Ausgabe 
11.9.1905 Erstes Blatt
 
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155* Jahrgang

Erstes Blatt.

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diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit und allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Land^ und Gerichtssaal*: August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

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Montag 11. Septemverisvs

Bezugspreis: monatlich75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch k /X Abhole- u. Zweigstellen

\ /5 s w monatlich 65 Pf.; durch

Er begrüßte sodann auch das rronprinzliche Paar und schloß mit der Versicherung, daß bte Anwesenden es alsbor-i nehmste und edelste, allerdings in unserer gärenden Zeit auch notwendigste Aufgabe betrachten, das monarchische unb patriotische Gefühl in unserem Lande zu pflegen, zu stärken und unverletzt zu erhalten".

Tem Festmahl folgte ein

Feuerwerk im Kurpark, das alle Künste der Pyrotechnik glanzend zur Darstellung brachte. Die Folie lieferte der Kurpark, dessen Bäume und Beete ausschließlich rote Lampions und Lämpchen zierten. Zwei Kapellen brachten viel Wagner, viel Ungarisches von Liszt und Brahms und Moszkowsll', und eine Fülle patriotischer Märsche. Homburg hatte alt* gemein und glänzend illuminiert.

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Der für heute vormittag 10 Uhr an gesetzte Feld> g o 11 e s d i en st wurde wegen des andauernden Regens» auf Befehl des Kaisers abgesagt.

Die Abfahtt deS Kaiserpaares zur Parade nach Coblenz erfolgte heute nachmittags 6 Uhr. Ter Reichskanzler reiste bereits heute vor< mittag von Baden-Baden nach Koblenz.

Tie Kronprinzessin bleibt auf dem hiesigen köntgk Schlosse wahrscheinlich bis zum 27. d. M.

Auszeichnungen.

DerReichsanz." meldet: Anläßlich der AnwesenheL des Kaisers in der Provinz Hessen-Nassau bei den Herbst- manövern wurde eine große 'Anzahl von Auszeichnungen verliehen. U. a. erhielten die Krone zum Roten r2Mer* orden 2. Klasse mit Eichenlaub Thom6, Eisenbahndirek^ tionspräsident zu Frankfurt a. M, den Roten Merorbeni 2. Klasse mit Eichenlaub (Oberbürgermeister Adickes- Frankfurt, Tr. v. Jbell, Oberbürgermeister von Wies­baden, (der Kunstlehrer des Kaisers) Knackfu ß, Ge-< schichtsmaler in Kassel, Hoffmann, Oberpostbirektor tit Kasel,Professsor Mannhilsers-Marburg; den Roteü Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife: (der nationalliberale Reichstagsabg.) Bartling, Konnnerzienrat in Wies-- baden; den Kronenorden 2. Klasse mit dem Stern: v. Win d-i heim, Oberpräsident in Kassel, den Kronenorden 2. Kl. I a e o b i, Geh. Baurat in Homburg. Ferner hat der Kaiser dem Oberstaatsanwalt Dr. Hupertz in Frankfurt benl Charakter als Geh. Ober-Jttstizrat mit dem Range beo Räte zweiter Klasse und dem ordentlichen Professor in derj philos. Fakultät der Universität Marburg Dr. Frhr. vop der Ropp den Charakter als Geheimer Regierungsrat.

Zn Koblenz.

Koblenz, 10. September.

Das war ein böser Sonntag! Zwar war es um Mittag trocken, aber ein unruhiger Wind zauste an den Festdekora^ tionen. Schade, denn diese waren wirklich schön. Man hatte eine Idee gehabt und die Idee mit Geschmack und ausreichen­den Mitteln durchgeführt. Vom Bahnhof über den Markens bilchenweg, die Mainzer Straße, den Schloßplatz unb durchs die Schloßstraße zog sich eine ununterbrochene Kette VVW Fahnenmasten, mit Tannengrün umwunden, an ihren! Spitzen geschmackvoll gearbeitete goldene Kränze oder änderet Embleme. Von den Masten herab wehten stilgerechte ati-i deutsche Banner, vielfach mit heraldischem Adler, auch mit anderen Wappen und Farben aller »Art, an den Enden luftig! ausgezackt und gezipfelt. Mn anderen Stellen hingen» schwere dunkelrote Selarien, mit vergoldetem Netzwerk urn^ säumt, Obelisken trugen frische Blumen, zu den Fenstern,! hinaus waren wappengestickte Teppiche gehängt. Und nun, hatte man Guirlanden anfertigen lassen, künstliche freilich,^ von einem ölgettänkten Papier.

Ms die Kriegervereine und die weißgekleidetem Schulmädchen, mit Kränzen im Haar, zum Spalier an* marschierten, begann es zu regnen. Bor der Festhalle standen! die Väter der Stadt im Frack und weißer Bürde und spannten^ den Schirm auf Den etwa hundert reizenden jurrgen Ehren­damen räumte man das Vestibül des Gebäudes ein. Dc^ standen sie nun, in den duftigen weißen Tüllkleidern ä KL ftance-Rosen im Haar und auf der Schulter und in der Hand, und schauten durch die Scheiben ins Wasser, das in Strömen vom Himmel kam. 6 Uhr! Der Regen läßt nach;! Muttg hinaus mit den niedlichen weißen Schühchen über' die Pfützen des Sttaßendammes gesprungen und auf deM rotausgeschlagenen Podium rm Halbkreis ausgestellt. Stärker geht der Regen nieder, noch darf man den schützenden Schirm aufspannen, da donnert der Salut vom Ehrenbreit« stein, die Kirchenglocken läuten. Die Schirme weg, es A alles egal! Es gießt in Strömen. Die Deutzer Kü­rassiere reiten an, das Kaizerpaar naht, im offenen Vierspänner, die Kaiserin in der Rechten den Schirm hallend. Bürgermeister Ortmann sprach. Der Kaiser winlle ihn fteundlich lächelnd an den Schlag, dankte chm und trank aus dem goldenen Pokal rheinischer Rebe Gold!. Fräulein Wegeler sagte ihre Verse, und die Kaiserin nahm mit huldvollen Worten lächelnd den Blumenstrauß. Die Pferde zogen an, und tausendstimmiges .Hurra hallte den Maje­stäten nach. Der Kronprinz, mit den Brüdern Ettel Friedrich und Adalbert zu dritt im Fonds eines gleichfalls offenen Wagens, trotzte mit augenscheinlich bestem Humor dem Wetter. Hell glänzten die Fenster an der breiten Schloß ft out und Malice des Zufalls als die Maje­stäten ihr Heim erreicht hatten, ließ der Regen nach, Abend trugen Coblenzer Männergesangvereine im Schloß Volkslieder vor:Soviel Stern' am Himmel stehen",Un­term Lindenbaum" undDas Wandern ist des Müllers Lust".

Nicht unerwähnt soll die liebenswürdige Einladung bleiben, die die Stadt Coblenz an die Vertreter der Preffe, insbesondere die Manöverberichterstatter, für heute äberckr

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Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siegener Zamilien- -Mtee viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l 'scheu Iklwers.-Buch-u.Stein- bniderei. R. Lang«. Redaktion, Spedition und Druckerei:

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Walbert Endert, der hessische Oberstallmeister Frhr. von Riedesel, der Eisenbahndirektionspräsident Thoms-Frank­furt, Regierungspräsident Dr. v. Meister, Erbmarschall Frhr. v. Riedesel, Erbschenk Dr. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Fürst zu Isenburg-Büdingen, Fürst zu Erbach-Schönberg, Graf zu Solms-Rödelheim, Wirkt. Geheimrat Prof. Dr. Schmidt-Metzler aus Frankfurt, der Bischof von Limburg Tr. Willi, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Hagens, Uni­versitätskurator Dr. Steinnietz die Universitäts-Rektoren Vosstus-Gießen und .Kvrschelt-Marburg, Provinzial­direktor Geh. Rat Dr. Breibert aus Gießen, Professor Jacoby-Homburg.

Ter Kaiser, welcher die Uniform seines Gießener 116. Regiments trug, sührte die Kaiserin zur Tafel, die eine rosa Robe mit S-ilberstickerei, ein reiches Perlen­kollier und ein wundervolles Brillantdiadem »trug. Der Kronprinz von Griechenland ffchrte die Kron­prinzessin, die eine duftige weiße Robe mit Silber - stickereien angelegt hatte. Besonderes Interesse erregte der Maharaja von Kapurthala und sein Begleiter, der Raja-i- Rirjgan von Kapurthala. Ter erstere, ein stattlicher Mann, von dunklem Teint im schwarzen Vollbart, trug einen schwarzen Uniformrock mit überreicher Goldstickerei, darüber ein schwarzweiß gestreiftes Ordensband, den krummen -Säbel mit elfenbeinernem Löwengrrff, am weißen, goldverbrähm- ten Turban den Stutz von Straußenfedern mit glänzender Brillantagraffe. Kaiser und Kaiserin unterhielten sich freundlichst mit dem Inder, 6et Tafel pflog er Unterhaltung mit der Hofdame Fräulein v. Helldors und dem General­feldmarschall v. Hcchnke. Ter Raja--i-Rajgan, ein junger, schöner Asiate, der eine Art schwarzer Husarenuniform mit silbernen Fangschnüren trug, plauderte heiter und lebhaft in franz. Sprache mit dem Generäl v .Bock, dem bayerischen Kriegsminister und dem Oberhofmeister Frhr. v. Mttbach.

Der Trinkspruch des Kaisers.

Der Kaiser hielt einen Trinkspruch, der folgenden Wort­laut hatte:

,^Jn dem mit so lieb imb teuer gewordenen Homburg ist es mit eine besondere Freude, im Namen I. M. der Kaiserin und in meinem Namen Euter Exzellenz (an den Oberpräsidenten von Windhettn gerichtet) unseren herzlichsten Dan? und unsere große Freude auszusprechen über den herzlichen imb warmen Empfang, den die Bevölkerung dieses Teils der Provrnz Hessen-Nassau uns bereitet bat. Ich darf wohl sagen, daß ich das Gefühl habe, hier unter Bekannten zu sein, und daß Homburg und Homburgs Bevölkerung sich gewissermaßen zu unserer Familie rechnet. Wie könnte es auch anders sein. Die Erinnerungen ans früher Kindheit führen mich schon in diese Provinz hin, und es war mir hier vergönnt, in der Zett bet großen Eindrücke, die ich erlebte, die Nachrichten von dem großen Einigungskampfe zu empfangen; zu gleicher Zett hatte ich die Gelegenheit, die batmherzige und mildtätige Hilfe meinet verstorbenen Frau Mutter bewundernd zu beobachten, wenn ich sie an das Bett der Krieger begleiten durste, welche von ihren Wunden hier genasen. Dabei möchte ich aber auch den tiefen Eindruck nicht vergessen, den mir das Weh und das Leid, das der Krieg in ein Land hineinführt, und das, was die Menschen ausgeftanden und ansgehalten haben, damals gemacht hat. Hieraus läßt sich erklären, daß ich als Regent es meine Hauptsorge sein lasse, daß meinem Lande der Frieden erhalten bleibt. Der gestrige Tag hat mit die große Freude gemacht, viele tausende alter Kriegskameraden meines Großvaters und Va'ters den! aktiven Korps gegenüberstehen zu sehen, mit den Ehren­zeichen aus großer Zeit an der Brust. Sie haben ihren Fahneneid gehalten, ihre Pflicht getan, und leben jetzt als Vorbilder der Pstege von Treue und Patriotismus für die jüngere Gene­ration. Besonders dankbar gedenken möchte ich aber der schönen weihevollen Stunde des heutigen Morgens. Das schöne Stand­bild, das die Stadt dem großen Einiger unseres Vaterlandes gesetzt hat, ist ein beredter Ausdruck ihrer Gefühle, ebenso die schlichten Wolle, die über ihn und unser Haus gefallen sind. Man kann wohl sagen, wenn man von dem Stand­bild Kaiser Wilhelms des Großen im Park zu Hom­burg hinaufblickt in den Taunus, zur Saalburg, wo der römische Imperator in der allocutio vor der Polla decumana steht: Es ist hier uralter Kulturboden, der stets eine große Rolle in der Geschichte gespielt hat. Roms Heeve haben ihn besetzt, um ihr Reich zu wahren. Die Fürsten von Nassau-Oranien, meine hohen Voffahren, haben die Glaubensfreiheit er­kämpfen helfen, und bas erloschene Geschlecht der Hom­burger hot hier gelebt, deren einem unsere deutsche Dichtung eine der schönsten Figuren verdankt, die je einer unserer deutschen Dichter geschaffen hat. Und so geht es herunter bis auf die jetzige 3eit. Freilich sind es auch wehmütige Erinnerungen, die uns mit Homburg verknüpfen. In seine Umgebung zog sich meine verblichene Frau Mutter zurück, um von schwerem Weh und Sii mm er sich zu erholen, der hohen Kunst sich widmend und ringsum kulturbringend und befruchtend wirkend. So hat sic gelebt geliebt und geachtet von der Bevölkerung der Um­gegend bis Gott sie abrief. So sind die Beziehungen von meiner Jugend auf bis zum heutigen Tage innige und mannig­faltige, die mich mit diesem Landesteile verbinden, und ich kann mir wohl das Zeugnis ausstellen, daß ich redlich bemüht bin, ihm aufzuhelfen und zu seiner Fortentwicklung das meinige beizuttagen. Jedenfalls kann ich nur versichern, daß mich jede Stunde meines Lebens freut, die ich in biefem Teile der Provinz Hessen-Nassau zu­bringen kann. Ich trinke auf das Wohl der Provinz drei­mal Hurra!"

Die Antwort des Oberprasidenten.

Nach dem Kaiser erhob sicy Oberpräsident v. Wind- heim zur Erwiderung. Er dankte dem Kaiserfür die Gnade und Freude, die uns durch die Anwesenheit Eurer Majestäten wiederum zuteil wurde, sowie für die überaus gnädigen Worte, die Eure Majestät soeben an uns, die hier Anwesenden, und von Eurer Majestät entbotenen Ver- tretet der Provinz zu richtei die 6!-nadc hatten, sowie ferner für die reiche Fülle von Gnadeubeweiseii, durch welche Eure Majestät heute zahlreiche Bewohner der Provinz aus­zuzeichnen geruht haben." Ein gesundes monarchisches Gefühl sei, so fuhr Herr v. W. fort, in Sinn und Herz des hessen-nass. Volkes tteu unb festgewurzelt vorhanden.

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Pie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.

Rheinische Kaisertage.

Homburg v. d. H., 10. Sept.

Die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals.

Gestern vorm. 11 Uhr sand in Anwesenheit des Kaiser- Paares, des kronprinzlichen Paares, der fürstlichen Gäste aus Bayern, Baden, Rußland, England, Dänemark usw. im Kurgarten die Enthüllung des Denkmals Kaiser Wilhelms I. statt. Tas Denkmal zeigt mächtige Formen; es steht gerade vor dem Kaiser Wilhelm-Bad. Der Entwurf stammt von Prof. Fritz Gerth, einem geborenen Wiesbadener, der in Rom lebt. Der Künstler schuf eine friedliche Statue. Das über drei Meter hohe Standbild des Kaisers eine Bronzefigur steht auf einem hohen Sockel aus schwedischem Granit, den in dem unteren Teil ein Lor­beerkranz aus Bronze schmückt.

Das Kaiserzelt, gegenüber dem Denkmal, zeigte römi­schen Stil, ein Kunstwerk von Blättern, Blumen und Blüten.

Homburger und Kirtorfer Säuger trugen denKaiser- gruß" vor. Dann hielt der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger die Ansprache.

Er gab zunächst der DankeSpflicht Homburgs gegenüber dem perffcher, der Deutschland geeinigt habe, Ausdruck und fügte daran eine Schilderung der Charaktereigenschaften Kaiser Wilhelms I., seiner Milde, seines Mutes, seiner Entschlossenheit und seiner Pflicht­treue. Unter ihm und durch ihn wäre für Deutschland alles Er­sehnte und Erhoffte ausqelost und erreicht worden und ein Völker- srühling erstanden, der die höchsten Erwallungen übertroffen habe. JSr hat uns hinterlaßen ein einiges deutsches Vaterland, frei durch Semunft, stark durch Gesetz und an dieses heilige Vermächtnis soll uns und unsere Nachkommenschaft das zu enthüllende Standbild «rinnern."

Die Hülle fiel, die Truppen präsentierten, der Sanger- chor trug DahnsMacte senex imperator" vor. Sodann nahm Bürgermeister Maß das Denkmal in die Obhut der Stadt und schloß mit dreifachem Hurra auf Kaiser, König und Landgraf. Damit war die Feier beendet; sie nahm kaum eine halbe Stunde in Anspruch. Der Kaiser ttat nicht aus dem Zelt zum Denkmal heran; er ließ die Festredner und den Landrat v. Marx zu sich entbieten und unterhielt sich mit ihnen mit freundlicher Lebhaftigkeit.

Tr. Rüdiger hatte seine Rede llar und vorttefflich pointiert vorgetragen, und der neue ,F)ber"-Bürgermeister Staat hat kurz und gut gesprochen, und so sagte der Kaiser nachher zu den beiden:SSon Euch Herren kann man hier reden lernen!" Auch dem Künstler gegenüber war der Kaiser sehr fteundlich; hat er ihm doch auch schon eine neue Aufgabe gestellt, das Hessendenk­mal, das der Kaiser am Elisabethbrunnen errichten lassen will, eine Erinnerung an die Landgraffchaft Hessen-Hom­burg und das ausgestorbene Landgrafengeschlecht, und eine Gegengabe an die Stadt.

Die Kaiserin war in erdbeerfarbiger Toilette er­schienen, von der sich das gelbe Band des schwarzen Adler­ordens lebhaft abhob. Ihr Hut war mattgrau, ein Stroh- Toque mit langer Straußfeder von der Farbe der Toilette. Zartes Hellblau eines schleierartig feinen Gewebes um­hüllte die schlanke Gestalt der Krouprinzesfirr.

Auch der flache, runde Hut war hellblau und seine lange volle Sttaußfeder h -rmonierte mit der weißen Sttcmßfeder- Boa, die lose um die Schultern gelegt war. Die Kronprin­zessin konnte übrigens, da ihre Gesundheit zurzeit einige Schonung erfordert, nicht an allen Festlichkeiten teilnehmen.

Vor der Abfahrt nahm der Kaiser den Parademarsch über das 80. Regiment ab.

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Zur Frühstücks takel vereinigte sich die kaiserliche Familie im Schloß. '2&n Nachmittag fuhr das Kr o n - Prinzenpaar im grauen Automobil mit arau gekleidetem Chauffeur spazieren, die Kaiserin emp^ .j Tonnen der Provinz, wobei es Chocolade und andere Erfrischungen gab, und empfing später bte Fürstin zu Jsenburg-Virstein, die Fürstin zu Isenburg-Büdingen, die Fürstin Paul Metter­nich mit Tochter und die Firsttn zu Erbach-Schönberg mit Tochter. Der Kaiser machte eure ausgedehnte Automobil­fahrt ins Manövergelände, die ein glänzendes Zeugnis dafür ablegen konnte, in wie kurzer Zeit man sich auf dem modernsten Fahrzeug über die ausgedehntesten Strecken orientieren kann. Die Fahrt führte über den Taunus hin­weg über Idstein und Kirberg bis einige Kilometer vor Limburg, und zurück über (Samberg- Die abwechslungs­reiche Gegend, bte Berg und Tal im fortwährenden Wechsel zeigt, bot in der klaren nachmittäglichen Herbstbeleuchtttng die wundervollsten Aussichten und Durchblicke. Man darf annehmen, daß in der Gegend zwischen Limburg und Cam- berg sich wichtige Kämpfe, wenn auch nicht am ersten Tage, abspielen werden. Das 18. Korps hat sich bereits heute von hier aus in nordwestlicher Richtung in Bewegung gesetzt und wird seinen Vormarsch nach dem morgigen Ruhe­tage am Montag fortführen.

Die Tafel für die Provinz bereinigte die Spitzen der Behöroen, unb wie immer bet solchen Gelegenheiten mischten sich der Waffenrock mit den silber- und goldgestickten Uniformen der Beamten, den roten Röcken der Johanniter, Maltheser unb Lanbstänbe, den grünen Röcken der Forstbeamten, den schwarzen, violetten unb roten Gewünbern ber Geistlichen. Auch der Frack war nicht selten vertreten, unb die stattlichen Gestalten ber Ober­bürgermeister mit den schweren goldenen Amtsketten kon­kurrierten erfolgreich mit jeder Uniform. Aus der langen Reihe der Geladenen sind zu nennen: der großbritanntsche Botschafter Sir Frank Lascelles und der Maharaja von Kapurthala, Oberpräsident v. Windheim, Fürst %u Jsen- burg-Btrstein, Gllff zu Jsenburg-Meerholz, Wirkt. Geheimrat Proz. Dr. v. Behring aus Marburg, der Bischof von Fulda

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