Dienstag 10. Oktober 1905
155. Jahrgang
wr. 238
Zweites Blatt
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt fir den Kreis Giehen.
I 408 J8 L7054 E 49 3
Rotationsdruck und Verlag der Drühl'schen UnwerfttätSdruckarei. R. Lange, Gietzen.
Redaktion, Expedition u.Druckeret: Schulstr.7.
Tel. Nr. 51. Telegr^Adr.: Anzeiger Gieß«.
Broschüre herausgegeben und in mehreren Tausenden von Exemplaren allen hochgestellten Persönlichkeiten vom Zivil und der Armee gesandt. Der Baron erhielt eine große Zahl von Glückwunschschreiben. Hierdurch ermutigt, versuchte Baron d'Albi zunächst in Barcelona eine Antiduell-Bersammlung zu veranstalten. Für die Einladung gewann er die Unterschrift von ungefähr 200 der angesehensten Persönlichkeiten. Die Versainmlung siel glänzend aus, und bis zum Juni dieses Jahres waren schon 800 Mitglieder gewonnen und es wurde eine Liga für Katalonien gegründet. In derselben Provinz, in Tortosa, war bereits im März eine Zweigliga gegründet morden mit verschiedenen hohen Militärs im Vorstand. In Valladolid, Provinz Alt-Kastilien, wurde eben- falls eine Liga gegründet. Die Einladung zu der konstituierenden Versammlung trug 337 Unterschriften. DerRek- torund Vizerektor der Universität, ein General, mehrere andere Militärs, alle Redakteure und viele andere angesehene Persönlichkeiten traten sofort bei. Am 5. Juli wurde in ähnlicher Weise in Saragossa für Arragonien eine Liga gegründet und auch hier traten wieder der Rektor und die Professoren der Universität, zwei Generale, viele Offiziere, der Präsident des ProoinziallandtageS, Adel und Presse als Mitglieder bei. Am selben Tage wurde in Valencia auf Anregung eines Barons v. Linde eine Liga gegründet mit gleichem Erfolg und Teilnahme aller Hochgestellten und vieler aktiven Militärs. Für die Provinzen Andalusien, Galizien, Asturien, Leon usw. ist die Bildung von Ligas in Angriff genommen. Die Krönung des ganzen Werkes wird die Gründung der Landesliga in Madrid bilden, welche von dem dortigen provisorischen Komitee bcschloffen wurde. Bereits Ende Mai war dort eine Versammlung abgehalten worden, welcher der Ministerpräsident, der Präsident des Senats, der Präsident des Parlamentes, der frühere Ministerpräsident, sehr viele aktive Militärs, oberste Hofchargen, 17 spanische Granden, 40 andere adelige Herren und die angesehensten Persönlichkeiten aus allen politischen Parteien teilnahmen und der Liga beitraten.
Erscheint O-Uch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gietzener AamMenblatter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »tzesstsche taifcwirt4* erscheint monatlich einmal.
des Rechtsanwalts Pschewalski eine kleine erlesene Gesellschaft, der Gorki sein neues Drama „Sonn en kin der" vorlesen wollte Gleich nach Beginn erschien die Polizei imb unter» sagte die Vorlesung. Die Gesellschaft wurde veranlaßt, <ms- einandei^ugehen, nachdem die Namen notiert waren.
In Tiflis wurden am Sonntag mehrere Bomben gegen Kosaken geworfen. Die Soldaten feuerten auf die Äugreiser und es entstand eine fürchterliche Panik. Nach den letzten Meld- ungen wurden über lQ0> Verwnen verwundet.
vormittags. [06625 akl Arzt
Deutsche» Keidh
Berlin, 9. Oktober. Die kaiserliche Jacht „Höhere zollern" traf, wie telegraphisch gemeldet wird, auf der Fahrt von Pilau nach Glücksburg, mit dem Kaiser und der Kaiserin an Bord, gestern abend unterhalb der Halbinsel He la ein und ging dort für die Nacht vor Anker. Heute setzte das Schiff die Fahrt nach Glücksburg fort.
Köln, 9. Oktober. Der frühere Reichs- und Land- tagsabg. Dr. R o e cke r ath - Köln ist der „Köln. VolkSztg." zufolge heute nachmittag gestorben.
Aachen, 9. Oktober. Bei dem gestrigen Festmahl an- läßlich des goldenen Jubelfestes der katholischen Kongregation jüngerer Herren befferer Stände brachte Erzbischof Kardinal Fischer-Köln einen Trinksprnch auf den Kaiser aus. Er erinnerte in diesem an Karl den Großen, den Gründer des ersten deutschen Kaiserreiches, und führte aus, daß nach dem Untergang des alten deutschen Reiches der alte Barbaroffa wieder in den Mitgliedern des Hauses Hobenzollern erwacht sei. Das neue Reich sei anders geartet als das alte, es sei ein der neuen Zeit entsprechendes Kaisertum, dem alle zujubelten, die ein Herz für Deutschlands Größe und Herrlichkeit hätten, auch die deutschen Katholiken. Er erinnerte dann an die bekannte Aachener Kaiserrede, und nannte Wilhelm H. den wahrhaft herrlichen Kaiser, dem alle van Herzen zujubelten.
Weimar, 9. Oktober. Bei Beginn der heutigem Schwurgerichtsperiode machte der Vorsitzende Oberlandesgerichtsrat Seifarth in seiner Rechtsbelehrung der Geschworenen intereffante Mitteilungen über den gegenwärtigen Stand der Strafprozeßreform. Hiernach hat die Justizkommission Folgendes vorgeschlagen: Es sollen große, mittlere und kleine Schöffengerichte gebildet werden. Entschieden ist noch nicht, ob die Einrichtung de§ Schöffengerichts oder des Schwurgerichts vorgezogen werden soll. Die Zahl der Laienrichter soll größer sein, als die der Berufs richt er. Die Schöffengerichte, welche die jetzigen Schwurgerichte ersetzen sollen, sollen nach Vorschlag der Justizkommission aus drei Berufs- und sechs Laienrichtern bestehen.
Karlsruhe, 9. Okt. Gegenüber einer von Berlin auS verbreiteten Zeitungsmeldung, daß das Fernbleiben deS Erbgroßherzogs von Baden bei den Kais er - manövern auf Meinungs-Verschiedenheiten zwischen Berlin und Karlsruhe zurückzusühren sei, kann die ,Bad. Pr." auf Grund zuverlässiger Erkundigungen erklären, daß der Erbgroßherzog lediglich dringendem ärztlichen Rate wegen seines Gesundheitszustandes zufolge auf die Teilnahme an den Manövern verzichtet habe, da die Folgen eines Vronchial-Katarrhs und Muskel-RheumatiSmus, von welchem der Erbgroßherzog im August in Vulpera befallen worden war, damals noch nicht verschwunden war.
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Deleafsü'rr neue Enthüllung.
Die Londoner Presse äußert sich jetzt zu den : neuen Enthüllungen Delcassü'S über den ihm s. Zt. von Eng- : land angeblich versprochenen Kriegsbeistand — Besetzung 1 SchleSwig-HolsteinS durch 100000 Mann (vergleiche unsere gestrige Wochenschau). Sie nennt — und zwar unter Einschluß der prinzipiell antideutschen Hetzblätter — den ehemaligen französischen Minister des Auswärtigen einen Lü gner; die britische Regierung könne ein solches Versprechen unmöglich abgegeben haben. Wenn aber England tatsächlich freiwillig eine solche Zusage gemacht hätte, so wäre das ein großerFehler gewesen, da die Freunde Deutschlands, auch die in Frankreich, erklärt haben würden, England versuche Frankreich zu einem Kriege zu verleiten.
Herr Deleassö ist fteilich bisher in England als ein Staatsmann ersten Ranges gepriesen worden, als der aufrichtigste Freund Englands, der Deutschland „die Wahrheit zu sagen" wiffe. Nun mit einem male ist er ein Renommist, ein Verleumder der englischen „Friedenspolitik". Delcassö hat wohl allerdings, das steht für uns nahezu außer Zweifel, zum mindesten recht übertriebene Erwartungen in Bezug auf Englands Beistand gehegt; aber sollte ec wirklich seine Behauptungen so ganz und gar auS der Luft gegriffen haben? Eine zweifellos von Berlin aus inspirierte Auslastung der „Köln. Ztg." „möchte nicht glauben", daß man englischerseits Delcassö kriegerische Hilfe angeboten habe. In der höflichen Sprache der Diplomatie heißt es: eine Aufklärung, wie es sich verhält, ist wünschenswert. Natürlich kann die Aufklärung nur von Mitgliedern des englischen Kabinetts erfolgen, denn was die Londoner Blätter entgegnen, ist nicht beweiskräftig. Es ist anzunehmen, daß DelcastL, als ein s. Z. viele Stürme überdauernder Minister des Aeußeren, noch manchen ins Gift der Fälschung nicht allzu sehr getauchten Pfeil int Köcher hat. Er kann die Freunde, die ihn fallen lassen, recht unangenehm kompromittieren. Außerdem wird Delcassü von dem ehrgeizigen Streben erfüllt, nach seinem Sturz sich der französischen Nation in Erinnerung zu bringen und nach Möglichkeit den Beweis zu führen, daß, wenn man ihm nicht in den Arm gefallen wäre, Frankreich niemals die Marokko-Demütigung seitens Deutschlands erlitten hätte.
Der Vorsitzende des Pariser Gemeinderats, Brousson, erklärte übrigens neuerdings in einem Interview über die Möglichkeit einer Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, einer solchen widersetze sich der Haß der Franzosen gegen die Deutschen. Solange noch jenseits der Grenze Soldaten ständen, die bereit seien, ihr Vaterland zu verteidigen und zu vergrößern, würden die Kasernen in Frankreich ein notwendiges Hebet bleiben, das jeder Franzose mit Freudigkeit tragen müsse.
Jaurös, der bekannte französ. Sozialistenführer, hielt in Limoges eine längere Rede, worin er die französische und die englische Negierung wegen ihrer deutschfeindlichen Haltung scharf kritisierte und auch die Politik Delcassös abfällig beurteilte.
Zur Antiduellbewegung.
Vor elf Monaten fand in Spanien ein Duell statt, in welchem Marquis v. Pickmann vom Hauptmann Paredes erschossen wurde. Dies veranlaßte den Baron d'Albi eine Reihe von Briefen gegen das Duell durch die Preste' zu veröffentlichen. Sie wurden dann in Form einer
Volitistbe Tagesschau.
Zur Tabaksteuerfrage
läßt sich die „Südd. Tabakztg." aus München melden, daß der Tabakwertsteuerzuschlag von 2 5 Prozent infolge einer unumstößlichen Darlegung des tabakkundigen Bremer Senators Frese fallen 'gelassen worden sei. Aber in denselben unterrichteten Kreisen werde ganz bestimmt versichert, daß außer der Zigarettenbanderols- und Zigarettenpapierftempelsteuer sowie der Zollerhöhung auf sämtliche ausländische Fabrikate auch eine Jnlands- steuererhöhung und eine Zollerhöhung auf Rohtabake ausgearbeitet wurde, da man eine Verständigung bei der Bier st euer nicht erzielt haben soll. Um die süddeutschen Regierungen für die wesentliche Erhöhung der Jnlauossteuer zu gewinnen, soll nicht allein die Differenz zwischen Zoll und Steuer um einige Prozent zugunsten des Julaudsproduktes erweitert, sondern der Zoll auf Rohtabake in drei Stufen eingeteilt sein, sodaß die teuersten überseeischen Tabake nahe an die 150 Mark Zoll zu zahlen hätten, während die billigsten ausländischen Rohtabak auch noch ganz wesentlich höher als heute belastet sein würden.
Man wird abwarten müßen, wie der Hase im Bundesrat läuft. Ter deutsche Tabak verein will sofort nach Bekanntwerden des Gesetzen^ 'es auf den Plan treten.
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Tie in Leipzig tagende 12. Generalversammlung des Teutscheu Tabakarbeiterverbandes protestierte in einer einstimmig angenommenen Resolution gegen die geplanten Tabaksteucrentwürse sowie überhaupt jede Mehrbelastung des Tabaks, die die Ausbreitung der gemeinschädlichen Heimarbeit fördere, die Herabdrrückung der Arbeitslöhne begünstige, den Tabakkonsum ein- schränke und Arbeitslosigkeit zur Folge haben müsse.
sende Privatmeldungen vor:
In Moskau dauern die Straßendemonstrationen ungehin- bcrt fort. Zwischen Militär und Demonstranten kam ed in der Aacht vom 8. zum 9. vor den Wohnungen des Prinzen Napoleon nid des Vizekönigs zu blutigen Zusammenstößen. Eine einzige L^ombe tötete 18 Personen. Die Bomben explodierten itt Abständen von einer Minute. Bei den Zusammenstößen auf tem Boulevard Twerskoh kämpften auf der einen Seite 10000 Streikende, auf der anderen ein Bataillon Jn- fanterie. Das Militär gab wiederholt Salven ab, zuerst iit die Luft und darauf in die Volksmenge. V iele Person en >>urden getötet, darunter Frauen und Kinder. In allen Dichtungen sah man Ambulanzwagen fahren, welche die noch lebenden Opfer in die Krankenhäuser brachten. Die Zahl der Getöteten wird annähernd auf 50 geschätzt, die der Verwundeten auf 600. Mehrere hundert Personen wurden ver- I>a stet. Die Verhafteten, viele hundert an der Zahl, wurden irnt Exerzierplatz einer Militär-Baracke geführt, wo 50 Soldaten n zwei Reihen aufgestellt waren. Die Arbeiter wurden durch n u t e n h i e b e gezwungen, zwischen diesen beiden Reihen auf unb ab zu laufen, während die Soldaten sie mit Gew ehr- iolbcn schlugen. Zahlreiche auf diese Weise be- l'andelte Arbeiter wurden getötet oder erheblich vermachet, sodaß man gezwungen war, die Peinigung zu unter- lrcchen. Die genaue Zahl der Opfer an dieser Stelle läßt sich noch nicht angeben. — Während der Straßenkämpfe auf dem Heflügelmarkt wurde von Seiten der Ausständigen eine Bombe siegen die angreifenden Kosaken geschleudert. 12 Ko s a k en wurden auf dec Stelle getötet. — Moskaus Frauen kämpfte n in den vordersten Reihen der Streikenden; sie be- m xten Stöcke und Schirme als Waffen, tvurden aber von Ko- fifen n ie d e rg e säb el t. An einer Stelle flohen die versuchen Streikenden in ein Haus, welches sie verbarrikadierten nt-b gegen die Angriffe der Truppen vertechigten. Die belagerten tlrbeiter warfen schwere Möbelstücke auf die Soldaten, deren Wut
i^urd) bis zum äußersten gesteigert wurde. Schließlich erzwangen lie Soldaten Eingang und stürmten die Treppen hinaus, um U«che zu verüben. Man glaubt, daß sämtliche Rebellen in dem .rufe niedergemetzelt wurden. — Die Fuhrleute, etwa :0 000 an der Zahl, sollen entschlossen sein, sich dem Streck uizuschließen. — Nach offiziöser Darstellung wurden nur fünf Kosaken, vier Gendarmen und einige Polizisten verwundet. Niemand sei getötet worden. Am Sonntag abend um 11 Uhr »sei die Rul;e in den. Straßen wieder hergestellt gewesen.
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AuMchc Käufer und rutsche Kämpfe.
R. Berlin, 9. Okt.
Die russischen Käufer sind in diesem Herbst zahlreich nach Berlin gekommen. Es wird uns aus Kreisen des , Ausfuhrhandels gesagt, daß die Käufer zwar noch nicht ganz die ftühere Entschlossenheit wiedergewonnen haben, aber doch um vieles unternehmender geworden sind. Im vorigen Jahre wurde nur das Allernotwendigste bestellt: der Krieg und die Sorge um die inneren Wirren wirkten bedrückend. Tie ganz feinen und teuren Luxuswaren fanden indessen auch in diesen Zeiten Abnehmer. Tas ist charakteristisch für Rußland: das Volk hat sich unter der ihm aufgebürdeten Last des ostasiatischcn Abenteuers einschränken müssen, die Spitzen der Gesellschaft führten ein umso Vers ch wenderis che res Leben. Aus Petersburger und Pariser Schilderungen ist bekannt, wie sich russische Großfürsten und Militärs über die öden Tage, in denen auf Siegesnachrichten gewartet wurde, hinweggeholfen haben.
Tie russischen Käufer sind beliebt, weil sie nicht allzusehr um den Preis feilschen. Als Zahler sind sie int allgemeinen weniger sympathisch. Auf Fristen von sechs, neun Monaten muh sich der Verkäufer von vorn- I.rein einrichten. Ter Russe, auch wenn er Geld hat, läßt gern die Zahlung in der Schwebe, vielleicht mehr aus Bequemlichkeit, als daß er sich schwer vom Besitz zu trennen vermöchte. Mit dieser Eigentümlichkeit wird beim Russen immer gerechnet. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen. Tas sino besonders die auS Deutschland nach Rußland cin- gewauderten Kaufleute, die dafür wieder scharf auf den Preis sehen und auch inbezug auf die Güte der Waren hohe Ansprüche stellen.
Obwohl Rußland den Krieg verloren hat, tritt eine seltsame Übereinstimmung darin zutaae, daß die russischen Käufer meinen, jetzt werde wieder Geld unter die Leute kommen. Die durch Wittes kluge Politik ^ejpatte Kriegsentschädigung an Japan scheint wie ein Zuwachs an Nationalvermögen betrachtet zu werden. Außerdem spukt die kolossale Summe der neuen russisch e n A n l e i h e. Es muh wohl etwas Ermutigendes und Belebendes haben, daß das Zarenreich nach all den Meder- lagen und trotz der unaufhörlichen Aufstände diesen bereitwilligen Kredit genießt uni in der großen Politik, ge- tre-gen von her ausdauernden Freundschaft Deutschlands, dem Vertrauen des verbündeten Frankreich, umworben von England, beinahe wieder zu der Rolle gelangt ist, die es vor dem Kriege spielte. Die Elastizität Rußlands, ferne Widerstandskraft gegen die Ereignisse setzen immer aufs neue in Erstaunen. Wir bezweifeln nicht, daß die bieten Millionen der neuen ruffifdien Anleihe, die Deutschland zu- gedacht sind, ohne Schwierigkeit untergebracht werden, ja, daß die Anleihe überzeichnet wird. Regierungsrat Martin brauchte nicht durch ein amtliches Donnerwort zur Ordnung gerufen zu werden; sein Buch, das die Schrecken des russischen Staatsbankerolts an die Wand malte, hat fast wie eine Reklame für russische Werte gewirkt, gemäß der alten Erfahrung, daß Die Warnung die Gefahr nur noch anziehender macht. Den siegreichen Japanern fällt es möglicherweise nicht so leicht, zu dem Geld zu kommen, das sie ihrerseits aufzunehmen beabsichtigen.
Ten inneren Wirren Rußlands wird, so berichtet man uns, von den russischen Käufern nicht die Bedeutung beigelegt, wie nach den täglichen Schreckens- neldungen änzunehmen wäre. Eine große, wirklich bedrohliche Erhebung gilt für unwahrscheinlich. Ter revolutionären Bewegung fehlen, nach Ansicht dieser Beurteiler, die Führer und die Mittel. Daß die Unzufriedenheit mit den politischen Zuständen und den vor- - geblichen Reformen noch immer erheblich sei, könne nicht ielcugnet werden. Aber man begnüge sich mehr und mehr damit, darüber zu räsonnieren und in geheimen Zusammentim ften Programme zu entwerfen für Rußlands Zukunft.
*
lieber die inneren russischen Wirren liegen heute fol-
Ausland.
Paris, 9. Okt. Ter Kriegsminister hat an alle Korpskommaudeure eine Zirkular n o t e betreffs die moralische Erziehung der Soldaten gerichtet. Es sei notwendig, heißt es darin, den Soldaten eine moralische Erziehung zu geben. Diese Erziehung müßte eine Fortsetzung der Schule sein. Die Armee müsse ein Organ des sozialen Fortschrittes werden. Demnächst werden Vorträge ftir Offiziere und Unteroffiziere, die sich freiwillig dazu melden, gehalten.
Wien, 9. Okt. Nach authentischen Berichten kam es gestern in Olmütz anläßlich des Verbotes der Abhaltung einer tschechischen Versammlung zu verschiedenen Sft elfte«
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1905, abends 9 Uhr
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Vorstand.
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