Nr. 109 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Mittwoch 10. Mai 1905
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Die „tttßenet gantllenbiatter* werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt Der »Yelftlchl CaiörohrF erschetM monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eichen.
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Z>i, heutige Kummer umfaßt 8 Seiten.
Z)er Kauptvorantchkag der Staatg-Hinuaymm und -Kusgaöen für 1905.
Gießen, 10. Mai.
Die Zusammenstellung der ständischen Beschlüsse zum Hauptvvrcmschlag für das Etatsjahr 1905 ist, wie wir bereits mitteilten, im Drucke erschienen. Danach ist das Einverständnis mit dem Jtihcklt der in dem Hauptvoranschlag bet gefügten Anmerkungen, nachgesuchte Befugnisse, Berech- ttgungen und Vorbehalte usw. der Großh. Regierung insoweit erklärt, als nicht bei den einschlägigen Kapiteln oder an sonstiger Stelle ein das Einverständnis ablehnender oder beschränkender Beschluß gefaßt ist.
Die Kredite für laufende Unterhaltung von Gebäuden sind nur unter der Beschränkung bewilligt, daß Ueber- tragungen in das Rechnungswesen der nachfolgenden Finanzperiode nicht stuttfinden dürfen.
Die Bewilligungen für Neubauten und größere Herstellungen bei allen Bauwesen ist die Beschränkung beigefügt, „daß Ersparnisse, welche bei der Vergebung der Arbeiten durch Angebote an den Voranschlägen erzielt werden, nur insoweit zur Verwendung kommen dürfen, als sie zur Deckung von Angeboten über die Voranschläge oder sonst sich als notwendig erweisenden Verbesserungsarbeiten bezüglich der baulichen Anordnung des Rohbaues des genehmigten Projektes erforderlich sind.
Die nach den Kammer^ Schlüssen sich ergebenden Abweichungen von den Voranschlägen der Regierung sind nicht sehr wesentlich, bei dem 1. Teil „Für die Ver w altun g" beträgt die Differenz 1480 Mk. Während nämlich hier der Voranschlag der Regierung mit Einnahme und Ausgabe auf 54 598 681,62 Mk. balanciert, beträgt er nach den Kammerbeschlüssen 54 600161,62 Mk. Der Unterschied folgert daraus, daß unter „Einnahme" bei der Hauptabteilung 1: „Reste aus früheren Jiahren" nach den Kammerbeschlüssen ein Plus von 1480 Mk. eingesetzt ist, welches unter „Ausgabe" durch ein Mehr von 2000 Mk. bei Hauptabteilung 12: „Pensionen" und ein Weniger von 520 Mk. bei „Zentralstelle für die Gewerbe und Landesgewerbeverein" ausgeglichen wird.
Der Betrag von 1480 Mk. findet sich in Teil 2: „Für das Vermögen" wieder unter der Hauptabteilung: „Reste aus früheren Jahren" als ein Mehr an Ausgabe gegenüber dem Voranschläge der Regierung. Der Ausgleich findet sich hier in der Hauptabteilung 14: „Indisponible und reservierte Fonds", wo durch die Kammerbeschlüsse ein Weniger von 1480 Mk. erzielt wird.
Somit beträgt die Summe „Für das Vermögen" 18 090 865,86 Mk. in Einnahme und Ausgabe. Die Hauptzusammenstellung ergibt daher als Hauptsumme als Voranschlag der Regierung 72 689 547,48 Mk. und als Voranschlag nach den Beschlüssen der Stände: 72691027,48 Mk., also ein Mehr von 1480 Mk., ein gewiß nur unbedeutender Unterschied.
Gelegentlich der Verhandlungen über das Budget 1905 haben die beiden Kammern noch folgende gemeinschaftliche Ersuchen an die Regierung zu richten beschlossen: 1.: „die Großh. Regierung zu ersuchen, Schritte in die Wege zu leiten, wonach die Provision der Stempelmarkenempfänger künftighin in Wegfall kommt", und 2. bei Kap. 115: Pensionen (Ausgabe) Tit. 4, Versorgung der Witwen und Waisen von früheren Militärpersonen: Großh. Regierung zu ersuchen, erwägen zu wollen, ob nicht auch denjenigen Offizieren, welche neben der Versicherung in der hessischen Kasse einen gesetzlichen Hinterbliebenenversorgungsanspruch an das Reich haben, die Beiträge zur hessischen "Offizierswitwenkasse erlassen werden können."
Ber der Beratung über die Regierungsvorlagen betr. das Finanzgesetz für 1905 sowie den Hauptvoranschlag nebst Nachträgen für 1905 haben gleichzeitig eine Reihe von Anträgen betr. die Kreisge ometer, das Landwirtschaftliche Institut, sowie die Feldbereinigungsgeometer ihre Erledigung gefunden.
Das Finanzgesetz hat gegen früher besondere Aen- derungen nicht erfahren/ Bei der Vermögenssteuer werden — wie in den letzten drei Jahren — die in Art. 13 des Ges. v. 12. Aug. 1899 festgesetzten Beträge mit einer Erhöhung von 36 und vier Elftel Proz. erhoben, also wird wiederum der Steuersatz für je 1000 Mk. Vermögen von 55 auf 75 Pfennig erhöht.
Kleines Aeuisseton.
— Schillers Reisesehnsucht. Gelegentlich der Gießener Ausführung' der großen Reichstags-Szene ans dem „Denre- trius"-Fragment erzählten wir, daß Schiller .den Aufenthalt seines Schwagers Wolzogen in Rußland benützte, um seine Kenntnis russischen Wesens zu mehren und zu beleben. Am meisten schöpfte abn- auch hier Schiller aus sich selbst, worüber Gottfried Keller sehr richtig urteilt: „Schiller war, als er abscheiden mußte, zu der Reife gediehen, von jedem gegebenen Punkte aus die Welt treu und ideal zugleich aufzubauen. Der „Tell" war nickt ein einzelnes Ergebnis günstiger Umstände; wie er fortgefahren hätte zu schaffen, lese man in der zweiten Szene bet zweiten Auszuges im „Demetrius", wo er den Anblick russischen Landes im Frühling beschreibt. Der hatte nickt nötig nach Rußland zu gehen, um dort „Studien zu machen". Karoline von Wolzogen, Schillers Schwägerin, erzählt m „Schillers Leben": „3m letzten Frühling seines Lebens fühlte er ein pst tmederkebren- des Verlangen, die Schweiz zu sehen, und die .Heimat Teils mit seiner Schilderung zu vergleichen." „Schüler hat bte Schweiz nie leiblich gesehen^, sagt Gottfried Keller, „aber um so gewisser wird sein Geist über die sonnigen Halden wandeln und mit dem Sturm durch die Felsschluchten fahren, auch nachdem der Mythenstein endlich lange verwittert und zerbröKlt sein wird." Schiller, der sich seit seiner Dearbeitimg der „Turandot' für China interessierte, hatte noch im letzten Jahre , eines Lebens Reistpläne, an deren Ausführung ihn sein früher Tod ver- hindert hat. Heinrich Vo ft erzöhlt: tilfirimb war
mir's, als mir Schiller ernmal sa-at: ,Jck hoffe noch nach China zu kommen, freilich, eS wird schwer halten, aber die Gewißheit, cs nicht zu können, würde mick imglucklich machen' — und kaum ein Vierteljahr darauf trug ich Schiller zur letzten Ruhestatt. Unter die schönen Pläne Schillers gehörte auch eine
Ferner wird die Regierung ermächtigt, zur teilweisen Deckung der Ausgaben für 1905 den Betrag von 9 194 817 Mark im Wege des Staatskredites flüssig zu machen und zu diesem Zwecke eine Zknleihe zu einem dem Stande des Geldmarktes bei Begebung desselben entsprechenden Zinsfüße in geeigneten Zeitabschnitten und in einem Nennbetrag aufznnehmen, der zur Beschaffung dieser Summe erforderlich sein wird.
Außer einer Instruktion für die Tilgung dieser Anleihe enthält das Gesetz noch für die Regierung die Ermächtigung, zur vorübergehenden Verstärkung des Betriebskapitals der Hauptstaatskasse nach Bedarf, jedoch nicht über 10 Millionen und nur innerhalb der bereits bewilligten Anleihekredite, Schatzanweisungen zu einem der Lage des Geldmarktes entsprechenden Zinssätze auSzugeben.
Volitischt Tagte,schau.
Im oldenburgischen Thronfolgestreite
stand am 8. d. M. vor dem Landgerichte in Oldenburg Termin an. Ursprünglich sollte dieser Termin nicht nur zur Weiterverhandlung, sondern zngleick auch zur Urteilsverkündung bestimmt sein. 9 ber hierzu kam es am 8. Mai nicht. Bei der vorletzten Verhandlung, im April, hatte die beklagte Partei (der regierende Groß Herzog von Oldenburg, das großherzogliche Haus und die großherzogliche Vermögensverwaltung) sich durch ihren Vertreter, Rechtsanwalt Lohse, auf ein Gutachten des Staatsrechtslehrers, Prof. Dr. Walter Schücking in Marburg berufen, der sich darin, abweichend von seinen früheren wissenschaftlichen Theorien, als ein überzeugter Verfechter des Ebenbürtigkeitsprinnps kundgab. Dieses Gutachten hatte inzwischen den Wiener Sachwalter des Klägers, des $rafen von Welsburg, den Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Maximilian Saxl zu einer umfangreichen und teilweise sehr scharfen Widerleguna der Sckmckinaschen Behauptungen veranlaßt. Die Broschüre des Dr. Saxl, der selbst erschienen war, wurde nun am 8. d. M. dem Gerichte durch den Rechtsbeistand des Grafen Welsburg, Rechtsanwalt Wisser, übergeben und Rechtsanwalt Wisser erklärte zugleich, die in der Schrift niedergelegten Argumente sich durchaus zu eigen zu machen. Somit tah der Gerichtshof sich vor die Notwendigkeit gestellt, das neu dargebotene Material sorgfältiger Prüfung zu unterziehen, und daher vertagte er die Verhandlung aus den 26. Juni, — wiederum mit der Bestimmung, daß an bieient Tage zugleich das Urteil gesprochen werden solle. Wohl um seinem Herrn Bericht zu erstattest, folgte oes Großherzogs K«abinettsrat Meyer den Verhandlungen vom wenig besetzten Zuhörerraum aus.
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Unerfreuliches aus Samoa.
Der Gouverneur von Samoa, Dr. Solf, nannte einmal im Reichstag diese Kolonie die Perle im Ge- s ch rn eit) e de ^deutschen Südseebesitzunaen. Er meinte, der Reichstag solle, um die Perle entsprechend einzufassen, nicht mit dem Golde sparen. Nun, die Volksvertretung bewilligte, was damals gefordert wurde. Es scheint aber, als erstrahle Samoa unter Dr. Solfs Verwaltung nicht in heuern Glanze, um bei der bilderreichen Sprache des Gouverneurs zu bleiben. Die Klagen eines Teiles der deutschen Ansiedler über Dr. Solf wollen nicht verstummen. Ein verständnisvolles i'.nd friedliches Zusammenarbeiten zwischen Verwaltung und Farmern ist offenbar kaum noch möglich. Der Gouverneur meint, daß die Farmer durch ihre Stellungnahme gegen ihn den Eingeborenen ein böses Beispiel geben und den Frieden im Schutzgebiet gefährden. Er hat demgemäß durch den Gouvernementsrat den Wunsch ausdrücken lassen, daß gegen die Farmer-Opposition mit den geeignet erscheinenden Mitteln energisch vorgegangen werde. Die Ansiedler wiederum halten die ganze Politik und das persönliche Verhalten Dr. Solfs für falsch. Sie beschuldigen ihn diktatorischer Neigungen, die über kurz oder lang zu einem Eingeborenen -Auf st and und zur Gefährdung der deutschen An sied l ungen führen müßten. Das sind äußerst beklagenswerte und bedenkliche Tishai> monien. Wer in diesem Streite das Recht auf seiner Seite hat, läßt sich aus der Ferne nicht beurteilen. Die Regierung denkt offenbar nicht an die Abberufung Dr. Solfs, denn die „Nordd. Allg. Ztg." dementierte jüngst die Meldung, daß dem Legationsrat Dr. Schnee die Verwaltung Samoas übertragen werden solle. Die Regierung .............................................
kann aber doch nicht ohne Nachricht sein über die nnerfreip Uchen Zustände auf Samoa. Eine baldige amtliche Klarlegung des Sachverhalts ist deshalb erwünscht.
Londoner Brief.
—i— London, im Mai.
Joö Chamberlain, der jetzt krank darniederliegk, hat in den letzten Monaten in seinem engeren Kreise an B e l i e b t h e i t° e i n g e b ü ß t. Starke Individualitäten sah er niemals gern in wichtigen Stellungen neben sich. Nun ist der Besitzer des „Standard", Pearson, dessen Tatkraft selbst seine G'gner anerkennen, und der außerordentlich viel für den Chamberlainismus getan und geopfert hat, von dem undankbaren Meister kurzerhand aus der Stellung eines Vorsitzenden der privaten Zollkommission hinauSgedrängt und durch einen Grafen von 24 Jahren ersetzt worden. Das erregt starken Verdruß. Zudem sind bicjenigen Mitglieder der Kommission, welche eine nachdrückliche Agitation unaufhörlich betrieben sehen möchten, unzufrieden. Denn Chamberlain ist seit einiger Zeit nicht mehr so rührig wie früher. Diese Zurückhaltung wiederum dämpft den Eifer der ausländischen Mitarbeiter an der Schutzzollbewegung. Solche hatte Chamberlain namentlich auS dem Kreise in England lebender Deutschamerikaner für seine Kampagne engagiert. Aber auch in der konservativen Partei, im Fraktionsverbande feiner eifrigsten früheren Gefolgsleute hat sich die Stimmung selbst der Heißsporne einigermaßen gegen den Fahnenträger des Hoch- schutzzolleS und zugunsten Balfours gewendet. Hätte die Home-Rule-Politik des Königs und des Prinzen von Wales nicht die Ulsterschen Unionisten gegen den Premierminister aufgebracht, so hätte wahrscheinlich bereits eine öffentliche Kraftprobe zwischen den beiden Haupthelden der Regierungspartei stattgefunden. Die Konservativen haben allgemach eingesehen, daß sie bei Balfours zäher Detailarbeit weiter oder besser auf ihre Rechnung kommen, als mit Chamberlains phantastischen Plänen. Auch im Lande beginnt der Zauber der Charnberlainschen Persönlichkeit in demselben Maße zu verblassen, wie die berechtigte ober unberechtigte Befriedigung über die letzten „Reformleist- ungen" Balfours wächst. Seine nächsten Freunde machen keim Geheimnis daraus, dag Chamberlain seit seiner Jtalienreise und besonders seit dem Tode seiner zweit- ältesten Tochter nicht mehr der Alte ist. Oder vielmehr er ist stark gealtert. Vielleicht ist es dieses Bewußtsein, daS ihn den jüngeren selbständigen Kräften gegenüber abweisend und überhaupt „geheimrätlicher" auf treten läßt, als seiner Sache gut ist. Er ist auch nicht mehr der alte Redner. Die letzten Monstre-Volksversammlungen waren nur halbe Erfolge. Den Nimbus seines Namens zu erhalten, ist jetzt oie einzige Sorge seiner Anhänger.
Die Vorbildung des KaffenarM.
In den zwischen Aerzten und Krankenkassen tobenden Kämpfen der letzten Jahre ist den Aerzten öfters der Vorwurf gemacht worden, daß sie auf dem Gebiete der sozialpolitischen Gesetzgebung nicht die genügende Ausbildung besäßen. In dem neuen Organ: „Reformblatt für Arbeiter-» Versicherung" (Dr. Schnapper, Frankfurt a. M.) weist daher der Offenbacher ReichstagSabg. Dr. med. Becker mit Recht daraus hin, daß die Regierung eS in der Hand gehabt hätte, bei dem Erlaß der neuen ärztlichen Prüfungsordnung diese Lücke in der Ausbildung des Kassenarztes auszufüllen, wenn sie gestattet hätte, daß die jungen Mediziner daS praktische Jahr außer an Akademien und Krankenhäusern auch bei praktischen Aerzten zubrächten. Darin kann man dem Abgeordneten Becker völlig beistimmen, daß Akademien- und Krankenhausärzte sehr wenig geeignet sind, den jungen Arzt in die Kassenpraxis einzuführen, weil die Akademiker und Krankenhausdirektoren der Kassenpraxis selbst meist vollständig ferne stehen. Rur beschäftigte Aerzte, die durch jahrelanges selbständiges Betreiben einer größeren Kaffenpraxis die nötigen Erfahrungen besitzen, sind in der Lage, auch die jungen Kollegen in diesen wichtigen Zweig ärztlicher Tätigkeit einzuführen.
Aus Stadt Md Land.
Gießen, 10. Mai 1905.
** Oeffentli che Lesehalle. Im April wurden 2075 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende.
Reise nach dem Meere, bad er nie gesehen, zu dem er aber von jeher eine gro^e Sehnsucht gehabt hat. ,Eine Reise nach dem Adriatischen Meere', sagte er, ,wird mir zu kostbar: ich brauche dazu 1500 Taler, die kann ich nicht daran wenden.' Wir machten einen Reiseplan nach Kuxhaven. Ich erzählte ihm von den gastfreien Dithmarsen, in deren Hütten es dem großen Manne wohl geworden wäre. Er sagte dann wohl, daß er sich sehnte nach dem Anblick des ,großen Wasserelementes', und ich sagte ihm, er müsse schon deshalb eine solche Reise machen, damit er recht empfände, wie schön er gedichtet habe:
,Jch höre fern das ungeheure Meer An seine Ufer dumpferbrandend stoßen.'"
— Der verdorbene Chirurg. AuS der Zeit, daß es Schiller finanziell schleckt ging, ist eines der merkwürdigsten Dokumente aufbewahrt. Es ist dies ein p r o te sti e r t e r W e ch s el des Dichters, der fick in ber Authographensammlung des bekannten Generals von Radowitz, des Freundes Friedrich Wilhelms IV., vor fand. Der Wechsel ist von Schiller ausgestellt und vom Bankhause Vethmann in Frankfurt mit folgenden Worten protestiert: „Ein verdorbener Chirurg, der sich mit Gelvalt zmn Dichter machen will". Dieser Protest des Bankiers gegen den Klassiker ist auch — llassisch! 75 Jahre später ordnete ein Nachkomme dieses Bethmann, der preußischer Kultusminister geworden war, an, daß znm 100. Geburtstag dieses verdorbenen Chirurgen in allen preußischen Schulen Astern stattfinden sollten.
— Eine nette Schiller-Anekdote weiß die Wei- marische Zeitung „Deutschland" zu erzählen: Daß die Gedickte Schillers nicht immer die vcrdieme Anerkennung gefunden haben, beweist eine heitere Episode, die sich in den fünfziger Jahren an einem Gymnasium unseres GroßherzogtnmS ereignet hat. (Sin.
Lehrer der Oberklafsen pflegte die Schüler häufiger Aufsätze in BerSform machen zu lassen. Da§ Thema blieb jedem Schuler Überlassen. Einer der Klasse erfreute sick nicht gerade deS besonderen Wohlwollens des Ordinarius. War irgend etwas Vvr- gekommen, so konnte der Schüler H., der jetzt noch im wohlverdienten. Ruhestand in angesehener Stellung sich seines' Lebens freut, sicher darauf rechnen, daß der Verbackt, der Uebeltäter gewesen zu sein, zuerst auf ihn fiel. Auch seine schristlkchen Arbeiten wurden zumeist reckt abfällig beurteilt, und so kam eS denn, daß H., als sein Aufsatz in Versen korrigiert zurückgegeben wurde, sick wieder sagen lassen mußte, daß er wieder die schlechte ste Arbeit eingereicht habe. Eine längere ErmahnungSrede des Lehrers schloß sich 'an. Ruhig ließ H. den Redeschwall seines Vorgesetzten über sich ergehen, um zum Schluß mit einem verschmitzten Gesicht zu erwidern: „Entschuldigen Sie, Herr Professor, das Dingsch ist von Schiller" — H. hatte ein nock ungedrucktes Gedicht von Schiller abgeschrieben und als eigene Arbeit ein gereicht.
— Der diesjährige Samaritertag, der am 1. und 2. Juli in Kiel itattnndet, wird zugleich eine Erinnerungs- und Ehrenfeier für den Begründer des Samariter- und Rettungswesens Exzellenz v Esmarch fein. Außer einem Rückblick auf die fast 25 Jahre in Deutschland heimisch gewordene Bewegung, den Profeftor v. Esmarch geben wird, wird Erretten- v. Bergmann über „Der Arzt und seine Gehilfen" sprechen. Von weiteren aktuellen Vorträgen sei noch erwähnt „lieber Rettungsschwimmen" (Dr. Roediger-Franffurt), „lieber die Zentrali- fnti'jn des Rettungsweste-" (Prof. Metz er-Berlin) und über .^Samariter- und Rettungseinrichtungeu im Bergwerks betrieb" .^-anilätsrat V o g e l - E -sthen). Die bislang eingegangenen zahil- reichen Anmeldungen lassen auf eine sehr zahlreiche, ©eteilto*, una schließen.


