Ausgabe 
13.10.1905 Erstes Blatt
 
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Tonnen festgesetzte Deplacement der neubewilligten Schiffe auf 18 000 zu erhöhen. Demgegenüber ist Deutschland mit seinem zurzeit größten Linienschiffstyp der 13 200 Tonnen fassenden Deutschland'-Klaffe im Rückstände. Der vom Kaiser zum Referenten bei dem Vortragsabend in der Militärischen Gesell­schaft bestimmte Korvettenkapitän Starke vom Admiralstab dürfte der Verfaffer der Denkschrift sein soweit sie sich auf die Seeschlachten in Ostasien bezieht, die mit der Marine­vorlage dem Reichstag zugehen wird. ---------... ----------- ------....

Kamerunisches.

DasHamb. Fremdenbl.' gelangte in den Besitz einer an den Reichskanzler und den Reichstag gelangten Be- sch Werbeschrift, die von sämtlichen Häuptlingen und Oberhäuptlingen des Kameruner Schutzgebietes unterschrieben sein und sich gegen den Gouverneur von Puttkamer und sein System richten soll. Seit Jahren führen die Häuptlinge ein besonderesSchwarzbuch', in dem sie sämtliche Vorgänge registrieren, die der AffcfforiSmuS des Gouverneurs Puttkamer gezüchtet hat, und sämtliche Willkür­lichkeiten, die von einzelnen Beamten gegen die Eingeborenen begangen wurden. Die Häuptlinge verlangen die Zurück- berufung Puttkamers und einzelner namhafter Beamten, die sich liebergriffe gegen die Eingeborenen zu schulden kommen ließen. In der Eingabe, in der die Kameruner ihre Er­gebenheit dem deutschen Kaiser gegenüber in überzeugender Naivität Ausdruck geben, wird dringend die Einsetzung eines neuen Gouverneurs gefordert. DaSFremdenbl.' schreibt, daß eS vorläufig, um nicht der Entscheidung deS Reichs­kanzlers vorzugreifen, von einer Veröffentlichung des Wort­lautes dieser Beschwerdeschrift absehen will.

Diese Meldungen tragen indes den Stempel der völligen Unrichtigkeit an der Stirne, sodaß wir von ihrer sofortigen kritiklosen Wiedergabe absahen bis zum Erscheinen eines offiziösen Dementis. Dieses hat denn auch nur 24 Stunden auf sich warten laffen. Heute bereits meldet dieKöln. Ztg.* aus Berlin:

Es gehört wvhl ein wirklich hoher Grad Naivität unb, Unkenntnis des Külturzustandes unserer Kamerunneger dazu, um die Nachricht für möglich zu halten und weiterzuverbreiten,, daß sämtliche Oberhäuptlinge und Häuptlinge von Kamerun eine Beschwerdeschrift gegen das Rcgierungssystem des Gouverneurs an den Reichskanzler und den Reichstag gerichtet hätten. Wie wir aus bester Quelle erfahren, liegt dieser bombastischen, tvieber einmal bie Gefahr eines Aufstandes in Kamerun an die Wand malenden Nackwicht ein recht geringfügiger Vorgang zu Grunde. Der sog. King Aqua Bell richtete allerdings! eine Beschwerdeschrift mit Angriffen gegen die Verwaltung von Kamerun an den Reichskanzler und ben Reichstag, unter­schrieben von ihm imb unterkreuzt von seinen Unter Häuptlingen. Man gab sich auch amtlich Mühe, die Beschwerdeschrift dem O^ouverneur von Kamerun zur Berichterstattung zu überweisen, aber Aqua Bell hat unter sich, Weiber unb Kinder eingerechnet, nut etwa 2000 Duallanegcr stehen. Der alte etwas trunk- freudige Herr hat bei den Dualla nur noch geringen Ein­fluß. Die führenden Häuptlinge der Dnalla, wie Manga Bell, »tehen der Schrift gänzlich fern. Die tteibende Kraft der Be- schwerdebewegnng ist der sich leider in Deutschland aufhaltende Bunds Bell, der zur Zeit in Hamburg wegen Betruges unb Zechprellerei verfolgt wird. Nunmehr scheint er dort auch Zeitungspreller gewesen zu sein, was ihm nicht schwer fiel. Sicher wird der geriebene schwarze Bumm­le r, den man nach der Verbüßung der ihm jetzt drohenden Strafe aus Deutschland entfernen und einer anderen Kolonie, nicht seinem Heimatlande, zuführen sollte, schon längst gemerft haben, wie außerordentlich leichtgläubig man in Deutsch­land Nachrichten über die Zustände in unseren Kolonien gegen* übersteht.

Kirche und Schule.

Am 10. Oktober hat in Berlin eine vom Deutschen Pro­test antenverein berufene Versammlung stattgefunden, deren Zweck war, zu beraten über bie Art, in der fretgefinnte Protestanten ihre Stellung und ihre Rechte in der Kirche gegen den Ansturm der Orthodoxie zu wahren haben. Darüber wird uns berichtet: Die Versammlung war sehr zahlreich besucht, nicht nur von Mitgliedern des Protestantenvereins, sondern auch von anderen angesehenen Männern unb Frauen auS allen Teilen Deutschlands, auch von Vertretern anderer kirch- lich-lib.valer Vereinigungen, Freunden der Christlichen Welt, der Psälzischen, Elsässischen, Badischen, Hannoverschen, Thüringischen 93eReinigungen und der Zweigvereine des Protestantenvereins. Das Ergebnis der Versammlung war die nachfolgende fast ein­stimmig angenommene Resolution:

Die Versammlung spricht aus: Das innerste Wesen der evangelischen Kirche älS der Gemeinschaft des Christentums der Innerlichkeit unb der Freiheit fordert entgegen jedem Bekenntniszwange volle Gleichberechtigung aller Richtungen, die sich zu dem Evangelium und zur Nachfolge Jesu Christt befennen: die Freiheit der Geistlichen, Professo­ren und Lehrer in der wissenschaftlichen Forsch­ung und die Verwendung ihrer Ergebnisse im Amte; die Befreiung des staatlichen Bildengs- wesens von hierarchischem Einflüsse: die Sich er­st ellung der Rechte der Gemeinden und Geistlichen gegen bureaukratische Eingriffe dcs Kirchenregimen­tes: und zwar behufs einer wirklichenDurchdringung des Volkslebens mit der R e l i g i o n. Die Versammlung richtet an alle Freigesinnten, Güstlicl^ unb besonbers Laien die dringende Aufforderung, im Sinne dieser Grundsätze zu wirken und einzutreten für Gleichberechtigung und Frei­heit in der Kirche. Insbesondere durch Beteiligung am kirchlichen Gemeindeleben und an allen Unternehmungen zur Förderung christl. Erkenntnis und Liedestätigkeit, an den Wahlen zu Gemeindekörperschasten und Synoden und au den Wahlen von Geistlichen: um auf der Grundlage des allgemeinen Priestertums zu erreichen ein Gemeinden und Geistliche eng verbindendes Gcmeindeleben, in welchem, die Religion in echt evangelischem, duldsamen Sinne gepflegt wird; eine Um­gestaltung der Kirchengesetzgebung, durch welche die Synoden in

153. Jahrgang

Erstes Blatt.

Freitag 18. Oktober 1905

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dem

28. Mai

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Schalstraße 7.

Redaktion 112

Verlag u.Exped.e^Köl Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Volttische Tagesschau.

Ein Flotten«Vortrag.

-tt- Berlin, 12. Oktober.

Vortragsabend in der Militärischen Gesellschaft, in Seeschlacht bei Tsuschima vom 27. und b. I. erörtert werden soll, ist dem Vernehmen nach

Die Enthüllungen, deren Urheberschaft in der ganzen Welt 'rärrcinftintmenb auf Delcassö zurückgeführt wird, haben sowohl m Frankreich wie in England starkes Unbehagen beröorgerufen, und namentlich in England wirb vielfach ber Lersn ch gemacht, die Angaben über daS Angebot kriegerischer .Hilfe Englands als völlig unbegründet unb somit belang- lo s hinzustellen. So leicht wird es nun allerdings nicht möglich fein, die Delcassöschen Enthüll­ungen abzuschütteln. Ob und was an ihnen wahr ist, trn.in man nur in England und in Frankreich wissen, und diese Headen Länder haben auch in erster Linie ein Interesse daran, do«ß die Angelegenheit in unanfechtbarer Weise klargcstellt n>crbe; 3m jedem Falle muß aber angenommen werden, daß Delcassö (in das Versprechen englischer Kriegshilfe ge- a l a u b t und danach seine Politik eingerichtet hat. Darin aber tilgt die große Bedeutung der Sache, und dadurch wird es un-

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Nr. 241

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Kainilien- bkälter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein­druckerei. R. Lange. Redaktion, Erpeditüm

Während der friebfertiae Charakter ber deutschen Politik gerade angesichts ber Enthüllungen desMatin" klar am Tage liegt, bringt es derVorwärts" fertig, diesen Charakter in sein Gegenteil zn verkehren. Nicht genug da­mit, daß derVorwärts" Delcassöinsofern zu Hilfe kommt, alö er seinen PlänenBismarcksches" Gepräge zu­erkennt, bezichtigt das sozialdemokratische Zentrawrgan unsere Bülows",genau dieselbe" Politik zu treiben, wie Delcassö! Dazu paßt es, toemt derVorwärts" gewisse englische Befürchtungen westen eines zukünftigen Angriffs der deutschen Flotte aitf bie englische Weltmacht mit den Worten als gerechtfertigt hinstellt:Welchen Zweck sollte benu auch sonst diese ungeheuer wachsende Flotte Deutsch­lands haben?" So gewohnt uns das Eintreten der Sozialdemokratie für bie Interessen des Auslandes ist, so wenig darf in eklatanten Fällen, wie der vorliegende, .mit Stillschweigen darüber hinweggegangen werden. Demgegen­über hat sich der französische Sozialistenführer Kmrös wieder einmal als für bie Wohlfahrt seines Vaterlandes klug bedacht ertviesen. .

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wen Rontorarbeiten, Korn- 3cnVUnb Expedition, sowie »er Reise sBacker-u. Händler- ch. im Logelsberg ü. Ober- i) vertraut, wünscht sich p« nuar 1»Ö6 zu verändern.

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einer werten RuntiMl M Iigen Kenntnisnahme, da? meine Wohauag alltorjtr. 51 befindet.

einrich Jakob,

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ibilb. frräaltin mit ooyügi n^auifranf, ftuti ud)t St. als Erz. ob. GrseUsch riftliche Anerbietm u. 06882 t Gießener Anzeiger erb.

i bie Richtigkeit der Enthüllungen einfach äbzn leugn en."

Tie doppelte offiziöse Vcrkündungsw."ise dieser Aus- : sührungen beweist deutlich genug, daß bisher weder die kngl. noch die französische Regierung in Berlin sich zum Wort gemeldet hat. Darnach muß notwendig angenommen werden, daß nicht etwa unverantwortliche Personen, bloße politische Agenten der britischen Regierung, sondern ber* q-ntwörtliche englische Staatsmänner Herrn Delcassö gegen Deutschland scharf machten, indem ftoe Waffen Hilfe in Aussicht stellten. Der französische Tozialistenführer Iaurös bestätigte das ausdrücklich in einer, jetzt von feinerHumcmitö" veröffentlichten, am Sonntag in Limoges stehalten en Rede. Drei Minister, so- sagt Jaurös, hätten oie Tatsache des engl. Angebots wäh- reinb ber letzten Regierungskrise zugegeben, unb darum hatten auch bie Sozialisten auf ben Sturz Del- ccass ös hin gearbeitet.

Zu feiner Zeit ist auf bie Zweideutigkeit der englischen Politik ein so Helles Licht gefallen, wie jetzt. Es braucht beispielsweise nur an die pathetische Aeußerung des Premier- nrmisters Lord Balfour im englischen Parlament im Früh- jähr d. I. erinnert zu werden:Einzig die englische Flotte lnnt einen defensiven Charakter!" Damals war der sogen. "Wesuch" des englischen Kanalgeschwaders in beer «Ostsee beschlossen worden. Mit vollem Recht, wie sich jetzt klipp unb klar herauSstellt, haben wir ben fried­lichen 'Absichten, der Harmlosigkeit des unerbetenenBe- iuHs" mißtraut.

Partner tätig, mit allen Ai. n, auch Cbfibtiu, vollslL^ ranl, sucht, gestutzt aus bch pichtungenbauemde Stellung christliche Angebote uni 06891 )en Gießener Anzeiger erbeten sunger sucht s. einig« »andrer »uttvtt Wochen AuL- t, da Eintritt in Südirantmit choben. Cfiert an $. 8(dn,

Ein Redakteur desEcho de Paris" hatte ein Interview mit Delocrssö, um ihn darüber zu befragen, was an den Erklärungen imMotin" wahr wäre. Delcassö ant­wortete, daß von alledem n i ch t S r i ch t i g sei. Er habe Über eine Sache, welche gar nicht g fthehen sei, nichts ver­öffentlichen können. Selbst wenn wirklich ein Mkommen mit England über die Landung von 100 000 Mann in Schles­wig-Holstein abgeschlossen worden wäre, so wäre hierüber nichts bekannt gegeben worden und die Akten wären ruhig in den Fächern des Ministeriums des Aeußern geblieben.

TieNordd. Allg. Ztg." bemerkt dazu kurz und kühl: Eine ausreichende Aufklärung der Angelegenheit wird durch diese Auslassung nicht gebracht . . . Tel- cassö hat mit dem Beistand Englands sich seinen Freunden gegenüber gebrüstet, als er noch im Amte war, und es ist trotz seines £cugnen§ wohl möAich, daß er nach Abschluß der zweiten Marokko-Verständigung das Signal gab, nun­mehr diese vertraulichen Mitteilungen preiszugeben, einer­seits, um seinem Nachfolger Verlegenheiten zu bereiten, andererseits, um durch dies Mittel einen offenen Konflikt zwischen England und Deutschland herb eizu führen.

Tie Hauptschuld an der frevelhaften Herauf­beschwörung eines furchtbaren europäischen Krieges bleibt an den engl. Staatsmännern hasten: sie sind die Anstifter zu einem empörenden Komplott, man sagt nicht zuviel: zu einem empörenden Ver­drecken! Telcassö hat n>cuigsteus die Entschuldigung für sich, daß er die Revancheideen zu verwirklichen gedachte. Tarin mag bis zu einem gewissen Grad ein patriotisches Motiv gefunden werden. Aber das engli sche Kabinett hat gar kein Motiv, als das eine, um jeden Preis, mit kaltblütiger Opferung unzähliger Menschenleben und unter Vernichtung ungeheurer Kulturwerte dem wirt­schaftlichen Nebenbuhler einen tödlichen Schlag zu versetzen.

Tas Eine erscheint uns sicher, daß von einer freund­schaftlichen Annäherung zwischen Deutsch­land uno England nichtmehrdieNede fein kann. Tie guten Vettern sind erkannt, das Tuch ist zer­schnitten.

Zn Pariser politischen Kreisen kommentiert man noch immer die Erklärungen Bülows über die deuffch-fran- zösischeii Beziehungen, welche er französischen Interviewern g^beu hat. Nach Pariser Meldungen sagenernftt fran^. Politiker"', Bülow habe mit seinen Mitteilungen über dre Gründe der Beseitigung Tclcassös der von Deuffchland ge­wünschten Annäherung an Frankreich einen schlechten Tienst geleistet, denn der Franzose Vergesse nichts weniger als eine Demütigung.

auf Veranlassung des Kaisers anberaumt worden. Es liegt nahe, diesen Vortrag mit der Flottenvorlage und be­sonders mit der geplanten Vergrößerung des Linien­schiffstyps in Verbindung zu bringen. Denn die Schlacht bei Tsuschima wurde von den Japanern gewonnen nicht wegen der Minderwertigkeit der russischen Linienschiffe, die sich der japanischen Torpedoboots nicht zu erwehren ver­mochten, als vielmehr wegen der Feuerüberlegenheit der japanischen Schiffe auf große Entfernungen. Und diese Ueber- legenheit gründete sich auf daS größere Deplacement und die infolgedessen mögliche schwerere Armierung der Schiffe Togos. Daß auch Fahrzeuge kleineren Typ? die Torpedoboote ab- wetzren können, ist festgestellt durch das Nachtgesecht bei Saßnitz vom August d. I., wo im Beisein des Kaisers der PanzerkreuzerPrinz Adalbert' sechs ihn angreifende Tor­pedoboote auf tausend Meter Entfernung in wenigen Mi­nuten kampfunfähig machte. Die Einführung besonderer Prämien an die Geschützführer für hervorragende Schieß­leistungen ist der Treffsicherheit zu statten gekommen. Was die Deplacementserhöhung der Linienschiffe betrifft, so kann Deutschland von dieser nicht Abstand nehmen auch im Hinblick auf das Vorgehen der anderen Seemächte. Unter 16 000 Tonnen will keine der letzteren in Zukunft Linien­schiffe bauen; die amerikanische Admiralität ersucht sogar nachträglich den Kongreß um Genehmigung, das auf 16000

al aubt und danach feine Politik eingerichtet hat. lügt die große Bedeutung der Sache, imb dadurch möglich gemacht, sie einfach al? belanglos hinzuftcllcni. Durch bie Tatsache, daß Delcassö an die englische Hilfe glaubte, imirbc die französische Politik in einer überaus gefährlichen Weise beeinflußt, und für bie praktische ö irlung bleibt es ziemlich g l e i ch g i l t i g , ob Delcasse w i r !* !i ch baraus rechnen konnte ober ob er sich in einer Täusch­ung befand. Selbsttäuschungen fömten in der Politik ebenso ae'fäbttich werden wie leidenschaftliche Gefublspolitik, imb gerade m diesem Falle sieht man deutlich, wie bie Selbsttäuschungen DieleassöS wenn es solche waren sich in ihren Wirkungen genau o äußerten, wie nur eilte von leidenschaftlichen Gefühlen gc- üngene Revanchepolitik es hätte tun können. Die Enthüllungen inb also durchaus ernst zu nehmen, unb man kann sie nicht als lächerliche Phantastereien ab tun. Hätte doch wenig gk fehlt, daß diese Ueberzeugungen des Herrn Delcassä, die offen» per eine der Grundlagen seiner Politik bildeten, Europa m (inen Krieg stürzten, wie er furchtbarer nicht gedacht werben könnte. Tie Frage, wie es möglich war, baß Telcassö zu einer lieber» zengimq kam, die jetzt front größten Teile ber englischen Presse cis ganz unhaltbar bezeichnet wirb, vermögen wir nicht zu lösen, wie wir uns auch keine Vorstellung darüber machen können, welche verantwottlichen ober unverantwortlichen Faktoren cs gewesen sinb, die ihn zu dieser Ucbcrzeugnng gebracht haben. Wie schon gesagt, nur in Enqlanb ober Frankreich könnte man herauf bie richtige Antwort finden, und diese Antwort würde jedenfalls interessanter sein als das jetzt beliebte Verfahren,

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GlchenerAnzeigerW

W General-Anzeiger ** SWK

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

________ ** zeigenteil: Hans Beck.

Aie Heutige Bummer umfaßt 12 feiten.

Aklcassö's Enthüllung bestätigt!

An den Berliner amtlichen Stellen hat man die Del- cassöscheii Enthüllungen von dem Angebot krie^rrischen Bei^ standes Englands gegen Deuffchland nicht als Hirn­gespinste aufaefaßt. Das liegt jetzt klar zu Tage, und eZ ist unerfindlich, wie unter diesen Umständen noch immer fron der einen und anderen Seite behauptet werden kann, daß die engl. Regierung inzwisck)en Erklärungen über die Mitteilungen Deloassös nach Berlin habe gelangen lassen. Ter Berliner Vertreter desStandard" z. B. übermittelte seinem Blatte eine lange Depesche über die Aufnahme der Ertthüllungen -in Deuffchland. Seine Ausführungen lassen sich kurz in folgenden Worten zusa-mmenfaffen:

DieMatirll^-Enthüllungen sind in Berlin viel ernster ge- itomrmcn worden, als in Paris oder London. Die englische Re­gierung hat bereits Erklärungen über die Enthüllungen abgegeben nirb auch die französische Regierung hat einen ähnlichen ©dyritt getan. Nichts de stowen ig er febemt man in Berlin nicht zuftieden zu sein. Deutfchlanb betrachtet die Angelegenheit als un­erledigt, bis bie englische Regierung eine deut­liche amtliche öffentliche Ablehnung derMatin"- Behauptnngen erläßt, da bie biHerigen Erlläkunaen dos Lon­doner Kabinetts einen vertraulichen, nichtamtlichen Charakter -atten.

Demgegenüber wird indes von Berlin aus halboffiziös folgendes festgestellt:

lieber bie Enthüllungen desMatin" liegt eine amtliche Er­klärung nicht fror. Weder hat die bcutfdye Regierung eine An- fcigc an England gerichtet, noch hat die britische Regierung An­laß zu einer Erklärung an Deutschland genommen. ES hat daher keinerlei amtlicher Meinungsaustausch zwiscknn den beiden Regierungen ftattgcfunden. .Auch von verttaulichen diplomatischen Aussprachen darüber ist nichts bekannt.

Während nun die LondonerDaily Mail" die Behaup­tung aufiecht hält, England sei entschlossen, bis zum letzten Mann und zur letzten Kanone Frankreich zicunter stützen,falls dieses von Deutschland mutwillig ar gegriffen würde (!), sind folgende Berliner Auslassungen derKöln. Ztg." umso bemerkenswerter, als sie zweimal, ni-erft im Auszug und dann in folgendem Wortlaut, ver­breitet werden:

lospiz*' ring Sc?* u"-L

-sw KM- MM