Ausgabe 
11.11.1905 Erstes Blatt
 
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155. Jahrgang

ganz auf sich Verwandten. Geschwistern logar Jahre unter sogar

Cft weiß man nicht, wie eS den Litern und ergeht. Geschwister haben 9)?onate, vielleicht lang nichts von einander gehört, ja sind nut« für einander sogut* wie verschollen. Nicht

Nr. 260

Erscheint täglich auRet Sonmaqs.

Dem Aiebenei 'ttiizeiger werden tm Wechsel mit dem hesfischea Landwirt die siebener ZamUien- tztüNer viermal in der Woche beigeleflL

Notanonsdruck u. Ver­lag der Brüt, lachen Hnrvers.-Buch-u. Liem- drriclerei. -DL Lange. Redakiion, Trvedllur« und Tnicferci:

Oivulftrahe 7.

Medaknon e=j<a 112 Verlag u.Exved e-^51 Adrelie für Teoelchen: flinrifler «ießcn.

-uS,närtS 20 l'lg.

eri tworllrch *üt oe.. aoliL und allgem. Tctl: P. W'tiko: tüt ,eiabt und Uanb" und toencbttinar; Ernst Heg, für den An- ACiaentetl: Hans Beck.

funu mit mühsainer Selbstverleugnung emipmnen, diese Senti­mentalität ist ungesund und unfruchtbar zugleich. Ader ebenso ungesund und öde ist c5, mit seinen Toten keine Beziehungen mehr zu haben.

Wir haben wohl das Recht, auf die Entwicklung detz modernen Gebens stolz zu sein, dürfen dabei aver nie oer* gessen, daß diese Entwicklung auch schädlich ist. da sie viele ideale Regungen unseres Volkslebens unterdrückt und her­vorragende GemütSkräfte zeriiöit.

wenige Arbeiter wissen nicht, ob und wie viele minder die Geschwister haben, ja mancher hat selbst keine Ahnung da­von, wie die eigene Mutter mit ihrem Mädchennamen hecht oder geheißen hat. Ost kann man feinen Taufpaten für die Kinder bringen, ober man läßt als Paten in das Taufbuch Leute eintragen, von denen der eine in Potsdam, der andere in Angerburg, der dritte in Konstantinopel wohnt.

Selbstverständlich ist, daß man da, wo man mit den Lebenden keine Beziehungen mehr hat, erst recht seine Toten we rg t. Zahllose Industriearbeiter kennen nicht die Gräber Ler Ihrigen. Tas pietätvolle Pflegen und Schmücken der Gräber ist vielen modernen Menschen, selbst mitunter solchen ou5 den vermögenderen Ständen, so gut wie unbekannt.

Man schelte das bei Leibe nicht Sentimentalität, wenn Mir es als unerläßlich für das Gemütsleben des Menschen ansehen, daß er mit seinen Toten in Verbindung bleibt. Freilich, die Sentimentalität, die zur Zeit der »empfindsamen Seelen" die Gebildeten unseres Volkes beherrschte, die Zeit, Öie HeinrichHeine so hübsch verspottete mit der Frage der Tochter, deren IHutter in Tränen ausbricht über em Bäumchen i.ni Schmucke des jungen Frühlings: /jJluttcr, mat sehr» denn Thnen die jrienen Beeine an?", Tie Sentimentalität, in die ssich manche unserer jüngsten Künstler in Maleret und Dicht-

General-Anzeiger **

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen

Heer uni) A ölte.

__ TaS Kaisermanöver für 1906 findet zwischen- einer au6 dem 111. (Brandenburgischen) und V. (Posenschen> 'Armeekorps zusammengesetzten 'Armee-Abteilung und dem VI. (Schlesischen) Armeekorps statt. Bei jeder Partei wird eine selbständige Kavallerie-Tivision aufgeflcUt. Eine Festungskriegsübung, ähnlich der im September ausgefallenen Hebung bei Thorn, ist für das kommende Jahr nicht bcab* -.ichtigt, da die sehr großen Vorbereitungskosten für die der Cholera wegen abgesagte Hebung die verfügbaren Mittel verschlungen haben. Eine Notwendigkeit, derartige Hebungen un Hinblick auf die in Port Arthur gewonnenen Erfahrungen abzuhalten, hegt um so weniger vor. als es bereits feststeht, daß der Krieg in Ostasien weder für die Ver­teidigung, noch für den Angriff auf permanente 'Beteiligungen irgendwelche neue Lehren zutage gefördert hat. Tie c'nschlägigen Gebiete des HeerwefenSi liehen in unserer Armee schon längst auf einer wesentlich! höheren Stuse, als dies bei den Kriegführenden in drH Mandschurei der Fall war.

Karlsruhe, 10. sJIod. Wie die ,Bab. Tagespost" au5i zuverlässiger Qelle erfahren haben will, soll seitens einiger BezirksfommandoS gegen einige Offiziere des BeJ urlaub tenlianbeB, die für die Wa h l eines sozial^ üemokratlschenKandidaten agitiert haben, dienstlichs emgeschrltten werden.

London, 10. Nov. Der .Standard" meldet, daß die> britischen Flotten-Manöver im nächsten Jahrei größeren Umfang haben werden als die diesjährigen. E» werde der Gedanke zu Grunde gelegt, daß die japanische Flotte daran teil nehme und sämtliche Seegrenzen aller britischen Besitzungen von einer feindlichen Koalition bedroht würden.

r Teilcrwaren f Kordel

und Bivdsadev i Louis Lony L nr r

Individuen. Auch da§ Heim gar manchen Städters gibt vhm nicht das, was anderwärts der Mensch hat. Er Hal ferne gesamte Einrichtung aus einem unserer großen Gießener, Tarmstädter oder Frankfurter Möbelgeschäfte; es fehlt der Ur­väter Hausrat, e5 fehlen die alten, gemalten, mit Namen und Jahreödaten versehenen Truhen, die uralten, 'weren Tische, die großen massiven Schränke. Besonders auch fehlen die Familienbezie Hungen. Wie viele Familien in einer Aufblühenden Universitäts- und Industriestadt wie Gießen nut fortwährend lebhaft fluktuierender Bevölkerung sind selbst gestellt und ohne Zusammenhang mit

Hannover, Lu. l-luj. ^cl ftuqvi:, der König von Spanien, sowie der Kronprinz sind um 8 Uhr 20 Min. vormittags nach Springe ab gereift, mit ihnen das Gefolge und der Ehrendienst. In Springe schloffen sich als Jagdgäste des Kaisers an Staatsmintstcr von Pod- bielski, Fürst zu Inn- und Knyphausen, General von Stünzner und Oberstleutnant Frhr. v. Lützow vom Regi­ment der Königsulanen.

Saupark ch.i Springe), 10. Nov. Ter Kaiser ver­lieh dem König von Spanien die Hofjagduni- f o r m. Tie Jagd war von dem besten Wetter begünstigt. Ter König erleg.c beim ersten Jagen 30 Stück Schwarzwild.

Berlin, 10. Nov. Ter König von Spanien ver­lieh dem Fürsten Bülow den Orden des Goldenen Vließes.

TemMilitärwochenblatt" zusolae ist der Fürst zur Lippe, Oberleutnant ä la suite der Armee, unter Belassung in diesem Verhältnis mit der Berechtigung, die Uniform des ersten Garde-Ulanenregiments zu tragen, an­läßlich seiner Uebermchme ter Regierung des Fürstentums zum Oberstleutnant befördert worden.

In der gestrigen Sitzung des Bundesrats wur­den die Gesetzentwürfe betreffend die Pensionierung der Offiziere und betreffend die Versorgung der Unterklassen des Reichsheeres, der Marine und Der Schutztruppen, sowie der Entwurf von Ausführungs­bestimmungen zum Gesetz über Wetten bei öffentlichen Pferderennen den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Angenommen wurden die Entwürfe der Etats für die Ver­waltung der Reichseisenbahnen, der Reichsjustizverwaltung, Die Etats für den Reichskanzler und die Reichskanzlei, und Die Etats für den Rechnungshof des Teurfchen Reiches.

Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl in der ersten Abteilung wurden sämtliche 17 Liberale ge­wählt.

Umfangreiche Sitzungen veranstaltet die Haupt­stelle Deutscher Arbeitgeberverbände in Berlin am 7. und 8. Tezember, eine Ausschußsitzung und die all­jährlich abzuhastende Verbandsversammlung der Mitglie- ocr der Hauptstelle. Neben den rein geschäftlichen und in­ternen Angelegenheiten werden sich die Versammlungen mit der Festsetzung der Mitgliedsbeiträge und der Grundsätze für die Gewichrung finanzieller Unterstützung bei Streiks aus dem bei der HauchMle cmgefammelten Fonds zu beschäftigen haben. Tcs ferneren soll eine Vertreterin sprech- ung Derjenigen Verbände, die nach von vornherein bestimm- ren Grundsätzen feste Unterstützungen an ihre von einem unberechtigten Streik betroffenen Mitglieder gewähren, stattfinden und hierbei die be­reits eingeleitete Beratung über einen engeren Zusam­menschluß dieser Verbände zu gegenseitiger finan­zieller Hilfe fortgesetzt werden.

Zn den i^er sichren über die bevorstehende Ver­lobung des Königs Alfons mit der Herzogin Marie Antoinette von Mecklenburg erfährt die Tägl. Rundsch." von unterrichteter Seite, daß es sich bei Dem Besuch der jungen Herzogin an dem Hose Der Kron- prinzesjtn allerdings darum yauöclte, (jXiegeiiyeit zu einer gegenseitigen Bekanntschaft zu geben. Aber König Alfons wird seine B r a u t f q a u zunächst noch weiter in Mun­den und Wien fortsetzen und >tch erst dann über feine Herzensneigung klar werden.

mit sct®iedeel$?' Rohren.

300 LW u

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ie ycnLige YnRrrrrer umfaßt 13 Sctt

ynlitifdie (LiiijrjlrijiiiL

Ter König Alphons und Kaiser Wilhelm.

Man schreibt uns:

Wer scii der Am'unst des Königs Alphvns von Spanien, in Berlin Gelegenheit butte, ihn im Zusammensein mit feinem kaiser­lichen Wine Wnhrlm II. zu sehen, Der tonnte wal/rnehmen, daß sich seriell zwischen den beünn Lionaa-^n ein Freund- schaftsverhaltnis herausgibädet H.I, tx'.S diesem Besuche ein viel herzlicheres Gepräge verleiht, als f»ld>en Entrcvuen von StaaiS-berhä upterti funji wohl eigen ist. In der Umgebung des Kollegs begegnet m.m d.r Aeuucrung, daß der Kaiser seinen G a stförmlich bezaubert" h.be. Andererseits ist gewiß der Euidruck, Den Aisons XIII. am Berliner Hofe hervorgerufen h..t, nicht nur au^roroentiich synipathisch gewesen, juitteni bie|ct cuiDrud h t auch die Erwartungen, Dec inan hegte, in jeder Hinsicht übertroffen. Man ist h.er übenüf^t gewesen uxnn es erlaubt ist, der Schule zu plaudern daß der König bei aller femen Jahren angemessener jugendlicher Fc.sa-e, doch einen Ernst bet Au sich'jung, eine Reife des Urteils uick) eine Dieiseit.gteit der Kenntnisse zeigt, wie sie in seinen Iahten nicht häufig anzuitesicn sind. Vielleicht ist bas beim etsien Anblicke ja ein wenig ungciuit erscheinende Aeu^re des König» Du ran schuld, daß man sia- ihn unwillkürlich etwas schüchtern und unRhosien vorsiellt. ^Ibcr biifc vorgefaßte Meinung icfyvin- Dct, sowie man ihn in der Unterhaltung und in der Erfüllung seiner königlichen Pflichten beobachtet. Da ist niä-ts von irgend welcher Unsichetl-cit zu spüren und an chre Stelle tritt vielmehr eine eigene, seht liebenswürdige Mischung von berechtigtem Selbst- bewußtscin und ritterlicher £)cf'.id>rzit, bet jeder h-f.sche Zwang fehlt. Alan darf hossen, daß "Der Besuch b.s Königs am Hose von Denin weit über die Er.nzen eines Aktes bloßer Courtoisie wirken und auch für die Zukunft, für das poliusu^ Verhältnis der sp..niscl)-en Vlonarchie zum Teutsc!).n ilicu/e werwolle Früchte 1 r-9in PJiri3-

München, 10. Roo. Tte Kammer Hut in ilyrer heutigen Sitzung die erste Beratung der Wahlgesetz-, an träge beenoct. Bei Artikel 8 betreffend dte Bildung Der Ur-wahlbczirke zieht Der Abg. Gerstenberger (Zentrum) Den Abänderungsainrag zurück. Vor der Schlußabstimmung über Den ganzen Zentrumsantrag erklären die Vertreter Der Liberalen und Der freien Vereinigung, daß sie heute Diesem Anträge zuslimmten, aber sich die enbgitttge -2Gb* Itimmung für Die ztveite Lesung oorbeyiclten in der sicheren Erwartung, daß das Zenirnrn bis dahin ihren Wünschen indezug auf Art. 14 betreffend die absolute Mehrl)eit Itech- nung tragen werde. Hierauf wurde Der Zentrums* an trag e i n ft i m m i g angenommen. Zu der Peti>i non über das Frauenstimmrecht bedauert Abg. von Voll mar (Soz.), daß das Frauenstimmrecht zurzeit noch aussichtslos sei, cs sei aber schon ein Fortschritt, daß man wenigstens bei Besi rwortung Des Frauenstimmrechts nicht mehr ausgelacht iverDe. Tr. Heim (Zentr.) erklärt namens eines kleinen Teiles feiner Freunde, daß er für Da» Frauenstimmrecht fei. Ter Antrag Heims, dis Petition Der Regierung zur Würdigung zu überweisen, wurds gegen Die Stimmen Der Sozialdemokraten, einiger Libe­ralen und einiger Zentrumsmitglieder ab gelehnt. Hierauf wurde die Peiiuon gemäß dem Anträge oes Ausschuffes 1 ur er le Digt crHurt.

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Honig.

Samstag 11. November 1905

Vezn gSpreisi mo*inihct)7bi:'., DifrlA fäbrhtb 2.20, burd

Woderncs Jcßtn und Keimaigejüyt.

Mit Spannung sehen wir der Volkszählung, Die in wenigen Wochen slattsinden soll, entgegen; Denn in Den toten Zahlen, die die stalislischcn Aemter uns m laugen Reihen Darbieten werden, stecken ungemein reichhaltige Angaben über Das innere und äußere Leben unseres Volkes. Wir zweifeln nicht daran, daß auch Die diesjährige Volkszählung uns rrchi Erfreuliches über die Entwicklung unserer Stadt foivohl luie unseres engeren und unseres weiteren Vaterlandes Mitteilen wird, aber ebensoivenig können wir uns verhehlen, daß sich dabei auch weniger Erfreuliches herautzstellen wird. Sicher werden wir erfahren, daß Die grögeren Städte wieder erheb­lich gewachsen sind, daß jedoch die Bevölkerung in verschie­denen unserer Heinen oberhesi. Landsiädtchen sowie in manchen Türfern, Die ab'cüs von allem Verkehr liegen, abgenommen hat, Daß also Der Zug von Dem Lande nach der Stadt noch immer fortdauert. Tiefe Cniwicklung mag in mancher Hinsicht segenSvoll sein, zur Kräftigung des Herma t« ge fühl es trägt sie entschieden nicht bei.

Verschiebungen in innerer Bevölkerung sind freilich nicht erst für die Gegenwart zu verzeichnen. Unfcre Vorfahren haben auch oft die Wohnsitze gewechselt. Im Diutelallei ging ununtcrbiodjen der Zug nach Dem Open. Aus unterem Hessen und aus Thüringen zogen Die deutschen Kolonisten nach Preußen und Polen unö siedelten sich dort an. Sie mögen im "Anfang oit sehnsüchtig wenwärts geblickt haben ach den grünen Bergen, da ihre Heimat lag. Aber je festeren Fuß sie in Dem fremden Lande faßten, um,omehr lräftigte sich auch ihr Heiinatgefühl. Tas Land, in Dem sie lebten und kämpften, in Dem ihre Kinder geboren und ihre Toten begraben wurden, wuchs ihnen allmählich an Das Herz und wurde ihnen zur zweiten HeiNiat. Tie erste Gene- i-ation nach ihnen wußte kaum noch, woher emst Die Vater gekommen waren.

Tem modernen Menschen, den Millionen der An- gcftclUe» innerhalb Der Deutschen Industrie, Dem Fabril- erbcitcr, Den zahllosen Privatbraipten wird die Erringung Lcv HkimatgefuhlS o;t sehr ich wer. Wie können z. B. Fa­milien Hc.matgefühl haben, Deren Ernährer Der Reihe nach bei Der Stadterwetterung von N.amz in den 70er Jahren, Dann bei Dem Bau Der GoilharDbahn, hierauf am sJlorD- ofticclanal arbeiteten, und Die heute vielleicht in irgend einer Fabrik Westdeutschlands beschäftigt sind? Nlancher Industrie. enbeiler flammt au6 Cftclbien, wo er zuerst auf entern iKiilir« gute Pserdelnecht war. Tann verheiratete ec sich, zog mit feiner Familie nach Nietz, wo er auf Der Schanze arbeitete, um Dann der Reihe nach in verschiedenen Fabrikortcn zu ivolmcn. Laß solche Leute irgendwo wirklich Heimatsinn gewinnen, ist ausgeschlossen. Hnd wie muß da, wo der Lliensch keine Heimat hat, das Gemütsleben veröden und ver­armen 1

Während der datier oft noch von Geschehnissen weiß, die sich in den Tagen, da fein Hrgroßvater jung war, zu- getragen haben, verlieren viele Stadtbewohner den Kontakt mit Der Vergangenheit, sie werden zu geschichtslosen

Zlujstjche gteuißlieiten.

TieNordd. Allg. Z^g." schreibt: Aus Petersburg wurdet vor einigen Tagen berichtet: Lediglich die Zarin tvirb das Anerbieten des deutschen Kaisers, an Bort» Des KreuzersAlübed" Rußland zu verlassen^ aunehmen, und zwar wegen ihres unbefriedigenden Ge­sundheitszustandes." Ter Kaiser ljat kein derartiges Anerbieten machen lassen, und der Kreuzer ^übeck^ hat den Hafen von Memel nuyt verlassen.

Tas Kabinett Witte qr jetzt nahezu vollständig.. Ter Minister des Aeußern Graf Lamsdorfs und der Justizminister Manucyin behalten ihre Poften. Ter^ Semsrwoabgeordnete Schrpow, der den Antrag erhalten/ hatte, in das Kabinett als Generalkontrolleur einzutreten^! hat diesen Antrag abgelehnt und wie folgt begründet: In dem gegenwärtigen Zeitpunkt hätte der Eintritt von,' Vertretern verschiedener sozrale». Gruppen in das Kabinett, in dem Falle eine große Bedeutung haben können, nxnm Diese Venreter unter anderem sich über das Programms verständigt hätten. Wenn man aber nur einen einzigen von ihnen nimmt, der noch dazu zur Rechten gehört, foj ist es unmöglich, daß dieser Vertreter für das Kabmett irgendwie von Nutzen sein kann, umsomehr, als die Reichs-- [entrolle eine mir gänzlich fremde Sache ist.

Großsürst Nikolai dcikolajewitsch, der Nachffolger des Großfürsten Wl-d^mir als Gardekommandant, bekleidete bisher Das Amt eines Vorsidenden Des Landesverteidigungsrats, der gegen Ende des ostasiatisa^n Krieges geschaffen wurde. Er ist der älteste Sohn Des Großfürsten stonfudum, Bruders Alexanders IL, und rouro: Mute Der 70 er Jahce schlecl/ter,Streiche wegen ge­wissermaßen aus der Zarensamilie ausgestoßen. Er lebte nach Eingehung einer mißliebigen Heirat in Taschkent, der Haupt statt von 3cussifch-Turkeju.n, in einer Art von Verbannung ohne jeg- tidje Dienliche Stellung od.r Würde. Nach der Ermordung Alexanders II. 1881 kam er überrasa,<nd nach Petersburg, ver­langte wieoer in d.e ka.s.rsiche Familie ausgenommen zu werden, unD als man ihm dies abschmg, Ueß er sich aus n i h i 1 i sti sche Verbindungen em und hielt Reden an die Peters­burger Arbeiter. Aiexanoer III. besann sich nicht lange, ließ Den unbequemen Vetter zunächst einjperren und schickte ihn später nach Taschkent, wo er der Auflicht des General- gouveriieurs unterstellt war. Erst unter dem jetzigen Kaiser, oessen Regimentsiommandeur er im Garde-Husuren-Regiment ge* nnjen, rourDe er seinem Rang und zweifellosen militärisepen Fahig- leurn entiprechend verwendet und zum Generaladjutaut..i ermuint,

Erstes Blatt

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