Nr. 290
Erscheint tR-llch mit Vu-nahme des Tonmogs.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
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auskommen Ihren Schmerzen nach dieser Richtung hin hat Fürst Bülow im Reichstag lebhaften Ausdruck brr Heben. Leider sind die neu vorgeschlageueu Steuern zur Beseitigung dieser Kalamität derart, daß sie trotz der entgegengesetzten Versicherung Bülows zum allergrößten Teil die wirlschaftlich schwachen Schultern des deutschen Volkes treffen.
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Bei der Revision der Stondesregister ergab sich, daß der Standesbeamte !$. R. von Rixfeld eine Eheschließung! zwischen! Minderjährigen vorgenommen hat. Gr hat hierdurch gegen den § 1303 des Bärgert. Gesetzbuclxs verstoßen, was eine Auflage wegen Dcrgehens gegen das Personenstands- aesetz zur Folge kntte, da sunt mindesten vorher die 6>roßiährig- k-itserllärung hätte stittsinden ntiissen. ES kam zu seinen Gunsten in Betracht, daß er im Glauben war, es sei ein weiteres Grfvrder- nis nicht zu erfüllen, da die (rltcrn der Brautleute die Genehmigung zur Eheschließung gaben. Auch von seinen Vorgesetzten wurde ih-n d's Lob zu teil, daß er stets bemüht war, seinen Funktionen nachzukommcn. Ta es sich um ein verzeihlickteS wenn auch nicht entschuldbares Versehen handelt, kam er mit einer Geldstrafe von 10 Mark durch. — Ter Ingenieur K'. St. aus Görlitz hatte sich wegen Kartelltragens zu verantworten. 9(15 int verflossenen Sommer Tr. V. aus Steinfurth Kenntnis erhielt, d'ß der Wernhändler H. aus Bad Rauheim! sich abfällig über ibn geäußert hatte, ließ er ihm durch den Angeklagten eine Pistolcnforderung überbringen, die jedoch abgelehnt wurde, da die Ms Beleid-aung aufgcfaßtc Aeußerung nur scherrhrft gemeint war. Tie Forderung aber wurde in der üblichen Form und in allem Ern^e überbtacht, sodiß bei einer Annahme der Zweikamvi batte stattfindm müssen. St. wurde zu 3 Tagen Festungshaft verurteilt, während V. kürzlich wegen der Forderung zu zwei Wochen verurteilt worden ist. — Wegen Urkundenfälschung wurde der 18 jährige Kvust- mann R V. von MteU'Krssel zu der Minimalstrafe von einem Tag Gefängnis verurteilt, die durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erachtet wurde. Er war bei einem hiesigen Buchhändler als Monnentettsammler tätig, wobei er einen Bestellschein mit einer falschen Unterschrift versah. Seincg. An- gzöcn, er habe die Fälschung nicht vorgenommcn, nm sich die Aguisit'onsgebühr zu sichern, sondern aus Sck'am, weit er so wenig Bestellungen brachte, wurde Glauben geschenkt, sonst hätte wobt euch Verurteilung wegen Betrugs eintreten müssen. — Der Schneider $?. M. hotte g-'gen den Bächermcister L. hier Privat- klage weaen Beleidigung erhoben, die am Schöffengericht mit Freisprechung cnbintc. L. batte die Wahrnehmung gemacht, daß ihm von den Kindern des M. Geld entwendet worden ist. Er machte deshalb Frau M. Vorhalt darüber und knüpfte die Bemerkung daran, daß sic seiner Ansicht nach davon wissen müsse, wenn ihre Kinder so viel Geld ausgeben. Dies veranlaßte M. zur Klagcerhcbung, die auch in der Berufungsinstanz zu seinen Ungunsten ausging, indem seine Berufung ver,» warfen wurde.
Von den Schulden der deutschen Bundesstaaten.
Mit den neuen Steuert erlogen soll eine Neuordnung des Reiches und seines finanziellen Verhältnisses zu den Einzelstaaten erfolgen. Tiefen fällt es schwer auf die Seele, daß bei ihren eigenen finanziellen Kümmernissen ihnen die Zahlung der leufenden Zuschüsse zum Reich immer saurer wird. Tie meisten deutschen Bundesstaaten stecken tief, sehr tief in Sck ulden. Tie einzige rühmliche Ausnahme davon macht das winzige Fürstentum Reust ä. L.
Tas Königreich Preußen hat nach dem letzten Rechnungsjahr eine schwebende und funbierte Staatsschuld von 735046400 Mk.; zur Verziniuug sind jährlich nötig 242 Millionen und zur Tilgune 42 Millionen. Zur Tilgung werden also rund 0,60 Prozen. der Staatsschuld pro Jahr aufgewendet.
Tie geringsten Schulden im Deutschen Reich hat in Summa das Fürstentum Schaumburg-Lippe mit 165 100 Mk.
Will mau sich einen richtigen Begriff von der Bedeutung der Staatsschuld machen, so muß man feststellen, wieviel sie auf den Kopf der Bevölkerung beträgt.
Es entfallen auf den Kops der Bevölkerung in Preußen 204,08 Mk., Bayern 257,68 Mk., Sachsen 228,89 Mk-, Württemberg 243,74 Mk., Baden 225,95 Mk., Hessen 269,89 Mark, Mecklenburg-Schwerin 218,39 Mk., Sachsen-Weimar 7,93 Mk., Mecklenburg-^Strelitz 15,58 Mk., Oldenburg 141,36 Mark, Braunschweig 119,74 Mk., Sachsen-Meiningen 35,94 Mark, Sachsen-Koburg-Gotha 24,05 Mk., Sachsen-Altenburg 4,53 Mk., Anhalt 14 32 Mk., Schwarzburg-Sondershausen 13,27 Mk., Schwarzburg-Ruoolstadt 47,96 Mk., Waldeck 32,76 Mk., Neuß j. L. 7,47 Mi , Schaumburg-Lippe 10,79 Mark, Lippe 5,81 Mk., Lübeck 377,78 Mk., Bremen 854,77 Mark, Hamburg 635,80 Mk., Elsast-Lothringen 20,35 Mk.
Vielen dieser Schulden stehen hohe reale Gegenwerte gegenüber. Tas preusz.-hess Eisenbahnnetz beispielsweise ist eine wertvolle produktive Anlage; ebenso haben die drei Hansarepubliken für ihre Schiffahrtsstraßen und ihren Handel viele Aufwendungen gemacht, die sich gleichfalls gut verzinsen. Immerhin kann man es verstehen, daß sich die Einzelstaaten aus einer Vage heraussehnen, die He zu großen Leistungen für das Reich zwingt, während sie selbst bei sich zu Hause zu tun haben, daß sie mit ihren Einnahmen
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Kriegsschuh in der Nordsee.
Das, was Fürst Bülow im Reichstag über die Stell- lir.g Englands zu Deutschland sagte, läßt die Be- su." bim gen offizieller und privater Kreise, die Eintracht zwischen beiden Nationen zu fördern, nicht sonderlich «vSsichtSvoll erscheinen. „MarS regiert die k t u nb c"; jenseits des Kanals ganz besonders. DaS jüngst ” ita8ffentli$te Blaubuch der cngl. Admiralität rückt die _ tvigc '» das stahlharte Licht der Wirklichkeit. Man spricht ürnqebenS viel, um die beunruhigende Gründlichkeit zu ocr« Weiern, mit der England Desechttzkraft und Leist. ! un gS sä h igkeit seiner Nordseeflotte zu steigernam j Birke ist. Auf nicht weniger als 74 Schiffe, darunter 23 (pj{je Panzer, wird das Kampfinstrument in der Nordsee birnen kurzem gebracht fein. Die Möglichkeit eines Kon- flifte? mit einer festländischen Macht, bei dem man daS Heil sür" England in der Offensive zur See steht, wird also an dec Themse im Singe behalten. Dementsprechende Beachtung tntrbert auf deutscher Seite der Küstenschutz, da fürDeutsch- lanVS Landesverteidigung durch die Marine die Defensive die gegebene Richtlinie ist.
In dieser Beziehung sind von Jntereffe die Mitteilungen an der Wasserkante erscheinenden BlatteS, des .Nord. Kuu-, über die nordfriesischen Inseln und Halligen, dir durch Eindeichung, Befestigungsarbeiten u. s. w. zu einem hcnuptstü tzpu nkt der Marine in der Nordsee zu machen seien. Die natürliche Anlage dieser Inseln muß vom slkategischen Standpunkte aus als so vortrefflich bezeichnet irtroen, daß eS nur verhältnismäßig geringer künstlicher Rach- hilft bedarf, um der Marine dort eine uneinnehmbare Ope- ttlinnSbasiS zu schaffen. Der .Nord, Qttr.* meint die dieS- l*ihrügen wiederholten Fahrten des Kommandierenden der Sloifofeeflation mit dem Inspektionsschiff.Grille' in daS Ge- l'.ct der nordfriesischen Inseln und deS schleSwigschen Watten- hireceS mit der militärischen Ausschließung dieser natürlichen Borwostenkette in Verbindung bringen zu dürfen.
Ein Blick auf die Karte zeigt ohne weiteres, daß bei ooHtrr Herrichtung dieser Imclgruppe für die Küsten ver- kibi gung die Gefahr einer Landung feindlicher Truppen (in der schleSwigschen Westillste, von der neuerdings die lebt' war, als beseitigt '■eiten darf. Uebrigens kam, dem ^rwd. Kur." zufolge, der Gedanke einer solchen Truppen- nnc'fion den militärischen Kreisen durchaus nicht llber- Tiffduenb. Bereits im Jahre 1900 war in Berlin bekannt, dch im franz. Mobilmachungsplan für den Kriegsfall mit 5eui schland vorgesehen war/ eine bet Helgoland fta- IlDri<erte französische Flotte solle die Elb - und Et| ermünbung blockieren, während eine zweite flotte mit großen Trausportdampfern in die Gewässer Mchen den Inseln Shlt und Röm einzulaufen und dort «m starkes französisches Armeekorps zu landen hätte. Diesem JorH mürbe dann die Aüfaaeb zufallen, die Provinz Schles- bin-SjoIftcin von Norden her aufzurollen und den Knegs- Kiel von der Lmidscite aus zu besetzen.
Tas ist ein so wohlerwogener Operationsplan, daß man V.i als Phantasterei Telcasses bezeichnete Geschichte von kt in Aussicht genommenen Landung eines .Hundert- icusknds englischer Rotröcke m Schleswig-Holstein kaum
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doch wohlfchnicckcnde, nahrhafte Suppen auf den Tisch bringen. Ein Würfel zu 10 Pfg. gibt in kürzester Zeil — nur mit Waffer — 2 gute Teller.
alS Hirngespinnst bewerten kann. Frankreich hatte dem englischen F-reunde offenbar einen tiefen Einblick in seinen gegen Deutschland gerichteten Mobilmachungsplan verstattet, und es muß bis zu einer regelrechten Verteilung der Rollen gekommen sein. Toch aleichviel, ob hunderttausend Engländer oder ein französisches Korps ans Schleswig-.^olste n losaelassen werden sollten: das, worauf es für Tentsch- lano ankommt, der Schutz der s ch l c s w i g s ch e n Westküste gegen jede Eventualität ist Oscgenstand unausgesetzter Fürsorge seitens der Regierung. Täbei darf ein wichtiges internationales Moment incht unerwähnt bleiben: der Wert freundschaftlicher Beziehungen zwischen Teutschland und Dänemark. Sie zu pslegen, ist letzteres erfreulicherweise geneigt, trotz der hei^n Bemühungen König Eduards, den englischen Gin f I ui in ganz Skandinavien zum vorherrschenden zu machen. Wenn eine wohlwollende Neutralität Dänemarks es dem Gegner Deutschlands gestattete, Streitkräfte in Jütland auszuschiffen, dann könnte auch die deutsche Seewehr bei den nordfriesischen Inseln die Sicherheit SchleSwig-5?olsteins nicht unbedingt gewährleisten. Doch die Svmpathien für Deutschland werden in Dänemark wohl denen für England gleichkommen.
fünftes Blatt. 155* ^^hrrnnfl SamstagDezember 1905
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