Ausgabe 
11.7.1905 Zweites Blatt
 
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Zweigs Blatt

155. Jahrgang

Dienstag 11. Juli 1905

W^chetnt S-Kch mtl Hn«natjme bei Sonntags.

Die ^Slehener KawiNenblStter- werden dem ytlnjetgei viermal wöchentlich beigelegt. Der ^helstich, Caxöroirt* erlchenu monatlich einmal.

Vcheksr Lkzrtzer

KotationSdruS and Verlag de» vrühllchen UnwerfttütSdruckeret. 9L Laag«. Dtehea.

Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schulstr.R, leL ÜU 6L Xeleflu-Üin.* üa-etg« Gietze»

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt fflr den Kreis Liehen.

KeKannlmachung.

Betr.: Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung der Maul- und Klauenseuche.

Unter Hinweis auf unsere früheren Bekanntmachungen wt obigem Betreff ordnen wir hiermit cm, daß die seither bestehenden Quarantänevorschriften nur noch für alles Klauen­vieh, das auS den preußischen Regierungsbezirken Posen I und Bromberg, sowie dem Württembergischen Neckar- kreiS in das Großherzogtum eingeführt wird, aufrecht er­halten werden.

Ferner unterliegen bis auf weiteres der Quarantäne alle Tiere, welche auf Schlachtviehmärkten und solchen Vieh­märkten aufgetrieben waren, auf deren Marktplatz auch Schlachtviehmärkte abgehalten werden, insbesondere die Tiere, welche von den Viehmärkten zu Mannheim, Frankfurt a. M. und Mainz kommen und nicht im Schlachtviehverkehr bleiben.

Alle weitergehenden Anordnungen werden auf­gehoben.

Gießen, den 10. Juli 1905.

Großherzvgliebes Kreisamt Gießen.

I. B.: Hechler.

Gießen, den 7. Juli 1905.

Betr.: Die Revision der Bäckereien, sowie der Gast- und Schankwirtschaften.

Das Grascherrogliche Kreisanü Gießen

an GroßhcrzoglicheS Polizeiamt Gießen

Und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Hinweis auf unsere Bekanntmachung vom 4. Februar /. IS. (Kreisblatt Rr. 15) und das in diesem Betreffe er- laffene Amtsblatt Rr. 2 vom 16. März 1904, sowie auf die in Amtsblatt Rr. 4 vom 14. Februar 1905 gegebenen Er­läuterungen hierzu, machen wir Sie wiederholt darauf auf­merksam, daß die fragl. Verzeichnisse nicht an unS einzusenden sind, sondern durch Großh. Gewerbe-Inspektion Gießen ge­legentlich bei Ihnen eingesehen werden.

Im übrigen empfehlen wir Ihnen den pünktlichen Befolg der bezüglichen Anordnungen.

I. V.: Dr. Fink.

Are Session der E. Kammer.

Aus Darmstadt wird uns geschrieben:

Unsere zweite Ständekammer liebt es, mit großer Be­dächtigkeit zu Werke zu gehen. Sie ist kein Freund von anhaltender, intensiver Arbeit, sondern ganz mit Maßen, von Stufe zu Stufe soll die Geschgcbungsmuschine weiter rollen. Nachdem im Dezember schnell noch ein paar Sitz­ungen abgehalten worden waren, um einige von der Re­gierung gewünschte Gesetzentwürfe zur Erledigung zu bringen, gönnte sich die Kammer bis zum 7. Februar Weih- uachtsruhe. Dann kamen mehrere Wochen flotter Arbeit, aber schon am 10. März trat wieder eine längere Unter­brechung ein, nur durch einige sporadische Sitzungen um die Monatswende abgelöst. Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten, oder genauer vom 7. April bis zum 14. Juni, also über neun volle Wochen, ließ man wieder in aller Ruhe und Beschaulichkeit verstreichen und dann fanden die kaum aufgenominenen Sitzungen am 24. Juni eine abermalige Unterbrechung. Jetzt im Juli war das Haus wiederum in drei Sitzungen beisammen und dann verkündete der Kammerpräsident eine neue Vertagung auf unbestimmte Zeit, nachdem unmittelbar zuvor noch das hübsche Schauspiel einer Beschluß Unfähigkeit dar­geboten worden war. Eine solche Art der Kammerberatung steht wohl einzig unter den deutschen Bundes- staaten da, sie ist aber auch zugleich charakteristisch für den ganzen Modus der Geschäftsführung unserer Kammer überhaupt. Won feiten der Verteidiger derselben wird uns entgegengehalten werden, die Schuld an derzerrissenen Session" liege daran, daß keine spruchreifen Gegen­stände für die Beratung rm Plenum vorhanden gewesen seien. Ganz recht! Aber warum wurde denn nicht in weiser Voraussicht für die rechtzeitige Fertigstellung derselben Sorge getragen? Hätten die Au ssch ü s s e nicht wenigstens gleich nach Ostern tüchtig arbeiten und bis Mitte Mai so viel Material erledigen können, daß die Kammerberat­ungen von da ab ihren regelmäßigen Fortgang nehmen konnten? Man wendet uns imMer ein,, der Präsident besitze keine Machtmittel, mit die Ausschüsse zur Beschleu­nigung ihrer Arbeiten zu veranlassen. Wer zugegeben, das große Zartgefühl des Präsidenten erlaubte ihm persön­lich nicht, die befreundeten Kollegen an die Erfüllung ihrer Pflichten zu erinnern, so ständen ihm doch auch noch der Ceniorenkonvent und die Parteileitungen, event. auch ein Appell an das Haus zu Gebote, um die Säumigen zur schleunigen Wwickelung ihrer Aufgaben anzuspornen.

Wie lähmend und direkt schädigend der schon ,o oft beklagte M a n g e l a n D i s z i p l i n resp. die l a s ch e Handhabung der Prä sidialigesch äste der Kam­mer überhaupt auf die Gesetzgebung des Landes einwirken kann, hat die Beratung über die Gemeindeumlagen­reform gezeigt. Auf die Generaldebatte über diese Vor­lage wurden vier Sitzungen verwendet und man kam dabei aus dem Hundertsten bis ins Tausendste, die Kernpunkte und die Grundprinzipien des Entwurfes aber wurden mit wenig Ausnahmen meist nur nebenbei gestreift; man tröstete sich damit, bei der Einzelberatung näher darauf zurück­kommen zu können. Und dann kam die Einzelberatung, bei welcher es gelten mußte, die 40 Artikel des so tief in alle wirtschaftlichen Verhältnisse einschneidenden Gesetzentwurfs aufs sorgfältigste zu prüfen und ihre Bestimmungen in der Wirkung auf den Steuerzahler zu erwägen. Da herrschte noch völlige Unklarheit über die rationellste Art der Veranlagung zur gemeindlichen Gewerbebesteuerung, da hätte die Frage des ganzen oder teilweisen Schuldenabzugs, die volle Heranziehung zur Kapitalsteuer, die wichtige Be­stimmung des Art. 11 und vieles andere eine gründliche Erörterung und Aufklärung verdient. Statt dessen aber

wurde zu unserer Ueberraschung am Freitag kurz vor 12 Uhr nach dem Schlußreferat zur Generaldebatte die Parole ausgegeben, den Gesetzentwurf unter allen Um­ständen noch bis zum Ablauf der Woche zu erledigen, also Die ganze wichtige Spezialberatung in noch nicht IV2 Sitz­ungen zu Ende zu führen. Was dabei zum Besten der GemeinDesteuerzahler herauskonrmen konnte, war voraus­zusehen. Man hatte weder Zett noch Lust, auf die einzelnen Anträge näher einzugehen. Wir schreiten zur Wstimmuna! lautete das Schlagwort, das dann auch meist eine Entscheid­ung zugunsten der Ausschußanträge herbeiführte. Mit dem Antrag Ulrich auf Beseitigung der Gewerbesteuerfreiheit für Rechtsanwälte, Derzte, Tierärzte, Geometer, Hebammen usw. hatten sich in der Debatte schon die oberhessischen Bauernbündler einverstanden erklärt; er wurde nur mit 23 ©tinimen Mehrheit abgelehnt; der Antrag auf Besteuerun g der Konsumvereine usw. mit offenen Verkaufsstellen fand mit 21 gegen 19 Stimmen Annahme, der Mb)'. 4 in Art. 35 inbetreff der Autonomie wurde auf Antrag des Wg. Windecker mit knapper Mehrheit ange­nommen. So stellt sich die Abstimmung über die einzelnen Artikel und Anträge mehr oder weniger als das Produkt einer Zufallsmehrheit dar, was man bei einer so bedeutungsvollen Gesetzesmaterie doch unter allen Um- ständen hätte vermeiden müssen.

ValMsche Taqesschau.

Das deutsch-spanische Handelsabkommen.

DieNorddeutsche" bemerkt zu der Kündigung des deutsch-spanischen Handelsabkommens: Nach dem Wegfall der spanisch-schweizerischen Zugeständnisse, an welchen die deutsche Einfuhr teilnahm, biete der spanische Konventionaltarif kein ausreichendes Aequivalent gegenüber unserem künftigen Ver­tragstarife. Jnfolgedeffen sei die Kündigung des be­stehenden Abkommens notwendig, welche nach der bestehenden Vereinbarung nicht vor dem 1. Juli 1906 wirksam werden könne. Vis oahin dürfe das Zustandekommen eines neuen Tarifvertrages mit Spanien erwartet werden.

Wenn die äußere Politik Spaniens unter den fortge­setzten Kabinetskrisen ebenso zu leiden hätte, wie die innere, dann wäre es um den Pyrenäenstaat in jeder Beziehung schlecht bestellt. Vor den auswärtigen Angelegenheiten pflegt aber das parteipolitische Treiben Halt zu machen. Ob nun Konservative oder Liberale am Ruder sind, es ist beider Bestreben, die Beziehungen zu fremden Staaten tunlichst unverändert zu lassen. Deshalb darf angenommen werden, daß die neuerdings zur Regierung berufene liberale Partei das ihrige tun wird, um nach Ablauf des gekündigten deutsch-spanischen Handelsvertrags zu einer neuen Verein­barung zu gelangen. Deutschland wird es an Entgegen­kommen nicht fehlen lassen. Den spanischen Markt als Ab­satzgebiet durch Vertrag auch nach dem 1. Juli 1906 gesichert zu wissen, hat die deutsche Exportindustrie ein beträchtliches Jntereffe. Sie kann den spanischen Markt umsoweniger ent­behren, als sie bei den bisher erneuerten Handelsverträgen bekanntlich nicht auf ihre Rechnung gekommen ist.

Gräfin Caroline zur Lippe t*

In Detmold ist am 10. Juli die Gräfin-Mutter Caroline zur Lippe verschieden. Mit ihr, der Mutter des Graf-Regenten Leopold und Witwen des Graf-Regenten Ernst, verschwindet, wenn man es so ausdrücken darf, die lebendige Verkörperung der Ursache des lippeschen Erbfolgestreites in seinem gegenloärtigen zweiten Stadium. Erst drehte dieser Streit sich, wie erinner­lich, um die Frage, ob der Graf Ernst selbst nicht, infolge seiner 2lbstammung von Modeste von Unruh, sueeessionsunfähig sei. Nachdem die EMscheidung des Schiedsgerichtes zu seinen Gunsten ausfiel, wurde dann von den Gegnern der Linie Lippe-Biesterfeld die Thronfolgefähigkeit seiner Kinder angefochten, da seine Ge­mahlin, die Gräfin Caroline, zwar eine geb. Gräfin von Wartens­leben, von mütterlicher Seite her aber aus bürgerlichem Haufe sei. Es ist daher nicht uninteressaM, einen Mick auf die Ahnenreihe der Gräfin Caroline zu werfe». Durch ihrer. Vater stammte sie von ienem Alexander Hermann von Wartens leben ab, der der erste Graf seines Hauses war und unter König Friedrich I. bis zum preuß. Generalseldmarschall stieg. Der Vater der Gräfin Caroline, Graf Leopo6> von Wartensleben, starb 1846 in Potsdam als preußischer, Leutnant a. D. und Kämmergerichts-AuSkultator, nachdem er sich 1844 in Mannheim mit Mathilde Halbach verheiratet hatte, die bei der Ge­burt der Gräfin Caroline, ihres zweiten Kindes, ihr Leben verlor. Mathilde Halbach war die Tochter eines aus Remscheid gebürtigen Kaufmanns, der später nach Amerika gelangte, preußi­scher Konsul in Philadelphia wurde und 1860 in Baden-Baden starb. Er hatte sich 1821 in Emmerich mit Johanna Caroline Mathilde Bohlen verheiratet, die ihrerseits die Tochter des aus Schiffdorf gebürtigen Kaufmanns Bohl-Bohlen war, und daher nannten sich beide Kinder später Bohlen-Halbach. Ein jüngerer Bruder der Gräfin Mathilde Wartensleben, geb. Bohlen-Halbach, der Dr. Gustav Georg Friedrich Bohlen-Hal­bach, trat in badische diplomatische Dienste und erhielt 1871 als Ministerresident am niederländischen Hofe den badischen Adel.

Die Familie Bohlen behauptete früher, eines Stammes zu sein mit dem bekannten rügenschen Geschlechte der Freiherren und Grasen von Bohlen, deren Namen auch in der Familie der (Grafen von Bismarck-Bohlen fortlebt, doch ist diese An­nahme irrig. Die rheinländischen Bohlen sind vielmehr ein deutsches Bau erngeschl echt, dessen Ursprung sich zurück verfolgen läßt bis zu einem Wilcken Bohlen, der als ein Bauer in Schiffdorf 1681 geboren wurde und daselbst 1.761 starb.

Doch eine gesiörte Soziattstknversammtung.

8. W. K. Konstanz, 10. Juli.

In Baden und wohl auch im übrigen Deutschland schüttelt man bedenklich den Kopf ob der Vorgänge, die sich gestern in unserer Stadt und jenseits der schweizerischen Grenze, nur einen Kilometer von hier entfernt, abgespielt haben. Schon seit langen Wochen war von der sozialdemo­kratischen Preffe Süddeutschlands, Oesterreichs und der Schweiz mit ungeheurer Wichtigtuerei auf die für den 9. Juli ge­plante Zusammenkunft der Genossen der Boden­seeuferstaaten in Konstanz hingewiesen und dabei jedesmal besonders betont worden, daß außer Augst Bebel auch die Sozialistenführer Dr. Adler-Wien, Nationalrat

Greu lich-Zürich und Abg. Caprini-Rom vom Fuße des Hußdenkmals aus dem armen, unterdrückten Volke daS Evangelium vom etwaigen Weltfrieden, von der wahren Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit aufs neue verkünden würden. Niemand regte sich ob dieses kommendenEreig- niffes" besonders auf, man nahm die bombastischen An­kündigungen der Sozialdemokraten sowohl, als auch das von der Regierung erlassene Verbot, bei dem geplanten Um­zuge rote Fahnen zu tragen, in Seelenruhe zur Kenntnis und überließ die Genoffen sich selbst. Nicht aber die Be­hörden, die entweder unter dem Eindruck der jüngsten Note Bülows stehen mögen oder von Karlsruhe bezw. Berlin aus einen Wink erhalten haben mochten. Als die Genoffen und Genossinnen in einer Stärke von 1012 000 Köpfen mit Extrazügen und Extraschiffen aus allen Himmelsrichtungen gestern vormittag hier eintrafen, fanden sie die Stadt sozu­sagen in Kriegsbereitschaft: alle nur möglichen poli­zeilichen und militärischen Vorbereitungen zum Schutze der öffe. ilichen Ordnung waren getroffen. In der Kaserne stand ein Bataillon des Jnf.-Negts. Nr. 114 unter Gewehr, jeder Soldat hatte 25 scharfe Patronen. Schon ani Samstag war ein Regimentsbefehl ergangen, daß von abends 6 Uhr bis Dienstag früh 6 Uhr kein Soldat in die dies- rheinischen Stadtteile gelaßen werden dürfe. Die Einjährigen, die in der Stadt wohnen, durften nicht in ihre Wohnungen zurückkchren, sondern mußten in der Kaserne schlafen. Für den Fe st zu g, der gestern mittag unter Beteiligung vor etwa 2000 Personen mit 65 roten Fahnen (an welche du Genossen zur Umgehung deS behördlichen Verbots einige weiße Schleifen geknüpft hatten) stattfand, war bezirkSamtliH angeordnet worden, daß er sich nicht durch die gewohnter Feststraßen, sondern auf Umwegen zum Festplatz zu bewege» habe und daß das Absingen von Liedern jeglicher Art unter­bleiben müsse, was denn auch geschah. Als der Zug am Hussenstein angelangt, die Versammlung, der als Regierungs- Vertreter der hiesige Amtsvorstand Geh. Reg.-Rat Dr. GrooS beiwohnte, eröffnet war und Reden folgen sollten, wurde unter lauten Pfui-Rufen der Genossen mitgeteilt, daß den Ausländern Adler, Greulich und Caprini durch eine Ministerverfügung aus Karlsruhe daS Sprechen verboten worden sei. Und so nahm denn Bebel allein daS Wort, der die Maßnahmen der Behörden scharf geißelte und mit großer Leidenschaft unter dem Beifallssturm der Genoffen gegen denblamierten Bülow" loSlegte. Er schloß mit einem Appell zur gewerkschaftlichen Organi­sation und mit einem Hoch auf die internationale Sozial­demokratie. Alsdann beschloß die Versammlung, sofort über die Grenze nach Kreuzlingen auSzuwandern, allwo bann die ausländischen Sozialisten ihre Reden halten konnten. Daß man dabei auch von einemSchwabenstreich der badischen Regierung" sprach, ist selbstverständlich» Von Kreuzlingen zog man wieder zurück zum Hussenstein; als aber hier Bebel nochmals zur Versammlung sprechen wollte, löste dieKonstanzerBehördedieVersamm- lung auf mit der Mottvierung, daß, nachdem die Ver­sammlung in die Schweiz verlegt worden sei, dieselbe in Konstanz als aufgelöst betrachtet werden muffe und für eine neue Versammlung 24 Stunden vorher die Erlaubnis ein­zuholen sei. Damit war dem Konstanzer Sozialistenkongreß ein Ziel gesetzt, die Versammlung ging auseinander, und nach und nach traten jetzt die Teilnehmer, voller Verwunderung über die Aufnahme, die sie auf deutschem Boden gefunden hatten, ihre Heimreise an.

^Aer Krieg.

Sachalin wird ohne Schwertstreich genommen!

General Linewitsch meldet unterm 8. Juli: Die, Japaner haben am 7. Julr die Stadt Korrakowsk auf der Insel Sachalin besetzt. Am 8. Juli, morgens 8 Uhr, erschienen zwei Torpedoboote in der Lachsbucht unh eröffneten das Feuer auf die Stellung bei Svlovien. Die (russ.) Abteilung von Korrakowsk verließ ihre Stellung und fing an, sich in nördlicher Richtung zurück­zuziehen. Die japanische Abteilung besetzte darauf S olo Vien. Die Japaner schifften Infanterie, Ka­vallerie und Arttllerie bei Korrakowsk ans.

Ueber die Landung der Japaner auf Sachalin wi^d japanischerseits amtlich gemeldet: Die japanischen Truppen besetzten am 8. ds. früh Korrakowsk, ohne viel Widerstand zu finden. Die Russen brannten die Stadt Korrakowsk nieder und zogen sich auf eine Stellung bei, Soloiwka, 7, Meilen nördlich von Korrakowsk, zurück, wo sie von neuem Widerstand zu leisten versuchten; sie wurden jedoch von den sie verfolgenden Japanern vertrieben! und zogen sich nach Wlodomirowka, etwa 20 Meilen nördlich von Korrakowsk, zurück. Die Japaner erbeuteten vierGeschützercndeinegroßeMengeMunition, Sie hatten keine Verluste.

Ein japanisches Urteil.

Tokio, 10. Juli. Der Gerichtshof in Tokio hak den frühere« Attache bei der französischen Gesandtschaft, Bon­go u i n , der kürzlich unter der Anklage der Spionage ver--- haftet toprbeit war, zu 10 Ja hren harter Arbeit verurteilt. Sein Dolmetscher Namens Maki ist zu acht Jahren Gefängnis ohne harte Arbeit verurteilt worden. Beide sind überführt, sich gegen das Gesetz über die Bewahrung militärischer Geheimnisse ver­gangen zu haben. Man glaicbt, daß sie Berufung einlegen werden.

Die Friedenskonferenz.

Wien, 10. Juli. DiePolit. Korr." meldet aus Londons Die chinesische Regierung erhob in Petersburg und Tokio die Forderung, vom Verlause der Friedens-Verhandlungen, inso­fern sie die Souveränität und die territorialen Rechte Chinas' berühren, unterrichtet zu werden. Sie knüpfte daran die be­stimmte Erklärung, sie werde ihre Anerkennung versagen, falls zwischen Rußland und Japan die S 0 u v e r ä n i t ä t und die territorialen Rechte Chinas betreffende. Vereinbarungen ohne vorherige Zustimmung Chinas getroffen würden. Die chinesische Regierung forderte jedoch nicht die Zu­lassung chinesischer Vertreter zu den Friedensverhandlungeu,