at b. I9o<; |
nf. b. 19U5
Bl. d. isu^
ktien.
156.1°
»<*
iflitf-
°t. d. 19H
“!■ ?• b13 102.50
gotant
Üiur! 1909 Um!. 19091
* iir. lu
Hi«
«leoy.ab.
itionen.
.....iioy
b'®.ll9O4 p. 1908' d. 1909
!• b, 1912 k- bi 1912*
'• b. 1908
1 b. 1912' b. ISO.' b. 1907
. ftOüle ' I i \L-* 1.3^' tifiö )«>.*■ *
’ 1301^ i
> 40.' I'”’’ > 4lO 1*^' 48 tf
Lose.
. £u.1Q0I150-* lU. 10)1175- 8, (L llX)! 110.1*0 Ar. 1001 V2Ä10
1
lAt/äO'W- t.^.lOU 1014t1
. Ar. IO) 1O . Ar. MilW . Fr. 8o -- . Fl.M!-.- . Slr.luO 1SI;
ö. fl. 60u iS*
Ar. 4uitf- L|. «dl. 100 " L ft. «bl luo; J? -
ö. st. löO V- ' ö.st.lbo -
ÄS ”>.«s
'' b'1905 *
> Lose.
ft.?!
- - - . 1102.20 &ku.L j 99 w J|i. uni. 1906 11O2L
L *' • 9156
Samstag 11. Februar 190S
Erstes Blatt.
163. Jahrgang
u. Stern» Lange.
FUbafhon, Exvedttton und Druckerer: Schulstratze 7. Adresse für Devefchen: Anzeiger Gießen. FernsprechanlcdlußNr 51.
Ve,«g»vreisr monatlich 75 Pf., viertel» jährlich Dtk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme van Anzeigen - 'iir die Tr rsm immer 's vo-mittag- t) 'tfnc. i
Zc"envreis: ok-Ul2Pf^ auswärts j’j.
Teran trooiU'cö fiste \ den polit. und ill Teil P. Wtttko; für #<5tabt und Land" und „Gettchtssaal": AuaufK Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
lag der Brüh lachen An werf.-Buch-) ~ bruderei. 9L
GietzenerAmeig
” General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Nr. 36
SrIcheirU täglich
außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gtehener ZamMen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. 93er-
Die yeutige Wummer umfaßt 16 Seiten
am hier
KMMe TliacMan.
Heber die Nationalsosialen.
gn dem Hamburger Deutschen Blatte, dem Organ der Herren Liebermann von Sonnenberg, Graf Neventlow und Naab, lesen wir: .
Neuerdings trat immer Demhcner hervor, dan die namo- nalsoziale Partei ausschließlich ihre Lebensaufgabe im Inden- schntz und speziell in der Vernichtung der deutsch-sozialen Partei erblickt Der Hamburger Parteisekretär (vorn „Liberalen Verein", früher alleiniger Sekretär der nationalsozialen Pattcil plauderte
•• Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben 10. Februar d. Is. dem Geh. Finanzrat Dr. Lauer, in Anerkennung der Verdienste, die sich der Genannte in
25 jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit um den Aliee-Frauen-i Verein für Krankenpflege und um das Aliee-Hospital er«i worben hat, das Ritterkreuz 2. Klasse des Ludwigsordens verliehen. — S. K. H. der Großherzog haben dem technischen Eisenbahnsekretäc in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft,> Rahn zu Mainz, aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps
n Vran d. Die jetzige erd Lan ge-Dede ka ntz
Die Kreigviffe in ♦Kitfifanb.
Neuer Streik in Petersburg.
In Petersburg ist wider Erwarten wegen Zahlung 6er Löhne während der Streiktage wieder ein Streik ausgebrochen, und zwar auf den Putilowwerken, bei der Manusakturfabrik Tschechen und Woronin und bei der chemischen Fabrik Tentelen. Im g>anzen,streiken mit den Arbeitern anderer Fabriken etwa 15 0 0 0 bis 20 000 Mann. Militär beschützt die Putilowwerke, wo die Bücher in Sicherheit gebracht und die Fenster vernagelt wurden. Gegen 5000 Arbeiter der Putilowwerke zogen in die Stadt, um in anderen Fabriken die Einstellung der Arbeit hervorzurufen. Auf dem Sabalkanski Prospekte stießen sie jedoch auf einen Truppenkordon und sie zerstreuten sich. Einige Arbeitergruppen versuchten danln in die Fabriken einzudringen, es gelang ihnen aber nicht. Zum Schutze der Arbeit wurden die notwendigen Maßnahmen getroffen.
Eine Aerzte-Kundgebnng gegen den Krieg.
IN einer Konferenz der Aerzte des Gouvernements Moskau wurde folgende Resolution zur Mitteilung an die SemstwoVersammlung beschlossen:
Wir erklären uns solidarisch mitdenForder- ungen der Arbeiter in Petersburg am 22. Januar, sprechen unser tiefes Bedauern den Opfern aus, die mit ihrem Blute die Straßen Petersburgs netzten, und sind empört über das Verfahren der Bureaukratie, die alle Versuche der Gesellschaft, zu politischer Freiheit zu gelangen, mit Gewalt unterdrücken will. Wir können die Bevölkerung Moskaus nicht ohne unseren Beistand lassen, auch geben wir die Ausübung unserer Praxis nicht auf, aber wir erachten es als unsere Pflicht, uns der liberalen Bewegung auzuschließen und den Kämpfern um die politische Freiheit mit aller unserer Kraft uns an^uschließen. Die gewaltigen Zeichnungen der Semstwos für Armee und Flotte und für den ärztlichen Beistand für beide kräftigen lediglich den Kriegsgedanken, machen die schon ruinierte Nation nur noch ärmer und verzögern die Befriedigung der dringendsten Bedürfnisse. Man muß daher den Krieg so bald wie möglich ein stellen. Wir geben dem Wunsche Ausdruck, daß die Semstwos kein Geld mehr hergeben für Entsendung von ärztlichen Hilfsmitteln nach dem äußersten Osten, und daß damit der Grund gelegt werde zu einer tätigen Opposition der Semstwos gegen den Krieg, der den Interessen der russischen Nation fremd und gefährlich ist.
Die Vereinigung der Eiseuindustriellen Rußlands richtete an den Präsidenten des Ministerkomitees Witte eine Denkschrift über die Arbeiterfrage, in der es zum Schlüsse heißt:
Tie Stimmung der Messe des Volkes ist eine drohende Mahnung, daß keine Repressivmaßregeln die tief gewurzelte Volksbewegung aufhallen werden, die sich täglich aufs neue bekundet. Normale Beziehungen zwischen den Arbeitern und Industriellen sowie Besserung der Lage der Arbeiter sind nur unter folgenden Bedingungen möglich:, 1. ein Regierungschstem, welches auf dem Recht begründet ist, denn die bestehende Gesetzgebung und das Verfahren bei der Feststellung von Gesetzen entspricht nicht den Bedürfnissen der Bevölkerung. besonders nicht den Bedürfnissen der russischen Industrie; die Teilnahme von Vertretern aller Klassen, sowohl der Industriellen wie der Arbeiter, sei unerläßlich bei der Gesetzgebung. 2. Gleichheit vor dem Gesetze. 3. Gesetzliche Garantie der Unantastbarkeit des Domizils und der Im mun it ä t der Person. 4. Tas Versammlungsrecht der Arbeiter und das Recht, die Arbeit a u f zu - geben sowohl für die einzelne Person als auch für Gruppen; dieselben Rechte sollen die Industriellen haben. 5. Gesetzlicher und individueller Schutz des Arbeiters gegen Angriffe von A u s st ä n d i g e n, wenn sich ein Arbeiter mit einem proklamierten Ausstande nicht einverstanden erklärt und diesem noch nicht anschließen will; denn daS Recht, einen Ausstand zu organisieren, schließe nicht für alle die Verpflichtung ein, an ihm teilzunehmen. 6. Freiheit der Rede und der Presse. 7. Allgemeiner obligatorischer Unterricht in den Schulen mit erweitertem Programm„ für die Elementarschulen. Ferner Vereinfachung der Formalitäten bei der Gründung von Schulen, Bibliotheken, Lesejälen sowie Unterrichtsgesellschaften.
Tie Lage in Polen.
Warschau, 10. Febr. Gestern abend versuchte ein Arbeiterhausen in Sosnowice aus der Katharinenhütte einen Schmelzofen auszulöschen. Das zum Schutze dieses Werkes herangezogene Militär gab drei Salven auf die Arbeiter ab, die über hunder t Tote und Verwun- bete hatten.
Sosnowice, 10. Febr. Ter Ausstand dauert cm. Bei dem gestrigen Zusammenstöße auf der Katharinenhütte zwischen dem Militär und den Streikenden wurden 2 7 Artz e i t e r und ein zufällig des Weges kommender S ch ü l § r erschossen; fünf Arbeiter starben in: Kranken- bause an den erhaltenen Wunden, 36 wurden schwer verletzt Tie Zahl der Leichtverletzten ist unbekannt.
L o d z, 10. Febr. Heute kam es hier neuerlich zu ernsten Streitvorqängen. Ausständige zogen nach den Fabriken und verlangten Abrechnung. Tie Fabrikanten verweigerten dieselbe Als Militär erschien, erfolgte em Zusammenstoß. Bei 'der Fabrik Ehaibler wurden vier Personen getötet und 7 8 v e r wu n d e t; bei der Fabrik Markus Cohn sieben getötet und vierzig verwundet.
Lemberg, 10. Febr. Wie aus Warschau berichtet mird^ wurden gegen die dortige Universität sehr swa^ e Maßregeln verfügt, weil die Hörer derselben anläßlich einet SBeiamntlung in der Universität das Bild des Haren zerrissen und mehrere Unlversrtats- B r o f - s s o r e n bei dem darauf folgenden Bankett regier- UNüsseindliche Toaste ausbrachten.
aus, daß man Netz zum Ziele gesteckt habe, Hessen, den S i tz des Antisemitismus und insbesondere der deutschsozialen Partei, erobern. Und von einer Veranstaltung der Frankfurter Nazi sagt setzt das hessische Bauernblatt Deutsche Volksmacht: Die Frank'. Ztg." plaudert hierbei aus der Schule, indem sie berichtet, daß die nationalsoziale Gesellschaft bei dieser Gelegenheit beschlossen hat, einen Sekretär anzustellen, der die Ausgabe erhält, den seither antisemitisch vertretenen kurbessischenReichstagSwahlkreis für den Indemreisinn zu gewinnen. Es zeigt sich hiercnrs immer klarer, daß diese politischen Heuchler sich nur noch zu dem Zwecke zusammeusinden, um die (Geschäfte des jüdischen Vereins „zur Abwehr des dlntisemitismus", der sogen. „Judenschutztruppe, unter; einer anderen, unverfänglichen Maske zu betreiben, um Dumme auf den Leim zu locken. DaS dicke R steht sich, wie es scheint, hierbei nicht schlecht, denn die Mittel haben doch schon zu einer Winterkur nach Algier gereicht, und sein Ruhm wird von den Posaunen Israels in allen Tonarten geblasen."
des Großmütigen verliehen.
** Tas Großherzogliche Paar weilt jetzt bereits eine Woche in Romrod und hat, wie uns von dort ge-! schrieben wird, einen regen Verehr mit bingebracht. Täglichj; treffen Fremde selbst ans entlegenen Orten, B. Lauter^ tzacy und Gießen, ein. Die Post hat einen besonders regens Verkehr, da uoch iär-lich Gratulationen und Telegramme! an das Hot e ^aar an kommen. In den ersten Tagen hattej das Postamt Romrod bis zu 600 Telegramme täglich zw befördern. Von Alsfeld mußten Postbeamte nach Romrods kommandiert werdlu. Für den morgigen Sonntag plant; das hohe Vaar em?it Ausflug in den Vogelsberg per Automobil nds 6 stlhr findet dann im Schloßhofe die Ser e* nab-" ' tzassia-Bezirks Alsfeld-Romrod statt, woran sich etwa 12 Vereine mit 4Q0 Mann beteiligen'. Die "Abreise dos Großherzoalichen Paares nach Lich erfolgt nächsten Dienstag, den 14. d. M. nachmittags gegen Vs2 Uhr mittels; Sonderzugs.
**Der Raubmörder Hudde wurde gestern vormittag, von zwei Gendarmen mit dem Zuge 8 Uhr 20 Min. nach Köln gebracht, wo der Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Wehner seit einigen Tagen weilt, um Vernehmungen vorzu- nebmen. Er wurde einer ganzen Anzahl von Personen aus Köln, u. a. auch den Personen der früher erwähnten Sänger- gesellschast, gegenüber gestellt, und man hat die Beweise be« stätigt gesunden, daß Hudde am 15. November in einem Gasthaus in Köln gewohnt und hort die Uhr versetzt hat« Da man den Transport des so schwer verdächtigen Menschen, ohne viel Aufhebens davon zu machen, so zu sagen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, bewerkstelligt hatte, so waren nur wenige Menschen bei dessen Rückkehr gestern abend (7 Uhr 58 Min.) am Bahnhofs-Vorplatz anwesend. Hudde wurde wieder, wie bei seiner Ankunft, quer über die Schienen geführt und kam daher mit den Reisenden in keine Berührung. Die Gendarmen verließen mit dem Gefangenen den Bahnsteig unter Benutzung des Ausganges, der sonst mir für die Beamten der Bahn und der Post offen ist. Hudde war der Vorsicht wegen an den Händen gefeffelt; er ging, als er den Bahnhof verlassen hatte, eilig auf den ihn schon erwartenden Gefanqenen-Transportwagen zu. Außer einem Schutzmann und einem Gendarmen waren Sicherheitsbeamte nicht zur Stelle. Der Gefangene soll, so lange er in Haft ist, sich eines gefunden Schlafes erfreuen.
** „Die Siebzehnjährigen", das neue Schauspiel von Max Dreyer, das am Montag zum Besten des Theaterneubaues aufgeführt wird, ist in seinen Hauptrollen von den Mitgliedern des Frankfurter Schauspielhauses besetzt: Herr Bauer und Frl. Klinkhammer spielen das Ehepaar Major v Schlettow, Herr Ziegler, der erst seit dem Herbst in Frankfutt ist, und Frl. Sangora, die vor zwei Jahren Hamburg mit Frankfurt vertauschte, petzen die Siebzehnjährigen. Von einigermaßen größeren Rollen enthält das Stück außerdem nur noch die des Großvaters, den Herr Linzen spielen wird. „Die Siebzehnjährigen" erlebten ihre Erstaufführung im Oktober im Berliner Lessing-Theater, Frankfurt folgte Llnfang November nach. Hoffentlich spielen hier die Frankfurter Gäste in Anbetracht deS guten Zwecks, dem sie ihre Kräfte widmen wollen, vor einem qu5verkauften
Keer und Alotte.
— Der Herausgeber des englischen Marine-IahrbncheK' „Naval Anual", T. A. Brassey, behauptete in einer Rede^ daß alles, was der Lord der Wmiralitat Lee sagte, be-> rechtigt war. Deutschland hätte nicht das mindeste Recht, sich gekränkt zu fühlen, denn die ganze Politik Deutschlands sei eine Bedrohung Englands. Deutschland habe die feste Absicht, seine Flotbej so lange auszubauen, bis es mit England um die Herrschaft des Meeres kvnttirrieren könne.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 11. Februar 1905.
Hause.
• *♦ Kuns interessante 2
Polizeiliche Mißhandlung einer Dame.
Ein russischer Liberaler hat einem Petersburger Korrespondenten des „Temps" folgende Grausamkerten der Polizei mitgeteilt: Unter den am 22. Januar in eines der Hofpitäler gebrachten Verwundeteit befand sich auch eine Studentin, die ein Kosak mit dem Säbel an der linken Brust stark verwundet hatte. Nach einigen Tagen erschien ein Polizeiagent im Hospital, um die Dame zur Polizei zu führen. Der Arzt erwiderte, daß die Dame zu krank sei, um ausgehen zu können. Einige Tage später kam der Mcum wieder, der Arzt gab dieselbe Antwort, aber die Verwundete mußte mitgehen. 24 Stunden später wurde sie in einem Ambulanzwagen wieder in das Hospital gebracht und zwar in einem entsetzlichen Zustande. Der Polizeikommissar hatte die Studentin über das Komplott und das Treiben der Anarchisten ausgefragt, aber da sie nichts wußte, schwieg sie. Darauf wurde sie mit Ruten auf den Rücken und die Schultern geschlagen. Tann besiagte man sie aufs neue, und als sie wiederum nichts aussagen tonnte, wurde sie zum zweiten male geschlagen und zwar ins Kreuz. Nun sagte die Dame alles aus, was man wollte. Jur Hospital konnte die Aermste sich kaum ausiecht halten und sie schrie, als man sie entkleidete; ihr ganzer Niückeu war mit blutrote7t Streifen bedeckt. Neben ihrem Bett nahm ein Polizist Platz, ununterbrochen Tag und Nacht.
Derselbe Gewährsmann des ,,Temps"-Korrespondenten versichert, daß er in 15 Hospitälern, die er unter dem Vorwande, einen Verwandten zu suchen, durchlvanderte, 2195 Tote gezählt habe.
Tolstoi
ist aus Anlaß der Mutigen Vorgänge vom 22. Januar mit der Abfassung eines längerer: Ärttkels beschäftigt, in dem er seine Ansicht über die Vorgänge, die ihn ttef erschüttert haben, aussprechen wird. Tolstoi steht nichtaufSeiten der Arbeiter, deren Interessen er denen der Bauernschaft für entgegengesetzt hält. Die Wege und Mittel, die die Arbeiterschaft zur Erreichung ihrer Forderungen ansttebt, betrachtet Tolstoi als verfehlt. Der A-rttkel wird demnächst im Auslande erscheinen.
Der Krieg.
Beide Heere zuruckgeschlageu.
Tokio, 10. Febr. (Reuter.) Tie Russen setzten am Mittwoch die Beschießung des Zentrums und des äußersten linker Flügels Marschall Oymnas fort. Sie beschossett am Donnerstag den äußersten rechten Flügel mit Kanonen. Kleine Mteilungen russischer Infanterie griffen am Mittwoch abend die Japaner an wurden jedoch zurückgeschlagen. Die Lage ist unverändert.
Petersburg, 10. Febr. Ein Telegranrm des Generaladjutanten Kuropatkin meldet unter dem gärigen Datum: 3n der Nacht zum 9. Februar um 11 Uhr nahmen dieIap a n e r die Offensive gegen unsere linke Flanke und Front wieder auf, wurden aber zurückgeschlagen. Gegen 5 Uhr wiederholten sie den Versuch, wurden aber gegen 7 Uhr wiederum zurückgeschlagen. Auf unserer Seite wurden fünf Mann verwundet.
Die neue Methode russischer Kriegführung.
In Kreisen, die für unterrichtet gelten können, werden alle die von Paris aus lanzierten Meldungen, daß eine Friedens- Vermittlung nicht ganz aussichtslos sei, kurzweg als „Unsinn" bezeichnet. Prinz Friedrich Leopold hon Preußen, der sich nach dem Kriegsschauplatz begibt, richtet sich auf eine lange Abwesenheit ein. Zweifellos auf Grund authentischer Petersburger Informationen. Von Militärs wird die Tauer des Krieges noch auf m i n d c st e n s e i n I a h r veranschlagt. Tie russische Kriegsleitung will ja zur Abwechslung wieder einmal mit anderen Führern und cnrderen Methoden ihr Heil versuchen. Kuropatkin ist erledigt, er hat nur solange noch den Befehl, bis sein Nachfolger, der General-Inspekteur der russischen Kavallerie Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, an Ott und Stelle eingetroffen ist. Kuropatkin soll derart nervös überreizt sein, daß ihm angeblich die Fähigkeit fehlt, Entschließungen zu fassen Wieviel daran Wahres ist, läßt sich natürlich einstweilen nidit feststellen. Jedenfalls findet die nur auf Verteidigung und das Hinhalten des Gegners gerichtete Zaudertaktik Kuropatkins nicht länger in Petersburg den Beifall der maßgebenden Personen. Großfürst Nikolai hat den Ruf eines „kühnen Traufgängers". Es liegt also im Programm, nunmehr e n t s ch l o s s e n die O f f e n- sive zu ergreifen. Ein gutes Programm — wenn dafür die russischen Streitkräfte und die Organisatiorl der Verpflegung ausreichen. Ob das der Fall ist, muß die Zukunft zeigen. Tie Japaner haben sich auf die Aenderung der russischen Taktik längst eingerichtet. Tas ließ sich unschwer voraussehen, daß die Ungeduld im Zarenreich, endlich einmal etwas von positiven Erfolgen zu hören, statt von „vortrefflich geleiteten", von „in größter Ordnung vollzogenen Rückzügen", das System Kuropatkin schließlich über den Haufen werfen würde. Als Kuropatkin hinauszog, soll er sich feierlich aus gebeten haben, daß kein russischer Großfürst den Kriegsschauplatz betrete. Selbstverständlich mit der höflichen Begründung, daß das Blut jedes Mitgliedes der Zarenfamilie zu kostbar sei. Nun kommt docy' ein russischer Großfürst dem General Kuropatkin in die Quere. Man erwartet wohl in Petersburg, diese Entsendung eines Verwandten des Zaren werde die Truvven mit Stolz und neuem Feuer erfüllen? Tas sind Tlugenblickswirkungen. Damit wird keine Schlacht gewonnen.
Ter Kaiser und die Kaiserin von Japan haben 100 000 Yen für die Truppen gespendet, die diesen heute, am 11. Februar, dem National-Feiertage, gebändigt werden sollen. -


