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Nr. 14
Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Dienstag 17. Jannar 1905
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen
Erscheint täglich außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'schen Urnvers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Verantwortlich für den polit und u -em Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land* und „Gertchtsiaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Gießener
General-Anzeiger
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Iie Kroßi'erzogin Karoline von Sachsen-Weimar
Wir erhielten heute früh folgende Drahtnachricht:
Weimar, 17. Jan. Die Großherzogin Karoliue ist heute früh 3’/2 Uhr gestorben.
In dem Befinden der Großherzogin war schon gestern eine weitere Verschlimmerung eingetreten. Nach dem gestern morgen 10 Uhr ausgegebenen Bulletin hat die Großherzogin die Nacht ohne Schlaf in großer Atemnot verbracht. Der Puls war 128 bis 144, die Temperatur morgens früh 38,2, Atemzüge 64. Der Kräftezustand ließ nach.
Die Großherzogin ist in sehr jugendlichem Alter von 20 Jahren gestorben. Eine Prinzessin Reuß ä. L., die drittälteste ihrer fünf Schwestern, war sie am 13. Juli 1884 geboren. Sie war erst kurze Zeit mit dem Großherzog Ernst verheiratet. Eine junge, sehr sympathische Erscheinung, die am Hofe von Neuß und Greiz von ihrem schrullenhaften Vater sehr kurz gehalten wurde. Sie hat in Weimar ein sehr lebhaftes Jnteresse für die moderne Kunst gezeigt und war es in erster Linie, die den hervorragenden Kunstgewerbler van de Velden nach Weimar zog. Sie war vor kurzem an Influenza erkrankt.
Ausstand der Bergarbeiter im Wrchrgcöiet.
Ter befürchtete und in seinen Folgen gar nicht zn übersehende Streik der Bergarbeiter ist Tatsache geworden. Wir erhalten folgende Meldung:
Essen, 16. Jan. Die auf heute einberufene Versammlung der Delegierten der Bergarbeiter beschloß auf den Vorschlag des Vorstandes, da die Antwort des Bergbaulichen Vereins ablehnend lautet, in den allgemeinen Ausstand einzutreten. Ausgeschlossen von der Ausstandsbewegung sollen diejenigen Zechen sein, wo die Gefahr besteht, daß die Zechenbefitzer sie endgiltig stilllegen.
Ter BergbaulicheVerern hat folgendes Schreiben cn den Vertrauensmann, Herrn Johann Effert, in Alten- essen, gerichtet:
„In Erwiderung Ihrer gedruckten Zuschrift vom 13. d. M. teilen wir Ihnen nachstehenden, in unserer heutigen Vollsitzung einstimmig gefaßten Beschluß mit: Wir beklagen auf das tiefste, daß ein großer Teil der Belegschaft sich dazu hat hinreißen lassen, unter rechtswidrigem Bruch des Arbeitsvertrages in den Ausstand zu treten, und zwar in den allermeisten Fällen ohne zu wissen, was man wollte, und unter erst nachträglicher Aufstellung zusammengesuchter Forderungen. Wir weisen auf das entschiedenste die Behauptung zurück, daß zu solchem Vorgehen irgendwelche unerträgliche oder allgemeine Mißstände Veranlassung gegeben hätten. Wir betonen ausdrücklich, daß Vereinbarungen auf Grund der Bestimmungen der Arbeitsordnung nur Sache einzelner Zechen-Verwaltungen und einzelner Arbefter sind.. Unseren Mitgliedern werden wir niemals empfehlen können, auf diejenigen grundsätzlichen Aenderungen des Ärbeitsvertrages einzugehen, welche in Ihrer Zuschrift aufgezählt sind: ihre Mnahme würde der Ruin des rheinisch-westfälischen Bergbaues und der für diesen so unerläßlichen Disziplin sein. Wir müssen daher die uns angetragene Vermittelung ablehnen und vertrauen auf den gesunden Sinn des Kerns der Belegschaft, daß sie sich nicht in Not und Elend. ftüneu werde. Glück auf! — Verein für bergbauliche Interessen: Krabler, Kirdorf, Kleine, Engel."
In der Begründung der Antwort des Bergbauvereins auf die Anträge der Bergarbeiter heißt es, bei der Erörterung der Anträge sei zunächst die volle Uebereinstimmuna darin festgestellt worden, daß die in den sogenannten Volks- und Belegschaftsversammlungen gewählten Delegierten wie die aus diesen zusammengesetzten Versammlungen nicht als Vertreter der Gesamtbelegschaft anzuerkennen seien. Daß Freitug und Samstag eine erhebliche Zahl von Belegschaften neu in den Ausstand getreten ist, größtenteils wiederum, ohne irgendwelche Forderungen zu formulieren, beweist, daß jede Verhandlung mit Len Antragstellern völlig zwecklos wäre, da ihnen die Autorität über die Belegschaften mangelt. Tie Aufnahme von Verhandlungen wäre eine Anerkennung der Zulässigkeit des Kontraktbruches; damit würde die Grundlage des Fortschrittes des wirtschaftlichen Lebens, die Rechtssicherheit, erschüttert. Tie zur Bemäntelung des begangenen Fehlers des gesetzlosen Vorgehens aufgestellten Forderungen sind ulte, schon ftüher erörterte Forderungen. Tie Achtstundenschicht und der Minimal- lohn für Bergarbeiter sind bereits 1890 allenthalben, insbesondere auch seitens der staatlichen Bergverwaltung Saarbrücken, abgelehnt worden; die Antwort gibt die ausführlichen Gründe der damaligen Entscheidung wieder; ferner wird auch die Notwendigkeit, bei der Annahme der Forderungen ungeübte Bergleute beranzuziehen, hingewiesen, wodurch eine bedenkliche Vermehrung der Nn- glücksfälle, sowie bei Absatzstockungen erhebliche Lohnrückgänge und zahlreiche Arbeiterentlassungen unvermeidlich würden. Ein Minimallohn sei wegen ungleicher Arbeitsleistung unmöglich. Der Regicrungskommissar habe am 12. Dezember 1904 im Reichstage nachgewiesen, daß die Beschwerden über das Wagennnllen wesentlich übertrieben sind. Tie Antwort gibt die Rede, namentlich die in ihr enthaltenen Ermittelungen wieder. Tie Rede hebt hervor, daß vom Juli 1902 bis Juli 1903 auf 16 Gruben mit 30 000 Mann zwei Prozent, auf 67 Gruben mit 97 000 Mann aber weniger als ein Prozent gonuNt werden, daß laut den Grubenjournalen der monatliche Durchschnittslohn durch das Nullen keineswegs wesentlich gedrückt wurde, das; der Versuch, das Nullen den Hauern (anstatt den Zechenkontrolleuren) ein weit stärkeres Nullen durch die Hauer ergab, daß die Lohnbeträge für genullte Wagen der Arbeiternnterstützungskasse zugeführt werden, daß das Jinillcu im Interesse der Bergleute Geld st rasen
vorzuziehen sei, weil das Nullen eine mildere und die gerechteste Strafe sei. Bei Geldstrafen ist es sehr um die Zeit des Schichtwechsels nie feststellbar, daher die Tragung der milden Strafe durch die ganze Kameradschaft die gerechteste Form ist. Zur Forderung der Arbeiter, Delegierte als Gruben kontrolleure zu bestellen, gibt die Antwort die Rede des gleichen Kommissars wieder, besagend, daß sich die Sicherheitszustände bei den Berufsgenossenschaften tatsächlich nicht verschlechtert haben, und die Gründe für die Steigerung der entschädigungspflichtigen Unfälle darin zu suchen seien, daß von den Ar-- beitern auch die kleinsten Unfälle angemeldet werden, um eventuell eine Rente zu erhalten, sowie daß auch der Begriff Betriebsunfall die wohlwollendste Auslegung ctfahren hat. Der Kommissar legte dar, daß die tödlichen Unfälle abgenommen haben. In jener Rede wird weiter ausgeführt, daß in England keineswegs Arbeiter.- inspektoren ständig die Grüben befahren, sondern nur monatlich einmal durch zwei ihrer Vertreter befahren lassen dürfen; daß zwar die Denkschrift einer nach dem Auslande entsandten Kommission des preußischen Handelsministers der Einrichtung von Arbeiterinspektionen einen gewissen Anteil an dem Rückgänge der Unfälle zuschreibt, keineswegs aber der Rückgang der Unfa'ltziffer hauptsächlich hierauf zurückzuführen sei, vielmehr in jenen Bezirken Englands, wo die Arbeiterinspektionen am ersten durchgeführt wurden, die Unfallziffer die höchste ist, ungefähr der preußischen gleichkommend. Die Antwort des Bergbauvereins fährt fort: Die Forderung der Arbeiteraus- schüsse ist abzulehnen, da der Arbeitsvertrag nur mit dem einzelnen Arbeiter abgeschlossen ist, demgemäß auch nur mit ihm verhandelt werden kann. Der innere Zweck dieser Forderung will nur die Stärkung der Sozialdemokratie mit ihrem auf die Vernichtung der Staatsordnung gerichteten Endziel. Ihre Bewilligung wäre auch' die Anerkennung der Arbeiterorganisationen. Der Rest der aufgeführten Forderungen enthielt sich der generellen Regelung und ist Sache der einzelnen Verwaltungen. Wie zusammengesucht die Forderungen sind, zeigt Punkt 9: Lieferung von Teputatkohlen zum Selbstkostenpreise. In Wirklichkeit liefert die Mehrzahl der Gruben dieselben heute unter dem Selbstkostenpreise. Auf Grund aller dieser Erwägungen beschloß der Vorstand einstimmig, nachstehende Antwort zu erteilen: Es folgt der gemeldete Brief. Tie Antwort gibt sodann das ^rotckoll der Verhandlungen des Oberhauptmanns v. Velsen mit dem Bergbauverein vom 14. Januar, abends, wieder. Danach erklärten in der Zusammenkunft der Vorsitzende und die anwesenden Mitglieder des geschästs führen den Ausschusses des Bergarbei- tervereins übereinstimmend, daß es völlig ausgeschlossen sei, auf den Vorschlag der delegierten Bergarbeiter einzugehen, nach welchem Verhandlungen über ihre Forderungen zwischen ihnen und dem Bergbauverein stattfinden sollten. Dem stänoe entgegen der unter Kontraktbruch begonnene Ausstand und dre völlige Unsicherheit der Exe- quierbarkeit etwaiger Verhandlungsergebnisse. Es bestehe nicht die geringste Wahrscheinlichkeit, oaß die Delegierten die Autorität besäßen, die Beogarbeiter auf den gesetzlichen Boden zurückzuführen. Die Vertreter des Bergbau- Vereins erklärten sich ferner für eine objektive Untersuchung, um festzustellen, daß irgendwelche allgemeine Mißstände im Ruhrbezirk nicht beständen; sie erklärten sich bereit, alle Aufklärungen zu geben, wenn die Staatsregierung im Einvernehmen mit dem Landtage eine Enquete über alle einschlägigen Verhältnisse veranstalten wollten.
Bei der Mittagsschicht, also noch vor der offiziellen Proklamierung des Generalstreiks, betrug die Zahl der Streikenden insgesamt 91 000 A.r- -beiter, die sich auf 124 Zechen verteilen. Die Arbeiterführer erwarten für morgen eine nach Zehn tausend en zählende Zunahme der Streikenden.
Der Knea.
Der Kaiser an die Generäle Stoffel und Nogi.
Tie „Nordd. Mg. Ztg." schreibt: Der Kaiser teilte den Generalen Stössel und Nogi die Verleihung des Ordens Pour le mörite durch nachstehende Telegramme mit: „Generalleutnant Stössel, Port Arthur. Im Ein- verständnis mit Ihrem Kaiser, verleihe ich Ihnen die höchste preußische Kriegsdekoration, von Friedrich dem Großen für außergewöhnliche Leistungen im Kriege gefbiftet, den Orden Pour le in&ritc. Sie wollen in der Verleihung den Ausdruck uneingeschränkter, höchster Bewunderung erblicken, den mit mir meine ganze Armee Ihnen darbringt für Ihre heldenhafte Verteidigung an der Spitze der in den Tod getreuen tapferen Schar." — „General N o g i, P o r t A r t h u r. Mit Gmehmigung des Kaisers Ihres gnädigsten Ferrit, freue ich mich Ihnen den Orden Pour fc niörite zu verleihen. Es ist dies die höchste preußische Militär- auszeicbnnng, die mein ruhmreicher Vorfahr Friedrich der Große für außergewöhnliche Leistungen im Kriege stiftete. Der Orden soll ein Zeichen meiner von meinem Heere geteilten Bewunderung für die glanzenden Fülwereigenschasten sein, die Sie ait der Spitze ^hrer tapferen Truppen während der Belagerung und Einnahme der wacker verteidigten Festung bewiesen lmben."
Die Antworttelegramme
der Generale Stössel und N o g i an den Kaiser lauten: (Juercr Majestät Telegramm erreichte mich in der schwersten Stunde meines Lebend. Ich und die Garnison der Frstnng sind tief aerübrt und grehrt durch dve Verleihung des hohen preußischen Ordens bVr mich Ins an ureiu Lebensende ehrt. Mögen Etn. Maiestat überzeugt sein von meiner Anerkennung für die erwiesen^ Gnade.
fric Ehre, Euerer Majestät meinen und meiner Soldaten fonifc in übersenden, gez. lZkneral-Adjittallt Stössel." — Feh statte den tiefgefühltesten Dan kab für die Güte, die Eure Majestät mir durch die Verleihung des Ordens Pour le mörltc nnevachtet der Geringfügigkeit meiner Treuste erwiesen haben Indem icb Enver SNalestät Orden mit der keiften T-ankbarkert
annehme, drücke ich in Ehrerbietung meine vdlle 5)ochachtun-g für Euere Majestät ans. gez. General Nogi."
Ein Telegramm beb Generals Kuropatkin
sagt: Ich habe zwei Meldungen über Offensivbewegungei^ nnser-r Kavallerie erhalten. Am 10. Januar abends wurden IV2 Kompagnien japanischer Infanterie und ein e halbe S chw adron Dragoner vernichtet. In der Nacht darauf zerstörten unsere Patrouillen einen Teil der Eisenbahnlinie, wodurch ein Zusammenstoß zweier Lokomotiven herbeigeführt wurde. Am 11. Januar wurde Niutschwang von unÄ besetzt. Die japanische Besatzung, bestehend aus einer Kompagnie und zwei Schwadronen räumte nach einem Gewehrfeuer den Platz. Während dieser beiden Tage erbeuteten wir 5 00 Wagen mit Vorräten und nahmen einenOffizier unbl 4 Mann gefangen. Auf unserer Seite fielen 3 Offiziere und 15 Mann: 10 Offiziere und 49 Mann wurden verwundet. Am 12. Januar wurde die Bahnlinie bei Scbeitze, 6 Werst von Inkan, durch unsere Patrouille beschädigt. Nachmittags 4 Uhr näherte sich eine Abteilung Inkan. Unsere Artillerie beschoß den Bahnhof unt> legte die Depots in Asche. Ein Teil der Abteilung saß darauft ab und griff den Bahnhof an. Die Japaner eröffneten gegen dieselben ein Gewehr- und Magazingeschützfeuer. Unsere Soldaten suchten zunächst Schutz in den Gräben und griffen dann von neuem an, mußten sich aber schließlich vor der Uebermacht zurückziehen. Die Gefallenen und Verwundeten wurden beiter, die keine Anstellung finden, plündern die Passanter»
Edelmut Nogis.
General Nogi schrieb an den Gouverneur von Nagasakr bezüglich der Behandlung Stössels folgenden Brief: Sie werden durch die zuständigen Behörden Instruktionen erhalten, aber es mag nicht unangebracht sein, hervorzuheben, daß Stössel jetzt weder Gefangener noch Feind, sondern ein misländischer Gentleman ist, der seinem Vaterland rühmlich gedient hat. Ueber- dies ist die vcrlvickelte Arbeit der Uebergabe der Forts und der Munition Port Arthurs, die notwendigerweise sich in die Länge, gezogen hat, so gut erledigt wordnr, daß sie verdient, ihm und seiner militärischen Ehre zu gute gerechnet zu werden. Ich empfehle ihn Ihrer Hochachtung.
Aus Port Arthur.
Nachdem die Japaner in der neuen Stadt eine Parade ab* gehalten hatten, ritten die japanischen Generale durch die Städte welche wenige Spuren vori Bombardement zeigte. Frauen und Kinder wurden gar nicht verletzt; sie wohnten in den Käufern und wurden an die Geschosse geivohnt. Champagner war- stets vorhanden. Tvphus und Tpsenterie traten nur wenig auf, dagegen kräftiger Skorbut. Viele Offiziere waren nutzlos und nahmen Urlaub. Wenn die Angriffe erfolgten, ließen sie Sergeanten für sie kommandieren. Die Marineoffiziere waren, meist betrunken. Der Tod des Admirals Makarow hatte die ganze Marine demoralisiert. Bei der Konferenz vor der Kapitulation stimmten einige Kommandanten von den Forts für einen weiteren Widerstand, Stössel entschied aber dagegen. Als die Kapitulation am 31. Dezember bekannt wurde, plünderten di/ Sol-- baten ein Magazin mit 5600 Flaschen Wutki. Es gab furchtbare Orgien auf den Straßen, an denen die zur Unterdrückung der Orgien ausgeschickten Trrrppen teilnahmen. Nahrung war genügend für drei Monate vorhanden, aber nur Pferdefleisch und Maultierfleisch. Keine privaten Magazine wurden regniriert.
Der Einmarsch der Japaner dauerte drei Stunden. Die Heeressäule war drei englische Meilen lang. In der Ebene im Norden des Dorfes Schuischi wurde ein Gedächtnis-Gottesdienst für die Geister der gcfallencn Japaner abgehalten. Es waren Truppenabteilungen zugegen, die die Vertretung des ganzen japMiischen Heeres dapstellten.
Folgen des Krieges.
Aus W arschan wird gemeldet: Infolge des Krieges werden in Lodz fast alle Fabrikarbeiter entlassen. Die Ar- Lbeiter dia feine Anstellung finden. plün-derndiePas sauten auf den Straßen. Dieser Tage überfiel eine Räicherbande am bellen Tage eine im Zentrum der Stadt gelegene Limonadenfabrik und raubte die Kasse aus, wobei der Inhaber erschosseit wurde. Mehrere Angestellte wurden schwer verletzt.
ZZesuch des Königs von Sachsen in Wertin.
. Gestern, Montag, nachmittag 2 Uhr traf der König von Sachsen in Berlin ein. Am Bahnhofe waren der Kaiser und der Kronprinz, die in Berlin und Potsdam anwesenden Prinzen, der Reichskanzler, die Generale und Admirale und die sächsische Gesandtschaft anwesend. Beide Monarchen begrüßten sich auf das herzlichste und küßten einander. Nach dem Vorbeimarsch der Ehrenkompanie fuhren die Monarchen in das Schloß, von dem Publikum überall sympathisch begrüßt. Eine Ulancneskadron bildete , die Eskorte. Im Schlöffe, auf dessen Hofe eine Ehrenkompanie des Kaiser Alerander- Garde-Grenadierregiments aufgestellt war, wurde der König von der Kaiserin empfangen. Der König, der im Schlöffe Wohnung nahm, besuchte heute nachmittag u. a. den Reichskanzler.
Bei der Tafel im Schlosse hielt der Kaiser folgende Ansprache:
Daß Euere Majestät die Gute gehabt haben, bald nach bc* schweren Tagen, welche Gottes Ratschluß durch den Heimgang von Euerer Majestät Vater über Sachsen verhängte, diesen Besuch hier bei uns abzustatten, eriullt mich mit tiefer Dankbarkeit. Ich wage meinen Dank soivohl wie den der Kaisenn zu verbinden mit dem herzlichsten innigsten Willkommen, dem sich auch mein ganzes Volk von Herzen anschließt. ES setzt dieser Besuch Euerer Majestät eine Reihe von Beziehungen fort und knüpft daS Band der i n n i g e n F r e u n d s ch a s t zwischen unS und unseren Häusern fester, wie sie schon so lange von unseren Vorfahren gepflegt worden sind. Ich habe an den S ch i ck s a l e n d e« sächsischen Volkes teilnehmen dürfen wie ein Mitglied desselben. Ich habe mit Euerer Majestät zusammen an der Bahre zweier großen Könige, zweier Feldmarschalle und Ritter des Eisernen Kreuzes gestanden, tief ergriffen bin ich von
diesen Vorgängen, welche durch Gottes Ratschluß über Jkw HauS verhängt wurden. Ich habe dabei gebandelt nach der Ucbcrltefenma, wie ich sie von meinem seligen Großvater und meinem Herrn Vater überkommen habe. Euerer Vlajestät kann ich die Verslcherung au5sprecheu, daß das enge B^md aufrichtiger treuer .neundschaft. mich mit herzlicher V eude erfüllt und daß was auch Gott uns schicken mag, was auch unserem Vaterlande beschieden sein mag.' Euere Majestät an Mir immer einen festen unfci


