Nr. 153
G^chetnt O-Nch mit Ausnahme de» DormtagS. Die „Äkßtnet ZamiNenblätter" werden dem ^Anzeiger ütermo! wöchentlich beigelegt. Der Edelfisch« Landwirt- erscheint monatlich einmal.
Drittes Blatt. 155. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
Samstag 1. Juli 1905
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersitätsdruckerei. R. Laag«, Tietz«.
Redaktion, Expedition «.Druckereir Schulstr.1, Tel. Nr. 6L Telegr^Adr, r Anzeiger Tietz«»
General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen.
Uolitische Tagesschau.
„Wegen Ablehnung eines Duells", ______
so liest man in verschiedenen Blättern, „hat der Student Artur Weber in Innsbruck, der Senior der dortigen katholischen Verbindung, das päpstliche Ehrenkreuz „pro ecclesia“ erhalten, dessen Anlegung ihm jetzt durch kaiserlichen Erlaß gestattet wurde. Dazu bemerkt nun die „Germania":
1. Ob die päpstliche Auszeichnung des stud. jur. Weber „wegen Ablehnung eines Duells" eriolgte, ist aus der Verleihungsurkunde nicht ersichtlich, da in derselben keine Gründe angegeben werden. 2. Vorausgegangen waren verschiedene Umstände, die bei, der Auszeichnung in Betracht gu ziehen sind: die Feier des vierzigjährigen Bestandes der Verbindung Austria, deren Senior Weber war, nebst der Einweihung ihres eigenen Verbindungshauses; die großartige Papstfeier aus Anlaß des letzten Jubiläums Leos XII., wobei sich die Austria und ihr Senior ganz besondere Verdienste erwarben; die Verweigerung des Duells und die infolgedessen von Seiten derMilit'ärbehörde n verhängte Degradierung Webers, der seiner Beförderung zmn Reserveossizier entgegensah. 3. Den Anlaß zur Forderung gab eine studentische An- re m p e l u n g Webers durch den Rechtshörer Heinrich Jörg, Mitglied der schlagenden Verbindung Brixia, am 16. Oktober 1902. 4. Daß bei dieser Rempelei der „neue päpstliche Ehren- kreuzritter" seinen Gegner nicht reizte, sondern von diesem ohne Grund beschimpft und gereizt wurde, geht ans den Akten mit vollster Evidenz hervor. Das K. K. Bezirksgericht Innsbruck verurteilte nämlich Jörg am 29. Dezember 1902 zu 20 Kronen eventuell zwei Tagen Haft, während Weber wegen einer Ohrfeige, mit der er die Provokation Jörgs erwiderte, 10 Kronen zu zahlen hatte. Dabei erkannte das Gericht in der Begründung des Urteils als erwiesen an, „daß Jörg den Weber, von dem er wußte, daß er eine Genugtuung mit den Waffen nicht zu fürchten habe, einfach o h n e G r u n d a n g e st ä n k e r t und beschimpft und den Auftritt vorsätzlich vom Zaun gebrochen hat." (Gerichts- akten U. IV. 2270. 6.) Die gegen dieses Urteil eingelegte Berufung -»urde vom ft K. Landesgericht Innsbruck verivorfeit. 5. Auch die
Die Grundsätze des neuen Kis-nöahntarils, soweit sie in den auf Anregung Preußens von den Bundesregierungen beschickten Konferenzen festgelegt wurden, sind jetzt von der sächsischen Regierung veröffentlicht wordem Die sächsische Regierung hat diese Grundsätze, vorbehaltlich des Gehörs des am 4. Juli in Dresden tagenden sächsischen Landeseisenbahnrats, bereits genehmigt.
Zweck der Reform ist, eine Gleichmäßigkeit der Grundsätze des Personentarifs in Deutschland herbeizuführen. Die Vierzahl der Wagenklassen, die in Rorddeutschland besteht, soll beibehalten und auch auf Süddeutschland ausgedehnt werden. Rur Bayern mit Ausnahme der Pfalz will wegen betriebsökonomischer und sozialpolitischer Bedenken die vierte Klasse als solche nicht einführen, wohl aber deren Einheitssatz aus die dritte Klasse in den Lokalzügen anwenden, sodaß der Preis der dritten Klasse in den verschiedenen Zugarten verschieden sein wird.
Die neuen Preise werden gegen die der jetzigen einfachen Fahrkarten für Personenzüge niedriger sein:
In 1. Klasse um 12,5 Proz., in 2. Klasse um 25 Proz., in 3. Klasse um 25 Proz., in 4. Klasse bleiben sie bestehen wie bisher. „
Als wesentliche Neuerung erscheint der Wegfall der Rückfahrkarten.
Zu den Schnellzügen werden feste Zuschläge nach Art der Platzkarten ausgegeben, dagegen soll eine weitere Platzgebühr für V-Züge nicht weiter erhoben werden.
Das Freigepäck wird aub gehoben.
Monatskarten, Schülerkarten, Arbeiterwochenkarten bleiben ohne Preisänderung bestehen. Auch für Ausflüge für Kinder, für solche zu wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken treten Preisermäßigungen ein. Dagegen sollen die Preisermäßigungen für gemeinschaftliche Reisen größerer Gesellschaften wegfallen.
Als Zeitpunkt der Einführung ist der 1. Oktober 1906 in Aussicht genommen.
Der n e u e G e p ä ck t a r i f, der mit der Personentarifreform unter Beseitigung des Freigepäcks in Kraft treten soll, stellt einen Zonentarif dar. Der „Franks. Ztg.", die das vollständige Schema des neuen Gepäcktarifs bringt, entnehmen wir, daß eine Nahzone (1—25 Km.) und 14 Zonen gebildet worden sind. Die erste Zone reicht von 26—50 KUr.; die nächsten Zonen wachsen immer unt 50 K>m. bis hur zehnten (451—500 Ksti.). Die nächsten haben einen Radius von 100 Km., die letzte umfaßt die Entfernungen über 800 Km. Die Gepäckfracht ist derartig abgestuft, daß in jeder Zone je 25 Kgr. einen bestimmten Einheitssatz kosten. In der Nahzone kosten 1—25 Kgr. (in Preußen-Hessen bisher frei) 0,20 Mk., jede weiteren angefangenen 25 Kgr. kosten ebenfalls 0,20 Mk., sodaß die Fracht bei 176—200 Kgr. 1,60 Mk. beträgt. In der ersten Zone ist der Satz für je 25 Kgr. 0,25 Mk., in der zweiten 0,50 Mk. usw., bis zur vierzehnten, wo je 25 Kgr. 5 Mk., 176—200 Kgr. also 40 Mr. kosten. Zum Vergleich sei mitgeteilt, daß die Gepäckfracht gegenwärtig, abgesehen von dem Freigepäck für je 10 Kgr. in Preußen-Hessen 0,50 Pfg., in Baden, Bayern und Württemberg 0,35 Pfg., in Sachsen 0,53 Pfg., in der Pfalz 0,56 Pfg. beträgt.
Die finanzielle Wirkung der geplanten Personen- /arifreform aus die sächsischen Eisenbahnen ist nach einer Rechnung des „Dresdener Journ." folgende: Es treten Mindereinnahmen ein: im Verkehr auf einfache Fahrkarten von 1361500 Mk., an Schnellzugszuschlägen von 608 000 Mk., zusammen 1969 500 Mk. Dagegen Mehreinnahmen : im Verkehr aus Rückfahrkarten von 1535 000 Mk., im Verkehr auf zusammengestellte Fahrscheinhefte Don 24 000 Mk., im Gepäckverkehr von 450 000 Mk., zusammen 2 099 000 Mk., sodaß einUeberschußvonl29 500Mk. verbleibt. Die preußisch-hessische Tarifgemeinschaft soll angeblich einen klein enAusfallderEin- nahm en aus der Reform haben.
Um alle diese Rechnungen NachprüfeN zu können, müßte man aber erst ihre Grundlagen kennen. So viel steht jedenfalls fest, daß die sogenannte Tarifreform in der Gestalt, wie sie dem sächsischen Landeseisenbahnrat vorgelegt wird, für das Publikum nur eine Verteuerung des Reisens herbeiführen wird.
Militärbehörde, die Weber wegen Verweigerung des Duells seines militärischen Grades sür verlustig erklärte, stellte sich Jörg gegenüber au? den Standpunkt des Zivilgerichts. Deshalb wurde ihm die Würdigkeit zur Ernennung zum Reserveoffizier und zugleich der Titel Kadettaspirant aberkannt. (Regimentsbefehl vom K.K. ersten Tiroler Kaiser-Jäger-Regiment 14. Februar 1904.)
*
Der fünfte BervandZtag der Zigarrenladeninhaber Deutschlands, der dieser Tage in Magdeburg stattfand, beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit einer Organisationsänderung, die glatt angenommen wurde. Ein weiterer Antrag der Ortsgruppe Magdeburg 2 forderte eine Stellungnahme zu dem Projekte einer erhöhten Tabaksteuer. In der Besprechung wurde betont, daß der Zigarrenhändler sicher Schaden erleiden werde, weil sich der Konsum auf jeden Fall vermindern würde. Man habe heute noch nicht die Höhe des Verbrauchs vor der letzten Erhöhung der Tabaksteuer erreicht. Auch würden die Tabakarbeiter dabei aufs Schwerste geschädigt werden. Der Verbandstag beschloß, falls die Neichsregierung auf eine stärkere Belastung des Tabaks in irgend einer Form kommen sollte, mit den interessierten Körperschaften zusammenzugehen und im Jnter- effe der ganzen Branche energisch Stellung dagegen zu nehmen.
Die Erhöhung des Verbandsbeitrages auf 2 Mk. jähr- lich vom 1. April 1906 ab wurde beschlossen. Zum Zwecke der Erwerbung der Rechtsfähigkeit für den Verband wurde von der Versammlung gewünscht, daß die einzelnen Ortsgruppen sich bis zum 1. April 1906 als rechtsfähige Vereine eintragen lassen. Der geschäftsführende Ausschuß wurde wiedergewählt. Der Sitz des Verbandes bleibt in Hamburg. Zum Ort für den nächsten Verbandstag wurde Nürnberg gewählt.
* Die Bahn auf dem Mont Blanc. Mit dem Bau der neuen Bergbahn, die die schneeigen Höhen des Mont Blanc den Touristen zugänglich machen will, wird in den nächsten Tagen begonnen werden. Die Bahn beginnt bei dem Dörfchen Le Fayet am westlichen Ende des Chamonix- tales und steigt in weitem Bogen zu der Nordwestseite des Berges herauf. Sie wird nicht auf dem Gipfel des Mont Blanc selbst enden, sondern auf dem Plateau der Aiguille du Gouter 3900 Meter. Von dort kann der Aufstieg zum Gipfel des Mont Blanc, 4810 Meter, bequem in vier Stunden gemacht werden. Die Bahn wird wie die elekrische Bahn auf die Jungfrau gebaut und etwa 18 Kilometer lang sein, die Bauzeit wird auf fünf Jahre veranschlagt. Die Fahrt von Le Fayet nach der Station „Gipfel" wird vier Stunden dauern. Eine Rückfahrtkarte soll 80 Mark kosten. Die Züge sollen gut geheizt und beleuchtet werden und alle Bequemlichkeiten bieten. Jeder Zug besteht aus einer Lokomotive und zwei Salon Passagiermagen, die Raum für 80 Personen bieten, und die vielen Fenster werden es allen Reisenden möglich machen, die Alpenlandschaften, durch die der Zug fährt, zu sehen. Ein System von drei selbständigen Bremsen wird ein Eisenbahnunglück völlig unmöglich machen. Wer die Fahrt wegen der großen Höhe nicht in einem Tage machen will, kann auf verschiedenen Zwischenstationen auf der Bergseite bleiben, die Erfrischungsräume, Warteräume und Beobachtungsgalerie enthalten werden. Für Krankheitsfälle und andere unvorhergesehene Ereignisse stehen alle Stationen in direkter telephonischer Verbindung mit den in Le Fayet wohnenden Aerzten.
* Ein humorvoller Schusterjunge. Ein Schusterjunge ging aus einem benachbarten Dorf nach Reichelsheim in die Lehre. Nach einiger Zeit bezeigte er aber wenig Lust mehr, hinüber zu gehen und blieb schließlich wieder ganz zu Hause. Als ihn seine Kameraden fragten, aus welchen Gründen er zu Hause blieb, ob ihm vielleicht das Essen nicht geschmeckt habe, antwortete er: „Jin Gegenteil, das Essen war zu gut, denn ich bekam sogar dreierlei Gemüse, nämlich rohes, galhres und an gebranntes."
* (5.in Gesch äft. Spät abends, als^der Bäcker gerade den Laden schließen will, kommt ein Student eilfertig in den Laden: „Sie, Meister, haben Sie wohl noch fünfundsiebzig altbackene Semmel?" — „Fünfundsiebzig altbackene. . . . ich werd' gleich nachsehen." Hocherfreut geht der Bäcker ans Auszählen der altbacknen Semmeln: eins — zwei — drei — vier — er zählt langsam und gewissenhaft. Der Student sieht aufmerksam zu. Endlich ist die Zählarbeit beendet. „Das trifft sich aber", schmunzelt der Bäckermeister, „gerade noch fünfundsiebzig altbackene Semmeln hab' ich." In dem Gesicht des Bruder Studio spiegelt sich innigste Teilnahme, als er bemerkt: „Die werden Sie heut auch nicht mehr los!"
Kcrichtssaal.
(n.) Gießen, 30. Juni. Die Str afkamrner.hob heute zwei Schösfenaerichtsurteile teilweise auf und setzte die Strafen herab. Ter Taglöhuer Heinrich Z. von Mddingshausen ist auf dem Heimweg von einer Holzversteigerung, wo viel getrunken worden war, mit einem Dachdecker in Streit geraten. Er brachte ihm mit einem Stock eine erhebliche Wunde am Kopfe bei und verletzte ihn am Arm und an bet Schulter. DaS Schöffengericht .Homberg hatte il-n dafür wegen Körperverletzung zu 7 Wochen Gefängnis verurteilt. Er ergriff das Rechtsmittel der Berufung und bat um Herabsetzung 'Der Strafe, da er die Tat in angetrunkenem Zustande, nachdem er von dem Verletzten gereizt worden sei, verübt habe. Das Berufungsgericht ließ Milde walten und setzte die Strafe auf 4 Wochen Gefängnis herab. — Durch das Schöffengericht Bad-Nauheim ist der 17 jährige Schriftsetzer Johann B. von Dorheim wdgeu Körperverletzung zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er erhob Beruftmg mit der Bitte um Herabsetzung der Strafe, da er von dritter Sette zur Begehung der Tat veranlaßt worden sei. (SS wurde fcstgestellt, daß er einen 66 jährigen Mann vhne Veranlassung mit einem Spazierstock geschlagen hat, sodaß er sich mehrere Tage ohne Hilfe nicht an- und auskleiden konnte. Eo zeigte Reue und
seine Angaben waren glaubhaft, auch wurde die Jugend straft mildernd in Betracht gezogen, sodaß das Gericht sich veranlaßt sah, die Strafe auf 4 Wochen Gefängnis zu ermäßigen. — Der Kaufmann Richard Z. auS Schlitz war wegen Vergehens» gegen die Konkursvrdnun g angeklagt. Er ist schuldigt, seine Handelsbücher, bereit Führung ihm gesetzlich ob- lag, so unordentlich geführt zu haben, daß es unmöglich war, seinen Vermögensftand daraus zu ersehen. Weiter ist ihm zur Last gelegt, daß er die Bilanzziehung unterlassen hat. Der im Jahre 1876 geborene Anmklagte vereinigte sich im Jahre 1903 mit einem Bleicher zu Schlitz. Die Gesellschaft hatte sich dis fabrikmäßige Herstellung und den Vertrieb von Leinenwaren zut Aufgabe gemacht. Es wurden bedeutende Geldsummen jür Anschaffung von Maschinen und Gerätschaften verwendet. Z. oblag die Buchführung, während sein Kompagnon die technische Leitung übernommen hatte. Wie aus Zeugenaussagen hervorgeht, wurde viel Unnützes angeschafft, und dann wurden schlechte Geschäfte gemacht, sodaß recht bald der Konkurs vor der Tür stand. Nach bet Annahme des Konkursverwalters dürfen die Gläubiger auf etwa 10 Prozent hoffen. Der Vater des Angeklagten allein verliere 40 000 Mark. Da die sämtlichen, Geschäftsbücher zur Er-^ stattung des Gutachtens nötig sind, einige aber nicht zur Stells waren, mußte die Sache ausgesetzt werden. — Der Weißbinder Konrad K. II. von Hattenrod, hat nach einem Wirtschausstreil einem Maurer auf dem Heimwege hinter einem Reiftghaufen, aus dem et vorher einen Prügel gezogen hatte, aufgelauertj und ihm mit den Worten: ,^Jch schlag Dich tot", den Prügel auf den Kopf geschlagen, sodaß er besinnungslos liegen blieb und eine große Verletzung davontrug. Das Schöffengericht Lich hatte ihn mit Rücksicht darauf, daß er gereizt worden war, mit 6 Wochen Gefängnis durchkommen lassen. Trotz der geringen Strafe erhob er Berufung, zog sie aber bei der heutigen Bet-« Handlung wieder zurück.
Kunst und Wissenschaft.
Erste Württembergische Ausstellung von Wohnungseinrichtungen. Stuttgart ahmt Darmstadt nach. „Kunst im Handwerk" lautet die Devise der Möbelausstellung, die der Verband der Württembergischem Holzindustriellen in Stuttgart am 29. Juli eröffnen wird. Die Ausstellung wich wie man uns schreibt, ein möglichst erschöpfendes und einheitliches Abbild der bürgerlichenWohnungunsererTage bieten, deren einzelne Zimmer sich gegenseitig zu harmonischer Wirkung ergänzen. Der m o d e r n e S t y l, wie er aus dem Zusammenwirken hervorragender künstlerischer Kräfte und guter Handwerks- tradilion allmählich zu einem lebendigen Ganzen erwächst, ist überall sestgehalten, sodaß zeitgemäße Einrichtungen, die frei von jeder Extravaganz und ohne allzustarke Betonung des Individuellen für den täglichen Gebrauch in der deutschen Familie paffen, weiteren Kreisen des Publikums zugänglich gemacht werden.
— Vorgeschichtliches Grab im Schwanheimet Wald. Die Mitglieder der Anthropologischen Gesellschaft. zw Frankfurt a. M. nahmen am 22. d. M. die, Besichtigung eines' vorgeschichtlichen Grabes vor, das bei Erdarbeiten auf dem Spielplatz des Poloklubs im Schwanheimer Wald gefunden und offen- gelegt wurde. Waffen wurden nicht gefunden, dagegen einige irdene, offenbar auf der Scheibe hergestellte Gefäße mit Glasur! und Stempelornamenten. Es ist anzunehmen, daß das Grab aus der La Töne-Perio-de, etwa Mei- bis dreihundert Jahre v. Ehr., stammt. Wie Direktor E. Franck der „Frkf. Ztg." zufolge mitteilte, verlangt das Wiesbadener Museum den ganzen Fund füp sich, Frankfurt protestiert aber entschieden dagegen. Der Poloklub! will das Grab einftiedigen lassen, aber nicht zur allgemeine^ Besichtigung freigeben. L
— Die Tätigkeit der römisch-gerrnaNischest Kommission des kaiserlich deutschen Archäologischen Institut» wird in dem von Geh. Rat Conze erstatteten Jahresbericht wie! folgt geschildert: Bei Holtern wurden gemeinsam mit beri Altertumskommission für Westfalen die beiden Ostftonten des großen Lagers untersucht und die Ausgrabung im Unterkastell- zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Mit derselben Korn-! mission verband man sich zur Untersuchung der Befestigungsanlage, bei Kneblinghausen. Unterstützt wurden Herrn Soldans Ausgrabungen vorrömischer Wohnstätten bei Butzbach, Traisa und Heppenheim in Hessen. Die Kommission beteiligte sich bei der vom Direktor be§' Provinzialmuseums in Trier unternommenen Untersuchung einer ansehnlichen römischen Villenanlage bei Wittlich. Kleinere Feststellungen erfolgten in der Wetterau. Ist einer Kommissionssitzung besprach man die Anteilnahme an der Erforschung von Ringwällen, von denen drei im Taunus besichtigt wurden. An einem solchen Ringwalle bei Wirtheim int Spessart unternahm Herr Thomas eine Ausgrabung. _ Herrn Henckel würde zum Zwecke seiner Veröffentlichung über römische Fingerringe der Besuch deutscher, holländischer, belgischer und französischer Sammlungen ermöglicht. '
Schiffsnachrichtev.
Red Star Linie
Vertteter Earl Retter, Gießen, Eichweg 7, Ecke großer Steinweg.
Der Postdampfer „Zeeland" der Red Star Linie in Antwerpen, ist laut Telegramm am 27. Juni wohlbehalten in Newyork angekommen.
Kursbericht.
Frankfurt a. IW., 30. Juni Offizielle Schlusskurse.
. 67.65
4% Oesterr. Goldrente
4x)6% Oesterr. Silberrento . 100.70
98.70
. 263.00 . 260.00
66.60
67.00
88.60
138.80
. 96.20 . 135.10 . 121.40 . 205.70 . 187.70 . 189.40 . 154.10 . 167 70 . 142.90 . 18.25
4% Ungar. Goldrento 4°/o Italien. Rente .
4% Portugieser I . 3°/o Portugiesen. IH 1% Unif. Türken . Türkenloee ....
3Va% 3% 8‘/,°/o 8% 8Vi% 8’/,%
. 101.85
. 89.95
. 101.25
. 90.05
. 100.35
. 99.30
. 101.90
Reiohsanleihe do.
Konsole .
do. . .
Hessen Oberhessen
3°/0 Mexikaner . 41/2^0 Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden • » Gotthardbahn « . LaurahOtte . . Bochum . . .
4% Grieoh. Monopol.-Anl. 53.70 Harpener . ., .
41/,°/o äussere Arerentlner —.— Staatschatzscheine
Tendenz: schwach, Schluss ruhig1.
. 210 80
. 100.35
Vorsicht ist geboten denvielen, meistminder- wertigen Waschpulvern. Das seit 25 Jahren im Handel befindliche Dr. Thompsons Seisenpuloer, Marke Schwan, hat sich bis jetzt als das beste, billigste und bequemste erwiesen. — Ueberall zu haben. ssM/a
Mass verlamme ausdrücklich die Originalmarke „Dr. HommeFs“ Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht aufreden.


