Ausgabe 
14.11.1905 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Christiania, 13. Noo. Bis 10 Uhr abends lag daL Ergebnis der Volksabstimmung auS 340 Wahlkreisen vor. Danach stimmten 167 431 mit Ja und 41 226 mit Nein. In Christiania wurden 24 027 Stimmen mit Ja unk 5960 mit Nein abgegeben. So ist denn der Sieg ber; Monarch! st en überwältigend.

London, 13. Noo.Daily Telegraph* meldet auS Tokio: Der frühere Präsident des Abgeordnetenhauses 9) o n o, der hauptsächlichste Sprecher in der letzten Versamm­lung, in der gegen den Friedensschluß Einspruch erhoben wurde, ferner Abg. Otaka und die bedeutenden Politiker Pamada und Ogawa sind verhaftet worden unter der An'chuldrgung, sich an den in letzter Zeit stattgehabten Nuhe- üörungen beteiligt zu haben. Auch die Vereinigten Staaten sowie Deutschland und England haben ihre hiesigen Gesandtschaften zum Range von Botschaften er­hoben. Admiral Togo soll mit einem Geschwader England besuchen, wahrscheinlich Ende März. Ein halbamtliches Blatt, derKoklimin", meldet, der Kaiser von Rußland werde, um bessere Beziehungen zwischen Rußland und Japan herzustellen, binnen kurzem den Großfürsten Alexander Michajlowitsch nach Japan entsenden; in gleicher Mission werde ein japanischer königlicher Prinz, nach Rußland entsandt.

Budapest, 13. Nov. Tie koalitionsfreundlichen Stu­denten hielten beute nachmittag eine Versamuilung ab, in der über den Universitätsrektor und alle Verteidiger, desselben unflätig geschimpft und dem relegierten|

14. November 1905

Dienstag

Erstes Blatt.

Nr. 208

Die lieutiqe '5Tuirxner vmfaßt 10 Säten.

Eros'en-Lindeu Leun

Vetters

Alle Auslagen werden von uns ersetzt.

155. Jahrgang

Die Landtaaswahlen.

grtirßnifle der WalrlmännerwaHten.

Unsere Mitarbeiter und die Freunde unseres Blattes ersuchen wir, uns tunlichst schnell telegraphisch, telephonisch (Tel.-Nr. 112) oder mittelst Postkarte von dem Ergebnis der Wahlmännerwahlen in ganz Oberhessen Mitteilung machen ;a wollen, und zwar bitten wir, das Wahlergebnis etwa in folgender Fassung einzusenden:

y-zogSpret», monötucb 7b IM., otertri* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zwelgstellm monalhd) 6o Pl.; durch dieVostwrr.2.v'enel- .abrL misschl. Bestell g. Annahme von Anzeige» ür Die Iaae4nummet i# vormittags 10 Uhr. eücpteiS: lokal 12 Pf^ uöwänS 20 Pig.

eri lworlttch Hbc oe. poltt und a tigern» Teil. P. fflhttfo; tüt .Stadt und Land* und ©cndjislaal*. Ernst Heß. tür den An- xciacnteü: vanS Beck.

Mlfes

>sen und Umgegem »n jrau Dr. HerlM h Slez i°hr euipub.r öroschure:

bietet bet Konti; i bet StbeitetjM, KtmunieietibeitQulsiz Mughedn graus ab. e»ipiehlen dieselbe ; ren Beachtung uub bi? ztzamvendung baiauL ganz besonders vem idielLeue des Umchi.

außer TonniaaS. Dem siebener Anzeiger iverden un Wechsel mit dem Hessischen Landwirt bte ®lef,cner Kamillen» blätter viermal in der

Woche beigelegL Nolanonsdruck u. Ver­lag her Brüh loschen llmveri.-Buch-u. 8ietn- bruderet. R. Gange. JUbafnon, Erveduum nnh Tmcfeiei:

LMnl st ratze 7.

iRehaftion 112

Verlag u.Erved.^SSöl ilhicfie für Teveichen:

Anzeiger Stletzen.

Ans Vie Scharnen!

Nach Verfassung und verbrieftem "'echt hat der hessische Staat burqer morgen, Mittwoch, in der Hälfte sämtlicher hessischen Orte seinen Willen darüber kundzutnn. wie er die Politik in feinem Daterlande gerichtet wissen mochte.

Wer den Wun'ch hat. da": Landwirtschaft, Industrie, Handel tinb Verkehr gedeihen und den nationalen Wohlstand mehren unb verbreiten wer will, dah in demselben Mabe das Los der pirtschaftli > Schwachen gebessert werde, der wähle nicht den sozialdemokratischen, sondern den bürgerlichen Kandidaten.

Was aber vor allem ub-rwnnden werden mutz, sind Träg­heit, Lässigkeit und politische ireiß^eit, die Feinde jedes Strebens. Wer nichtwählt, entrechtet sich selbst und entäutzert sich der Bnrgerebre, die das Gesetz ihm zucrkennt. Mer nicht wählt und die Muhen und Sorgen nm das Wohl des Vaterlandes, das auch lein Wohl ist, anderen überläßt, ent­würdigt sich vor sich selbst und macht sich verächtlich tur seinen Mitbürgern.

Es ist Gefahr im Verzüge. Es wachsen die Heerhauftn der äutzerslen Linken. Alle Anhänger der bestehenden gesell- sftaftlichen Ordnung haben die Pflicht, in den Kampf zu ziehen, denn die Gegner sind über die Matzen rührig. Nur dann kann d r Camvf siegreich bestanden werden, wenn jeder tut, was seine Schuldigkeit ist gegen sich und das Vaterland. Auf, Bürger und Bauern, zur Wahi, auf die Schanzen!

Die Wähler im Wahlkreis Gießen-Land, in 6iem die Sozialdemokraten eifrig an der Arbeit sind, sind vor diie Entscheidung .gestellt, ob sie von einem A n q e st e l l t e n einer unerfüllbaren Zielen nachjagenden Partei B-ertveten sein wollen, der, falls er gewählt würde, im Land­tage lediglich dieFreiheit* hätte, den Weisungen der Parteioberen zu folgen, oder von einem im Be- zirke ansässigen und wohlbekannten unab- ö 5 ngigen Bürger, der mitten im praktischen Leben steht ii nb nur das verspricht, was er auch halten kann.

In weiten Kreisen hat man sich bereits entschieden, alle bürgerlichen Richtungen haben sich für die Wiederwahl LeunS entschieden, und selbst in Wi eseck, wo man vor 6 Jahren überhaupt nicht in den Wahlkampf eintrat, ist dies- imal mit frischem Mut der Kampf ausgenommen worden. In Kl ein-Linden hat die Sozialdemokratie zu einer ,Vcr° famm(ung* ganze sechs Mann zusammengetrommelt, vor denen dann der Kandidat sein Programm entwickelte. Wohin bi? Reise auf jener Seite geht, zeigt so recht deutlich eine am Sonntag in Watzenborn abgehaltene Versammlung, in der .Genosse" Häuser ganz offen seine Partei als repu- b litauische bezeichnete. Da(Senoffe* Häuser wohl selbst nicht glaubt, daß die sozialdemokratische Endsorderung einer Republik sich kurzerhand durch einen Beschluß verwirklichen lassen wird, hätte er doch besser gleich auch den Weg an­gegeben, auf dem die Sache gemacht werden soll. Vielleicht den russischen, der über Blut und Leichen führt? Be- zeichnend für die Achtung, die man auf jener Seite der lieber« zeugung Andersdenkender entgegen bringt, ist die Aeußerung eines sozialdemokratischen Wählers aus Steinberg über einen eifrigen Anhänger der bürgerlichen Sache in Watzen- Lorn:Wenn wir den in Steinberg hätten, würden wir ihn schon maßregeln". Als bürgerliche Wahlmänner sind für Watzenborn-Steinberg Jobs. Schäfer II., Gg. Harnisch V. tolb Jak. Burck VI. ausgestellt.

Da noch immer behauptet wird, Abg. Leun sei Gegner »es direkten Wahlrechts, drucken wir nachstehend das Resultat der letzten Wahlrechtsabstimmung au§ dem amtlichen Ljarnrnerprotokoll ab.

Mit ja stimmten über den entscheidenden Artikel 4, ber die birekte Wahl vorsieht, am 1. Juli 1904, die Abgeorbneten Adelung, Bähr, Berthold, Brauer, v. Brentano, Buff, Cramer, David, Diehl, Erk, Frenay, Gutfleisch, Hauck, Häusel, Hirschel, Horn, Joutz, Köhler, Korell, Lang, Lrun, Molthan, Müller, Strack, Orb, Pennrich, Pitthan, Reh, Rizzer, Schill, Schlenger, Schönberger, Senßfelder. Stögler, Ullman n, Weidner, Windecker, Wolf, Ulrich, Schmalbach, Reinhart, Schmitt, Haas. Dagegen stimmten nur vier Nationalliberale aus Starkenburg unb Niheinhessen.

lieber eine gestern in Lollar abgehaltene Wähler- Versammlung geht uns folgender Bericht zu: Die Wähler- voersammlung der bürgerlichen Parteien, zu der am SamStaa bourd) die Ortsschelle eingeladen worden war, war sehr gut boesuckt Auch eine größere Anzahl Sozialdemokraten war ainroejenb. Nachdem ber Kandidat ber bürgerlichen Parteien,

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Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen

indem sie eine heftige Proklamation unter ihren Lesern verbreitete Diese Proklamation forderte alte ehrlichen? Nüssen auf, sämtliche Juden totzuprügeln, auch den Grafen Witte Ivie einen .Hund totzuschießen.

Aus Kischinew traf bte Nachricht ein, daß der a n t i *, semitische Führer K rusche man bei einem der letztes Zusammenstöße in Petersburg erschlagen worden fet

In Darmstadt hat sich ein Hilfskomitee zur Unter­stützung der jüdischen Opser in Rußland gebildet, dem bereit-) über 10 000 Mk. an Beiträgen zugeflossen sind.

Tie Alliance Jsraelite Univers. hat in Paris 500000, Francs für die Opfer der Judenverfolgungen gesammelt., Ter amerikanische Milliardär Carnegie gab 10 000 Doll.- für die bedrängten Juden in Rußland.

Aus Kronstadt wird gemeldet, daß die Revolte« endlich beendet sind. Es werden jetzt interessante Einzeln feiten von der Meuterei bekannt. Tie Marineoffiziers haben mit wenigen Ausnahmen eine jammervolle Rolle während der ganzen Straßenkämpfe gespielt. Sie zeigten weder Mut, noch den Willen, gegen die meuternden! Matrosen einzuschreiten und waren darauf bedacht, ihre eigene Haut zu schüsten. Ter Hafenkommandant Ge^ narelleutnantOstelctzti verlor derart den Kopf, daß er sich in seiner Wohnung verbarrikadierte. Ter Festungskommandant, Generalleutnant Bzela- jew, hatte sich ebenfalls in seiner Wohnung ein ge­schlossen und vor dein Hause Maschinengewehre, sowre eine starke Wache ausgestellt. Ein älterer Offizier erschien im Stabsgebäude in einem fo fürchterlichen Aufzuge, daß man ihn für einen Strolch hielt und verhaften wollte. Nur die Angst, sich in Uniform zu zeigen, hatte den Offizier; zu dieser Verkleidung veranlaßt.

Wie aus Kronstadt berichtet w'rd, wurden mehrere Offi^ ziere vom Kriegsgericht wegen Feigheit zum Tode verurteilt und standrechtlich erschossen.

Aus Kischinew toitb berichtet, daß die tm Gefängnis Inhaftierten verlangten, auf Grund des Amnestieerlasses in Freiheit gesetzt zu werden. Als ihnen dies abgeschlagen wurde, begann eine Meuterei unter ihnen. Sie brachen aus dem Gefängnisse aus unb steckten dasselbe in Brand. Herbeigerufene Truppen gaben mehrere Salven auf die Meuterer ab, wodurch 30 von ihnen getötet wurden.

Ein Berichterstatter in Ovett al telegraphiert, daß eint Versammlung auf einem großen öffentlichm Platze einen; blutigen Ausgang nahm. Einige tausend Personen hotten- sich versammelt, um politische Reden über die jetzige Lag? in Rußland zu hören. Tie Versammlung verlief vollständig; ruhig, als plötzlich Kosaken heransprengten, um die Seil* nehmer auseinanderzujagen. Sie gaben sofort mehreres Salven ab unb ritten bann in bie fliehenbe Menge hinein.! 5 00Personen würben auf ber Stelle getötet, darunter^ viele Frauen.

In ben Gruben und Fabriken von Tombrowaj (Polen) hat sich bie Situation sehr verschlimmert. Viele; Polizisten sinb getötet. Eine Arbeiter-Miliz sucht jetztj bie Orbnung aufrecht zu erhalten. Ein bisher im Geheimen, verbreitetes' Arbeiter-Organ erscheint jetzt öffentlich. In derj Umgebung von Kutno sinb Bauernunruhen auS-ge» brochen.

In Odessa erregt die vom Stadthauptmmm Baron Neidhari erhobene Anklage, baß bie Unruhen durch den populären Pros. S ch t e p k i n, Vertreter des Stadtkomitees, verschuldet seien, große Entrüstung. Der Professor wird den Baron Neid hart wegen dieser D-zichtigima vor Geriet belangen. Eine Versammlung von Päda­gogen beschloß, an Witte zu depeschieren, daß, solang« nicht die Polizei der Stadtobrigkeit unterstellt und eine Stadtmilizj organisiert sei, der Unterricht in den Mittelschulen nicht aufc ausgenommen werden könne.

Sämtliche zwischen Memel unb Peterhof stationiertes deutsche Kriegsfahrzeuge unb ber Turbinenkreuzers ^übeef7', sowie bie Hvchseetorpeboboote sind nach ftieli zurückgekehrt.

Sämtliche Häuser Rothschilb unb bie anterifani* scheu Bankhäuser haben befinititt bie Uebemahme der neuen russischen Anleihe abgelehnt.

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WM gejucht. - Schriill. tu )öä2 a. d, Giek. Auz.

leiderinB duser bem hauie. Mheres VWity/L tti Gem» a) mit vielmH-' proJahrzuvM^i- ».GeichäilssleUed.Ls^ gcg u Herr» z°mt- ausgesprochenc titii gen nehme ich hiri- uvahr zurück. F jen, denS.Rovbr.l!'- _ Krau Sarl LluM W iark uno Dbjdt an etfl & ehmen gejuÄl.

M. Angebote unter 0^- n G,ebener AnzeM^ ent abend ist im M®; er mW ©orten e,r rftänber neben bem Ak. schirm vcrtanjch-- 'jltfieiäter wirb gebeten,- SburflllobBt

Bürgermeister Leun von Großen-Linden, sein mit Beifall aufgenommenes Programm entwickelt hatte, suchte der Kontrolleur der Gießener Ortskrankenkasse, Beckntann, seine Ausführungen zu widerlegen. Er empfahl, einen Mann zu wählen, ber für baS birekte, gleiche unb geheime Wahlrecht ei. Abg. Leun antwortete hierauf, baß er bereits am 1. Juli 1905 für baS birekte Wahlrecht gestimmt Habe unb dies auch fernerhin tun werbe. Im Ucbrigcn habe ja Hessen bereits baS gleiche und geheime Wahlrecht unb er werbe unter allen Umflänben daran festhalten. Herr Bechmann bestritt hierauf, baß in Hessen baS gleiche unb geheime Wahlrecht bestehe, mußte sich aber von Herrn Leun eines besseren belehren lassen mit bem Hinweis, baß man zwar in Preußen bas mündliche Abstimmungsverfahren habe, nicht aber bei unS in Hessen. Die Versammlung nahm einen ruhigen sachlichen Verlauf unb bie beiden Redner wurden ohne Zwischenrufe angehört.

5>er Zar und hu ßreiqnisst in Pußlauh.

Bei ber allgemeinen Beachtung, die sich den Ereignissen in Rußland zuwcndct und bei der Beurteilung, die hierbei der Persönlichkeit des Zaren Nikolaus II. zuteil wird, dürfte es nicht ohne Interesse sein zu lesen, welches Bild M. William R. S t e a d, der Herausgeber tton The Review of Reviews, in der letzten Nummer seiner Revue unter dem TitelTer wahre Zar" von dem Herrscher Ruß­lands entwirft:

Ich glaube," schreibt er,ber Eimige gewesen zu sein, ber seit Fuhren behauptet, daß ber Zar ein Mann von einer hohen Intelligenz ist, der die Dinge in einer einbrmgenben Weise beurteilt und ber zugleich von einer außerordentlichen Gewissenhaftigkeit geleitet wird. Allerdings hatte ich es leichter mir ein Urteil über ben Zaren zu hüben, da es mir vergönnt war, mit ihm mich zu dreien Malen in Privataudreuz zu unterhalten, ein Vorzug, dessen sieb nir't alle bieiemgen rühmen können, die ihn verleumden. Ein Mitglied der Depu­tation, die bem Zaren die Adresse bet Sernstwvs überbrachte, Graf Hehden, hat aus seiner Uebcnafdning kein Hehl gemaart, den Zaren so intelligent und klaren Geistes, so s'".npath.sch und so geneigt zu finden, die Wahrheit ohne Umschweife zu hören. Ein englischer Offizier sagte mir, nachdem er die vorige Woche zur Tafel in Peterhof geladen gewesen war, daß, ttod allem, was ich ihm vorher gesagt hätte, die Unterhaltung mit Nikolaus II. für ihn positiv eine Enthüllung gewesen wäre; ich hatte leine Ahnung, daß er ein solcher Mann sein könne". Eine ähnliche Enthüllung erwartete den amerikanischen Botschafter, als er zum ersten Male in besonderer Audienz vom Zaren empfangen wurde. Zunächst befand er sich einem Herrscher gegenüber, der vor allem ein Gentleman war und der deshilb einfach, klar und frei als Mann zu Mann sprach. Sodann anstatt eine schwache, nervöse und reizbare Persönlichkeit, gebiwchen durch TodesbedvoHungen und die ftirchtbaren Schläge des Krieges, vor sich zu hiben, sah er sich einem Manne gegenüber, in vor­trefflicher Gesundheit und von v o l l st ä n d i g e r G e i - stesruhe, der die Lage, wie ein Staatsmann es tun soll, mit kaltem Blut und vernünftigem Sinn überschaute. Und drittens stmd er einen Monarchm. der sein Gewissen über alles stellte und der ohne Phrasen und Beteuerungen ersichtlich -nur eines fürchtete: nicht seiner Pftickst gemäß zu handeln unb etwas zu tun, was seinem Lande Unehre brachte!"

Tie Residenz des Zaren wird am 16. November nach Zarskoje Sselo verlegt.

Ter frühere Vizepräsident der Kuvstakademie, Graf Tolstoi, ist zum Un terrich tsmin i ster ernannt.

Tie größte Ueberraf chung rief die in Rußland nock) nie dagewesene Tatsache ber Berufung eines Juden, Abrahamson, zum H a u p t a d m i n i st r a t o r der Südwesteisenbahn hervor an Stelle des zum Mi­nister für Verkehrswege ernannten bisherigen Direktors Nemeschajew.

Trotzdem aber nehmen die Judenverfolgungen ihren Fortgang. TieRufs. Korresp." meldet folgendes aus Nowaorod-Siewersk: Sämtliche jüdische Ge­schäfte und Wohnungen hier und in Karalewitz sind vom Pöbel und der Polizei drei Tage lang ausge­raubt und vernichtet worden. Hunderte von Juden sind ermordet oder schwer verwundet, Kinder, Frauen und Greise grausam gemartert. Tau­sende sind obdachlos, Scl)werverwundete dem Hunger und der Kälte ausgesetzt. Tie beiben Orte liegen im Gouverne­ment Tschernigow, wo jetzt auch große Bauernunruhcn aus­gebrochen sinb. In ben beiden benadjbarten Städten wohnten ungefähr 6000 jüdische Familien.

In Warschau feuerte Militär auf eine israelitische Selbstverteidigungstruppe. Neun Personen wurden ge- tötet. Ein Regierungskommunigue macht bekannt, daß die Anwendung ber Konstitution im Königreich Polen bis zur Beruhigung bes Laubes fiftiert wird.

Ein Korrespondent in Odessa telegraphiert, daß die Juden in Südruß land ihre Heimat verlassen, um nach England und Amerika auszuwandem. 10000 Juden ver­lassen das Land jeden Tag. Viele Städte, darunter Odessa und Kischinew werden förmlich enwolkert. In sehr vielen Fällen geben die Juden gutgehende Geschäfte auf, um eine neue Existenz unter ben ungünstigsten Bebmgungen un Aus- lanbe zu begrünben.

Uebereinftimmenben Meldungen zufolge ist bie Juden- Stabt Calarasch in Bessarabien vollständig eingeäschert. Aker man, wo gleichfalls große Judenunruhen ausge­brochen sind, steht in Flammen. Aus I e ka t e r i n o s l a w wird gemeldet: Währenb der dreitägigen Jubenhetze wur­den zerstört 122 Buden, 54 Magazine, 40 Wohnungen, 50 Häuser sind niedergebrannt, 70 Juden und 25 Christen ge­tötet.

Ter R orresvonbent des Londoner ,,Daily

Telegrax inere Anschuldigungen gegen Maxim

Gorki. neue Zeitung, welche Gorki herausgibt, habe dem Antisemitismus einen großen Di en ft geleistet.

General-Anzeiger