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Nr. 265
Drittes Blatt
Erscheint töglld) mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Lietzener Somilienblätter' werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Reifliche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Freitag 10. November 1905
Rotationsdruck und Verlag der VrüKl'fchn« Unwersilälsdruckeret. R. Lange, öicBen,
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.T. Del. Nr. bl. Tetegr.-Adr.: Anzeiger Greßea,
General-Anzeiger, Amt§- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
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ynlilirrtif Tages sch nn.
Dauernder Zusammenschluß der bayrischen Liberalen.
Tas für die bayr. Landtagswahlen des letzten Sommers zwischen Nationallideralen, Inngliberalen, Freisinnigen und Volksparteilern abgeschloffene Ucbereinfommen scheint zu einem dauernden Handinhandgehen führen zu sollen. In Nürnberg ivurde dieser Tage die Einsetzung eines liberalen Zentralausschusses vereinbart, der auS den Abgeordneten der liberalen Kammerfraktion und je zwei Vertretern aller nationalliberalen, freisinnigen und demokratischen Organisa- Nonen dcS rechtsrheinischen Bayerns und der Pfalz bestehen soll. Dieser ZentcalauSschuß, der aber Beschlüsse nicht durch Majorisierung, sondern nur durch Einigung erzielen kann, wird die Verbindung zwischen den Landesorganisationen und der Kammerfcaktion zu vermitteln, etwaige Mcinungsvcr- ichiedenheiten auSzugletchen und, ohne die Abgeordneten ln ihrer Abstimmungksreiheit zu beschränken, regelmäßige Aussprachen über gemeinsame politische und organisatorische Aufgaben herbeizuführen haben. Dem Vorsitzenden der liberalen slammersraktion Dr. Cafsclmann wurde mit Rücksicht auf den Dom Ministerpräsidenten v. Podeivils gegen ihn gerichteten Angriff eihc einmütige Vertrauentzkundgebung zuteil. Damit hat der liberale Block als solcher dem Ministerpräsidenten gegenüber eine gewisse Oppositionsstellung eingenommen, die nach der sehr verschiedenen Behandlung, die Herr v. Podewils diSher den Zentrums- und sozialdemokratischen Rednern einerseits, den liberalen anderseits zuteil wecoen lieh, allerdings rtzcht verständlich ist.
Ausländische Dabakfabrtkate.
In der ,Deutschen Volkswirtsch. Storr.* lesen wir:
»Das neue Tabak st euergeletz wird zweifellos eine d e t r ä d) 11 i di e Erhöhung der jetzt geltenden Zolle aus aus» ländische Tabakiabrikaie bringen. Da der Zoll nui Nohtabak erhöht ivtrd, so inüssen schon aus diesem Grunde die Fabrikat- I 8 l I e entsprechend bmaulgesetzt werden. Dian wird aber mdit umhin können, die Zollsätze am' Zigaretten, Zigarren und andere Tabakfabrikate stärker zu erhöhen als den Zoll aui Siobtabak. Bon beionberem Interesse sind daher gerade jetzt die amtlichen Zahlen über die deutsche Einluhr und Ausfuhr von Tabakfabrikaten. In den neun Atonalen Januar bis September hat die Ein- und Ausfuhr betragen (Wert in 1000 Pik.): .
1903 1904 1905
Zigaretten. . . < . Einfuhr 6411
Ausfuhr 570
Zigarren . . . . . Emkuhr 4816
Ausfuhr 2650
7'153 9222
652 755
5047 5242
2994 3232
Andere Tabakfabrikate Einfuhr 730 933 931
AuS'uhr 312
863 294
In allen Fabrikaten ist die Einfuhr aus dem Auslande bc°
Ihenlenb gröber als die deutsche Ausfuhr. Ganz beionders gilt dies ivon Zigaresten, deren Einfuhr überdies eine bedrohliche Zunahme »aufweist. Während früher 'oft anSschließlick) Aegypten, die Türkei nmd Rublaud au dieier (Siidiihr beteiligt waren, werden jetzt and) iaii-3 Oesterreich-Ungarn, England usw. Zigaretten iiad) Demidtland .geliefert; ja Oesterreidi-Ungarn ist heute nächst Aegypten der bedeutendste Lieferant. Vergleicht man die Eiufuhrzahlen für die
.elften neun Monate deS Jahres mit denen für den gleichen Abschnitt des Jahres 1903, so ist der Import aus Aegypten gestiegen von 196 500 aui 266 700 Kg., aus Oesterreich-Ungarn von 75 600 auf 148 100 Kg., aus Rubland von 73 800 auf 92 400 Kg., aus 'England von 14 500 auf 25 900 Kg., aus Frankreich von 7800 aui 11 700 Kg., aus der Türkei von 5200 aus 7200 Kg. Die deutsche Zigareltenindustrie hat gewib ein grobes Interesse daran, :bin cf) einen höheren Zoll gegen diesen seit Jahrzehnten in ununterbrochener Steigerung begriffenen Import geschützt zu tuerben, Bei Zigarren ist in berselben Zeit die Einfuhr aus Kuba von 73 500 auf 74 400 Kg., aus Holland von 54 600 auf 60 100 Kg., aus Oesterreich-Ungarn von 43 500 auf 51 700 Kg., aus der Schweiz von 17 400 auf 24100 Kg. gestiegen. Zurzeit gilt für Zigarren und Zigaretten der gleiche Zollsatz, 2,70 Akt. für 1 Kg. Es ist klar, dab dieser Satz, namentlich für bie feineren Importen, ganz un juieicbenb ist."
vermischtes.
* Der Großfürst Kyrill von Rußland und seine Gemahlin, sind zur Zeit noch auf ihrer Hochzeitsreise, die sie im Automobil unternommen haben. Von dem württembergischen Schlöffe Langenburg aus, wo sie sich bei der an den Erbprinzen Ernst zu Hohenlohe- Langenburg verheirateten Schwester der Großfürstin zu
Frankfurter Künstler.
— Dm Samstag winde in ben Räumen des Frankfurter Kunstvereins on berJunghofstraße die siebente Ausstellung von Frankfurter Künstlern eröffnet Cie steht im Zusammenhänge mit der 75jährigen Jubelfeier des Kimstvereins und schließt mit Werken der modeimen Kunst eine Ausstellungsreihe ab, die vorher Werke älterer Frankfurter Künstler gebradu hatte. Die alte Reichsstadt hat manchen wackern deutschen Künstler gestellt, und ihre Bewohner haben es and) nicht an künstlerischen Neigungen fehlen taffen. Es war aber hier gerade so geworden wie anderswo. Die Kreise, die für die Kunstpfleqe besonders in Betracht kamen, waren m ihren Anschauungen sehr konservativ, und der Lokalpatriotismus sah in gewissen ortsansässigen Künstlern Größen, deren Kunstart als unerschütterliche Norm galt, begünstigte and) in vielen Fällen einen gesellschaftlich gut eingeführten Dilettantismus. Da hatte die moderne Kunst zunächst einen schweren Stand. Man wird es besonders dem von Düffeldorf nach Eronberg im Taunus übergesiedelten Prost Ferdinand Brütt zum Verdienst an- rechnen müssen, daß er das Ausstellungswesen einigermaßen in Gang brachte und liberalen Auffassungen die Bahn ebnete. Jetzt haben wir es mit einer modernen Ausstellung in Frankfurt geborener oder dort und in der nacktsten Nachbarschaft anfässiaer Künstler zu tun, die ein Gepräge echt künstlerischen Geistes trägt. Es kann dabei freilich nicht von einer besonderen Frankfurter Schule die Rede sein, vielmehr machen sich die Charakterzüge fremder Schulen, namentlich Münchens, deutlich geltend. Es klingen aber auch noch die altem und jetzt wieder zur Mode gelangenden Klänge altrheinisch-romantischer Empfindsamkett durch. Wir nennen zuerst den ehrwürdigen Profeffor W. S t e i n h a u s e n mit seinem großen Bilde des geblendet vom Pferde gestürzten Saulus, der später der Apostel Paulus wird. Das ganz grau gehaltene Bild hat mit hergebrachtem religiösem Stil aar nichts zu tun. Es mischt auch in der Tracht ganz naiv Römisches und Mittelalterliches und führt so das Bild, vor allem auch in den Gesichtszügen und wallenden Haaren des Saulus, der Romantik zu. 9)lün glaubt eine Illustration zu irgend einem mittelalterfirfum
einem kurzen Besuch aufhielten, haben sie eine Dauerfahrt im Kraftwagen durch Frankreich angetreten und in diesen Tagen it. A. die alte Stadt der Päpste Avignon besichtigt. Trotzdem, wie bekannt, die Ehe des Großfürsten in Rußland als nicht geschehen betrachtet wird, bedient sich seine ©c» mahlin des Namens und Tttels einer .Großfürstin von Rußland", sowie deS Prädikates .Kaiserliche Hoheit", die ihr auch von ihren nächsten koburgifchen Verwandten gewährt werden.
* Mil einer großen Erbschaft hat eine Heiratsschwindlerin viele Männer zum Narren gehabt. Eine gewisse Adeline Hesse, ein Mädchen im Anfang ber dreißiger Jahre, meldete sich auf Anzeigen, in denen jemand eine Wirtschafterin suchte und mehr oder weniger deutlich burMlicfen ließ, daß die Verw-altung des Hauswesens iuobl auch zur Hoheit führen könne. Fräulein Hesse ging scheinbar immer gleich auf die Heirat los. Sie erzählte, ihr verstorbener 93'ter s'i ein w-blbabend''r ükits- bcsiher gewesen und ihre Mutter Nießbraucherin des hinter* lassenen Vermögens. Nach einiger Zeit starb dann jedesmal die Mutter. Nun brauchte die Tochter Geld, um die Erbschaft zu regulieren und an-utreten, und auch bis b l,in standesgemäß zu leben. Die Aussicht, bald eine Mitgift von 100 000 Mark ins Haus zu bekommen — weniger waren eS nie — ließ manchem jungen M"nn oder Witwer die Wirtschafterin noch b-mehrensi- rrerter erscheinen. Die ober dachte g->r nicht ans Heiraten, sondern wollte nur auf Kosten anderer gut leben. Sobald sie merkte, daß von einem Opsw nicht viel mehr zu holen war, sorgte sie dafür, daß sie eine Veranlaffung bekam, dem V-rböltnis ein Ende zu m-chen. In der Regel gab sie Grund zur Eifersucht und die Geschichte end le dann mit einem großen Krach. Mehr-re Männer versuchten ihr Geld wieder zu bekommen, hatten al-r keinen Erfolg. Abgeseh-n davon, daß die vielseitige Dame nidls besaß, behauptete sie auch noch, das ©elb nicht bloß für s'. sondern im gemeinhmen Hau.sb It ausgegeben zu haben. Erst als sich Männer N'eldeten, die bekundeten, daß nur die Aussicht auf die Erbschaft sie zur Hergabe von Mitteln^ veranlaßt habe, wurde die K^ge für Fräulein Hesse kritisch. Sie erkannte t» s aber zur rechten Zeit selbst, ver> 'wand und wurde noch nicht wi'der ermittelt. Die Betrage, die die 5aeiratsfchwindlerin in anderthalb Jahren erbeutete, fdniNinfcn zwischen 000 und 1000 Mark. Auch verwitwete Familienväter sind ihr zum Opfer gefallen.
* Mittelalterliebe Gesä'ützsabrikation im Si egerlande und Dilltale. In einer alten, bislang noch nicht bearbeiteten Renteirechnung von 1444, die im Wiesbadener Staatsarchiv ruht, finden sich interessante Bell^ über eine hochentwickelte Fabrikation von Hinterladegeschützen (Kammerbüchsen) im Industriegebiete des TilltaleS und Siegerlandes. Demtzach stellte Herborn solche Geschütze ans Schmiedeeisen im ungefähren Rohrgewicht von 550 Mund her, während man im benachbarten Siegerland die Stücke im selben Gewichte ou5 Eisen goß. Da der Guß von Geschützen aus Eisen vor 1444 bislang einwandfrei nicht nachgewiesen ist, so gewinnt bie durch besagte Rechnung urkundlich belegte Herstellung gußeiserner Geschütze in Siegen wesentlich an Wert, umfontehr als auch genaue Rachiveise über Löhne, verbrauchtes Material Formgerätschaften und Material geführt werden. Eine in Siegen gefertigte Partie von 30 Geschützen, davon jede mit zwei Kammern zum Schnellfeuern eingerichtet, kostete alles in allem, bei einem Gesamtgewicht von 8330kg nur 198 Gulden, 2 Albus 18 Heller, das einzelne Stück demnach noch keine 7 Gulden. Weiter ist auch die Siererung von Geschützverschlüffen nach auswärts, zu denen die Rohre am Verwendungsorte gefertigt wurden, bemerkenswert. So eine Lieferung nach Schleiden, das um 1444 eine verhältnismäßig hochentwickelte Eisenindustrie besaß. Herborn lieferte in dem genannten Jahre 26 Kammern an den Dynasten von Schleiden, erwähnt wird weiter die Entsendung eines Herborner Gesehützschmiedes ebendahin, der die Anfertigung der Geschützrohe aus Eifeler Eisen an Ort und Stelle in die Hand nehmen sollte. Erst der 30jährige Krieg machte dieser intereffanten Industrie im alten Nassauer Eisengebiet ein Ende.
' Ein gefährlicher Studentenulk. Von seinen Kommilitonen auf den Schienen festgebunden, ist Stuart Pierson, der Sohn eines reichen Cincinnatier Fabrikanten, der das Kenyon College in Mount Vernon, Ohio, besuchte, von einem Zuge zermalmt worden. Anfänglich glaubte man, eß liege ein Unfall vor. Jetzt ist aber in der Nähe der Unglücksstelle ein blutgetränkter Strick gefunden worden, und
cm Former hat sich gemeldet, der gesehen hat, rote drei- Studenten einen andern, dessen Augen verbunden waren, nach dein Eisenbahndamm führten. Man sticht jetzt diese drei Studenten ztt ermitteln. Vermutlich handelt es sich um einen der unter den amerikanischen Studenten üblichen Scherze beim Fuchsprellen, und man nimmt an, daß Pierson an die Schienen gebunden wurde, um ihn zu schrecken. Es war aber ein Extrazug eingelegt worden, wovon die Studenten nichts wtißten, und als dieser plötzlich hcranfam, konnten sie Pierson nicht mehr losbinden, und er wurde überfahren.
0) riltits'aak.
D i e imBauchvergefseuePinzette. Der Maschinist Ledeery tn Szeged (Ungarn) bat bekanntlich gegen ben Uni- versitäts Professor D r. Dollinger Strafanzeige^ crftatiet, weil biefer gelegentlich einer an der Gattin Ledeezy'S Dorncnommcncn Operation eine Pinzette in ber Bauchhöhle ber Patientin vergaß. Der Budapester Gerichtshof hat die Klage Ledeezy's zurückgeiviesen, worauf der Kläger an die 1. Tafel appelierte. Die Tafel, ivelche stch jüngst mit dieser Angelegenheit befaßte, bat bie Verantwortlichkeit oes Professors festgestellt, aber bie Apellation dennoch zurückgewiefen. Es heißt in dein Bescheides: Die criorberlidten Vorsichtsmaßregeln finb in diesem Falle zweifellos nicht getroffen worben, unb ber Umstand, daß mit ber Handhabung der Pinzetten gewöl-nlich eine Pflegerin betraut ist, schließt die Verantwortlichkeit des die Operation auflfübrenben Professors nicht aus, weil sick) die Leitung ber Operation auch auf bie Kontrole sämtlicher auf bie Operation bezüglichen Vorsichtsmaßregeln erstreckt. Trotzdem zieht bie Tafel ben Profeffor nicht zur Verant- mortuna. weil für seine Schulb nicht bie erforberlichen Beweises norbanben sind unb weil von ber Operation bis zum Tob vierj Jahre verstossen finb. Damit ist ber strafprozessuale Teil dieser, Älugelegenheil erledigt. Der Privatkläger wird nun im Zivilrechts» iveae Schadenersatz fordern.
HnnsssiilUluichttii.
Red Star Linie.
Der Postdampfer .Kroonlaud" der Red Star Einte* hq Antwerpen ist laut Telegramm am 7. Noyember wohlbehalten bt New-Bork angekommen.
Gießener landfvirtschastlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung tu Hesteu für Samstag, dery 11. November 1905: Nach kälterer Nacht tagsüber etwas roärmery wolkig, geringe Niederschläge.
Nähere« ,'urd) die Gießener Wetterkarte. " ' ' - " ---'------ ----
Metcoroloqisilte Beobachtungen
10.
Barometer
auf 0'
a
der Station Gießen.
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Wetter
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Sprühregen Bed. Himmel
84
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November
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747,2 749 0
749,8
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+ 6.8 + 5,1 + 4,8
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5-e
Höchste Temperatur am 8. bis 9. November — 6,9 • 0.
Niedrigste . ,9. „ = 4.80 C.
du ■ Behandlung und Verpflegung.
Diätkuren. (Depenuance für Minderbemittelte) Prospekte franko.
Winterkur für
Corwin.
Krnnke. Warme, geschützte Lage am büdnbhang des Taunus. Behaglich eingerichtete, kleine Anstalt (bis 30 Patienten). Centrale Heizung und Beleuchtung, geheizte Liegehalle und Corndore Horgaam«
Sanatorium Hofheim im Taunus.
Hl9 wird
Kinöer- < Haosens Kasseler , Trubstucti , Haler-Kakao s<:
tausendfach ärztlich empfohlen, weil er sich als hervorragendes Kräfligung’smiitel bewährt u. den durch Studien angestrengten. Körper zu grösserer Widerstandsfähigkeit führt Nur echt in blauen Kartons ä 1 niemals lose.
Heldengedicht zu sehen. Prof. Trübner bringt ein prächtiges Reiterbild S. K. H. des Groß Herzogs von Hessen, Prof. Hans Thoma seine figurenreiche Seeprebigt. Von B r ü t t steht man seinen überaus stimmungsvollen nebeligen Frühnioraen des Aschermittwochs und eine höchst graziöse, farbenfeine Dar- stellimg eines Theaterfoyers im Zwischenakte, in der sich trotz ganz breiter Behandlung der Einzelheiten eine reich bewegte Charakteristik des Gesamtbildes entwickelt. Sehr wertvoll ist ein an die Art von Haug erinnerndes Bild russischer Vorposten von Hermann Junker in Karlsruhe in der dunstigen Unbestimmtheit zar'.en Lu'ttons unb dem kecken Wurf ber in breitem Pmfelzuge doch glän-end geformten Pferde. Auch eine Parforcejagd desselben Künstlers ist eine ausgezeichnete Arbeit. Von Karl K l i m s ch - Ebarlottenburg sehen wir besten bekannte antike Tänzerinnen auf einer Roulette, von Paul Klimsch eine vornehme Studie aus Dachau. Sehr bedeutend wirkt Andreas Egersdörfer mit einem großzügigen Motto von Lenggrtcs. Gut ist auch seine holländische Landschaft, aber von geringerer Eigenart der Empfiud- ung. Johann Georg Mohr in Wilhelmsbad bringt in seinem Schäfer, der von der Höhe in ein herrliches Tal schaut, eine überaus wertvolle Verbindung feffelnden romantischen Empsindungsaus- druckes mit ausgezeichneten malerischen Werten. G 11 b b e n zeichnet stch durch malerische Krast in zwei Bildern aus, bie italienische Motive enthaltende Figuren am sonnenbesd ienenen Feldhöhen vor- stihren. Von Profeffor Leopold Bode sieht man in seinem ausgezeichneten Bildnisse seiner Alutter und in Aauarellen zur Lohen- arin-Sage schöne Zeugnisse der Kunst der älteren Geschlechter Nebenbei wundert es uns,, daß gerade in Frankfurt die Bildnis- kunst im alloemeinen nicht übermäßig glänzend vertreten ist. Bcithans hessische Bauernfzene .Vorbereitung zum Kirchgang" ist von großem koloristischem Reiz, namentlich erhält bie ganz schwarze Tracht der Bauern in ihrem Verhältnis zum Raum eine feinfühlige Lösung. E. v. Bertra b- Eronberg zeigt in einer Weihnachtsmarkiszene unb einem Interieur pikanten Reiz der Tonwerte. E u g e n i e B a n b e 11, eine originelle künstlerische Persönlichkeit, Philipp Frank -Halens-e, der wohlbekannte P i e p h 0,
Marie Mantius, Fritz Wucherer finb noch mit Lanbschasten,i Idi Teich mann mit ihren reizvollen Kinbergestalten rühmend! Hervorzuheben. Au' plastischem Gebiet zeichnen sich Bruno Schafey durch die große Gruppe eines Löwen und eines Knaben und R. Bosselt durch eine stilisierte weibliche Bildnisfigur und einen Esel besonders aus.
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Der Türmer. Monatsschrift für Gemüt und (Seift Herausgeber I. E. Freiherr v. Grotlbuß. Vierteljährlich (3 Heftes 4 Mk., (Stuttgart, Greiner und Pfeiffer). Aus dem Inhalt des Novemberhcftes: Deutschlands Finanzen. Von H. v. G e r l a d). — Doktor Germaine. Von Noslle Rnger. (Fortsetzung.) — Der Segen der Natur. Von Dr. F. Schoenbeck. — Ter Orden. Von N. — Zwangsansiedelung. Von Wilhelm Föllmer. Thomas I. Bamardo. Von L. Kätscher. — Wunder deS Pflanzenlebens. —i Disziplin auf der Straße. — Totenfeier. Von Otto Grund. —1 Auch ein Wort über Musterschutz. Von Augusta Bender. — Zur' ?luferstebungsfrage. Von Otto Märker. — Türmers Tagebuch Schiller unb bie F l e i s ch n 0 t. Umsturz und StaatSrettung^ Unterirdische Dlächte. Patriolische Wonnen und Wehen. Monarchenkult ober Bürgerkunbe? — Adalbert Stifter. Von I. Höffner. — Stifters künstlerifd)es Glaubensbekenntnis. — Variadramatik tSudermanns „Stein unter Steinen" unb Wedekinds töibalia")< Von 7clir Poppen berg. — Allerlei Volksliteratur. Von Johannes Gilhoff. — Streiflichter (Den Toten. Heinrich Vierordt). — Religiöse Kunst. Von Karl Storck. — Oratorium unb Kantate. Von Johann Gottwieb Herber. — Em weiterer Vorschlag zur Vereinfachung nuferes Notensystems. — Nstifikalische Zeitfragen. (Das Variial-Monovol). — Kunstbeilagen: Tizian: Tie brei Lebensalter, Wilhelm Kaulbach: Homer unb die Griechen. Tie Hunnenschlacht. Theodor Sd'üz: Sonntagnachmiltag in einem schwäbischen Dorfe. Droben trägt man sie zu Grabe, die sich freuten in dem Tal — Notenbeilage: Litaney. Ged. von I. K. Jacobi. Komp. 0. Franz Schubert. Andenken. Gedick)t unb Musik von Peter Cornelius. Auf das Trinkglas eines verstorbenen Freundes. Ded. v.J. Keruer. Komp- von Nob. Schumann.


