Keine Tabakfabrikatsteuer.
Die ,,9tationalliö. Korr/' schreibt:
Wir haben vor kurzem daran erinnert, daß in cmoeren Staaten, beispielsweise in Frankreich nub England, der Tabak in viel stärkerem Maße als bei uns zur Steuer herangezogen ist, 'inn die allgemeinen Rcichsausgabm decken zu helfen. ^Wenn neuerdings vorgeschlagen wird, zur .Herabminderung der Finanz- 'schwierigleiten des Reiches auch auf den Tabak zurückzugreifcn, so scheint nach dem, was wir hören, festzustehen, es werde an ein Wiederhervorholeu des in den 90 er Jahren vorgelegten, vom Reichstage aber abgelehnten Projektes der Einführung einer Tabakfabrikatsteuer in keiner Weise gedacht.
Aer Krieg.
Das Geschwader RoschdjestwenskyS.
Admival Roschdjestwensky hält die Welt in Atem. Er verbreitet Ungewißheit um sich her und beglückt sein Vaterland mit dem Reiz erwartungsvoller Spannung, die seit Monaten einer dumpfen Hoffnungslosigkeit gewichen war. Tenn von den Meldungen aus dem russ. Hauptquartier zu Lande versprach man sich immer nur Gewißheit, und zwar die Gewißheit von Niederlagen. Schon ein unentschiedener Waffengang zwischen Roschdjestwensky und Togo würde in Rußland Freude erregen. Anders in Japan. Die Situation zur See ist jetzt eine andere, als bei den Kämpfen mit dem Port Arthur-Geschwader. Namentlich die das baltische Geschwader begleitenden schnellen Hilfskreuzer können bei geschickter Verwendung den Japanern unbequem werden, besonders durch ständige Bedrohung der japanischen Transport- und Handelsschiffe. Bei Port Arthur saßen die russischen Kriegsschiffe gewiffermaßen in der Mausefalle; jetzt ist die freie See ihr Aktionsgebiet, und erst im Kampfe mit dem baltischen Geschwader wird sich zeigen, ob die Japaner auch zur See die genialen Strategen sind, als die sie sich zu Lande bewährt haben.
An amtlichen Stellen in Berlin scheint man, im Gegensatz /i der in Petersburg herrschenden Auffassung, eine baldige Entscheidung für möglich zu halten. „Die russische Flotte, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.", fährt augenscheinlich in getrennten Verbänden, doch ist auch in dieser Beziehung bis zur Stunde nicht zu übersehen, wie diese im einzelnen zusammengesetzt sind und in welcher Richtung sie sich bewegen/' Die Meldungen lauten sehr widerspruchsvoll. (Während von den meisten anderen Seiten die Meldung, die auf eine Teilung der russischen Flotte hindeutet, bestätigt wird, telegraphiert der Korrespondent der ,Daily Mail" seinem Blatte, zweifellos hätten alle sieben russischen Schlachtschiffe Singapore passirt.)
Allzugroß scheint die Begeisterung der Ruffen, für das Vaterland zu sterben, nicht zu sein. Viele Leute sind während des Aufenthalts bei Nossi-Bo flüchtig geworden, acht Hinrichtungen wegen Ungehorsams, sowie vier Degradationen von Offizieren sollen erfolgt sein. Das klingt nicht eben rühmlich, es beweist, daß es an Selbstvertrauen fehlt, der wichtigsten Bedingung für den Erfolg auch im Kriege. Zudem soll der Gesundheitszustand der Besatzung, nach einer Londoner Depesche, in den Tropen schwer gelitten haben. Alles das sind bedenkliche Vorzeichen.
Ein Pariser Telegramm aus Shanghai berichtet höchst voreilig über ein bereits am Montag stattgehabtes Seegefecht, bei welchem angeblich 5 bis 7 japanische Kriegsschiffe vernichtet worden seien. Auf der russischen Admiralität aber wurde diese Meldung mit vollstem Recht sehr skeptisch ausgenommen.
Nach im Haag eingegangenen Depeschen ist die russische Flotte 10 Meilen nordwestlich von den Anamba- Jnseln an der äußersten Grenze des Archipels vor Anker gegangen. Das niederländische Geschwader erhielt Befehl, sich zur Aufrechthaltung der Neutralität dorthin zu begeben.
Der amerikanische Gesandte in Tokio, Griscom, telegraphierte dem Staatsdepartement, er sei davon in Kenntnis gesetzt, daß der Hasen Kelung auf Formosa für frembe Schiffe bis auf weiteres geschlossen sei. Man glaubt hier, dies bedeute, daß Togo Kelung als Flottenbasis benutzen wolle. — Der Chef der amerikanischen Flotte auf der ostasiatischen Station meldete dem Washingtoner Marineamt, daß er den Kreuzer „Raleigh" mit einigen Torpedobootszerstörern nach der Insel Palawan geschickt habe, um die amerikanische Neutralität zu wahren. Es wird erklärt, daß keinem Kriegsschiff der beiden Kriegführenden gestattet sein soll, Hafen auf den Philippinen als Stützpunkte für seine Operationen zu benutzen.
Wie viel Rußland die Versorgung der Flotte mit Kohlen kostet.
„Raßwet" weist aus das wundersame Faktum hin: während die Japaner für Kardifkohle 28 Schilling für die Tonne mit Zusendung nach Japan zahlen, zahlt Rußland für die Escadre Rosch- djestwenskys 138 Schilling pro Tonnr für die Kohle. — „Warum", fragt die Zeitung, Übervorteilt uns der Lieferant des Marineressorts derartig?"
Neue japanische Heeresmaffen.
To kio , 11. April. (Reuter.) Japan in dabei, dem russischen 'Plane der Reorganisation der Armee in der Mandschurei durch umfassende Vorbereitungen zu begegnen, indem es die gegenwärtigen Einheiten verdoppeln und stellenwe ise verdreifachen will. Man nimmt an, daß im öerbft die japanischen Streitkräfte über eine Million Mann stark fein werden, einschließlich der tatsächlichen Feldarmee von 700 000 Mann. Die Japaner sind fest davon überzeugt, daß sie Charbin nehmen, besetzt halten und gleichzeitig gegen die Russen im Osten operieren können.
Eine Depesche russischer Frauen an den Oberkommandierenden Linewitsch lautet:
„Wir russischen Frauen haben bereits viele Opfer gebracht in diesem schweren Krieg. Jeder Mißerfolg schneidet in unser Herz wie mit einem Messer, nimmt uns aber nicht die Hoffnung auf einen grandiosen Erfolg. Wenn die Kinder ein Leid haben, gehen sie zum Papa und klagen. Sie werden von der Armee Vater und Papa genannt. Ach wir kommen in diesen traurigen Zeiten mit Flehen zu Ihnen: Lieber guter alter Papa: Tun Sie Ihr Bestes zur Ehre der Heimat."
Atiü tzlM UllO jMch.
Gießen, den 12. April 1905.
• * 50jähriges Dienstjubiläum. Am 14. d. Mts. blickt der Kgl. Stationseinnehmer und Vorsteher der hiesigen Fahrkartenausgabe Karl Feußner auf eine oüjäbiuje Dienstzeit zurück. Vor 12 Jahren wurde der verdiente Beamte von Kassel hierher nach Gießen versetzt. Herr Feußner
ist 71 Jahre alt; er tritt auf seinen Antrag am 1. Juli d. Iß. in den wohlverdienten Ruhestand.
** Rechtsanwalt Ottmar Weidig feiert heute sein oOjähriges Anw al t s j u b i l ä. um. Geboren im Jahre 1833 in Schotten als Sohn des damaligen Landgerichtsassessors Weidig, später Landrichter in Altenschlirf, besuchte der Jubilar das Gymnasium zu Büdingen und studierte dann in Gießen, wo er dem Korps Starkenburgia als Mitglied angehörte, und in Heidelberg. Er wurde nach bestandener Fakultätsprüfung am 12. April 1855 bei dem damaligen Hofgericht der Provinz, Oberhessen als Gerichts- akzessist verpflichtet mtb nachdem er an verschiedenen Gerichten beschäftigt war, am 8. April 1864 unter die Zahl der Advokaten und Prokuratoren beim hiesigen Hofgericht ausgenommen. In den Jahren 1870/71 war er -längere Zeit auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege tätig, wofür ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog das damals neu gestiftete Sanitätskreuz verliehen wurde. Dann war er lange Jahre als erster Hauptmann der städtischen freiwilligen Feuerwehr tätig. Auch hierfür wurde ihm für seine hervorragende Tätigkeit auf diesem Gebiete vor Jahren vom Großherzog das Ritterkreuz Philipps des Großmütigen verliehen. In seinem Beruf ist er stets warm und in uneigennütziger Weise für das Wohl seiner Klienten eingetreten. Infolge seines biederen Charakters und offenen Wesens erfreute er sich in juristischen und Bürgerkreisen stets allgemeiner Achtung und Verehrung.
* • Dem Rechtsanwalt Ottmar Weidig ist heute aus Anlaß seines 50 jährigen Dienstjubiläums der Titel Justiz rat verliehen worden.
** Hudde ein dreifacher Mör der! Wie wir aus guter Quelle hören, soll der verbrecherische Metzgergeselle nicht nur den zweiten Mord an seinem Genossen „Willi" verübt, sondern auch nocheinenorittenMen- schen umgebracht haben! Eine auswärtige Staatsanwaltschaft führt nämlich Untersuchung über einen vor etwa Jahresfrist begangenen Mord, wobei auf einen gewissen Hüddemann der Mordverdacht fiel. Da Hudde nun bei seiner Festnahme aus feinen Papieren aus Hudde „Hüddemann" gemacht hat, liegt die Vermutung sehr nahe, daß er auch diesen dritten Mord aus dem Gewissen hat. Heber die Berechtigung dieses neuen starken Verdachts sind Untersuchungen im Gange. — Ein volles, wahrheitsgetreues Geständnis hat der hier in Haft sitzende schwere Verbrecher noch immer nicht abgelegt. Am Anfang der Untersuchung hat man ihn auf eigentümliche Weise zu gewissen Geständnissen bewegen können. Man erinnert sich noch des S ch l o s s e r g e s e l l e n W a l t e r, der als Gefährte Huddes mit diesem ’ gemeinschaftlich Einbrüche verübt hat. Die Frankfurter Presse brachte damals die s a l s ch e N achri ch t, daß dieser Walter Geständnisse abgelegt habe und verurteilt worden sei. Dies entsprach jedoch nicht den Tatsachen. Die hiesige Staatsanwaltschaft benutzte jedoch die Zeitungsartikel, um Hu d d e zu bewegen, auch seinerseits die ihm und Walter zur Last gelegten Straftaten u # u g e b e n. Man stellte ihm unter Vorweisung der falschen Zeitungsartikel vor, daß er durch beharrliches Leugnen gegenüber den Bekundungen seines früheren Gefährten die Ueberzeugung erwecke, daß seine sämtlichen Angabeii unglaubhaft seien. Da ließ er sich zu Geständnissen herbei, die man als Zeugnisse gegen den Schlosser Walter benutzte. Hudde gestand bei diesem Verfahren der Staatsanwaltschaft mehr, als bis dahin bekannt war, u. a. einen Einbruchsdiebstahl, von dem man noch keine Kenntnis hatte. Die beiden Verbrecher, Hudde und Walter, welcher gleichfalls hier in Untersuchungshaft sich befindet, sehen sich beide körperlich ähnlich und haben beide das gleiche, impertinente Äuftreteii. Wie Hudde anfänglich mit Entrüstung jeglichen Verdacht von sich tvies, so entrüstete auch Walter bei feiner ersten Vernehmung sich in frecher Weise: „Was, ich soll das getan haben" u. s. f. Schließlich mußte er aber gestehen. Eine Eigentümlichkeit Huddes ist, daß er Personen und Vorkommnisse, die faktisch existieren, auf andere Verhältnisse zu seinen Gunsten zu übertragen sucht. Damit sieht sich die Untersuchung genötigt, auf immer neue Angaben einzugehen. Die eine Angabe bezügl. des „Genossen Willi" hat bekanntlich zui dem zweiten Mordverdacht geführt. Heber diesen Verdacht erläßt neuerdings der Hntersuchungsrichter in Koblenz folgendes Aus schreib en:
„Der am 23. Oktober 1883 zu Mittelstrimmig (am Hunsrück) geborene August Wolfs zuletzt Fabrikarbeiter in Oberhausen, ist am 17. November v. I. von Oberhausen verschwunden. Seine Leiche wurde in stark verwestem Zustande am 25. Februar 1905 in einer Höhle nahe bei M i 11 e l st r i m m i g gefunden. An der Leiche vorgefundene Verletzungen und andere Hmstände lassen darauf schließen, daß an Wolfs ein Raubmord begangen worden ist. Im Verdachte der Täterschaft steht der Metzgergeselle Oskar Hudde aus Schalte. Es ist von großer Wichtigkeit, festzustellen, in welchen Orten Wolfs seit seinem Verschwinden von Oberhausen bis Anfangs Dezember 1904, wo er auf der Landstraße von Treis an der Mosel landeinwärts von einem Zeugen erblickt worden ist, sowie wo er in der Folgezeit etwa noch gesehen worden ist. Der Hntersuchungsrichter ersucht um Mitteilung darüber."
* * Konzert. Am Freitag abend gibt der blinde Klavier- Virtuose Albert Menn aus Köln im Neuen Saalbau einen Klavier-Abend. Herr Menn, der seine musikalische Ausbildung an dem Konservatorium zu Köln und der Königl. Hochschule zu Berlin erhalten hat, und am 6. Juli 1904 den von der Firma Rud. Ibach-Sohn Barmen gestifteten Preis für das beste Klavierspiel gewonnen hat, ist in den letzten Wochen mit außerordentlichem Erfolg in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Mainz, Mannheim, Wiesbaden 2c. ausgetreten und wird einiges von Beethoven, Brahms, Chopin, Rubinstein, Ruff und Liszt spielen.
* * Silberne Hochzeit feierten gestern die Eheleute Metzgermeister Karl Sack II. Die Metzgerinnung, deren Rechner Hr. Sack schon seit Jahren ist, ließ dem Paar ein Diplom und einen Regulator überreichen.
** Das früher Lampussche, jetzt Wiunsche H a u s S e l t e r s w e g 7 5, dessen Verschwinden längst von der ganzen Einwohnerschaft sowohl als auch der ftäbt. Behörde gewünscht wurde, wird nun endlich vom Erdboden verschwinden. Metzgermeister Schreiner erwarb von dem vorderen Baugelände ca. 80—84 Quadratmeter für 16 000 Mark zu seinem ihm gehörigen früher Leoschen Besitztum, während gleichzeitig die Stadt Gießen das in die Bau- flußtlinic fallende Gelände, ca. 14 Quadratmeter a 100 Mark, in ihren Besitz gebracht hat. Herr Schreiner beabsichtigt, an dieser Stelle cm großes Geschäftshaus zu errichten.
* * Der Schneid erstreik ist feiner Beendigung noch nicht näher gekommen. D:e Streikenden haben gestern eine Flugschrift erscheinen taffen, mit der sie sich an das Publikum wenden, und so scheint der Lohntampf einstweilen aufs Schärfste fortgeführt zu werden.
• • Meldepflicht beim Wohnungswechsel. Daß: Polizeiamt weist in seiner heutiaen Bekanntmachung darauf hin, daß zur Anmeldung der am 1. April zahlreich stattgehabten Wohnungswechsel sowie der Ab- und Zuzüge die vorgeschriebenen Formulare, welche auf dem Polizeiamt sowie bei den Oktroierhebern zu erhalten sind, zu benutzen sind. Weiter wird darauf hingewiesen, daß insbesondere auch bte Schlafstellen, welche an Arbeiter (Italiener) abgegeben werden, alsbald anzumelden sind. Wer seiner Meldepflicht noch nicht nachgekommen ist, möge dies bald tun, um einer Strafanzeige zu entgehen.
-§6-Heuchelheim 11. April. Heute wurde ein kleiner Knabe, welcher spazieren ging und dabei durch einen Hund geängstigt, rückwärts lief, von einem mit Kalksteinen beladenen Wagen überfahren. Ein Rad ging dem bedauernswerten Jungen über den rechten Oberschenkel, welcher zwar dem Anscheine nach nicht zerbrochen ist. Durch die erhaltenen schmerzhaften Quetschungen wird der Junge wohl längere Zeit das Bett hüten müssen.
-s-Klein-Linden, 10. April. Der Stenographen- verein Gabelsberger veranstaltete am Sonntag bei Gastwirt Helfenbein eine Schlußfeier zu dem ersten Unterrichtskursus. An die Kursusteilnehmer wurden Preise und Diplome verteilt. Den ersten Preis erhielt Hermann Lenz.
§ Großen-Linden, 11. April. Die feit über einem Jahr zwischen Großen-Linden und Leihgestern schwebende Streitfrage über die Verlegung des hiesigen Bahnhofsgebäudes ist jetzt entschieden. Das neue Gebäude wird vom Bahnkörper westlich, also auf Großen-Lindener Seite, jedoch noch in der Gemarkung Leihgestern errichtet. Diese Gemeinde trägt einen Teil der Kosten. Die Erdarbeiten zur Erweiterung des Bahnhofs sind vollendet, und in aller Kürze soll das neue Empfangsgebäude begonnen werden. Seit dem 1. April ist unsere seitherige Haltestelle in eine Station verwandelt worden.
w. Nidda, 11. April. Am Sylvesterabend schickten 2 Kinder des hiesigen ersten Pfarrhauses an General Kuroki nach Japan eine Postkarte mit Rü ckantw ort auf der sie den General zu feinen Erfolgen beglückwünschten. Gestern kam die Antwort zurück. Sie lautet:
„Auf dem Kriegsfelde in der Mandschurei, den 20. Februar 1905. Vielen Tank für Ihre freundlichen Zeilen! Es tut mir sehr große Freude, aus Deutschland gratuliert zu werden, denn wir sind ja Schüler der deutschen Taktik und Strategie.
Hochachtungsvoll Ihr ergebener Baron Kuroki/
Die Karte, welche fünf japanische Stempel trägt, davon vier in japanischen Bilchstaben, einer mit dem Vermerk Moji, Japan und Maros ist mit fließender deutscher Schrift geschrieben. Die Karte machte den Empfängern große Freude.
)( granffurt, 11. April. Bei den Renovierungsarbeiten in der Kirche zu Wenkbach wurden prächtige Gemälde aus der spätgotischen Zeit bloßgelegt.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das vom Künstlerverein in Frankfurt a. M. gemeinsam mit dem Architektenverein im Rathaus veranstaltete dreitägige Fest ^Altfrankfurter Tage" ergab über 100 000 Mk. Bruttoeinnahme.
* Kleine Tageschronik. In Eolombes bei Paris wurde der 74 jährige Koch Planet, der zu Besuch bei seinem vev-, wittweten Bruder, einem Krämer weilte, e r m o r d e t. Die Polizei nimmt an, daß die Täter Einbrecher waren, die von der Anwesenheit des Bruders nichts wußten. Von ihm vermutlich überrascht haben sie ihn umgebracht. Der Verdacht fallt vornehmlich auf ein 19 jähriges Dien st madchen, mit 'dem der ebenfalls schon 70 jährige Krämer ein Liebesverhältniß unterhielt.
Landwirtschaft.
Ein Fütternngsversuch bei Milchvieh. '20u£. Oberhessen meldet mau uns: Auf Veranlassung des! Deutschen LandwirtschaftsratS wird auf dem Zuchtviehhof Zwiefalten ein interessanter Fütterungsversuch bei Rindvieh vor genommen. Die Wissenschaft stellt nämlich fest, daß eine besonders kräftige Fütterung der Milchtiere einen! erheblichen und wesentlichen Einfluß auf den Fettgehalt der Milch auZübe, während die Praktiker diese Ansicht nicht gelten lassen wollen. In Zwiefalten hat man1 nun 20 Kühe zu Versuchen hingesteM, welche unter Kontrolle des Mistenten der Geschäftsstelle des Provinzial- vereins in verschiedenartiger Weise gefüttert werden. Hierbei wird die Einwirkung der Futtermengen usw. auf den Fettgehalt der Milch festgestellt und durch analytische Feststellungen ermittelt, wer in der für die Landwirtschaft wich- Ligen Frage im Recht ist.
Ein moderner Blaubart vor Gericht.
Am 2. Verhandlungstag in München gegen Dr. Braun!- stein bekundete der Juwelier Schallmeyer aus München,, an den Dr. Braunstein mehrere Schmuckgegenstände verkauft hat,; daß die Schmuckgegenstände einen Gesamtwerte von etwa 700; Mark hatten. Auch die beiden Trauringe hat der Ange-. Nagte versetzt, ebenso eine der Minna Wege gehörige Damen-^ broschc, sowie sonstige Lchmuckgegenstände, die alle eingeschmolzen! wurden und woraus er sich Manschettenknöpfe Herstellen Die Plaidovers wurden auf Mittwoch früb vertagt.
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag den 13. April 1905: Vorwiegend heiter, etwas kühler, trocken.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
Märkte.
ko. Frankfurt a. M., 11. April. (Orig.-Telegr. des ^Gieß. Anz.") S ch w e i n e ln a r k t. Zum Verkauf ständen 1414 Schweine. Schweine: 1. Qualität 65-66 Pfg., Lebendgewicht 52.50 Pfg., 2. Qual. 64—00 Pfg., Lebendgewicht 51-00 Pfg., 3. Qualität 58—60 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gut, kein Ueberstand.
Telephonischer Kursbericht.
F.aisktNrt a.
378% Reichsanleihe . . 103.65 3% do. ... 90.95 37,o/o Konsole .... 101.75 3% do 91.00
372% Hessen .... 100.45
3l/9 % Oberhessen . . . 99.00 4% Oesterr. Goldrento . . 102.35
4-7,26 Oesterr. Silberrente 101.50 4% Ungar. Goldrento . . 100.15
4°/ö Italien. Rente . . . —.—
3% Portugieser I . . . 67.85
1°/ Portugiesen. III . . 67.60 4% Unif. Türken . . . 88.70
Tiirkenloso 136.20 4% Griech. Monopol.-Anl. 52.10
4l/2°/o äussere Argentiner 45.65
Tendenz:
11. April, 27« Uhr mittags.
30/0 Mexikaner .... 35.T& 472% Chinesen .... 96.50 Electric. Schuckort . . . 140 50 Nordd. Lloyd . . . . 121.90
Kreditaktien . . . , , 208 90 Diskonto-Kominandik. . . 191.19 Darmstädter Bank . . 144.90'
Dresdener Bank . , . ‘ 158 30' Berliner Handolsges . . 170 20 Oesterr. Staatshalt . . . 141.50 Lombarden 16.45 Gotthardbahn . ’ 189.90
Laurah ütte 276.25 Bochum 251.75
Harpener 212.50 Staatsohatzscheine . . . 100.65 schwächer.


