1— Gegenüber der von bent römischen Blatte „Patrick verbreiteten Meldung, Prinz Max von Sachsen sei von dem König Friedrich August mit einer Mission an den Papst in der Angelegenheit der Gräfin Montignoso betraut, ist das ,Chem. Tagebl." in der Lage, zu versichern, daß der sächsischen Regierung auch nicht das geringste von einer solchen Mission bekannt ist. Da es völlig ausgeschlossen ist, daß Prinz Max die Absicht haben könnte, ohne einen Auftrag mit dem Vatikan wegen der Gräfin Montignoso zu verhandeln, >so muß die Vermutung des römischen Blattes als gänzlich unbegründet bezeichnet werden. — In der Affäre werden "weitere Ermittelungen aufs neue stattfinden zwischen dem Justizmimster Dr. Otto und dem Leipziger Rechtsanwalt der Gräfin, Dr. Zehme. Justizrat Körner hat wegen in der Presse gegen ihn erhobener Vorwürfe Disziplinär -Untersuchung gegen sich beantragt. In der Misterratssitzung wurde jedoch das Gesuch ab gelehnt. Wie weiter berichtet wird, ist die Sperre der Apanage der Gräfin Montignoso noch nicht aufgehoben. Die freiwillige Herausgabe dec Prinzessin Anna Monika an den Dresdener Hof steht unmittelbar bevor. — Wie der Dtsch. Tagesztg. aus guter Quelle mitgeteilt wird, hat die G r ä f i n G u i c c l a r d i n i Ehescheidungsklage gegen ihren Gatten wegen seines Verkehrs mit der Gräfin Montignose angestrengt.
* Das eigene Kind gekocht. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich in Siemlanowitz (Westpreußen). Eine dort wohnende Frau badete ihr zweijähriges Kind. Da sie etivas vom Kaufmann holen wollte, stellte sie, um das Wasser warm zu halten, die Badewanne mit dem darin sitzenden Kinde auf die Mitte des Küchenofens, in dem anscheinend ein schwaches Feuer brannte, auf das sie aber kurz zuvor frische Kohlen gelegt hatte. Unterwegs ivurde die Frau von Freundinnen in ein intereffantes Gespräch verwickelt, sodaß sie Kind und Badewasser vergaß. Als die junge Mutter nach etwa einer halben Strmde in die Wohnung zurückkehrte, erwartete sie ein schrecklicher Anblick: das Waffer in der Badewanne siedete, und in ihm lag das Kind — buchstäblich gekocht — als Leiche.
* Aus Freiburg i. Br. schreibt man uns vom 11. d. Mts.: Ein schweres, in seinen Einzelheiten entsetzliches Verbrechen hat am Samstag seine Sühne ge- unden. Karl Laubach, der am 7. Oktober v. Js. die 53jährige Näherin Eva Disch im Wildtal bei Freiburg ermordete und dann vergewaltigte, wurde heute früh im Hofe des Landesgefängnisses hingerichtet. Punkt 1/21 Uhr klang der schrille Ton des sog. ArnisünderglöcklemS voni Türmchen der Anstaltskirche, das Zeichen, daß L. seinen letzten Weg angetreten hatte. Der traurige Zug wurde eröffnet von zwei Gefängnisbeamten, hinter ihnen der Deliquent mit dem Anstaltsgeistlichen. Den Schluß bildeten zwei Gendarnieriewachtmeister mit geschultertem Gewehr. Vor dem Staatsanwalt, der mit anderen Gerichtspersonen an einem schwarz behangenen Tisch Platz genommen hatte, machte der Zug Halt. Der Staatsanwalt verlas den Urteilstenor, wonach der Landesherr vom Rechte der Begnadigung keinen Gebrauch gemacht habe, und schloß mit den Worten: „Karl Laubach, Euer Leben ist verwirkt, Gott sei Eurer Seele gnädig!", zerbrach den Stab und warf ihn den zum Tode Verurteilten vor die Füße. Hierauf verbanden ihm die Scharfrichter die Augen. L. ging willig die paar Stufen zum Schaffst empor, wurde aufs Brett geschnallt und in die Maschine geschoben. Ein Druck auf den Hebel löst das 80 Pfund schwere schräg geschliffene Messer aus und trennte den Kops vom Rumpfe. Laubach hatte aufgehört zu leben. Die ganze Hinrichtung, vom Verlassen der Zelle bis zu dem Momente, da der Scharfrichter sagte: „Herr Staatsanwalt, das Urteil ist vollstreckt", dauerte 4 Minuten. Das war innerhalb 1*/z Jahren die fünfte Hinrichtung in Freiburg, und noch harren zwei zum Himmel schreiende Verbrechen der Sühne. L., der sich in sein Schicksal gesunden und die Einreichung eines Gnadengesuches fernen (Stern überlassen hatte, war ruhig und gefaßt; 6 Jahre hatte er bei der Fremdenlegion gedient und dort in die tiefsten Abgründe nienschlicher Verkommenheit geblickt, auch oft genug den Tod vor klugen gesehen. L. hat seine Tat bereut und sich dem Zuspruch des Geistlichen empfänglich gezeigt. Seiner Militärpflicht genügte L. vor zwei Jahren in Gießen.
1» Deutscher Studententag.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
S. u. H. Eise nach, 13. März.
Professor Thümm el-Jena: Ta Sie vorhin so freundlich, gesungen haben: vivant vrofessores, so scheint es mir, ob- ivohl ich gar keinen Auftrag habe, rm Namen der Professoren zu danken, (Große Heiterkeit), zum mindesten unhöflich, ivenn ich dafür nicht Dank sagen sollte. Uitb ich darf, so vermute ich, doch gewiß im Namen und in der Gesinnung der großen er- ^druckenden Majorität der deutschen Hochschullehrer die Freude darüber anssprechen, das; hier von allen deutschen Hochschulen Vertreter sich in Einigkeit — so scheint es bis jetzt (Stürmische Heiterkeit) — zusammen getan haben. Tas war seit den großen Tagen, als unseres alten Bismarck und des alten Kaisers Geburtstag an der höchsten Grenze menschlichen Lebens gefeiert wurde, nicht mehr da. Tarüber muß man sich freuen, wie Plato schon sagt: das seltene ist geschätzt. Ich kann Ihnen — natürlich nur unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit (Heiterkeit) — verraten: es gibt unter uns Professoren viele, die haben sick gefreut über den Sturm und Drang unserer akademischen Jugend. lStürmisches Bravo.) Wir können das nicht mehr so mitmachen, (Große Heiterkeit), wir sind alt, und der Unterschied zwischen Alt und Jung ist schon von -altersher gewesen. Wenn früher die Mönche ihre Lieder sangen, klagten die alten immer darüber, die jungen fangen zu schnell. sErneute Heiterkeit.) Es hat aber doch schließlich immer noch Linen einmütigen Gesang gegeben. (Stürmischer Beifall.) Wenn auch mancher sagt, Sie sind allzu stürmisch. Tas muß so sein. (Großer Beifall.) Wenn auf einer Wippschaukel der eine auf dem einen Ende sitzt, muß der andere eben auf dem anderen sitzen. (Stürmische Heiterkeit und großer Beifall.) Und wenn sie nicht mitkönnen, dann müssen sie eben ein wenig mehr an das äußerste
Ende rücken. (Erneute große Heiterkeit.) Wir Alten sollen ja den Hemmschuh am Wagen bilden. Nun meine ich, daß, wenn ein Wagen nur • aus Hemmschuhen besteht, nur noch ein Ber- liner Droschkenpferd 2. Klasse dazu gehört und das Vehikel steht ganz ftilL (Donnernder anhaltender Beifall.) Darum a triarios, . . . wenndieGefahr am äußersten kommt, nochmals: wir freuen uns Ihres Sturmes! Und wenn res venit (mit erhobener Stimme) dann sind wir auch noch da. (Brausendes Bravo.) In dem Kampfe um die akademische Freiheit stehen wir nicht bloß hinter Ihnen, sondern gehen mit Ihnen zusammen. Redner schließt unter wiederholtem Beifall mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf den Trang der akademischen Jugend.
Es seien hier einige auf deut Kommers gesungene Strophen wledergegeben:
Stoßt an, Landes für st lebe! Hurrah hoch! Salamander, Silentium! Eins, zwei, drei!
Doch denkt des Papstes auch dabei!
Frei ist der Bursch!
Stoßt an, freies Wort lebe! Hurrah hoch! Wer Gorki liebt, der verschließe nicht faul Seine Liebe ins Herz, doch er halte das Maul!
Frei ist der Bursch!
Tenn die Röm'schen frech geworden, Herrschen heut' in Deutschlai' s Norden Kein Cherusker wirft sie raus. Trennung der Konfessionen Soll auch beim Studenten wohnen Wie in Schule und -n Haus.
„Akadem'icliie Freiheit?" hört ihn, Den Geheimrat, wie empört ihn Solch' Begriff ganz neu gebraut. „Tiefe Art von Freiheit gibt's nicht!" (Tenn die röm'scke Kirche liebt's nicht!) Alles ist in Rektors Heil.
Ter Sonntag »var festlichen Veranstaltungen gewidmet. Am Morgen fand ein gerne infam er Spaziergang auf die Wartburg statt. Den Glanzpunkt der Festivitäten aber bildete der F e st - akt auf dem Wartenberg. In ca. 100 Wagen fuhren die Studenten, größtenteils in Wichs, wo vor der Bis marck- if ä ule Höhen feuer abgebrannt wurden. An der Säule legte Stud. Scholinus einen Kranz nieder. Dann trat der Professor der Theologie an der Universität Jena, Thürnmel, vor und hielt eine Ansprache:
„Kommilitonen! In großem Zuge seid Ihr heraufgezogen, um unter loderndem Feuer zu den Füßen der Denksäule des einzigen größten Teutsrycu vergangenen Jahrhunderts Eure Beratungen im festlichen Glanze zu feiern und mich habt Ihr hierhergerufen, das feftlidiie Wort zu dieser Stunde zu tun. Ihr habt Beratungen gepflogen, wie Ihr die akademische Freiheit wahren und wie Ihr die studentischie Einigkeit Herstellen könnt. Euch schallt zuerst die mephistophelische Frage entgegen: „Wozu der Lärm'? Was steht den Herren überhaupt zu Diensten?" Wer ivagt es, so höhnen die Gegner, der Dame „akademische Freiheit" uahezutreten? Nämlich der akademischen Freiheit, so sprechen jene weiter, die ich meine, die allerdings mein Herz nicht erfüllt, dem: dazu ist dieser Begriff der akademischen Freiheit zu schattenhaft und mein Herz ist mit anderen Dingen an gefüllt, so daß für wahrhafte akademische Freiheit kein Raum mehr ist. Früher war die akademische Freiheit ein rechtlicher Begriff. Heute, wo die akademische Gerichtsbarkeit als letztes lieber- b Leibi ei davon dahingesunken ist, wissen wir, daß wir alle dem einen Recht in gleicher Weise unterstehen. Es gibt auch keine besonderen studentischen moralischen Prinzipien, sondern leichtsinniges Schuldenmachen und ehrlose Unsittlichkeit ist in akademischen Kreisen so schlecht wie anderwärts auch. Wer ein geistiger Führer werden will, wer für andere sorgen will, muß zu einer Mannestugend vor allem streben: zu der Mannestugend höchsten Verantwortlichkeits-Bewußtseins. Aber das Verantwortlichkeits-Bewußtsein kann nur gedeihen in Freiheit. Und darum ist dis akademische Jugeno in einer ihr eigentümlichen Sphäre der Freiheit und soll darin bleiben. (Bravo!) Sie ist frei über ihr Geld, über ihre Zeit, ihre Pflicht ist nicht an Termine gebunden, sie kann die Kollegien besuchen und kann sie schwänzen, (Beifall) unb sie kann sich ihre Lehrer aussuchen. Das Hinschauen auf das Ende soll doch wirllich nicht blos ein Examen bedeuten und nicht bloß durch schlotternde Furcht vor einem Examen soll lich ein Studentenleben bestimmen lassen, sondern die Verantwortung geht weiter dahin: daß man sich bewußt ist: jetzt ist die Zeit, wo du einnehmen sollst, damit du dereinst etwas auszugebeu hast. (Großer Beifall.), Und dieses Einsammeln von geistigem Kapital ist das eigentliche Arbeiten unserer akademischen Jugend. Wer solches reichlich in seine Scheuern gesammelt hat, steht dereinst im Leben als ein wahrhaft geistig hochstehender Mann da. Und diese Verantwortung erzeugt dann alle die Tugenden: die Selbständigkeit, die Unabhängigkeit, daß ich mich nur beuge in ehrlicher lieber jeugung vor dem, was ich als gut und groß erkannt habe und jede erzwungene Nachfrage unablässig verweigere. Und das erzeugt jene beständige Wahrhaftigkeit, die sich immer genug tut, mit der Erkenntnis auch der letzten Dinge. Solcher Ernst und solche Selbständigkeit und all die anderen Tugenden wachset: nur in der Luft der akademischen Freiheit. (Anhaltender Beifall.) Das hat uns bis jetzt noch kein anderer Staat nachmachen können, diese Erziehung zum höchsten Verantwortlichkeits-Bewußtsein. Wer will leugnen, daß in den letzten zwei Dezennien die Ruhe in dem Leben unseres deutschen Reiches nur durch tägliche Tributzahlungen an die feindliche Macht jenseits der Alpen erkauft worden ist? Dermaleinst wird das unbestechliche Urteil der Geschichte, die die R e g i e r u n g s z e i t Kaiser Wilhelms II. als ein, wenn auch reichlich mit Gold-Initialen versehenes, so doch in seinem' Bestände tiefschwarzes Blatt in ihre Bücher aufnehmen. s Langanhaltender Beifall.) Weil man die arademisckre Jugend nicht ganz erobern kann, so will man dieses Feld dadurch brachlegen, daß man Duldung für das eigene Unkraut fordert. Ist das nickt Liebe zur Freiheit, toeitn ich Unkraut — in Berlin nannte man es „unerfreuliche Erscheinung" (Heiterkeit) — auch Unkraut nenne? Von Euch, zu verlangen, daß Ihr die neben Euch in innere Unfreiheit emporschießende akademischen Unkräuter ebenfalls als gutes Kraut anerkennen sollt, — das ist ein Verlangen wider die Wahrhaftigkeit. (Großer Beifall.) Um die Macht an der akademischen Freiheit fernerhin halten zu können, dazu bedarf es Eurer Einigkeit! Uns Deutschen steckt das Regiertwerden-Wollen zu sehr im Blute. Wohlan seid Ihr in Wahrheit ein junges Deutschland. Fordert nur das eine: In Euren frei erwählten Ausschüssen frei handeln zu können. Darum fragt nickt so viel bei Regierungen und hohen Senaten, sondern seid einig, bann könnt Ihr auch nach Eurem Ermessen frei handeln. Wollt Ihr wirklich rechte Ritter geistigen Lebens fein, dann dürft Ihr nicht die meiste Zeit auf die Hebung eines dock längst überwundenen Pennalismus verwenden. (Sehr gut!) Die Tug enden zu pflegen sei der hock st e Ruhm Eurer Farben. Ihr singt:
„Wer des WeibeS weiblichen Sinn nicht ehrt, Ter ist auch Freiheit und Freund nicht wert!"
Wohlan, nun laßt uns auaj- in dem niedrigsten Mädchen diesen Sinn noch vorhanden glauben und ihn ehren. (Lebh. Beif.) Ihr müßt aber auch die Gedanken hinaufstreben zum Himmel, wo der höchste Hort und Helfer ist. Folget der Mahnung Eures
Lieblingsdichters Arndt und pfleget aufs Neue in Euren Reihen! einen frommen Sinn. Seid aber trotzdem Kampfnaturen, toie di e beiden deutschesten Männer Luther und Brsmarck es gewesen sind. (Brausender Beifall.')
An den Kaiser sandte der 1'. Deutsche Studententa^ folgendes Telegramm ab: „E. K. und K. M. gestatten sich die heute in Eisenach, der Stadt freien Geistes--, lebens, versammelten Vertreter der deutschen Universitäten, technischen Hochschulen und Bergakademien, die. sich soeben zu einem Verband deutscher Hochschulen geeint haben, ihren ehrfurchts-, vollen Gruß mit Ausdruck unwandelbarer 4,reue dar-, zubringen." ..... ,
Tie Beratungen wurden heute früh un Kap erhol wieder ausgenommen. Zunächst wurde über „akade mische Freiheit" debattiert. Es fand eine Resolution einstimmige Annahme, die sich dahin ausspricht, daß an der technischen Hochschule in Hannover unerhörte Eingriffe in die Rechte uniV Freiheiten der Studierenden borgetommen sind.. Wenn sie zum größten Teile wirkungslos geblieben seien, so sei dies der bei- jpiellosen Einigkeit und mustergiltigen Haftung der Studentenschaft Hannovers zu danken, der dafür uneingeschränkter Tank gebühre. tr.
Ter 1. Deutsche Studententag sprach weiter die Hoftnung aus, daß die Behörden alles tun werden, um den von beiden Tellen gleich dringend gewünschten Frieden wiederherzustellen.
In der Nachmittagssitzung wandte man sich der „S ch il ler- feier" zu. Es wurde beschlossen, daß sich der neugegründete Studentenbund offiziell an der Schllberfeier am 9. Mai in Weimar beteiligt. Jede Universität, tea-nische Hochschule und Dergatademie soll drei Vertteter zu dieser Feier entsenden. Tas Programm wurde wie folgt seftgesetzt: Früh Festzug unter Glockengeläute und Musik nach der Fürstengruft, wo Sa-itlers Sarg steht. Vier legt die Studentenschaft unter einer Gedenkrede Kränze nieder. Der Zug bewegt sich dann zum Sckstllerdentmal.
Zu Beginn der Nachmittagssitzung wurde folgendes Ant- wor ttelegr ammi des Kaisers zur Verlesung gebracht:
„Ich habe den Huldigungsgruß aus Eisenach gern entgegengenommen und ich hoffe, daß die Studenten stets bestrebt sein mögen, die deutsche Geistesfreiheit auch durch di« Achtung vor derUeberzeugung Andersdenkender hochzuhalten. Wilhel m."
Tarauf wurde in die Erörterung der A u s l ä n d e r f r a g e eingetreten. Es wurde Kenntnis genommen von den Bestimmungen, die der Vertretertag der technischen Hochschulen in der Ausländer frage aufgestellt hat, welche dahingeht, daß an allen deutschen teckmischen Homschulen gleichmäßige Aufnahmebedingungen für Ausländer ein geführt werden.
Es folgte die Beriaiteriftutung der Kommission über „akademische Freiheit". Tie Vertreter jeder Hochschule legten dar, ob und in welchem Vöaße Eingriffe in die akademische Freiheit stattgefunden haben. Scharf wurde kritisiert, wie Niinistenal- direltor Afthoss, Geheimrat Daude, und der Reftor der Würzburger^ Universität, ".Viertle, vorgegangen sind, besonders gegen die studentischen Ausschüsse. Eine Kommission die aus sechs Mftgliedern^ besteht, wird alle bisher angenommenen Resolutionen noch einer' Revision unterziehen.
Kerichtsjaai.
(th.) Gießen, 13. März. Ein für die Kaufleute interessant ter Beleidigungsprozeß wurde am Freitag vor unserem Schöffengericht entschieden. Der Zigarrenfabrikant Kommerzienrat Engelmann von Rüsselsheim war im Dezember nach Meßen gekommen, um Geschäfte zu besorgen. Beim Besuch seiner ztundschaft wurde er von einem seiner kleineren Abnehmer gefragt, ob es wahr sei, daß der Kaufmann E. M. vor dem Konkurse stände und seinen Gläubigern 20 Prozent geboten hätte. Der Mann fügte hinzu, eine Frau habe ihm dies vor einer Stunde verttauftch mitgeteilt, er tonne dies aber nicht glauben, weil ihm bekannt sei, daß M. ein sehr gutes Geschäft mache. Kommerzienrat E. hatte eine Forderung an M. von 17 Mark für gelieferte Ware, er beiuchte seine Kundschaft weiter und brachte dabei an 4—6 Stellen in fragender Form das was er gehört hatte, in Umlauf. Ueberall wurde ihm ertlärt, daß die betreffende Firma gut sei und man von der Sache nichts wisse. Jnzlvischen machte E. auch seinen Besuch bei dem so schwer verdächtigten Kaufmann, erhielt dort zwar fein Geld, aber keine Bestellung. Tie Crzälstung aber von den angeblich schleusten Verhältnissen M's. machte wie ein Lauffeuer die Runde durch die Stadt. Es fiel schließlich dem M. auf, daß seine Geschäftsfreunde in der Stadt sich bei ihm meldeten, uni ihre Forderungen einzuziehen, die er auck glatt erledigte, bis ihm eines Tages das über ihn in Umlauf gefetzte, seinen Kredit schädigende Gerede über ihn zu Ohren kam, dessen Urheber er in dem Beklagten bald seftstellen. konnte. Vor dem Schöffengericht erklärte der Kommerzienrat E., er habe im vorliegenden Fall in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt; er habe nur getan, was jeder ordentliche Kaufmann an feiner Stelle auch getan haben würde, dessen Guthaben gefährdet sei. Er habe sich nur Gewißheit verschaffen wollen, über die Verhältnisse des AL. Es könne hierbei garuicht darauf ankommen, ob seine Forderung Tausende ober nur 17 Mk. betragen hat. Tas Schöffengericyt war aber anderer Ansicht und oerurteiltc den Beklagten zu 200 Mark Geldstrafe mit ber Begründung, daß kein Kaufmann wegen einer Forderung von 17 Mark so handeln dürfe wie es hier gesck?ehen sei. Ter Be- ilagte hätte, ehe er das ihm von seinem Gewährsmann als Weibertlätsch Mitgeteilte weitertrug, zu Vi. gehen und von diesem! die Zahlung feines Guthabens verlangen sollen, er hätte umsomehr so l-andeln müssen, atS er mit dem Manne schon 25 Jahre lang Geschäfte gemacht und stets sein Geld erhalten hat. Es gehe nicht art, daß jemand, der so verfährt, wie der Beklagte, sich damit entschuldigen könne, er habe in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt^ Durch eine derartige Handlungs- lveise sei es sehr leiclst, den Kredit und damit die Existenz eines Gefchästsmannes zu erschüttern, und aus diesem Grunde habe das Gericht auf eine so hohe Geldstrafe erkannt.
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S®eligis feinste
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50% Kaffe ©-.Ersparnis. 4
Vorzüglichster Kaffeezusatz.
Nun sinkt der liebe Abend nieder,
• ich soll reden und bin stockheiser! Schnell, Liese — holen Sie mir eine Schachtel Fay's echte e>obenev Mineralpastlllen
• für 85 Psg. irgendwo. Jnzivischen fetz' Milch auf und da hinein tun wir dann ein halb Dutzend Pastillen. Wenn irgend etwas rnich heut noch retten kann, bann sind's die
• Sodener. Die haben mich nie int Stich gelassen, wenn ich erkältet war, und sie sollen auch heute an mir ihr Wunder tun.
Mn ZMm ist es, zu gksSes, MMW Darm ausgebraucht. Deshalb sollen Magen-, an Verdauungsbeschwerden Leidende rc. nur eine leichtverdauliche, aber nahrhaste Diät erhalten; diese finden sie in Knorrs vortrefflichen lhaferpräparaten: Hafermehl, Haferflocken und Grütze, welche aus dem vorzüglichsten Rohmaterial hcrgestellt werden. Sie besitzen alle Eigenschaften, welche für solche Krankenkost erforderlich sind. Um eine angenehme Abwechslung in der Diät für Kranke herbeizuführen, verwende man neben Knorrs
Hafermehl auch Knorrs Grünkernmehl, Gerstenmehl oder Knorrs Reismehl, welche überall erhältlich find. Man verlange aber ausdrücklich Knotts Präparate! .


