Nr. 129
tsgkt- flufeet Sonntags.
jbem ®te6enn Anzeiger »erben tm Wechsel mit dem Kesffjche» Landwirt die 6kfc<Hti tfamtlteib Hattet Dtermol in bet Woche beigelegt
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OrNes Blatt.
155. Jahrgang
Samstag 3. Juni 1905
General-Anzeiger
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
BfiiiHretli monakuch 751N. oterte<* jäbrhd) Ml 8.20; durch Ylbbole- u. Zweigstellen monatlich 65 tit.; durch die Post Mk 2.— oiertel« iäbrL auSlchl. Beslellg. Annahme Anzei ttk 1t bie Tr ^r*il-rntet 'S DO-mUttgi 4
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Ve^antwotN'ch fahr bei* polit imb (j ,& u tetl P Wtttko: tüt »Stabt und Canb4 und .EenchtSsaal": August Voetz, für den An- netoenteil- DanS fBect
Pie ycutlge Kummer umfaßt 16 Seiten.
Nmlliche Nachrichten über Viehseuchen.
Bei einem Schwein des Wirts Adolf Kramer zu Biedenkopf ist die Rotlausseuche (Vaeksteinplattern) amtlich sestgestellt worden. Es ist Stallwerre angeordnet.
Der deutsche Kronprinz.
Mit besonderem Pomp, in Anwesenheit zahlreicher Fürsten wird die Vermählung des Kronprinzen beS deutschen Reiches mit der Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin gefeiert. Die Blicke Deutschlands und deS Auslands richten sich auf den Kronprinzen, der bislang wenig von sich reden machte, der aber in diesen Tagen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Der Kronprinz wird im Stadtschloß zu Potsdam Wohnung nehmen und neben der Vollendung seiner militärischen Ausbildung wohl auch die in den Äegierungsgeschaften empfangen. Mit dieser Annahme Acht man wohl nicht fehl, denn von der ursprünglichen Absicht, ihn zwecks bloßer Repräsentierung in einer Provinzialhauptstadt Wohnung nehmen zu lassen, wurde Abstand genommen. Der Kron.prinz des deutschen Reiches hat eben höhere Pflichten, als nur zu repräsentieren. Trotz seiner Jugend wird er sich mit dem Gang der Regierungsgeschäste vertraut machen mässen, an denen er aktiv nicht teilnimmt, die er aber kennen muß, will er nicht, wenn ihn das Schicksal auf den Thron führt, ratlos ihnen gegenüberstehen. Zwar wird bis dahin menschlicher Voraussicht nach noch eine lange Zeit verstreichen; aber es ist Pflicht jedes Mannes, zumal eines so hochgestellten, der Zukunft gegenüber gerüstet zu sein.
Der Kronprinz ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Streng uno einfach wurde er im elterlichen Hause und in der Kadettenanstalt Plön erzogen. Erst als er tue Universität Bonn besuchte, fanden Mitteilungen über ihn den Weg in die Presse. Er wurde geschildert als ein lebenslustiger, bescheidener Mensch, der an den Vergnügungen und Zerstreuungen, die auch anderen Jünglingen zu Gebote stehen, mit anspruchsloser Freude teilnahm. Er fuhr, ohne viel nach den starren Regeln der Etikette zu fragen, mit Herren und Damen der ihm bekannten Familien Schlittschuh, er ließ sich zu Bällen einladen, er spielte Lawntennis. War die Bonner Zeit vielleicht doch die einzige Zeit seines Lebens, wo der Kronprinz ein Recht auf völlige Freiheit hatte.
Allem Offiziellen ging der Kronprinz in Bonn gern aus dem Wege. Jagen, Reiten, Tanzen, Tennisspiel, Autofahren, Nadeln, jeden Sport liebte er. Für die Tage des Beethovenfestes waren für ihn acht Plätze reserviert. Er kam einmal auf eine Stunde und wurde nicht wieder im Konzertsaal gesehen. Desto mehr aber auf dem Tennisplatz. „Itchj ersticke zwischen so vielen aufeinander hockenden Mensche n", sagte er. „I ch b r a u ch e L u f t und bin nichts wert, wenn i ti)l mich nicht ein paar Stunden abgetollt habe."
Trotzdem schätzte er die Kunst und spielte seine Geige mit Liebe und Lust. Seinen Umgang suchte er am liebsten in bürgerlichen Familien, in denen er die guten, nicht durch die Etikette verkümmerten Eigenschaften fand, die er in anderen Kreisen, in denen sich manchmal die Streberei breit machte, vermißte. Er war harmlos lustig, zuvorkommend gegen ältere Personen, zu kleinen Dienstleistungen stets bereit. Daß dies nicht allen recht war, kann nicht Wunder nehmen. ' : ' I J
Es gab auch Leute, die da meinten, der Kronprinz nehme sein Studium iiicht ernst genug. Ein Irrtum. Der Kronprinz nahm es ernst,wieal les,was er an faßt. Und richtig war es, daß er sich nicht auf eine bestimmte Fakultät festlegte und in allen Fächern Vorlesungen horte. Soll doch ein Thronfolger auf der Universität seinen Blick erweitern und seine Persönlichkeit harmonisch ausbilden. Dem Zwang des studentischen Korps - er war bei den Borussen eingesprungen — fügte er sich nicht leicht Bekannt ist daß er au f B e f ehl n i ch t „in die Kanne st e i g e n" wollte - und auch nicht „stieg". Aber an kleinen studentischen Ulkereien beteiligte er sich gern. Frerüch sollen drc Streiche, die er begangen, einzig darm bestanden haben, daß er ein paar gefüllte Mülleimer mit dem Fuß vom Trottoir warf
Stand er irgend einer Sache fremd gegenüber, so be- rannte er frei, daß er sich darüber noch keine Meinung habe bilden können, als daß er wegwerfend darüber geurteilt hätte. Klingers Beethoven gefiel ihm nutzt. Ter Kaiser soll sich beim Anblick dieser Statue mit einer dra stischen Bemerkung abgewandt haben. Aber der Kronprinz sagte einfach zu seinem G-lgenlehrer, der für das Werk scliwärmte, ruhig und lechenschastslos i „Na ja, ich verstehe nichts davon!"
Wie der Kronprinz ehrliche, natu.-iche Menschen im Umgang vorzog, so ist er selber: ehrlich, wahrheitsliebend, Feind jeder konventionellen Lüge. In vielem erinnert er an seinen Großvater Friedrich. Die Rednergabe Wilhelms II. fehlt ihm. , = ... r , ,, . _
Möge er in der Ehö, die er aus Liebe cingcljt, bas Glück finden und möge er weiterwandeln auf dem Wege, den er beschritt: ein kerniger, lautrer, pfliasttrener Mann zu sein. Dann wird ihm das 'Herz Deutschlands, das rhm warm entgegenschlägt, in Treue erh-alten blerben.
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Zur Verm'ählnngsfeier des Kronprinzen
Die vielen T-usÄ' Km feierlichen (Tinjuge bet froain Geeite mit froher Teilnahme fotac 11 w.ro.n, dur।in als $%trctrr aller der Deutschen gelten, wclcue dem erlauchten ^aare- das Im Begriffe steht, den Bund fürs Leben zu schließen, Glück-
und Segenswünsche bntbringen Mit besonderer Deutlichkeit tritt bei dieser Gelegenheit bte anhängliche Treue und Hingebung in Erscheinung, die unser Volk mit unserm Herrscherhause verknüpft. Indem das Volk der Herzogin Cecilie den wärmsten Will- kvmmengruß darbietet, werden in seiner Seele die Bilder fürstlicher Franengestalten lebendig, die immer eine Zierde des Hohen- zollern-Thrones bleiben werden und es gedenkt in diesen Tagen freudig der hoben verwandtschaftlichen Bande, die von ber un-= vergeßlichen Königin Luise zur Herzogin Cecili'e herüber leiten.
Der Abschieds-Trinkspruch des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin an seine Schwester, die Herzogin-Brant Cecilie, gelegentlich des Galadincrs tm Schweriner Residenzschlosse, hatte, wie jetzt bekannt wird, etwa folgenden Wortlaut:
„Meine teure Schwester! In wenigen Tagen mußt Du von tmd scheiden. Da drängt cs mich von Herzm, von dirser Stätte ans Dir Lebewohl zu sagen. Ich möchte Dir den Ausdruck der Gefühle übermitteln, die alle Mecklenburger beseelen und nach solchen Erwägungen, daß Du uns bald verlassen wirst, herrscht die Freude, daß Du Deinem jun gen .Gl ü ck ent g ea enge h st. Die innigen Wünsche, die wir, Deine Familie, nno alle Mecklenburger mit ihr hegen, gipfeln darin, daß der Herr Dir reichen Schutz und reiclien Segen aus Deinem neuen Lebenswege und in Deinem neuen Heim verleihen möge. Ich. leere mein GlaS imb erlaube mir, auf Dein und Deines Bräutigams Wohl zu trinken. Ihre Hoheit die Herzogin Cecilie und seine Kaiserliche und Königliche Hohen der Kronprinz Hurra! Hurra! Hurra!"
Nachdem das Doch 'verklimg-en war. stieß .daS Brautpaar mit dem Großhcrzog an, wälirend die Musik die der Herzogin gewidmete „Myrtbenblüten-Gavotte" spielte.
Unter den in Berlin nm Freitag em getroffenen Fürstlichkeiten befinden sich das he s si's ch e G ro ß b er zo gs v a a r und der Prinz und die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen.
Der König von Württemberg hat dem Kronprinzen ein prachtvolles Reitpferd als Dochzeitsgeschenk übersandt.
Das in P a r i s verübte anarchistischeAttentat dürfte dem Berliner Polizei-Präsidium Veranlassung gegeben haben, die im Interesse der fürstlichen Gäste bei dm Hochzeitsfeierlichkeiten am Kaiserhose getroffenen polizeilichen Sicherheitsmaßregeln einer Nachprüfung zu unterziehen. Es heißt, daß in mcbrfacher Richtung Verschärfnngen an- geordnet wurden. Am heutigen Einzugstage der Herzogin Cecilie sind die historischen Straßen der Reichs- Hauptstadt besonders stark von Kriminalbeamten besetzt. In den Unter den Linden belegcnen Hotels und. sonstigen für Scbau- zwecke vermieteten Wohnräumen sinh poliz^llcherieits Plätze derart auSgewählt, daß eine genaue Kontrole der anderen Zuschauer statthaben kann. Derartige Vorsicht ist geboten bet der ungeheuren Ansammlung von Menschen. Ungewöhnlich groß ist auch das Po- lizei-ausgebot an den Derlin-'r Bahnböseu. So s 'd dte umfassendsten, bei der Menge der fürstlichen Gäste nur mit großen Schwierigkeiten durchzuführenden Vorbeugalngsmaßregeln getroffen, und es steht zu hoffen, daß die festlichen Tage ohne Störung verlaufen.
DMjsche Tagesschau.
kommen auch den grundsätzlichen Gegnern jeder Staats lotterte nicht genügt sein wird, so kann diese Regelung immerhin dazu beitragen, eine Aussöhnung der wider- streitendsten Meinungen herbeizuführen auf dem Boden eines anständigen, von Ueberariffen sich frei haltenden Lotterie- betriebes. Dafür aber darf man sicherlich auf den Beifall nicht mir weitester Kreise der Bevölkerung, sondern auch der meisten, jedenfalls aber aller anständigen Kvllekteure rechnen.
Zu der Pariser Attentats-Affäre wird noch berichtet, daß tatsächlich zwei Bomben für bett König nnd Loub et (!) vorbereitet waren und nur einem' gütigen Geschick ist es zu danken, daß Beide gerettet sind. Die 9jste der Verwundeten t>at sich um einige Personen vermehrt. Verletzt sind unter andern e'n mexikanischer Mgeordneter und ein Provinzial-Büraermeister. Der Zustand der Verwundeten ist befriedigend. Die Bomben waren aus der Provinz nach Paris gesandt. Der Wsender ist verhaftet, die Verhaftung des (Emr Pfänners steht bevor.
Trotz ber Diskretion, welche der Untersuchungsrichter Levdet beobachtet, heißt es. daß d.e Gerichtsbehörde den Urheber des Attentats kennt. Der Schuldige soN ein Spanier namens Mona im Mter von 25 bis 30 Jahren sein. Seine Anwesenheit in Paris war sett.achi Tagen der Polizei fignalufert Cr ist Mitglied einer anarchistischen Bande, deren übrige Mitglieder verhaftet toirrben. Er selbst ist 'ttotz eiftiger Nachforschungen nicht anffindb-ir, obgleich ein Komplize sein S'gnälement gegeben hatte. Auf Anordnung des Untersuchungsrichters wurde auch ber Anwalt Pc alato verhaftet, der sich schon immer mit der anarchistischen Bewegung in Spanien beschäftigt hat und Kenntnis von dem geplanten Attentat gehabt haben soll. Malato wurde alsbald einem längeren Verhör unterzogen.
Als mutmaßlicher Urheber des Anschlags gilt auch bet Anarchist Ferras, der seit dem 26. Mai aus seiner Wohnung! verschwunden ist. , . . .
Ein der Teilnahme an dem Mordanschikage verdächtiges, tn Bordeaux verhaftetes Individuum wurde wieder frei gelassen.
Zu dem Mordanschlage schreibt die „Nordd. Ällg. 8tg.y<
Mit tiefer Empörung gegen die ruchlosen Urheber be# Bubenstreiches und mit aufrichtiger Teilnahme für die Verwundeten geben wir unserer Freude darüber Ausdruck, daß das Leben des Königs und des Präsidenten Loiibet in schwerer B-drohung unversehrt aebliebcn ist. Wir beglückwünschen beit König und das französische Volk zu der Bnvahrung ihres Staatsoberhauptes vor schlimmem Unheil. Mit tiefer Sympathie gedenken wir der Königin-Mutter von Spanien, Maria Christina. Wir hoffen, daß in der Seele der edlen Fürstin wie bei allen Spaniern der Erbitterung durch die Schreckensbotschaft sich ein Gefühl berechtigten Stolzes üb"r die furchtlose könig- liehe Haltung htnzugesellt, die Alfons XIII. im Augenblicke bes Attentats bewiesen hat.
Zum preußisch-hessischen Lotterievertrag wird uns von besonderer Seite folgendes geschrieben: Tie ersten offiziösen Mitteilungen über diejenigen Punkte des mit Preußen vereinbarten, aber noch nicht förmlich abgeschlossenen Lotteriever- trages, welche für die beim Betrieb der Lotterie Beteiligten (aber insbesondere für die Kollekteure) von Interesse sind, haben die verschiedenartigste Anftiahme gefunden. Während Die Gegner sich enttäuscht stellen, nach dem Mitgeteilten von einem „mageren Resultat" sprechen und vermuten, die Rente müsse eine „recht mäßige" sein, weil die Regierung sich auch jetzt uoch geniere, die Summe zu nennen, halten die Freunde einer wirtschaftlichen und verständigeren Gestaltung des deutschen Lotterrewesens mit ihrem Urteil noch zurück, bis erst nach Abschluß des Vertrags und Vorlage an die Landstände der wesentliche Inhalt des Abkommens bekannt wird und beurteilt werden kann, wie danack imfcr Land (und nicht nur die Kollekteure) ab- schneioen. Dielen aber ist schon mit der offiziellen Mitteilung des sie Interessierenden mancher Stein vom Herzen gefallen, und sie begrüßen es dankbar, daß die Negierung — gegen alle sonstige Gepflogenheit — es ermöglicht hat, ihnen noch vor Abschluß des Vertrages das für sie Wichtige mitzuteilen. Die Kollekteure haben daraus ersehen, daß alle Besorgnisse vor einem Ueberfluten unseres Landes mit preußischen Einnehmern hinfällig geworden sind, daß vielmehr umgekehrt und im Gegensatz zu der sonst üblichen Rekrunernng der preußischen Einnehmer die allermeisten hessisch-thüringischen Kollekteure auf ihren Wunsch einfach als preußische E i u n e h m e r ü b e r n o m m e n und behalten werden und daß ihnen daneben der Ueberaang in die neuen Verhältnisse in doppelter Hinsicht erleichtert werden soll: erstens dadurch, daß nicht mir die eben bevorstehende sechste, sondern auch die bis zum Mai 1906 währende siebente hessisch-thüringische Lotterie als solche ausgespielt werden soll, dann aber auch noch dadurch, daß zur Gewährung von Beihilfen für solche Kollekteure, denen der Umfang der zu übernehmenden preußischen Einnehmerstellen mir einen teilweisen Ausgleich für ihren Ausfall bietet, ein Betrag von 500 000 Mk. ansgeworfen werden soll, vorausgesetzt, daß es ungeachtet der durch maßlose Agitationen Einzelner eingerretenen Erschwernng gelingt, die Landtage der beteiligten Staaten ebenso von der Billigkeit einer solchen Verwilligung zu überzeugen, wie dies unsere Negierung den anderen Negierungen gegenüber gelungen zu sein scheint. Schon bei Abwiigung des Ausfalls für die Kollekteure wird man, wie bei späterer Prüfling des ganzen Abkommens, immerhin beachten muffen, daß eine Fortsetzung des derzeitigen hessisch-thüringischen Lotteriebetriebes mit seinen Auswüctffen und seinen lieber» griffen ans verbotene deutsche Lotleriebetricbe für die Dauer mit dem Wesen und dem Ansehen eines Staatsbetriebes unvereinbar gewesen wäre, vielmehr man beim nächst zu sehr lv e i t g e h e n b e n Einschränkung^'« gezwungen gewesen Ware. Wenn mit dem geplanten Ab-
Wie der sozialdemokritische GewerkschaftStag tn Köln VStt der Bonner Universität geehrt wurde.
Nach dem Bonner ^Gen.-Anz.^ wurde der Alte Zoll in Bonn aus Anlaß deS Ausfluges der Teilnehmer deS Gewerkschaftskongresses nach Königswinter bengalisch beleuchtet. Der Alte Zoll in Bonn bildet den Abschluß der Universitätsanlagen und macht vom Rheine her einen imponierenden Eindruck. Aus ihm befinden sich daS Denkmal E. M. Arndts und zwei Kanonen, die Kaiser Wilhelm L aus der Kriegsbeute der Jahre 1870/71 der Universität überließ. Eigentümer ist die Universität. Ein Bonner Bürger äußert sich über die Erleuchtung in einem Schreiber» an daS genannte Blatt folgendermaßen:
„Tie notleidenden Proletarier" machten eine Festtahrt tnS Siebengebirge mit einem gemieteten Tampfboot. Als diese- zwischen 9 uns 91/, Uhr vor Königswinter ankam, ging bann auch die Illumination von statten. Raketen stiegen auf, und zum Schlüsse wurde die Plattform mit den ehrwürdigen Bäumen grün imb rot erleuchtet. Sel;r großartig war die bengalische Beleuchtung gerade nicht, auch nicht von langer Tauer, da bas Schiff mit verlangsamter Fahrt, aber ohne anzuhalten, weiter fuhr. Empörend war jeboch, baß bas „ausgebeutete Proletariat", das eine Kapelle mit sich führte, ivähreud der Porbeifahrt die Mari eil la ise soielie imb daß die Festgenoffen hierzu einen deutschen Text sangen. Was würbe wohl ber alte Arnbt lnerzu gesagt haben. Damit dem Bilde der Rahmen nicht fehle, will ich noch bemerken, daß ein zahlreiches Publikum, dessen Aiehrzahl aus klassenbewußten Unter- örü efteu und Notleidenden besteht, dem Schauspiel mit Andacht und Teilnahme znsah."
Der Einsender dc3 Schreibend bezeichnet sich als $bu gehöriger der Nheinisch-nationalliberalen Partei und bemerkt noch, daß, da der „Alte Zoll" Eigentum der UnioersitätS- behörde ist, seine Erleuchtung der Genehmigung der Universitätsbehörde bedurft hätte. *
Die Bergnovellen im preußischen Herrenhaus.
Gr-af Bülow hat am Freitag im preußischen Herrenhaus wiederholt das Wort ziir Verteidigung ber Bergnovellen ergriffen. Er betonte bie ernste und nii'chsame Arbeit, welche Negierung unh Abgeordnetenhaus mit den Vorlagen gehabt hätten, wodurch er den Wunsch einer unveränderten Annahme zu erkennen gab, und glossierte die im Abgeordnetenhaus von konservativer Seite ausgestellte Behauptung einer „Kapitulation vor der Sozialdemolratie" dadurch, daß in diesem Sinne schließlich, wenn man wolle, die ganze Arbeiterschntzgesetz-^ gebung aufgefaßt werden könne. Mit solchen Schlagworte^ aber, sagte Graf Bülow, lassen sich soziale Maßnahmen und Forderungen nicht abtun.
T>otz der zum Teil sehr scharfen Kritik konservativ^ HerreuhauS-Nebncr — Frhr. v. Manteuffel gab als Erster den Bedeuten gegen einen erhöhten Bergarbeiterschutz AuS- .druck — wirb Graf Lülow auch hier baö Ziel erreichen^


