Ausgabe 
15.6.1905 Zweites Blatt
 
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kirchlichen Einrichtungen, die antisozial wirken, jenes Filtrier- svstem besonders schädlich ist, welches die Provinzial- und Gene- rnlsvnoden im wesentlichen zu Versammlungen staatlicher und kirchlicher Würdenträger bezw. der Gebuvts- und Geldaristokratie macht. Der Evangelisch-Soziale K'ongreß erkennt an, daß die Vertretung der Kirche nicht von beit Mächten ihrer geschichtlichen Entwicklung getrennt werden darf, aber er verlangt, daß sich in dieser Vertretung auch der soziale Aufbau der Kirche wider­spiegelt."

Darauf wurde der K'ongreß geschlossen.

Aus Stadt und Kan-.

Gießen, 15. Juni 1905.

** Auszeichnungen. Se. Kgl. Hoh. der G r o ß h e r z o g haben den Verwalter der Neuen Kliniken an der Landes- universität zu Gießen, Karl Keller, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1905 in den Ruhestand ver­setzt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter alsKanzlei- rat" verliehen. Das Ehrenzeichen für Mitglieder frei­williger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Wöllstein: Brüll, Ecker, Görtz, Götz, Kumpa, Mauer, Möbus, Moller, Müller, Schaubach, Roos, Wolf; den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Alzey: Fritz, Kloos, Martin, Schmitz.

** Empfänge. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Groß Herzogin empfingen zur Ueberreichung eines Kochzeitsgeschenkes seitens der Post- und Tele­graphenbeamten des Großherzogtums: Oberpostdirektor Geh. Oberpostrat Kobelt, Postrat Rogetzky, Postdirektor Schad, Telegraphensekretär Erzgräber, Oberpostassistent Jochim, Öberpostschafiner Lantelme und Postbote Schlitt. I. K. H. die Groß Herzog in empfingen den Vorstand des Hessischen Landesvereins vom Rothen Kreuz, bestehend aus dem Präsidenten des Großh. Oberkonsistoriums D. Buchn er und Militär-Oberpsarrer Strack zwecks Mit- übernahme des Protektorats über den genannten Verein durch I. Königl. Hoh., ferner zur Ueberreichung eines Ab­drucks seiner Rede zur Schillerfeier den Oberlehrer Karl Berger.

** Ergänzungswahlen für die Handels­kammer. Wie uns mitgeteilt wird, hat das Ministerium des Innern anstelle der verstorbenen Handelskammermitglieder A. Katz und E. Balser aus Gießen die Vornahme von Ergänzungswahlen angeordnet. Die Wahlen sollen für den Rest der Wahlperiode der verstorbenen Mitglieder die eine Amtsdauer endigt Ende 1906, die andere Ende 1908 und unter Zugrundelegung der bei der letzten Ergänzungs­wahl aufgestellten Wählerlisten erfolgen.

** Eisenbahngüterverkehr. Den Güterversendern ist noch wenig bekannt, daß die bahnamtlichen Rollfuhr­unternehmer auch Güter zur Auflieferung bei den Abfertigungs­stellen in den Geschäftsräumen und Wohnungen der Versender abholen. Solche Abholungen können in Gießen mündlich, telephonisch oder mit besonderen Karten angemeldet werden, die bei den Abfertigungsstellen unentgeltlich abgegeben werden und unfrankiert in die Postkasten eingeworfen, auch direkt bei den Abfertigungsstellen eingeliefert werden können. Auch können die bahnamtlichen Rollfuhrleute bei ihren Fahrten durch die Stadt angerufen und die Güter sogleich mitgegeben werden. Bei vorheriger Bestellung beträgt die Abholefrist für Eilgut drei Stunden, für Frachtgut sechs Stunden. Die Gebühren sind im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben.

* Zum Gießener Gymnasialkonflikt. Bekannt­lich hatte der von Gießen nach Mainz versetzte Professor N o a ck beim Ministerium gegen die Art der parlamentarischen Darlegungen des Negierungsvertreters über die unerquickliche, von Dr. David ohne Not in der II. Kammer in öffentlicher Sitzung an die große Glocke gehängte Gießener Gymnasial- Angelegenheit Beschwerde erhoben. Darauf erfuhr man, daß sich Professor Noackdisziplinär zu verantworten haben werde", und jetzt wird bekannt, daß Professor Noack wegen seiner Eingabe auf administrativem Wege durch einen Ver­weis bestraft worden ist.

** DieZahl derStudierenden an derLandes- aniversität im laufenden Semester beträgt 1078. Außer­dem besuchen 31 Hörer und 15 Hörerinnen Vorlesungen, so daß die Gesamtzahl 1124 beträgt. Von den 1078 immatriku­lierten Studierenden sind 715 Hessen. Aus Preußen studieren 224, aus Bayern 37, aus Baden 14, aus Württem­berg 9; außerdem studieren hier aus zahlreichen anderen deutschen Staaten vereinzelte Studenten. Von anderen europäischen Staaten sind vertreten Oesterreich-Ungarn mit 12, Rußland mit 24, Frankreich mit 1, Großbritannien mit 3, Italien, Spanien, Niederlande, Schweiz, Rumänien und Luxemburg mit je 1 Studenten. Von außereuropäischen Ländern ist nur 1 Japaner hier. Es studieren: Theologie 72 (63 Hessen), Rechtswissenschaft 164 (143 Hessen), Medizin 152 (63 Hessen), Tierheilkunde 131 (21 Hessen), Zahnheil- fitnbe 15 (12 Hessen), Philosophie 28 (7 Hessen), Pädagogik 7 (6 Hessen), Mathematik 97 (86 Hessen), Naturwissenschaften 59 (49 Hessen), Chemie 61 (22 Hessen), Pharmazie 19 (8 Hessen), Forstwissenschaft 57 (52 Hessen), Landwirtschaft 30 (23 Hessen), Geschichte 7 (5 Hessen), Klassische Philologie 72 (59 Hessen), Neuere Philologie 107 (96 Hessen).

** Obstbau und Obstnutzung im Großh erzog- zum im Jahre 1904. DieMitteilungen der Großh. Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik" bringen eine Tabelle über Obstbau und Obstnutzung im Jahre 1904, der wir folgendes entnehmen: Tie Provinz Starkenburg verfügt über insgesamt 588 652 ertragsfähige Apfelbäume, Oberhessen über 477 006, Rheinhessen über 260169. Was die anderen Obstarten anlangt, so gibt es ertragsfähige Birnbäume: in Starkenburg 200619, in Oberhessen 129 807, in Rhein­hessen 92 355; Zwetschen- und Pflaume nbäum e: in Starkenburg 551 899, Oberhessen 562 977, Rheinhessen 453 613; Kirschbäume: in Starkenburg 37 488, Ober­hessen 59 186, Rheinhessen 53 694; Aprikosen- und Pfirsichbäume: in Starkenburg 21 434, Oberhessen 2168, Rheinhessen 63 748; Kastanienbäume: in Starkenburg 783, Oberhessen 282, Rheinhessen 5; Wallnüsse: in Starkenburg 43 735, Oberhessen 7211, Rheinhessen 9850. Im ganzen besitzt das Großherzogtum Hessen 3616681 -rtragsfähige Obstbäume, welche einen Ertragswert von 4 652172 Mk. einbringen. Davon entfallen auf Starken­burg 1444 610 Bäume (2211 827 Mk.), Oberhessen 1 238 637 (1276 974 Mk.), Rheinhessen 933 434 (1 363 371 Mk.)

Wir Oberhessen haben also vor den beiden anderen Pro­vinzen die meisten Zwetschen-, Pflaumen- und Kirschbäume. Was die Zahl der Obstbaume überhaupt anlangt, so steht Oberhessen der darin am meisten bevorzugten Provinz Starkenburg nicht viel nach. Am verbreitetsten und ertrag­reichsten sind die Aepfelbäume, von denen 1325 827 Stück eine Ernte im Werte von 2 437 051 Mk. erbrachten. Hierbei macht sich namentlich die ausgedehnte Aepfelweiuerzeugung in und um Frankfurt vorteilhaft bemerkbar. Die 1568 489 Zwetschenbäume erbrachten 1037 858 Mk., 422 781 Birnen­bäume 618 573 Mk., 150 368 Kirschenbäume 296 710 Mk., 87 350 Aprikosen- und Psirsichbäume 263 520 Mk., 60 796 Walnußbäume 196130 Mk. und 1070 edle Kastanienbäume 2330 Mk. Au Taseltrauben war ein Ertrag von 1637 Doppelzentnern im Werte von 43 027 Mk. zu verzeichnen.

** Weidenkultur und Korbflechterei. Der Rück­gang der Weidenkultur am Rhein und die Konkurrenz der Gefängnisarbeit haben, so entnehmen wir derW. Z." das Gewerbe sehr geschädigt. So lange eine reichsgesetzliche Regelung der Gefängnisarbeit nicht besteht, kann das Korb­macherhandwerk eine Gesundung de§ Gewerbes nicht er­warten, da die Einschränkungen bei einzelnen Bundesstaaten nur eine Vermehrung der Gefängnisarbeit in anderen zur Folge haben. So sind beispielsweise in dem Zellen - gefängniS zu Butzbach hundert Korbmacher tätig, welche bis zu 2000 Körbe wöchentlich flechten. Diese Angelegenheit hat auch den landwirtschaftlichen Provinzial­verein fürRheinhessen beschäftigt und in seiner jüngsten Sitzung hat sich auch der Ausschuß des hessischen Landes­gewerbevereins damit befaßt. Nach eingehender Prüfung der bestehenden Verhältnisse wurde beschlossen, um die Korb­fabrikation in Hamm zu heben, 1. gesunde, befähigte junge Leute mit guter Vorbildung in auswärtigen Korbflechtschulen ausbilden zu lassen, mit der Verpflichtung, sich eine bestimmte Reihe von Jahren in Hamm ansässig zu machen, und 2. in Hamm selbst nach Bedürfnis Fachkurse einzurichten. Schließlich sprach sich der Ausschuß auch noch in Bezug auf die Gefängnisarbeit dahin aus, daß die in Preußen ein­geführte Beschränkung der Gefängnisarbeit in Hessen auch auf die Korbflechterei ausgedehnt werden möge.

Offenbach, 14. Juni. Als am Montag abend gegen 7 Uhr ein Auto mobil, auf dem sich Frhr. Bruno von Grundherr mit Frau und Chauffeur befanden, auf dem Wege von Nürnberg nach Frankfurt bei Offenbach in die Frankfurterstraße einlenkte, wurde es von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn ersaßt und mit großer Wucht gegen ein Haus geschleudert. Die Insassen des Fahrzeugs, das auf Wunsch des Besitzers in sehr scharfem Tempo fuhr, wurden herausgeworfen. Herr v. Grundherr erlitt einen Arm- bruch, der Chauffeur mehrere Nippenquetschungen, während Frau v. Grundherr mit leichten Hautabschürfungen davon­kam. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert. Der Anprall gegen die Trambahn war so stark, daß diese aus dem Geleise sprang.

Jugenheim a. d. B., 13. Juni. Ihre Durchl. Prinzessin Luise von Battenberg (geb. 13. Juli 1889) wurde heute in der Kirche zu Jugenheim konfir­miert und nahm hierauf mit ihrer hohen Mutter das heil. Abendmahl. Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, sowie die übrigen hohen Verwandten der jungen Prinzessin wohnten der feierlichen Handlung bei, die von Dekan Matthes vollzogen wurde. Infolge der Ab­wesenheit Sr. Durchl. des Prinzen Ludwig von Battenberg, der sich auf hoher See befindet, und wegen Familientrauer war die Feier auf den engsten Familienkreis beschränkt. (D. Z.) fc. Bingerbrück, 14. Juni. Aus der Bahnstrecke von der Drususbrücke nach Münster wurde heute morgen ein Soldat vom 28. Regiment tot aufgefunden. Er war überfahren worden. Geld und ein Urlaubspaß wurden nicht bet ihm vorgefunden. Man kann daher annehmen, daß Selbstmord vorliegt.

"Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Mit der Lieferung eines Bechstein-Flügels für K. H. den Großherzog nach Jagdschloß Wolfs garten wurde die Firma Wilh. Rudolph in Gießen betraut; die Auf­stellung des Instrumentes erfolgte heute. In der Gemeinde Langenhain-Ziegenberg mit ihrem halben Tausend Einwohnern ist seitJahresfristkein einzigerSterbe- ffall vorgekommen. ______________________

vermochte«.

*SchwererUnsall eines Gelehrten. ^Der Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik in H a l l e a. S., Geheimrat Wernicke, der auf einem Fahrraid das Geratal durch­fuhr, geriet in der Nähe von Dörrberg in Thüringen unter ein Lastfuhrwerk. Die Räder gingen ihm über den Kopf, er wurde lebensgefährlich verletzt in ein Hotel ge­bracht.

Univtrsttäts-Aachrichlen.

Der vortreffliche Breslauer Chirurst Professor von Mi- kuliez-Radecki, früher in Krakau, dann in Königsberg, ist am 14. d. M. in Breslau gestorben.

Ein neuer Eingriff in die akademische Freiheit wird von der Technischen Hochschule in Ch arlotten bürg gemeldet. Wie es heißt, hat Rektor Miethe das Präsidium der dort bestehenden Wildenschaft, also die Vertretung der nicht inkorporierten Studenten, angewiesen, die Wildenschäft in einen Verein zu ver­wandeln. Rektor Miethe begründet sein Vorgehen damit, daß ein Teil der nicht inkorporierten Studenten die Wildenschaft für die Gesamtschaft der freien Studentenschaft und demzufolge auch das Präsidium für die Vertretung ihrer Interessen nicht anerkennen will. Es scheint demnach, als ob die kaum geglätteten Woaen der Er­regung in Charlottenburg wieder aufgewühlt werden. Verschiedene akademische Verbände haben eine gemeinsame Erklärung erlassen und darin gegen die Anweisung Miethes entschiedenen Protest eingelegt.

D r m e d. v e t. Eine Anzahl Tierärzte haben beim preuß. Abgeordnetenhause um Erlaubnis zur Führung des an den Uni­versitäten Bern und Zürich erworbenen Titels eines Dr. med. ve- terinariae durch Tierärzte petitioniert. Der Regiernngsvertreter sprach sich in der Unterrichtskommission bei Beratung dieser Petition aus, namentlich mit Rücksicht darauf, daß die Bundesregierungen, in deren Herrschaftsgebiet llnioerfitäten vorhanden sind, dahin über« eingekommen sind, " die Führung im Auslande erworbener akade­mischer Würden, welche von relchsdeutschen Hochschiilen nicht ver­liehen werden, grundsätzlich nicht zu gestalten, damit fei die Führt,ng ausländischer zahnärztlicher und tierärztlicher Doktortitel grundsätz- lich ausgeschlossen, atich wenn diese im einzelnen Falle auf Grund ernster Anforderungen verliehen sein mögen. Wenn Hessen und in gewissem Umlange auch Bayern eine etwa? andere Praxis bezüglich des tierärztlichen Toktortiteltz üben, so sei dies daraus erklärlich, daß Gießen selbst den tierärztlichen Doktortitel verleiht und Bayern bezüglich des technischen Doktortitels eine Sonderstellung einnimmt, ine ^enehmlgiilig utr Führung des im Auslande erworbenen

Dr.-med.-vet-£itel§ wurde überhaupt nur in Frage kommen können, wenn die preußischen Universitäten dazu übergehen sollten, die akademische Würde eines Dr. med. vet. zu verleihen, eine Möglich­keit, mit welcher jedoch für die nächste Zeit katnn zu rechnen fein wird. Nachdeni die Kommission einen Antrag auf Erwägung mit großer Mehrheit abgelehnt hatte, nahm sie einstimmig den Antrag an, dem Abgeordnetenhause zu empfehlen, die Petition derStaats- regieruug als Material zu überweisen.

Die Universität des Staates Mississippi in New-Orleans hat die angebotene Schenkung von 28 Millionen Dollar des Milliardärs Garnecsie zur Errichtung einer Bibliothek ab­gelehnt mit der Begründung, man brauche dieses Geld nicht, an dem das Blut und der Schweiß der Arbeiter haste. (Wir halten diesen falschen Stolz für sehr verwerflich. Denn die Uni- versität ist nicht die einzige, die dabei zu kurz kotnmt, sondern auch die Arbeiter von New-Orleans, denen ein immenser Bücherschatz auf diese Weise gleichfalls entzogen wird. Denn at,ch ihnen hätte die Bibliothek zugänglich geutacht werden können. D.Red.d.G.-A.")

Kunst und Wissenschaft

Eine die deutschen Theaterfreunde überraschende Meldung kommt aus München: . Der vielbefehdete Intendant der königl. bahr. Hoftheater und des Prinzregcnten-Theaters, Ernst von P o s s a r t, der langjährige Allgewaltige der Münchener Hof- bühnen und bekannte Charakterdarsteller, hat seine En tl assung eingereicht, die angenommen luurbe. Es ist beabsichtigt, die Direktion wieder unter Leitung eines General-Intendan­ten zu bereinigen. Für diese Stelle ist in Aussicht genommen der Personal-Referent im Kriegsministerium, Oberst Freiherr v. Speidel, dem große musikalische Kenntnisse nachgerühmt w wden.

Kunde: utid Verkehr. Dolkswirrschaft.

Griesheim Electron und Anilin Offenbach. Vor einigen Wochen tauchte zuerst die Nachricht auf, daß die Chemische Fabrik Griesheim Electron mit der Anilin- und Anilin­farben sabrik von K. Oehler in Offenbach a. M. in engste Bezieh- ung treten werde. Bestätigen sich derartige Meldungen nicht, so kommt immer rasch darauf ein Dementi In diesem Fall nun erfolgte kein solches, aber auch ziemlich lange keine. Be­stätigung. Man erfuhr an der Börse nur, daß noch einige Schwierigkeiten zu regeln seien, und man überhaupt nicht so leicht mit dem Chef der Firma Oehler ins Reine zu lonimen vermöge. Nun ist endlich alles in Ordnung. Dr. Eugen Oehler tritt als stellvertretender Direktor der Chemischen Fabrik Gries­heim Electron ein und wird die technische Leitung der Offenbacher Fabrik, die als Werk Oehler fortgeführt werden soll, übernehmen, während der bisherige Senior der Firma, Herr Kommerzienrat Eduard Oehler der außerordentlichen Generalversammlung, zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgcschlagen werden soll. Die seit ge­raumer Zeit schwebenden Verhandlungen wurden von der Frank­furter Filiale der Deutschen Bank geführt und zum Abschluß gebracht. Die Oehlersche. Fabrik ift 1842 von Dr. E. Sell zum Betriebe der Teerdestillation errichtet und im Jahre 1850 gn den Gründer der Firma, Herrn Karl Oehler aus Aarau übergegangen. Die Fabrik stellt vorzugsweise Zwischenprodukte für die Farbenfabrikation (Hauptbetriebszweig Anilinöl und Ani­linsalz) her, ferner Anilinfarbstoffe aller Art. Eine Säure­fabrik ist in Vorbereitung, dock mußte die Aufnahme dieses Be­triebes bislang wegen Konzessionsschwierigkeiten verzögert wer­den. Es bestand daher für die Chemische Fabrik Griesheim Electron die Gefahr, die Firma Oehler, die zu ihren größten Säure ab nehmern zählt, als Abnehmerin zu verlieren, und hierin liegt wohl einer der Gründe des Ankaufs von Oehler durch Griesheim.

Die Steigerung der russischen Renten. Wir mußten schon wiederholt darauf aufmerksam machen, daß Frie­denshoffnungen, die, fei es auch in noch so weiter Ferne sich meldeten, sofort auch den Renten zugute gekommen sind. Niemals kam den Besetzern der Gedanke: da ist doch Hopfen und Malz verloren. Im Gegenteil: Es erhielt sich stets die Meinung: hier wird noch alles gut werden. Und nun hat das WortFriedenspräliminarien^ dem Markte der russischen Renten Scharen Käufer aus den Kreisen des Privatpublikums und der Spekulation zugeführt. Die Kurse dieser Werte erfuhren durch­weg erhebliche Steigerungen. Die Prioritäten zogen im Durch­schnitt 1IV2 Proz. an, Transkaukasier Prioritäten sogar um über 2 Proz. Von den Renten wurden die 3V;> proz. Rente um 1,30 Proz., die russischen Konsols um 1,10 Proz., die Anleihe von 1902 um 1 Proz. höher gesetzt. Die neueste 41/2 proz. An­leihe überschritt seit Wocbeil zum erstenmal den Emissionsknr^, der auf 95 Proz. gelautet hatte, bis 95/0. Lebhaftes Interesse zeigte sich auch für die Aktien der Warschau-Wiener Bahn, sowie für die Aktien der russischen Bank für auswärtigen Handel. Uebrigens haben auch auf die Mrse der japanischen Renten wie aus den Londoner Berichten' zu ersehen ist, die Friedens­hoffnungen stimulierend gewirkt.

Märkte.

(**) <3 d) 0 11 c n , 14. Juni. Unser Psing st-Prämiier r n n q s m a r k t, der alljährlich amdritten" Feiertage stattfindet, war namentlich mit Ferkeln stark befahren. Es waren etwa 500 Stück aufgetrieben für die außerordentlich hohe Preise bezahlt wurden, je nach Alter 5580 Mark pro Paar. Diese hohen Preise erklären sich durch die zur Zeit herschenden Preise für fette Schweine, 59 Psg. per Pfund Lebendgewicht, gleich 65 Pfg Schlacht­gewicht. Ter Handel mit Rindvieh war flau, trotzdem schönes Vieh, namentlich Ochsen aufgetrieben roaren.,. DerLeutrnärt" ließ bei dem schönen Wetter nichts zu wünschen übrig.

Spielpkan

des Grostherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim.

Direktion Hermann Stein goetter.

Vtontag den 19. Juni:Alt - Heidelberg", Schauspiel in 5 Aufzügen von Wilhelm Meyer-Förster. Mittwoch den 21. Juni: Wann wir altern", Plauderei in 1 Akt von Oskar Blumenthal. Hierauf: ^Der eingebildete Kranke", Lustspiel von Moliere. Deutsch von Ludwig Fulda. In der Pause: Balleteinlagen von Fräulein Emma D a t h e und Frl. Quote Dertz. Samstag den 24. Juni: Boccacio". Komische Operette in 3 Akten von F. Zell und Rich. Genäe.

Kursbericht.

Frankfurt a. THT., 14. Juni. Offizielle Schlusskurse.

3l/s°/u Reichfiauleibe 3% do. . >

3,/.°/o Konsole . . .

3<V! do . . .

3/a% Hessen . . .

31/,% Oborhessen . .

4% Oosterr. Goidrente

. 101.35 . 90P5 . 101.35 . 90.50 . 100.40 . 98.50 . 10195

6u/o Mexikaner 41/e'l/o Chinesen Electric. Schlickert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandi*1 Darmstädter Bank

4/6 % Oesterr. Silberrento . 101.40 4% Unerar. Goldrente . . 99.60

4°/ Italien. Rente , , . 106.40

4 % Portugieser I . . 67.20

3°/ Portugiesen. IH . 67.50

1 % Unif. Türken . . . 88.10

Türkenloflo . . 137.

Dresdener Bank . Berliner JTandelspes Oesterr. Staatsbahn Lombarden « . Gotthar-lbahn . .

Laurahütte Bochum . . .

4% Griech. Monopol.-Anl. 41/.,°/0 äussere Argentiner

54.90 H arpener

44.80 Staatsclmtysscbeine Tendenz: fest.

. . 67.95 . . 96.55 . . 138.35 . . 123.80 , . 208 70 190 50

. . 141.75 . . 156 60 . . 170 30 - - 143 10 . . 18 50 . . 189.- . . 265.20

249.20 . . 213 70 . . 100.55

Ein Sträiißcheii am Hute, den Stab in der Hand und Fay? Sodener Mineralpastillen in der Tasche, so wandert sich's leicht und so ist man auch gegen die Ge- 'M fahren der Uebergangszeit am besten geschützt. Fays Sodener lassen Reizungen der Schleimhäute gar nicht auf- kommen, und wo Affektioitelt schon vorhanden sind, da tun to». sie wahre Wunder. Man kaufe sie in den Apotheken. Drogen- und Mineralwasserhandlungen die Schachtel zu 85 Pf. hvu/.