Nr. 115
tHgitch außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Siebener Kamilien- Mäher viermal In der Woche betgelegL
ÄotQtionSbrucf u. Verlag der Brü h l'schen Univers.-Buch-u. Stein» bruderei. 8t Lange. Bebak Non, GrpebUion und Druckerei:
Sch ulst ratze 1,
Adresse für Depeschen: Anzeiger Bietzen.
FernsprechanichlußNr 51
Erstes Blatt.
155. Jahrgang
Montag 15. Mai 1805
zeigenteil: HanS Beck-
Ve-ngsprstOt monatlich 75 Pf^ viertel* iäbrlich $1L 8*20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.L.—viettel» jährl. auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen lr die tr ^irmnntet 's vormittag- 4 'iür.
Zc'envretS: cnsswärtS dSij.
Verantwortlich ptze den poht und tj »e^x« teil: P. Wittlo: für .Stadl und Land" und
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Dlk veutige Kummer umfaßt 8 Seiten
Bekanntmachung.
Detr.: Bläschenausschlag zu Nieder-Bessinqen.
Der in Nieder-Bessingen sestgestellte Bläschenausschlag ist erloschen.
Gießen, den 12. Mai 1905.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
__________________I. V.: Dr. Fink.___________________
Gießen, den 11. Mai 1905.
Betr.: Maßregeln gegen das Ueberhandnehmen rabenartiger Vögel.
Das Grascherrsgliche Sreisaml Gießen
an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.
Soweit Sie unseren Auflagen vom 6. Januar und 11. April f. Js. noch nicht entsprochen haben, werden Sie an deren Erledigung erinnert.
_________________I. V.: Dr. Fink.__________________
Amtliche Nachrichten über Niehseuchen.
Da unter dem Schweinebestand'e des Jakob Pfeiffer III Zu Wi esen bach (Kreis Biedenkopf) wertere Krankbeits- erscheinungen von Notlaufseuche (Backsteinblattern) nicht vor- gekommen sind, ist die Gebäftssperre ausgeboben worden.
Valitische ss'aaesschau.
Studentische Ausschüsie.
Der außerordentliche Berban st g deutscher Hochschulen kn Weimar, mit dessen grunds"-^ich n: Kundgebungen wir übrigens nicht völlig einig gehen können, hat wieder die erfreuliche Tatsache erwiesen, daß durch die deutsche Studentenschaft ein mächtiger Einigungsdrang geht. Das ist natürlich allen Elementen, die Sonderbestrebungen verfolgen, namentlich der Zentrumspresse, höchst unerwünscht. Das „Mainzer Journal" hat sich auf unsere Abweisung noch nicht beruhigt. Mit Genugtuung und „voll Aufrichtigkeit" dankt dies Blatt uns neuerdings für das „Geständnis", daß wir in die Forderung des Verbotes der konfessionellen Studentenverbindungen nicht einstimmten. Nun, wir erklären, daß wir diese" konfessionellen Absonderungen für bedauerlich genug halten und keineswegs für ihr besonderes Gedeihen das Opfer der akademischen Freiheit bringen möchten. Daß man den „katholischen Korporationen den Garaus machen" wolle, ist unzutreffen. Gegen diesen Vorwurf hat auch der Verbanstag deutscher Hochschulen sich ausdrücklich verwahrt. Was erstrebt wir, ist die Möglichkeit es Zusammengehens der geeinigten Studentenstzaft, mit Ausschluß er konfessionellen Absonderungen, die ihre Sonderinteressen verfolgen. Und von diesem Ziel ist die Studentenschaft nicht so weit entfernt, als das „M. Journal" vielleicht, glaubt. Wenn das Blatt behauptet, man könne gelegentlich, als wahrer und begeisterter Freund der akademischen Freiheit sich bekennen, ohne den gegenwärtigen „Freiheitsrummel" mitzumachen, so erwidern wir, daß derartige Aeußernngen, die i n d i e s e n T a g e n von Gießener Professoren ausgegangen sind, nicht mißzuverstehen waren und auch nicht mißverstanden worden sind. Der Rektor hätte ja sonst auch bekunden können, daß er „Gerechtigkeit, Freiheit und Toleraüz" schützen wolle. Wir hoffen, daß das „M. I." sich nun zufrieden gibt. „Laßt es genug sein und endet die Fehde, — oder gefällts Euch, so setzet sie fort!" Wir schließen die Debatte nunmehr.
deutsches Reich.
Berlin, 13. Mai. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: In- und ausländische Blätter geben militärische Ansprachen wieder, die der Kaiser in Wilhelmshaven und in Straßburg gehalten haben soll. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß in den fraglichen Mitteilungen die Worte des Kaisers teils tendenziös entstellt, teils vollständig erfunden worden sind. (Ob dies auch für die Wiedergabe einer Ansprache, die wir der Straßb. Post" entnommen haben, zutrifft? D. Red.)
" — Die „Norddeutsche Allg. Ztg." meldet, Kardinal
Fürstbischof Dr. Kopp wird sich nach Metz begeben, um dem Kaiser den Orden vom heiligen Grabe zu überreichen den das Patriarchat in Jerusalem den Kaiser gebeten hat, in Erinnerung an seinen Aufenlhalt in Palästina anzunehmen. _ f ..... .
— Dem Vernehmen nach ist zum Oberprasidenten der Provinz Brandenburg der bisherige RegierungZ. Präsident in Kasse! v. Trott zu Solz und an desftn Stelle der bisherige Regierungspräsident von Potsdam, Graf von Bernstorfs, zum R-gierungsprastdenten m Kassel ernannt
— Der Gesetzentwurf, betreffend die Ausgabe von Reichsbanknoten zu fünfzig und zwanzig Mark ist nunmehr dem Reichstage zugegangen.
— Dem „Lokalanzeiger" äufofne fominen fcte vier neuen Militärreitanstalten nach Posen, Glogau, Bruchsal und Soltau. .
— In seiner Schrift über Frhrn. v. Hammerstein erzählt Leuß: Frhr. v. Hammerstein habe m emer Versammlung der konservativen Notabeln nutgeteilt, Graf votho Eulenburg sei nach dem Abgänge Eaprims das Amt des Reichskanzlers angeboten worden. Eulenburg habe es aber nur annehmen wollen, wenn ihm die Unter
stützung aller Konservativen bei seiner Absicht gewiß sei, das allgemeine Wahlrecht auf einige Jahre zu suspendieren. Demgegenüber erklärt Graf Botho Eulenburg in der „Kreuzzeitung": Ob eine solche Mitteilung seitens des Freiherrn v. Hammerstein erfolgt ist, weiß ich nicht; ihr Inhalt ist völlig unwahr.
Potsdam, 14. Mai. Prinz Eitel Friedrich ist aus England heute abend 7V2 Uhr hier eingetroffen und begab sich nach dem Kabinettshause.
Schwerin, 14. Mai. Der Kronprinz hat sich heute nachmittag mit der Herzogin Cecilie sowie dem Großherzog und der Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin im Automobil nach Ludwigslust begeben.
Hamburg, 14. Mai. In allernächster Zeit geht der Bürgerschaft eine Senatsvorlage zu, betreffend Aenderung des Hamburgischen Wahlrechts.
Düsseldorf, 13. Mai. Gestern begannen hier die Verhandlungen der 19. Tagung des Verbandes deutscher Städte statt st iker, dem die Vorsteher der hauptsächlichsten statistischen Aemter Deutschlands angehören. Die nicht öffentlichen Beratungen erstrecken sich auf die Vorbereitungen der diesjährigen Volks-, Grundstücks- und Wohnungszählung, auf die für 1907 in Aussicht genommenen Berufs- und Betriebszählung, auf die Todesursachen- und Krankheitsstatistik u. dgl. m. Das kaiserliche Statistische Amt hat zu den Beratungen die RegierungSräte Zahn nnd Leo entsendet.
Erfurt, 14. Mai. Hier beginnt heute unter sehr starker Beteiligung der Verbandstag der auf Grundlage des gemeinschaftlichen Eigentums stehenden deutschen Baugenossenschaften. Die Verhandlungen werden von Professor Albrecht in Berlin geleitet. Der Verbandstag beabsichtigt in energischer Weise gegen die aus den Kreisen der Hausbesitzer gegen die Wirksamkeit der gemeinschaftlichen Baugenossenschaften erhobenen schweren Angriffe Einspruch zu erheben. Für die Verhandlungen sind zwei Tage in Aussicht genommen.
Der Kaiser im Weichsland.
Nrville, 14. Mair Heute morgen machte der Kaiser einen Spaziergang im Garten des Schloßes und fuhr kurz nach 10 Uhr nebst dem Gefolge zur Kirche. Prediger Hoffet hielt die Predigt über das Sabbatgebot. Später besuchte der Kaiser das Augusta Viktoria-Stift und das Wilhelmheim für alte Leute. Vor der Frühstückstafel nahm der Kaiser die Vorträge der hier eingetroffenen Minister v. Budde und v. Bethmann-Hollweg entgegen. Beide Minister wurden zum Frühstück zugezogen. An demselben nahm auch Pastor Hoffet teil.
Kriegsminister v. Einem ist am 14. Mai in Metz eingetroffen.
Keer und Flotte.
Rathenow, 14. Mai. Hente vormittag erfolgte auf dem Ziethenplatze im Beisein des Ministers v. Podbielski, mehrerer Generale, der Garnison, der Behörden, der anwesenden Ziethenvereine und der hiesigen Kriegervereine die feierliche Grundsteinlegung zu dem Denkmal für den Reitergeneral v. Rosenberg. Minister v. Podbielski hielt eine Gedächtnisansprache. — Der 17 5. Stiftungstag des „Ziethen-Husaren-Regiments" wurde gestern unter Teilnahme der alten Herren des Regiments, zahlreicher ehemaliger Offiziere und der auswärtigen Ziethen-Vereine gefeiert. U. a. waren eingetroffen Generalfeldmarschall Graf H a e s e l e r, General der Kavallerie Graf v. Wartensleben, sowie die Generalleutnants v. Winterfeld, v. Bülow und v. d. Lanken und Generalmajor v. d. Schul en-- burg. Zur Feier des Stiftungstages finden Reiterspiele aus dem Reitplatz der Kaserne statt.
Kolornalpost.
— Der Zweite deutsche Kolonial-Kongreß wird in den Tagen vom 5. bis zum 6. Oktober 1905 in Berlin im Reichstagsgebäude abgehalten werden.
Oesterreichische Universitäten.
Dos österreichische Abgeordnetenhaus begann die erste Lesung der Vorlage betr. die Errichtung einer italienischen Rechtsfäkultät in Roveredo. Bennati verwies auf den Widerstand der italienischen Bevölkerung Oesterreichs gegen die Errichtung der Fakultät in Roveredo, sowie auf den wiederholt kundgegebenen unabänderlichen Wunsch nach der Errichtung einer italienischen Universität in Triest, wo allein die praktischen und moralischen Grundlagen für das Gedeihen derselben gegeben seien. Der Redner spricht die Hoffnung aus, daß die Rechtsfäkultät in Triest errichtet und zu einer vollständigen Universität ausgestaltet werde. (Lebh. Beifall bei den italienischen Abgeordneten sowie den zahlreich auf der Tribüne anwesenden Italienern, welche der Präsident zur Ruhe ermahnt.) Ko man czu? (Ruthene) bringt das Verlangen nach der Errichtung einer ruthenischen Rechts- sakultät in Lemberg zum Ausdruck. Lautes erklärt, daß die Slo Venen entschieden Einspruch gegen die Errichtung einer italienischen Universität in Triest oder Istrien überhaupt erheben, weil dadurch in Triest eine Festung gegen die Sloveuen errichtet würde. Der Redner tritt für die Errichtung einer slovenil.chen Universität in Laibach ein.
Darauf ergreift Unterrichtsminister v. Härtel das Wort. Er erklärte, die Regierung stehe den in den letzten Jahrzehnten sich mehrenden Wünschen nach Errichtung neuer Universitäten durchaus sympathisch gegenüber, müsse jedoch auf die wiederholt dargelegtcn unentbehrlichen und notwendigen Vorbedingungen die gebotene Rücksicht nehmen. Es werde sich Gelegenheit bieten, die Frage der Errichtung einer zweiten tschechischen, einer ruthenischen und einer slovenischen Universität im Ausschüsse zu erörtern. JUbezug auf die italienische Fakultät erklärte der Minister, Die Regierung habe ihr Wohlwollen gegenüber den Italienern dadurch bekundet, daß sie von dem bisher streng eingehal- tenen Grundsaü, nur eine Universität, nicht einzelne Fakultäten zu errichten, abging. Es sei nicht Schuld der Regierung. daß die Roveredo-Vorlage nicht früher dem Parla> mente, zuging. Ter Redner verwies auf die Novemberereignisse in Innsbruck, deren Folgen die Regierung mit allen Mitteln für die italienischen Studenten weniger fühlbar zu machen gesucht habe, und erklärte sodann, nicht aus Uebelwollen, sondern weil zu befürchten wäre, daß sich in Triest ähnliche Ereignisse wie in Innsbruck abspielen könnten, habe die Regierung sich für eine Stadt in Südtirol entschieden. Uebrigens w^rde sich im Msschusse Ge- legenheit bieten, über den Sitz der Fakultät näher zu sprechen. (Beifall.) Nach dem Minister schwach Eon ei (Italiener) für die Errichtung ein - italienischen Hochschule in Triest. Ellenbogen (Soziattü> befürwortete die Gewährung vollständiger Autonomie für alle Nationalitäten. 9hir diese bilden eine Rettung für Oesterreich. (Lebh. Beifall von der Gallerie, deren Insassen von dem Präsidenten: nachdrücklich zur Rübe ermahnt werden.)_________________
Üinsrond.
Wien, 14. Mai. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht ein kaiserliches Patent, mit welchem die Landtage von Niederösterreich und der Bukowina zum 17. Mai, der Landtag in Istrien auf den 25. Mai, die vertagten Landtage von Böhmen auf den 18. Mai, von Vorarlberg auf den 17. Mai einberufen werden.
Paris, 14. Mai. Präsident Loubet ist heute morgen nach Paris zurückgekehrt.
Madrid, 14. Mai. Gestern wurde von der hiesigem deutschen Kolonie unter zahlreicher Beteiligung auch von spanischer Seite eine Schillerfeier abgehalten, an deru. a. die Mitglieder der deutschen Botschaft und des deutschen Konsulats teilnahmeu. Die Festrede hielt der Direktor der deutschen Schule.
Konstantinopel, 14. Mai. E§ verlautet, der Ober* kommissar von Kreta, Prinz Georg, verhalte sich ablehnend gegen den Vorschlag auf Zuweisung eines AdlatuS und beabsichtige gegebenenfalls zu demissionieren. Nach Angabe von türkischer Seite ist in Ipek die Ruhe wiederhergestellt.
Konstantinopel, 12. Mai. Die Pforte machte in Athen ernste Vorstellungen wegen des zunehmenden Heber» trittes griechischer Banden auf türkisches Gebiet. — Generalinspektor Hilmi-Pascha erließ an alle KaimakanS seiner drei Vilajets ein Zirkular des Inhalts, daß den fremden Gendarmerieofsizieren die Besichtigung der Gefängniffe gestattet ist, daß sie jedoch keine Untersuchung über die Gefangenen, die den Gerichten obliegt, zu führen haben.
Petersburg, 13. Mai. Im Laufe des April wurde in Kusenk, Aschabao und Zarizvn je ein Cholerafall amtlich sestgestellt. Im Hinblick auf den von Dag Tag zu erwartenden Wiederausbruch der Cholera sind folgende Maßregeln getroffen worden: Vorlesungen über die Cholera sollen durch Aerzte, Geistliche, Lehrer und das untere Krankenpflegerpersonal gehalten werden. Für den Fall, daß die örtlichen Mittel für die zu treffenden Vorkehrungen nicht ausreichen sollten, werden aus Staatsmitteln außer zu günstigen Bedingungen leihweise gewährten Mitteln 200 000 Rubel bewilligt, welche nicht zurückgezahlt zu werden brauchen. Ferner ist die Errichtung von insgesamt 59 sanitären Stationen an den Hauptwegen des Wolga-Don-Bassins geplant. Ein großer Teil der für diese Stationen bestimmten Aerzte befand sich bereits im Winter an Ort und Stelle. Außerdem sind tm April noch 36 Aerzte und 50 Heilgehilfen in den Kaukasus abgesandt worden.
Washington, 14. Mai. Der internationale Eisenbahnkongreß wurde heute geschlossen. Der Kongreß wird nach fünf Jahren in Bern wieder eine Sitzung abhalten. Gestern abend wurde zu Ehren der Teilnehmer ein Festmahl gegeben, an dem Sch.atzsekretär Shaw und Kriegssekretär Taft 'teilnahmen. In einer Msprache kam der Schatzsekretär cmf die Handelspolitik zu sprechen und sagte, die Vereinigten Staaten tadelten keine Nation deswegen, weil sie Zölle erhebe, um ihre Einnahmen zu sichern, vorausgesetzt, daß diese Zölle nicht schwerer aus Amerika lasteten als auf anderen Nationen. Amerika ver» lange nur das Recht, zu denselben Bedürgimgen auf den fremden Märkten zu raufen wie ihre Wettbewerber im Handel, sowie das Recht, auf irgend entern Markte unter ebenso günstigen Bedingungen zu verkaufen wie andere. Amerika werde wie die übrigen Mächte niemals in Zollkriege verwickelt oder zu einer Vergeltungsgesetzgebung gezwungen werden, solange die Vereinigtet! Staaten ihre gegenwärtige Politik verfolgen, und solange die übrigen Mächte Unterschiede denjenigen gegenüber obwalten lassen- die ihnen gegenüber keine Unterschiede machen.
D" Knefl."
Noschdjestwensky.
Seit dem 9. Mai, an dem Noschdjestwensky die Van« songbucht verlassen hat, ist in Saigon keine Nachricht


