tomsk wurde er wegen politischer Umtriebe kompromittiert. Bei der Verhaftung gab er an, Mitglied der KampfeS- organisation der revoluttonären Partei zu sein. Graf Schuwalow habe auf der Liste der zum Tode Verurteilten^ gestanden.

Der Minister des Innern, Bulygin, begab sich nach Peterhof, um den Entwurf der Volksvertretung vom. Zaren sanktionieren zu lassen. Gleichzeitig soll auch entschiede werden, ob der Zar die Einberufung der Volksvertretung am 29. ds. persönlich in Moskau ankündigen wird, wag nach der Ermordung Schuwalows nach unbestimmt ist.

Wie verlautet, steht die Amnestierung einer großen Anzahl politisch kompromittierter Persönlichkeiten bevor.

per Krieg.

Petersburg, 14. Juli. (PeterSb. Tel.-Agent.) General Linewisch telegraphiert unter dem 13. ds.: Nach einem vom 12. Juli datierten Bericht des Generals Liapunom hatte eine unserer Abteilungen in der Nacht vom 10. zum 11. ds einen Bajo n ettkampf mit beträchtlichen femd-< lichen Streitkräften zwischen gelang und Wladimirowka auf Sachalin.

London, 14. Juli. Die Blätter veröffentlichen PeterS» burger Meldungen des Inhalts, daß Witte absolute Vollmacht habe zum völligen FriedenSschluß. Nur unter dieser Voraussetzung habe er eingewilligt, nach Washing- ton zu gehen. Die englische Presse begrüßt Wittes Ernennung, als günstiges Zeichen dafür, daß Rußland wirklich beabsichttge, sich mit Japan zu verständigen.

___!-_________!

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Juli 1905.

" Personalien. S. K. H. der Großherzog habe«^ den evangelischen Pfarrer Supp es zu Ilbeshausen, Dekanat! Lauterbach, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen und treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom 1. September 1905, in den Ruhestand versetzt.

** Die Oberhessische Gesellschaft für Nature und Heilkunde hält Dienstag, den 18. d. Mts., abendSi 8 Uhr, int Hörsal des zoologischen Instituts eine Sitzung,' wobei Privatdozent Hartmann über Bau und Ent­wickelung der pathogenen Spirochaeten (mit Demonstrationen) sprechen wird. Gäste sind willkommen.

** Feuerwehrfest. Am Freitag abend fand auf dem Festplatze nochmals eine Probe der Paradeaufstellung beider Feuerwehren statt, ebenso in der Festhalle die Haupt­probe der Gießener Gesangvereine. Auch die Turner hatten auf dem Platze Pyramidenprobe. Die Wehren werden am Sonntag vormittag in Stärke von 300 Mann mit 12 Fahrzeugen zu Parade und zum Brandangriff er­scheinen. Der Sängerchor ist über 200 Mann stark, wozu noch das 42 Mann starke Orchester kommt. Die gestrige Probeveranstaltungen hatten eine ungeheuere Menschenmenge auf den Festplatz gelockt. Ueber den Omnibus-Ver­kehr während des Festes wird uns Folgendes mtb geteilt: Des Feuerwehrfestes wegen wird die Omnibus-Linie C nach dem Schiffenbergerwald am kommenden Sonntag ganz eingestellt. Zwischen Festplatz und Bahnhof verkehren Sonderwagen nach Bedarf, außerdem wird die Linie B während der Festtage über WestanlageNeustadt durch die Bahnhofstraße gefahren. Fahrpreis 10 Pfg.

** Der Theater-Kinematograph Fernando hat sich auf dem Festplatz unserer Feuerwehren nieder« gelaffen, um während des Festes allen Neugierigen beson-