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Mittwoch 16, August 1 SOS
Erstes Blatt.
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Schulstratze r.
Adresse lür Depescheur «ozetger Vtetzea.
AernsprkchorttchlutzNr 61.
den Teil: -Stadt
155, Jahrgang
Aus Rußland.
Petersburg, 15. Slug. (Petersb. Tel.-Agent.) Dev Mörder des Gendarmerie-Leutnants Kramorensko itt Wiborg, Procope, wurde zum Tode durch den Strancx verurteilt.
Warschau, 15. Aug. Als sich heute früh der in den Diensten der geheimen politischen Polizei stehende Reallehrer von Oborski von seiner in der Jerusalems- Kaja belegenen Wohnung nach dem Zentralbahnhofe begeben wollte, vertrat ihm ein als Bettler verkleidetes Individuum den Weg und sprach ihn um einen Almosen an. AlS OborSki seine Börse ziehen wollte, warf sich der Bettler plötzlich auf den Ahnungslosen und brachte ihm mit einem int Aermel versteckt gehaltenen Dolchmesser fünf Stiche bei, von denen der eine ihn lebensgefährlich verletzte. De« Attentäter entkam im Gedränge. Wie nachträglich bekannt geworden ist, sind in der vergangenen Woche 15 Realschüler auf Oborskis Denunziation wegen politische« Umtriebe verhaftet worden.
Moskau, 15. Aug. Der Kongreß des Bauernverbandes, welcher unter der Beteiligung von bäuerlichen: Vertretern aus 22 Gouvernements hier tagte, verlangt füv die Wahl der Volksvertreter das allgemeine direkte und geheime Stimmrecht vom 20. Jahre an ohne Unterschied des Geschlechts, sowie eine konstituierende Versammlung mit gesetzgeberischer Initiative, Verfügung über die Finanzen lind Kontrolle über die Verwaltung, ferner persönliche Unantastbarkeit der Volksvertreter u. s. w. Ferner erkannte der Kongreß die Notwendigkeit an, den bäuerlichen Landbesitz zu erweitern uud fordert einen obligatorischen, unentgeltlichen Elementarunterricht mit nicht obligatorischem Religionsunterricht, Verweltlichung der Schule, Gratisbibliotheken und Lesesäle.
Petersburg, 15. Aug. Aus Riga wird gemeldete In den Kreisen Dmitrowsk und Bausk zerstörten aufgehetzte Bauern 22 Bezirkskanzleien und vernichteten sämtliche Dokumente, darunter auch alle die Einberufung der Reserven betreffenden Papiere. Dann raubten sie Krongelder aus den Kassen. Die Gouvernementsbehörde entsandte sofort Militär, das die Unruhen Niederkämpfen soll. Im
Ostse e.
Bei der Rückkehr des französischen Geschwaders von dem Besuche in England stieß der Kreuzer ,Zaureguiberry-
Nv. 191
•fi**t*t außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger gerben im Wechsel mit dem ßefflfdten Landwirt die Gtetzener Familien» WM« viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Der» Lag der Br ühl'schen VMvers^Buck>-n. Stein- bnidttti. N Sang«.
Helm nicht bestätigt. -----------------
Das Ende des französischen Flottenbesnchs.
London, 15. Aug. DaS Kanalgeschwader, stehend aus 11 Schlachtschiffen und 8Kreuzern, ließ heute morgen Spithead auf seiner Ausreise nach der
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger " **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
e«a*ai>»etet monatUch7bP^ viertel» jährlich Mk. 8.20; durch Adhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viettel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzet'm ,r die tr idrm-tutet 4 vomrittagS J'tlit.
nirswärtS
Kaiser Franz Fosef und König Eduard.
Die Zusammenkunft der beiden §>errscher hat nun statt- gesunden. Kaiser Franz Josef ist gestern, Dienstag, um 3 Uhr nachmittags dem König von England von Ischl aus bis G m u n - den entgegengereift, um dort seinen königlichen Gaft zu begrüßen. Es sind darüber folgende Meldungen zu verzeichnen:
Gmunden, 15. Aug. Der Kaiser traf nach 4 Uhr nachm. auf dem hiesigen Bahnhof ein, um König Eduard zu erwarten, um i/i5 Uhr langte der Sondcrzug mit dem König an, der bte Obevstunisvrm seines öftreichischen Husarenregiments trug. Der König ging auf den Kaiser zu, ihm beide Hände entgegenstreckend. Die Monarchen umarmten einander. Der Kaiser küßte den Könrg auf beide Wangen. König Eduard dankte wiederholt dem Kaiser, daß er sich nach Gmunden bemüht habe. Beide Monarchen fuljren sodann nach Ischl. Ein Besuch des Königs Eduard bei der herzoglichen Familie Cumberland nm beabsichtigt, mußte aber unterbleiben, da die herzogliche Fannlie gegenwärtig auf dem Jagdschlösse Schrattenau weilt.
Ischl, 15. Aug. Nach 5 Uhr traf hier der Zug mit dem Kaiser und König Eduard ein. Auf der Fahrt zum Hotel Elisabeth, dem Absteigequartier des Königs, wurden beide Monarchen von einer tausendköpfigen Menschenmenge mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Im Hotel fanden sich die Mitglieder des Kaiserhauses zur Begrüßung ein. Der König unternahm spater eine Ausfahrt in die Umgebung von Ischl und wurde um Uhr vom Kaiser zum Familiendiner in die kaiserliche Billa abgeholt. Das Diner, bei dem keine Toaste ausgebracht wurden, dauerte bis Vi9 Uhr, worauf beide Moirarcheu ins Hotel Elisabeth ftihren, wo der Tee eingenommen wmrde. Der Kaiser verblieb bis nach 9 Uhr. — In Hvfkreisen wird ein unterlaufener Fehler beftwochen. König Eduard sollte in Zivilkleidung mn- tresfen, weshalb der Kaiser die Oberstumform seines ostreichifchen Dragonerregiments anlcgte. König Eduard erschien aber zur Ueberraschung in ösireichischer Husarenumform, was eine entsprechende englische Uniform seitens des Kaisers erfordert hatte
Paris 15 Aug. Die Pariser Presse bespricht nut Befriedigung, daß sich die Meldung englischer Blätter über eme Zusammenkunft König Eduards nut Kaiser Wrl-
schwäche nach Lungenentzündung. Nachträglich wird gemeldet: Reiter Johann Meier, geb. zu Bruck, früher im Kgl. Bayerischen 21. Infanterie-Regiment, am 17. Juni 1905 im Gefecht bei Narus gefallen. Außerdem hat sich der bei Baalgras als gefallen gemeldete Gefreite Wilhelm Mussog, früher Jäger-Bataillon Nr. 3, mit einem Brustschuß auf Gurmanas bei der Truppe wieder ein- gefunden. ziirreit Lararett Windbnk Befinden beftiedigend.
Die FriedensunterhanÄlungen.
Portsmouth (New-Hampshire), 15. Aug. Die heutige Sitzung der Friedenskonferenz begann vormittags 10 Uhr. Die Bevollmächtigten eröffneten die Beratung des Artikels 4 betreffend die Halbinsel Liaullmg und die AL- tretung der russischen Pachtverträge.
Portsmouth, 15. Aug. (Reuter.) Der Inhalt der von der Friedenskonferenz angenommenendreiAr- tikel ist folgender: RußlanderkenntJapansvor- herrschenden Einfluß und die besondere Stellung bezügllch Koreas an, welches Rußland von nun an als außerhalb seiner Einflußsphäre stehend anzusehen bereit ist. Japan verpflichtet sich, die Souveränität der herrschenden Dynastie anzuerkennen, mit der Berechtigung, die Ztvil- verwaltung zu beraten, zu unterstützen und zu vervollkommnen. Rußland uitb Japan erkennen gegenseitig die Verpflichtung an, die Mandschurei zu räumen, auf alle besonderen Vorrechte dort zu verzichten, die territoriale Unverletzlichkeit Chinas zu achten, und den Grundsatz gleicher Rechte für Handel rmd Industrie aller Nationen in dieser Provinz aufrechtzuerhalten. Rußland und Japan ver- rflichten sich ferner zur Abtretung der Chinesischen Osteisenbahn von Charbin aus an China. Jnbezug auf diese Zession wird es China und Japan überlassen, eine Vereinbarung zu treffen bezüglich der Rückerstattung der Japan durch die Wiederherstellung der Eisenbahn und Brücken südlich der gegenwärtigen Stellung der russischen Armee erwachsenen Kosten. Wenn es China nicht möglich ist, das hierzu nötige Geld auszubringen, so könne vielleicht irgend eine andere Macht gegen hypothekarische Sicherstellung die Rückerstattung der Kosten an Japan übernehmen.
Eine spätere ergänzende Meldung hierzu besagt folgendes :
Newyork, 15. Aug. Der von der Friedenskommisflon angenommene Punkt drei betrifft nicht die Abtretung der ostchinesischen Eisenbahn, die später besprochen wird, sondern die Wiedereinsetzung u er chinesischen Behörden in der M a n d s ch u r e i, als Folge des Punktes zwei, der für China die Integrität und die Politik der Offenen Thür" sestsetzt.
Newyork, 15. Aug. In Portsmouth wurde heute eine Einigung über den vierten Punkt: Abtretung der Liaotung-Halbinsel und Uebergabe der chinesischen Bahn südlich Cbarbins erzielt. Dagegen wurde der fünfte Punkt, der sich wahrscheinlich auf die Abtretung Sachalins bezieht, bis zuletzt rurückgestellt, da eine Einigung nicht zu erzielen war, und zum sechsten übergegangen.
Wie die Japaner in ihrer Heimat den bisherigen Verlaus der Friedensverhandlungen beurteilen, geht aus folgender Meldung hervor:
Tokio, 15. Aug. Die japanische Presse weist darauf hin, daß unter den japanischen Friedensbedingungen fast jede einzelne eigentlich ein fait accompli sei. Wenn Rußland die Bedingungen zu hart finde, so sei das einfachste Mittel das, die Friedenskonferenz auf nächstes Jahr zu verschieben. Sachalin werde dann nur mehr ein Teil des Territoriums sein, das in Frage komme.
I)ie keutige Kummer umfaßt 8 Seilen.
"grüße Botschaften aus Südwestafrika.
In Südwestafiika herrscht hochgradige Nervosität, die ' auch den General v. Trotha ergriffen Hut. Das ist er- llärlich, denn er mag sich die Niederwerfung des Feindes - wohl doch leichter vorgestellt haben. Die Zwistigkeiten zwischen der Zivilbevölkerung und dem militärischen Gouvernement wiederholen und verschärfen sich; die Bezirksbeiräte in Swakopmund und Windhuk bestehen nicht mehr; kurz, es hat sich in der Zivilbevölkerung der Kolonie eine Verstimmung herausgebildet, die das Verlangen auslöst, die „Militärdiktatur" möge verschwinden, und der zum Gouverneur in Aussicht genommene Herr v. Lindequist recht bald sein Amt antreten. Solange der Kriegszustand dauert, ist daran wohl nicht zu denken, abgesehen davon, daß Herr v. Lindequist die Uebernahme des Gouverneurpostens von der Zusicherung abhängig macht, daß in Zukunft der Schutz- truppcnkommandeur dem Gouverneur unterstellt sein soll. Diese Zusicherung dürfte der Reichskanzler nun fieilich ohne weiteres erteilen, hat er doch auch den General v. Trotha zur Zurücknahme einer angeblich im Oktober erlassenen Proklamation angehalten, die auf Ausrottung der Hereros abzielte, und damit bekundet, daß das entscheidende Wort in Berlin gesprochen wird. Hern v. Trotha erwähnt in einer Polemik gegen die „Windhuker Nachrichten" — auf die Presse ist der General überhaupt schlecht zu sprechen — diesen Erlaß des Reichskanzlers, und meint mit durch- llingender Mißbilligung, durch das Angebot der Gnade sei bei den Hereros der Gedanke entfacht, die heimatlichen Gefilde wieder aufzusuchen und dort ihre Räubereien fort» zujetzen. General v. Trotha will also gewissermaßen den Reichskanzler mit verantwortlich machen dafür, daß seine militärischen Operationen nicht den gewünschten Erfolg haben. Das erscheint selbst der „Tägl. Rundsch." etwas stark, denn sie schreibt, außer Herrn v. Trotha glaube doch wohl niemand, daß die Androhung des Schießens die nichtgefangenen Hereros veranlaßt hätte, ihren „heimatlichen Gefilden" dauernd fernzubleiben. General v. Trotha ist, wie gesagt, nervös geworden, und das macht ihn nicht gerade befähigter zur Durchführung seiner schweren Aufgabe. Freilich kann der ernste Zweifel je länger umsoweniger verhehlt werden, ob die Durchführung überhaupt möglich sein wird. Schon hieß es dieser Tage, ohne neuen Eisenbahnbau sei der Feldzug nicht zu Ende zu führen. Obendrein ist der gefährliche Samuel Mahahero ins Ovambo- land entkommen, und es ist leider zu befürchten, daß er von dort aus den Deutschen einen neuen Feind auf den Hals hetzt. Unerfieuliches an allen Ecken und Enden! Eine gewisse Genugtuung könnte nur einer empfinden, nämlich der Exgouverneur Leutwein, und zwar darüber, daß jetzt der Wunsch nach Rückberufung des Generals V. Trotha laut wird, dem er seinerzeit im Schutzgebiet weichen mußte. Die Berliner Abendblätter vom 15. d. M. sind einig darin, daß in dem bisherigen Gleis die verfahrene Karre kaum noch länger weitergeschoben werden kann, und'das „Berk. Tagebl." richtet die schärfsten Angriffe gegen den General V. Trotha, weil er den Reichskanzler in den „Windh. Nachr." öffentlich abgekanzelt habe. Die „Nordd. Allg. Ztg." äußert sich noch nicht zu dieser Ang''egenheit, man ist bis jetzt auf das von der in weiterer Oeffentlichkcit unbekannten Zeitschrift „Die deutschen Kolonien" mitgeteilte Material angewiesen, in dem der Wortlaut des Erlasses des Reichskanzlers fehlt.
Nach der Zeitschrift „Die deutschen Kolonien" hatte die Proklamation, die Geeral v. Trotha auf den Erlaß des Reichskanzlers hin zurücknehmen mußte, folgenden Wortlaut gehabt:
Osornbo-Windombe, den 2. Oktober 1904.
Ich, bet große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, ’t verwundeten Soldaten Ohren und Nase und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. , Ich sage dem Volke: Jeder, der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1000 Mark; wer Samuel Maharero bringt, 5000 Mark. Das Volk der Herero muß jetzt das Land verlassen. Weim das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero, mit oder ohne Gewehr, nut oder ohne Vieh, erschossen. Ich nehme keine Werber und keine Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind mente Worte an bas Volk der Herero.
Der große General des mächtigen Kaisers von, Trotha. Diese Proklamation ist nachträglich durch folgenden Truppenbefehl gemildert worden:
Dieser Erlaß ist bei den Appells den Truppen mitzuteilen, mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitan fängt, die entsprechende Belohnung zu teil wird, und das Ließen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, daß über sie ptn» weggesch offen wird, um sie zum Laufen zu zwingen, ^ö) nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wtro, keine männlichen Gefangenen mehr zu machen, aber, ntcht zu GreueltateNgegenWeiberundKinder ausartet. W werden schon fortlaufen, wenn zweimal über sie hinweggeschoßen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutsaien Soldaten bewußt bleiben.
Das Kvmmando, gez. von Trotha, Generalleutnant. Der Reichskanzler hat auf diese allerdings ungewohn- kichen Anordnungen deren Zurücknahme veranlaßt, und General v. Trotha sah sich deswegen zu der oben erwähnten Kritik seiner vorgesetzten Behörde veranlaßt.
Berlin, 15 Aug. Ein Telegramm aus W in dhu k meldet Krankheiten gestorben: Gefreiter Hermann Niewalda, geb zu Deschowitz, früher Husaren-Regunent Nr. 6, am 19. I"" 1905 in der Krankensammelstelle Gochas au Typhus: Retter Theodor Unnecker, geb. zu Fürdenheim, früher Vwnier-Datattlon Nr. 15, am 10. August 1905 im Lazarett LLderrtzbucht an Herz-
fam men; letzterer wurde schwer beschädigt. Der Kreuzev verblieb längere Zeit an der Unfallstelle, um dem Dampferi Hilfe zu leisten.
Thonon leS BainS, 15. Aug. Ministerpräsident' Rouvier dnickte dem Minister LanSdowne telegraphisch den Dank der französischen Regierung für die dem ranzösischen Geschwader von der englischen Bevölkerung bereitete Aufnahme aus. Rouvier sieht in diesen Kundgebungen ein neues Unterpfand für die Aufrechterhaltung des europäischen Friedens.
Dem Abschluß der fianko-englischen Feste widmet der „T e m p s" einen Artikel, der die englischen Liebenswürdigkeiten mit der Versicherung quittiert, daß Frankreich nt der Interessengemeinschaft mit England eine neue Friedens^ bürgschast erblickt, daß aber Frankreich nach wie bür an der Allianz mit Rußland festhalte in der Zuversicht, duß Rilßland seine Aktionsfreiheit wieder erlangen werde. Dev^ kühl höflich gehaltene Artikel entspricht in seinem Tenor der Stimmung in allen Kreisen, die sich hier für auswärtige Politik interessieren.
„Patrie" findet sogar, daß der Katzeniammer schon heute sich eingestellt hat. Die absolut unfteundliche Ha^ hing der australischen Volksvertretung in der für Frankreich wichtigen Frage der neuen Hebriden fei höchst bedenklich und die von England unterstützte Bedrohung der Ostsee durch die japanische Marine sei, gleichviel, ob dieser Plan ausgesührt werde oder nicht, ein ernstes Symptom^ den egoistischen Politik Englands, vor der Frankreich bestandigj auf der Hut sein müsse. ~
Die Trennung von Schweden und Norwegen.
Norwegen ist nach der im Sinne der Trennung beider Länder erfolgten Volksabstimmung nunmehr der Meinung, daß seine Wartezeit vorüber sei. DaS „Morgenbladef in Christiania gibt dieser Stimmung Ausdruck und schreibt unter der Überschrift .Was jetzt?" unteranderem: Der schwedische Reichstag wünschte eine direkte Erklärung von dem norwegischen Volke; dies ist jetzt erfüllt. Der schwedische Reichstag wünschte ferner eine neue direkte Hinwendung an Schweden« betreffend die Unions-Auflösung. Wir dürfen voraussetzen, daß auch dieser Wunsch erfüllt wird. Das Blatt sieht größere Schwierigkeiten bei den möglicherweise folgenden Verhand-, lungen voraus. Einigkeit über die verschiedenen Fragen mit den mannichfaltigen Einzelheiten könne kaum im Handumdrehen erreicht werden. Das jetzige Interregnum hat, so führt das Blatt dann aus, seine Bedenken, und es muß int wohlverstandenen Interesse beider Länder baldigst gesucht werden, dieses abzulösen. Vielleicht werden einzelne Schweden! meinen, wir hätten keine Eile. Dies ist indessen nicht fo; wir haben zwei bis drei Monate auf die Antwort des Königs Oskar, betreffend den Thron Norwegens, gewartet, aber der Reichstag hat bislang den König nicht in Stand gesetzt, zu antworten. Dem Wunsche nach einer Volksabstimmung ist man jetzt mit dem durchaus entscheidenden Ergebnis entgegengekommen. Wenn man sich kurze Zeit hierauf an Schwede« wenden wird, so glauben wir, daß man in Schweden erkennen wird, Norwegens Wartezeit müßte sich bald ihrem Ende nähern.


